Einen Moment noch…

Gelähmt – dieses Wort beschreibt meinen derzeitigen Zustand wohl am ehesten. Ich fühle mich wie gelähmt oder vielleicht doch eher wie in Trance? Irgendwie habe ich diesen Arbeitstag überstanden, einen gebuchten Kindergeburtstag organisiert, von Anfang bis Ende, ich habe gelächelt, Witze gemacht, Kinder zum Lachen gebracht und Müttern ein zustimmendes Lächeln geschenkt, wenn sie mir von ihren Sorgen erzählten. Ich habe mit einem Kollegen gescherzt, Tränen getrocknet, einen Muffin hinunter gewürgt, der mir als kleines Dankeschön gereicht wurde. Ich habe mit der Wochenabrechnung begonnen, eine Projektbeschreibung vervollständigt, Emails verschickt und unsere FB Seite überarbeitet.

In diesen Stunden habe ich so einiges getan, aber nichts davon bewusst. Ich habe gelächelt, geschwiegen, gesprochen, getröstet, gerechnet und geschrieben und nichts von dem was ich tat hat mich in irgendeiner Weise berührt, alles lief automatisch. Ich funktioniere noch.Eigentlich ist das gut, schlimm wird es erst, wenn auch das nicht mehr geht – wobei ich wenige Augenblicke in meinem Leben hatte, in denen wirklich nichts mehr ging. Alles geht noch – nur fühlt es sich nicht danach an. Dabei muss ich an den Titel des Songs denken, der gerade im Hintergrund läuft “ A river flows in you“  (Yiruma),  in mir ist es eher ein Rinnsal, aber auch der bewegt sich irgendwie.

Es geht immer weiter, irgendwie, alles endet mal, irgendwann. Das alles tröstet mich jetzt nicht, weil ich mich leer fühle, ausgelaugt. Alles ist nicht so, wie ich es mir gewünscht, erhofft hatte, nichts von dem, für das ich mir überhaupt etwas erhofft hatte. Ich fühle mich wie in einer Sackgasse, ich will raus, aber ich weiss nicht wie. Fortgehen, würde helfen, wenn ich nur endlich einmal eine Nachricht, eine Antwort bekommen würde, ob oder ob nicht?! Ich muss raus, um zu ändern, was sich hier nicht ändern lässt. Neu anfangen, weil das Weiterführen von dem was ist, mir so sinnfrei erscheint.

Und ich muss weg von ihm, schnell, bald, wenn dieses Gefühl mir nichts als Lähmung bringt, nichts als Trauer, die so tief sitzt, dass sie nicht heraus kommen mag, was würde es mir noch bringen?

„Why do you love, if you get nowhere by doing so?“ – Vor etwas einem Jahr hatte er mich das gefragt. Ich sagte damals, das man um der Liebe willen liebt, nicht weil man etwas erwartet. Ist das wahr? Vielleicht nicht, vielleicht hatte er recht, Liebe ohne Ziel, ohne Zukunft, ohne Versprechen, die nicht gebrochen werden wollen, – wozu sollte sie gut sein?

Ich will so viel mehr, für mich, mein Leben, von ihm. Ich will gehen, um meiner selbst willen, neue Wege beschreiten, um mein Leben zu bereichern und ihn loslassen, weil er mir nicht geben kann, was ich so sehr zu brauchen glaube.

Ich schaue schon seit Minuten auf ein Bild, dass er mir vor langer Zeit geschickt hast:

 

So fühle ich mich gerade, ich würde mich am liebsten verstecken, den Kopf einziehen, aber alle erwarten von mir etwas. Stärke, Mut, einen guten Job, die richtige Entscheidung – was auch immer es ist, es fällt mir schwer. Aber ich werde es anpacken, morgen oder übermorgen, vielleicht brauche ich noch eine Woche, aber dann! Dann ziehe ich mich wie immer an den eigenen Haaren aus meinem selbst angelegtem Sumpf und mache weiter, starte neu – einen Moment noch, einen kleinen Augenblick brauche ich noch – vielleicht möchte ich jetzt auch gerne noch etwas leiden – warum auch nicht?

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7 Kommentare

  1. mirrorjp · Mai 16, 2012

    warten dass es vorbei geht
    ich warte seit 3 jahren dass es vorbei geht
    und die lähmung, die du beschreibst, ist letztes jahr eingetreten –
    weißt du, dass er Dir nicht das geben kann, was du brauchst oder hast du angst davor, dass er tatsächlich all deine wünsche erfüllt? auch die ganz heimlichen prinzessinnenträume, die man nie jmd erzählt ?

    • ninjaan · Mai 16, 2012

      Leider weiss ich, dass er es nicht kann – wahrscheinlich nicht mal, wenn er das aufrichtig wollte. 😦
      Drei Jahre? Manche Menschen gehen einem so unglaublich schwer aus dem Kopf – und noch viel schwerer aus dem Herzen…

  2. wirsindherzhaft · Mai 13, 2012

    Probiers mal mit einem Abend in der Kneipe, nem anderen Mann und 10+ Gläsern Wein 😉 Kann sehr gut nachvollziehen was du schreibst, glaube aber wir Menschen oder vielleicht auch nur Frauen, wir sind innerlich alle kleine Masochisten und genießen das Gefühl des Leids fast ein wenig…

    • ninjaan · Mai 13, 2012

      Hach, ich hab alles schon versucht: Party in Edinburgh, Party in Hamburg oder hier bei mir. Nette Unterhaltungen, sogar ein Date…nichts hat geholfen 😦 Ich muss wahrscheinlich noch etwas warten (wobei ich warten sooo sehr hasse!), bis ich mich auf irgendwas, und sei es nur eine Ablenkung, einlassen kann…

      • wirsindherzhaft · Mai 13, 2012

        Ja das meine ich, vermutlich will dein Unterbewusstsein erst mal noch ein bisschen leiden – egal wie ätzend das ist! Irgendwann bist du so weit und dann gehts voran, da bin ich mir sicher! 🙂

  3. Mascha · Mai 13, 2012

    Ich kann Dich gut verstehen, ich kenne das. Du musst stark sein…die Menschen um Dich herum haben Erwartungen und Du darfst keine Schwäche zeigen. Ich hoffe für Dich, daß Du bald Antwort erhälst. Für mich läuft es hier auch nicht sooo toll wie ich es mir gewünscht hatte. Ich freue mich jetzt schon wieder auf Indien. Ich fühle mich dort irgendwie energetisch viel besser.

    • ninjaan · Mai 13, 2012

      Es muss sehr schön sein einen Platz zu haben, wo man diese Gefühle zumindest halbwegs abstreifen kann!

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