Retrospektive Juli 2011

Trotz der aktuellen „Albtraumsituation“ schreibe ich an der Retrospektive weiter…

„And it’s breaking my heart, I know what I must do,
I hear my country call me, but I want to be with you,
I’m taking my side, one of us will lose,
Don’t let go, I want to know,
That you will wait for me until the day,
There’s no borderline, no borderline; Walking past the border guards…” (Chris de Burgh: Borderline)

Es ist so lange her, dass wir uns gesehen haben oder kommt es nur mir so vor? Die letzten Wochen hatte ich fast komplett durchgearbeitet, 2 Wochen lang Ferienfreizeit auf Rügen, danach Einspringen für „kranke“ Kollegen. Du fehlst mir, ich fehle dir. Es kommt immer etwas dazwischen, ich werde ungeduldig, warum macht es mir so viel aus, dass wir uns nicht sehen? 8o km erscheinen wie eine unüberbrückbare Distanz. Endlich schaffen wir es doch ein Treffen zu vereinbaren, du kommst direkt nach der Arbeit. Ich bin schon einige Zeit vorher am Bahnhof, ich bin aufgeregt – warum? Ich sehe dich auf mein Auto zukommen, du wirkst müde, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, den Rucksack auf den Schultern und Kopfhörer auf den Ohren, ich musste lächeln. In diesem Moment hobst du den Kopf, hast mein Auto erblickt und ebenfalls gelächelt. Dein Lächeln ist so entwaffnend, vielleicht weil du es immer noch so selten tust? Du steigst ein, umarmst mich, ich rieche an dir und lächel. „I am so hungry topoljaan…“ Keine Sorge, ich habe an alles gedacht Yaya, es ist kaum was im Haus, ich bin pleite, aber für dich habe ich immer noch was übrig und natürlich Cola – wie könnte ich Cola vergessen? Ich ziehe sie vom Rücksitz hervor, du strahlst ein wenig mehr und nimmst einen Schluck. Dann stimmst du plötzlich das oben genannte Lied an. Deine Stimme verursacht Gänsehaut, ich bin davon überzeugt, dass das nicht nur bei mir so ist. „U know the song?“ Ich nicke und denke: „Hör jetzt nicht auf zu singen…“.

Es ist so unfassbar heiss, es ist Sommer, meine Wohnung gleicht einer Sauna, oben im Dachgeschoß angekommen, sind wir beide ganz schön ausser Atem, ich verkneife mir einen Spruch über dein Alter, an deinem skeptischen Blick erkenne ich, dass du genau das gerade erwartet hast. Ich setze Wasser auf, Tee, wie kannst du jetzt nur Tee trinken wollen? Mir läuft schon allein bei dem Gedanken an Tee der Schweiß herunter, es ist so unfassbar heiss…

Plötzlich stehst du hinter mir, ich rieche dich, ich spüre deine Nähe. Ich kann nicht an mich halten, ich habe dich zu sehr vermisst. Ich spüre wie ich weiche Knie bekomme, ich drehe mich zu dir um und sehe dir direkt in die Augen. Dein Blick ist ebenso magisch wie deine Stimme, dieser sehnsüchtige Ausdruck in deinen Augen, als würdest du stetig nach etwas suchen – Such nach mir, würde ich gerne sagen, stattdessen berühre ich deine Wange und küsse dich, erst vorsichtig, dann leidenschaftlich. „I want u so badly“ – bei diesen Worten verwandelt sich die Sehnsucht in deinen Augen in ein Feuer. Vergessen ist der Tee, die Hitze –  nur du und ich. Wir stehen mitten in der Küche und können nicht voneinander lassen. Ich will alles von dir, du willst alles von mir. Ich lege jede Scham ab, es gibt keine Scham zwischen dir und mir, keine Grenze, es gibt nur dich und mich.

Vielleicht ist es die Hitze? Vielleicht aber auch nicht, als wir Ewigkeiten später auf meinem Bett landen, du über mir und ich dieses Gefühl kaum noch aushalte, dieses Gefühl, dass du in mir hervor rufst. „Are u afraid?“ flüsterst du mir leise ins Ohr „ Yes I am…“ – „Don´t be, I won´t hurt u. I will never hurt u.“ Dann lasse ich alles zu, alles von dem ich immer dachte, ich würde es niemals wollen. Mit dir will ich es, mit dir will ich es so sehr! Alles mit dir ist so perfekt, Leidenschaft? Ich wusste nicht was dieses Wort bedeutet bis ich dich traf. Mit dir ist alles neu, alles aufregend, ich lasse mich fallen. Irgendwann liegen wir erschöpft, halb auf- halb nebeneinander auf dem Bett, ich zittere, ich bin so überwältigt. Du streichelst sanft mein Haar, küsst meine Schulter. „I never…I mean I never..“ Du siehst mich an und lächelst: „ Me neither…“

Ich werfe dir einen mißtrauischen Blick zu, du bemerkst ihn und schüttelst den Kopf “No need for me to tell u a lie ninjaan!” Als ich versuche aufzustehen und ins Bad zu gehen, hälst du mich zurück, du willst nicht, dass ich aufstehe „I want u the way u are now!“ – ich lasse mich zurück in deinen Arm fallen. Das Zittern will nicht aufhören, du küsst mich und beginnst zu erzählen, irgendwas, ich höre nicht wirklich zu, ich sehe dich nur an. Was ist das? Was ist das für ein Gefühl? Es hört nicht mehr auf! Der Überwältigung folgt nun die Erkenntnis: Das ist keine Gefühlslosigkeit mehr! Du bist nicht irgendwer für mich, du bist viel mehr. Der Sex ist nicht so perfekt, weil er ohne Verpflichtung ist, er ist perfekt, weil er mit dir ist!

Ich spüre Angst in mir aufkommen, das soll nicht sein! Das darf gar nicht sein! So war das nicht geplant! Du bemerkst meine Blicke „ Are u okay? Are u listening to me?” Nichts ist ok möchte ich sagen, gar nichts ist ok Yaya, ich glaube ich verliebe mich gerade in dich! Stattdessen schüttele ich den Kopf, Wut kommt in mir auf, auf mich selbst, auf dich, auf alles. „Sorry, I am tired, what did u say?“  frage ich betont gelangweilt. Ich sehe dir die Verletzung an, du hast irgendwas Ernsthaftes erzählt, etwas wichtiges, etwas aus deiner Vergangenheit und ich habe nicht zugehört. Ich versuche das zu überspielen und beuge mich zu dir hinüber um dich zu küssen. „I am talking to u! U are not listening and now u want to kiss me?” Du wehrst meinen Versuch ab, meine Wut steigert sich, was soll das alles? Wir haben nur Spass zusammen! Ich sollte nichts fühlen und du? Du solltest dich nicht so anstellen!

Ich drehe mich weg, du schaltest das Licht aus. Es ist so heiss, wir können nicht schlafen, irgendwann spüre ich, wie du dein Bein zwischen meine schiebst, das machst du immer, zum Einschlafen sagst du.

Sei nicht so nah, du darfst nicht so nah sein Yaya. Das ist nicht gut, ich kann damit nicht umgehen. Ich bin am nächsten Morgen ganz kühl zu dir, du erträgst es schweigend. Am Bahnhof reiche ich dir die Hand, drehe mich weg, als du mich auf die Wange küssen willst. Wir lächeln gequält. Das wird zur Qual denke ich mir, keine Treffen, bis ich mich eingekriegt habe – ich kriege mich schon wieder ein.

Zwei Tage später bitte ich dich um Entschuldigung, du sagst, es gäbe keinen Grund sich zu entschuldigen, alles wäre gut – leider war von da an nichts mehr gut, nicht für mich, weil ich nicht lieben will…

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7 Kommentare

  1. Ich♥Dich · Juni 7, 2012

    Och Mensch, ihr habt es euch aber gegenseitig nicht leicht gemacht, was? An seiner Stelle wäre ich nach diesem Besuch ziemlich sauer und enttäuscht gewesen. Ich verstehe aber, dass du dich nur vor deinen Gefühlen schützen wolltest.

    Ich habe auch förmlich gespürt, wie viel Leidenschaft zwischen euch herrschte und wurde eifersüchtig. So eine Leidenschaft will ich auch mal wieder spüren. Und das ganz ohne die miesen Gedanken, die ich haben werde, wenn ich Nummer1 in 5 Tagen wiedersehe.

    War das beschriebene Mal euer erstes?

    • ninjaan · Juni 7, 2012

      Ja, ich denke das war er auch. Er hat das am Anfang nur oft nicht gezeigt, später kamen, bei seinen Analysen meiner Person, aber seine wahren Gedanken zu Tage.
      Es ist die Nähe, einer der Gründe warum ich glaube, dass ich nicht zu einer Beziehung zur Zeit fähig bin, die mir Probleme bereitet. Nicht immer, nicht nur ich. Er ist/ war da leider nie besser – einer von uns hat die besonderen Situationen meist gesprengt.

      In 5 Tagen schon? Ich beneide dich…ich vermisse sie auch, diese Leidenschaft. Ich glaube nicht, dass ich sie so schnell mit jemand anderem finden werde…

      Es war nicht unser „1. Mal“ aber ein…öhhööm, besonderes 1. Mal für uns beide…

    • Ich♥Dich · Juni 7, 2012

      Also ich meinte jetzt auch nicht das erste Mal an sich, sondern EUER gemeinsames. Ich hoffe, das kam durch 😀

      Ja, in fünf Tagen. Von Dienstag zu Mittwoch. Manchmal wünschte ich, ich wäre schon im Blog so weit, dass ich quasi alles „live“ erzählen kann.
      Andererseits hilft es auch, mich nicht zu sehr hineinzusteigern, wenn ich jetzt die schlimmen Zeiten sehe, die im Blog auf mich zukommen.

      Ich bin sehr, sehr gespannt, wie es wird.

      • ninjaan · Juni 8, 2012

        Ohh, das wünschte ich aber auch! (Neugierde lässt grüßen 🙂 )
        Ich wünsche dir schöne Tage und hoffe, dass er endlich mal seine Augen aufmacht und erkennt was er an dir hat!

      • Ich♥Dich · Juni 8, 2012

        Dankschön!
        Erstmal fährt er dieses Wochenende nochmal zu… ihr. Denke ich zumindest. Immerhin ist er bei seinen Eltern und da ist sie ja auch.
        Und manchmal glaube ich, er weiß ganz genau, was er an mir hat/hätte. Da ist es doch praktisch, dass ich ihm nicht die Pistole auf die Brust setze und sage „Nur ich oder es läuft nie wieder was!!!“

      • ninjaan · Juni 8, 2012

        Oh man…
        Stimmt schon, eigentlich kann er nicht so blind sein. Was wirst du tun? Wirst du ihn damit konfrontieren?

      • Ich♥Dich · Juni 8, 2012

        Ich glaube nicht, dass ich mit ihm darüber reden werde.
        Ich will doch einfach nur genießen, dass ich ihn nach so langer Zeit das erste Mal wiedersehe. Dieser Spontanbesuch am 1./2.4. war tatsächlich das letzte Mal, dass wir uns gesehen haben.
        Und er würde darauf auch nicht eingehen. Oder dann eben Sachen sagen, die mich verletzen. Nicht mit Absicht, aber weil das eben seine Meinung ist. Ich will die eher so nach und nach unterschwellig ändern.
        Erstmal muss seine Beziehung ja auch beendet werden.

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