Vom Ankommen

„Dieses ewige Hin und Her nervt mich Ninjaan, ich will endlich ankommen!“

Ankommen.

Der Kazoospieler wünscht sich, beruflich und im Allgemeinen, endlich anzukommen. Ankommen. Für mich klingt dieser Wunsch  befremdlich. Ich würde gerne fragen, was denn nach dem Ankommen kommt? Ankommen klingt für mich nach einem Dauerzustand und diese schrecken mich bekanntlich ab.

Ich habe seine Worte gelesen und doch sind sie für mich so unverständlich, als hätte er sie in einer anderen Sprache geschrieben. Auch meine Freundin Jackson benutzte erst kürzlich diese Formulierung. Ankommen, endlich. Als würde ein unsichtbares Band die beiden Worte miteinander verbinden, als würde alles was wir tun nur ein Ziel haben: Ankommen.

Der Weg ist das Ziel.

Konfuzius soll das gesagt haben. Ohne mich jemals mit ihm oder diesem Zitat näher zu beschäftigen ist es doch mein stilles Mantra. Mein einziges Ziel ist der Weg. Nicht stehen bleiben, nicht ankommen – denn was sollte ich tun, wäre ich erst einmal angekommen? Was tut man dann im Allgemeinen? Ein Haus kaufen oder eine Eigentumswohnung? Heiraten und Kinder kriegen? Und dann? Verharren?

Nicht das ich den Wunsch nach diesen Dingen nicht nachvollziehen könnte, auch wenn es nicht meiner ist. In einer Partnerschaft zu leben, etwas ganz Eigenes wie ein Haus zu besitzen, Kinder zu bekommen – alles wunderschöne Dinge. Aber Ankommen? Ist Ankommen nicht das Erreichen des Ziel´s, das Ende des Weges? Wie geht es denn danach weiter? Hört man auf zu suchen? Verlässt man den Weg und kehrt ein, kommt an?

Betrachte ich die Menschen in meinem Umfeld, die ihr Ziel, das Ankommen, erreicht haben. So beneide ich, bei allem Respekt, nicht einen von ihnen. Ich spreche ihnen nicht das Glücklichsein ab, sollten sie es denn sein, aber ich möchte nicht mit ihnen tauschen und meine Abneigung dem Ankommen gegenüber verstärkt sich bei genauerer Betrachtung.

Der Gedanke an das Ankommen schnürt mir die Kehle zu, ich habe Pläne, Träume, aber ihre Verwirklichung ist nicht Ankommen, sondern nur ein  weiterer Schritt auf meinem Weg. Spreche ich dies aus, sehe ich das Unverständnis in den Augen meiner Gesprächspartner aufblitzen, jenes befremdliche Gefühl scheint sie zu befallen, dass mich überkommt sobald jemand vom Ankommen spricht. Und manchmal erscheint mir dieses gegenseitige Unverständnis zwischen mir und den Anderen wie eine unsichtbare Mauer.

Ein wenig wehmütig denke ich an den Menschen zurück, der mich ohne große Worte verstand, der, ebenso wie ich, den Weg, die Reise bevorzugte.

Und ich wollte nicht ankommen mit dir, bei dir, durch dich – sondern mit dir weiterziehen, reisen und suchen. Einen kleinen Abschnitt des langen Weges mit dir teilen, weil es schön war jemanden zu haben, der versteht.

 

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Alltagsrassismus

„Schau mich an! Schau  mich an! Du musst runter kommen! Das ist es nicht wert!“ Mit beiden Händen sein Gesicht umfassend, schaue ich meinem Jugendlichen bei diesen Worte tief in die Augen. „Komm runter! Scheiß drauf, du weisst, das ist es nicht wert, bitte Sergio*!“ Ich sehe Tränen der Wut in seinen Augen aufblitzen, sein Körper ist angespannt, er steht unter Strom und versucht immer wieder seinen Kopf zu drehen, in die Richtung, in der dieser Mann verschwunden ist. (*Name geändert)

Ich habe nicht wirklich mitbekommen was passiert ist. Ich stand gerade mit dem Kazoospieler draussen, wir haben über die anstehende Veranstaltung gesprochen, als plötzlich ein großgewachsener Mann, etwa Ende 40, um die Ecke kam, gefolgt von Sergio. Der Mann drehte sich um und grinste schräg in Sergios Richtung. Dieser widerum schüttelte nur den Kopf und sagte genrvt so etwas wie: „Man, geh einfach weiter!“ Als er uns erblickte blieb er stehen. Noch hatte ich keine Ahnung was vorgefallen war und gerade als ich nachfragen wollte, drehte der Mann sich noch einmal abrupt um und sagte: „Und das muss ich mir von so einem in meinem Land gefallen lassen!“ Wie vom Blitz getroffen sieht Sergio zu dem Mann herüber und beginnt ihn wüst zu beschimpfen, der Mann lacht nur hämisch. Als hätte ich es geahnt springe ich auf Sergio zu und kann ihn gerade noch festhalten, als dieser nun fast blind vor Wut auf den Mann losgehen will.

Es kostete mich eine ganze Menge Kraft ihn zu mir ins Jugendzentrum zu ziehen, um ihn dort zu beruhigen. Nach einer Weile springt er auf und läuft weg, ich werfe ihm nur noch ein: „Mach bitte keinen Scheiß Sergio!“ hinter her. Erst vor 3 Wochen hatt er seinen Job verloren, weil ihn ein Kunde mit den Worten „Mit Ausländern mache ich keine  Geschäfte, sieh zu, dass du raus kommst!“ vor die Tür setzte – auch da konnte er nicht an sich halten – wer kann das schon?

Während ich mit dem Kazoospieler noch über das eben Geschehene spreche, steht plötzlich der kleine Jens neben uns. Warum der Sergio den Mann hauen wollte, fragt er. „Weil der Mann nichts besseres zu tun hatte, als sich als Oberdeutschen aufzuspielen“, antwortete der Kazoospieler grimmig. „Pfff“, Jens macht einen verächtlichen Gesichtsausdruck, “ was soll das denn sein, Oberdeutsch? Ich bin auch reinrassig Deutscher, ist das schlimm?“ Der Kazoospieler sieht ihn entgeistert an. „Das bist du wahrscheinlich eher nicht Jens. Erstens sind Menschen eigentlich keine verschiedenen Rassen und zweitens glaube ich kaum, das  ein Mensch überhaupt so etwas wie dieses „reinrassig“ sein kann, da wir das kaum zurückverfolgen können!“ antworte ich etwas entnervt. „Nein! Vielleicht bist du es nicht, aber ich bin 100% Deutscher und ganz rein!“ mault Jens. „Ne“, antworte ich nicht weniger maulig, „bin ich auch nicht und das ist auch in Ordnung so. Aber vergiß das Wort „rein“ oder „reinrassig“ mal lieber ganz schnell, das benutzen nämlich nur dumme Menschen und ich glaube zu denen willst du nicht gehören!“ Dann drehe ich mich um und lasse Jens beim Kazoospieler, ich habe keine Lust auf Missionarsarbeit  – was lernen die Kinder eigentlich heute in der Schule? Achja, Kurvendiskussionen…

Abends kommt Sergio noch einmal rein und stellt sich hinter mich an die Theke, einen Arm legt er um meine Schulter:“Du weisst Ninjaan, du weisst ich bin gar nicht so einer! Das weisst du doch, oder? Ich habe nicht angefangen? Er hat mich die ganze Zeit beleidigt und ich habe ihn noch gesiezt und…ich konnte einfach nicht mehr. Du darfst nicht denken, dass ich so einer bin!“ Ich lege ebenfalls einen Arm um ihn und versichere ihm, dass ich weiß, dass er so nicht ist und das ich seine Wut so gut verstehen kann. Aber er müsse auch mich verstehen, ich habe eingegriffen, um ihn selbst zu schützen, nicht den Mann. „Ich weiß doch Ninjaan…ich weiß doch.“  Wir sehen uns beide an, wissen was der Andere denkt und umarmen uns ganz fest. Mehr kann ich nicht tun…

Btw:

Sergio ist 20 Jahre alt und hat einen Abi Durchschnitt von 2,4 – nur einen guten Job, den bekommt er nirgendwo so leicht…

 

 

 

Den Kopf gewaschen bekommen…

Ich schreibe viel in diesem Blog, aber bei weitem nicht alles –  das wäre auch unmöglich. Wer schafft sowas schon? Ich jedenfalls nicht. Vor fast 6 Monaten habe ich damit begonnen hier zu schreiben – meist über die Gegenwart, manchmal in der Retrospektive, selten über Zukunftswünsche. Was ich gerade denke und erlebe, welche Einstellung ich zu bestimmten Dingen habe kann man hier alles lesen. Würde ich mich selbst durch meinen Blog betrachten, ich sähe mich wie ich immer war oder sagen wir, wie ich geworden bin, als ich „erwachsener/reifer“ wurde (wobei diese Worte relativ sind). Aber ich bin wahrscheinlich, gerade die letzten Wochen und Monate, für Menschen, die mich lange kennen, doch nicht mehr die Alte. Manche begrüßen meine Veränderung, einige betrachten sie mit Skepsis, ignorieren sie aber weitgehend und wenige äußern sich kritisch darüber. Eine dieser Wenigen ist meine Freundin Jackson, die mich gestern Abend anrief:

Ninjaan? Kann ich mal mit dir sprechen? Klar, tun wir doch gerade Jackson, was liegt an? Ach, nichts besonderes eigentlich. Ich bin etwas verwundert. Warum? Wegen meiner Haarfrisur? Ich habe deinen Kommentar bei FB schon gesehen! Findeste es wirklich so schlimm??? Schlimm? Du hast dir die Hälfte deiner Haare abrasiert!!! Das ist ein Undercut! Und es ist überhaupt nicht die Hälfte, sind noch genug Haare da! Ich überlege noch, ob ich mir die Stelle vielleicht färben lasse? Färben? Was? Die abrasierten Haare? Ja! Gute Idee, mach sie Pink…nein Lila – oder gestreift! Merkst du eigentlich noch was? Meine Güte, es ist nur ein Haarschnitt! Die wachsen doch wieder, ich habe mich ja jetzt nicht tättowieren lassen oder so! Es ist eben nicht nur der Haarschnitt Ninjaan. Ich meine, ich habe eigentlich kein Recht, ich schon gar nicht, dir irgendwelche Moralpredigten zu halten, aber… Aber? Was ist denn noch? Was noch ist Ninjaan? Du hast Alkohol getrunken! DU! Ich habe nie gesehen, dass du nur einen Schluck getrunken hast, nicht mal an Silvester, nicht mal gegessen hast du was, wo Alkohol drin war, nicht mal Tiramisu! Und jetzt trinkst du plötzlich und rasierst dir die Haare ab? Was kommt als nächstes?? …Ok, ich hatte getrunken, aber doch nur ein bisschen…und ich war doch aus, in diesem Club und… Ja! Aus, in nem Club und das betrunken! Ninjaan! Seit wann trinkst du? Seit wann rasierst du dir Haare ab? Ich meine, ich will hier nicht so tun, als wäre ich gegen Alkohol, ich trinke oft mal nen Wein, aber du? Du hasst Alkohol und jetzt trinkst du? Du liebst deine langen Locken und jetzt rasierst du dir soviel davon ab? Ich fühle mich gut… Du fühlst dich gut, wenn du trinkst? Nein…ja, ein bisschen. Ich trinke nicht um mich gut zu fühlen, aber es ist gut, wenn ich Dinge mache, die ich nie mache… Seit wann ist es für dich gut unvernünftige Dinge zu tun? Ninjaan…die prinzipientreue Ninjaan…plötzlich so? Ich mache mir wirklich Sorgen um dich! Das brauchst du nicht, das ist nur eine Phase, die geht doch vorbei! Ich will nur ein bisschen so sein…, bis es aufhört… Bis es aufhört? Und denkst du so hört es schneller auf? Wenn du plötzlich nicht mehr du selbst bist, dann geht es schneller vorbei? Ich meine, ja, das ist scheisse. Ich weiss wie du bist. Aber so? Sonst ist doch alles gut, alles im Lot, dein Leben ist doch nicht schlecht jetzt! Nein, ist es nicht. Es ist gut, es funktioniert alles. Aber du funktionierst nicht richtig, du tickst aus! Na und? Soll ich lieber in meinem Zimmer sitzen und mir jeden Abend die Augen ausheulen? Nein…aber du sollst auch nicht trinken und dann Auto fahren oder Haare abrasieren…oder sonst noch was machen! Du sollst nicht aufhören du zu sein, nur deswegen! Ich bin ich, aber ich bin nun mal scheisse traurig und ich habe keine Lust mehr traurig zu sein, also verscheuche ich die Traurigkeit und…ich will da gar nicht drüber reden, lass mich doch einfach ein bisschen so sein jetzt… Ich lasse dich doch, aber wieso Ninjaan? Nur wegen ihm? Was ist denn so besonders an ihm, dass du dich so völlig vergisst und alles was zu dir gehört hat? Das ist er doch nicht wert! Was hast du schon alles mitgemacht und dann kommt er, geht wieder und du drehst durch? Er ist nicht gut für dich, das war er nie!  Ich drehe nicht durch, es sind nur Haare und ein paar Tropfen Alkohol… Ja, und als nächstes? Weiß ich noch nicht, das worauf ich Lust habe, ist doch egal… Egal? Es ist eben nicht egal! Doch mir ist es egal, alles egal! Es stört doch nicht! Doch, dich selbst muss es stören! Du bist nicht du, du tust Dinge die du niemals sonst tun würdest! Warum gibst du ihm immer noch so eine Macht? Du hast doch immer mit dem Verstand entschieden und nun? Habe ich das jetzt nicht? Mit dem Verstand habe ich den Kontakt abgebrochen, meine Nummer gewechselt, ihn geblockt, ihn nicht mehr angeschrieben! Wieviel verdammten Verstand brauche ich denn noch? Ja das hast du aber… Ne, nicht aber! Wer von euch hätte das gemacht? Sei mal ehrlich, hättest du das gemacht? Nein! Ich habe es genauso gemacht wie immer! Ich nehme meinen Scheiß Verstand und gehe! Darf ich dann mal für nen Moment auch mal was ohne Verstand machen? Du darfst doch Ninjaan…du darfst doch alles…aber …ich will dich nicht traurig machen oder dich belehren. Ich sorge mich um dich! Du bist doch sonst so stark! Ja…jetzt halt mal nicht! Doch jetzt auch…aber ich habe Angst, dass du dir echt schadest, du erscheinst so verwirrt, alles was du sagst klingt so ziellos…ich erkenne dich kaum wieder und ich habe Angst um meine Freundin… Musst du aber nicht haben…Jackson, ich weiß das zu schätzen, aber es gibt keinen Grund sich zu sorgen, ich werde schon wieder so wie sonst. Ich hoffe…bitte nimm es mir nicht übel… Nein, tue ich nicht Jackson, aber ich mag nicht darüber reden jetzt. Ich mag einfach nicht. Ich verstehe… Tut mir leid… Nein, mir tut es leid, wenn ich ungerecht zu dir bin…ich mache mir nur so Sorgen. Ist alles gut. Ok….

Sie hat Recht, ich bin nicht, wie ich sonst bin – nur ändern kann ich es gerade irgendwie nicht…

Du bist wunderschön, aber…

Heute mal was ganz anderes.

Kennt ihr das, wenn urplötzlich ein bestimmtes Thema, mit dem ihr euch nicht absichtlich/willentlich auseinandersetzt,  überpräsent wird? Ihr sucht nicht danach, lest nicht absichtlich auf Seiten, in Zeitungen darüber und beginnt auch kein Gespräch mit Freunden über dieses Thema und dennoch ist es da?

Ein Thema, mit dem ich mich freiwillig überhaupt nicht beschäftigen würde, durch Zufälle und Freunde (oder nicht Freunde?) ist das „Schönheitsideal“.

Grund 1: Zwei meiner besten Freundinnen haben in den letzten Monaten strikte Diäten durchgeführt und einiges abgenommen. Mindestens eine von ihnen war immer schon schlank – jetzt eben noch mehr. Das hat eine regelrechte „Abnehmwelle“ in meinem gesamten Freundeskreis ausgelöst – ständig wird über die neusten Diäten gesprochen, Eine radikaler als die Andere. Es freute mich natürlich für meine Freundinnen, nicht weil ich finde, dass sie nun viel schöner sind oder weil sie vorher gesundheitliche Probleme hatten, sondern weil ich sah, dass ihr Selbstbewusstsein dadurch größer wurde.

Grund 2:  Immer wieder stoße ich neuerdings auf Artikel, die sich mal kritischer, mal weniger kritisch mit dem Thema auseinandersetzen. Vielleicht gibt es diese Artikel immer in dieser Häufigkeit und es fällt mir nur verstärkt auf, weil gerade diese Welle durch mein Umfeld weht, vielleicht aber auch nicht.

Meine beiden Freundinnen hatten nun also an Gewicht verloren, dafür aber an Selbstbewusstsein zugelegt. Alles könnte gut sein. Wenn wir ausgehen tanzen sie mehr, brauchen weniger Alkohol, um locker zu sein, die Reaktion der Männer lässt sie aufblühen. Doch nicht alles was glänzt ist auch Gold. Beide verliebten sich etwa zur gleichen Zeit in zwei Männer. Beide signalisierten Interesse, ließen sie im Nachhinein aber doch fallen und entschieden sich für eine jeweils Andere.

Liebeskummer, Ablehnung, beides ist immer scheisse. Ich stellte aber mit Erschrecken fest, dass meine Freundinnen nun begonnen es auf ihre „noch nicht perfekte Figur“ ihr nicht „schön genug sein“ schoben. „Ich bin nicht schön genug für ihn,“ weinte die Eine. „Ich hab doch alles gemacht, damit er mich schön findet! Wie kann er jetzt eine Andere nehmen?“ schluchzte die Andere. Und ich? Ich stehe daneben, trockne Tränen und versichere meinen Freundinnen, dass sie doch schön genug sind – würde ihnen aber eigentlich lieber sagen, dass sie wundervoll sind, klug, witzig, charmant und einfach jemand Anderen verdient haben, der genau das in ihnen erkennt.

Zu dieser Zeit entdeckte ich dann einen Artikel im Internet, darüber, wie Frauen oftmals schon von klein auf zu hören bekommen was für sie, als Frauen, das Wichtigste im Leben ist: Schön sein.

Sei schön, sei schlank, nimm ab – sonst heiratet dich doch niemals einer! – ungefähr so war der O-Ton der unzähligen Aussagen, die Frauen über ihre frühe Kindheit bis hin zum Erwachsenenalter von ihren Eltern oder Verwandten zu hören bekamen.

Ich musste mich unwillkürlich schütteln und erinnerte mich an meine Kindheit. Daran, dass meine Eltern, weder Vater noch Mutter, mich jemals in ein Kleidchen gesteckt haben und mir gesagt habe, ich sähe ja nun so wunderschön aus. Wunderschön sein, hübsch sein, süß sein – ich glaube diese Begriffe fielen so gut wie nie bei uns. Meine Eltern, vor allem mein Vater, lehrte (n) mich ganz universelle Dinge. Und mit einem Lächeln stellte ich fest, dass mein Vater, der immerhin noch während des 2. Weltkriegs geboren wurde, mich wohl so „feministisch“ und „gendergerecht“  wie nur irgendwie erzogen hatte , obwohl er heute über diese Worte meist nur Schmunzeln kann.

Über diese Tatsache erfreut, schrieb ich ihm prompt eine Email, bedankte mich bei ihm, denn wie ich heute bin, wie ich heute denke, das hat sicher auch viel damit zu tun, was er (und meine Mutter) mich damals als Kind lehrten. Mein Selbstbewusstsein speist sich aus der Überzeugung, dass Schönheit eine Kombination von Innerem und Äußerem ist, wobei das Innere schwerer wiegt.

Seine Antwort folgte prompt. Zusammenfassung:

„Alles was ich für dich wollte ist, dass du Ideale hast und nach ihnen strebst, dass du gesund und glücklich bist und auch in schwierigen Momenten Charakterstärke beweisen kannst – ich glaube, das ist mir gelungen. Ich liebe dich – dein Papa.

Das ist es, was ich mir von meinem Vater wünsche – nicht das er mir sagt, ich wäre schön – schön muss ich mich selbst fühlen – das kann mir keiner abnehmen.

Keineswegs jedoch, war ich immer so. Wenn ich heute sage, dass ich mich von diesem Schönheitswahn abwende, ihn ignoriere und nicht mal eine Waage zuhause habe, dann hat das einen bestimmten Grund. Kurz vor meiner Pubertät war ich relativ pummelig und obwohl meine Eltern (weil es eben noch nicht gesundheitsschädlich war) mich nie drängten oder darauf ansprachen, begann ich mit 13 (!) meine erste Diät. Aber was weiß man mit 13 schon über gesunde Ernährung? So ein Schulfach hatten wir noch nicht und Internet hatte ich auch nicht. Also hungerte ich. Das ging eine Zeitlang gut. Ich verlor ziemlich schnell etliches an Gewicht – doch dann kam die berühmte Stagnation. Ich nahm nicht mehr ab.

Aus Frust begann ich zu essen, aber weil ich vorher so gehungert hatte, vertrug mein Körper die Mengen (die nicht sonderlich groß waren) kaum noch – und so erbrach ich mich mit 14 Jahren das erste Mal. Seit ich 16 Jahre alt war, war ich wirklich schlank (Hosengröße 36). Ich bin aber eher sehr „kurvig“ gebaut  und so, und weil ich längst ein verzerrtes Selbstbild hatte, machte ich weiter: hungern, essen, brechen.

Mit 21 bekam ich Sodbrennen und trotz Kleidergröße 36/38 riet mir mein Hausarzt dazu doch etwas abzunehmen – sei gesünder! Ich machte weiter und meine Eltern standen hilflos daneben – unsicher und immer mit Selbstvorwürfen, was sie falsch gemacht hätten. (Nichts…ihr habt nichts falsch gemacht!)

Mit 22 Jahren wurde ich für 4 Wochen in die Kur gebracht, nicht wegen Sodbrennen oder meiner Bulimie, sondern wegen meines Asthmas. Dort im Speisesaal beobachtete mich eine aufmerksame Servicekraft, folgte mir einmal nach dem Essen auf die Toilette und alarmierte die Ärzte. 3 Tage später kam ein Psychologe zu mir, 2 Tage später wurde eine Magenspiegelung durchgeführt. Befund: Meine Speiseröhre war mit 22 Jahren beinahe zerstört, die Schließmuskel funktionieren nicht mehr, daher das extreme Sodbrennen (für das ich bis heute Medikamente nehmen muss).

Ich brauchte noch 2 Jahre, um die Bulimie gänzlich zu überwinden, aber ich schaffte es. Durch starke Kortison Therapien (Asthma) wurde ich zusätzlich auf die Probe gestellt – ich nahm nämlich unverhältnismäßig viel dadurch zu.

Seit etwa 3 Jahren halte ich mein Gewicht, mal 2 kg mehr, mal 2 weniger. Ich bin alles andere als schlank, aber zum ersten Mal seit langer Zeit, liebe ich mich selbst. Ich finde mich schön. Und darum, weil ich mir dies bewahren will – mache ich einen Bogen um Diäten, Schönheitsideale und Läden die extra kleine Kleidungsgrößen haben. Als ehemalige Bulimikerin ist man nämlich wie eine trockene Alkoholikerin.

Heute bin ich immun gegen das vorherrschende Schönheitsbild – jedenfalls zu 95%. Ich mag mich und strahle das wohl auch aus. Wenn mich jemand nicht will, dann denke ich nie darüber nach, er könnte mich nicht wollen, weil ich nicht schlank genug, nicht hübsch genug bin. Und im Grunde werde ich auch nie darauf angesprochen. Ich schaue traurig auf meine Freundinnen und wünsche mir so sehr für sie, dass sie ihr Selbstbewusstsein nicht ausschließlich aus den „Komplimenten“ von Männern und Frauen ziehen würden, die nur auf ihr Äußeres achten.

Immun…ja zu 95%, aber eben nicht zu 100%. Denn seit mich dieses Thema verfolgt, denke auch ich, mehr oder weniger unfreiwillig darüber nach und prompt geschieht etwas, dass eben diese 5% ausmacht. Gestern Abend schrieb ich bei FB mit einem Mann, denn ich in Jerusalem kennengelernt hatte. Es ist nichts besonderes, wir hatten uns nur ein paar Mal gesehen, etwas geflirtet und schrieben uns nun hin und wieder – er ist ganz nett, aber mehr Interesse habe ich nicht. Gestern Abend, aber fiel dann dieser Satz „ Du bist wunderschön, aber…, wenn du etwas abnehmen würdest, wärst du noch schöner!“

Aha…

Ich reagierte ziemlich abgeklärt, dankte für die Info, aber sagte ihm, dass ich nicht vor hätte etwas an mir zu ändern. Es folgten Entschuldigungen und Beteuerungen wie schön ich doch sei. – Danke, ich finde mich auch schön, aber du mich anscheinend nicht genug.

Ich frage mich manchmal, wie es ankommen würde, wenn ich einem Mann sage, dass er eigentlich ganz gut aussieht, aber besser aussehen würde, wenn er seine Nase operieren, Ohren anlegen, Lippen aufspritzen oder sonst was in der Art, tun würde?

Wie auch immer, das erste Mal seit langem begann ich im Internet nach Diäten zu suchen und erwischte mich prompt dabei, wie ich eine „Radikal Diät“ bevorzugte.

Als ich heute Morgen aufwachte und in den Spiegel sah, dachte ich nur „Wtf? Was habe ich da gestern Abend gemacht? Bist du bescheuert ninjaan? Du bist gut, so wie du bist! Nein, nicht nur gut, sondern toll!“  Nur weil ein Mann von 100 zu mir sagt, ich könne etwas abnehmen, gebe ich doch jetzt nicht ein Stück meiner Lebensqualität auf (und dazu gehört für mich gutes Essen, wenn ich Hunger darauf habe, soviel wie ich will und vor allem ohne schlechtes Gewissen!)

Was ich hier eigentlich mit diesem langen Post sagen will? Frauen (auch Männer): Findet euch selbst schön – liebt euch selbst. Und wenn ihr etwas an euch ändern wollt, dann macht es auf eine gesunde Art und auch nur dann, wenn ihr es wirklich für euch selbst tut!

Und ich trinke jetzt meinen 3. Milchkaffee, was mir die „radikal Diät“ von letzter Nacht nämlich verbieten wollte und genieße es!

Ein Abschiedsbrief (ohne Empfänger)

Vorab möchte ich dir sagen, dass ich gerne eine passende Anrede gefunden hätte, eine Perfekte, nicht schnulzig, aber eine die meinen Gefühlen dir gegenüber gerecht wäre. Doch ich finde sie nicht. Dir auf Deutsch zu schreiben, allein das ist ungewöhnlich. Nie habe ich dir Wichtiges auf Deutsch gesagt, nur in Wut, aus Verletzung und der Hilflosigkeit heraus habe ich zu dir in meiner Muttersprache gesprochen. Doch alles ändert sich und heute schreibe ich dir weder aus Wut, noch aus Verletzung oder Hilflosigkeit. Ich schreibe dir auf Deutsch, weil es die Sprache ist in der ich mich am Besten ausdrücken kann – weil es meine Sprache ist und die Zeiten, in denen es ein kleines „wir“ gab, vorbei sind – es gibt nur noch dich und mich …

Dies hier soll keine Anklage sein, sondern eine Feststellung, etwas, dass ich akzeptieren muss, weil ich nicht das Recht habe auf etwas anderes zu beharren. Ich schreibe dir heute, weil ich dir, mir selbst und der ganzen Welt sagen möchte, dass ich nicht im Zorn gegangen bin, nicht in Wut, dass ich dich nicht hasse und dich nicht für einen schlechten Menschen halte.

Ja, es wäre soviel leichter, würde ich mir das einreden. Dich hassen, dir die Schuld an allem geben. Doch ginge es hier um Schuld, wer trüge sie dann? Du, weil du dich nicht verliebt hast? Ich weil ich mich verliebt habe, obwohl du mir niemals etwas vorgemacht hast? Nein, das führt zu nichts und so betrachtet, muss ich mir eingestehen, trage ich selbst die Schuld. Ich wusste wer du bist, wie du bist, was du denkst, was du dir erträumst und ich habe es kommen sehen, meine Gefühle, doch ich habe sie unterschätzt, mich überschätzt. Und nun stehe ich hier, nach 1 1/2 Jahren und schreibe dir einen Brief, den ich niemals abschicken werde.

Warum ich ihn dir nicht schicke? Weil ich nicht will, dass du antwortest. Du würdest antworten, du würdest es niemals so stehen lassen, das ist nicht deine Art, wider deiner Natur. Dennoch, muss ich dir noch so viel sagen. Du warst immer eine Inspiration für mich. Niemals war ich so fasziniert, niemand hat mich so an meine Grenzen und darüber hinaus gebracht wie du. Ich liebe Herausforderungen, liebte sie immer, du bist die Krone der Herausforderungen.

Ich liebe deine diplomatische Art, wenn du über Politik gesprochen hast, die, dir vielleicht unbemerkte, Weisheit deiner Einschätzungen fand stets meine höchste Anerkennung, selbst wenn ich nicht deiner Meinung war. Deine Texte, deine Stimme, deine Art Musikinstrumente vorsichtig in die Hand zu nehmen, sie zu begutachten und sie nach kürzester Zeit zu beherrschen, als hättest du niemals etwas anderes gespielt – meine Bewunderung dafür kann ich nicht in Worte fassen.

Ich finde dich nicht nur faszinierend, sondern auch schön. Nicht attraktiv, oder anziehend, sondern schön, wie ein Kunstwerk. Schön ist sie, die Sehnsucht in deinen Augen, dein Lachen, dass du so spärlich sääst, als könntest du es abnutzen. Schön ist alles an dir, auch deine grauen Haare auf der Brust, die du so schockiert im letzten Winter entdecktest.

Doch ich würde dich nicht lieben, hätte nicht so klammheimlich aus deinem Leben, deiner Reichweite verschwinden müssen, liebte ich nicht auch deine andere Seite, die, für andere oft schier Unerträgliche. Ich liebte dich auch, wenn du launisch warst und wie ein getretener Hund um dich gebissen hast. Ich liebte dich, wenn du vor Narzismus triefend, nicht gesehen hast, was um dich herum geschieht. Deine Diskussionswut, die mich manchmal an den Rand der Verzweiflung gebracht hat und mir so manch „Pseudo Migräne Attacke“ bescherte. Ich habe dich nie weniger geliebt, wenn du, stur wie ein kleines Kind, in der Ecke gesessen hast um zu schmollen oder mir das Leid, dein Leid dieser Welt, in die Schuhe schieben wolltest.

Nicht weil ich blind bin vor Liebe, aber weil du auch mich akzeptiert hast wie ich bin. Meine Macken, meine Launen hast du ertragen, besser als jeder andere zuvor – manch eine habe ich durch dich überwunden. Deine Geduld, warst du auch selbst ungeduldig, mit mir war grenzenlos.

Darum und weil ich dich liebe, wollte ich deine Freundin sein, deine Vertraute, von mir aus deine Schwester – was auch immer, ich glaubte ich sei  bereit dazu. Und solange du mir das Gefühl gabst, mich zu wollen, mich in deinem Leben zu wollen -bin ich geblieben. Aber wir beide wissen, du sicher schon länger als ich, dass es auch dafür nicht mehr reicht. Neun Monate, 100te von km später, sind wir nicht nur keine „Liebhaber“ mehr, wir sind uns so fern wie  zwei flüchtige Bekannte. Pflichtbewusst antwortet man auf die Fragen und bitten des Anderen – ja wir Fragten und Baten noch, aber warum? Weil wir es 1 1/2 Jahre so getan haben, auch das kann zur Gewohnheit werden.

Gewohnheit verbindet uns, nein, Gewohnheit bindet dich irgendwie noch immer an mich, aber ich wollte so viel mehr, will es doch immer noch.

Und darum bin ich nun gegangen, ohne Abschied, ohne Drama, ohne Diskussion, ohne Vorwürfe. Ich will dir lieber eine schöne Erinnerung sein, als eine lästige Bekannte. Ich hoffe du wirst das verstehen, ohne das ich es dir sage, ohne, dass du jemals diesen Brief hier lesen wirst. Bitte versteh es.

Soviel ich dir auch noch sagen will, so ungelesen diese Worte auch bleiben mögen, ich möchte dir noch danken. Für jeden Moment, den du lebenswerter für mich gemacht hast, jeden Augenblick den ich durch dich intensiver erleben konnte, jedes Lied, jeden Film, jedes Gemälde, alles was ich nicht kannte und durch dich erfahren habe. Und ich wünsche dir, mehr als  für mich selbst, die Erfüllung deiner Träume, die Großen und die Kleinen. Ich wünsche dir Kraft und Mut und Leidenschaft und vorallem Liebe – ich wünsche dir, dass du liebst und ebenfalls geliebt wirst.

Und ich verspreche dir, dass ich von heute an ein bisschen weniger „runaway“ bin und  offener zu meinen Gefühlen stehen werde und das ich mir vom heutigen Tage an, auch ohne deine Hilfe, die Mühe geben werde mehr gute als schlechte Musik zu hören und vor allem die eine von der anderen unterscheiden lerne.

Lebwohl.

Der Soundtrack zum Abschied

Ich höre dieses Lied seit Tagen rauf und runter „U can´t expect me to be fine – I can´t expect u to care“ … “ If happy ever after did exist I would still be holding you like this And  all those fairytales are full of shit One more fucking love song I’ll be sick!“

Wie passend, dass er es war, der mir das Maroon 5 Album geschenkt hat… :S

Der lange Abschied Teil II

Vor zwei Wochen bin ich an einem Sonntag Morgen wieder in Köln gelandet.

Ich hatte vor noch einige Tage in der Nähe von Köln bei meinem Vater zu bleiben, ich war viel zu selten dort und ich spürte wie er sich freute. Schon am selben Nachmittag zeigte ich ihm alle meine Fotos (immerhin weit über 500 Stück), naja, fast alle. Die Fotos aus der Westbank befanden sich bei Yaya. Und weil ich eigentlich, abgesehen von meiner Sehnsucht nach Jerusalem, guter Dinge war, schrieb ich Yaya eine Sms. Wie es ihm gehe, ob er schon aus dem Süden zurück sei und das ich wieder im kalten Deutschland bin und mich freuen würde, wenn er die Fotos wieder in unseren Dropbox Ordner laden könne, sobald er Zeit dazu habe. Im Haus meines Vater habe ich kaum Empfang und so verschwand ich ständig auf die Terasse, um zu schauen, ob ich schon eine Antwort bekommen habe.

Nun ja, was soll ich sagen? Ich bekam keine. Obwohl Yaya einen Vertrag hat. Am späten Abend zeigte mir mein Dropbox Ordner an, dass Yaya alle Dateien hochgeladen hatte – ohne ein Wort. Zwei Tage später fuhr ich nach Hause zurück und entdeckte Abends, dass Yaya mir am Sonntag Abend bei Skype geschrieben hatte „Welcome to Iceland!“ – Keine Antwort auf meine Fragen, kein Erkundigen nach meinem Wohlbefinden. Das saß. Ich schwieg weiterhin, auch als er mir noch am selben Abend zwei Filme über Dropbox schickte – ich bin nicht wild darauf irgendwas zu bekommen, alles was ich will ist ein Gespräch, aber genau das bekomme ich nicht. Was für Freunde sind wir eigentlich?

Am nächsten Tag hat er mir immer noch nichts geschrieben und ich tue wieder das, was man in solchen Fällen nicht tun sollte, ich suche seine Seite bei Fb auf. Wir sind zwar keine Freunde mehr, aber einiges ist für mich dennoch sichtbar. Ich sehe, dass er den Song meiner Jugendlichen geteilt hat und freue mich. Hätte ich es nur dabei belassen! Ich jedoch scrolle etwas weiter hinunter und sehe, dass er 2 Tage zuvor, einen Song von Fettes Brot gepostet hat „Ich lass dich nicht los“, mit einem kurzen Kommentar, der zwar niemanden direkt anspricht, aber erkennen lässt, dass er diesen Song jemandem widmet. Der Song hat ein“ Gefällt mir“ und einen Kommentar – von IHR!

Ich würde gerne weinen, schreien, irgendwo gegen schlagen – aber nichts davon geht mehr. Es ist einfach zu viel. Wenn sie so wichtig ist, warum hast du mich dann in deinem Leben gehalten? Bin ich nichts anderes als dein blödes „rebound girl“?

Als Kurzschlußreaktion blocke ich ihn, bei FB und bei Skype. Ich will nichts mehr sehen und nichts mehr von ihm hören. Ein paar Tage scheint das zu reichen, ich fühle mich nicht wirklich besser, aber etwas stärker, nicht mehr ganz so hilflos.

Nach wenigen Tagen erhalte ich plötzlich eine Sms (!):

I am in Hamburg ninja, I stay here with my cousin. I dont have internet. Don´t get angry if I dont write! The video of ur kids is awesome! U did a great job!

Er hat also kein Internet, dabei könnte ich schwören sein „Dont get angry with me if I dont write“ ist das Resultat davon, dass er bemerkt hat, dass ich ihn geblockt habe. Das Video hat er vor Tagen gesehen, er hätte mir schon vorher etwas dazu schreiben können – als er noch Internet hatte! Warum also jetzt? Ich grübel lange nach und entschließe mich dann ihm zu antworten. Nicht weil ich mein Vorhaben, keinen Kontakt mehr mit ihm zu haben, brechen will, sondern weil ich der Meinung war, er würde mir wieder schreiben, sollte ich nicht antworten.

Everything is fine Yaya (Ich habe seinen richtigen Namen geschrieben, keinen Kosenamen, womit ich Distanz zeigen wollte…). I am glad to hear u liked the video. Enjoy Hamburg.

Kurz und höflich ohne eine Antwort zu erwarten. Ich hoffte das würde erst einmal reichen. Es reichte aber nicht, denn am nächsten Tag erhielt ich erneut eine Sms von ihm. Deren Inhalt  so bescheuert war, dass ich bis heute nicht weiß, was er sich dabei gedacht hat, aber seht selbst:

Yes it is a master piece! Ninjaan, I want to write a note to our neighbour, I want to use his internet for some time, can u write it for me pls?

Ich erhalte diese Sms 2 Stunden später, da mein Handy während eines Treffens mit der Volksbank ausgegangen war und starrte nun ungläubig auf seine Worte. Ich soll ihm einen Satz schreiben? Der Mann hat seine Masterarbeit auf Deutsch geschrieben und jetzt kann er nicht mehr so einen Satz schreiben? Ich hatte ihm schon einmal bei formellen Schreiben geholfen oder seine Bewerbung überarbeitet – aber so einen Satz? Für eine Sekunde bin ich versucht ihn anzurufen, um ihn zu fragen, ob das ein Witz sein soll. Ich tue es aber nicht und schreibe ihm irritiert einen Satz mit der Frage, ob er so etwas meinen würde?

Und dann? Dann bekomme ich keine Antwort mehr. Kein Danke, keine Erkärung, nichts. Nichts an diesem Tag und nichts am nächsten Tag. Und wieder sitze ich, immer ein Auge auf dem Handy da und warte und warte. Und ich hasse warten und mit jeder Stunde die ich auf eine Antwort warte, geht es mir mieser.

Letzten Donnerstag morgen fasse ich dann den etnscheidenden Entschluß, wenn ich ihn schon überall geblockt habe, dann sollte ich auch konsequent sein. Ich kann ihm schlecht verbieten mir Sms zu schreiben – aber ich kann es unmöglich machen. Ich rufe bei der O2 Servicehotline an und bitte um eine neue Nummer. Die Frau am anderen Ende ist nett und weil ich wahrscheinlich ziemlich erbärmlich klinge, fragt sie mich dreimal ob ich sicher bin, dass ich das tun möchte. Ich bejahe es jedesmal. Ja, ich möchte meine Nummer wechseln und ich weiss, dass das endgültig ist und das es schon innerhalb der nächsten 20 Minuten umgestellt wird.

20 Minuten später habe ich eine neue Nummer. Meine alte ist nicht mehr erreichbar. Ich bin nicht mehr erreichbar für Yaya.

Es geht mir nicht besser damit und ich fühle mich auch nicht stärker dadurch. Aber ich warte nicht mehr. Ich weiss, dass er mich nicht erreichen kann, egal wie. Manchmal frage ich mich, ob ich das überhaupt aushalte. Ob es ihm gut geht? Ob er vielleicht dringend etwas braucht und ich plötzlich nicht mehr antworte…aber dann denke ich an die 100mal in denen er einfach nicht geantwortet hat, obwohl ich die richtige Nummer habe, obwohl meine Nachrichten bei Fb gelesen und bei Skype übertragen wurden.

Ich wollte ihn in meinem Leben halten, als Freund, wenn schon nicht als Liebhaber. Aber es ist mir unmöglich, weil meine Gefühle zu stark sind und seine zu schwach – so kann man nicht befreundet sein, jedenfalls ich nicht…

Und jeden Tag hoffe ich doch insgeheim, dass er irgendetwas tut, irgendeinen Weg findet mich zu kontaktieren und das dann alles gut wird, wie im Märchen… Aber mir ist klar, dass das nicht passieren wird…

Der lange Abschied Teil 1

Es gab eine Abmachung zwischen Yaya und mir, eher gesagt ein Versprechen. Er würde sich um meine Fotos aus der Westbank kümmern, noch während ich in Jerusalem bin, damit ich diese nicht mit zur Flughafenkontrolle nehmen muss. Das hatten wir schon Wochen vorher ausgemacht und Yaya hält seine Versprechen immer…

Als er jedoch etwas mehr als eine Woche vor meiner Abreise wieder von der Bildfläche verschwand, auf meine Nachrichten bei Skype nicht reagierte, kam ich ins Grübeln. Ich sicherte mich ab, bat eine Freundin sich ebenfalls ein Dropbox Konto einzurichten….nur für den Notfall. Ich schickte ihm vom Flughafen in Köln aus ein Foto – meine Abreise schien ihn nicht sonderlich zu interessieren und ich erinnerte mich wehmütig daran, dass er mir vor meinem Kurztrip nach Schottland im März in der Nacht vorher schrieb und ich, kaum war ich zuhause schon Nachrichten bei Skype erhalten hatte, ob ich gut angekommen sei – aber das war vor einem halben Jahr. Jetzt ist alles anders.

In Haifa hatte ich endlich einen Internetzugang, ich checkte FB und Skype – keine Nachricht. Ich wechselte sogar meine Simkarte, um zu sehen, ob er mir dort geschrieben hat. Hatte er nicht. Noch einmal kontaktierte ich ihn, ich sorgte mich langsam ernsthaft. Keine Reaktion. Zwei Tage lang checkte ich in regelmäßigen Abständen Skype und FB – aber es kam nichts. Am 3. Tag war ich nur noch wütend und fasste den wilden Entschluß ihn zu blockieren, überall! Dieses ewige Warten macht mich k rank – worauf warte ich eigentlich? Ich habe auch noch andere Freunde!  – Doch als ich mich bei Skype anmeldete erhielt ich augenblicklich eine Nachricht:

Israeli Ninjaan, how are u?

10 Tage nach meiner ersten Nachricht erhielt ich nun das. Ich war wütend, mein Kopf von der Hitze benebelt und mein Gesicht von der Sonne verbrannt. Ich bemühte mich gelassen zu sein, konnte mir aber eine bissige Bemerkung nicht verkneifen und nach wenigen Sekunden befanden wir uns in einem unserer altbekannten Streitgespräche. Er erklärte sich, ich wank ab, verspürte nicht den Drang nach einer Diskussion – er anscheinend schon. So bat ich ihn genervt, doch die Sache nun zu vergessen, da ich im Urlaub sei und keine Lust auf so etwas hätte. Durch diese Worte angestachelt war er gerade dabei richtig loszulegen, als ich ihn einfach anrief, einfach den Knopf „Videoanruf“ drückte und abwartete. Was mir in diesem Moment durch den Kopf ging, ich kann es nicht erklären, ich hoffte einfach auf ein schnelleres Ende, würden wir sprechen statt schreiben.

Ich sah wie er sein geschriebenes wieder löschte und dann erneut ansetzte:

What are u doing? I dont want to talk!

– If u dont pick up the phone, I will never talk to u again!!

Prompt nahm er ab.

Es dauerte ewig bis die Kamera die Videoübertragung startete. Ich starrte mit rotem Gesicht auf den Bildschirm. Da saß er, in einem gelben Tshirt, Teetasse in der einen Hand während er sich mit der anderen nervös durchs Haar fuhr. Er stand noch einmal auf, holte irgendetwas und setzte sich wieder, mit gesenktem Blick.

Ninjaan: Come on Yaya, say it again and look at me!

Yaya: No…I dont want to.

Ninjaan: I am sick of fighting, and we always fight.

Yaya: I dont want to fight.

Ninjaan: Sooo? (lächelnd)

Yaya: Soo…lets stop fighting. (lächelt ebenfalls und sieht endlich in die Kamera)

Wir sehen uns einen Moment schweigend an und müssen beide grinsen. Aber weil ich spürte wie sehr es mir gefällt ihn anzusehen, weil dieses warme Gefühl wieder in mir aufkommt, halte ich das Gespräch kurz und verabschiede mich zum Essen. Sein Versprechen gelte, versicherte er mir. Er solle keine Zicke mehr sein, darum bat ich ihn. Er schüttelte den Kopf: Dito!

Erst als ich in Jerusalem ankomme, schreibt er mir wieder, nur einen Moment, aber ich bin beruhigt, so wie ich es immer war, wenn er wieder nur ein Fünkchen Interesse an mir zeigte. Vergessen war, dass er mich 10 Tage hatte hängen gelassen, dass er meinen Termin in Düsseldorf, wegen meines Doktors, vergessen hatte…und noch so viele andere Dinge, die eben Freunde nicht einfach vergessen sollten.

Tel Aviv und ich werden keine Freunde…

Vom Flughafen aus, es ist mittlerweile fast 3 Uhr morgens, fahre ich das erste Mal nicht direkt nach Jerusalem, sondern nach Tel Aviv. Eine Fahrt nach Jerusalem kostet, mit einem Sherut (so etwas wie ein Sammeltaxi) etwas mehr als 10 Euro. Nach Haifa fährt ebenfalls ein Sherut – nur nach Tel Aviv nicht! Nach Tel Aviv fährt nur die Bahn (die natürlich um diese Uhrzeit nicht mehr fährt!) und so schleppe ich übermüdet mein Gepäck hinter mir her zur Taxi Station. Ein Fahrer kommt auf mich zu und erzählt etwas von 200 Schekel, während er mir das Gepäck aus der Hand nehmen will. 200 Schekel??? Gehts denen noch gut? „200 Shekel? Are u kidding me????“ – „No, 200 Shekel!“ – „Tzz…I´d rather sleep here, before I am going to pay u 200 Shekel!“  Der Taxifahrer schüttelt nur den Kopf und geht. Super…was mache ich jetzt? 200 Schekel! Das sind fast 40 Euro! Dafür kann ich mir wahrscheinlich hier am Flughafen ein Zimmer nehmen, die spinnen doch. Unschlüssig stehe ich also rum und warte…auf einen Einfall oder einen Taxifahrer, der mit sich verhandeln lässt. 10 Minuten stehe ich dort, bis endlich ein jüngerer Taxifahrer kommt und irgendetwas von 180 Schekel erzhält. Ich schüttele abermals den Kopf:“No way! I wont pay u 180 Shekel!“ Er zieht meinen Koffer zu seinem Taxi, ich wiederhole mich immer wieder, er winkt nur ab. Als ich einsteige sage ich es noch einmal deutlich:“ I will never, never ever pay 180 Shekel! U can call the police, I dont care! But I wont pay so much!!!“

Die Fahrt über versucht der junge Taxifahrer mich zu bezirzen, als wenn ich dann bereit wäre 180 Shekel zu bezahlen! Er hat keine Chance, ich bin dickköpfig. Irgendwann bin ich so verärgert, dass ich während der Fahrt versuche die Autotür zu öffnen – ich bezahle doch keine 40 Euro!!!! Geschockt reisst er die Tür wieder zu und bremst ab -endlich habe ich ihn soweit! 100 Schekel—tut mir zwar auch weh, aber ich glaube das liegt noch unter dem Preis, den man tagsüber für eine Fahrt nach Tel Aviv bezahlen muss. Dafür fährt er mich noch zum Hostel und trägt meinen Koffer hoch – natürlich nur weil ich ihm versprechen muss ihn anzurufen und mit ihm einen Kaffee zu trinken…Männer…

Im Hostel ist es relativ ruhig, nur auf der Dachterasse sitzen noch ein paar Hippies rum und trinken Tee. Ein Volunteer zeigt mir alles, raucht noch eine Zigarette mit mir und bringt mich dann in mein Zimmer. Geschockt stelle ich fest, dass ich in diesem Female dorm im Hochbett oben liegen soll…und ich schwöre, das war das höchste Hochbett, dass ich jemals gesehen habe! Keine Ahnung wie ich es geschafft habe, da rauf zukommen…aber oben angekommen falle ich sofort in einen Tiefschlaf. Als ich aufwache ist es schon unerträglich heiss, der Raum ist leer, ich habe so fest geschlafen, dass ich nicht mal gehört habe, wie alle verschwunden sind.

Träge kraxel ich das Bett runter und befürchte es könnte jede Sekunde umkippen. Ich hätte jetzt gerne eine kalte Dusche…das ist aber nicht möglich, weil die Wassertanks meist auf dem Dach stehen…und es ist unmenschlich heiss hier! Also dusche ich heiss und schwitze sowohl dabei als auch danach.

Ich setze mich auf die Dachterasse, die wirklich schön ist!Umgeben bin ich von Hippies die über den Weltfrieden philosophieren…und das früh morgens! Ich bin morgens immer ziemlich mies drauf und setze mich darum etwas abseits hin und träume von einem guten, deutschen Kaffee 😉  (Wobei ein Eiskaffe noch toller wäre.)

Es sind 37 Grad, eigentlich zu heiss um irgendetwas zu machen, aber da ich morgen schon nach Haifa fahren werde, raffe ich mich auf und suche den Strand. Auf dem Weg dorthin komme ich an einem Hummus Restaurant vorbei – Hummus…da kann ich nicht widerstehen und hungrig bin ich auch. Es ist voll, alle sprechen hebräisch und ich verstehe kein Wort…Schande über mich, ich hätte es wirklich lernen sollen! IN arabisch kann ich mich irgendwie verständigen…aber auf hebräisch? Keine Chance! Eine Frau die Englisch kann erbarmt sich meiner und bestellt das Essen für mich. Drinnen ist es überfüllt, da gibts eine Klimaanlage, also setze ich mich draussen und während ich auf mein Essen warte, versuche ich angestrengt meine israelische Simkarte in Betrieb zu nehmen. Ein junger Mann und eine ältere Dame setzen sich zu mir an den Tisch – sie haben wahrscheinlich auf hebräisch vorher gefragt…ich nicke sie nur freundlich an und widme mich wieder meiner Simkarte. Als es nicht funktionieren will, fragt mich der junge Mann neben mir ob er mir helfen kann…auf hebräisch… Ich sehe ihn fragend an und sage den Satz, den ich die kommenden Wochen ständig sagen werde: Sorry, I dont speak hebrew…“ Er lächelt und beginnt mit mir Englisch zu sprechen. Er hilft mir meine Simkarte zu aktivieren und stellt die ältere Dame als seine Mutter vor. Unser Essen ist mittlerweile da und wir unterhalten uns ganz gut. Im Anschluß zeigt er mir noch den Weg zum Stand, was hätte ich ohne ihn gemacht?

Der Strand ist relativ voll…und irgendwie…haut er mich nicht so um. Ich setze mich gemütlich unter eine Palme und beginne ein Buch zu lesen – so lässt es sich auch in Tel Aviv aushalten. Eine Familie bereitet neben mir ein Barbeque vor und reicht mir nach einiger Zeit einen Teller „Welcome to Israel“  🙂

Am Abend komme ich zurück in das Hostel, Tel Aviv reizt mich einfach nicht, die Menschen dort sind wie überall im Land sehr nett – aber es gibt nichts, dass ich unbedingt sehen will – es ist groß und laut…ich bin froh morgen abzureisen…auch weil mir die Leute in diesem Hostel irgendwie nicht ganz geheuer sind – also ab in das Hochhaus-Hochbett – Haifa will ich in vollen Zügen genießen!

 

Tel Aviv Flughafen (Ankunft) – Welcome to Israel!

Jedesmal, wenn ich den langen Weg von meinem Gate zur Passkontrolle gehe (oder fahre…ich bin meist faul und nutze das „Laufband“) schlägt mein Herz unnormal schnell, dieses Jahr war es allerdings besonders schlimm. Nicht nur, dass ich zwei Pässe habe und erst vor 2 Jahren den Iran bereist habe, nein, dank der EU habe ich auch in beiden Pässen einen netten Fingerabdruck – mein Finger ist derselbe, sollten sie den hier am Ben Gurion airport checken, habe ich ein ernsthaftes Problem! Als würde das nicht reichen, war meine Tante im Jahr 2010 auf der Gaza Flotte, auf dem türkischen Schiff und hat nun lebenslanges Einreiseverbot und musste ein Jahr lang eine widerliche Hetzkampange gegen ihre Person über sich ergehen lassen (linke Antisemitin war da noch relativ harmlos) – sollten sie also eine Verbindung zwischen uns herstellen können – hätte ich ebenfalls ein großes Problem!

Bei der Passkontrolle angekommen, es ist mitten in der Nacht, entscheide ich mich noch einmal auf Toilette zu gehen, Zeit schinden, Antworten noch einmal durchgehen, alles ist vorbereitet, mein FB account ist jungfräulicher als Maria.

Ich stelle mich in die Schlange hinter eine christliche Reisegruppe – vielleicht könnte man denken ich gehöre dazu? Ich habe mich ebenfalls extra an einen Schalter gestellt, in dem ein Mann sitzt, meiner Erfahrung nach, sind die etwas umgänglicher…harmloser…

Der junge Mann, falls man ihn schon Mann nennen kann, beäugt meinen Pass und stellt mir die altbekannte Frage: „What is the purpose of ur visit?“ – Brav, mit unschuldigem Lächeln antworte ich ihm: „Holydays.“ – Er sieht wieder in meinen Pass: „Is it ur first time in Israel?“ – „No.“ – „Why did u choose Israel?“ – „Because I love it?“ Er nickt, steckt eine kleine Karte in meinen Pass und überreicht ihn mir. Wow! Normalerweise wird immer gleich jemand gerufen – habe ich diesmal Glück? Ich öffne meinen Pass und sehe mir das Kärtchen an. Es könnte eine 0 sein oder aber ein O. Eine Null? Bei meiner letzten Ausreise gabs noch Sticker auf jedes Gepäckstück, Sicherheitsstufen 1-6 – ich war eine 6…. Vielleicht ist die Null etwas Gutes?

Die nächste Kontrolle erfolgt gleich hinter den kleinen Schaltern und ich entdecke die Reisegruppe wieder, eine Frau kontrolliert die Pässe (Super!), neugierig sehe ich in die zum Teil geöffneten Pässe, um zu schauen ob alle anderen auch eine 0 (oder ein O) auf ihrem Kärtchen haben. Geschockt stelle ich fest – niemand hat es!

Als ich an der Reihe bin öffnet die Beamtin meinen Pass, sieht die Karte und sagt mit strengem Unterton „Stay here! Dont move“ Na Bravo! Warum eigentlich immer ich? Genervt seufzte ich auf, zwei Flughafen Beamte kommen auf mich zu und bitten mich ihnen zu folgen. Müde, ängstlich und mich immer wieder fragend, ob der Typ im Schalter jetzt meinen Fingerabdruck gecheckt hat oder nicht, folge ich den Beiden.

Am Ende sind es nur 1 1/2 Stunden geworden, das ist super – beim ersten Mal war es gleich 5 Stunden. Niemand hat meinen Fingerabdruck gecheckt und ich hatte wirklich Glück, dass mein Beamter ziemlich gute Laune hatte. Neben den regulären Fragen, wieso und warum ich hier bin, ob ich jemanden kenne, jemanden besuche (verneine ich natürlich alles!), macht er sich noch etwas lustig darüber, wie ich als Sozialarbeiterin mir einen Urlaub in Israel leisten könne. Als er mich nach meinem FB account frage bin ich recht keck und sage: „OK, lets check it, no problem!“ Er sieht mich kurz verduzt an und sagt dann grinsend: “ Are u prepared?“ – „Yap…I am…go and check it.“ Vielleicht sogar etwas beeindruckt von meiner frechen, ehrlichen Art schüttelt er sich vor Lachen, überreicht mir meinen Pass und sagt dann:“ Welcome to Israel!“  

Wundervoll!

Später erfahre ich, dass sie wohl noch keinen Fingerabdruck am Flughafen checken…ich hoffe, das bleibt noch lange so…so ausgereift war meine Geschichte, warum ich im Iran war nämlich noch nicht…