Retrospektive Mai 2011

„Put us togetha, how they gon‘ stop both us?
Whateva she lacks, I’m right over her shoulder
When I’m off track mami is keepin‘ me focused
So let’s lock this down like it’s supposed to be
The ’03 Bonnie and Clyde, Hov‘ and B, holla
All I need in this life of sin is me and my girlfriend (me and my
Girlfriend)“  (´03 Bonnie & Clyde)

Deine Stimme ist sanft, ich spüre deinen Atem auf meinem Nacken. Ich koche gerade das Wasser für unseren Kaffee auf, als du plötzlich hinter mir stehst und dieses Lied anstimmst. Ich bekomme eine Gänsehaut, nicht nur weil du so dicht hinter mir stehst und dein unverwechselbarer Duft  dich und mich zu umhüllen scheint, sondern auch weil deine Stimme nicht nur nett ist, nicht nur schön, sie ist atemberaubend und du talentiert. Ich wende mich dir zu, du bist nur wenige cm von mir entfernt und strahlst mich mit einem selbstsicheren Lächeln an, ich lächele zurück, streiche dir über die Wange. „Du solltest singen, nicht nur rappen. Deine Stimme ist zu schön dafür.“ Unvermittelt drehst du dich um, gehst an den Kühlschrank und beginnst den Tisch für das Frühstück zu decken. Ich sehe dich an, alles ist so natürlich mit dir, in diesem Moment, nach der letzten Nacht. Keine heimliche Scham, kein Bereuen.

“ It´s easier to express myself when I rap.“ Ich nicke, als würde ich verstehen, obwohl du das nicht von mir erwartest. Du bist dieses Mal viel entspannter, lockerer, selbstsicherer. Der letzte Abend war schön, würde mir ein besseres Adjektiv einfallen, um zu beschreiben wie es war, würde ich es an dieser Stelle tun. Aber mir fehlen die Worte. Ich setze mich zu dir an den Tisch, der Kaffee ist noch heiss, zu heiss, um ihn schon zu trinken. Ich frühstücke mit dir, obwohl ich das eigentlich nie tue, doch ich weiss, du würdest es ansonsten ablehnen etwas zu essen.

Wir hatten eigentlich einen Film ansehen wollen, so wie beim ersten Mal, aber wir kamen nicht dazu. Es war drückend heiss in meiner Dachgeschosswohnung, du hast das große Fenster geöffnet und begonnen Kazoo zu spielen. Ich habe mich neben dich gestellt, und in den Nachthimmel hinein unternahm ich meine ersten Versuche diesem winzigen „Teilchen“ eben solche Klänge zu entlocken. „It´s ur voice that affects the sound.“ – Darum klingt es bei mir auch eher kläglich und ich überlasse es wieder dir.

Der Himmel ist klar und voller Sterne, wären wir verliebt, wäre es wohl einer dieser magischen Momente gewesen an die man sich bis ins hohe Alter zurück erinnert. Aber weil wir es nicht sind, lausche ich nur gebannt deinem Kazoo Spiel und betrachte den Nachthimmel. Nur manchmal habe ich zu dir herüber gesehen, das Bild von dir, am großen Dachfenster sitzend und Kazoo spielend, hat sich in meinem Kopf festgesetzt. Hätte ich künstlerisches Talent und man würde mich bitten dich zu malen, nicht nur dein Äusseres, sondern auch dein Innerstes, so wäre es dieses Bild. Wie sehr wünschte ich mir ein solches Talent zu haben.

Dieser Moment verging, wie alle Momente irgendwann einmal vergehen. Mir war nicht danach einen Film zu sehen, dennoch setzte ich mich vor den neuen Fernseher und suchte nach der Einstellung für den USB Anschluß. Aber auch dir war nicht mehr danach einen Film zu sehen. Du hast dich hinter mich gehockt, die Arme um mich geschlungen und mich auf die Wange geküsst. “ We don´t need to watch a movie now…“ Ich lächelte dich an, weil du dachtest was ich dachte, weil dieser Moment  vielleicht doch ein kleines bisschen magisch war und zu schön, um ihn nun mit einem B-Movie ausklingen zulassen. Diesmal küsstest du mich.

Ich bin nicht verliebt und du bist es nicht, deswegen ist es so schön, so ungezwungen und ich konnte mich dir hingeben, weil ich mich nicht fürchte, nicht vor dir.

Nach dem Frühstück gehst du, ich fahre dich nicht, ich werde das im nachhinein bereuen, weil ich hätte wissen müssen, dass es deine reine Höflichkeit war, die dich mehrfach sagen liess “  U don´t need to drive topol, it´s ok, really! The weather is perfect, I´d like to walk!“  Nachdem du fort bist stehe ich noch ein wenig am Fenster, ich nehme deinen Duft noch wahr, als wärst du nicht gegangen. Als ich mich umdrehe bemerke ich deine Jacke, sie ist es die deinen Duft weiterhin verströmt. Es ist warm, zu warm, darum hast du sie vergessen. Dein Duft ist so betörend, ich muss sie in den Flur hängen. Ich bin nicht verliebt in dich, was soll ich also deine Jacke länger in meiner Nähe haben?

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