Geht´s auch anders?

Eigentlich ist es immer wieder die gleiche Geschichte, jedenfalls dann, wenn es um unerwiderte Gefühle geht. Einer fühlt zuviel, der andere nicht – es wird viel gesagt, doch bleibt viel zu viel unausgesprochen, am Ende zieht sich einer langsam zurück, wortlos oder der Kontakt bricht plötzlich ab, meist auch wortlos. Der oder die Zurückgelassene startet meist noch einen oder mehrere Versuche zu kitten, was nicht mehr zu kitten ist – das war´s. Ende der Geschichte.

Ich frage mich, weil ich nun die Zurückgelassene bin, ob es auch anders geht? Und dann erinnere ich mich an eine Geschichte, die im Grunde lange parallel zu Yaya lief (also ich hatte nicht parallel noch etwas mit jemand anderem oder so!). Die Geschichte von meinem Bekannten, nennen wir ihn mal Ha.Si. (seine Anfangsbuchstaben 🙂 ) und mir. Wann und wo ich ihn genau kennengelernt habe, weiss ich nicht mehr, nur dass er genau wie Kat in HH lebte und wir uns dann dort zwischendurch trafen, ansonsten pflegten wir den Kontakt über „skype“ (was wäre mein Leben eigentlich ohne Skype? Ich glaube manchmal wesentlich angenehmer…) und das Telefon.

Alles lief auf Freundschaftlicher Basis, ich mochte ihn, uns trennen zwar so einige Jahre (er ist wesentlich jünger als ich), aber wir konnten über vieles reden, kurzum, ich genoss den Kontakt zu Ha.Si. sehr. Obwohl Kat schon früh über seine „angeblichen Gefühle zu mir“ Witze machte, ignorierte ich das weitgehend. Ha.Si. war einfach unfassbar lieb und zuvorkommend, ich sah dahinter keine versteckten Gefühle. Wenn ich aus Hamburg abreiste kam er immer zum Bahnhof und brachte mir Reiseproviant, zugegeben, da hätte ich was merken müssen, aber warum kann nicht jemand einfach mal nett sein? Yaya, der einmal die Reste meines sorgfältig verpackten Reiseproviants entdeckte, frotzelte nur, dass niemand einfach nur ein „nice guy“ sei ohne etwas dafür zu erwarten. Ich machte mir aber weniger darüber Gedanken, dass er Recht hatte, als darüber, dass es ihn offensichtlich etwas wurmte, da er den ganzen Abend über nichts anderes fluchte als „nice guys“.

Ha.Si. und ich waren also Freunde, wir redeten, trafen uns hin und wieder, mal mit Kat mal ohne. Bis zu dem einen Abend, als wir gemeinsam zu einer Vorstellung der Flying Steps in Hamburg gingen. An diesem Tag bat er mich ohne Kat zu kommen, er brachte mich zu einem schönen Bootssteg und kochte im Anschluß daran das leckerste indische Essen, dass ich jemals gegessen hatte! Die Flying Steps waren der Wahnsinn, nach ihrem Auftritt war ich völlig aus dem Häusschen und dann bat Ha.Si. mich noch darum mit ihm zum Alsterufer zu gehen. Dort, am Wasser, in der Dunkelheit, gestand er mir dann seine Gefühle.

Ich glaube so eine Liebeserkärung, gibt es nur in Bollywoodfilmen, es gab da nur ein kleines Problem – ich war nicht verliebt in ihn. Seine Worte waren überwältigend gewählt, er räumte alle Argumente die ich vorbrachte gekonnt aus, er bot mir sogar an für „uns“ seine Religion zu wechseln (natürlich total Irrsinn, so etwas würde ich niemals von jemandem erwarten!!! Genauso sagte ich ihm das auch!) und noch vieles mehr. Ich war so hingerissen und zum Teil auch so überfordert, dass ich um etwas Bedenkzeit bat. Ich war auch feige, ich versuchte mich aus der Affaire zu ziehen, ganze zwei Wochen, in denen wir zwar Kontakt hatten, ich mich aber nicht dazu äußerte. Dann entschied ich mich dazu, ehrlich zu sein. Ich sagte ihm, dass ich nicht glaubte, seine Gefühle erwider zu können. Er war hartnäckig, sagte er würde warten. Ich versuchte es längere Zeit auf die „schonende Weise“, ich wollte ihm nicht das Herzbrechen, das ist scheisse!

Irgendwann allerdings, ging es nicht mehr, es wurde mir zuviel, ich spürte, dass er zu sehr auf mich wartete, zu sehr hoffte. Also entschied ich mich, entgegen dem oben beschriebenen Szenario dazu, ihm zu schreiben. Eine lange Mail, in dem ich ihm meine Situation und Gefühle erklärte, ihm sagte, dass er mir wichtig sei, aber mich niemals verlieben könnte. Das es mir leid tue und ich glaubte, wir müssten den Kontakt etwas minimieren, damit es für ihn leichter wird – natürlich irgendwie auch für mich.

Er antwortete auf diese Mail, rief mich an und ich schrieb zurück und ging auch ans Telefon. Es war nicht die angenehmste Sache, aber ich wollte eines auf gar keinen Fall: Diejenige sein, die sich wortlos aus der Affaire zieht. Ich erklärte meine Entscheidung zwar, blieb aber hart. Ich sagte ihm, dass ich hoffe, er könnte bald über mich hinweg sein, denn dann wäre ich da und würde mich darüber freuen von ihm zu hören, mich darüber freuen wieder „eine“ Freundin sein zu können.

Es fiel ihm zu Beginn schwer, aber nachdem ich auch die FB Freundschaft beendet hatte (ich weiss auch wie beschissen es ist zu stalken!), ging es leichter. 6 Monate hatten wir nun fast Funkstille, dann schrieb er mir ob er mich anrufen könne? Aber klar und so kam ich ihm zuvor und rief ihn zuerst an! Es war ein gutes Gespräch in dem wir die letzten Monate Revue passieren liessen.

Das ist jetzt 3 Wochen her, wir haben wieder Kontakt, in Maßen natürlich, wie es sich für gute Bekannte, Freunde, gehört. Keine Verbitterung, keine Vorwürfe, nichts das unausgesprochen blieb und unter der Oberfläche schwelt. Wir können wieder gemeinsam lachen – können da weitermachen, wo irgendwann Gefühle dazwischen gefunkt hatten.

Nach dieser Erfahrung, bin ich davon überzeugt, dass es anders geht! Ehrlichkeit, so hart sie auch manchmal zu Beginn erscheint, zahlt sich aus, kann zu tiefe Verletzungen verhindern, kann Freundschaften, Kontakte retten! Es ist unangenehm für beide, aber wenn man jemanden mag ( die Betonung liegt auf dem WENN), dann sollte man den Schneid haben, diese Person auch dementsprechend zu behandeln. Wer nicht verletzen will, sollte sich die Zeit nehmen, dem Anderen zu zuhören, sich für einen Moment in seine Lage zu versetzen.

Viele mögen sich denken „Warum sollte ich? Ist doch nicht meine Schuld, dass XY sich in mich verliebt hat!“ – Nein, ist es nicht, natürlich nicht, aber sowas kann jedem von uns mal passieren, warum also nicht bei uns selbst anfangen, es besser zu machen?

 

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4 Kommentare

  1. wirsindherzhaft · Mai 20, 2012

    Das willst du jetzt bestimmt nicht hören, aber: vielleicht ist es am besten, wenn sich der Kontakt in Maßen hält – so sind die Chancen, dass du ihn ganz schnell „vergisst“ und weiter gehen kannst am größten!

    • ninjaan · Mai 20, 2012

      Nein, da hast du vollkommen Recht! Mein Kopf weiss das schon, mein Herz beinahe. Was ich aber schön fände wäre halt ein ehrliches Statement und kein sich leise aus der Affaire ziehen… ich bin der Meinung das hätte ich verdient 😦

      • wirsindherzhaft · Mai 21, 2012

        Hättest du auch, aber Männer sind nunmal feige und ziehen sich gerne leise aus der Affaire 😉 Oder konfrontier ihn einfach selber, vermutlich das beste um mit dem ganzen abzuschließen – dann darfst du dich nur nicht einlullen lassen sondern hart bleiben, was sich ja bekanntlich oft als schwer darstellt!

      • ninjaan · Mai 21, 2012

        Hach, ich kämpfe noch so mit mir. Das Engelchen und das Teufelchen sitzen auf meinen Schultern und flüstern mir irgendwas zu, beiden möchte ich eigentlich nicht zuhören! Ich will weder mich ganz zurück ziehen, es hinnehmen wie es ist, noch möchte ich in irgendeiner (emotionalen) Art eine Diskussion vom Zaun brechen. Aber das ist typisch ich, ich hasse Warten, zögere aber selbst gerne Dinge hinaus 😦

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