Jugendarbeit

Ich bin seit 2 Monaten nicht mehr auf der Arbeit, ausser der schnöden Verwaltungsarbeit (die immer noch, trotz Krankschreibung gerne auf mich geschoben wird – natürlich ohne zusätzliche Vergütung oder ein Dankeschön) bleibt mir nicht mehr viel. Ohne die direkte Arbeit mit meinen Jungs, geht mir so langsam die letzte Leidenschaft flöten.

Es sei ruhig geworden bei mir auf der Arbeit, wenige Jugendliche seien da. Hin und wiede erreichen mich Nachrichten bei Fb, verzweifelte Anfragen wann ich wieder komme oder einfach ein “ Wie gehts dir“. Eine Nachricht erreichte mich bereits im Dezember. Einer meiner Jungs, mit dem ich gerade vermehrt angefangen hatte für die Schule zu lernen, ist nach eigenen Angaben straffällig geworden. Es dauerte eine Weile bis ich meine Kollegen beruhigt hatte, nicht zuletzt musste ich sie sogar zu Raison rufen. Seine Straftat ist eine von denen, die berührt, die Wut aufkommen lässt. Wenige bleiben da unemotional.

Ich bin nicht unemotional, aber ich habe schon vor langer Zeit gelernt, dass:

Jugendarbeit ist nicht nur Opferarbeit, Jugendarbeit ist auch immer wieder die Arbeit mit Tätern. Wer das nicht kann, ist falsch, in der Jugendarbeit, in der Sozialen Arbeit allgemein.“

Ich bin gerade so sehr mit mir, mit der Verwaltung, meiner Zukunft und meinem kaputten Knie beschäftigt, dass ich es fast ganz zur Seite geschoben habe. Aber heute wurde ich daran erinnert. Und ich würde so gerne meine Kollegen anschnauzen, weil sie nicht handeln, wie ich es tun würde. Vielleicht können sie es nicht? Aber sie sollten, zumindest, so schwer es auch ist, ihm eine Beratung geben. Nimm den Termin bei der Jugendgerichtshilfe wahr, sag die Wahrheit vor Gericht…usw.

Vielleicht sollte ich ihn anschreiben? Vielleicht nicht… Aber glücklich bin ich mit dem wegignorieren der Tat und dem verteufeln seiner Person nicht. Es ist unser Job auch in solchen Situationen professionell zu sein, auch wenn es nicht jedem passt…

Denn wenn nicht wir es sind – wer ist es dann?

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4 Kommentare

  1. lebenstattponyhof · Februar 6, 2013

    Liebe Ninjaan,

    ich kann nur sagen, wie sehr ich deiner Meinung bin, wie wichtig ich die Arbeit eines Sozialarbeiters finde.
    Deine Formulierung „wenn nicht wir, wer dann“ ist richtig und wichtig. Hat man nicht gerade deswegen jahrelang gelernt, dass wir alle Menschen sind, dass jeder Hilfe braucht und gerade der Sozialarbeiter gebraucht wird, wenn das Licht am Ende des Tunnels sich als ein D-Zug entpuppt?
    Ich bin froh, dass es Menschen, wie dich gibt, anderseits bin ich sauer, dass es an Menschen wie dich, die ganze Arbeit hängen bleibt…

    • ninjaan · Februar 6, 2013

      Ich danke dir für deine aufbauenden Worte…es tut manchmal so unglaublich gut so etwas zu lesen!!!!

  2. Lauren · Februar 4, 2013

    Liebe Ninja, ich wollte zu deinem letzten Beitrag keinen Kommentar abgeben, weil ich keine Antwort, keinen Ratschlag wusste, aber ich denke an dich.
    Was mir hierzu jedoch einfiel: Ich glaube, dass es für diesen Jugendlichen wichtig wäre, dass jemand noch mit ihm redet. Nicht, es schönredet, aber ihm zeigt, dass er trotzdem noch ein Mensch ist und das die Tat und die dahinterliegende Einstellung (das ist eine Vermutung) falsch sein mögen, aber jemand daran glaubt, dass er sich ändern kann. Ich glaube, es würde ihn einfach freuen, wenn er Hilfe bekäme und vielleicht auch besonders von dir, da er dich ja anschrieb. Ich weiß nichts von rechtlichen Konsequenzen und ob du das darfst oder nicht oder was es nach sich ziehen kann; aber du beschäftigst dich noch mit ihm und vielleicht reicht es einfach wenn du noch mit ihm Kontakt hältst – ob als Beratung oder Begleitung oder was auch immer deinem Bauchgefühl entspricht.
    Für mich ist es leicht, dies zu schreiben, da ich die Tat nicht kenne, aber vielleicht kommt deshalb in mir dieser abstrakte Wunsch auf: Das Menschen, die eine Straftat oder einen Fehler begehen (vor allem, falls es zum ersten Mal ist), jemanden haben der ihnen sagt: Diese Tat war abscheulich, aber du hast mehr als nur „Täteranteile“, du kannst auch sehr liebenswert sein.
    Ich denke, dass ich an Grenzen kommen würde mit dieser Einstellung, bei bestimmten Straftaten und vor allem bei Wiederholungen; aber von meinem jetzigen Platz erlaube ich mir diese Naivität, dass so ein Begleiter etwas ändern kann. Und sei es nur, dass er eine Verschlimmerung abschwächt.

    Liebe Grüße
    Laura

    • ninjaan · Februar 5, 2013

      Danke, für dein Verständnis und deine aufmunternden Worte! Ich denke, ich werde den Kontakt zu ihm suchen!
      Natürlich gibt es Straftaten bei denen man an seine eigenen Grenzen stößt, auch ich habe sicherlich irgendwo Grenzen. Aber noch, noch sind sie Kinder oder Jugendliche, ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass man mit Liebe und Unterstützung den ein oder anderen wieder etwas zurück auf die Spur bekommt. Diese Naivität, habe also auch ich noch…

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