Fernbeziehung für Anfänger

„Fernbeziehung sind doch optimal! Da hat jeder genug Freiraum!“

Für diese und ähnliche Aussagen, die ich noch vor nicht allzu langer Zeit traf, möchte ich mich nicht ungerne selbst ohrfeigen. Was war da bloß in mich gefahren, so neunmalklug über Dinge zu urteilen, die ich gar nicht kenne? (Nicht, dass ich nicht desöfteren mal neunmalklug bin…)

Es gibt natürlich auch noch all so jene, die, nicht weniger neunmalklug als ich, behaupten eine Fernbeziehung wäre das genaue Gegenteil – (gelinde gesagt) suboptimal. Manche gehen sogar so weit, es für völlig ausgeschlossen zu halten, jemals eine solche einzugehen. Nun, denen möchte ich, weil ich eben doch neunmalklug bin, nur gerne sagen: „In einem Universum in dem man sich erwählen kann, wen man liebt, mag das möglich sein – ansonsten halte ich solche Aussagen für noch viel …. als die Meine.“ (Natürlich!)

Und während ich so über das „Neunmalklugsein“ nachdenke, stoße ich auf folgendes Zitat:

„Wie oft hatte ich mich schon gefragt, warum sie nur so klug daherreden. Wenn sie so vieles wissen, warum handeln sie nicht danach?“ Heinz Körner

und muss, wenn auch unter Seufzen, Heinz Körner, vor allem aber mir selbst, eingestehen: „Weil die Meisten (unter anderem ich) eben immer gerne klug daher reden, vor allem dann, wenn wir absolut keine Ahnung haben.“ Womit die Frage, warum man nicht danach handelt eigentlich ebenfalls beantwortet wäre.

Ich bin nun, so schwer es mir auch fällt dies zuzugeben, genau wie Heinz Körner es beschreibt. Ich rede klug daher und nun, wo es mich betrifft, da halte ich es plötzlich mit Adenauer “ Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ – und verfluche jeden einzelnen Kilometer der uns trennt. (Was ein relativ langes Unterfangen ist, bei über 3000km Luftlinie) Das alles kommt mir plötzlich überhaupt nicht mehr optimal vor, es ist eher eine Qual – keine erstickende, niederschmetternde, aber doch eine leise, sich bis tief ins Innerste bohrende.

Vielleicht ist das nicht immer so, vielleicht können Fernbeziehungen mit geringer Distanz (100-200km ?) recht optimal sein, für eine bestimmte Zeit, vielleicht sogar für längere Zeit. Aber über Landesgrenzen, Kontinente hinweg (und wenn ich so an die Zeitverschiebung denke, gehöre ich wohl noch zu den Glücklichen!) – nein, da ist „suboptimal“ eigentlich noch untertrieben!

Ich empfinde gar nicht die Distanz an sich als besonders quälend, oder die Tatsache ihn für einen bestimmten Zeitraum nicht physisch bei mir haben zu können, als eher die Gewißheit darüber, dass dies sich nicht einfach nach Lust und Laune von heute auf morgen ändern lässt.

Jedes Wiedersehen kostet uns mehrere hundert Euro für den Flug, bürokratische Kackscheisse (entschuldigt bitte meine Wortwahl, aber es kann wirklich ätzend und zermürbend sein!) plus Bezahlung eben dieser und vieles mehr. Einen Tag einfach miteinander verbringen oder ein Wochenende? Fehlanzeige.

Nicht, das es jetzt nicht ist, stört, sondern, dass es jetzt nicht sein könnte, wollen wir es auch noch so sehr.

Es ist wie ein ewiger Hunger, der nicht mit einer Mahlzeit gestillt, sondern einzig und allein mit dem Gedanken an eine solche gemildert werden kann. Das ist für mich, natürlich eine rein persönliche Empfindung, das Schlimmste daran. Und das sage ich, nachdem wir von den 4 Monaten unserer Beziehung sogar beinahe 2 miteinander verbringen konnten. Und ich bin mir ganz sicher, dass es mit der Zeit nicht leichter, sondern nur unerträglicher werden kann.

Gemessen an der Zeit, bin ich also eine absolute Anfängerin, was Fernbeziehungen anbelangt und ich hoffe auch inständig, dass dies so bleibt und dieser unsägliche Zustand bald (max. 6 Monate) vorbei ist. Dennoch interessierte es mich natürlich brennend, wie andere Menschen damit umgehen.

Ich stieß auf eine Menge Foren, Erfahrungsberichte und natürlich Ratgeber. Irgendeinen 10 Punkte Plan, wie die Fernbeziehung frisch bleibt (ne, ich verlinke das jetzt nicht, weil ich nicht so überzeugt von diesen „Tipps“ war) der vorschlug „viel miteinander zu reden“ (Was für ein aussergewöhnlicher Tip…) oder doch mal gemeinsam einen Film zu schauen (Wenn es die Internetverbindung, Telefonrechnung, Zeitverschiebund denn zulässt, vielleicht ganz nett – bei mir scheitert es an Ersterem.) oder beide sollten sich einen Film getrennt ansehen und im Nachhinein darüber reden (Wieder so ein toller Tip – wer macht sowas denn nicht?) usw.

Das mag für einige vielleicht ganz anregend sein, mich sprachs nicht so an und vieles erscheint mir so normal, dass ich dafür weder Ratgeber, noch 10 Punkte Pläne unbedingt benötige.

Für mich, also so als Anfängerin, sind nur zwei Dinge sehr wichtig:

1.) Beide müssen sich gleichermaßen bemühen, gleichermaßen Zeit investieren. Mein Handy ist jetzt, viel mehr als früher, mein stetiger Begleiter. Nur so können wir kommunzieren, am Leben des anderen teilhaben ohne „physisch anwesend“ zu sein. Für manche scheint das übertrieben. Mir und ihm gibt es ein Gefühl von Vertrautheit und Sicherheit, der Andere ist immer da.

2.) Zukunftspläne! Mit einer Ungewissheit wie und wann es weiter gehen soll, könnte ich nur schwer umgehen. Ich bin der Meinung, planen ist ganz wichtig. Was will ich? Was will er? Was wollen wir füreinander und miteinander?

Natürlich ist auch das eine individuelle Sache, für mich allerdings ist es, nach den Gefühlen die wir füreinander haben, das A und O warum es bei uns funktioniert. Wir wollen dasselbe, planen dasselbe und wir beiden geben uns alle Mühe dieser Welt – ich würde sagen, wir halten erstaunlich gut, bis jetzt, die Waage und keiner hat einen Grund sich zu beschweren.

Das macht die Qual des Vermissens erträglich, es mindert nicht die Sehnsucht, aber eben auch nicht im Geringsten unsere Gefühle. Und das ist doch wahrscheinlich, was einem alle diese Ratgeber und 10 Punkte Pläne erklären wollen – ich glaube eben nur, dass man die nicht braucht, nicht zwangsläufig jedenfalls.

Also, ich so, als neunmalkluge Fernbeziehungsanfängerin würde ja sagen: Brauch man alles nicht, wenn´s stimmt, dann stimmts und dann kann man auch eine solche Zeit überstehen, so schwer es auch sein mag!

421266_521924167869670_1307357035_n

 

Advertisements

8 Kommentare

  1. Ich♥Dich · Juni 2, 2013

    Ach ach, mein neunmalkluges Herz, ich wünsche dir, dass es keine sechs Monate mehr sind.
    Und dann will ich ihn kennenlernen und ihn dafür küssen (Wange! Ist klar!), dass er dich so glücklich macht! ❤

    • ninjaan · Juni 3, 2013

      Haha 🙂 Ach meine Liebesmuh!
      Das wirst du auf jedenfall! Wir sind dann gleich bei dir!

  2. golbevoli · Juni 2, 2013

    Ich hoffe und wünsche dir, dass das klappt! Viel Glück!

  3. Lauren · Juni 2, 2013

    Hallo Ninjaan,
    ich hatte lange genug eine Fernbeziehung um zu wissen, dass ich sie nicht mehr möchte (aber vielleicht wieder bekommen werde). Ich glaube Fernbeziehungen funktionieren dann, wenn man das Interesse am anderen behält und zeigt und es schafft die Lebenswelten von beiden zusammenzuhalten. Wir lebten ca. 130 km voneinander entfernt, also gerade zu weit, um abends noch zum anderen zu fahren und haben uns gegenseitig besucht, was dazu führte, dass weder die eine Stadt noch die andere Stadt wirklich unser Zuhause war. Ich glaube, man kann das hinbekommen, aber ich finde es schwer, am wochenende die Balance zwischen Beziehung und Freunden zu halten – vor allem, weil die Freundschaften oft ja nur über eine Person laufen.
    Mein Tipp: Offen bleiben für alles, dem man begegnet und für das, was der Partner ist. Also auch keine neuen Weisheiten 😉

    Ich drücke euch die Daumen, dass eure Fernbeziehung sich so schnell in eine Ortsbeziehung umwandelt, wie ihr das hofft!
    Liebe Grüße
    Lauren

    • ninjaan · Juni 3, 2013

      Ja, ich stelle mir Wochenendbeziehungen auf die Dauer auch recht zermürbend vor! Bei uns war ja nun klar, das, wenn wir uns wirklich wollen, einer das andere Land wählen muss. Und da er sich ja schon, bevor er mich kennenlernte, für Deutschland entschieden hatte, habe ich da großes Glück! 🙂
      Ich danke dir Lauren!

  4. Schattentänzerin · Juni 1, 2013

    Liebe ninjaan, ich finde die beiden Punkte, die du benannt hast, um die Sehnsucht in einer Fernbeziehung zu lindern, sehr hilfreich und wichtig. Es ist tröstlich, die virtuellen Kommunikationsquellen nutzen zu können, wenn der andere so weit weg ist, und es hilft tatsächlich, sich einander näher zu fühlen. Und mindestens ebenso wichtig ist eine klare Perspektive, eine Aussicht, dass sich die Fernbeziehung eines Tages in eine Nahbeziehung wandeln kann. Wenn diese nicht gegeben ist oder immer wieder erschüttert wird, so kann dies die Partnerschaft schwer belasten oder gar beschädigen, wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung feststellen musste. Allerdings war dies damals eine Fernbeziehung, in der wir uns teilweise monatelang nicht gesehen haben.

    Derzeit lebe ich in einer Fernbeziehung mit gut 100 km Entfernung; das ist weit weniger ein Problem, weil wir uns sehen können, wann immer wir wollen. Notfalls kann ich sogar abends nach der Arbeit zu ihm fahren und am nächsten Morgen wieder zurück. Das ändert die Sachlage ganz gewaltig. In unserem Fall gibt es dafür keine Perspektive, dass sich an dieser Situation grundlegend etwas ändern wird, da wir beide in unseren jeweiligen Städten beruflich gebunden sind. Bestenfalls könnten wir unsere Fernbeziehung in eine Wochenendbeziehung verwandeln, aber dazu schätzen wir beide im Moment unsere persönlichen Freiräume noch viel zu sehr.

    Ich wünsche dir, dass die Sehnsucht erträglich bleibt und ihr immer wieder Wege findet, euch nahe zu sein, auch wenn viele tausend Kilometer euch trennen. Herzliche Grüße!

    • ninjaan · Juni 3, 2013

      Dieses monatelange nicht sehen würde uns ja nun auch blühen, hätte er nicht schon vor mir entschieden, dass er in Deutschland seinen Facharzt machen möchte. Darüber bin ich froh, weil ich nicht weiß, ob ich mich sonst dazu hätte entscheiden können, dort zu leben (es wäre mir zumindest schwer gefallen…).
      100km sind, so denke ich, wirklich noch vertretbar. Es ist eben nicht dieses schmerzvolle – selbst wenn etwas dringendes sein sollte, ginge es nicht Gefühl dabei. Und wenn beide Partner ihren Freirum genießen, dann kann es tatsächlich idela sein!

      Und auch dir danke ich vielmals!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s