Reflektion ist alles!

Alles steht und fällt mit der Reflektion. 

Das zumindest trichtert man Pädagogen jeder Couleur ein. Egal was du machst, wie du es machst, wenn du es ordentlich reflektieren kannst, ist alles gut. Vielleicht ist das nicht nur in der pädagogischen Arbeit so? Vielleicht könnte man diesen Satz, den ich zugegebenermaßen für leicht überzogen halte, auch auf andere Bereiche des Lebens anwenden? Warum auch nicht?

Gut, in weiten Teilen wird es eine reine Selbstreflektion sein, die sonst keiner, ausser vielleicht der engsten Freunde und Familie, beurteilen könnte. Aber auch Selbstreflektionen, ganz allein mit sich selbst, können hilfreich sein, dass kann ich aus der Praxis tatsächlich bestätigen. Und hilfreich ist doch immerhin schon mal ein Anfang. Hilfe klingt immer gut, brauchen wir alle mal – ich auch, gerade besonders. Und was könnte mir besser helfen, als eine Reflektion?

Und da ich mich seit Wochen, nein Monaten, vielleicht sogar schon bald 1 1/2 Jahren (!) in einer Art „Pattsituation“ befinde, wäre es vielleicht tatsächlich mal angemessen mich selbst zu reflektieren. Genauer gesagt, meine Art zu lieben.  Wie genau ich darauf komme? Nun, den Denkanstoß gaben mir zwei, eher so beiläufig im Gespräch gefallene Sätze, von zwei Freundinnen.

So sagte mir die Eine vor wenigen Tagen, dass meine Gefühle gegenüber Yaya schon an „Besessenheit“ grenzen würden. Ich sehe das zwar nicht so, aber vielleicht nur, weil ich mich nicht genug reflektiere? Vielleicht, weil es mir selbst nicht auffällt, vielleicht weil einem selbst, Besessenheit äußerst selten bewusst ist?

Eine Andere erzählte mir heute von einer gemeinsamen Freundin die, zumindest gefühlt, zum 100mal in diesem Jahr verliebt ist, natürlich so richtig, richtig echt. Ich seufzte nur und gestand, dass ich unsere Freundin beneiden würde, weil sie sich immer auf´s Neue so verlieben kann…eben solange, bis mal der Richtige kommt und vor allem auch bleibt (!). Sie ist dann mit Haut und Haaren dabei, wenn der Typ dann weg ist, leidet sie auf höchstem Niveau, bis der nächste kommt – es erscheint wie eine endlos Schleife – aber warum nicht? Besser als Ewigkeiten an etwas zu hängen und vor allem Ewigkeiten zu brauchen, bis man einmal wieder das Gefühl der „Verliebtheit“ empfinden kann, welches, seien wir mal ehrlich, doch wirklich toll ist, egal für wie lange es anhalten mag. Meine Freundin stimmte mir zu, auch sie würde die Andere heimlich beneiden, aber sie wäre da ja auch nicht „soo extrem“ wie ich, die sich nur alle Jubeljahre mal verliebt, von lieben gar nicht zu sprechen.

So, da sagen mir also zwei meiner besten und ältesten Freundinnen, dass ich irgendwie eine „extreme“ Art an mir habe, wenn es um die Liebe geht. Das sollte tatsächlich zum Nachdenken anregen. Was ist denn bei mir so „extrem“ und warum fällt es mir selbst überhaupt nicht so auf? Haben meine Erfahrungen mit Männern mich so gemacht oder habe ich einfach einen Hang dazu?

Bin ich extrem? Bin ich eine extreme „Liebhaberin“ und eine extreme „Nicht Liebhaberin“ ?

Dazu sollte ich vielleicht einfach mal einen Blick auf „meine Männer“ werfen, einen etwas intensiveren, vom Ersten bis zum Letzten. Vielleicht wird es bei genauerer Betrachtung, bei einer Reflektion, plötzlich „Klick“ machen?

Ein Versuch ist es wert.

Also erzähle ich morgen mal von dem Ersten, Viko, dem Jungen (er war noch kein Mann) mit dem, für damalige Verhältnisse, schönstem blonden Pottschnitt und der coolsten Lederjacke überhaupt.

Reflektion ist alles! Und Sokrates sagte schon:

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In absolut beschissenen Zeiten…

 

muss man manchmal Dinge tun die völlig unvernünftig sind, damit es einem besser geht.

Und wo geht es ninjaan besser, immer besser als hier? Richtig, in Jerusalem!

Und weil ich im Dezember Geburtstag habe und meine Mutter meinen „jämmerlichen“ Anblick kaum noch ertragen kann, hat sie meinen Vater und andere dazu überredet, mir einen Flug nach Jerusalem zu schenken – damit ich spätestens dann wieder mal richtig Freude haben kann.

Unvernünftig ist es allemal, da ich, wir, uns das gar nicht leisten können und ich glaube ich, nicht mal wirklich so viel Urlaub habe? Aber egal…lässt sich alles regeln. Und bei diesem Anblick empfinde ich tatsächlich schon so etwas wie Vorfreude.

Ich danke euch Mama und Papa! Ihr seid die Besten!!!

 

Verlorene Zeit

Ich bin erstaunlich still, oder? Dafür, dass ich nichts wirklich tue, die Arbeit auf meinem Schreibtisch überquillt, ich die Uni schon zwei Tage habe ausfallen lassen und die meiste Zeit einfach zuhause verbringe, schreibe ich so gut wie nichts. In zwei Wochen 3 Artikel, das war schon mal anders. Die Kopfschmerzen haben ein wenig nachgelassen und ich schlafe wieder ein wenig, aber die Leere, die Leere in mir, verschwindet nicht.

Und so bleiben mir die Worte im Hals stecken, die Gedanken finden keinen Weg meinen Kopf zu verlassen…Schweigen, darin bin ich zurzeit ganz groß. Ich will niemanden langweilen, nicht meine Blogleser, nicht meine Freunde. Es ist doch alles gesagt, worüber sollte ich jetzt noch sprechen? Nur um mich zu wiederholen, denn nichts anderes als Wiederholungen habe ich im Kopf?

Ich kann gerade weder vor noch zurück, ich erlebe einen Stillstand, der mir bis dato unbekannt war, das Erschreckende dabei, die Zeit vergeht dennoch. Der Kalender zeigt den 14. Oktober an – wo sind die ganzen Tage, die Stunden geblieben?

Jeder Tag den ich nicht mit Leben fülle, den ich ohne Ziel verstreichen lasse, ist ein verlorener Tag, der niemals zurückkommt.

Doch auch diese Gedanken sind kein Antrieb, können mich nicht aus diesem Loch befreien in dem ich mich gerade befinde, im Gegenteil, sie lähmen mich zusätzlich.

Selten hat mir die Endgültigkeit einer Sache so zugesetzt.

Wieviel Tage muss ich noch verschwenden, wieviele Stunden noch schweigend mit mir selbst verbringen?

Und warum fehle ich dir nicht?

Von den Steinen auf dem Weg

In ganz melancholischen Momenten, von denen ich zurzeit nicht allzu wenig habe, frage ich mich selbst, warum immer mir so große Steine in den Weg gelegt werden müssen, warum nicht mal bei mir einfach alles glatt laufen kann? Mein Lebenslauf hat auffällig viele Ecken und Kanten und nicht selten musste ich regelrechte Harken schlagen, um dahin zu gelangen, wo ich hin wollte. Das ist nichts besonderes, kein Einzelfall und das ist mir in allen anderen, nicht melancholischen, Momenten auch bewusst. Aber eben nicht immer und in welcher Verfassung ich auch immer sein mag, ich schiele nur allzu gerne, leicht neidvoll, auf jene Menschen, bei denen zumindest die meiste Zeit ihres Lebens, alles relativ glatt läuft.

Von meinem schwierigen Gespräch mit der Professorin über meine Möglichkeiten eine Doktorarbeit zu schreiben, hatte ich bereits berichtet, auch davon, dass ich einen Masterstudienplatz für Sozialwissenschaften an einer sogenannten „University of applied sciences“ habe (besser bekannt unter FH). Letzteres stimmte mich, vor allem nach dem doch recht ernüchterndem Gespräch mit der Professorin, heiter. Seit meiner Rückkehr hatte ich mich nur darauf gefreut, endlich das Studium zu beginnen, um in 2 Jahren wieder vor eben dieser Professorin zu sitzen und ihr zu sagen, dass ich nun ganz frisch einen Master habe und mehr als bereit wäre für die Promotion – koste es was es wolle!

Ich war absolut guter Dinge. Ich habe einen 1er Durchschnitt im Diplom, gute Noten in Berlin für meine Ausarbeitungen zur qualitativen Forschung bekommen – ich bin gerüstet und motiviert, was soll da noch passieren? Immerhin war dieser FH auch schon mein Thema bekannt, da wir dazu verpflichtet waren eine Projektskizze mit der Bewerbung einzureichen – ich wurde angenommen, also ist doch alles gut!?

Leider ist diese „Alles ist gut Seifenblase“ bereits am Dienstag geplatzt. Dienstag war offizieller Vorlesungsbeginn. Von 8 Uhr morgens bis 17:30 Uhr Seminare, ohne längere Pause – gleich zweimal Seminare zur quantitativen Forschung (mein Hass-Fach). Aber auch da war ich noch motiviert, da beiß ich mich durch!

Die letzten beiden Seminare (3 Stunden!) fand das sogenannte „Projektseminar“ statt. Über 3 Semester hinweg soll in diesem Seminar an unserer Projektskizze gefeilt werden, bishin zur Masterarbeit. Klingt gut, kenne ich schon aus Berlin. Leider gibt es nur 2 Gruppen, in die wir von der FH eingeteilt wurden. Die eine Gruppe beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema Bildung, die Zweite läuft unter dem Oberthema „Gesundheit“, in diesen Bereich fällt jedoch auch Migration, mein Thema.

Wir sind nur 9 Leute in dem Seminar, während das andere überquillt. Professor A bei dem wir die ersten beiden Stunden haben stellt sich als Gesundheitswissenschaftler vor, mit dem Schwerpunkt „quantitative Forschungsmethoden“. Super denke ich mir, der fällt für mich wohl schon mal flach, vor allem, da er zugibt keine besondere Ahnung von Migrationsforschung, Rassismusforschung usw. zu haben. Meine Hoffnung liegen bei der Professorin B., die nach 1 1/2 Stunden endlich auftaucht. Sie ist Psychologin, Gesundheitswissenschaftlerin und sowohl mit der quantitativen als auch der qualitativen Forschungsmethode vertraut. Langsam wird´s eng für mich, denke ich mir, sage aber nichts.

Alle stellen nach und nach ihre Projekte vor. Typische Sozialarbeiter Projekte, nicht gerade mein Interessengebiet, aber dennoch höre ich gebannt zu, vor allem aber, weil ich mich frage, welche Projektskizze die Meisten eingereicht haben, da ihre Ideen alle so wage formuliert sind, als hätten sie sich das Thema gerade überlegt. Mich wunderts nicht, ich halte den Anspruch, vor dem Studium schon zu wissen worüber man seine Masterarbeit schreiben will sowieso für sehr fragwürdig, dennoch macht es mich stutzig, weil es eben eine Voraussetzung für die Aufnahme war.

Als Vorletzte bin ich an der Reihe. Ich habe ausser meiner Projektskizze eine weitere Idee, bin mir aber nicht sicher, ob ich diese verwirklichen darf, da die Regel lautet: „Keiner darf sein eingereichtes Thema komplett ändern, nur leichte Abweichungen werden akzeptiert.“.

Die Macht des Wortes –  Eine kritische Betrachtung des Begriffs „Mensch mit Migrationshintergrund“ im öffentlichen Diskurs und in ausgewählten Bereichen der Kinder- und Jugendarbeit.

Als ich meinen Titel verkürzt wiedergebe, zieht Professor A seine Augebraue hoch. Mein erster Gedanke war, dass ihm bewusst wird, dass er von „Diskursanalyse“ als Gesundheitswissenschaftler und Vertreter der quantitativen Forschung wenig Ahnung hat und er sich fragt, wie er mich dabei unterstützen soll. Als ich jedoch fortfahre, meine Hypothese beschreibe, fällt er mir ins Wort. Was ich denn damit sagen wolle, was mir denn nicht an dem Begriff gefallen würde? Ich antworte, kurz und knapp. Ich bekomme nur ein Kopfschütteln und die Antwort: „Das finde ich nicht! Ich benutze den Begriff weiterhin!“ – Mein Argument, dass er dies ja tun könne und es nicht darum geht etwas zu verbieten, sondern für etwas zu sensibilisieren geht er nicht ein, auch nicht auf meinen Vorschlag sich erstmal meine Projektskizze anzusehen. Er fragt mich, ob ich mir das mal so überlegt hätte, das das rassistisch sei. Obwohl ich dies nicht einmal so gesagt hatte, gehe ich auf seine Frage ein, ich habe mehr als 4 Seiten Literaturverzeichnis (bei einer Projektskizze!) Fachliteratur, Forschungen, Artikel – alles dabei, ich nenne ihm auch mehrere Namen renommierter Soziologen, Philosophen und Erziehungswissenschaftler, aber er macht einfach nur dicht. Seine Kollegin Professorin B. bemüht sich ein wenig um Verständnis und wiederholt „Mantra artig“ die Begriffe „Zugehörigkeit und Identität“ . Meine zweite Idee wird überhaupt nicht mehr richtig begriffen und gleich abgewehrt.

Da saß ich nun, mit einem Thema, dass ich nicht wechseln darf, einer Änderung die nicht angehört wurde und 2 Professoren die weder gewillt noch wirklich kompetent sind, mir bei dieser Aufgabe beizustehen. Ein herber Rückschlag für mich, zumal ich, nach der Zulassung, davon ausgegangen war, mein Thema würde kein Problem darstellen. Meine Motivation ist dahin, alle anderen Themen, auch wenn es diese in ähnlicher Form schon 100mal gibt, wurden bejubelt, nur meines verissen.

Ja, ich weiss, mein Thema ist nicht angenehm, meine Hypothese gewagt, aber sie ist nicht sonderlich radikal, nicht wenn man sie mit den Aussagen von Leuten wie Mecheril, Heitmeyer oder Nghi Ha vergleicht. Benedikt Köhler von der Bundeswehruniversität München geht mit dem Begriff „Migrationshintergrund“ in einem Essay noch viel härter ins Gericht, als ich es jemals angedacht hätte. Vielleicht ist es mir desegen, ob dieser breiten Masse an Veröffentlichungen zu dem Thema, so unverständlich, warum gerade ich ständig an Professoren gerate, die mein Thema mit aller Macht nieder schmettern wollen, weil sie glauben, ich würde allen, und vor allem ihnen selbst, die sie diesen Begriff täglich mehrfach benutzen, an den Karren …. wollen.

Das ist jetzt die zweite Hochschule an der Professoren mein Vorhaben abblocken. Niemals allerdings mit wissenschaftlichen Argumenten, sondern immer nur mit Argumenten wie “ Ne, ich bin kein Rassist!“ oder „Das finde ich nicht! Das gefällt mir nicht!“ . Würde einmal jemand kommen und mir wissenschaftlich darlegen, warum mein Thema nicht gut sein sollte, würde ich vielleicht meine Meinung ändern, aber bei all dieser Gegenwehr aus dem sogenannten „akademischen Lager“ werde ich das Gefühl nicht los, dass ich mit meiner Annahme gar nicht so verkehrt liegen kann.

Ich werde also wie schon xmal zuvor, mir den Weg selbst freiräumen müssen, die Steine mühsam zur Seite schaffen, um das zu machen, wovon ich überzeugt bin – falls das hier ein Sozialwissenschaftler lesen sollte, der ebenso wie Professor A allein anhand meines Titels mein Thema zurückweisen kann, dann möge er oder sie sich bitte bei mir melden, vielleicht kann mir ja doch einmal jemand erklären, warum gerade mein Thema so „unnütz“ sein soll…

„Asthma ist…

das Schluchzen der Seele.“

Jedenfalls hat das mein Hausarzt vor mehr als einem Jahrzehnt einmal behauptet. Von all seinem Gesundheitsgefasel ist dieser Satz als Einziges bei mir hängen geblieben. Vielleicht weil er so romantisch klingt?

Das Schluchzen der Seele.

„Wein mal richtig.“ – sein Ratschlag, als ich damals, obwohl eigentlich allergisches Asthma, mehrere Anfälle hintereinander hatte und die Frage mit „Wann hast du zuletzt mal so richtig geweint?“ mit „Kann ich mich nicht dran erinnern.“ beantwortet habe. Weinen fand ich damals uncool – es ist heute noch nicht meine Stärke. Wobei ich sicher mit dem Tränen vergießen heutzutage noch gerade so im „normal“ Bereich liege.

Ob Weinen, den Schmerz rauslassen, wirklich einen Einfluß auf das Asthma hat? Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich nach 6 Tagen immer noch nicht geweint habe, mein Kopf weiterhin dröhnt und ich seit heute Kortison nehmen muss – weil mir die Luft wegbleibt, wenn ich liege, wenn ich sitze…wie zugeschnürt. Asthma, sagt der Spezialist und wundert sich, weil nichts mehr blüht, dass einen Anfall auslösen könnte.
Er sagt nichts über das Schluchzen der Seele. Er ist ja auch Facharzt und kein Naturheilkundler.

Der totale Absturz

Uhrzeit: Irgendwann nach Mitternacht

Ort: Kat´s Küche, Hamburg, später Reeperbahn

Beteiligte Personen: Kat, Plitschi, Ninjaan

Umstände die zur Tat führten: Eine Flasche Ouzo, eine halbe Flasche Vodka und ein Handy

Wir saßen schon eine Weile zusammen in der Küche, die Gläser waren im Minuten Takt leer, glücklich sind wir gerade alle nicht wirklich, da geht das noch schneller. Um halb 1 beginnt die Diskussionsrunde „Darf Ninjaan Yaya in diesem Zustand anrufen?“ Es gibt Pro und Kontra. Der Haupt „Pro-Punkt“: Es gibt eh nichts mehr zu verlieren und wenn Ninjaan es sich so wünscht, warum nicht? Der stärkste „Kontra-Punkt“: Er könnte nicht rangehen, aus welchem Grund auch immer, und dann bist du noch trauriger.

In meinem Kopf dreht sich alles, ein klarer Gedanke war schwer zu fassen, der Ouzo knallt mehr als erwartet. Mit jedem Schluck steigt die Gleichgültigkeit und die Hemmschwelle sinkt. Was soll schon passieren? Ich rufe nur kurz an, nur ein kurzes Gespräch – warum sagt er nichts, via Email zum Beispiel – bin ich so schnell vergessen? Ich muss es hören, will es hören und irgendwo tief in mir spricht die dumpfe Stimme der Hoffnung zu mir…

Kat und Plitschi geben grünes Licht, sie sind selbst betrunken, traurig, Ninjaan soll nicht so traurig sein, was soll schon passieren?

Der letzte Anflug von Verstand lässt mich noch schnell meine Nummer unterdrücken – es hat mich immerhin 15 Euro gekostet!

Es klingelt, er ist in der selben Stadt wie ich, mein Herz rast, Kat und Plitschi starren gebannt auf das Handy in meiner Hand. – Niemand nimmt ab. So spät ist es nicht, ich schüttel die Zweifel ab und wähle noch einmal die Nummer. Es klingelt 3mal, dann hört das Klingeln auf. Stille. Kein Wort. Ich halte die Luft an und setze schließlich an, versuche nicht zu lallen: „Hey Yaya….hi!“

Stille. Dann ein Besetztzeichen. Er hat aufgelegt. das Dröhnen in meinem Kopf wird unerträglich laut. Kat und Plitschi sind geschockt, sagen nichts. Ich wähle erneut die Nummer, das muss ein Versehen gewesen sein, er legt doch nicht auf, wenn er meine Stimme hört. Es klingelt genau 3mal, dann ertönt das Besetztzeichen abermals.

Mit glasigen Augen sehe ich zu Plitschi, sie sitzt mir direkt gegenüber. Sie stammelt etwas, ich verstehe sie nicht, ich höre nur das Dröhnen in meinem Kopf und den Besetztton, als hätte ich noch nicht aufgelegt. Noch einmal nehme ich das Handy in die Hand. „Tu es nicht Ninjaan…bitte…“ Plitschi´s Stimme zittert. Ich schüttele nur den Kopf, mir ist schwindelig, das kann nicht sein. Ich wähle erneut. Nach 2 Mal klingeln der Besetztton.

Yaya hat aufgelegt, als er mich gehört hat und mich danach weggedrückt. Er hat nicht das Klingeln ignoriert, den Ton auf lautlos gestellt, sondern mich weggedrückt.

Ich stehe auf, mir ist so schwindelig, ich sehe schlecht, vielleicht liegt es am Alkohol, vielleicht an den Tränen in meinen Augen, aber ich kann nicht weinen. Ich will raus, raus und vergessen und mehr trinken, bis ich vergesse, was man nicht vergessen kann.

Ich schreibe noch eine Nachricht bei Skype, etwas über Respektlosigkeit, böse Worte, davon, dass ich eine Freundin war und ich verfluche ihn auf persisch.

Wir gehen aus, erst zu dritt, später nur Kat und ich. Ich trinke weiter. Wir sind auf der Reeperbahn in einem Club, Kat will mich vom Trinken abhalten, aber ich will nicht. Ich fühle mich betäubt, es gibt kein besseres Gefühl als das, nicht in diesem Moment. Ich streite mit ihr, tanze, rede, flirte, wirke wie leichte Beute für Männer. Mir ist alles egal, mein Kopf dröhnt noch immer, ich muss vergessen.

Ich tanze mit einem Typ, von dem ich nicht sagen kann, ob ich ihn attraktiv finde, weil es egal ist. Er kann tanzen, er lenkt mich ab. Irgendwann küssen wir uns, ich fühle sowieso nichts. Kat will mich nach Hause bringen, ich lehne ab…ich will nicht ins Bett, nicht nachdenken, ich will bleiben und feiern bis ich einfach umfalle. Irgendwann gibt sie auf, Ninjaan ist alt genug und bleibt bei dem Typ im Club.

Als er mich nach meinem Namen fragt sage ich ihm, dass es keine Rolle spielt, weil wir uns nicht wiedersehen werden und ich ihn morgen vergessen habe. Komischerweise ist dieser Aufreisser tatsächlich für einen Moment geschockt, er nennt mich abgebrüht. Nein, nicht abgebrüht, denke ich, nur tot, Gefühlstot.

Ich komme morgens um 10 Uhr in Kat´s Wohnung an. Ich rieche genauso wie die Küche, nach Alkohol und Zigaretten. Ich warte bis sie aufwachen, in meinem Kopf ist Leere.

Ich schlafe nicht, bis Sonntag Nacht bin ich auf den Beinen. Danach falle ich in einen komatösen Schlaf, auf der Couch meiner Mutter, da fühle ich mich nicht so allein. Nicht allein sein, nicht zuviel denken…das tut weh, im Kopf, im gesamten Körper.