Eine Erinnerung

Seit ich 12 Jahre alt bin, lebte meine Großmutter, mütterlicherseits, bei uns mit im Haus. Sie hatte eine eigene kleine Wohnung, direkt unter uns, in die sie alle ihre Möbel aus ihrem großen Haus untergebracht hatte. Als Kind empfand ich es oft erdrückend, dort unten in ihrer Wohnung zu sitzen. Bis zu meinem 12. Lebensjahr, war meine Oma, anders als bei meiner Schwester die teilweise von ihr großgezogen wurde, nur die „Sommeroma“. Jeden Sommer, 4 Wochen lang, fuhren wir zu ihr ins Dorf, für mich, die in einer Siedlung mit etwa 4o gleichaltrigen Kindern aufgewachsen ist, waren das immer 4 furchtbar langweilige Wochen.

Nach zwei Schlaganfällen hatten meine Eltern sich dazu entschieden meine Oma zu uns zu holen. Meine Mutter hatte bereits zwei Großtanten meines Vaters bis zum Tode gepflegt, für uns war das damals völlig selbstverständlich. Eine lange Zeit, viele Jahre lang, ging es meiner Oma relativ gut. Sie konnte noch selbst kochen, sich versorgen, pflegte Freundschaften und ging ihren Hobbys (Stricken, Nähen) nach. Ich zog irgendwann für mein Studium aus, das Verhältnis zu meiner Oma war noch immer nicht wirklich eng, aber im Gegensatz zu dem Rest ihrer Enkel bemühte ich mich irgendwie (meine Oma war keine einfache Frau, sie war oft sehr anstrengend, teilweise auch sehr verbittert).

Im 3. Semester meines Studiums, meiner Oma ging es damals merklich schlechter, entschloß mein Vater sich dazu, meine Mutter zu verlassen. Er räumte das Feld und zog zu seiner jetzigen Lebensgefährten ins Rheinland. Die wenigsten Trennung verlaufen reibungslos, und weil meine Mutter nun alleine mit meiner Oma lebte, traf auch ich eine Entscheidung: Ich zog zurück in meine Heimatstadt, um näher bei ihnen zu sein. Der Weg zur Uni kostete mich nun 1 1/2 Stunden.

Mit der Zeit, nach wenigen Monaten verschlechterte sich der Zustand meiner Oma immer weiter.  1 knappes Jahr nach meiner Rückkehr konnte sie nicht mehr laufen, nicht mehr alleine auf Toilette. Meine Mutter holte sich keine Hilfe, weil sie 1. das Geld dringend benötigte und 2. ihre Mutter einfach nicht in fremde Hände geben wollte. Mein Vater hatte ihr irgendwann nach einem Streit die Zugänge zu den Konten gesperrt (sie sind noch verheiratet, bis heute, also kein Unterhalt). Ich zog zurück in „meine“ Siedlung,  nahm 2 weitere Jobs an und wechselte die Universität, weil die 3 Stunden Fahrt (hin und zurück) mich einfach zuviel Zeit kostete.

Mit den Wochen und Monaten verschlechterte sich ihr Zustand weiterhin, meine Mutter und ich waren vollkommen ausgelaugt. Sie sorgte tagsüber für meine Oma, während ich in der Uni war oder arbeitete und löste sie Spätabends bis zum nächsten Morgen ab. Meine Oma konnte nun nichts mehr allein…

Ich erinnere mich noch genau daran, und habe niemals mit jemand anderem als meiner Mutter darüber gesprochen, als sie sich das erste mal einkotete. Sie saß/lag auf ihrem Krankenbett im Wohnszimmer, mit Tränen in den Augen, ich hatte sie einen Moment zu spät über das Babyphon gehört (sie lebte noch immer unten in ihrer Wohnung). Mit zittrige Stimme versicherte sie mir, sie könne das alles alleine machen. Ich sah die Scham in ihren Augen und auch mir kamen die Tränen. Ich küsste sie sanft auf die Stirn und sagte ihr, das alles gut wäre, dass es mir nichts ausmachen würde, so wie es ihr damals bei mir, als ich klein war, nichts ausgemacht hatte. Die Liebe in ihren Augen, als ich sie saubermachte, ihr dabei aber die ganze Zeit ins Gesicht schaute und nicht einmal eine Miene verzog (Geruch), werde ich niemals vergessen. Von diesem Tag an, herrschte jenes Band zwischen uns beiden, dass wir uns all die Jahre insgeheim gewünscht hatten.

Unser gesamten Privatleben, das meiner Mutter und mir, bestand aus der Pflege meiner Oma und der Koordination des jeweiligen Tages. Wer macht was, wann, wie lange. Zeit für andere Dinge hatten wir kaum, obwohl wir uns immer wieder versuchten gegenseitig Freiräume einzurichten, schwang die Sorge doch immer mit: Schafft die Andere es jetzt? Passiert gerade irgendetwas? Der Kontakt zum Rest der Familie und Freunden hatte sich auf ein Minimum reduziert. Meine Freundinnen sagten nie etwas, besuchten mich zuhause, weil sie wussten, dass ich nie lange weg sein konnte – ich bin ihnen dankbar dafür, mehr konnten sie nicht tun. Die Familie allerdings, die auch die Familie meiner Großmutter war, die tat auch nichts.

Weder meine Mutter noch ich beklagten uns darüber, verteidigten sie sogar noch, wenn meine Oma verletzt und traurig davon sprach, wie alle sie nun im Stich lassen würden. Doch ohne es auszusprechen, war uns klar, dass es nur sie und mich gab und niemand uns helfen würde, egal wie lange sich dieser Zustand noch hinziehen würde, völlig egal wie erschöpft und ausgelaugt wir waren. Wir machten niemandem einen Vorwurf. Meine Mutter schon gar nicht, ich nur still und leise.

Das wäre so geblieben, wenn nicht eines Tages meine Schwester bei mir angerufen hätte und um ein Treffen gebeten hätte. Wir hatten niemals das Beste Verhältnis, unsere Verbindung war nur ein seidener Faden, aber ich hatte Hoffnung. Vielleicht wollte sie helfen? Es ging ihr finanziell mehr als gut, im Gegensatz zu uns, vielleicht wollte sie sich auch einmal kümmern, helfen, wusste nur nicht wie.

Wir trafen uns, an einem angenehmen November Abend, ich holte sie von zuhause ab, in dem Wagen meiner Mutter, weil ich keinen eigenen hatte und fuhr mit ihr zu einem Restaurant in dem ich mir eigentlich nicht mal eine Vorspeise leisten konnte – aber das zu zugeben viel mir zu schwer. Ich hatte soviel Hoffnung an diesem Abend, war so glücklich, weil ich glaubte, dass sie uns endlich helfen würde, dass ich nicht noch über ihre Wahl des Restaurant meckern wollte.

Doch meine Hoffnung wurde jäh zunichte gemacht. Nicht mal bis zum Essen wartete sie, um mir „ihr“ Leid zu klagen, sich zu beschweren. Wir, meine Mutter hätten keine Zeit mehr, meine Mutter würde sich nicht um ihren Enkel kümmern, SIE hätte die Schnauze voll, wir sollten die Oma endlich in ein Heim bringen, die würde es doch nicht merken! Was das alles solle? Geschockt starrte ich meine Schwester an, die sich während ihres Monologs bereits das 4. Glas Wein gönnte. Zuerst überwog der Schock, ich versuchte ihr zu erklären in was für einer Situation wir uns befanden, dass wir nicht mehr ein noch aus wüssten, dass wir finanziell kaum über die Runden kämen, ich 2-3 Jobs neben der Uni hatte, wir Oma doch nicht weggeben können, die Frau, die eben sie, meine Schwester mit großgezogen hätte.

Ich sprach lange, leise, unter Schock stehend und sah sie das erste und letzte Mal in meinem Leben flehend an. Sie aber (beim 6. Glas Wein) saß mir gegenüber mit verhärteten Gesichtszügen. Sagte mir, dass wir das Auto abgeben könnten, wenn es uns so schlecht ginge, wozu brauchten wir das überhaupt? Und das, sollte meine Mutter sich nicht endlich mehr Zeit für sie und ihren Sohn nehmen, sie persönlich zu meiner Mutter gehen würde, um ihr den „Kopf zu waschen“.

In diesem Augenblick brannten mir alle Sicherungen durch, meine Verzweiflung, Erschöpfung wandelte sich in unbändige Wut und entlud sich über meiner, mittlerweile betrunkenen, Schwester. Mit der flachen Hand schlug ich auf den Tisch, stand auf und sah ihr, die immerhin 13 Jahre älter ist als ich, tief in die Augen, hob meine Hand drohend gegen sie und sagte: “ Wenn du auch nur einen Ton zu Mama sagst, nur ein Wort von dem Mist hier, dann schlage ich dich so windelweich, dass du am Ende nicht mehr weisst, wo oben und unten ist. Hast du mich verstanden? Ich prügel dir deine Selbstsucht eigenhändig aus dem Leib! Sag nur ein Wort und ich reisse dich in Stücke!“

Der Kellner kam zu uns an den Tisch, ich zahlte, das gesamte Essen und alle Getränke und fuhr meine betrunkene, nun (um sich selbst) weinende Schwester nach hause. Vor ihrer Tür setzte sie noch einmal an, ich unterbrach sie harsch:“ Was ich eben gesagt habe, war mein Ernst! Wag es nicht und glaub nicht, ich würde meine Drohung nicht wahr machen!“ Schluchzend, vor Selbstmitleid zerfließend, torkelte sie zu ihrer Haustür. Ich fuhr nach Hause, löste meine Mutter an diesem Abend ab, ohne ihr ein Wort zu sagen und legte mich leise zu meiner Oma ins Bett, die nachts vor Angst nicht mehr alleine Schlafen konnte. (Meine Schwester wagte es sich tatsächlich niemals, bis heute nicht, einen Ton zu sagen.)

8 Wochen später starb meine Großmutter, in ihrem Bett, meine Mutter und ich hielten ihre Hand noch lange nachdem ihr Herz aufgehört hatte zu schlagen. Wenige Stunden später war unser Haus voll mit der Familie, auf einmal waren alle da, organisierten die Beerdigung, wuselten herum, weinten, schluchzten, meine Schwester vorne mit dabei. Ich saß noch stundenlang unten bei meiner Oma im Zimmer, neben ihrer leblosen Hülle, und sprach mit ihr. Niemand kam herunter, sie könnten ihren Anblick nicht ertragen, weil sie ja tot sei, dabei konnten sie es schon nicht, als sie noch lebte. Nur die Pflegekraft, die uns die letzten Wochen morgens zur Hand gegangen war, saß bei mir unten, nur bei ihr weinte ich losgelöst.

Warum ich das alles heute aufschreibe? Weil ich es heute, 4 Jahre später, nicht ganz verwunden habe, nicht vergessen kann, vielleicht auch nicht vergeben kann, dass man uns alleine gelassen hatte, sie alleine gelassen hatte. Über unsere Grenzen hinaus hatten wir gekämpft, darum, dass meine Großmutter einen würdigen Lebensabend hat, dass sie nicht alleine ist, sich nicht fürchten muss – niemand hatte uns geholfen, nicht einen Moment, nicht mit einem Cent. Der wahre Charakter von Menschen, zeigt sich in solchen Situationen – und sie waren alle charakterlos.

Der Grund warum ich mich aber heute daran erinnere ist, dass ich gestern, auf anraten von Yaya einen Film gesehen habe: Nader und Simin – eine Trennung von Asghar Farhadi, Oskar Nominierungen und ein Golden Globe. In dem Film geht es um das Ehepaar Nader und Simin, darum, dass sie sich trennen wollen, da die Frau Simin auswandern will, Nader sie aber nicht begleiten will, da sein Vater ein Pflegefall ist. Die Geschichte dreht sich um die Trennung, um Widrigkeiten die durch ihre Trennung entstehen, darum, dass gute Menschen auch böses tun usw. Mich aber berührte die Geschichte in der Geschichte. Die Geschichte von Nader und seinem Vater. Und vor allem Simins Worte, gleich in der Anfangsszene beim Gericht, als sie zu Nader sagte:“ Komm doch mit mir ins Ausland, dann lasse ich mich nicht scheiden, dein Vater hat Alzheimer, er merkt doch eh nichts mehr.“

Der Film ist für mich bezeichnend, für den Umgang mit älteren Menschen. Eine Frau verliert in diesem Film im 5. Monat ihr Kind, der Film beschäftigt sich damit, die Menschen sind geschockt, wütend. Das eben diese Frau, Naders Vater ans Bett fesselte, ihn alleine ließ, obwohl es ihre Aufgabe war sich um ihn zu kümmern, er aus dem Bett fiel, bewusstlos wurde, sich verletzte, ist nur eine Geschichte nebenbei, die niemand anprangert. So etwas passiert eben – sie hatte etwas Wichtiges zu tun.

Dieser Film hat mich völlig aufgewühlt, ich habe an Stellen geweint, die vielleicht augenscheinlich nicht berühren, weil ich mich erinnere, an das Desinteresse, das allein sein. Wenn ich Nader ansah, dann fühlte ich mit ihm, seine unterdrückte Wut, sein Stolz seine Frau nicht zurück zuholen, egal wie sehr die Tochter ihn darum bat, alles für mich verständlich.

Nach dem Film schrieb ich Yaya meine Meinung zu dem Film, ich war traurig, wütend, schrieb ihm meine Gedanken, recht zusammenhangslos. Und ich stieß auf Unverständnis. Warum ich über Simin (die Frau) urteilen würde, man könne nicht urteilen. Jeder in diesem Film tue etwas Gutes und etwas Böses. Er fand Erkärungen für sie, für die Anderen und wunderte sich, was ich die ganze Zeit mit dem Großvater habe, da er keine „wichtige“ Rolle sei.

Genau das ist es, sagte ich ihm, dass er keine wichtige Rolle sein sollte, genau das ist das Problem! Das erste Mal seit ich Yaya kenne, sagte er etwas so, für mich dummes und unverständliches, dass ich nicht mehr mit ihm reden wollte. Ich schrieb einfach nicht mehr, er versteht nicht, kann es nicht, will  es vielleicht nicht. Das es so ist, enttäuscht mich, weil er es ist, der Mann den ich für so klug und faszinierend halte, er sieht es nicht. Das erste mal spüre ich Kälte, Abneigung gegen ihn.

Das ist vielleicht unfair, genauso wie es von mir unfair war und ist, meiner Familie insgeheim nicht zu vergeben, nicht zu vergessen – Menschen sind verschieden, jeder handelt aus einem bestimmten Grund heraus, sagte Yaya mir gestern. Vielleicht, aber das ist etwas, dass ich eben nicht sehen möchte – auch aus einem bestimmten Grund heraus.

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10 Kommentare

  1. annenieannenou · August 4, 2012

    Ich finde kaum Worte … Ich möchte dir nur noch sagen, was du und deine Mutter für deine Oma getan habt war etwas, dass man euch niemals nehmen kann! Die Liebe, der Zusammenhalt und das tiefe Vertrauen! Es zeigt eine unglaubliche Charakterstärke, die es, das stimmt, tragischerweise nicht mehr allzu oft gibt, die aber umso wichtiger ist und mich so beeindruckte, dass mir die Tränen kamen. Ich habe eine zeitlang im Krankenhaus gearbeitet und ähnliches erlebt. Der schlechte Umgang und die Respektlosigkeit den älteren Menschen gegenüber belastete mich sehr. Oft, wenn ich das Krankenzimmer besuchte, um den Patienten zu waschen, das Bett sauber zu machen, hörte ich von ihnen „Die Sonne scheint ins Zimmer“, so sehr freuten sie sich, dass ich und nicht eine der Krankenschwestern kamen, von denen sie zum Teil schlecht behandelt wurden (alles „zack-zack“, grob).

    Ich ziehe, wie auch die anderen vor mir, den Hut vor dir und deiner Mutter! Das Vergeben braucht Zeit, viel Zeit. Nehm‘ sie dir, so lange du sie brauchst. Ich denke, wie „gedankenfest“ es mit der Empathie beschreibt, hat sie wirklich recht. Es fehlt immer wieder bei einigen Menschen das Einfühlungsvermögen, wie es sich für den anderen wirklich anfühlen könnte, wenn er eine bestimmte Situation erlebt und wie er mit ihr umgeht.

    Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute und ein Dankeschön für deinen Text!

    • ninjaan · August 4, 2012

      Ich danke dir vielmals für deine Worte! Diesen Text zu schreiben viel mir schwer, aber ich musste es einfach rauslassen und habe ihn, ohne weitere Korrektur einfach veröffentlicht. All die lieben Kommentare sind eine Streicheleinheit für meine Wunden, die damals davon getragen habe.
      Ich kenne ähnliche Situationen auch von einem Praktikum aus einem Altenheim…es ist so erschreckend, was dort teilweise geschieht…auch im Krankenhaus haben wir meine Oma immer von vorne bis hinten verpflegt..sicher gibt es auch gute Pfleger/innen, aber leider auch viele schlechte, da war uns das Risiko immer zu groß…

  2. blitzmerkerin · August 1, 2012

    Nun, wieso sollte es unfair sein? Deine Gefühle sind wichtig und da. Auch icn sage sie sind berechtigt und hör auf dir diese berechtigung abzusprechen, nur weil es irgenwelche „Verhalten in Blutkreisen“ Coices gibt. Kopf hoch und nie vergessen, denn das alles formt uns und eben auch unsere Gefühle…

    • ninjaan · August 1, 2012

      Du hast Recht, solche Situationen formen unseren Charakter, wichtig ist, was wir aus solchen Situationen mitnehmen. Ich habe gelernt, auf wen ich mich verlassen kann und auf wen nicht und noch wichtiger: Ich habe ein klareres Bild davon bekommen, wie ich NICHT sein möchte….

  3. Ich♥Dich · Juli 30, 2012

    Ich kann mich meinen beiden Vorrednerinnen nur anschließen. Ich habe den größten Respekt vor dir und deiner Mutter, dass ihr so voller Liebe wart und euer Leben hinten angestellt habt.
    Ich kenne (zum Glück) so eine Situation nicht. Und deswegen hätte ich den Film vielleicht mit ähnlichen Augen gesehen wie Yaya. Natürlich mit viel Respekt und Mitleid dem Vater gegenüber, aber ich hätte eben nicht diese Verbindung zu ihm gehabt, wie du sie hast.
    Dass er dich dann in deiner Ansicht aber so gar nicht verstehen wollte oder konnte, finde ich komisch. Diese Empathie sollte man wirklich aufbringen.

    • ninjaan · August 1, 2012

      Ach du weisst ja…Yaya ist da nicht so der empathiche Typ :S …

  4. Träumerin · Juli 30, 2012

    Du bist nicht unfair. Manche Dinge kann man nicht vergeben und vergessen schon gar nicht. Ich freue mich wirklich für jeden, der eine echte Familie hat, wo wirklich alle zusammenhalten, aber wie selten ist das heutzutage geworden…

    Du kannst stolz auf Dich sein, dank Deiner Mutter und Dir hatte Deine Oma einen würdevollen Abschied, Ihr habt sie eben nicht abgeschoben, wie es heutzutage leider gang und gäbe ist, wenn Menschen alt und krank werden.

    Kennt Yaya denn die Geschichte mit deiner Oma?

    • ninjaan · August 1, 2012

      Es ist traurig mit anzusehen, traurig die eigene Familie so zu sehen und es macht wütend, auf die Gleichgültigkeit und den Umgang mit älteren Menschen allgemein.
      Familienzusammenhalt ist in der Tat selten geworden, aber ich bin schon sehr dankbar, dass meine Mutter und ich, wenn es hart auf hart kommt, immer zueinander stehen….

  5. gedankenfest · Juli 30, 2012

    Ich habe deinen Text weinend gelesen und kann deine Worte nachvollziehen. Kurz vor dem Tod meiner Oma war sie einige Wochen bei uns zuhause, weil sie alleine nichts mehr machen konnte. Wenige Wochen, nachdem sie wieder bei uns ausgezogen ist, weil es ihr besser ging und sie sich wieder selbst versorgen konnte, starb sie ganz plötzlich. Ein schwerer Schock. Dein Text über deine Oma hat mich an die Zeit mit meiner Oma erinnert, wo sie bei uns war, wie wir uns aufgeopfert haben und wie wir sie am Ende gehen lassen mussten. Das ist nun 2,5 Jahre her und ich habe es auch noch nicht ganz verwunden. Es ist ein Riss im Herzen, der sich nur langsam schließt.
    Ich kann auch sehr gut nachvollziehen, dass es dir geholfen hat, bei deiner Oma zu sitzen, während sie schon nicht mehr gelebt hat. In diesen Situationen sieht man die Menschen nicht mehr leidend, man sieht sie nur noch friedlich, erlöst und versöhnt.

    Dass du Yayas Reaktion nicht nachvollziehen kannst, kann ich verstehen. Aber er ist mit dem Thema wohl einfach unberührt. Bei ausreichend Empathie sollte da allerdings Verständnis seinerseits aufkeimen.

    Ich ziehe meinen Hut vor deiner Leistung und ich kann verstehen, dass du nicht vergeben und vergessen kannst. Vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem man etwas vergeben kann. Vergessen wird man es trotzdem nie.

    • ninjaan · August 1, 2012

      Vielen Dank für deine lieben Worte und dein Verständnis! Es war genau wie du es beschreibst – sie lag so friedlich da, es war alles so friedlich in diesem Moment, ich wollte einfach nicht aus diesem Raum gehen.
      Wahrscheinlich hast du auch Recht mit Yaya, er kennt so etwas nicht und seine Empathie war nie die Beste, er braucht immer klare Worte und ich bin jemand, der nicht allzu gern über so etwas spricht…

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