Promotion – Das Vorgespräch

Gebannt lausche ich ihren Worten, beobachte ihre leicht verhärteten Gesichtszüge und versuche daraus  so etwas wie Sympathie zu lesen. Denn im Grunde, dass bestätigte sie mir wenige Minuten später selbst, geht es am Ende einzig und allein darum, ob man „gemocht wird“. Ob Sympathie ein angemessenes Auswahlkriterium für Doktoranden ist, sei mal so dahin gestellt, menschlich ist es bestimmt.  Auf den ersten Blick in mich verliebt ist diese selbstbewusste und Stärke ausstrahlende Mittfünfzigerin da vor mir sicher nicht, soviel steht fest. Kritisch hinterfragt sie jedes meiner Worte, stellt mich auf die Probe, packt mich an meiner empfindlichsten Stelle (der finanziellen Absicherung) und ich frage mich, ob dies nur ein Test ist, um herauszufinden wie ernst es mir mit der Promotion ist? Für langes Grübeln lässt sie mir keine Zeit, die erste halbe Stunde klatscht sie mein Selbstbewusstsein mehrfach gegen die Wand, verunsichert mich wo sie kann, immer mit einem angedeutetem Lächeln um die Mundwinkel. Ich sitze ihr angespannt gegenüber, die Hände gefaltet, bloß nicht mit den Händen irgendwas anderes machen, sonst wirke ich zu nervös, ich will selbstsicher wirken und meinen unbedingten Willen zur Promotion beweisen. Ich hege berechtigte Zweifel daran, dass mir dies gelungen ist.

Die Luft sei dünn „da oben“, da wolle sie mir nichts vormachen, sie schwärmt von kleinen Genies, die bereits promovieren, Stipendien haben oder einfach nicht nebenbei arbeiten müssen – dieser Luxus ist ihr Erfolg. Eine Vollzeitstelle würden weder sie noch ihre Kollegen dulden, das geht nicht, eine Promotion solle in 3 Jahren abgeschlossen sein, mit einem Schmunzeln denke ich an zu Guttenberg – 7 Jahre für Copy/Paste.

Mein Mut schwindet, sie verbessert mich bei der Bezeichnung einer von mir angestrebten Forschungsmethode – „Das war´s“, ruft mein Gehirn. „Ach, sei still, noch ist nichts verloren!“ meldet sich der Mut noch einmal zu Wort.

Mein Thema begeistert sie eher weniger, äußert Bedenken, ich habe nur ein Diplom (was hatte sie eigentlich für einen akademischen Grad, als sie vor bestimmt 20 Jahren mit der Promotion begann?) sie erklärt mit lieber ausführlich den Weg zur Promotion, wie steinig er ist, wie lange es dauert. Ich habe nur ein Ass im Ärmel, nur ein Einziges und das ziehe ich schließlich: Empirische Sozialforschung bei C.W. Müller mit der Note 1,2. In ihren Augen lese ich das erste Mal so etwas wie Anerkennung, sie erkundigt sich nach meinem damaligen Thema. Zeigt plötzlich Begeisterung. Das Thema sei sehr gut, wenig erforscht und im Dezember gibt es für solche Themen Stipendien. Ich würde gerne misstrauisch meine Augenbraue heben (leider kann ich das nicht), hatte sie mir doch 10 Minuten zuvor im Grunde nichts zugetraut, spricht sie nun über ein Stipendium, für das ich, mein Thema, qualifiziert wäre.

Nach 1 Stunde ist das Gespräch beendet, ich habe Adressen, Telefonnummern und einen Arbeitsauftrag. Sie will mich weitervermitteln, an einen Professor, der sogar eine Vollzeitbeschäftigung dulden könnte und mich für das Stipendium vormerken. Ich bin erleichtert, aber auch verunsichert. Es hätte schlechter laufen können, aber auch wesentlich besser. Ihre Bedenken, machen mir Sorge. Nicht jeder kann Promovieren sagt sie, eine gute Promotion ist Luxus…Luxus kann ich mir nicht leisten, beim besten Willen nicht. Aber der Traum zu promovieren begleitet mich nun seit Jahren, ich will es!

Man müsste mir nur eine Chance geben.

Advertisements

11 Kommentare

  1. annenieannenou · August 3, 2012

    Ganz viel Glück auch von mir! Ich bin ganz zufällig auf deinen Blog gestoßen und kann jetzt nur sagen: Weiter so und ich drücke dir die Daumen!

    • ninjaan · August 4, 2012

      Vielen Dank! Ich kann jeden gedrückten Daumen gebrauchen! 🙂

  2. Ich♥Dich · August 3, 2012

    Zukünftige Dr. Ninjaan, auch ich drücke dir ganz, ganz fest die Daumen!
    Und wenn sie dich nicht wollen: Ninja-Mood! Von mir mit!
    Aber das wird schon. Die hatte doch nur ihre Böser-Cop-Miene aufgesetzt. Und mit Polizisten hast du es doch!

  3. Lisbeth · August 2, 2012

    Ich wünsch dir sooo sehr, dass das klappt! Das wäre super! LG!

    • ninjaan · August 2, 2012

      Ja, das wäre es! Vielen, vielen Dank! 🙂

  4. lebenstattponyhof · August 2, 2012

    Auch meine Daumen hast du. Der Wille ist da, du wirst es schaffen!

  5. Träumerin · August 2, 2012

    Ich auch!

  6. gedankenfest · August 1, 2012

    Ich hoffe, du bekommst diese Chance. Ich drücke meine Daumen!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s