Ein Abschiedsbrief (ohne Empfänger)

Vorab möchte ich dir sagen, dass ich gerne eine passende Anrede gefunden hätte, eine Perfekte, nicht schnulzig, aber eine die meinen Gefühlen dir gegenüber gerecht wäre. Doch ich finde sie nicht. Dir auf Deutsch zu schreiben, allein das ist ungewöhnlich. Nie habe ich dir Wichtiges auf Deutsch gesagt, nur in Wut, aus Verletzung und der Hilflosigkeit heraus habe ich zu dir in meiner Muttersprache gesprochen. Doch alles ändert sich und heute schreibe ich dir weder aus Wut, noch aus Verletzung oder Hilflosigkeit. Ich schreibe dir auf Deutsch, weil es die Sprache ist in der ich mich am Besten ausdrücken kann – weil es meine Sprache ist und die Zeiten, in denen es ein kleines „wir“ gab, vorbei sind – es gibt nur noch dich und mich …

Dies hier soll keine Anklage sein, sondern eine Feststellung, etwas, dass ich akzeptieren muss, weil ich nicht das Recht habe auf etwas anderes zu beharren. Ich schreibe dir heute, weil ich dir, mir selbst und der ganzen Welt sagen möchte, dass ich nicht im Zorn gegangen bin, nicht in Wut, dass ich dich nicht hasse und dich nicht für einen schlechten Menschen halte.

Ja, es wäre soviel leichter, würde ich mir das einreden. Dich hassen, dir die Schuld an allem geben. Doch ginge es hier um Schuld, wer trüge sie dann? Du, weil du dich nicht verliebt hast? Ich weil ich mich verliebt habe, obwohl du mir niemals etwas vorgemacht hast? Nein, das führt zu nichts und so betrachtet, muss ich mir eingestehen, trage ich selbst die Schuld. Ich wusste wer du bist, wie du bist, was du denkst, was du dir erträumst und ich habe es kommen sehen, meine Gefühle, doch ich habe sie unterschätzt, mich überschätzt. Und nun stehe ich hier, nach 1 1/2 Jahren und schreibe dir einen Brief, den ich niemals abschicken werde.

Warum ich ihn dir nicht schicke? Weil ich nicht will, dass du antwortest. Du würdest antworten, du würdest es niemals so stehen lassen, das ist nicht deine Art, wider deiner Natur. Dennoch, muss ich dir noch so viel sagen. Du warst immer eine Inspiration für mich. Niemals war ich so fasziniert, niemand hat mich so an meine Grenzen und darüber hinaus gebracht wie du. Ich liebe Herausforderungen, liebte sie immer, du bist die Krone der Herausforderungen.

Ich liebe deine diplomatische Art, wenn du über Politik gesprochen hast, die, dir vielleicht unbemerkte, Weisheit deiner Einschätzungen fand stets meine höchste Anerkennung, selbst wenn ich nicht deiner Meinung war. Deine Texte, deine Stimme, deine Art Musikinstrumente vorsichtig in die Hand zu nehmen, sie zu begutachten und sie nach kürzester Zeit zu beherrschen, als hättest du niemals etwas anderes gespielt – meine Bewunderung dafür kann ich nicht in Worte fassen.

Ich finde dich nicht nur faszinierend, sondern auch schön. Nicht attraktiv, oder anziehend, sondern schön, wie ein Kunstwerk. Schön ist sie, die Sehnsucht in deinen Augen, dein Lachen, dass du so spärlich sääst, als könntest du es abnutzen. Schön ist alles an dir, auch deine grauen Haare auf der Brust, die du so schockiert im letzten Winter entdecktest.

Doch ich würde dich nicht lieben, hätte nicht so klammheimlich aus deinem Leben, deiner Reichweite verschwinden müssen, liebte ich nicht auch deine andere Seite, die, für andere oft schier Unerträgliche. Ich liebte dich auch, wenn du launisch warst und wie ein getretener Hund um dich gebissen hast. Ich liebte dich, wenn du vor Narzismus triefend, nicht gesehen hast, was um dich herum geschieht. Deine Diskussionswut, die mich manchmal an den Rand der Verzweiflung gebracht hat und mir so manch „Pseudo Migräne Attacke“ bescherte. Ich habe dich nie weniger geliebt, wenn du, stur wie ein kleines Kind, in der Ecke gesessen hast um zu schmollen oder mir das Leid, dein Leid dieser Welt, in die Schuhe schieben wolltest.

Nicht weil ich blind bin vor Liebe, aber weil du auch mich akzeptiert hast wie ich bin. Meine Macken, meine Launen hast du ertragen, besser als jeder andere zuvor – manch eine habe ich durch dich überwunden. Deine Geduld, warst du auch selbst ungeduldig, mit mir war grenzenlos.

Darum und weil ich dich liebe, wollte ich deine Freundin sein, deine Vertraute, von mir aus deine Schwester – was auch immer, ich glaubte ich sei  bereit dazu. Und solange du mir das Gefühl gabst, mich zu wollen, mich in deinem Leben zu wollen -bin ich geblieben. Aber wir beide wissen, du sicher schon länger als ich, dass es auch dafür nicht mehr reicht. Neun Monate, 100te von km später, sind wir nicht nur keine „Liebhaber“ mehr, wir sind uns so fern wie  zwei flüchtige Bekannte. Pflichtbewusst antwortet man auf die Fragen und bitten des Anderen – ja wir Fragten und Baten noch, aber warum? Weil wir es 1 1/2 Jahre so getan haben, auch das kann zur Gewohnheit werden.

Gewohnheit verbindet uns, nein, Gewohnheit bindet dich irgendwie noch immer an mich, aber ich wollte so viel mehr, will es doch immer noch.

Und darum bin ich nun gegangen, ohne Abschied, ohne Drama, ohne Diskussion, ohne Vorwürfe. Ich will dir lieber eine schöne Erinnerung sein, als eine lästige Bekannte. Ich hoffe du wirst das verstehen, ohne das ich es dir sage, ohne, dass du jemals diesen Brief hier lesen wirst. Bitte versteh es.

Soviel ich dir auch noch sagen will, so ungelesen diese Worte auch bleiben mögen, ich möchte dir noch danken. Für jeden Moment, den du lebenswerter für mich gemacht hast, jeden Augenblick den ich durch dich intensiver erleben konnte, jedes Lied, jeden Film, jedes Gemälde, alles was ich nicht kannte und durch dich erfahren habe. Und ich wünsche dir, mehr als  für mich selbst, die Erfüllung deiner Träume, die Großen und die Kleinen. Ich wünsche dir Kraft und Mut und Leidenschaft und vorallem Liebe – ich wünsche dir, dass du liebst und ebenfalls geliebt wirst.

Und ich verspreche dir, dass ich von heute an ein bisschen weniger „runaway“ bin und  offener zu meinen Gefühlen stehen werde und das ich mir vom heutigen Tage an, auch ohne deine Hilfe, die Mühe geben werde mehr gute als schlechte Musik zu hören und vor allem die eine von der anderen unterscheiden lerne.

Lebwohl.

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13 Kommentare

  1. lebenstattponyhof · September 25, 2012

    Auch, wenn es sicherlich immer noch weh tut, ihr habt auch tolle Zeit verbracht, die du nicht vergisst und nicht vergessen solltest.
    Es ist schwer die Illusionen loszulassen, aber ich glaube noch schwerer daran zu halten und immer wieder die Wunden aufkratzen.
    Ich wünsche dir alles Gute und dass sein Platz in deinem Herzen mit der Zeit überwiegend mit positiven Gedanken verbunden wird.

  2. asiolehtrist · September 14, 2012

    Reblogged this on asiolehtrist und kommentierte:
    Wunderschön

  3. asiolehtrist · September 14, 2012

    Wunderschön…

  4. morgenrot · September 14, 2012

    Du hast deine Liebe wunderbar in Worte gebracht. Du und viele andere blogs zeigen mir, dass ich mit meinem Fühlen darum nicht alleine bin. Das beruhigt und tut gut. Und ich bin dankbar, dass ich auch hier zu schreiben begonnen habe. Ich brauche mails nicht mehr abzuschicken, was ich dann irgendwann doch immer tat. Er kann für sich selbst entscheiden, ob und wann er in meinem blog liest. Ninjaa, alles Liebe dir.

    • ninjaan · September 14, 2012

      Ich danke dir morgenrot 🙂
      Bei mir ist es genauso, nun wo ich den Blog habe, kann ich schreiben, es „aus mir heraus schreiben“ ohne es ihm direkt sagen zu müssen. Es erleichtert mich!
      Allerdings liest er, meines Wissens nach, nicht mit und so bleibt nur die winzige Chance, dass google ihn irgendwann mal auf meine Seite bringt und er sieht was ich fühle – wer weiß! 😉

  5. Träumerin · September 14, 2012

    Der Brief ist wunderschön,,,,, jeder sollte sich glücklich schätzen, so geliebt zu werden, und doch kann und will es mancher einfach nicht annehmen 😦

    „Darum und weil ich dich liebe, wollte ich deine Freundin sein, deine Vertraute, von mir aus deine Schwester – was auch immer, ich glaubte ich sei bereit dazu. Und solange du mir das Gefühl gabst, mich zu wollen, mich in deinem Leben zu wollen -bin ich geblieben. “

    Genau das ist es… auch ich wäre mit einer ehrlichen Freundschaft zufrieden gewesen, wer weiß, vielleicht hätte sie länger gehalten als eine Beziehung, aber nicht mal das wurde letzten Endes daraus.

    1964er (http://1964er.wordpress.com/) hat einst einen wunderschönen Satz gesagt:

    “ “Ich will die Freundschaft die Du mir anbietest, gerne mehr, aber sicher nicht weniger”

    Aber genau das wurde es von seiner Seite…..immer weniger, und weniger ist einfach nicht genug . Nicht bei einem Menschen, für den man solche starken Gefühle hegt.

    Wenn Du schreibst, du bist gegangen, heißt das, du hast sämtliche Verbindungen zu ihm gelöscht/geblockt? Denkst Du, er versteht warum? Ich weiß nicht, ich habe bei „ihm“ alles auf eine Karte gesetzt, er hat von mir tatsächlich sehr offene Briefe bekommen, er weiß alles…. ich glaube, ich würde es an Deiner Stelle nicht schaffen, Yaya diesen Brief nicht zu schicken. Aber Du kannst ihn besser einschätzen und es wird ja auch wie bei mir wahrscheinlich nichts ändern, denn im Grunde weiß er das alles ja auch schon.

    Ach Mensch…… *seufz*……

    • ninjaan · September 14, 2012

      Ich danke dir liebe Träumerin!
      Diesen Satz, den du zitierst hatte ich glaube ich auch schon mal hier gelesen und er hat mich sehr berührt. Genau so ist es doch, man lässt sich auf diesen „Kompromiss“ ein, weil man den Menschen den man liebt nicht verlieren will, weil dieser Mensch besonders für einen ist. Leider ist es aber vielleicht gerade unsere Liebe, die uns so denken lässt, während die andere Person, die nicht liebt, es anders empfindet und dann entsteht dieses Ungleichgewicht, auch in der Freundschaft…

      Ja,a ich habe ihn geblockt und meine Nummer gewechselt – die herkömmlichen Kommunikationswege sind nun also gekappt. Er weiss natürlich meine Adresse und könnte, wenn er wollte…wie Ich♥Dich es schon mal anmerkte…Ob er es schon gemerkt hat weiß ich nicht, vielleicht, es ist über eine Woche – vielleicht weiß er aber auch nicht, dass seine Sms in die Leere gehen? Ob er es versteht weiß ich ebenfalls nicht. Er könnte auch hier wenn er wollte, vielleicht sieht er es als Tortzreaktion, vielleicht stört es ihn nicht einmal? Was auch immer es ist/sein wird – ich kann es nicht ändern.
      Ihm den Brief zu schicken wäre falsch, weil er nicht damit umgehen könnte. WIr haben nur einmal über meine Gefühle gesprochen, danach nie wieder. Alles was er sagen würde, würde ich nicht hören wollen – und so gehe ich lieber leise. 😦

  6. Ich♥Dich · September 14, 2012

    Ich bewundere dich! Dafür, dass du deine Worte und deine Liebe in so wunderschöne Worte packen kannst. Jeder Mensch kann froh sein, wenn er einmal so geliebt wird, wie du Yaya liebst.
    Und immer noch bewundere ich dich auch für deinen Abgang. Den Abgang eurer gemeinsamen Bühne, den du ohne Applaus und Zugabe-Rufe willst.

    Ich finde diesen Brief wunderschön. Ich finde, er sollte ihn lesen. Aber genau so gut weiß ich, dass auch ich ihm den Brief nicht geben würde.

    Ich hoffe für dich, dass du wieder so lieben kannst. Das nächste Mal. Und dann sollst du genau so zurückgeliebt werden.
    Halt dein Herz offen, steh zu deinen Gefühlen und behalte die Gabe, es alles in so schöne Worte kleiden zu können! ❤

    • Träumerin · September 14, 2012

      Die Beschreibung von dem Abgang von der gemeinsamen Bühne finde ich ja fast so toll wie ninjaas Brief…. wollte ich nur mal sagen 🙂

      • Ich♥Dich · September 14, 2012

        Oh dankeschön!!!! 🙂
        Ich fand den Brief einfach so toll, da kam das so.

    • ninjaan · September 14, 2012

      Danke für deine lieben Worte :*
      Ihm geben…nein, es wäre nur eine Qual für ihn und für mich. Für ihn weil er antworten „müsste“ und für mich, weil ich warten und zuhören müsste…

      (Ich stimme Träumerin übrigens zu, auch ich finde deinen Vergleich wunderschön formuliert!)

      • mirrorjp · September 14, 2012

        danke für diesen schönen Brief! und Deinen Mut,es für Dich zu behalten.
        Ich wünsche Dir sehr, dass ein anderer auch so eines Tages von Dir geliebt wird und Dich zurück liebt
        und das Yaya dich nicht mehr durcheinander und vorallem zum leiden bringt…
        es gibt irgendwo eine andere Bühne auf der DU der Star bist/wirst

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