Ninja mood und seine Folgen

Mittwoch Abend, mitten in der Woche, ich sollte zuhause im Bett liegen, das Jahr ist wie verhext, alles geht daneben, mittlerweile sogar im Job. Tadel vom JA (tzzz) und geklautes Portemonai (auch unter den liebsten Jungs ist doch einer, der…). Ich liege aber nicht im Bett, sondern bin mit zwei ehemaligen Arbeitskolleginnen, wir trinken ein bisschen und hören Musik. Auf die Dauer wird das langweilig, in benebelten Köpfen entsteht die Idee ein Taxi zu rufen, ab in die nächste Großstadt, feiern gehen. Gut, es ist Mittwoch, aber was solls, das schaffen wir schon und wie vernünftig ist man schon nach ein paar Gläsern? Auf gehts, 80 Euro durch 3 geteilt, zu teuer, aber who cares?

Der Abend ist schön, wir tanzen, lachen haben Spass, alles ist gut, bis irgendwann, kurz vor Schluß die Katastrophe ihren Lauf nimmt. Eine meiner Arbeitskolleginnen, Nela, flirtet mit einem Mann, der aber wohl zuvor schon mit einer Anderen beschäftigt war. Diese tickt aus und geht auf Nela los, wir gehen dazwischen und werden prompt vor die Tür befördert, die Angreiferin hat einen Bruder der Türsteher ist – keine Chance für uns. 25 Minuten muss ich mich mit den Türstehern streiten bis mir der umkämpfte Mann von Nela meine Jacke holen darf.

Draussen auf der Straße wird weiter gepöbelt, Nela ist überfordert, ich bin durchgefroren und drehe durch. Ich wiederhole lieber nicht was ich sagte, aber schön war es nicht. Ein junger Mann der plötzlich auftauch hält mich zurück, will mich beruhigen, redet auf mich ein, ich bin schon fast blind vor Wut – ninja mood auf nahezu höchster Stufe. Aber ich beruhige mich, der ninja mood zeigt Wirkung und das Mädchen (Frau mag ich sie nicht nennen), wird ruhig und geht.

Ich will nachhause, glaube nicht, dass die Sache schon erledigt ist, ich kenne das zu gut. Aber auf mich hört keiner und so latschten wir zum nächsten Club, direkt auf die Tanzfläche. Der junge Mann ist noch an meiner Seite, ich habe keine Lust mich zu unterhalten, erst recht nicht, als ich bemerke, dass auch das Mädchen in diesem Club ist und Nela schon mit den Blicken anvisiert hat.

5 Minuten dauert es, vielleicht weniger, dann greift sie Nela ein zweites Mal an, diesmal gleich mit der Faust. Unsere andere Freundin hält Nela zurück, ich das Mädchen. Sie schlägt wild um sich – meine ninja mood Leuchte ist auf rot gestellt. Weil sie nicht aufhört und ich mich nicht mehr beherrschen kann, packe ich sie am Schopf und werfe sie gekonnt (nein, ich mache eigentlich Kampfsport, aber wir Sozialarbeiter haben so einiges drauf, wenns sein muss…) auf den Boden. Als ich mich aufrichte, sie loslasse sehe ich nur noch zwei Türsteher auf mich zukommen – eine Sekunde später werde ich mit voller Wucht weggestossen und liege auf dem Boden. Ich will aufstehen, aber ich kann es nicht mehr, mein Knie knickt weg.

Der junge Mann eilt zu mir, hilft mir auf. „Ich kann nicht mehr gehen!“ sage ich mit zitternder Stimme. „Ich bringe dich raus, bevor sie die Polizei rufen!“ beruhigt er mich. Meine Freundinnen sind weg, keine von ihnen geht ans Telefon, wir stehen draussen, naja ich stehe weniger und hänge eher an seinem Arm – der Schmerz treibt mir die Tränen in die Augen. Er wolle mich zum Bahnhof bringen, ich könne nicht hier bleiben, wir nehmen ein Taxi. Ich denke noch, wie anständig das von ihm ist, wo er mich doch gar nicht kennt. Am Bahnhof angekommen, versucht er mich zu küssen, fragt ob ich mit ihm in ein Hotel gehen will. Geschockt sehe ich ihn an, ich würde ihn gerne wegschlagen, aber dann könnte ich nicht mehr stehen, also weine ich. Ich weine bitterlich. Ich habe Angst, kann mich nicht wehren, wer weiß wie der Typ drauf ist?

Von meinen Tränen schockiert, stützt er mich bis zum Eingang vom Hauptbahnhof und dreht sich dann wortlos um und geht. Anständig sieht anders aus. Ich lehne an einer Wand, stehe auf einem Bein, der Schmerz wird immer stärker, die Tränen laufen mir über´s Gesicht.

Ich ziehe mein Handy aus der Tasche, wen soll ich anrufen? Das hier ist Yaya´s Stadt, soll ich ihn anrufen, in diesem Zustand? Aber wen sonst? Es ist halb acht Uhr morgens, ob er schläft? Ich traue mich nicht, beginne noch mehr zu weinen und wähle Plitschis Nummer, sie geht sofort ran. Vor Schluchzen versteht sie kaum ein Wort, sie hört mich nur immer „Sag mir, kann ich Yaya anrufen? Kann ich ihn anrufen? Kommt er um mir zu helfen?“ sagen. Nach und nach erkläre ich ihr die Situation, sie hat kein Auto, kann mich nicht holen. Ich solle ihn nicht anrufen, erstmal nur eine Sms…man weiss nie und würde er nein sagen? Dann würde ich, Ninjaan, doch total zusammenbrechen. Recht hat sie. Ich weine weiter, die Menschen am Bahnhof würdigen mich keines Blickes, nicht mal die Bahnhofsmission macht halt, um mir Hilfe anzubieten (Wofür genau sind sie nochmal da?)

Ich schreibe Yaya eine Sms „Bist du wach?“, mehr sage ich nicht, hoffe er antwortet schnell. Tut er aber nicht. Mein Akku ist fast alle. Plitschi ruft mich wieder an, sagt mir von welchem Gleis mein Zug fährt und wann, hat meine Mutter informiert, die  mich vom Bahnhof abholen wird. Ich brauche 20 Minuten bis zum Gleis, weil ich kaum laufen kann, zweimal beinahe vor Schmerzen zusammenbreche, niemand bietet mir Hilfe an, meine Tränen versiegen, ich muss hier weg, es ist kalt.

Ich erwische den Zug gerade noch, schlafe vor Erschöpfung ein und der Schaffner verschont mich, aus Mitleid, kurz vor meiner Haltestelle, 40 Euro Strafe für´s Schwarzfahren zubezahlen. Wenigstens ein netter Mensch. Mittlerweile habe ich Nachricht von meinen Freundinnen, sie seien noch in Hannover, hätte mich verloren, Nela sei ohnmächtig geworden, vor lauter Alkohol. Es hagelt Entschuldigungen, weil ich allein gelassen wurde, solange bis mein Handy ausgeht.

Ich verbringe den ganzen Tag in der Notaufnahme des KH, was mit meinem Knie ist wissen sie nicht, kein Bruch sagt das Röntgenbild. Ich bekomme eine Schiene und eine AU und eine Überweisung zum Orthopäden.

Abends erreicht mich eine Sms von Yaya, er sei wach und wer ich wäre. Ich antworte nicht, was sollte ich auch sagen?

4 Tage später bin ich beim Orthopäden, er punktiert mein Knie und zieht 8 Spritzen Blut heraus, er ist erschrocken. Er befürchtet etwas sei mit meinen Bändern nicht in Ordnung. Krankschreibung für 2 Wochen, Überweisung zum Radiologen und das Verbot am 17.12. zu fliegen – keine Chance. Wäre mein Neffe nicht mit mir in der Arztpraxis gewesen, hätte ich sicher wieder geweint – manchmal ist es einfach zuviel…

Und das alles, weil ich im Ninja mood einer Freundin geholfen habe…

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2 Kommentare

  1. mirrorjp · Dezember 12, 2012

    ohohoh
    das liest sich gar nicht gur – krimi pur
    du hast mein volles Mitleid bei allem! Knie, Freundinnnen, Urlaub und Yaya!!!

    – btw in der Nähe von H habe ich mal gelebt, ich mag diese Stadt nicht …

    • ninjaan · Dezember 21, 2012

      Huch! Deinen Kommentar sehe ich jetzt erst! Es war eher Albtraum als Krimi…ich frage mich die ganze Zeit wie ich es überhaupt noch geschafft habe zu gehen…das kann ich nämlich immer noch nicht, auch nicht nach 2 Wochen…
      Ja…H. is nicht so toll. Meine Mutter flucht jeden Tag, sie würde mir nun verbieten dorthin zu gehen, nicht mal für die möglicherweise anstehende Op (is wohl ein Kreuzbandriss…) 😉

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