Am Bahnhof

1249808265Für einen Moment wende ich den Blick von ihm ab. Neben mir steht ein älterer Herr, er zückt ein weißes Stofftuch aus seiner Jackentasche, wischt sich eine aufkommende Träne aus den Augen und richtet seinen Blick dann wieder, mühselig lächelnd, auf seine Frau, die direkt neben Amin im Zug steht. Sie. die Abreisenden, sehen auf uns, die Zurückbleibenden, hinunter, wehmütig. In dem Gesicht der Frau zeichnet sich ein Lächeln ab, als ihr Mann das weiße Tüchlein zart in der Luft schwenkt.

Die Türen schließen sich. Eine Druckwelle durchfährt meinen Körper, ich kann mich kaum auf den Beinen halten. Zum Glück habe ich Krücken. Die Tränen strömen mir über das Gesicht. Auch Amin zuckt zusammen, als der Zug sich in Bewegung setzt streicht er sich, ebenso verstohlen wie der alte Mann wenige Sekunden zuvor, Tränen aus den Augen.

Der Zug entfernt sich aus unserem Blickfeld. Ich weine, ungehemmt. Der alte Mann ist einige Meter, winkend, neben dem Zug hinter hergelaufen.

 

Nun dreht er sich zu mir um, sieht meine Tränen und kommt auf mich zu.

„Nicht weinen junge Frau, ihr Liebster kommt doch zu ihnen zurück!“

 

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6 Kommentare

  1. lebenstattponyhof · März 14, 2013

    Die Zeit wird dir manchmal wie Ewigkeiten vorkommen und dann doch so schnell vergehen…
    Das wünsche ich dir, schnelles Wiedersehen.

    • ninjaan · März 15, 2013

      Danke!!! So wie es aussieht, wird es nun doch recht bald sein! 😀

  2. icantcome · März 5, 2013

    Hach, da muss ich glatt auch ein Tränchen vergießen, wenn ich das lese!

  3. Lenisa Wren · März 3, 2013

    Diese Momente der unfreiwilligen Trennung auf Zeit erlebte ich auch öfter, als es mir damals lieb war. Wir führten einige Monate lang eine Fernbeziehung, sahen uns an höchstens zwei Wochenenden im Monat, weil ’s finanziell nicht anders machbar war. Jeden Abschied zögerten wir hinaus, manchmal fuhr er erst mitten in der Nacht heim, obwohl er am nächsten Morgen in der Früh arbeiten musste, Manchmal setzte er sich erst gegen 23 Uhr ins Auto, nur, um noch ein paar Stunden mehr mit mir verbringen zu können. ich erinnere mich an jede Träne, die ich vor Freude oder Trauer weinte. Dementsprechend verstehe ich dich – was bleibt, ist das Wissen, sich bald wiederzusehen. (:

  4. Träumerin · März 3, 2013

    Ich hoffe, ganz ganz bald….

    • ninjaan · März 3, 2013

      Jaa! Wenn alles gut läuft ( mit der OP und dem Heilungsprozess etc.) dann werde ich meinen Gutschein von Tuifly einlösen um den Mai mit ihm zu verbringen (falls er bis dahin nicht schon eine Stelle hier gefunden hat). Ich habe zum Glück, dank der Krankschreibung 22 Urlaubstage bis Mai…und da eine Vertretung für mich eingestellt wurde, können die auch noch einen Monat länger auf mich verzichten…nach all den Wochen zuhause, brauche ich eigentlich auch Urlaub..für die Seele.

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