Vom Ankommen

„Dieses ewige Hin und Her nervt mich Ninjaan, ich will endlich ankommen!“

Ankommen.

Der Kazoospieler wünscht sich, beruflich und im Allgemeinen, endlich anzukommen. Ankommen. Für mich klingt dieser Wunsch  befremdlich. Ich würde gerne fragen, was denn nach dem Ankommen kommt? Ankommen klingt für mich nach einem Dauerzustand und diese schrecken mich bekanntlich ab.

Ich habe seine Worte gelesen und doch sind sie für mich so unverständlich, als hätte er sie in einer anderen Sprache geschrieben. Auch meine Freundin Jackson benutzte erst kürzlich diese Formulierung. Ankommen, endlich. Als würde ein unsichtbares Band die beiden Worte miteinander verbinden, als würde alles was wir tun nur ein Ziel haben: Ankommen.

Der Weg ist das Ziel.

Konfuzius soll das gesagt haben. Ohne mich jemals mit ihm oder diesem Zitat näher zu beschäftigen ist es doch mein stilles Mantra. Mein einziges Ziel ist der Weg. Nicht stehen bleiben, nicht ankommen – denn was sollte ich tun, wäre ich erst einmal angekommen? Was tut man dann im Allgemeinen? Ein Haus kaufen oder eine Eigentumswohnung? Heiraten und Kinder kriegen? Und dann? Verharren?

Nicht das ich den Wunsch nach diesen Dingen nicht nachvollziehen könnte, auch wenn es nicht meiner ist. In einer Partnerschaft zu leben, etwas ganz Eigenes wie ein Haus zu besitzen, Kinder zu bekommen – alles wunderschöne Dinge. Aber Ankommen? Ist Ankommen nicht das Erreichen des Ziel´s, das Ende des Weges? Wie geht es denn danach weiter? Hört man auf zu suchen? Verlässt man den Weg und kehrt ein, kommt an?

Betrachte ich die Menschen in meinem Umfeld, die ihr Ziel, das Ankommen, erreicht haben. So beneide ich, bei allem Respekt, nicht einen von ihnen. Ich spreche ihnen nicht das Glücklichsein ab, sollten sie es denn sein, aber ich möchte nicht mit ihnen tauschen und meine Abneigung dem Ankommen gegenüber verstärkt sich bei genauerer Betrachtung.

Der Gedanke an das Ankommen schnürt mir die Kehle zu, ich habe Pläne, Träume, aber ihre Verwirklichung ist nicht Ankommen, sondern nur ein  weiterer Schritt auf meinem Weg. Spreche ich dies aus, sehe ich das Unverständnis in den Augen meiner Gesprächspartner aufblitzen, jenes befremdliche Gefühl scheint sie zu befallen, dass mich überkommt sobald jemand vom Ankommen spricht. Und manchmal erscheint mir dieses gegenseitige Unverständnis zwischen mir und den Anderen wie eine unsichtbare Mauer.

Ein wenig wehmütig denke ich an den Menschen zurück, der mich ohne große Worte verstand, der, ebenso wie ich, den Weg, die Reise bevorzugte.

Und ich wollte nicht ankommen mit dir, bei dir, durch dich – sondern mit dir weiterziehen, reisen und suchen. Einen kleinen Abschnitt des langen Weges mit dir teilen, weil es schön war jemanden zu haben, der versteht.

 

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2 Kommentare

  1. Ich♥Dich · September 28, 2012

    Ich habe momentan auch das Gefühl, endlich ankommen zu wollen. Wie Träumerin aber schon sagte, kann es gern temporärer Natur sein.
    Aber ich möchte ruhig werden, runter kommen, mich nicht durch das Leben gehetzt fühlen. Und so war es dieses Jahr. Eine ständige emotionale Achterbahn und Unzufriedenheit an allen Ecken und Enden. „Ankommen“, „sich zuhause fühlen“, das fehlt mir gerade sehr.
    Und ich habe leider das schlechte Gefühl, dafür bräuchte ich einen Partner. Und ankommen heißt auch nicht Stillstand. Man kann sich ja immer weiter entwickeln. Ich würde mich trotzdem gern in einem sicheren Hafen entwickeln.

  2. Träumerin · September 26, 2012

    Ich sage oft „Ich fühle mich noch nirgends angekommen.“ Damit meine ich, nicht bei dem/den richtigen Menschen, nicht am richtigen Ort…..
    Ankommen kann man ja durchaus öfter im Leben. Von daher sehe ich das Ankommen auch nicht negativ. Ankommen heißt für mich einfach, dass es sich richtig anfühlt: Da wo ich gerade bin und mit der Person, mit der ich gerade bin. Ankommen kann man auch immer wieder auf neuen Zwischenstationen, es muss nicht gleichbedeutend mit Endstation sein.

    Das was Du meinst, wäre mir auch ein Gräuel. Es würde heißen, jetzt ist es so und es bleibt für immer so. Aber man hat ja doch immer wieder auch Lust auf Neues. Von daher kann man auch für eine gewisse Zeit wo ankommen und dann eben weiterreisen.

    Ankommen ist ein Gefühl…..und man – oder zumindest ich – hat es nur sehr selten. Das letzte Mal hatte ich es in meiner Lieblingsstadt und als ich IHN umarmte. Tja weder wohne ich in meiner Lieblingsstadt noch gibt es IHN noch in meinem Leben. Von daher kann das Ankommen auch immer wieder Abschied bedeuten…..

    Von daher, ich verstehe Euch beide, den Kazoospieler und auch Dich.

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