Retrospektive – April 2011

Sie war von Anfang an da, diese Anziehung, ich habe sie wahrgenommen, diese Faszination, die du für jemanden wie mich ausstrahlst. Du erscheinst unnahbar, fast kühl, du lachst selten und deine Augen sind durchdringend, als wenn sie tief in einen hineinblicken könnten. Es ist schwer deinem Blick stand zuhalten. Sobald du sprichst wendet man sich dir jedoch automatisch zu, vergisst die Sorge um deine durchdringenden Blick, und lauscht deiner Stimme. Ich kann nicht sagen, ob sie hoch oder tief ist, aber sie lässt einen aufhorchen, fesselt einen. Deine Stimme ist leidenschaftlich, wenn du über Dinge sprichst die du liebst und vernichtend wenn du über Dinge sprichst die du verachtest. Aber sie ist niemals laut. Alles was du sagst klingt bedeutend, als gäbe es nichts auf der Welt, dass unbedeutend wäre.

Am Anfang, bei unserem ersten Treffen, bist du mißtrauisch, du hälst deine Überzeugungen zurück, du bist kein Kämpfer sagst du, schwarz oder weiss – es interessiert dich nicht – und die Melancholie in deiner Stimme straft dich Lügen. Nach Stunden hast du dich endlich etwas entspannt, das erste Mal hast du gelächelt ohne nur dabei deine Mundwinkel zu verziehen – und ich finde dich noch schöner als zuvor.

Deine Zurückhaltung hat mich zutiefst beeindruckt, du bist so vorsichtig als wenn eine falsche Bewegung alles zerstören könnte, alles, auch das was nicht ist und niemals sein wird. –  „Du bist schön“ – sagte ich dir unvermittelt und ich habe gesehen wie sehr dich diese Aussage verunsichert hat. Ich berühre deine Wange und sage dir zum ersten, von sicher hundert Malen, dass du dich nicht sorgen musst, weil ich mich nicht verlieben werde – nicht in dich. Weil ich alt und weise bin und Liebe nicht kommt, sondern sofort da ist. Du sagst mir, dass du niemals geliebt hast.

Deine Hand berührt sanft mein Haar und weil du mir so nah bist, nehme ich deinen Duft wahr, der so unaufdringlich und doch so intensiv ist, dass ich das Gefühl habe, niemals etwas vergleichbares gerochen zu haben. Ich lächel zufrieden, alles ist gut, so wie es sein sollte, wenn man nicht lieben will. Und dann habe ich dich geküsst, weil ich nicht verliebt war und du auch nicht. Weil Liebe sofort da ist und nicht erst später kommt – und weil wir gar nicht lieben wollen.

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