Ninjaan ist zu teuer – Gedanken auf dem Weg nach Hamburg

Ich sitze gerade im Zug auf dem Weg nach HH. Eigentlich verabscheue ich Zugfahrten im Allgemeinen und im RE insbesondere, aber heute tut es gut. Einfach aus dem Fenster schauen, die vorbeiziehende Landschaft bestaunen und zwischenzeitlich vor mich hindoesen. (Umlaute kennt mein SMARTphone (!!!) leider nicht) Ich habe eine ebenso anstrengende wie auch lange (sowohl woertlich, als auch gefuehlte) 24 Std Schicht hinter mir. Wenig Schlaf, viel Trubel und ausreichend Geld – die Doppelbelastung lohnt sich allemal, fuer mich jedenfalls, meine ehemalige Arbeitgeberin und jetzt Chefin meines Nebenjobs sieht das nicht so.

“Du bist uns eigentlich zu teuer, ninjaan!“ Eigentlich, weil sie mich gerne hat, eigentlich, weil sie hofft mich so wieder in die Vollbeschaeftigung zu

bekommen? Keine Ahnung, aber ich brauche diesen Nebenjob dringend, und hoffe darauf, dass ihr “eigentlich“ fuer“ unnoetig, aber weil du es bist machen wir es trotzdem“ steht und nicht nur eine nette Umschreibung fuer “du bist raus“ ist.

Egal, der Monat Mai ist gerettet, jetzt gehts nach HH, eine Freundin besuchen, entspannen, weder an Geld noch an Yaya denken – das ist das Ziel.

Auswandern…

…für einen bestimmten Zeitraum, zwei Jahre vielleicht, ist nicht gleich weglaufen! Doch, widerspricht mir meine alte Bekannte, die sich auf einen Kaffee in meiner „Nachmittagspause“ angekündigt hatte. „Doch, es ist weglaufen, weil du glaubst, wenn du wieder kommst wäre alles anders, das ist es aber nicht, weil es nur anders wird, wenn du es anders anstellst!“  Klingt das nicht herrlich einfach? Ist es sicher auch – für andere Menschen. Für mich nicht! Ich ändere gerne Dinge, ich bin unbeständig, ich lege mich nicht fest! Ich ändere alles, meine Geschmäcker, Zigarettenmarken, Musikgenre´s, Wohnungen, Städte, Jobs – aber ich kann nicht ändern, dass ich es immer ändern will! Denn wenn ich es könnte, dann würde ich es tun! Dann hätte ich schon längst meine Umzugskartons ausgepackt (seit 7 Monaten stehen sie im Hausflur), mich richtig eingerichtet, vielleicht würde ich auch mal streichen oder mir Möbel kaufen die nicht nach spätestens 2 Jahren auseinander fallen (aber kein Problem! jede Wohnung ist anders, da muss eh hin und wieder was Neues her!), vielleicht würde ich mir auch mal ein Auto kaufen anstatt zu leasen?

Wenn ich das ändern könnte, dann würde ich es ändern! Ich kann aber nicht, ich habe keine Ahnung wie das geht! Ich weiss nur, weggehen, umziehen, stetige Wechsel, vertreiben „böse Geister“ – alles ist ein Neuanfang, wer würde nicht gerne mal neu anfangen? Ich tue es ständig! Das einzig Beständige in meinem Leben, sind meine Freundschaften, darauf bin ich stolz, weil ich glaube, dass ist etwas, was viele heute verlernt haben. Das kann ich, Freundschaften erhalten, sie leben und geniessen. Meine Freundinnen, 25, 15, 10 Jahre verbinden uns, wundervolle Jahre und ich bin dankbar für jede von ihnen. Gute Freundschaften bleiben auch, wenn einer immer mal wieder geht – ich gehe, meine Freundschaften leben weiter. Was also hält mich?

Nichts! Und wie immer, wenn etwas in meinem Leben passiert, dass mich emotional sehr berührt, sei es der Tod eines geliebten Menschen, andere Schicksale oder eine unerfüllte Liebe – dann packe ich meine Sachen und gehe. Mal ist es nur ein Wohnungswechsel (wegen der „bösen Geister“), mal ein Städtewechel, mal nur ein anderer Job, irgendwas, dass mich ablenkt, mich “ neu anfangen“ lässt.

Jetzt ist es wieder soweit: Ich will gehen, die Wohnung wechseln wie erst vor 7 Monaten, oder den Job wie vor 8 Monaten, reicht nicht mehr – ich will raus,  meinen Kopf frei bekommen – ich gehe! Ich habe gestern Abend 6 verschiedene Bewerbungen verschickt, in 6 verschiedene Länder, nur eins davon in der EU. Es fühlt sich gut an, der Gedanke gehen zu können, weit weg von hier.

„Ein neuer Job, ein neues Land, ein neues Leben“, schreit mein Kopf und jubiliert (mein Kopf spielt mir bisweilen bösere Streiche als mein Herz)! – „Wenn du gehst, dann ist es vorbei“, schnieft mein Herz leise. -“ Gut so! Das ist es nämlich  sowieso schon“, sagt mein Kopf, „nur du hast es noch nicht verstanden!“

6 Bewerbungen, 3 Kontinente, 4 Sprachregionen – alles gut Ninjaan, einer wird dich übernehmen, dann wird alles gut, wie immer!

P.S.  Yaya دلم برات تنگ میشه

Sinnlose Streitereien

In meinem Kopf herrscht Leere, ich bin so müde, mein Ohr dröhnt und ist schon den ganzen Tag fast taub (ich werde alt…). Ich wollte einen ruhigen Abend, früh ins Bett gehen, nur schnell noch ein wenig online sein und meine Bewerbungen fertigstellen, irgendwie, auch wenn ich an der Formatierung zu scheitern drohe. Nur einen kleinen Moment, nur ganz kurz. Ich hätte es lassen sollen. Weil ich müde bin und Schmerzen habe, weil ich unzufrieden bin und wissen hätte müssen, dass es so endet. Nein, das konnte ich nicht wissen, aber ich hätte mir denken können, dass es eine solche Richtung einschlagen wird, wenn er auch online ist. Wenn er mich anschreibt und selbst gestresst, müde und genervt ist. Wir sind Hitzköpfe, wir kennen kein Maß.

Nein! Weisst du was Yaya? DU kennst kein Maß, du weisst nicht wann man aufhören sollte! Ich leider auch nicht, aber im Gegensatz zu dir bin ich auch emotional „belastet“ – das weisst du. Du hättest schweigen können, hättest es überhören können, einmal nur hättest du geduldig sein können. Einmal nur! Nur heute, weil ich müde bin, Yaya, so müde und weil ich Schmerzen habe, im Ohr, vielleicht sogar etwas im Herzen und weil ich unzufrieden bin.

Es war nichts, nichts wegen dem man sich hätte streiten müssen, schon gar nicht so. Aber er bist so aufgeladen und ich bin es auch. Ich versuche das Gespräch zu retten, irgendwie.

NToday me and O, made the beat –  I played the piano 🙂

Ycool

…..

NIt was fun to do that today!

Ywith O. yes

NIf I could handle cubase I would try it myself!

Ywith me u prefer to sleep! 

N: we did it this morning! And I just slept when u were mastering it…

Yok it a was joke

Es war kein Joke. Aber ich überhöre das, schlucke herunter was ich dir gerne sagen würde.  Das ich nächtelang mit dir im Studio saß und mit dir an deinen Songs gefeilt habe, dass ich es gerne getan habe, egal wie müde ich war! Und dass es unfair ist, mir vorzuwerfen, dass ich um 4 Uhr morgens auf dem kleinen Sessel einschlafe, während du mit Kopfhörern deinem Song den letzten Schliff verpasst. Diese Konversation mag unwichtig klingen, für mich ist sie das nicht und du Yaya, weisst das ganz genau! Du weisst, dass es mich wütend macht, wenn du damit anfängst, weil es nicht fair ist, weil es nicht wahr ist. Aber du sagst es trotzdem und ich hätte wissen müssen, dass es jetzt nur noch schlimmer werden kann.

Aber ich hätte gerne deine Hilfe bei der Bewerbung, es ist deine Vorlage, du kannst damit umgehen, ich nicht. Ich bin ungeduldig bei so etwas, ausserdem bin ich müde und mein Ohr… Ich frage dich, ob du für mich die Tabellen zur Selbstbeurteilung von Sprachkenntnissen einfügen kannst. Du redest etwas wirr, dein Englisch war schon mal besser, aber du bist genervt und unkonzentriert.

N:  Kannst du mir diese Dings einfügen? Für die  Sprach -Selbstbeurteilung?

Y:  what shall i do ? the table ?

N:  bitte

Y:  what shalli do exactly? u dont have the table?

N: Das was du auch hast…

Y: aha! then? how can i help , i didnt get sorry

N: ill send it to u

Y: u need the table? ok wait i go to my pc

Y: I dont have word! do u know it ?

N: ?

Y: i haveno office in my pc unfortunately. i told u yesterday , im sure!

N: aha ok, but u have another one with office? u told me: Wait I go to my pc…?

Y:  how can i do that without word ? with autocad oder was?

N: Hast du nicht eben gesagt: Wait Ill go to my pc?

Y: i didnt know u want me to do sth in office!

N: Ok than why dont u say: NO Ninjaan I cant do it for u?

Y: its really stupid how u talk now!!  i said i go to my pc cause i tought u need the table!! comic really! why shouldnt i do it if i have office? i told u yesterday that i have no office inm my pc! Paranoia

N: Wusaaa! I am not in mood for this now… I just  got u wrong

Y: wusaaaa has no meaning for me now , try to use words if u wanna say sth! 

N: I just got u wrong! can u maybe just explain it in a normal way? that sucks! 

Y: this is my normal way.how can i think u get wrong . i blame everyone who talks like this!!!

N: Its nothing special…?

Y: look at how u talk firstly!

N: It was my response to ur: With autocad oder was..

Y: i dont wanna know why u said this! u know i dont have! i told u already! but unfortunately: u forget! 

Es ist schwachsinnig, völlig schwachsinnig! Warum streiten wir? Das ist skype, wir schreiben in einer Sprache die nicht unsere Muttersprache ist, weil wir beide eine andere haben. Missverständnisse kommen vor, aber du willst wütend sein. Weil ich was falsch verstanden habe und weil ich vergessen habe, dass du auf einmal kein Word mehr hast?? Mich nervt deine miese Laune, ich habe selbst welche. Ich will aufhören, aber du nicht. Nicht bevor du einmal um dich geschlagen hast.

N: Come on YaYa

Y: come on what?

N: we know each other good enough! 

Y: no i dont think so! 

N: there is no need for this all the time really…

Y: ! interesting

N: Look? I knew u would say that 🙂 

Y: look what_? Bravo!

N: u are fighting with  me FOR WHAT? Because I forgot a simple thing u threw into a conversation yesterday?

Y: are u fine?

N: no

Y:  i would do anything but u just want me sth which i cant do and it nerves me when u have no accuracy in what i tell u! really!  i say i have no word and u want me to edit sth in word! 

N: Ach and u always have???

Es folgt ein kurzer Schlagabtausch, er ist genauso sinnlose wie alles vorherige. Ich bin genervt und du sagst, du seist müde. Wie müde ist eigentlich jemand, der noch so ätzend sein kann? Irgendwann switche ich auf Deutsch um, ich kann nicht mehr englisch reden, mein Kopf platzt, mein Ohr piept seltsam. Ich will nicht streiten, aber ich bin wütend und dann kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen und streite mit dir und du nimmst das an, als wäre es das was du willst.

Y: u surely haveno explaination for that sentencewhich i pasted, casue it is simply meaningless!

N: kannst du deine miese Laune einmal an wem anders auslassen? Ich habe selber schlechte Laune! ich hab was vergessen, ok. Vergib mir!

Y: !

N: Du machst daraus ein riesen Ding und weisst genau, dass es mich ärgert und beschäftigt und das ich nicht streiten will! Und du machst es trotzdem!

Y: no, its not like this! and ninja:  why do u try to cortrect my behaviour always?

N: I dont try to! Its not me! U are analyzing me all the time!  I just want some patience it´s not that much! 

Y:  dont u understand really????

 !

 doenst it make u angry when i tell this to u!? ninja i should sleep really

N: reread ur words , when u have time

Y: i dont wanna read my words! i said autocad! is it my answer?

N: ok for not holding u back  because u are  sleepy: my fault! sorry!

Y: do u think im so fool that im happy when u say my fault?

N: Do u think I am happy right now? *

Das war´s, dann ist er weg. Ich sitze da und ärgere mich, über mich selbst, über ihn, darüber, dass wir über das blöde Internet kommunizieren müssen, wo man keine Mimik sieht und keinen Tonfall hört. Ja, ich habe ihm nicht zugehört, ich habe nebenbei noch mit einer Freundin bei FB geschrieben und nicht richtig aufmerksam gelesen. Wieso sollte ich auf die Idee kommen, er habe plötzlich kein Word mehr? Er hatte irgendwas in der Art gesagt, aber eigentlich geht es hier nicht um Word und auch nicht darum ob ich mal zuhöre oder nicht.

Er ist wütend, auf alles, auf jeden, auf mich, weil ich gerade da bin. Ich weiss, dass es vieles gibt, dass ich nicht von ihm weiss, dass er glaubt, mein Leben wäre rosarot, weil ich in einem „freien Land“ aufgewachsen bin und er seine Narbe, aus seiner „unfreien Heimat“ nicht zeigt, nicht zeigen will. Lieber schlägt er um sich, mit Worten natürlich nur. Er ist ein Kämpfer, nichts wurde ihm in den Schoss gelegt, darauf ist er stolz, das soll er auch sein. Ich habe den größten Respekt davor.  Aber meine Welt war auch niemals rosarot. Das ist ok, ich beklage mich nicht, ich schlage genauso um mich. Ein weiterer Grund, abgesehen von der Beziehungsunfähigkeit und seinen nicht vorhandenen Gefühlen (jedenfalls was das große L-Wort angeht), der uns für absolut nicht kompatibel auszeichnet. Er braucht, wenn er überhaupt jemanden braucht, eine ruhige Person, genauso wie ich.

Zwei Hitzköpfe mit angestauter Wut verletzten sich zu gerne. Ich sollte aufhören, aufhören mit dem Allen, weil es mich verletzt, zu sehr. Er schläft seit Stunden, ich bin wach. Ich kann nicht schlafen, weil ich mich frage, wie lange es dauert, bis wir uns beruhigen, bis einer von uns nachgibt. Eigentlich gibt er nach, ja du Yaya, du bist derjenige der immer gekommen ist und gesagt: „Dont be angry with me Ninjaan…“ – Sagst du es nochmal? Denn wenn nicht, dann werde ich auch nichts sagen, weil es vielleicht dann besser so ist…für mich.

* Bitte beachtet die Fehler in der Konversation nicht, das ist copy/paste, zum größten Teil!

Und weils so gut passt:


Retrospektive Mai 2011

„Put us togetha, how they gon‘ stop both us?
Whateva she lacks, I’m right over her shoulder
When I’m off track mami is keepin‘ me focused
So let’s lock this down like it’s supposed to be
The ’03 Bonnie and Clyde, Hov‘ and B, holla
All I need in this life of sin is me and my girlfriend (me and my
Girlfriend)“  (´03 Bonnie & Clyde)

Deine Stimme ist sanft, ich spüre deinen Atem auf meinem Nacken. Ich koche gerade das Wasser für unseren Kaffee auf, als du plötzlich hinter mir stehst und dieses Lied anstimmst. Ich bekomme eine Gänsehaut, nicht nur weil du so dicht hinter mir stehst und dein unverwechselbarer Duft  dich und mich zu umhüllen scheint, sondern auch weil deine Stimme nicht nur nett ist, nicht nur schön, sie ist atemberaubend und du talentiert. Ich wende mich dir zu, du bist nur wenige cm von mir entfernt und strahlst mich mit einem selbstsicheren Lächeln an, ich lächele zurück, streiche dir über die Wange. „Du solltest singen, nicht nur rappen. Deine Stimme ist zu schön dafür.“ Unvermittelt drehst du dich um, gehst an den Kühlschrank und beginnst den Tisch für das Frühstück zu decken. Ich sehe dich an, alles ist so natürlich mit dir, in diesem Moment, nach der letzten Nacht. Keine heimliche Scham, kein Bereuen.

“ It´s easier to express myself when I rap.“ Ich nicke, als würde ich verstehen, obwohl du das nicht von mir erwartest. Du bist dieses Mal viel entspannter, lockerer, selbstsicherer. Der letzte Abend war schön, würde mir ein besseres Adjektiv einfallen, um zu beschreiben wie es war, würde ich es an dieser Stelle tun. Aber mir fehlen die Worte. Ich setze mich zu dir an den Tisch, der Kaffee ist noch heiss, zu heiss, um ihn schon zu trinken. Ich frühstücke mit dir, obwohl ich das eigentlich nie tue, doch ich weiss, du würdest es ansonsten ablehnen etwas zu essen.

Wir hatten eigentlich einen Film ansehen wollen, so wie beim ersten Mal, aber wir kamen nicht dazu. Es war drückend heiss in meiner Dachgeschosswohnung, du hast das große Fenster geöffnet und begonnen Kazoo zu spielen. Ich habe mich neben dich gestellt, und in den Nachthimmel hinein unternahm ich meine ersten Versuche diesem winzigen „Teilchen“ eben solche Klänge zu entlocken. „It´s ur voice that affects the sound.“ – Darum klingt es bei mir auch eher kläglich und ich überlasse es wieder dir.

Der Himmel ist klar und voller Sterne, wären wir verliebt, wäre es wohl einer dieser magischen Momente gewesen an die man sich bis ins hohe Alter zurück erinnert. Aber weil wir es nicht sind, lausche ich nur gebannt deinem Kazoo Spiel und betrachte den Nachthimmel. Nur manchmal habe ich zu dir herüber gesehen, das Bild von dir, am großen Dachfenster sitzend und Kazoo spielend, hat sich in meinem Kopf festgesetzt. Hätte ich künstlerisches Talent und man würde mich bitten dich zu malen, nicht nur dein Äusseres, sondern auch dein Innerstes, so wäre es dieses Bild. Wie sehr wünschte ich mir ein solches Talent zu haben.

Dieser Moment verging, wie alle Momente irgendwann einmal vergehen. Mir war nicht danach einen Film zu sehen, dennoch setzte ich mich vor den neuen Fernseher und suchte nach der Einstellung für den USB Anschluß. Aber auch dir war nicht mehr danach einen Film zu sehen. Du hast dich hinter mich gehockt, die Arme um mich geschlungen und mich auf die Wange geküsst. “ We don´t need to watch a movie now…“ Ich lächelte dich an, weil du dachtest was ich dachte, weil dieser Moment  vielleicht doch ein kleines bisschen magisch war und zu schön, um ihn nun mit einem B-Movie ausklingen zulassen. Diesmal küsstest du mich.

Ich bin nicht verliebt und du bist es nicht, deswegen ist es so schön, so ungezwungen und ich konnte mich dir hingeben, weil ich mich nicht fürchte, nicht vor dir.

Nach dem Frühstück gehst du, ich fahre dich nicht, ich werde das im nachhinein bereuen, weil ich hätte wissen müssen, dass es deine reine Höflichkeit war, die dich mehrfach sagen liess “  U don´t need to drive topol, it´s ok, really! The weather is perfect, I´d like to walk!“  Nachdem du fort bist stehe ich noch ein wenig am Fenster, ich nehme deinen Duft noch wahr, als wärst du nicht gegangen. Als ich mich umdrehe bemerke ich deine Jacke, sie ist es die deinen Duft weiterhin verströmt. Es ist warm, zu warm, darum hast du sie vergessen. Dein Duft ist so betörend, ich muss sie in den Flur hängen. Ich bin nicht verliebt in dich, was soll ich also deine Jacke länger in meiner Nähe haben?

Gut gemeinter Ratschlag

Du hättest dich wenigstens anständig vögeln lassen können! Meine Güte! “ Genüsslich beisst mein schwuler Kumpel in seinen Burger. Für eine Sekunde bin ich, angesichts seiner, nennen wir sie mal direkten Art, geschockt, doch im Grunde kenne ich es nicht anders von ihm. Er ist kein Gefühlsklotz, im Gegenteil, er versucht nur ständig wie einer zu wirken. Das war übrigens sein Kommentar zu meinem verpatzten 1. Date. Wie ein kleines trotziges Kind antworte ich ihm: “ Ich will auch gar nicht einfach gevögelt werden!“ Er zieht nur abfällig eine Augenbraue hoch und widmet sich dann wieder seinem Burger. Ich bin beleidigt, als wenn es darum geht!

Es geht nicht um Sex und nicht darum, dass mein Körper sich vielleicht hin und wieder danach sehnt. Ich habe GEFÜHLE! Und wenn ich Sex haben will, dann mit ihm, mit Yaya und nicht mit irgendwem anders. Alleine der Gedanke daran lässt mich erschaudern… Und so gerne ich mich meiner monogamen Neigung rühmen würde, so sehr nervt es mich. Weil überhaupt nicht feststeht, ob er und ich uns jemals wieder treffen werden. Weil er nicht weiss wo er hingehen wird, wenn sein blödes Praktikum am anderen Ende von DE endlich vorbei ist. Und weil ich auch nicht weiss, ob er sich, angesichts seiner, tatsächlich, hohen Moralansprüche, überhaupt jemals wieder darauf einlassen würde, seit er weiss, dass ich nicht mehr cool bin, sondern verl….(ich mags sooo ungerne sagen!).

Seit wir uns Donnerstag in die Haare gekriegt haben, schreiben wir nicht mal mehr, sondern schicken uns nur hin und wieder Videos/Musik. Wie ich das alles verabscheue, diese ganze Gefühlsduselei und dass es mich so erwischt hat. Gestern Nacht, nach dem Treffen mit meinem Kumpel fühlte ich mich irgendwie noch elender, seine guten Ratschläge mir einfach wen anders zu suchen, treiben mich irgendwie nur noch mehr dazu, ständig an Yaya zu denken. In meiner Melancholie/Selbstmitleid/Lxxxkummer habe ich ein Video gefunden, dass ich ihm einfach mitten in der Nacht geschickt habe – weils so schön war und irgendwie so traurig und weil es zum Glück auch nichts mit Liebesgedöns zu tun hatte.

Überzeugt euch selbst:

Und jetzt genug der Jammerei, ich gehe ins Kino, in einem Film den er mit absoluter Sicherheit „scheisse, weil zu mainstream“ finden wird, aber „who cares“?

Rot – Tiefschwarz: Ganz, ganz miese Kombi!

Ich zweifel hin und wieder stark an meinem Urteilsvermögen, insbesondere in Angelegenheiten die mein Privatleben betreffen. Weniger zweifel ich allerdings wenn es sich um meinen Job, meine Entscheidungen und meine Ansichten dreht, da ist mein Selbstvertrauen, in mich und mein Urteilsvermögen, nahezu unschlagbar. Meine Konzepte gehen auf, das Jugendzentrum läuft wie seit Jahren nicht mehr  (ok am finanziellen Aspekt muss ich noch etwas feilen, aber ich bin dran!). Meine Auswahl, was die Teammitglieder betraf stellten sich im nachhinein als durchweg richtig dar. Wir sind ein Chaosteam, ok, aber wir leisten gute Arbeit, so dass uns niemand (aus dem Vorstand) ernsthaft etwas vorzuwerfen hätte. Es läuft, wie man so schön sagt, und weil es so gut läuft habe ich anscheinend kurzfristig meinen „guten Blick“ für super Mitarbeiter verloren, auf jedenfall muss meine Sicht leicht eingeschränkt gewesen sein, als ich den neuen Praktikanten auswählte. Drei Bewerber, zwei davon mit einer super Bewerbung, eine Bewerbung war unbrauchbar. Zwei Vorstellungsgespräche und eine Teamsitzung später stand der neue Praktikant fest, nennen wir ihn: Mr. Oxymoron, oder abgekürzt Mr. O.

Warum Oxymoron? Nun ja, denken wir mal an eines der bekanntesten Oxymoron(e ?) die man so kennt: Der schwarze Schimmel. Denn genau das ist er, man sieht ihn und denkt, wow das ist aber ein schicker Schimmel und erst beim 2. oder 3. Blick wird einem klar, dass er nicht wirklich weiss ist, sondern eher…tiefschwarz. Oder um es etwas zu politisieren: Oh ist der angenehm  rot…oder nein, er ist doch eher tiefschwarz!

Ich mache natürlich mit meinen neuen Mitarbeitern/Praktikanten keinen Gesinnungstest! (Wobei klar ist, dass ich natürlich niemanden einstellen würde, der sich im braunen Spektrum aufhält!) Im Chaosteam ist so einiges vertreten, aber eine gemeinsame Basis, auf die man sich einigen kann, gerade wenn es um die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geht, die sollte schon vorhanden sein.

Mr. O´s Bewerbung klang gut, sein Ruf in unserer Kleinstadt ist es ebenfalls. Er ist junge, motiviert, politisch aktiv, und macht Musik – perfekt, so einen brauchen wir, gerade für unser neues Musikprojekt! Und so sicherte ich ihm den Praktikumsplatz zu und sinnierte schon darüber, ob ich ihm den, in wenigen Wochen freiwerdenden, Honorarjob für´s Musikprojekt anbieten soll.

Soweit so gut. Dann kamen die drei Porbearbeitstage, auch gerne Hospitation genannt und ich fiel buchstäblich aus allen Wolken! Der Schimmel war bestenfalls, wie vorher beschrieben, ein schwarzer Schimmel, nach aussen rot und innen tiefschwarz. Es ist natürlich nicht schlimm die „Schwarzen“ zu wählen oder sie gut zu finden, ich tu´s zwar nicht, aber das allein ist kein Ausschlusskriterium! Aber bitte, seid ihr schon mal einem Linken/Anarcho mit tief, tiefschwarzen Ansichten begegnet? Nein? Gut, dann gebe ich euch jetzt mal eine Kostprobe von dem was in einem rot/tiefschwarzem Kopf so vor sich geht!

Hier mal zwei Gesprächsauszüge, die mich, MICH, tatsächlich sprachlos gemacht haben! Und das will schon was heissen (jedenfalls solange man nicht der Mann ist mit dem ich gerade ein 1. Date habe!):

Mr. O und ich allein:

Mr. O: …Ich schließe aus deinen Aussagen, dass du aktuell in keiner Beziehung bist?

Ich: Ehm, ja?

Mr. O: Aber du gehst doch schon auf die 30 zu oder?

Ich: Ja, könnte man so sagen… (Gewaltphantasien, vergleichbar mit denen von Ally Mcbeal, nur etwas mehr „ninjalike“, on!) 

Mr O: Dir ist schon bewusst, dass spätestens mit 30 dein Körper beginnen wird nach einer Geburt zu schreien oder? Dagegen kannst du dich nicht wehren! 

Ich: … (Ninjamood ON!)

Mr. O: Gibt es denn niemanden der dir gefällt? Beziehung und Familie sind das Wichtigste!

Ich: Doch, aber das muss ja nicht immer zwangsläufig in einer Beziehung enden, es gibt auch andere Dinge die mir wichtig sind.  (Warum habe ich das eigentlich gesagt???) 

Mr. O: Aha! Du tötest also dein Kind für die Karriere?..

Ich: …Ich tue was?

Mr. O: Naja, das ist typisch für Akademiker, du verzichtest darauf Leben zu schenken, um „dich selbst zu verwirklichen“…

CUT! Ich war sprachlos! Absolut! Im nachhinein fallen mir viele gute Dinge ein die ich hätte sagen können. Zum Beispiel: Findest du es nicht etwas unangebracht über das Leben deiner neuen Chefin zu urteilen, du SPINNER???

Aber das war noch nicht alles! Nehmen wir das zweite Beispiel:

Mr. O, mein Kollege D. und ich:

Mr. O: Hier ist nicht wirklich ein Querschnitt der Gesellschaft vorzufinden! Das ist bedenklich. Aber typisch für Jugendzentren, ihr seid nur Auffangbecken.

D.: Das klingt jetzt aber sehr nach Pfeiffer (Kriminologe und mein spezieller Hass- Wissenschaftler!)

Ich: Ich sehe das nicht wirklich so. Wenn man überhaupt den Anspruch eines Querschnitts an eine Einrichtung wie uns stellt (kleiner, freier Träger mit begrenzten Kapazitäten), dann kommen wir dem schon ziemlich nahe.

Mr. O: Ja? Das sehe ich anders, hier fehlen die „Normalos“.

Ich: Die wer?

Mr. O: Ja, die Normalos, die Deutschen halt.

Ich: Aha, die anderen sind also nicht normal? Im übrigen haben hier etwa 85% der Jungs die dt. Nationalität und sind in 2. oder 3. Generation hier.

Mr O: Ja, aber das macht sie ja nicht zu Deutschen!

Ich: Was, wenn nicht die deutsche Nationalität macht sie denn zu Deutschen?

Mr O: …

Ich: Müssen sie autochthon sein?

Mr. O: Was heisst das? (HA! Du Möchtegern Schlaumeier! Nicht mal das Wort kennste!)

Ich: Vereinfacht gesagt: Reinrassig!

Mr. O: Um Gottes Willen! Das wollte ich doch nicht sagen! Ich bin doch kein Nazi!

Ich: Aha, aber im Grunde geht es doch, wenn die Nationalität nicht zählt, um nix anderes?

Mr O: Die haben ja nen Migrationshintergrund… (Oh, wie sehr freue ich mich darauf endlich meine Masterarbeit über dieses unsägliche Thema schreiben zu können!)

Ich: Aha, ok. Das änder aber nichts an ihrer Nationalität oder daran, dass wir hier alle Deutsch reden, nebenbei noch einige andere Sprachen gesprochen werden, alle Schulformen vertreten sind, arm und reich + 3 Religionen (mit Atheismus dann 4). Kein allzu schlechter Querschnitt wie ich finde.

Mr. O (an D. gewandt): Naja, das ist typisch, Frauen neigen dazu, alles durch die rosarote Brille zu sehen, sie sind sehr emotional.

D.: Das hätte ich jetzt an deiner Stelle nicht gesagt. Übrigens ist Ninjaan nicht gerade eine „Emotionsbombe“, ausser sie ist wütend…

Ich: Sprachlos…

Was um alles in der Welt ist das? Wo ist denn da bitteschön die Linke Gesinnung von Gleichheit und Gleichberechtigung? Das ist ja, beim besten Willen, mehr als konservativ! Ich bin geschockt und grübel tagelang über diese Gespräche nach (es gab übrigens noch ähnliche, bei denen seine festgefahrenen Ansichten gegen bestimmte Staaten oder Minderheiten, deutlich wurden…). Was mache ich mit so einem Typen in unserer Arbeit? Wir sollen Vorbilder sein, ausgleichen was die Gesellschaft oft verbockt, Normalität herstellen, wo oft keine ist. Wir sollen Ideale vermitteln, von Gleicheit (Mann-Frau, Religionen, Nationen etc), Toleranz fördern, einen geschützten Raum geben!

Er hat zwar bisher, wenig bis gar nicht das Gespräch mit den Jugendlichen gesucht, aber ich will auch unter keinen Umständen, dass er solche Themen bei ihnen anspricht! Das vertrete ich nicht, will ich nicht vertreten, bei aller Toleranz! Ja, ich fühle mich angegriffen, als Frau, als seine Chefin. Weil sein Bild von Frauen überholt und feindlich ist, als wären wir alle emotionale Wracks, deren einzige Daseinsberechtigung in dem Gebären von Kindern besteht! Und mir passt auch nicht sein Bild über unsere Jungs, sie als nicht normal zu bezeichnen, dass sie nicht dazugehören, damit kämpfen sie schon jeden Tag, das brauchen sie nicht auch noch bei uns!

Montag beginnt er sein Praktikum, ich werde mich mit ihm hinsetzen, auf die Gefahr hin, dass er meine Reaktion als „zu emotional “ oder „frustriert weil noch kein Leben geschenkt“ ansieht und ihm verklickern, dass es so nicht geht. Das Chaosteam steht hinter mir, manche mehr, manche weniger. Mal sehen was es bringen wird – ansonsten muss ich leider sein Praktikum beenden, so leid´s mir dann auch tut.

Und den nächsten Praktikanten, sollte ich vielleicht doch einem winzigen Gesinnungstest unterziehen, nie wieder nen rot/tiefschwarzem, der nicht mal halt macht, wenn er seine Chefin vor sich hat – aber das liegt vielleicht daran, dass ich nur ne Frau bin…

Holocaust Remembrance day 2012 – Yom HaShoah

Heute ist in Israel der Holocaust Remembrance day, auch Yom HaShoah. Im Gegensatz zu vielen anderen Staaten, die diesen Tag auf den 27. Januar verlegt haben, begeht Israel ihn am 27.  Nisan. Hierzu habe ich ein heute ein Video gefunden, dass über die FB Seite „Israel loves Iran“ verbreitet wurde.

Das Video ansehen und auch 2 Minuten den unzähligen Opfern des Holocaust gedenken – damit es nie wieder geschieht!

Retrospektive – April 2011

Sie war von Anfang an da, diese Anziehung, ich habe sie wahrgenommen, diese Faszination, die du für jemanden wie mich ausstrahlst. Du erscheinst unnahbar, fast kühl, du lachst selten und deine Augen sind durchdringend, als wenn sie tief in einen hineinblicken könnten. Es ist schwer deinem Blick stand zuhalten. Sobald du sprichst wendet man sich dir jedoch automatisch zu, vergisst die Sorge um deine durchdringenden Blick, und lauscht deiner Stimme. Ich kann nicht sagen, ob sie hoch oder tief ist, aber sie lässt einen aufhorchen, fesselt einen. Deine Stimme ist leidenschaftlich, wenn du über Dinge sprichst die du liebst und vernichtend wenn du über Dinge sprichst die du verachtest. Aber sie ist niemals laut. Alles was du sagst klingt bedeutend, als gäbe es nichts auf der Welt, dass unbedeutend wäre.

Am Anfang, bei unserem ersten Treffen, bist du mißtrauisch, du hälst deine Überzeugungen zurück, du bist kein Kämpfer sagst du, schwarz oder weiss – es interessiert dich nicht – und die Melancholie in deiner Stimme straft dich Lügen. Nach Stunden hast du dich endlich etwas entspannt, das erste Mal hast du gelächelt ohne nur dabei deine Mundwinkel zu verziehen – und ich finde dich noch schöner als zuvor.

Deine Zurückhaltung hat mich zutiefst beeindruckt, du bist so vorsichtig als wenn eine falsche Bewegung alles zerstören könnte, alles, auch das was nicht ist und niemals sein wird. –  „Du bist schön“ – sagte ich dir unvermittelt und ich habe gesehen wie sehr dich diese Aussage verunsichert hat. Ich berühre deine Wange und sage dir zum ersten, von sicher hundert Malen, dass du dich nicht sorgen musst, weil ich mich nicht verlieben werde – nicht in dich. Weil ich alt und weise bin und Liebe nicht kommt, sondern sofort da ist. Du sagst mir, dass du niemals geliebt hast.

Deine Hand berührt sanft mein Haar und weil du mir so nah bist, nehme ich deinen Duft wahr, der so unaufdringlich und doch so intensiv ist, dass ich das Gefühl habe, niemals etwas vergleichbares gerochen zu haben. Ich lächel zufrieden, alles ist gut, so wie es sein sollte, wenn man nicht lieben will. Und dann habe ich dich geküsst, weil ich nicht verliebt war und du auch nicht. Weil Liebe sofort da ist und nicht erst später kommt – und weil wir gar nicht lieben wollen.

I love u Israel – I love u Palestine: 110 days to go!!!!!!!!

Ich habs getan! (Ja wieder mal hab ich etwas getan, was mich in Euphorie aufgehen lässt – aber wenigstens etwas, das ich später nicht wirklich bereuen werde!) Ich habe mir einen Flug nach Tel Aviv gebucht! Etwas mehr als 3 Jahre ist es jetzt her, dass ich dort war, in Israel/Palästina. Der atemberaubendste Fleck dieser Erde, der Ort in den man sich sofort verliebt, verlieben muss, weil es nicht anders geht.

Es war Liebe auf den ersten Blick! Der 18.12.2004, als ich mitten in der Nacht, völlig fertig von dem Verhör am Flughafen, endlich das Gebäude verließ und nach einem Sherut (eine Art Taxi) ausschau hielt! Eigentlich war es Liebe auf den ersten Atemzug, denn es war dunkel und ausser des Flughafengebäudes und einigen vereinzelten Reisenden gab es nicht viel zusehen. Aber ich habe mich verliebt! Die ganze Fahrt über nach Jerusalem habe ich aus dem halb-offenenFenster gesehen und einfach eingeatmet -so riecht Liebe, so riecht Heimat – auch wenn man noch niemals vorher dort war!

2009 verliebte ich mich auf´s Neue und fragte mich wie ich die letzten 4 Jahre ohne diese Liebe ertragen hatte? Jetzt haben wir 2012 und ich fliege wieder, für ganze 3 Wochen! Ich liebe Israel und ich liebe Palästina und ich vermisse es so sehr wie man sonst nur einen geliebten Menschen vermisst, so sehr wie man sonst nur die eigene Heimat vermisst!

110 Tage und ich werde wieder mit meiner Liebe vereint sein, für

ganze 3 Wochen!

I love u Israel – I love u Palestine!

Sonnenuntergang nähe Jaffa Gate (2009)

Boybands, Suizid und Beziehungen

Wenn ich einmal darüber nachdenke, was für ein Typ Mensch ich eigentlich bin (wozu ich die letzte Nacht ausgiebig Zeit hatte, da ich vor Schmerzen gekrümmt im Bett lag, während mein Magen „krampfhaft“ versuchte das vom Bringdienst bestellte Lammfleisch zu verarbeiten) trifft es wohl kauzig am Besten. Nicht unbedingt, weil ich mich selbst für einen komischen Kauz halte, sondern weil mir andere Menschen, ziemlich einstimmig, immer wieder das Gefühl geben, ich „müsse“ einer sein – anders liessen sich meine Ansichten oder Verhaltensweisen nicht erklären! Also kam ich die letzte Nacht, meine Wärmflasche umklammernd, zu dem Ergebnis, ich müsste tatsächlich kauzig sein, wenn es soviele Menschen unabhängig voneinander immer wieder direkt oder indirekt ansprechen.

Die wenigstens, vielleicht sogar niemand von ihnen, benutzt dabei das Wort „kauzig“, das habe ich selbst ausgewählt, weil ich finde, das es 1. alle Aussagen über mich zutreffend umfasst und 2. wenigstens irgendwie noch sympathisch klingt. Bei einem Kauz denke ich irgendwie an einen kleinen, alten, buckligen Mann, dern bei all seiner Kauzigkeit immer noch liebenswert ist.

Wer schon mal an den Folgen der Nahrungsaufnahme von verdorbenen/schlechten Lebensmitteln gelitten hat, weiss, dass es sich teilweise anfühlt als würde man gleich „sterben“. Ich habe zwar meinen Film nicht in der „uncut Version“ vor meinem inneren Auge ablaufen sehen, aber mir sind viele Gespräche, Diskussionen und Situationen in Erinnerung gekommen, die mich eben letztendlich zu dem Schluß gebracht haben, dass ich kauzig bin.

Ich erinnerte mich zum Beispiel an meine frühe Pubertät, die von dem unseligen Auftreten der Boybands begleitet wurde. Wie ich es verabscheut habe, diesen Hype um mittelmäßige Bands die mittelmäßge Musik machten. Natürlich gab es hin und wieder Songs die ich ganz gut fand und die auch ich mir  noch auf Casette überspielte, aber das wars. Ich war überhaupt niemals ein Fan von irgendwem oder irgendwas Besonderem. Damals jedoch, machte mich das zu einem solchen Aussenseiter (Kauz), dass ich mich offiziell zu einer Boyband bekannte, nur um nicht ständig schief angsehen zu werden. Meine erste Wahl viel damals auf Boyzone, die waren aber nicht cool genug und so wechselte ich zu Nsync (von denen ich übrigens nicht mal eine Maxi Cd jemals besessen habe!). Ich suchte  mir sogar einen aus der Gruppe aus, den ich „offiziell“ besonder toll fand. Das war natürlich alles nur erstunken und erlogen, zuhause hörte ich weiter einfach Musik, wobei es mir immer schon egal war, von wem ein Song war, solange er mir nur gefiel – für die Künstler an sich habe ich mich nie sonderlich interessiert. Als Take That sich auflöste wusste ich: Jetzt beginnt eine neue Ära – der Boyband Hype wird ein Ende finden und während weltweit Teenies trauerten, feierte ich (heimlich natürlich)!

Ende der 90er Anfang 2000 war aufeinmal, ich weiss nicht ob es wirklich kam, aber so empfand ich es damals, das Thema Suizid, Borderline und Selbstverletzung ganz groß. Alle hatten sich schon einmal über einen längeren oder kürzeren Zeitraum selbstverletzt oder gar irgnedwelche Versuche gestartet Suizid zu begehen. Ich hörte immer nur ungläubig zu und meine Empathie hielt sich in Grenzen. Warum um alles in der Welt will man sich denn tot sein? Warum verletzt man sich selbst? Und was mir am aller unverständlichsten erschien Warum redet man öffentlich darüber und rühmt sich noch damit???

Diese Fragen klingen natürlich alle recht naiv und schon fast kaltherzig, aber ich möchte zu bedenken geben, dass ich damals erst 16/17 Jahre alt war, und auch nicht zu den Jugendlichen gehörte die auf der Sonnenseite lebten. Es schien, als hätte jeder in meinem Umkreis schon mindestens eine dieser Erfahrungen hinter sich, sie tauschten sich aus warum es nicht geklappt hatte und wie es wohl am Besten funktionieren könnte. Ich saß immer schweigend daneben ud hoffte keiner würde mich fragen. Natürlich geschah das doch eines Tages. Ich kann mich beim besten Willen nicht mehr an meinen genauen Wortlaut erinnern, ich weiss nur, dass ich es verneinte und sagte, dass ich leider auch nicht verstehen könne, warum man sterben will – der Tod ist so endgültig.

D arauhin herrschte betretenes Schweigen, dann kamen Vorwürfe und abschätzige Bemerkungen á la mir gehe es wohl zu gut, ich könne das nicht verstehen. – Nein konnte ich in der Tat nicht, ich kannte die Umstände meiner Freunde und fand dort nichts aussergewöhnliches, was einen Wunsch“tot zu sein“ rechtfertigen könnte. Vorallem aber weiss ich noch, dass ich damals abends im Bett Gott dafür gedankt habe, dass es mir „zu gut“ geht und ich nicht das Bedürfnis habe zu sterben oder mich selbst zu entstellen. Der Tod ist endgültig und die Narben von starken Verletzungen bleiben. Einmal warf man mir fehlenden Mut vor, ich hätte nur Angst vor dem Sterben oder dem Schmerz – Falsch! Heute weiss ich: Ich habe Angst vor der Unendlichkeit des Todes und den Narben, die mich ein lebenlang begleiten könnten!

Aber auch diese Zeit ging zum Glück vorüber (übrigens leben alle meiner Freunde und Bekannten noch, ausser einer, der sich umgebracht hat – aber er hat niemals vorher darüber gesprochen: Ruhe in Frieden C. …) und heute ist das eigentlich kein Thema mehr, in meinem Alter spielen weder Boybands noch Suizid eine große Rolle. Wir haben jetzt ein andere Thema: Beziehungen, Heiraten und Kinder kriegen!

Fast wünsche ich mit die Boyband Zeit zurück, weil es so einfach war vorzugeben Fan einer Boyband zu sein, auch wenn man es nicht ist! (Ich kann schlecht so tun als hätte ich einen Partner und Kinder…) Jeder und Jede hat eine eigene Meinung zu dem Thema, aber einig sind sie sich alle: Ja, wir wollen eine Beziehung, wir wollen heiraten, wir wollen Kinder. Und wie siehts bei mir aus? Ich habe es versucht, wirklich versucht, ich meine Beziehungen (nicht Kinder!) – aber ich kanns einfach nicht… Es  raubt mit den Atem, den Nerv, es erdrückt mich, ich verstelle mich und bin nicht mehr ich selbst – ich will es nicht. Das ist so endgültig, vielleicht nicht die Ehe, aber ein Kind ist es!

Und wieder stosse ich mit meinen Äusserungen, meinen Ansichten auf Unverständnis. Eine zeitlang, nach meiner letzten Beziehung, konnte ich Verständnis erheischen indem ich sagte: Ich brauche Zeit das zu verarbeiten! Aber als ich mich dann in die ….(wie auch immer man das nennen soll?) mit Yaya stürzte war ich völlig euphorisch, (genau das wollte ich!) und sie (meine Freunde) waren es überhaupt nicht: „Du wirst dich verlieben und eine Beziehung mit ihm wollen! Warte ab!“ Oder aber: “ Na super, du lässt dich auf jemanden ein, der offen zugibt „beziehungsunfähig“ zu sein und damit auch noch glücklich ist!“ Ich fand das super, am Anfang, und belächelte meine Freunde. Jetzt, muss ich ihnen zum Teil recht geben, ich habe Gefühle entwickelt – aber (Achtung: Jetzt spricht der Kauz) ich will überhaupt gar keine Beziehung, jedenfalls nicht jetzt!

Ja, ich habe Gefühle und ich will seine Nähe, aber zu nah, zu festgelegt – das würde mich erdrücken, verschrecken. Und wieder stehe ich alleine da mit meinen Ansichten. Wieder bin ich kauzig.

Ich verabscheue Boybands und Fangehabe, ich wollte noch niemals sterben und noch viel weniger tot sein und eine Beziehung will ich (zur Zeit) auch nicht, egal wie verliebt ich bin!

Manchmal frage ich mich, ob ich damit tatsächlich so alleine bin oder ob es noch mehr Kauze wie mich gibt?