Ninjaan die Heulsuse

Ich bin schlecht, böse, keine gute Freundin – nicht wie seine anderen Freunde, unnormal! Ich glaube in meinem ganzen Leben musste ich mir nicht so einen Mist anhören! Was in ihn gefahren ist? Ich weiss nicht, anscheinend habe ich ihm den perfekten Anlass gegeben, seinen kompletten Frust, seine ganze Wut an mir auszulassen. Im Grunde könnte er also dankbar sein, dass ich mich so bereitwillig angeboten habe.

Das Gespräch am Sonntag war noch katastrophaler als unsere Mails. Ein Wort jagte das andere, irgendwann habe ich aufgegeben, es ist sinnlos mit jemandem zu diskutieren der „von Sinnen“ ist. Das ist er, absolut „out of mind“. Das Gespräch endete nach etwa einer Stunde, geschockt und völlig neben mir starrte ich auf den Laptop. Es ist unfassbar was er gesagt hat, es ist so kalt, so unfair.

Ich habe geweint wie ein kleines Kind, nicht weil ich alles Ernst nehme was er da gesagt hat. Das kann ich gar nicht, dafür war vieles zu lächerlich, aber weil er es schafft so hart mir gegenüber zu sein, weil es alles in Frage stellt, wenn nicht sogar zerstört, was zwischen uns war.

Ich bin ins Studio gefahren, die Tränen liefen mir unaufhörlich die Wangen hinunter, an der Ampel sieht ein älterer Herr erschrocken zu mir rüber und gibt mir irgendein Handzeichen, wahrscheinlich befürchtet er ich würde in den nächsten Minuten einen Unfall bauen. Ich ignoriere es. Im Studio laufe ich auf und ab, fahre den PC hoch, schlage gegen die Wand, gegen die Gesangskabine, die eigentlich mal seine war, Wut und Verzweiflung lösen sich im Minutentakt ab.

Dann setze ich mich vor den Pc, nehme die Kopfhörer und öffne seine Musikprojekte. Die Aufnahmen, die das Programm automatisch speichert. Ich höre sein Räuspern, seine Versuche im Takt zu bleiben, das Fußklopfen, dass ihn dabei unterstützen sollte. Ich höre seine Stimme, sein Lachen, sein „Ninjaaaaaaaaaan, shiiiiiiiiiiit, shiiiiiiiiiiiiiiit! Once again!“ Ich höre mich selbst, Lachen, Husten, 100mal „are u ready“ sagen.  Ich halte den Kopfhörer fest, als würde er mir vom Kopf rutschen können und ich weine und weine.

Ja Yaya, ich bin Nonor! Na und? Ich weine, ich leide, weil ich nicht so kalt bin wie du!

Danach schreibe ich einem Freund, ich will Eis essen bis ich daran ersticke. Innerhalb einer Minute ruft er mich zurück, fragt nicht viel nach und verabredet sich mit mir bei B.K. Wir reden über alles, nur nicht darüber, sobald er versucht nachzufragen schiessen mir die Tränen in die Augen – kein guter Moment, um darüber zu reden. Er nimmt nur stumm mein Handy und löscht Yaya´s Nr. Ich rufe ihn eh nicht an sage ich schwach.

Gestern Abend, schickt er mir dann einen Link, kommentarlos. Verdutzt öffne ich ihn, ein ausländischer Film. Tun wir jetzt so als wäre alles gut? Das ist mein erster Gedanke, aber er erscheint mir zu abwegig, er ist zu wütend, zu kalt, kann er sich jetzt so schnell beruhigt haben? Aus Neugier beginne ich den Film anzusehen, ich bin eigentlich müde und erschöpft, die Qualität ist schlecht, der Ton kaum hörbar und der Untertitel verschwommen, aber ich sehe ihn mir an, knapp 2 Stunden. Das Ergebnis?

Der Film handelt von einem Mann und einer Frau. Er ist ein armer Schlucker, aber so ziemlich der normalste in der gesamten Handlung. Sie ist eine Ausreisserin, die nichts über sich verrät, ständig ausrastet, weint, und davon träumt das Land zu verlassen. Er nimmt sich ihrer an, hält ihre Macken aus, versucht ihr näher zu kommen. – Sie ist die Wahnsinnige, er der Gute!

Na? Das klingt nicht wirklich nach einemFriedensangebot, sondern eher wie eine weitere Anklage!

 

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6 Kommentare

  1. Mascha · Juni 5, 2012

    Ach Mensch, das klingt nicht gut!!! Und Worte können so verletztend sein…. Was kann ich schreiben, damit Du Dich besser fühlst?!

    • ninjaan · Juni 6, 2012

      Ja leider…es war vielleicht absehbar. Obwohl, nein, das war es nicht. Damit hätte ich niemals gerechnet. Ich danke dir aber für deine lieben Worte. Ich werde da jetzt durch müssen…das kennt wahrscheinlich jeder nur zu gut… 😦

  2. Träumerin · Juni 5, 2012

    Wow, das ist echt harter Tobak, was er da abzieht….

    Und ich kann mich meiner Vorrednerin nur anschließen, Du bist keine Heulsuse!! Du bist ein Mensch mit Gefühlen und hattest diesen Mann ins Herz geschlossen, nur deshalb kann er dich jetzt auch so verletzen.

    Irgendwann wirst Du Dir sagen „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, aber im Moment sitzen der Schmerz, die Enttäuschung und der Schock sicher noch viel zu tief.

    • ninjaan · Juni 6, 2012

      Ja leider…ich weiss nicht. Normalerweise bin ich immer sehr hart und ziehe es durch, wenn für mich etwas vorbei ist, ist es vorbei. Diesmal fällt es mir ungeahnt schwer, aber ich werde es durchhalten. Ein Schrecken ohne Ende…das will ich auf gar keinen Fall!

  3. Ich♥Dich · Juni 5, 2012

    Au weia, ich würde gern irgendetwas nicht ganz so Unfreundliches über den Menschen sagen, der dir so viel bedeutet, aber: Der hat doch echt nicht mehr alle!
    Seine Selbstreflexion und Weltanschauung scheinen momentan nicht immer so 100%ig zu funktionieren.
    Natürlich lesen wir hier DEINE Variante mit deinen Gefühlen und Ansichten, die durch deine Erfahrungen im Leben geprägt sind.
    Trotzdem kann man seine Worte und Taten ja recht neutral einschätzen, da du sie so detailgenau wiedergibst. Und die gehen GAR NICHT!

    Und es hat wirklich nichts mit einer Heulsuse zu tun.
    Du hättest mich nicht erleben wollen, nachdem damals ans Tageslicht kam, dass Nummer1 nun wirklich mit anderen schläft. Ich habe wochenlang durchgeheult. Selbst auf Arbeit. Zum krankschreiben empfand ich das zu wenig, aber arbeiten konnte ich so auch nicht.

    Dich hat niemand so zu verletzen. Und ja, er macht gerade alles kaputt. Es endet etwas in deinem Leben. Diesen Verlust darf man sehr wohl beweinen. Und weißt du, was ich in diesen Momenten immer sage? Wenn ich nicht traurig wäre, dass es endet, dann wäre es sinnlos gewesen, dass es war. So ist das!

    • ninjaan · Juni 6, 2012

      Ja..ich bin heute irgendwie noch in einem Schockzustand, ich kann es alles noch nicht wirklich fassen. Aber ich sehe wohl so bemitleidenswert aus, dass sogar meine Jugendlichen schon zu mir kommen und sagen „Welches Arsch hat dich so traurig gemacht NInjaan??“ 🙂
      Zum Glück (nicht wirklich GLück…aber darüber schreibe ich später…) war heute auf der Arbeit so ein Chaos, das ich nicht dazu kam, weiter darüber nachzudenken.

      Du hast Recht, es wäre sinnlos gewesen…aber ein bitterer Nachgeschmack bleibt, weil es anscheinend für ihn sinnlos war…

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