Die Zeit für Freundschaft

Es gibt Menschen, deren einmalige Berührung mit uns für immer den Stachel in uns zurücklässt, ihrer Achtung und Freundschaft wert zu bleiben.
Christian Morgenstern

Sie scheint angebrochen zu sein, nach 2 Jahren Gefühlschaos, intensiver Nähe und, scheinbar, unüberbrückbarer Distanz, nach gemeinsamen Leidenschaften und gegenseitig zugefügtem Leid, nach Hoffnung und Enttäuschung, ist sie da, die Zeit für Freundschaft. Rational, von Aussen betrachtet, mag es unverständlich sein, nicht nachvollziehbar. Wie sollte es auch, wo es doch keine rationale Erklärung dafür geben kann. Ebenso, wie in dem Zitat von Christian Morgenstern ganz treffend beschrieben, ist es kein rationaler Grund ( wie: Treue, unerschütterliche Loyalität etc.), sondern einzig und allein der Moment, der Augenblick einer „einmaligen Berührung“, der dieses Verlangen nach Kontakt, Freundschaft, einer Verbindung, nährt und am Leben erhält.

Vielleicht ist Verbindung auch ein wesentlich besseres Wort in diesem Zusammenhang?

Das Verlangen eine Verbindung, trotz aller Umstände, Geschehnisse aufrecht zu erhalten. Nicht aus einer ungestillten Hoffnung heraus oder gar Liebe. Sondern einzig von dem Gefühle geleitet, dass diese Verbindung bestehen MUSS, es sollte, weil alles andere falsch wäre, sich falsch anfühlen würde.

Und ja, das tat es, es fühlte sich falsch an. Nicht nur, weil ich die ersten Wochen noch „gefühlt unsäglichen“ Liebeskummer hatte, sondern weil etwas fehlte. Nichts elementares, aber doch etwas, das in den letzten Monaten, Jahren, zu einem Bestandteil meines Lebens gehörte. Das mich extremen Empfindungen aussetzte, mich bereicherte und inspirierte und nicht selten an  meine Grenzen  brachte.

Als ich mich Anfang des Jahres neu verliebte, so schnell, so heftig, so intensiv, da verschwand der Liebeskummer, weil jemand mein Herz im Sturm erobert hatte. Aber, dennoch blieb da dieses Gefühl, wie Morgenstern es so schön beschreibt, dieser Stachel, der mich drückte, mich immer wieder daran erinnerte, dass etwas nicht stimmt.

Es fehlte die Achtung, die „Freundschaft“ von Yaya.

Nun kommt sie zurück, leise, langsam und war  ich nach dem ersten Gespräch, in dem wir beide unser Bedauern über unser Verhalten, unser „Ende“ ausdrückten, noch sehr skeptisch, empfand ich Erleichterung und Hoffnung. Hoffnung auf jene Verbindung, deren Nicht-Existenz mich bis zuletzt geplagt hatte.

Gestern dann hatten wir unser erstes, intensives Gespräch (Chat). Und da war es, das was gefehlt hatte. Vertrautheit, Gedankenaustausch, der Austausch von Musik, Filmen, Kunst – das Interesse an der anderen Person, der Kontakt. Über Stunden erzählten wir, lachten, meckerten, bombadierten uns regelrecht mit „Fundstücken“. Es hatte mir gefehlt, es hatte ihm gefehlt.

Es scheint gegenseitiger Natur zu sein, das Verlangen eine Verbindung aufrecht zu erhalten, trotz allem was geschehen ist, vielleicht auch gerade deswegen? Aus unerklärbaren Gründen bedürfen wir beide der Achtung und Freundschaft des Anderen. Und weil es gegenseitig ist, ist es gut so. Wir ziehen uns den Stachel, der drückte und manchmal sogar schmerzte und leben unser Leben, jeder das seine, mit dem erleichterndem Gefühl , das es gut ist, genau so wie es jetzt ist.

Manchmal kehrt, im Verhältnis von uns zu einem anderen Menschen, das rechte Gleichgewicht der Freundschaft zurück, wenn wir in unsere eigne Waagschale einige Gran Unrecht legen.
Friedrich Nietzsche, Werke I – Menschliches, Allzumenschliches

 

 

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3 Kommentare

  1. lebenstattponyhof · April 1, 2013

    Das liest sich wierklich gut und es ist für mich so bekannt. Eine Freundschaft zu verlieren kann sehr schmerzhaft sein. Ich hoffe, ich werde meine Freundschaft noch retten können.

    • ninjaan · April 2, 2013

      Ich drücke dir die Daumen, irgendwie habe ich das Gefühl nun viel besser damit abschließen zu können.

      • lebenstattponyhof · April 2, 2013

        Danke, ich habe es selber vergeigt…
        Klar schliesst man damit besser ab, ein Teil von ist wieder da.

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