Ninja(an) & jackass

Ich gebe mir wirklich Mühe, ganz, ganz viel Mühe. Viel mehr als zur Zeit in meinem Job, was äußerst selten ist, da ich ja eigentlich Ms Workaholic bin, für die es nichts erfüllenderes im Leben gibt, als ihren Job zu erledigen, und zwar mehr als gut. Aber weil der allein nicht mehr hilft, und ein bisschen auch weil ich ziemlich pleite bin (der Fluch wenn man im Sozialwesen tätig ist, mehr Arbeit bedeutet NIEMALS mehr Lohn!), habe ich noch einen zweiten Job angenommen. Und weil ich geahnt habe, dass auch das nicht ausreichen wird, habe ich seit einigen Wochen ein Hobby! Fillipino Martial Arts, ein bis zweimal die Woche Training, abends nach der Arbeit. (Perfekt, dann sitze ich nämlich nicht abends vor dem Rechner und hoffe auf eine Nachricht, ein Gespräch mit Yaya) Ein super Sport! Ich bin eigentlich vollkommen unsportlich und (Fillipino) Martial Arts ist da eigentlich nicht unbedingt das Richtige, aber ich kann meinen Frust loswerden und mich auspowern. Und da „Waffenkampf“ immer auch etwas Geschicklichkeit erfordert, mit der ich leider nicht gesegnet bin, konzentriere ich mich in den 1 1/2 Std. Training auf wirklich nichts, GAR NICHTS, anderes als die Stöcke NICHT ins Gesicht zu bekommen und halbwegs elegant und „geschickt“ dabei auszusehen. Das gelingt mir natürlich äußerst selten, auch wenn meine (allesamt) männlichen Trainingskollegen mir immer wieder aufmunternd ein „Jetzt hast du´s gleich“ oder „Das war doch schon mal nicht schlecht für die paar Trainingsstunden“ zurufen, weiss ich, dass sie mich nur aufmuntern wollen. Wahrscheinlich weil ich beim Training mindestens genauso erbärmlich aussehe, wie ich mich zur Zeit fühle. Aber da stört es mich weniger, ich habe mich schließlich nicht dort angemeldet, um beim Training ne gute Figur zu machen!

Was mich vielmehr stört ist die Tatsache, dass ich dieses „Elendsgefühl“ einfach nicht abschütteln kann, trotz aller Bemühungen. Ich pflege sogar meine Sozialkontakte wieder viel intensiver als vorher. Nicht, dass ich eine Einsiedlerin wäre und keine, oder nur wenige, Vertraute und Bekannte hätte, aber ich habe mich in den letzten Jahren immer wohler gefühlt, wenn ich mehr Zeit für mich habe (wahrscheinlich, weil ich irgendwann anfing zum Workaholic zu mutieren und ich dann diese „ruhigen Stunden“ mehr gebraucht habe als vorher) und zwar nur für MICH. Der Kontakt zu meinen Freundinnen und Kontakten brach deswegen nie ab, aber Wochen, wenn nicht sogar Monate ohne Treffen und nur mit Telefonaten, war zur Gewohnheit geworden, keiner nahm´s mir übel. (Danke an dieser Stelle an meine wundervollen Freundinnen!!!) Jetzt versuche ich wieder mehr raus zugehen, sogar mal in einen Club oder eine Bar! Und weil meine Freundinnen, wundervoll wie sie sind, wissen, wie sehr ich das jetzt brauche, nehmen sie mich  mit, laden mich ein oder verbringen Abende, Nächte mit mir zusammen, obwohl meine Zeiten als „Partygängerin“ wirklich schon lange, lange vorbei sind! Als letzte Instanz plane ich jetzt einen Urlaub im Sommer, mit Plitschi (meine morgens um 6 Uhr bei mir klingelnde, über Diarrhoe mutmaßende Plitschi). Obwohl sie eigentlich lieber alleine reist, nimmt sie mich mit und hat mir zugleich einen Schlafplatz (also keine Ho(s)telkosten) gesichert.  Aber selbst die Urlaubsplanung in mein, über alles geliebte, Reiseland kann mich nur kurzfristig ablenken – soweit ist es jetzt schon gekommen!

Es ist also offensichtlich, ich bemühe mich, über alle Maßen, nicht in dieses schwarze Loch, das man auch gerne Liexxxx (ich mags nicht aussprechen) nennt, zu fallen. Wirklich die allergrößte Mühe! Und was bringt es mir? Nichts! Ich sitze hier und höre zum 1000mal „How to save a life“ von the Fray und „I can´t“ von  Ayo, bemitleide mich selbst, weine hin und wieder leise vor mich hin, bin „invisible“ bei skype, lese die „Anleitung zum Entlieben“ von Conni Lubeck (übrigens ebenfalls ein wundervoller Blog!) und hoffe, dass Yaya was sagt, irgendwas, dass dieses ewige „offline Nachrichten“ verschicken endlich ein Ende hat und wir wieder reden, was wir seit Tagen nicht mehr getan haben!

Ich befürchte langsam, dass dies kein Zufall ist, dass er mir nur schreibt, wenn ich offline (also wirklich offline) bin und nie eine Antwort zurück kommt, wenn ich online bin! Klar, man verpasst sich manchmal, dass ist nichts ungewöhnliches, aber da wir (leider) auch (wieder) FB Freunde sind und ich nun mal eben seine Aktivitäten sehe (man wird unfreiwillig….teilweise unfreiwillig zum Stalker!), weiss ich, dass es diesmal anscheinend kein normales Verpassen ist, sondern ein gewolltes. „Why don´t u talk to me jackass???“ würde ich gerne schreiben, tue ich aber nicht, weil es verzweifelt klingt und nicht mehr so locker wie vor meiner Beichte, als ich sowas noch ungeniert sagen konnte und dies meist zu einer sofortigen Reaktion geführt hat. Weil wir irgendwas waren, irgendwas zwischen Freunde und Liebhaber, aber immer auf einer Stufe (auch ich habe hin und wieder solche Nachrichten bekommen, wenn ich mal nicht geantwortet habe!). Jetzt sind wir es nicht mehr, also auf einer Stufe, jetzt bin ich weit, weit unter ihm. Und das schlimmste ist, dass er es weiss und im Gegensatz zu vielen anderen Männern, anscheinend nicht mal besonders reizvoll findet, sondern irgendwie störend.

Seine Nachrichten sind kurz, eher nichtssagend und: ich bin nicht mehr Ninjaan (Das Wort ist eine Kombi aus den Worten Ninja+Jaan, wobei das letztere eine Verniedlichung, Kosewort ist), sondern nur noch Ninja, keine der von ihm so kreativ ausgedachten Koseworte (und es waren viele) wird mehr benutzt. Ich bin nur noch Ninja, kein Ninjaan mehr, kein Ninji, kein Topi (es wäre jetzt zu aufwendig diese Koseworte irgendwie ins Deutsche zu übersetzen…) NICHTS. Ist das die Vorstufe der Hölle (Hölle = Ende) ?? Ja, ich dramatisiere, extrem sogar, aber genauso fühlt es sich gerade an!

Ich würde ihm gerne schreiben, dass er sich gefälligst wieder normal benehmen soll “ because it´s me who suffers, not U!“  Und wenn hier überhaupt jemand was beendet, dann ich, weil ich es nicht mehr ertrage, aber doch nicht du, jackass!

Ich denke an all die Frauen, die ich im letzten Jahr dabei beobachten konnte, wie sie ihm mehr oder weniger öffentliche (FB) Liebeserklärungen gemacht haben oder sich ihm offensichtlich an den Hals geworfen haben. Mit welcher Leichtigkeit (Kälte)  er das ignoriert, wie er über Verflossene spricht: Nice girls, but I´ve never been in love. They might thought they had sth. like a relationship with me, but for me it was never sth. like this. I am not a nice guy, but not bad also.“ Ich bin keine von ihnen, auch wenn ich mir schon einige Male gewünscht habe, er könnte mir etwas vorspielen. Tut er aber nicht, er ist ehrlich, so ehrlich, dass es weh tut. Und ich habe so bescheuerte Gedanken wie: „Ich bin nicht mal eine Schauspielerei wert“  Warum nur, warum habe ich überhaupt etwas gesagt, obwohl ich wusste, das es nichts bringt und ich nicht mal selber weiss, was ich mir eigentlich insgeheim erhofft habe? Welchen Sinn hat das? Seine Fragen waren berechtigt und jetzt, fast zwei Wochen später, stelle ich sie mir auch…

Ich bin nicht wirklich Eine von Ihnen, aber ich habe etwas mit ihnen gemeinsam: „I fell for him“ . Und vielleicht war das der einzige Reiz, den ich für ihn ausgemacht habe, dass ich nicht so bin, dass ich zu sein scheine wie er. Aber ich bin nur eine Mischung aus ihm und denen (den anderen Frauen), nichts halbes und nichts ganzes. Und plötzlich ist nicht nur meine Hoffnung (auf was auch immer) geplatzt, sondern unsere „Freundschaft“ steht auf der Kippe, weil sie sich vielleicht nur davon gespeist hat, dass ich Gefühle entwickelt habe und er davon ausging ich sei sein weibliches Pendant?

Gestern, als ich kurz auf der Arbeit war, um etwas im Büro zu erledigen (Ja, auf einem Samstag!) saß eine Horde meiner Jungs (Jugendliche) vor der Tür und flehten mich an, ihnen nur für eine Stunde zu öffnen. Es war eigentlich von Anfang an klar, dass ich mich dazu überreden lassen würde, aber dennoch versuchte ich es mit dem Argument: „Jungs, ich habe auch ein Leben, ich habe keine Zeit für sowas, ich wollte nur schnell ins Büro!“  Da hat mich einer von ihnen verschmitzt angelächelt, mich umarmt und gesagt: „Komm schon Ninjaan, wir sind doch dein Leben, das HIER ist dein Leben! Was brauchst du schon mehr?“  Hach, wie sehr wünsche ich mir die Zeit zurück, als das der Wahrheit entsprach, als mir nichts wichtiger war als dieser Job, diese Jungs und ich mein ganzes Herzblut darin investiert habe!  Als ich Sonntags nicht vor dem Rechner saß, Liebeslieder hörte und in Selbstmitleid versank, sondern die nächste Woche  für die Jungs plante, für den Job, als das noch mein Ein und Alles war.

Aber nein, Ninjaan Ninja verliebt sich, kämpft dagegen an, verliert, offenbart sich und sitzt jetzt heulend, mit the Fray und Ayo in Dauerschleife, vor dem Rechner und bemitleidet sich selbst.

Wenn das vorbei ist, werde ich das Ninja sein aufgeben, denn es hat mir nichts, aber auch wirklich nichts ausser Ärger bereitet – ich hoffe ich kann den Blog dann umbenennen in „Whocaresaboutworkaholics“ und die Welt mit Arbeitsgeschichten langweilen, an Stelle von Liebesdramen, die so blöd sind, dass nicht mal ich darüber lesen wollen würde!

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