Tel Aviv und ich werden keine Freunde…

Vom Flughafen aus, es ist mittlerweile fast 3 Uhr morgens, fahre ich das erste Mal nicht direkt nach Jerusalem, sondern nach Tel Aviv. Eine Fahrt nach Jerusalem kostet, mit einem Sherut (so etwas wie ein Sammeltaxi) etwas mehr als 10 Euro. Nach Haifa fährt ebenfalls ein Sherut – nur nach Tel Aviv nicht! Nach Tel Aviv fährt nur die Bahn (die natürlich um diese Uhrzeit nicht mehr fährt!) und so schleppe ich übermüdet mein Gepäck hinter mir her zur Taxi Station. Ein Fahrer kommt auf mich zu und erzählt etwas von 200 Schekel, während er mir das Gepäck aus der Hand nehmen will. 200 Schekel??? Gehts denen noch gut? „200 Shekel? Are u kidding me????“ – „No, 200 Shekel!“ – „Tzz…I´d rather sleep here, before I am going to pay u 200 Shekel!“  Der Taxifahrer schüttelt nur den Kopf und geht. Super…was mache ich jetzt? 200 Schekel! Das sind fast 40 Euro! Dafür kann ich mir wahrscheinlich hier am Flughafen ein Zimmer nehmen, die spinnen doch. Unschlüssig stehe ich also rum und warte…auf einen Einfall oder einen Taxifahrer, der mit sich verhandeln lässt. 10 Minuten stehe ich dort, bis endlich ein jüngerer Taxifahrer kommt und irgendetwas von 180 Schekel erzhält. Ich schüttele abermals den Kopf:“No way! I wont pay u 180 Shekel!“ Er zieht meinen Koffer zu seinem Taxi, ich wiederhole mich immer wieder, er winkt nur ab. Als ich einsteige sage ich es noch einmal deutlich:“ I will never, never ever pay 180 Shekel! U can call the police, I dont care! But I wont pay so much!!!“

Die Fahrt über versucht der junge Taxifahrer mich zu bezirzen, als wenn ich dann bereit wäre 180 Shekel zu bezahlen! Er hat keine Chance, ich bin dickköpfig. Irgendwann bin ich so verärgert, dass ich während der Fahrt versuche die Autotür zu öffnen – ich bezahle doch keine 40 Euro!!!! Geschockt reisst er die Tür wieder zu und bremst ab -endlich habe ich ihn soweit! 100 Schekel—tut mir zwar auch weh, aber ich glaube das liegt noch unter dem Preis, den man tagsüber für eine Fahrt nach Tel Aviv bezahlen muss. Dafür fährt er mich noch zum Hostel und trägt meinen Koffer hoch – natürlich nur weil ich ihm versprechen muss ihn anzurufen und mit ihm einen Kaffee zu trinken…Männer…

Im Hostel ist es relativ ruhig, nur auf der Dachterasse sitzen noch ein paar Hippies rum und trinken Tee. Ein Volunteer zeigt mir alles, raucht noch eine Zigarette mit mir und bringt mich dann in mein Zimmer. Geschockt stelle ich fest, dass ich in diesem Female dorm im Hochbett oben liegen soll…und ich schwöre, das war das höchste Hochbett, dass ich jemals gesehen habe! Keine Ahnung wie ich es geschafft habe, da rauf zukommen…aber oben angekommen falle ich sofort in einen Tiefschlaf. Als ich aufwache ist es schon unerträglich heiss, der Raum ist leer, ich habe so fest geschlafen, dass ich nicht mal gehört habe, wie alle verschwunden sind.

Träge kraxel ich das Bett runter und befürchte es könnte jede Sekunde umkippen. Ich hätte jetzt gerne eine kalte Dusche…das ist aber nicht möglich, weil die Wassertanks meist auf dem Dach stehen…und es ist unmenschlich heiss hier! Also dusche ich heiss und schwitze sowohl dabei als auch danach.

Ich setze mich auf die Dachterasse, die wirklich schön ist!Umgeben bin ich von Hippies die über den Weltfrieden philosophieren…und das früh morgens! Ich bin morgens immer ziemlich mies drauf und setze mich darum etwas abseits hin und träume von einem guten, deutschen Kaffee 😉  (Wobei ein Eiskaffe noch toller wäre.)

Es sind 37 Grad, eigentlich zu heiss um irgendetwas zu machen, aber da ich morgen schon nach Haifa fahren werde, raffe ich mich auf und suche den Strand. Auf dem Weg dorthin komme ich an einem Hummus Restaurant vorbei – Hummus…da kann ich nicht widerstehen und hungrig bin ich auch. Es ist voll, alle sprechen hebräisch und ich verstehe kein Wort…Schande über mich, ich hätte es wirklich lernen sollen! IN arabisch kann ich mich irgendwie verständigen…aber auf hebräisch? Keine Chance! Eine Frau die Englisch kann erbarmt sich meiner und bestellt das Essen für mich. Drinnen ist es überfüllt, da gibts eine Klimaanlage, also setze ich mich draussen und während ich auf mein Essen warte, versuche ich angestrengt meine israelische Simkarte in Betrieb zu nehmen. Ein junger Mann und eine ältere Dame setzen sich zu mir an den Tisch – sie haben wahrscheinlich auf hebräisch vorher gefragt…ich nicke sie nur freundlich an und widme mich wieder meiner Simkarte. Als es nicht funktionieren will, fragt mich der junge Mann neben mir ob er mir helfen kann…auf hebräisch… Ich sehe ihn fragend an und sage den Satz, den ich die kommenden Wochen ständig sagen werde: Sorry, I dont speak hebrew…“ Er lächelt und beginnt mit mir Englisch zu sprechen. Er hilft mir meine Simkarte zu aktivieren und stellt die ältere Dame als seine Mutter vor. Unser Essen ist mittlerweile da und wir unterhalten uns ganz gut. Im Anschluß zeigt er mir noch den Weg zum Stand, was hätte ich ohne ihn gemacht?

Der Strand ist relativ voll…und irgendwie…haut er mich nicht so um. Ich setze mich gemütlich unter eine Palme und beginne ein Buch zu lesen – so lässt es sich auch in Tel Aviv aushalten. Eine Familie bereitet neben mir ein Barbeque vor und reicht mir nach einiger Zeit einen Teller „Welcome to Israel“  🙂

Am Abend komme ich zurück in das Hostel, Tel Aviv reizt mich einfach nicht, die Menschen dort sind wie überall im Land sehr nett – aber es gibt nichts, dass ich unbedingt sehen will – es ist groß und laut…ich bin froh morgen abzureisen…auch weil mir die Leute in diesem Hostel irgendwie nicht ganz geheuer sind – also ab in das Hochhaus-Hochbett – Haifa will ich in vollen Zügen genießen!

 

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