(Vorgezogene) Retrospektive September 2011

Ich überspringe in meiner Erzählung  nun einen Teil, den vielleicht wichtigsten Teil. Die Beschreibung des Moments, als sich meine Kälte in etwas verwandelte, das Andere vielleicht leichthin „Liebe“ nennen würden, ich aber lieber nur „das Gefühl“. Ich bin nicht in der Lage darüber zu schreiben, nicht jetzt, nicht heute und nicht morgen, aber irgendwann. Weil ich den „Tag des Vergessens“ eingeläutet habe. Weil ich beginnen will, dieses „Gefühl“ los zu werden – das geht nur, wenn ich mich nicht an den Anfang erinnere, sondern nur, wenn ich mich an all das erinnere, was uns dorthin geführt hat, wo wir jetzt stehen – am Ende des Weges, unseres Weges.

Erinnerst du dich, Yaya? Als ich Abstand wollte? Als ich mich von dir zurückzog? Als ich dir sagte, wir könnten uns die nächsten Wochen nicht sehen? Du warst verwundert, dachtest ich könnte denken, du hättest ein rein „körperliches“ Interesse an mir. Wie sehr schienst du darum bemüht mir das Gegenteil zu beweisen! Du hast es mir damit so unendlich schwer gemacht, so unendlich schwer mir selbst zu glauben. Ich habe gekämpft, mit aller Kraft, gegen dieses Gefühl, gegen die Erinnerung an deinen Duft, ich war bereit alles zu tun, nur damit es nicht überhand nimmt, um nicht zu zerstören was wir hatten – weil doch alles gut war, zu gut vielleicht?

Deine Worte waren sanft, deine Bemühungen zaghaft, ich stemmte mich dagegen, als würde meine letzte Bastion zu fallen drohen. ich war verletzend, abweisend und konnte doch nicht von dir lassen, wie verwirrend war mein Verhalten für dich? Hast du es geahnt? Hättest du getan, was du getan hast, wenn du es geahnt hättest – oder hast du es gerade deswegen getan?

Ich wollte dich von mir stoßen, mal vorsichtig, mal mit aller Gewalt, ich wollte Distanz. Ich glaubte, es wäre so leichter für mich, ich rechnete mit vielem, mit fast allem, mit deiner Wut, deiner Ignoranz, deiner Abweisung, nichts geschah. Ich war kurz davor aufzugeben, einzusehen, dass ich nicht aufhalten kann, was unlängst begonnen hatte. Du warst im Ausland, ein Kurzurlaub, 10 Tage sagtest du. 10 Tage für dich, eine Ewigkeit für mich. Du meldest dich nur kurz nach der Ankunft, ein einziges Mal zwischendurch, weil du glaubst ich hätte jemand Anderen kennengelernt, ein Missverständnis, ich sehe in deiner Reaktion so etwas wie Eifersucht und beginne zu hoffen – auf mehr, auf alles was gar nicht sein sollte.

Das Mißverständniss belastet auch nach deiner Rückkehr unseren Kontakt, ich bin blind, immer noch hänge ich dem Glauben an, es wäre Eifersucht, du hast es nie dementiert. Dann jedoch, geschieht etwas mit dem ich nicht gerechnet habe, ich werde einer Sache gewahr, die ich niemals vorher beachtet habe. Unser Kontakt war so eng, so intensiv, warum hätte ich jemals auf etwas anderes achten sollen, als auf das, was du mir sagst, mir erzählst? Ich hatte nie einen Grund! Wie so oft im Leben, wird auch mir die hässliche Wahrheit auf einem Silbertablett serviert. Das Silbertablett ist ein „social network“ und die hässliche Wahrheit? Das ist SIE . 

Sie, die gar nicht hässlich ist, die mir nie vorher aufgefallen ist, weil ich dir einfach nicht „nachspioniert“ habe. Sie ist plötzlich da, kommentiert ein Foto von dir von deiner Reise, stolz, sie hat es geschossen. Ich kann es nicht fassen, bin wie gelähmt und reagiere nicht auf deine Nachrichten, drei Tage lang. Ich muss nachdenken, meine Gefühle sortieren, den Schmerz loswerden, irgendwie! Dann der nächste Schock, sie teilt ein Video auf deiner Seite, ein altes, glückliches Ehepaar, mit dem Kommentar dazu, dass sie hoffe, ihr könntet auch einmal so sein, er würde morgens genauso „gähnen“ wie du und sie wisse, dass sie ihr Temperament zügeln müsse.

Immer und immer wieder lese ich ihre Worte, dann packt mich der Wahn, der „Stalkerwahn“, ich durchforste deine Bilder, deine Pinnwand, überall ist SIE! Warum ist sie mir nie aufgefallen? Wie konnte ich das übersehen? Sie schreibt dir Liebesschwüre, Komplimente wo man nur hinsieht – du lässt sie immer unkommentiert.

Daraufhin reden wir viel, das haben wir immer getan, wir diskutieren, werfen mit Worten und Moral um uns, als gäbe es sie im Duzend billiger – aber wir klären niemals wirklich, was geklärt werden muss. Unsere Sprache ist blumig, wir umschreiben, beschreiben, verurteilen, verletzen und vergeben, aber niemals sprechen wir etwas direkt an. Das war schon immer unser Fehler. Diesmal kämpfst du, darum dass es nicht endet, dass unser Kontakt nicht abbricht, obwohl wir keine weiteren Treffen planen – ging es dir wirklich um Freundschaft, um mich? Ich werde es nie erfahren.

Sie war lange vor mir da, sie ist irgendwann gegangen und doch bleibt sie präsent und wahrscheinlich wird sie das noch lange sein – sie ist eine Kämpferin – ich bin es nicht. Ich kündige unsere Verbindung im „Social Network“ auf – weil ich nichts mehr sehen will, nicht stalken will, nicht leiden will. Wenn ich ehrlich bin, weil ich vergessen will, weil ich an dir hänge, weil ich dich brauchte, Yaya. Ich verdränge, ignoriere und am Schlimmsten, ich weigere mich zusehen, dass dieser Bruch, den Anfang vom Ende bedeutete, alles was danach geschah, war niemals so frei und unbeschwert.

Ich erinnere mich an deine Worte, nach meinem dramatischen Vorwurf “ the only bound between u and me is sex – after that, nothing will remain!“ , du sagtest: “ That´s not true! Ninjaan, if u think if we have no sex nothign remains, ok we wont have anymore  and u see that if i accept someone as a friend i can behave like that…i like you! you are a very kind girl , really different from others, honestly! i respect u and u shouldnt see my behaviour as a bad thing! if u know how i am normally, u will know!  but i have contact with u more than my own friends some times! i dont write with any body else, is that hard for me t write? its not a good discussion really, i never like to be in this situation…“

Was ist uns nun geblieben, Yaya? Nach 4 Monaten ohne Treffen, nach nahezu 5 Monaten ohne Sex, weil die letzten Treffen so schwermütig, so traurig waren? Was uns bleibt, ist immer weniger – ich bin nicht sie, ich bin keine Kämpferin. Wenn ich gehe, schaue ich nie zurück – ich bin kurz davor zu gehen.

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22 Kommentare

  1. morgenrot · August 4, 2012

    Das eine wird das andere nie ausschließen. Meine Gefühle für mein Gegenüber sind auch mein wunder Punkt. Nur ihretwegen kann er mich so verletzen. Und es tut sehr weh, zu sehen, dass die Aufmerksamkeit, Zeit und Nähe, die man sich von ihm wünscht, eine andere bekommt. Aber dafür können meine Gefühle nichts.

    • ninjaan · August 4, 2012

      Das ist sehr hart…ich glaube bei uns teilt er das relativ auf, sie ist auch nicht seine Freundin…jedenfalls nicht das ich wüsste. Aber es verletzt mich doch, der Gedanke, nicht „besonders“ für ihn zu sein, so wie er es für mich ist…

      • morgenrot · August 4, 2012

        Ich denke schon, dass ich jemand besonderes für ihn bin. Nur manchmal möchte ich es auch hören und gefühlt bekommen. Bei dir wird es in allem sicher auch so sein.

      • ninjaan · August 4, 2012

        Hach…da bin ich mir bei mir nicht so sicher…eine lange Zeit habe ich es geglaubt, aber immer wieder habe ich das Gefühl, dass ich hinter ihr stehe… 😦

      • morgenrot · August 4, 2012

        Eines fehlt bei uns. Da stehe ich hinter Ihr. Bei allem anderen bin ich ihm, ich denke, bin ich ihm sehr nah, vielleicht sogar näher.

  2. morgenrot · August 3, 2012

    … ich lese „Silbertablett“ und fühle den eigenen Schmerz. Ja, Gefühle lassen sich nicht einfach verscheuchen. Sie bleiben hartnäckig und intensiv.

    • ninjaan · August 4, 2012

      Leider ist das so 😦 Egal wie sehr wir dagegen ankämpfen…

      • morgenrot · August 4, 2012

        … ich kämpfe nicht mehr dagegen an. Nehme sie als etwas Schönes in mir. Seitdem geht es mir gut damit. So unerwidert die Gefühle auch sind.

      • ninjaan · August 4, 2012

        Ich bemühe mich auch darum…es irgendwie auch als etwas schönes wahrzunehmen, aber noch empfinde ich sie als einen wunden Punkt…

  3. Ich♥Dich · Juni 26, 2012

    Seit ich diesen Artikel das erste Mal gelesen habe, sind nun schon 1,5 Monate vergangen (wie schnell die Zeit verging…).
    Immernoch finde ich es schlimm und immer noch tust du mir so leid, dass du das alles so erfahren musstest. Obwohl es aus seinem Mund vielleicht nicht wirklich leichter gewesen wäre.

    Geweint habe ich heute nicht mehr, aber Gänsehaut hatte ich!

    • ninjaan · Juni 26, 2012

      Die Zeit vergeht tatsächlich schnell…herrje, ich werde alt, die Zeit rauscht nur so an mir vorbei 😉
      Ich habe es jetzt noch einmal gepostet, damit in die Retrospektive eine gewisse Ordnung kommt – ich will sie noch zu Ende schreiben, schließlich war das der Grund warum ich überhaupt angefangen habe zu Schreiben, auch wenn es mich schmerzlich an vieles erinnert…

      • Ich♥Dich · Juni 26, 2012

        Ich hatte mich auch erst gewundert, dass der Artikel da ist. Aber eine Sekunde später viel mir die Chronologie auf. 😉

        Ich bin auch sehr gespannt auf die weiteren Teile der Retrospektive.

  4. Träumerin · Juni 26, 2012

    Das mit der Beziehung tut doch gar nichts zur Sache, wenn Gefühle da sind…. im Grund hättest Du doch schon gewollt, dass es mit Euch so weitergeht, wie es mal war…. dass da keine andere auftaucht…. okay, das Ganze hätte dann offiziell nicht den Namen Beziehung getragen, aber oft denke ich, man muss die Dinge auch nicht immer benennen. Es gibt viele, die sind offiziell in einer Beziehung und fühlen sich doch allein und einsam und viele sind offiziell frei, aber im Herzen sind sie es nicht, weil da jemand drin sitzt…

    • ninjaan · Juni 26, 2012

      Du hast Recht, man muss nicht alles benennen – ich finde auch bis heute kein Wort das beschreiben könnte was war, ohne es auf- oder abzuwerten.
      In meinem Herzen sitzt er immer noch, auch wenn es ruhiger geworden ist…

  5. Ich♥Dich · Mai 15, 2012

    Ich bin jetzt erst dazu gekommen, diesen Artikel zu lesen.
    Das einzige, was ich gerade denke ist „Aua!“. Aua für dich und aua für mich.
    Es ist meiner Geschichte so ähnlich. Es gibt bei dir auch eine Sie und ein Stalking im Netz. Und ich gebe es zu, ich habe eben ein paar Tränchen vergossen. Weil du mir so leid tust! Weil ich mir so leid tue!
    Irgendwie bin ich gerade so gefühlsduselig… Aber trotzdem. So etwas zu sehen, wie du es sehen oder lesen musstest, tut immer weh.

    • ninjaan · Mai 16, 2012

      Ach, Ich♥Dich, so ähnlich geht es mir auch immer, wenn ich deine Texte lese! Da sind wirklich viele Parallelen! Ja, das war damals ein absoluter Hammer für mich, vor allem aber auch deswegen, weil ich noch so bedacht darauf war, keine Gefühle zu zeigen. Selbst meinen Freundinnen wollte ich damals noch weiß machen „Ich bin nicht verliebt, es geht ums Prinzip!“ …total albern. Das war letztes Jahr im Spätsommer…da hätte ich schon aufhören müssen, wenn nur nicht immer dieser blöde „Selbstbetrug“ bei mir wäre 😦

      • Ich♥Dich · Mai 16, 2012

        Wow, bei dir zieht sich das also schon um einiges länger als bei mir.
        Ich habe am Anfang auch immer versucht allen zu erzählen, dass ich mit der Situation klar komme. Bei mir wussten auch wieder alle vor mir Bescheid, was wirklich Phase ist (bzw. noch sein wird).
        Und vielleicht würde es dir jetzt wirklich besser gehen, wenn du dich an dieser Stelle zurückgezoegen hättest. Aber das weiß man ja nie. Vielleicht wäre auch alles viel schlimmer. Wie man’s macht, macht man’s verkehrt. 😉

      • ninjaan · Mai 16, 2012

        Ja, den Rückzug hatte ich geprobt – er hat es mir unfassbar schwer gemacht. Dann mussten wir uns einmal treffen (beruflich) und es war furchtbar, ich war abweisend und er reagierte nicht viel besser – 10 Minuten dauerte das Treffen. Zuhause angekommen, roch sogar meine Hand nach ihm…danach konnte ich nicht mehr anders, als ihm zu sagen, dass er mir fehlt 😦

  6. Mascha · Mai 12, 2012

    Also erstmal möchte ich sagen, daß trotz des traurigen Inhalts der Artikel sehr schön geschrieben ist. So, nun bin ich etwas verwirrt. Yaya ist Dein Freund? Und er war mit einer anderen Frau im Urlaub?
    Aber warum schreibst Du, sie war vorher da? Also ist er mit ihr zusammen und Du warst eine Affäre? Ich blicke nicht mehr durch.

    • ninjaan · Mai 12, 2012

      Es ist, jetzt wo ich es selbst noch einmal lese, in der Tat ziemlich verwirrend… 🙂 Yaya ist nie mein fester Freund gewesen, ich wollte keine Beziehung (eigentlich immer noch nicht) und er auch nicht. Wir haben einfach die Zeit genossen und irgendwann ist mehr aus uns geworden, so etwa wie Freunde – zwei die sich gegenseitig unterstützen, sich zuhören, jeden Tag sprechen/reden. Sie, hat einmal hier gelebt und ist, bevor wir uns kennengelernt haben, ins Ausland gezogen. Ich glaube nicht, dass sie zusammen sind oder es jemals ernsthaft waren, eher, dass sie so etwas hatten wie er und ich. Er sagte einmal, er hätte nie eine wirkliche Beziehung gehabt, aber manche Frau hätten es für so etwas gehalten und, dass er nie verliebt war – darüber haben wir gesprochen, als ich noch „ohne Gefühl“ war.
      Er war eigentlich mit seinen Eltern im Urlaub (hatte mir auch brav, unaufgefordert, Beweisfotos geschickt) und hat sie dann dort für ein paar Tage besucht.
      Der eigentliche Verrat daran war, abgesehen von meinen verletzten Gefühlen, von denen er nichts wusste(?), dass unsere ungeschriebene Regel eigentlich lautete “ Wer was mit jemand anderem hat, sagt das, wir sind nicht fest zusammen und Ehrlichkeit ist alles was zählt.“
      (Die Antwort ist nun etwas lang geworden…)

      • Mascha · Mai 12, 2012

        Aber Du scheinst ja eifersüchtig zu sein. Wieso willst Du nichts festes?

      • ninjaan · Mai 12, 2012

        Hach Mascha…weil ich ganz furchtbar schlecht in Beziehungen bin, weil ich mich immer so eingeengt fühle – ich bin einfach nicht soweit. Eine Beziehung kann ich verhindern, wenn ich glaube es ist der falsche Moment…Gefühle leider nicht 😦

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