Wenn das Warten ein Ende hat

Es gibt etwas, das ich mehr fürchte als das Warten. Nur leider fällt mir kein geeigneter Begriff, weder ein vorhandener noch ein neu erfundener, ein, der diesen Zustand, der eigentlich kein Zustand ist, sondern das Ende eines Zustands, treffend beschreiben könnte.

Ich versuche es mal so:

Mit dem Warten verbrüdert sich immer die Hoffnung, ob man nun will oder nicht, ob man es sich eingesteht oder nicht, spielt keine Rolle. Man hofft, auf irgendwas, sei es Erlösung, ein Wunder, eine Lüge, man wartet und hofft. Die Hoffnung ist der leise Begleiter des Wartens, der wie ein Schatten folgend, mal größer mal kleiner, immer mit läuft. Da ich das Warten aus tiefstem Herzen verachte, übersehe ich die Hoffnung meist, ich beachte sie schlichtweg nicht, obwohl sie da ist. Wenn das Warten ein Ende hat und sich eigentlich ein leichtes Gefühl der Erlösung breit machen sollte, bemerke ich sie plötzlich, die Hoffnung. Ich bemerke sie, weil das Gefühl der Erlösung überschattet wird, von einer viel gewichtigeren Empfindung, der geplatzten Hoffnung.

Und mir wird bewusst, dass es sich mit dem Hoffen genauso verhält wie mit dem Warten, man will es nicht, man versucht es zu vermeiden, man redet sich ein das man es nicht tut, aber am Ende hat man es doch getan: ich habe gewartet und ich habe gehofft.

Ich habe gehofft, das, sollte ich es schaffen über meinen Schatten zu springen, er es vielleicht auch schafft, dass er etwas sagt, dass mein Warten beendet aber nicht meine Hoffnung.

Manchmal wird dieses, mir wie ein Naturgesetz erscheinendes, Phänomen von „Warten und Hoffen“ sicherlich durchbrochen. Dann hat das Warten ein Ende, einen Sinn und die Hoffnung wird zur Realität. Aber anscheinend gehöre ich (noch?) nicht zu den Glücklichen in deren Leben so etwas geschieht.

Als er mich vor wenigen Tagen endlich anschrieb und mich etwa 3mal fragte, ob es mir gut gehe, habe ich es schon geahnt, als er schließlich an Stelle von „ninjaan“ meinen richtigen Namen, als „Einleitung“ schreibt, breche ich schon in Tränen aus. (Das muss ein ziemlich erbärmliches Bild gewesen sein, junge 25+ Frau weint vor dem Bildschirm ihres Laptops, weil jemand ihren Namen schreibt)

Ich habe versucht ihn aufzuhalten, schrieb, dass er nichts sagen müsse, das alles ok sei! Er sagte, dass er das nicht ignorieren könne und ich nicht von ihm erwarten könnte zu schweigen. (Ich wünschte ich hätte ihn aufhalten können, in diesem Moment wollte ich nichts mehr als ihn aufzuhalten, so zu tun, als hätte ich nie etwas gesagt, als wäre alles gut, cool, wie immer…)

Aber Yaya ist ein Sturkopf, so wie ich und er hat Recht, er sollte etwas sagen. Und das tut er dann auch. Vieles von dem was er sagt, klingt fast einstudiert, als hätte er sich genau überlegt, was er wie sagen soll, als würde er auf Eierschalen laufen.(Und ich hasse das meine Email ihn dazu gebracht hat. ) Er fragt zuerst genau nach, warum ich gesagt habe, dass ich keine Reaktion erwarte, warum ich keine will. Meine Erklärungen sind notdürftig, ich sehe die Tastatur kaum und verschreibe mich öfter als sonst und das dann alles noch auf Englisch – wie schwer ist es Empfindungen in einer anderen Sprache zu beschreiben, egal wie gut man sie beherrscht!

Er sagt mit das er, ebenso wie ich, vieles von dem zurückhält, was gesagt werden sollte/könnte, das er nicht gut darin ist, aber das er angesichts meiner Email, ebenfalls nichts zurückhalten will (und ich merke, dass es auch ihm schwer fällt etwas auf einer Sprache auszudrücken, die nicht seine Muttersprache ist, er verschreibt sich mindestens genauso oft wie ich). Er sagt, dass ich weiss, wie glücklich er ist, mich in seinem Leben zu haben, wie sehr er mich schätzt (ich schluchze so laut, dass ich befürchte meine Nachbarn könnten es hören).

Er fragt mich, ob ich das, was wir haben, aufrecht erhalten kann. Er nennt es Freundschaft, dann „die Bindung“ zwischen uns, dann korrigiert er sich und sagt: „ofcourse i dont wanna say  we were and are normal friends“  Ob ich weiss, was er meint. Ja, ich weiss es und ja, ich sage ihm ich kann und ich möchte das. Nicht weil ich masochistisch veranlagt bin, sondern weil Yaya mehr ist als jemand für den ich Gefühle entwickelt habe. Er ist ein Freund, er ist mir nah, er war es bevor ich Gefühle für ihn hatte und ich will das er es auch in dieser Zeit ist und auch dann noch, wenn ich irgendwann keine Gefühle mehr für ihn haben sollte.

Ich sage ihm, dass er mich kennt, dass ich nicht weiss wohin ich im Leben will, dass ich nicht weiss, was ich mir für die Zukunft wünsche und das ich deswegen nichts erwarte (was eine halbe Lüge ist). „I am like u, u know how I am“ , antwortet er. Ich weiss, deswegen bist du mir so nah Yaya und vielleicht genau deswegen haben wir niemals eine Chance, mehr zu sein, als das was wir jetzt sind.

Alles was er sagt, ist so krampfhaft durchdacht, dass ich bei manchen seiner Formulierungen lächeln muss, als würde er es abschreiben. So durchdacht wie meine Email an ihn. Keine spontane Liebesbekundung, sondern ein durchdachter Text, der alles offen lässt, ausser der Tatsache, dass „u are one of the persons in my life, I really feel for“. Keine Wünsche, keine Bitte, keine Hoffnung. Auch seine Worte sind keine Antworten, eher Fragen, ein leises Nachhorchen ob wir, wir bleiben können, auch wenn er mir nicht geben kann, was eigentlich der Wunsch meiner Email hätte sein müssen. Eine gewisse Erleichterung als ich ihm sage, dass ich nichts weiss, nichts will, nur aussprechen was ich denke/fühle.

Irgendwann dann muss ich das Gespräch beenden, ich muss raus, ich muss jetzt meine Wunden lecken und das geht schlecht, solange ich noch mit ihm rede. Ich bin verabredet ist meine Entschuldigung, und sie ist wahr. „Ninjaan, I hope u never go into a relationship with someone who doesnt deserve u, just because u are afraid of being alone (not normal) it´s a good thing to build a family one day, but not for each price! “ Das lässt meine Gedanken für einen Moment zum Warter schweifen, der sich Gott sei Dank nicht mehr meldet – „No Yaya, I will never do that!“ 

Ich würde nun gerne der geplatzten Hoffnung den Mittelfinger zeigen und sagen, dass sie mich mal gern haben kann. Das ich es wusste, dass ich gut damit leben kann, dass sie sich einfach angeschlichen hat und sowieso nicht erwünscht war. Aber vielleicht sollte ich langsam damit anfangen die Wahrheit zu akzeptieren, aufhören mir selbst etwas vorzumachen, weil es am Ende sowieso nichts bringt, weil es die Hoffnung nicht interessiert, ob ich sie wollte oder nicht. Und weil dieses „Vormachen“ den Schmerz nicht lindert. Also entscheide ich mich dazu, die Zeit zu meiner neuen Königin zu küren, die mir die Enttäuschung, den Schmerz nehmen und die Hoffnung in ihre Schranken weisen wird. Weil sie alle Wunden heilt, auch wenn man jedesmal glaubt, dies mal würde sie es nicht schaffen.

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