Retrospektive Dezember 2011: Das letzte Treffen Teil III

„No I can’t forget this evening or your face as you were leaving
But I guess that’s just the way the story goes
You always smile, but in your eyes
Your sorrow shows” Without you – Mariah Carey

Du musst schon eine ganze Weile in der Tür gestanden haben, aber ich habe nicht zu dir rüber gesehen. Ich bin zu schwach um meinen Kopf zuheben, zu schwach dir in die Augen zu sehen. Was ist passiert? Was haben wir da gesagt? Ich fühle mich leer, unendlich leer und ich möchte nur weinen, zuhause, alleine in meinem Bett. Aber du bist hier und darum unterdrücke ich die Tränen.

Wie eine Ewigkeit kommt mir unser Schweigen vor, ich starre auf die weisse Wand, direkt neben mir und hoffe, dieser Moment, dieser Abend möge vergehen. Und während ich hoffe und starre und mich keinen Millimeter bewege, höre ich plötzlich deine Schritte auf mich zukommen. Vorsichtig sehe ich zu dir auf, unschlüssig, den Blick gesenkt, stehst du da. Der Kloß in meinem Hals weicht dem Gefühl der Wut, auf dich, auf mich, diese Situation, meine Worte, deine Worte, meine Gefühle, meine Unfähigkeit und deine Unfähigkeit mit solchen Situationen umzugehen.

Plötzlich gehst du auf die Knie, direkt vor mir lässt du dich nieder, du lehnst deinen Kopf vorsichtig an mein Knie und beginnst zu singen, erst leise, so dass ich es kaum verstehe, dann deutlicher. Without you singst du, mein Blick ruht auf deinem Haar, ich würde es gerne berühren, dir über den Kopf streicheln, aber ich bin nicht in der Lage dazu und weil ich nicht auf dieses Lied reagiere singst du nun eines auf Arabisch: Tamally ma3ak. (Für immer mit dir). Ein Zittern durchfährt meinen Körper, du nimmst deinen Kopf von meinem Knie, siehst mich an und singst weiter.

„Was soll das jetzt?“ Überrascht ob meiner eigenen harten Worte sehe ich dir nun direkt in die Augen. „Do u know this song Ninjaan? Tamally ma3ak?“ – Yes I know it.” Du nickst und weichst meinem Blick aus. Ein letzter Versuch, du beginnst eine Sure aus dem Quran zu rezitieren, meine Sure, Sure 93. Hierbei siehst du mir wieder direkt in die Augen, ich bekomme eine Gänsehaut und erinnere mich an den Abend im Sommer, als du sie das erste Mal für mich rezitiert hast – was ist nur geschehen in den letzten 6 Monaten? Und warum muss es so enden?

Mit aller Kraft erhebe ich mich aus dem Sessel und reiche dir die Hand: „ Let´s start to record now, before it is too late.“ Nach einem kurzen Zögern nimmst du meine Hand und wir beginnen aufzunehmen, so wie immer. Du in der Gesangskabine, ich vor dem Rechner – ich muss dich nicht ansehen und du kannst mich nicht sehen. Und darum siehst du auch nicht die Tränen in meinen Augen, als ich deiner Stimme durch die Kopfhörer lausche.

Wie soll ich diese letzte Nacht nur mit dir überstehen?

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2 Kommentare

  1. Ich♥Dich · August 14, 2012

    Wie romantisch das eigentlich klingt…. Wenn ich nicht die Vorgeschichte dazu kennen würde, würde ich nicht verstehen, wie du da so hart bleiben kannst.
    Wenn er in der Kabine ist, hätte ich nicht nur Tränen in den Augen gehabt, sondern haltlos geheult…

    • Anonymous · August 15, 2012

      Dieser Abend war sehr kontrovers, gefuhlsgeladen, voller Worte….aber es waren die falschen….

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