Tiefpunkt der Freundschaft

Du änderst deinen Kleidungsstil und deine Ausdrucksweise und manchmal sehe ich dich an und du bist mir plötzlich so fremd und ich höre dir zu und verstehe nicht mehr was du sagst. Und ich will dich schütteln und dich anschreien, und betteln, dass du bitte wieder du sein sollst, aber ich schweige. Weil du sagst, dass du so glücklich bist  und das brauchst. Wer bin ich, dir das nehmen zu wollen? Nur, warum weinst du dann so viel mehr als früher?

Du hast deine Gedankenwelt auf den Kopf gestellt und deine Ansichten und Prinzipien über Bord geworfen und manchmal kann ich dir nicht mehr folgen, wenn du erzählst und ich kann dir nicht mehr zustimmen. Und dann will ich dich schütteln und dich anschreien und betteln, das du bitte wieder du sein sollst, aber ich schweige. Weil du sagst, das sei immer so gewesen, das seist du, wie du immer sein wolltest. Wer bin ich also, dir das nehmen zu wollen? Nur, warum hast du dann aufgehört zu lächeln?

Du hast deine innere Balance gegen Unausgeglichenheit eingetauscht und deine Vertrauenswürdigkeit gegen Undurchsichtigkeit und manchmal bin ich damit überfordert und weiss nicht mehr, was ich dir überhaupt noch glauben kann. Und dann will ich dich schütteln und dich anschreien und betteln, dass du bitte wieder du sein sollst, aber ich schweige. Weil du sagst es wäre alles gut, so wie es gerade ist. Wer bin ich dir das nehmen zu wollen? Nur, warum ist dann das Vertrauen zwischen uns so erschüttert?

Du bist mir gegenüber manchmal so feindlich und setzt unsere Freundschaft offenkundig aufs Spiel und manchmal spüre auch ich diese Feindschaft und will unsere Freundschaft einfach hinschmeissen. Und dann will ich dich schütteln und anschreien und betteln, dass du bitte wieder du sein sollst, aber ich schweige. Weil du sagst, zwischen uns kommt nichts und ich bin alles was du hast. Wer bin ich also, dir das nehmen zu wollen? Nur, warum bist du auf einmal nicht mehr alles was ich habe?

 

 

 

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Ein Bisschen von dir

Januar 2013

Amin: Where do u get all these songs from Ninjaan? I really cant believe it!! Awesome!

Ninjaan: Ha! I´m a music bomb! Whatever u like, any style, any language, doesnt matter!

Amin:  Haha music bomb! So show me please!

Ninjaan: I will! Promised!

März 2011

Yaya: What music do u prefer?

Ninjaan: Rap….classic.., good music?

Yaya: Aha! Good! Because, u should know that I am the music bomb! Whatever u like – I have it!

Ninjaan: Haha, music bomb!

Erst als Amin den Ausdruck „music bomb“ wiederholt und sich darüber amüsiert, erinnere ich mich. Ich habe den Ausdruck von dir, viel mehr aber noch die Tatsache, jetzt selbst eine „music bomb“ zu sein. Und wenn jemand da ist, so wie Amin, der genauso wie ich offen für alles ist (was Musik anbelangt), dann macht es Freude zu teilen. Dir konnte ich selten etwas Neues zeigen, du kanntest es doch eh schon, alles, jeden Film, jedes Lied – bei Amin kann ich mich austoben, kann auch ihn zu einer music bomb machen, wenn er denn möchte. Wenn er lange genug bleibt.

Ein bisschen, habe ich von dir mitgenommen. Es stürzt mich nicht in tiefe Trauer, sondern lässt mich lächeln,tumblr_m7yhj4dw7f1rri77io1_500 natürlich,  und etwas wehmütig, denke ich daran wie schön es wäre, dir davon erzählen zu können. Aber es geht auch so, muss so gehen.

Für den Fall, dass du jemals diesen Blog hier entdecken solltest möchte ich dir dennoch sagen: Danke Yaya, für all die Anregungen, das Schärfen meiner Sinne und das Erwecken verborgener Leidenschaften. Denn ein bisschen, habe ich das doch alles von dir.

 

Darf´s a bissel romantisch sein?

Muss nicht, eigentlich nicht, eigentlich schon lange nicht. Aber vielleicht bin ich sensibel geworden, in den letzten 2 Monaten in denen ich nahezu ununterbrochen das Bett hüte? Vielleicht ist es auch einfach mal an der Zeit für Romantik, ein bisschen Kribbeln – ein bisschen Unbeschwertheit?

Und just in dem Moment, in dem ich kurz davor bin endgültig in ein tiefes Loch zu versinken, weil ich nicht laufen kann, weil die Ärzte nur Mist bauen, weil ich ein Bewerbungsgespräch absagen muss, weil ich meine Klausuren dieses Semester nicht schreiben kann, weil ich ständig Schmerzen habe, weil ich kaum noch schlafe, da kommt sie um die Ecke. Die Romantik.

Sie kommt nicht wirklich um die Ecke, das klingt so gemächlich, viel eher verhält es sich wie bei zwei aufeinander zu rasenden Fahrzeugen. Hier ich und dort die Romantik. Und obwohl ich vielleicht noch Zeit gehabt hätte, das Lenkrad umzureissen, tue ich es dieses Mal nicht. Was habe ich zu verlieren? Nichts! Gut, also einen Frontalaufprall bitte! Jetzt!

Die Romantik kommt in der Gestalt eines jungen Mannes. Die Romantik heisst Amin. Amin und Ninjaan rede über Literatur, Politik, das Leben, ihre Leben und ihre Träume. Es gibt gar keinen Smalltalk, alles ist von Beginn an so gefühlsgeladen, so tief, dass ich das ein oder andere Mal zurückschrecken wollte, in alte Muster verfallen wollte, Ninjaan like – runaway like.

Aber ich tue es nicht. Ich tue es nicht, weil ich schon lange nicht mehr so gestrahlt habe, weil ich morgens mit glühenden Wangen den Laptop öffne, in freudiger Erwartung eine Nachricht bekommen zu haben, weil ich bei jedem Wort, das er schreibt oder ausspricht, lächeln muss. Mal weil es schön ist was er sagt, mal weil es lustig ist und mal, weil einfach sein Akzent so herzerwärmend ist.

Ich tue es nicht, weil ich  nichts zu verlieren habe, es kann ja nicht schiefer, als schief gehen – und selbst dann, hat sich jeder Moment (bis jetzt) immer noch gelohnt, weil ich wieder lächeln kann, weil ich aufgeregt bin, angeregt werde. Oh, wie sehr hat es mir gefehlt angeregt zu werden!

In wenigen Tagen soll unser erstes Treffen stattfinden. Ich bin aufgeregt, furchtbar nervös. Die 2 Monate im Bett tragen nicht gerade zum allgemeinen Wohlbefinden bei. Aber ich habe ein Kleid, dass ich noch nie getragen habe und das nun endlich zum Einsatz kommen wird! Wir werden gemeinsam kochen  (ausgehen ist nämlich die nächsten Wochen für mich nicht), er die Hauptspeise, ich die Nachspeise.

Liebe geht durch den Magen – Romanzen dann ja wohl auch?!

Ninjaan: Ich hasse Ärzte, ich bin so genervt von all dem. Manchmal glaube ich, sie haben ALLE persönlich etwas gegen mich, anders kann ich mir diese ständigen Fehler in meiner Behandlung nicht mehr erklären.

Amin: Oh, das tut mir leid. Was studierst du denn?

Ninjaan: Geschichte und Litertaur und du?

Amin: Rate…

Ninjaan: Keine Ahnung? Ingenieurwesen?

Amin: Nein…

Ninjaan: Oh Gott! Nein...

Amin: Doch..

Ninjaan: Medizin?

Amin: Jap…

Ninjaan: Welches Fachgebiet?

Amin: Allgemeine Chirurgie

Ninjaan: Kannst du mich nicht operieren?

Amin: Ich könnte dir den Blinddarm rausnehmen…vielleicht? 🙂

 

Arzt sein ist nicht leicht

– Patient zu sein allerdings auch nicht..

7.12.2012 Notaufnahme

„Tja, hm also wenn sie ihr Knie nicht beugen können, kann ich das jetzt auch nicht untersuchen. Das Röntgenbild zeigt nichts. Ich schätze (!) es ist geprellt. In drei Tagen ist das wieder gut. Schiene, Schmerzmittel und einfach hochlegen.“

10.12.2012 Orthopädische Fachpraxis

„Aha, so auf dem Röntgenbild war nichts? Also das Knie ist voller Blut!“ (Nach dem Punktieren): „Soviel Blut habe ich selten in einem Knie gehabt, kein Wunder, dass sie so unerträgliche Schmerzen hatten – hätten die im KH eigentlich sehen müssen. Naja, erstmal sind sie krankgeschrieben und es gibt ein MRT.“

Diagnose auf der AU: S80.0 GR (Kniegelenkprellung)

20 Minuten später zuhause:

„Ruf doch mal deinen Cousin an, der hatte das doch auch!“ – „Was hatte der auch? Ne Prellung?Ich dachte der hatte nen Kreuzbandriss?“ – „Ja, du doch auch!“ – „Wie? Wer sagt das?“ – „Na, das hat der Arzt eben noch zu mir gesagt!“ – „Oh, wie schön, dass er es dir sagt und nicht mir, seiner Patientin…“

21.12.2012 Orthopädische Fachpraxis

„Hm, also wenn das ein Kreuzbandriss ist dann sollte es ihnen aber eigentlich nicht mehr so weh tun? Belasten sie einfach  mal ein bisschen, dann geht das schon wieder!“

24.12.2012 Notaufnahme

„Warum kommen sie mitten in der Nacht ins Krankenhaus???“ – „Weil der ärztliche Notdienst gesagt hat, ich müsste kommen, um eine Thrombose ausschließen zu können?“ – „Warum sollten sie die haben? Nehmen sie keine Spritzen?“ – „Ne, mein Orthopäde meinte ich muss die nicht mehr nehmen..“ – „Natürlich müssen sie das!! Sie haben keine Thrombose, aber sie belasten anscheinend ihr Bein zuviel!“

02.01.2013 Orthopädische Fachpraxis

„Komisch, haben sie noch solche Schmerzen? Sie können ihr Bein ja immer noch nicht bewegen! Vielleicht ist das gar kein Kreuzband, sondern Meniskus?“ – „Fragen sie das jetzt mich?“ – „Nein, war nur so eine Überlegung. Wann war noch mal der MRT Termin?“ – Am 15.01., haben sie ja geklärt.! – „Habe ich das?“ – „Haben sie nicht?“ – Naja, wenn ich es gesagt habe. Nicht weiter  belasten, sie dürfen natürlich nicht arbeiten gehen!“ – „Ok, kann ich sonst irgendwas machen? Bewegungen, Physiotherapie?“ – „Was? Nein! Ihr Knie ist noch zu geschwollen. Da ist Blut drin, aber das hole ich da nicht raus, infektionsgefahr.“ – „Aha, ok.“

07.01.2013 Telefon

„Wie ich habe keinen MRT Termin? Den haben sie doch für mich vereinbart! Vergessen? Das können sie doch nicht vergessen haben! Ich warte seit einem Monat darauf! Ja, ja danke, machen sie das bitte. Am 15.!!!!“

15.01.2013 Radiologische Praxis

„Ihr Knie ist aber noch ganz schön geschwollen. Haben sie noch Schmerzen?“ – „Ja, habe ich.“ – „Also mit so nem Knie können sie nicht operiert werden am Kreuzband. Das muss erstmal weg!“ – „Ok, danke.“

15.01.2013 abends bei Skype, Gespräch mit einem befreundeten Orthopäden

„Kannst du mir den Befund erklären? Ich verstehe nur Bahnhof, aber da sind 6 Punkte aufgelistet. Heisst das alles nur ich habe ein gerissenes Kreuzband?“ – „Ne, du hast mehrere Sachen.“ – „Na wundervoll!“ – „Dein Kreuzband ist zumindest zum Teil gerissen, aber dein Meniskus ist auch beschädigt, daher die Schmerzen! Ausserdem hast du Knochenmarksödeme, ein Knie voller Blut und deine Knorpel sind nicht mehr in Ordnung. Aber das muss schon vorher so gewesen sein.“ – „Man könnte mich auch einfach notschlachten!“ – „Spinn nicht rum, geh zum Spezialisten, zur Not kannst du auch bei uns operiert werden, aber die eine Praxis XY ist echt die Beste hier! Ausserdem muss eine Arthroskopie gemacht werden, bei so nem dicken Knie kann keiner ans Kreuzband, musst dich auf zwei Eingriffe einstellen!“

16.01.2013 Orthopädische Praxis

„Ja, ja Kreuzband wie vermutet!“ – „Und Meniskus…?“ – „Ja, genau, der auch! Ich schreibe dich für die nächsten 2 Wochen krank. Wo willst du operiert werden?“ – „Bei Dr. J. in H., bitte!“ – „Gut, alles klar, der kümmert sich dann weiter um dich!“

Diagnose auf der AU: S80.0 GR (!!!)

18.01.2013 Krankenkasse Telefonat

„Ab nächste Woche Frau Ninjaan, fallen sie ins Krankengeld, wenn sie weiterhin krankgeschrieben sind.“ – „Ja, bin ich leider…“ – „Gut, also nicht gut, aber auf ihrer AU steht immer noch sie haben ein geprelltes Knie, seit 6 Wochen schon.“ – „Ja, ne. Das ist nicht nur geprellt. Ich habe einen Kreuzbandriss und einen beschädigten Innenmeniskus.“ – „Warum steht das nicht auf der AU?“ – „Das fragen sie mich?“ – „Ich brauche einen Befund!“ – „Ja, schicke ich ihnen zu.“

21.01.2013 Orthopädische Praxisklinik

„Ah, okay! Kreuzband und Meniskus. Nu, das muss operiert werden, aber ihr Knie ist noch zu dick und unbeweglich. Ich würde mal sagen, wir operieren Ende Februar.“ – „ENDE Februar?“ – „Ja, genau.“ – „In 5 Wochen erst? Und dann noch mal 7 Wochen nach der OP?“ – „Ja, so ungefähr. Sie müssen erstmal Krankengymnastik machen, ich kann sie so nicht operieren!“ – „Krankengymnastik?“ – „Ja!“ – „Ich bin schon viel zu lange krankgeschrieben…“ – „Naja, mit der Krankengymnastik können sie so in 3 Wochen wohl arbeiten gehen.“ – „Also in 3 Wochen, gehe ich für 2 Wochen arbeiten und falle dann wieder für 7 Wochen aus?“ – „Ehm, ja.“ – „Und wer soll da was von haben? Mein Arbeitgeber? Ich? Die Kasse?“ – „Naja, niemand wohl eher…“ – „Ja…“

30 Minuten später, ein Gespräch mit einer Arzthelferin

„So, sie werden dann ambulant operiert.“ – „Bitte?“ – „Ja, sie kommen morgens nüchtern in die Klinik und dann werden sie operiert und können nach 3 Stunden wieder gehen.“ – „Kriege ich keine Vollnarkose?“ – „Doch, klar.“ – „Aha…“ – „Das machen wir manchmal.“ – „Verstehe, aber ich wohne nicht ebenerdig, ich stelle mir das etwa schwierig vor.“ – „Hm, ja… Müssen sie noch mal mit dem Arzt besprechen.“

23.01.2013 Praxis für Physiotherapie

„So, dann fangen wir mal an! Wie haben sie das mit dem Meniskus gemacht?“ – „Naja..das ist eine lange Geschichte. Sagen wir mal, ich bin gestürzt.“ – „Achso.“ – „Ja, und hätte ich gewusst, dass ich bei Kreuzbandriss und Meniskus eine Krankengymnastik vor der…“ – „KREUZBAND?“ – „Ehm, ja?“ – „NA SUPER das der Arzt mir das auf das Rezept geschrieben hat! Da steht nur Meniskus!“ – „Ne also, ich habe auch nen Kreuzbandriss…glaube ich jedenfalls…sagt das MRT…?“ – „Ärzte!“ – „Das können sie laut sagen…“

Meine Vagina ist nicht heilig

und sorry an alle da draussen: Eure ist es auch nicht.

Bevor ich jetzt zu dem eigentlichen Punkt komme, kurz noch etwas vorab, um Mißverständnisse zu verhindern:

Niemand muss irgendwas! Wenn eine Frau entscheidet, ihre Vagina, ihr Körper ist für sie selbst etwas Heiliges, dass sie nur bestimmten Menschen zeigen/geben will, dann ist das mehr als in Ordnung! Diese Einstellung hat aber keine Allgemeingültigkeit und vor allem ist sie keine moralische Größe an der man die Würde oder den Wert einer Frau messen darf!

Die Vagina und die Religion

Die heilige Jungfrau Maria. Warum nur ist sie heilig? Etwa einzig und allein aus dem Grund, dass sie (religiös argumentiert) eine unbefleckte Empfängnis hatte? Weil kein Mann sie berührte, ihr Hymen intakt war, als sie mit dem christlichen Gottessohn oder dem islamischen Propheten schwanger wurde? Ich wage zu bezweifeln, dass dies Gottes Botschaft an uns war (vor allem auch, da sowohl die christliche als auch die islamische und jüdische Religionsgeschichte, ganz andere Frauen beschrieben und hochgelobt hat!). Wahrscheinlich ist es nicht mehr, als die von Menschen (damals vorrangig Männer) gewünschte Auslegung. Womit wir direkt bei dem nächsten Thema wären.

Der Mythos über die Vagina und die Tugendhaftigkeitartung-holy-vagina_0

In einer Welt, in der Frauen oftmals vom sozialen Leben und der Bildung weitgehend ausgeschlossen waren (und in vielen Teilen der Welt noch werden!), redete man ihnen nur allzu gerne ein, ihre Würde befände sich nicht in ihrem Kopf, äußere sich nicht in ihren Gedanken und ihren Taten, sondern befände sich zwischen ihren Beinen. Eine tugendhafte (aka eine gute) Frau schützt ihre Vagina, vor allem ihren Hymen, vor Blicken, Berührungen und Penetration, so lange es geht (bis zur Ehe). Das war und ist ein beliebtes Mittel, um Frauen bewusst klein zu halten, ihre Konzentration auf so etwas (im Vergleich zu vielen anderen Dingen) „Unbedeutendes“ zu lenken, wie ihre Jungfräulichkeit. Einem Mann wurde und wird selten gesagt, seine Tugendhaftigkeit hänge an seinem Penis und er müsse diesen nur gut genug schützen, um sie aufrecht zu erhalten.

Wie lange sich solche Mythen aber in unseren Köpfen halten, unser Denken bestimmen, völlig ungeachtet der Tatsache, dass wir ja mittlerweile an die Gleichberechtigung von Mann und Frau glauben, sieht man erschreckenderweise immer wieder: Im Bekanntenkreis, in den Medien, ja sogar bei feministischen Strömungen (Alice Schwarzer – Porno und Prostitutionsdebatte). Mit jedem Mal, in dem wir einer Frau, die ihre Sexualität auslebt wie sie gerade lustig ist, vorhalten, sie würde ZUVIEL von sich hergeben, sich hergeben, das Wichtigste von sich selbst geben, erhalten wir diesen Mythos weiter am Leben. Dieser Mythos kostet bis HEUTE vielen Frauen auf der Welt das Leben.

Vagina versus Penis – Mal aus einer anderen Perspektive

Kennt ihr das? Die Diskussion über das „ficken“ und „gefickt werden“? Nein? Super, dann gehört ihr zu den Glücklichen, die keinen Bekanntenkreis haben in dem solche Ansichten noch existieren! Es gibt sie aber, diese leidigen Diskussion, oftmals gehört unter Frauen. Da wird darüber gesprochen, dass eine Frau ausschließlich „gefickt wird“. Was dem Mann per se eine dominante Rolle zukommen lässt, denn er fickt ja nur, ergo „steckt in sie rein“. Der Mann als Geber, die Frau als passive Empfängerin. Die Konsequenz? Ein Schutzrefelx – ich kann ja nicht jeden einfach „reinstecken lassen“, mich benutzen lassen.

Es tut mir immer leid so etwas zu hören, ich empfinde Sex nämlich nicht als Kampf der Geschlechter, als Machtkampf. Guter Sex ist ein ausgewogenes Geben und Nehmen, die Steigerung von Lust, das Ausleben von Phantasien und die Befriedigung von menschlichen (nicht MÄNNLICHEN) Bedürfnissen. Und warum drehen wir den Spieß nicht einfach mal für einen Moment um? Der Mann ist es, der etwas von sich in uns einführt, unsere Vagina nimmt es auf, verschlingt es, macht es sich zu eigen. Vielleicht ist viel weniger das männliche Geschlechtsorgan das dominiert als uns oftmals suggeriert wird?

Die Vagina und die Sprache268869_243968025630264_7839996_n

Fotze – Möse – Loch – Fickloch –

abwertende Begriffe (vielleicht können sie beim Dirtytalk ganz nett sein), die immer mal wieder fallen und gut beschreiben, wie man eine Vagina sieht, die ihre „Tugend“ verloren hat. Noch zahlreicher sind die Beschreibung für die Besitzerinnen solcher „unheiligen“ Vaginas:

Schlampe – Nutte – Hure – Flittchen – leichtes Mädchen –

Abwertung, wohin man nur sieht. Wie nennt man noch gleich einen Mann, der seinen Penis nach belieben irgendwo hinein schiebt?

Lebemann – Playboy – Gigolo

Na, merkt man was? Muss ich nicht mehr zu sagen, oder?

Meine Vagina ist NICHT heilig

Sie ist nicht heilig, weil ich sie nicht zu etwas Heiligem auserkoren habe und sie ist auch nicht der Sitz meiner Tugend, weil ich mir zugestehe, ganz andere, wertvollere Tugenden zu besitzen. Wenn ich Sex habe, werde ich nicht benutzt, sondern gebe und nehme wie es mir (und ihm) beliebt. Ich gestehe mir meine Bedürfnisse ein und lebe sie aus und niemand sollte sich für so etwas schämen müssen. Ich muss nicht lieben, um Sex zu haben, wobei Sex mit Liebe, ohne jede Frage der Bessere ist.

Aber eigentlich, und das ist wohl das Wichtigste bei all dem, sollten wir uns nicht erklären müssen. Weder weil wir dem Sex entsagen, noch weil wir ihn ausleben und erst Recht nicht, weil wir statt eines Penis „nur“ eine Vagina haben.

Meine Vagina ist nicht heilig und die anderer Frauen ist es auch NUR dann, wenn sie es selbst so wünschen.

Aus gegebenen Anlass, für meine Freundin und für alle anderen Frauen, die sich immer und immer dafür rechtfertigen sollen, wenn sie leben wie es ihnen gefällt.

Anyway: It´s not ur business!

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Die Angemessenheit

Wusstest du? Sie halten mich schon für verrückt. Wegen dir. Man liebt so nicht, das ist außerhalb des „Rahmens“. Wusstest du das? Es gibt einen Rahmen für die Liebe.

Angemessen sollte es sein. Was ES ist? Alles. Alles in unserem Leben, all unsere Emotionen und Handlungen sollten angemessen sein. Gemessen an was? Na, an dem was anscheinend als „angemessen“ gilt.

Es ist angemessen Sex zu haben, etwas weniger angemessen allerdings es nicht innerhalb einer Beziehung zu haben und unangemessen sind stetig wechselnde Sexualpartner – dann ist man nämlich meist, zumindest als Frau, promiskuitiv.

Es ist angemessen eine Beziehung zu führen, keine zu führen ist ebenfalls in Ordnung, wenn es nicht für allzu lange ist, eine lockere Beziehung allerdings, die ist nicht mehr ganz so angemessen, die riecht nach bloßem Sex, Bindungsunfähigkeit, oft auch nach Betrug. Na wer will das schon?

Liebe ist auch angemessen. Richtige Liebe.  Die „In-einer-Beziehung- sein Liebe“. Was bringt Liebe wenn sie unerwidert, nicht ausgelebt wird? Unangemessen ist das, Liebe ohne ein erkennbares Ziel.

Weisst du noch? So ähnlich hast du dich auch einmal ausgedrückt. Komisch, dass ein Freigeist wie du, ebenfalls die Liebe in einen Rahmen pressen will. Glaubst du deshalb nicht an sie?

Doch was kümmert es mich, was kümmert es mein Herz und meine Seele? Ich erinnere mich an ein Bild, mit der Aufschrif:

„Art in a frame is like an eagle in a birdcage“

Was ist Liebe denn auch anderes als eine Kunst?

Genug der Rahmen, die man nicht sprengen darf. Genug der Emotionen, die man nicht äußern darf. Genug der Liebe, die man nicht fühlen darf.

Wir sollten lieber hoch fliegen und desto tiefer fallen wollen, als ewig am Boden nach Schutz zu suchen. Es gibt keine Zeit für Rahmen, jeder Moment, jedes Gefühl ist zu kostbar, unser Leben viel zu kurz.

Pfeiffen wir doch einfach auf die Angemessenheit, tun mehr Unsinniges, weil es sich so gut anfühlt, lieben etwas mehr, egal wie aussichtslos es ist, atmen etwas tiefer den Duft der Freiheit ein, denn nichts ist besser als das.

Wusstest du es? Das du es warst, der meine Gedanken so verändert hat? Ich hoffe du weisst, ich bin dir dankbar dafür, von ganzem Herzen.

Es wird sich alles ändern, fast alles. Wie unvernünftig es auch sein mag, ich werde meinen sicheren Job aufgeben und mir einen Neuen suchen. Ich verlasse, die mir so vertraute, Heimatstadt und tausche sie gegen eine Großstadt, die mich nie sonderlich angezogen hat. Ich will meine Möbel verkaufen, selbst wenn der Erlös nicht ausreichen wird, mir andere zu besorgen.Ich gebe mein, so heißgeliebtes, Auto auf, weil meine Priorität „Neuanfang“ lautet und nicht Festhalten. Was für eine komische Aussage, wenn man bedenkt, dass ich an meiner Liebe noch immer festhalte, so verloren sie auch ist. Aber vielleicht, nur ganz vielleicht, ist es gar nicht komisch, sondern angemessen, weil…

Wusste du, dass es mir egal ist was man darüber sagt, selbst wenn du es sagen würdest? Du solltest wissen, es gibt keine Angemessenheit in der Liebe und keinen Rahmen in die man sie pressen könnte.

 

 

 

Das Messer

„missed u much“

Schreibt SIE an Yaya. Unter sein Foto, das öffentlich zugänglich ist.

Ich würde es gerne sagen, aber ich kann es nicht. Immer und immer wieder starre ich auf diese kleinen, eigentlich doch so unbedeutenden, Buchstaben „ed„. Vergangenheitsform. Abgeschlossene Vergangenheit? Ich werde es nie erfahren.

Ich sollte nicht schauen, nicht stalken. Aber vor Wut denke ich mir nur: SIE sollte es nicht schreiben. Er sollte es sie nicht schreiben lassen. Ausser… Ausser alles was er mir jemals gesagt hat war eine Lüge. Auch das werde ich niemals erfahren.

Auch ist das vielleicht nicht eigentlich Liebe, wenn ich sage, daß Du mir das Liebste bist; Liebe ist, daß Du mir das Messer bist, mit dem ich in mir wühle. (Kafka)

Das erste Mal in meinem Leben verstehe ich, was Kafka gemeint hat.