Darf das so?

Darf das so sein?

Angesichts unserer begrenzten Zeit, leben und lieben wir, intensiv, mit Hingabe, weil wir wissen, dass unser Abschied in wenigen Tagen eine harte Probe sein wird. Für ihn, für mich, für unsere gerade so frisch erwachten Gefühle. Wir sprechen, viel und lang, über alles das uns bewegt. Über unsere Träume, unsere Ängste, unsere Gefühle. Berührungen werden in Worte gefasst, greifbare Worte. Besonders für uns ist, dass wir keine Mauer zwischen uns errichtet haben, es gibt keine Grenze, die wir scheuen zu überschreiten, nicht aus Furcht. Wir sprechen auch über unsere Vergangenheit, über unsere gescheiterten Lieben, warum sie scheiterten, wir reflektieren und am Ende liegen wir uns in den Armen, das sichere Gefühl, diesmal könnte es anders sein, umhüllt uns wie ein warmer Mantel.

Doch manchmal überkommt uns die Angst, wir könnten zuviel sprechen, zuviel offenbaren und alte Geister könnten geweckt werden, manchmal.

Und dann geschieht es mir. Der Geist kommt zurück, im Traum. Wann habe ich angefangen so zu träumen?

Und dann wache ich auf, schrecke hoch, Amin ist nicht neben mir, er ist schon morgens um 6 mit dem Zug zur Arbeit gefahren, ich wünschte er wäre hier, damit ich ihn umarmen kann, ihm und mir leise beteuern kann, dass es nur ein dummer Traum war.

Wie ein Schatten hängt es den ganzen Tag über mir. Ich bin mir meiner Gefühle für Amin sicher, selten war ich so sicher, mir, meinen Gefühlen, jemand anderem. Und doch, doch bleibt da dieser letzte Gedanke an dich. Weil unser Abschluß so gar keiner war? Weil alles mit Amin so schnell ging? Darf das so sein?

Ich denke etwas an dich, horche in mich hinein. Wenn ich an Amin denke, lächel ich, wenn ich an dich denke verspüre ich Wehmut. Wie von fremder Hand geführt, besuche ich dein FB Profil, und spüre nicht viel als ich dein Foto ansehe. Du hast dein „Coverbild“ geändert. Streetart. Ich liebe Streetart, Banksy, Goin, ich verbeuge mich vor ihnen. Wir haben nie darüber gesprochen, über Streetart, wie über soviel anderes auch nicht. Aber ich hätte gewettet, dass du es genau so magst wie ich. Unter dem Bild, ein Kommentar von ihr, sie mag das Bild nicht. Sie mag streetart nicht.

Und während ich so auf das Bild schaue und dann auf deines und an streetart denke und an uns, dann wird mir klar, dass es die verpasste Chance ist, die noch von meinem Inneren betrauert wird. Die Chance, wirklich Freunde zu sein. Ich bin jetzt glücklich, so glücklich wie selten in meinem Leben. Ich fühle mich stark, stärker als sonst, weil da jemand ist, der mich bestärkt. Und irgendwie, irgendetwas in mir, würde dich gerne daran teilhaben lassen, würde gerne die unbeschwerte Freundin sein, die ich dir immer so gerne sein wollte.

Und so sicher ich mir bin, über meine Gefühle zu Amin, so unsicher bin ich mir darüber, ob das wirklich so sein darf? Darf ich noch an dich denken? Manchmal, wehmütig, nicht weil ich lieber mit dir wäre, sondern weil ich gerne noch etwas mit dir teilen würde.

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7 Kommentare

  1. Lauren · Februar 26, 2013

    Warum sollte es falsch sein? Und wenn du Gründe findest: Treffen sie zu?

    Liebe Grüße
    Lauren

  2. Hühnersuppe · Februar 26, 2013

    Ich weiß ja nichts über dich, verstehe den Eintrag aber so, dass du eine Weile mit ihm zusammen warst. Warum solltest du nun nicht an ihn denken dürfen? Er ist ein Teil deines Lebens. Würdest du die Erinnerungen, was auch immer sie in dir auslösen, verdrängen, würdest du einen Teil deines Lebens verleugnen.

    • ninjaan · Februar 26, 2013

      Da hast du Recht, ich war gestern sehr durcheinander und irgendwie geplagt vom schlechten Gewissen …

  3. janavar · Februar 25, 2013

    Das darf so sein! Die Dinge haben sich geändert und du sagst ja, dass du jetzt glücklich bist. Ich denke, dass ist das Wichtigste. Denke an ihn, aber passe auf das auf, was du jetzt hast, weil es vielleicht viel Größer und Schöner wird.

    • ninjaan · Februar 26, 2013

      Das wird es, nein das ist es jetzt schon…schöner, viel schöner! 😀

  4. nerdbarbie · Februar 25, 2013

    Es ist vollkommen okay, an die Verflossenen zu denken. Immerhin waren sie Teil des Lebens und werden es immer sein. Und auch der Wehmut ist okay. Immerhin muss alles erst verarbeitet werden. Und gerade an Wendepunkten im Leben kehrt man gedanklich doch zur Vergangenheit zurück. Das Wichtigste ist aber, dass du Amin liebst. Dass du dir sicher bist. Dass du glücklich bist. Und dabei ist es keine Schande, so etwas mit jemandem teilen zu wollen, dem man einmal nah war. So lang du dich nicht in diesen Gedanken verlierst, hast du nichts auszustehen.

    • ninjaan · Februar 26, 2013

      Danke für die aufmunternden Worte, ich war gestern wirklich etwas durch den Wind, aber die Gefahr mich darin zu verlieren besteht nicht, jedenfalls kann ich es mir nicht vorstellen. Ich bin einfach zu glücklich und ich will es genießen – wahrscheinlich ist es tatsächlich gar nicht so unnormal, dass so etwas dazwischen kommt. Ich hatte es nur noch nie so zeitlich nah…

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