Retrospektive Juni 2011

„Beim Vormittage

und bei der Nacht wenn sie am stillsten ist

Dein Herr hat dich nicht verlassen, noch ist er dir böse.

Wahrlich, jede (Stunde) die kommt, ist besser als die, die ihr vorausging.

Und fürwahr, dein Herr wird dir geben und du wirst wohlzufrieden sein.

Fand er dich nicht als Waise und gab dir Obdach?

Fand er dich nicht irrend (in deiner Sehnsucht nach ihm) und führte (dich) richtig?

Und er fand dich in Armut und machte (dich) reich.

Darum bedrücke nicht die Weise.

Und schilt nicht den Bettler.

Und erzähle von der Gnade deines Herrn!“ (Sure 93)

Du hattest deinen Zug verpasst, nun kommst du erst mitten in der Nacht. Ich kann kaum meine Augen aufhalten, aber absagen wollte ich auf keinen Fall, dafür will ich dich zu gerne sehen. Du schreibst gerade deine Masterarbeit, bist zu spät aus der Bibliothek rausgekommen, du bist angespannt, ich bin mir nicht sicher, ob du mich überhaupt sehen willst. „ I didnt´t sleep last night ninjaan!“ – „U wanna meet another day? It´s late now…!” – “Are u tired?” – “Nope.” – “I am not too tired to meet u, I don’t need to sleep…” Schlaflos bist du, das erwähnst du immer wieder, wenn du bei mir bist schläfst du eigentlich relative fest.

Übermüdet hole ich dich vom Bahnhof ab, völlig fertig setzt du dich zu mir ins Auto, deine Augenringe sind heute noch viel dunkler als sonst. Jeder andere würde wahrscheinlich wie ein Junkie auf Entzug aussehen, bei dir wirkt es nicht so. Du hast dich nicht rasiert, du weisst wie gerne ich deinen 5 Tage Bart mag, ich kneife dir in die Wange, du lächelst erschöpft.

Während der Fahrt grummelst du vor dich hin, mein Fahrstil passt dir nicht. Du redest davon, dass du ewig nicht Auto gefahren bist, wer es aber in deiner Heimatstadt gelernt hat (mehr als 10 Millionen Einwohner), der würde es wirklich beherrschen. Ich reagiere genervt, ich weiss wie man in deiner Heimatstadt fährt – wie ein Wahnsinniger! Ich bin eine gute Autofahrerin! „ U are not that good. U shouldn´t step on the gas that much!” Vielleicht aus Müdigkeit, vielleicht weil ich allgemein etwas empfindlich bei dir reagiere, was auch immer es ist, es brachte mich dazu, einfach anzuhalten. Eine kleine Vollbremsung mitten an einer Kreuzung (es war nachts und kein Auto weit und breit, keine Sorge…), Warnblinklicht an und: „ Do u want to drive ?“

Für einen Moment siehst du mich erschrocken an, dann kommt dein Pokerface zurück, du lächelst milde „ Dont be childish ninjaan – drive! I am quiet now.!

1:0 für dich Yaya. Du bleibst cool, ich reagiere über, reagiere kindisch, du hattest Recht. In meiner Wohnung kochte ich Tee und lasse mich dann neben dir auf dem großen Teppich nieder. „Sorry…sometimes I am too…“ – „Ist ok topoljaan, u are crazy. That´s why I´m here – I like that.” Wir lasen gemeinsam das letzte Kapitel deiner Mastarbeit, hier und da korrigiere ich etwas. Dein Deutsch ist gut, mehr als gut, es ist nahezu perfekt! „Why do u always speak English? Ur German is perfect!?“ – „Because u can!”

Du hast  gegrinst und die Datei geschlossen. Auf meinem Bildschirm erscheint eine arabische Kalligraphie. Du siehst mich an, was hast du in diesem Moment gedacht? „Sura ad duha“ sage ich leise. „I know!“ Dann beginnst du die ersten 4 Sätze zu lesen, besser gesagt zu rezitieren. Dein Arabisch ist ebenfalls beeindruckend gut, deine Stimme wie immer hinreissend. Du unterbrichst dich selbst, du hast eine Zigarette in der Hand, es erscheint dir unangemessen jetzt den Quran zu lesen.  Ich wundere mich, bestehst du doch sonst darauf, kein Muslim zu sein, keiner Religion anzugehören?

„Please conclude it!“ Du siehst mich an, legst die Zigarette zur Seite und fährst fort. Diese Worte bedeuten mir viel, sie von dir zuhören verleiht ihnen den perfekten Klang. Ich bin überzeugt, keiner kann dies schöner als du, nicht mal der aktuelle „Weltmeister im Quranrezitieren“! Als du es beendet hast, siehst du mich wieder lange an, diese Sure sei besonders, besonders schön. Ich lächelte und küsste dich auf die Wange. „U are special“ sagtest du. „U too!“ erwiderte ich.

Manchmal…

Manchmal verfluche ich meinen Job, mich selbst weil ich ihn gewählt habe, die Gesellschaft weil sie meine Arbeit nicht anerkennt, die Stadt weil sie mich viel zu schlecht bezahlt und die Jugendlichen, weil ich wegen ihnen mit 25+ schon weisse Haare bekomme (kein Spass!)!

Manchmal wünschte ich mir ich wäre Ingenieurin geworden oder hätte Jura oder Journalismus studiert, irgendetwas mit etwas mehr Prestige und einem bessern Gehalt.

Manchmal gibt es einen erhellenden Moment, zum Beispiel wenn ein Jugendlicher eine gute Note in der Schule bekommen hat, weil du sogar an deinem freien Tag Nachhilfe gibst oder wenn die Mutter eben dieses Jugendlichen dir Blumen als Dank schickt. Diese Momente sind kurz und werden von ständigem Gezeter überschattet. Meckrige Buchhalter, faule Vorstandsleute, eine knausrige Stadt und pedantische Projekt-Financiers und natürlich auch von Jugendlichen, deren Verhalten einen oft an den Rande des Wahnsinns treibt.

Aber manchmal, manchmal gibt es Momente wie heute, die einen für alles entschädigen, die so viel mehr wert sind als das man es in Euronen aufwiegen könnte. Momente in denen man vor Freude, vor Stolz Tränen in den Augen hat. Momente in denen einem klar wird, warum man ein schlecht bezahlter Sozialarbeiter geworden ist und eben kein Ingenieur oder ähnliches.

Und weil diese Momente so besonders, aber gerade für meinen Berufsstand so „überlebenswichtig“, sind möchte ich davon erzählen.

Das heute war nicht nur ein „erhellender Moment“ es war einer dieser Glücksmomente, von denen man lange zehren kann. Schon um  9:30 Uhr befand ich mich beim Amtsgericht. Nicht weil ich geladen worden war, sondern weil mich einer „meiner Jungs“ gestern Abend (eher mit seinen Augen als mit Worten) darum gebeten hatte. Vor dem Gerichtsgebäude zögerte ich einen Moment, vielleicht wollte er mich doch nicht dabei haben? Vielleicht würde ich sowieso gar nicht den Gerichtssaal betreten dürfen, weil ich weder Erziehungsberechtigt noch in irgendeiner Art und Weise verwandt mit ihm bin und Jugendstrafverfahren grundsätzlich nicht öffentlich sind? Ich schob die Zweifel beiseite, ich kenne diesen Jungen seit über 5 Jahren, ich werde seine Blicke und sein stummes Nicken, als ich das Angebot machte zu kommen, schon richtig verstanden haben!

10 Minuten vor der Verhandlung trafen schliesslich auch besagter Junge und sein Kumpel ein. Der eine schenkte mir einen ungläubigen Blick, während der Andere mich in den Arm nahm ganz fest drückte und „Danke, dass du gekommen bist Ninjaan“ flüsterte. Puhh, richtig getippt!

Der Verhandlungsbeginn verzögerte sich, mit jeder Minute wurde „mein Junge“ nervöser, er spielte immer noch mit dem Gedanken die Aussage zu verweigern oder es schlicht und ergreifend zu bestreiten, sein Kumpel bestärkte ihn darin ungemein. Ich legte noch einmal den Arm um ihn und sagte, was ich ihm schon die letzten Monate, nach Anklageerhebung, geraten hatte: „Du musst die Wahrheit sagen. Sie haben deine Fingerabdrücke und du keinen Anwalt. Wenn du jetzt lügst oder die Aussage verweigerst, machst du es damit nur schlimmer! Das ist Jugendstrafrecht, gesteh was du getan hast! Mit Lügen wirst du nicht weit kommen, vertrau mir!“  Immer wieder schüttelte er verzweifelt den Kopf, er befürchtete, dass man ihm weitere Straftaten anlasten würde oder das seine „Strafe“ sehr hoch ausfallen würde. Ich gab mir alle Mühe ihm das Jugendstrafrecht halbwegs einfach zu erklären und verwies ihn immer wieder darauf, dass die Wahrheit der beste Weg sei.

Mittlerweile war noch ein 2. Kumpel eingetroffen, auch er ermutigte ihn dazu zu Lügen. Als es mir zu bunt wurde fauchte ich sie kurz an und plazierte sie auf eine andere Bank (So blöd sie sich auch verhalten, das bisschen Autorität konnte ich mir bis jetzt bewahren – es war Ruhe!).

Schliesslich wurde er aufgerufen, mit einem leicht mulmigen Gefühl stand ich mit auf und bat den Richter darum, bleiben zu können. Dem gefiel meine Idee gar nicht, sein Ton mir gegenüber war unter aller…., aber ich lächelte nur höflich und bestand darauf, da „mein Junge“ ohne jegliche Begleitung (ohne Eltern, Geschwister oder Verwandte und Anwalt) gekommen sei. Die Hartnäckigkeit zahlte sich aus und ich durfte bleiben.

Nach der Anklageschrift wurde ihm das Wort erteilt, mit der Frage ob er sich zu dem Falle äußern wollte. Ich hielt vor Spannung die Luft an – wofür würde er sich entscheiden? Als er dies bejahte stieg meine Anspannung noch einmal – sagt er jetzt die Wahrheit oder streitet er alles ab? Der Druck seiner „Clique“ ist groß!

“ Ich möchte sagen, dass die Anklage gegen mich stimmt. Ich habe dies……… getan.“ Er sprachs, schaute kurz auf den Tisch und blickte dann zu mir rüber. Mir lief ein Schauer über den Rücken – ich war so stolz auf ihn! Er hat alle Angaben bestätigt, nicht gelogen, alles zugegeben! Der Richter und der Staatsanwalt schienen völlig verwirrt zu sein, warfen erst sich einen irritierten Blick zu und schauten dann zu mir herüber – auf die „doofe“ Sozialarbeiterin, die unbedingt bleiben wollte und nun unendlich stolz auf ihren Schützling schaute und ihm aufmunternd zunickte.

Den Rest der Verhandlung über starrte er auf seinen Tisch und erhob nur den Blick, um zu mir herüber zusehen, als Absicherung, ob alles gut ist – jedesmal nickte ich ihm zu: Ja, alles ist gut!

Das Urteil fiel unfassbar milde aus, besser hätte es nicht sein können. Der Richter bestärkte noch einmal mein Reden und sagte ihm klipp und klar, dass er bei der Beweislast auch die Aussage hätte verweigern können, da er aber seine Tat eingestanden hatte und offensichtlich bereute, hätte er dieses Mal noch Glück gehabt. Er (mein Junge) lächelte mir in diesem Moment zu und wischte sich eine Träne aus dem Gesicht.

Gemeinsam gingen wir aus dem Saal, ich legte ihm den Arm um die Schulter und flüsterte: „Ich bin so stolz auf dich…“ 

Seine Freunde erwarteten uns schon und fielen aus allen Wolken, als er ihnen von seinem Geständnis erzählte, er aber schüttelte nur den Kopf und nahm mich in den Arm „ Danke Ninjaan, danke für alles! Danke, dass du für mich da warst!“ Er drückte mich ganz fest und ich spürte wie mir die Tränen in die Augen schossen. Vor Stolz, weil er etwas Richtiges getan hatte und auch wenn es für viele komisch klingen mag, etwas sehr mutiges! Aber auch, weil ich ihn ansah  und mich an den kleinen, schmächtigen 12jährigen Jungen erinnere, der mit mir Maumau spielte und stolz sagte: „Ninjaan! Heute ist der 1. Tag an dem ich mitfaste! Also zur Probe…heute fasten wir zusammen!“  Ich verabschiedete mich schnell und ging, von meiner Rührung sollte nun wirklich niemand etwas sehen!

Ich bin stolz! So unfassbar stolz, auch das mag komisch klingen, hat er doch eine Straftat begangen!? Ja, das hat er. Aber ich kenne ihn, ich weiss welche Geschichte dahinter steckt und ich weiss auch wie schwer es für einen jungen Menschen ist, aus diesem Kreis auszubrechen, etwas zu tun, was keiner aus seinem Umfeld tolerieren will – aber genau das hat er heute getan! Das kann (ich bin nicht naiv, deswegen nur ein „kann“) der Schritt in eine richtige, eine gute Richtung sein – darauf hoffe ich, das wünsche ich mir, für ihn!

Ich habe Jugendliche bei denen ich die „kriminelle“ Energie nicht abstreiten kann (und auch nicht will), ich würde sie dennoch zu einer Gerichtsverhandlung begleiten, das ist eben mein Job, da sein wenn es kein anderer ist, aber bei jemandem wie ihm, da fühle ich es noch mehr. Da leide ich mehr und empfinde noch mehr Stolz und Glück, wenn ich sehe wie er einen Schritt herauswagt, einen Schritt aus dem heraus, in das er hineingeraten ist, weil einfach alles in seinem Leben schief gelaufen ist.

Diese Momente, in denen mich jemand wie er in den Arm nimmt, in denen mir jemand so sehr vertraut, dass sind diese unbezahlbaren Momente die meinen Job trotz aller Schwierigkeiten so wundervoll machen. Darum liebe ich es, weil ich manchmal (nicht halb so oft wie ich es mir wünschen würde…) doch etwas erreichen kann, weil es nicht umsonst ist, weil vielleicht nichts umsonst ist, auch wenn man es nicht immer so deutlich sieht wie heute.

 

PS: Als ich heute so mißtrauisch und abfällig von dem Richter und dem Staatsanwalt angesehen und behandelt wurde, kam mir übrigens noch etwas in den Kopf: FUCK U PFEIFFER, du hast keine Ahnung von unserem Job! (Wer nicht weiss was ich meine, kann sich das hier bei Interesse mal durchlesen: http://www.spiegel.de/schulspiegel/leben/0,1518,593856,00.html )

 

Retrospektive Mai 2011 (Sms)

Tag  nach dem letzten Treffen:

Yaya: Ninjaan joonam…(Ninjaan mein Liebling)

Ninjaan: Kojai jigaram? (Wo bist du „meine Leber“ ?) Man delam barat tang shode… (Ich vermisse dich)

Yaya: Haha 🙂 Internet nadaram (ich hab kein Internet) me2

Ninjaan: Cerra (warum)? I kill ur Internet!

Yaya: Kill me…

Ninjaan: Why?

Yaya: Why not? Kill me…

Ninjaan: But maybe I want u alive Yaya joon?

Yaya: 😀 Jedi (Echt)? Why are u far?

Ninjaan: Cruel destiny…

Yaya: U make me cry now… 😦

Ninjaan: Oh no, geriye nakon azizam ( weine nicht mein Schatz)! If u cry my heart is bleeding!^^ Why dont u have Internet? Are u at work?

Yaya: I´m at home, I guess I´m blocked. I´ll have tomorrow maybe. What are u doing?

Ninjaan: I´m at home too, watching a movie! I hope so, I miss u in skype!

Yaya: In skype? 😀

Ninjaan: U shark! Maybe not only there…

Yaya: Shark? Why shark? So its not just skype – here the same actually…

Passwortgeschützter Artikel? HILFE!

Ich habe gerade versucht einen Passwortgeschützten Artikel zu veröffentlichen. Eigentlich schien es ganz einfach zu sein. Ich habe bei der Sichtbarkeit „Passwortgeschützt“ angeklickt und ein Passwort eingegeben. Dann wollte ich mal sehen wie das nun auf meiner Seite aussieht und prompt wurde ich darum gebeten mein „Passwort“ einzugeben – tat ich dann auch.

Weil ich aber immer noch unsicher war, loggte ich mich aus und googelte meinen Blog – plötzlich war der Artikel auch dann zu sehen! Wie kann das sein? Warum sehe ich den Artikel plötzlich? Was habe ich falsch gemacht? Ich habe noch ein wenig hin und her probiert, aktualisiert, aber nichts hat geholfen. Also habe ich den Artikel erstmal wieder zu den Entwürfen verschoben 😦

Kann mir jemand sagen, was ich falsch gemacht habe??

Sms von Ninjaan an Yaya

Ich höre/lese immer wieder, dass Leute es im Nachhinein bereuen, wenn sie an- oder betrunken Sms verschickt haben. Da ich nicht trinke kann ich das nur  bedingt nachvollziehen, ich würde diesen Satz/Weisheit aber gerne erweitern: An einem emotionalen Tiefpunkt sollte man auch keine Sms verschicken! Ganz, ganz blöde Idee! Auch dann ist man nämlich nicht wirklich zurechnungsfähig und eine, in diesem Moment harmlose wirkende, Sms könnte einem am nächsten Tag als das erscheinen was sie wirklich ist „emotional überbeladen“ und vor allem absolut unnötig!

Ninjaan an Yaya (irgendwann mitten in der Nacht)

Even though it feels like we´re becoming estranged way too fast for me, I want to congratulate u on the song, as I said before ur part is the best, keep it going. When I´m writing, my pain (sadness) doesn´t decrease*… 

(* Übersetzung und Satz aus seinem Lied, ich habe es nicht wie hier auf Englisch geschrieben.)

Yaya an Ninjaan (morgens)

What a sad sms! What´s going on ninja? We´ll talk 2day

Super! Ich habe sein Mitleid geweckt! Genau das war meine Intention als ich diese, für mich nun auch bescheuert klingende, Sms geschrieben habe!!!!

Das war natürlich nicht meine Absicht, jedenfalls nicht bewusst! Ich war unendlich traurig und wollte etwas sagen, irgendwas. Gemessen an meinem derzeitigen emotionalen Zustand klang die Sms für mich relativ „normal“ … Eine solche Reaktion wollte ich nicht hervor rufen, denn wenn ich eins nicht will dann ist das Mitleid!

Aber Yaya ist nun nicht dafür bekannt der empathischste Mann auf Erden zu sein und deswegen hat gestern kein Gespräch stattgefunden. Ob ich enttäuscht bin? Nicht mehr als vorher, eher erleichtert, was hätte ich auch sagen sollen? Das wäre nur nach hinten losgegangen (falls die Situation überhaupt noch erlaubt, dass irgendwas noch mehr nach hinten losgeht..) – ich bin nämlich immer nur dann emotional und in der Lage über so etwas zu reden oder zu schreiben, wenn derjenige, der diese Emotionalität auslöst nicht in der Nähe oder greifbar ist.

Ich hoffe, es war die letzte Sms die ich so verzweifelt abschicke – aber sicher kann man da nie sein.

Nächtliches Telefonat

Hör auf jetzt! Hör auf zu weinen! Gott! Ich hasse ihn, diesen Xxfxfxfx!!! – Ich, ich kann nicht Plitschi…(schluchzen) – Verdammt! Du musst dich zusammenreisen! Was ist los mit dir Ninjaan??? Du warst doch nie so! Block ihn, lösch ihn, streich ihn aus deinem Leben! – (noch lauteres Schluchzen) Das, das hat er doch schon! Er hat mich gestrichen…Warum? Warum denn? Was habe ich gemacht? Ich habe nicht mal den Kontakt gesucht…ich dachte man streicht Leute die einen nerven? – HÖR AUF! Du hast gar nichts gemacht! Er ist bekloppt! Du weisst, dass er das ist! Keine Ahnung, vielleicht steht er auf Leute die ihn nerven?! Man, er ist halt einfach so, er ist wahrscheinlich immer so! – NEIN! Ist er nicht! Sie ist da! Warum ist sie da? Warum bin ich weg und sie ist da? – MAN! Jetzt reicht mir! Vergiss SIE! DU bist nicht SIE, du hast es nicht nötig ihm hinter herzulaufen wie ein HUND! Aber bitte! Willst du auch ein Hund sein? Dann schreib ihm doch auch Liebesschwüre, am Besten öffentlich, dass jeder es lesen kann! Willst du so sein wie SIE? Dann sei es doch! – Nein…ich, ich, warum nicht ich? Warum ich nicht? Warum vergisst er mich? – Ninjaan..bitte…ich will dich doch gar nicht anmaulen…MAN, jetzt maule ich dich schon an wegen dieses ARxxxx! Bitte, bitte Ninjaan, lösch alles, tu dir das nicht mehr an. Du hast nichts falsch gemacht, gar nichts! Er ist so ein blöder Xxfxfxfxx ! Du wusstest das! Wir haben dich alle gewarnt! Er hat dich im Grunde selbst gewarnt! Er hat dir gesagt, dass er kein „Nice guy“ ist, dass niemand es mit ihm aushält. ER hat selber gesagt, er versteht nicht wie du es solange aushalten kannst mit ihm! ER ist fxfxfxfxfx ! – Aber sie… – WENN du noch einmal SIE erwähnst! Ich dreh gleich durch! Ich will, dass du wieder glücklich bist! Hör auf dich mit ihr zu vergleichen! Bitte Ninjaan… – Ich werde nie, nie wieder! Nie wieder so sein! Ich war nie so oder? War ich so? – Nein,…aber … – Nichts aber! Ich werde das nie wieder sein! So offen, mich so verletzlich machen! – Du weisst das dass Schwachsinn ist! Du warst toll, du warst ehrlich, du hast endlich mal gesagt was du fühlst! Du warst gut! Du wirst dich jetzt nicht zum Schlechten verändern, nur wegen ihm! Das ist er nicht wert! – Er hat mich einfach vergessen…(schluchzen), einfach so. Das sollte nicht so enden. Das hätte nicht sein müssen…Warum konnte er nicht warten? Bis ich weg bin, bis ich hier raus bin? Ich kann Erinnerungen nicht ertragen, überall sind sie hier. In meiner Wohnung, auf meiner Arbeit, überall ist er…warum hat er nicht gewartet, bis ich weg kann?  – Es tut mir so leid Ninjaan… du kannst damit umgehen, du konntest das doch immer, besser als alle anderen! – Aber es geht nicht mehr, Plitschi, ich habe es verlernt…ich weiss nicht mehr wie es geht. Mein Bauch tut weh, ich glaube mir ist schlecht. – Du solltet schlafen… – Ja, ich sollte schlafen, schlafen ist immer gut. Kann ich schlafen, bis es vorbei ist? – Ich glaube nicht. Die Arbeit lenkt dich ab Ninjaan, da ist doch gerade so viel zu tun. – Auf der Arbeit ist er auch…überall… – Ich weiss… – Ich lege mich jetzt hin Plitschi. – Ja, mach das! Ninjaan? – Ja? – Ich hab dich lieb! – Ich dich auch Plitschi…danke!

Wenn ich schreibe Teil II

Der Song ist jetzt raus. Ich sitze im Studio und schreibe gerade, mehr schlecht als Recht, an meinen Dokumentationen rum. Alles weg, alles weg und ich muss alles neu schreiben! Dann gibt mein Handy einen Laut von sich – wow bei dem neuen Handy funktioniert fb tatsächlich! Ein gemeinsamer Freund hat den Link gepostet – brand new! Schickes cover, ich gerate in Versuchung den pc neben mir, der nur für die Aufnahmen genutzt wird zu starten, nur kurz, nur nochmal reinhören in das Original…unsere Aufnahmen, sein Gefluche… Ich beherrsche mich, zuviel zu tun – keine Zeit für Erinnerungen, keine Zeit für liebeskummer, wo war ich stehen geblieben? Achja…Kostenaufstellung.
Wenn ich schreibe lasse ich mich zu leicht ablenken…

(ich würde den Link zu gern hier Posten, geht aber nicht, da ich wohl sonst seine Identität preisgeben würde – wie wärs mal mit nem Künstlernamen, Yaya?)

Ninjaan don´t like mondays

 

Ninjaan´s Montag sah heute so aus:

1.) Viel zu früh aufwachen, verquollene Augen, Nase dicht. Hallo Heuschnupfen, ich dachte schon ich wäre dich los!

2.) Aufstehen, grummeln im Unterleib- oh nein…es sind doch nicht? Doch, hallo Periode, ich dachte schon du würdest mich diesen Monat verschonen!

3.) 1 Anruf in Abwesenheit: Der Autofuzzi, hat mich auch nicht vergessen, nur leider hat ich gestern mein Tan-O-Mat verabschiedet und die Überweisung konnte nicht ausgeführt werden…

4.) Altes Handy verkauft und wehmütig alle Sms gelöscht (na wessen wohl?), aber war nur halb so schlimm, Augen waren immer noch verquollen, dann fiel keinem die Wehmut in meinem Blick auf.

5.) 1 Teamsitzung inklusive Machtkämpfchen mit meinem Mitarbeiter – ganz mieser Versuch seiner weiblichen Chefin an´s Bein zu pinkeln, wenn sie A) Heuchnupfen hat und dementprechend wenig Schlaf,  B) ihre Tage und C) Liebeskummer hat!

Jetzt kommt das Highlight dieses Montags:

6.) Der Büro Pc hat sich verabschiedet! Besser gesagt die Festplatte. Todesurteil wurde von einem Kollegen ausgestellt – alle Daten weg! Alle Daten! Ausgerechnet in dieser Woche in der ich gleich mehrere Abgabefristen einhalten soll und ein Treffen mit dem Bürgermeister habe !

7.) Ninjaan ist schon um 17 Uhr zuhause, will alles von hier aus erarbeiten – dann schlagen die Antihistaminika zu: Tiefschlaf! Bis eben gerade! Nix gemacht – muss alles ab Morgen gemacht werden…

Ninjaan hasst Montage und die Tage nach einem „beschissenen Montag“ auch! 

Geht´s auch anders?

Eigentlich ist es immer wieder die gleiche Geschichte, jedenfalls dann, wenn es um unerwiderte Gefühle geht. Einer fühlt zuviel, der andere nicht – es wird viel gesagt, doch bleibt viel zu viel unausgesprochen, am Ende zieht sich einer langsam zurück, wortlos oder der Kontakt bricht plötzlich ab, meist auch wortlos. Der oder die Zurückgelassene startet meist noch einen oder mehrere Versuche zu kitten, was nicht mehr zu kitten ist – das war´s. Ende der Geschichte.

Ich frage mich, weil ich nun die Zurückgelassene bin, ob es auch anders geht? Und dann erinnere ich mich an eine Geschichte, die im Grunde lange parallel zu Yaya lief (also ich hatte nicht parallel noch etwas mit jemand anderem oder so!). Die Geschichte von meinem Bekannten, nennen wir ihn mal Ha.Si. (seine Anfangsbuchstaben 🙂 ) und mir. Wann und wo ich ihn genau kennengelernt habe, weiss ich nicht mehr, nur dass er genau wie Kat in HH lebte und wir uns dann dort zwischendurch trafen, ansonsten pflegten wir den Kontakt über „skype“ (was wäre mein Leben eigentlich ohne Skype? Ich glaube manchmal wesentlich angenehmer…) und das Telefon.

Alles lief auf Freundschaftlicher Basis, ich mochte ihn, uns trennen zwar so einige Jahre (er ist wesentlich jünger als ich), aber wir konnten über vieles reden, kurzum, ich genoss den Kontakt zu Ha.Si. sehr. Obwohl Kat schon früh über seine „angeblichen Gefühle zu mir“ Witze machte, ignorierte ich das weitgehend. Ha.Si. war einfach unfassbar lieb und zuvorkommend, ich sah dahinter keine versteckten Gefühle. Wenn ich aus Hamburg abreiste kam er immer zum Bahnhof und brachte mir Reiseproviant, zugegeben, da hätte ich was merken müssen, aber warum kann nicht jemand einfach mal nett sein? Yaya, der einmal die Reste meines sorgfältig verpackten Reiseproviants entdeckte, frotzelte nur, dass niemand einfach nur ein „nice guy“ sei ohne etwas dafür zu erwarten. Ich machte mir aber weniger darüber Gedanken, dass er Recht hatte, als darüber, dass es ihn offensichtlich etwas wurmte, da er den ganzen Abend über nichts anderes fluchte als „nice guys“.

Ha.Si. und ich waren also Freunde, wir redeten, trafen uns hin und wieder, mal mit Kat mal ohne. Bis zu dem einen Abend, als wir gemeinsam zu einer Vorstellung der Flying Steps in Hamburg gingen. An diesem Tag bat er mich ohne Kat zu kommen, er brachte mich zu einem schönen Bootssteg und kochte im Anschluß daran das leckerste indische Essen, dass ich jemals gegessen hatte! Die Flying Steps waren der Wahnsinn, nach ihrem Auftritt war ich völlig aus dem Häusschen und dann bat Ha.Si. mich noch darum mit ihm zum Alsterufer zu gehen. Dort, am Wasser, in der Dunkelheit, gestand er mir dann seine Gefühle.

Ich glaube so eine Liebeserkärung, gibt es nur in Bollywoodfilmen, es gab da nur ein kleines Problem – ich war nicht verliebt in ihn. Seine Worte waren überwältigend gewählt, er räumte alle Argumente die ich vorbrachte gekonnt aus, er bot mir sogar an für „uns“ seine Religion zu wechseln (natürlich total Irrsinn, so etwas würde ich niemals von jemandem erwarten!!! Genauso sagte ich ihm das auch!) und noch vieles mehr. Ich war so hingerissen und zum Teil auch so überfordert, dass ich um etwas Bedenkzeit bat. Ich war auch feige, ich versuchte mich aus der Affaire zu ziehen, ganze zwei Wochen, in denen wir zwar Kontakt hatten, ich mich aber nicht dazu äußerte. Dann entschied ich mich dazu, ehrlich zu sein. Ich sagte ihm, dass ich nicht glaubte, seine Gefühle erwider zu können. Er war hartnäckig, sagte er würde warten. Ich versuchte es längere Zeit auf die „schonende Weise“, ich wollte ihm nicht das Herzbrechen, das ist scheisse!

Irgendwann allerdings, ging es nicht mehr, es wurde mir zuviel, ich spürte, dass er zu sehr auf mich wartete, zu sehr hoffte. Also entschied ich mich, entgegen dem oben beschriebenen Szenario dazu, ihm zu schreiben. Eine lange Mail, in dem ich ihm meine Situation und Gefühle erklärte, ihm sagte, dass er mir wichtig sei, aber mich niemals verlieben könnte. Das es mir leid tue und ich glaubte, wir müssten den Kontakt etwas minimieren, damit es für ihn leichter wird – natürlich irgendwie auch für mich.

Er antwortete auf diese Mail, rief mich an und ich schrieb zurück und ging auch ans Telefon. Es war nicht die angenehmste Sache, aber ich wollte eines auf gar keinen Fall: Diejenige sein, die sich wortlos aus der Affaire zieht. Ich erklärte meine Entscheidung zwar, blieb aber hart. Ich sagte ihm, dass ich hoffe, er könnte bald über mich hinweg sein, denn dann wäre ich da und würde mich darüber freuen von ihm zu hören, mich darüber freuen wieder „eine“ Freundin sein zu können.

Es fiel ihm zu Beginn schwer, aber nachdem ich auch die FB Freundschaft beendet hatte (ich weiss auch wie beschissen es ist zu stalken!), ging es leichter. 6 Monate hatten wir nun fast Funkstille, dann schrieb er mir ob er mich anrufen könne? Aber klar und so kam ich ihm zuvor und rief ihn zuerst an! Es war ein gutes Gespräch in dem wir die letzten Monate Revue passieren liessen.

Das ist jetzt 3 Wochen her, wir haben wieder Kontakt, in Maßen natürlich, wie es sich für gute Bekannte, Freunde, gehört. Keine Verbitterung, keine Vorwürfe, nichts das unausgesprochen blieb und unter der Oberfläche schwelt. Wir können wieder gemeinsam lachen – können da weitermachen, wo irgendwann Gefühle dazwischen gefunkt hatten.

Nach dieser Erfahrung, bin ich davon überzeugt, dass es anders geht! Ehrlichkeit, so hart sie auch manchmal zu Beginn erscheint, zahlt sich aus, kann zu tiefe Verletzungen verhindern, kann Freundschaften, Kontakte retten! Es ist unangenehm für beide, aber wenn man jemanden mag ( die Betonung liegt auf dem WENN), dann sollte man den Schneid haben, diese Person auch dementsprechend zu behandeln. Wer nicht verletzen will, sollte sich die Zeit nehmen, dem Anderen zu zuhören, sich für einen Moment in seine Lage zu versetzen.

Viele mögen sich denken „Warum sollte ich? Ist doch nicht meine Schuld, dass XY sich in mich verliebt hat!“ – Nein, ist es nicht, natürlich nicht, aber sowas kann jedem von uns mal passieren, warum also nicht bei uns selbst anfangen, es besser zu machen?