Bewährungszeit

Es war 2 Wochen nach meiner Rückkehr aus Jordanien. 2 Wochen war sie nicht zu mir gekommen. Schwindeln ist nicht ihre Art, selbst dann nicht, wenn es angebracht wäre. Darum sagt sie frei heraus: “ Ich mag jetzt nicht kommen und dich sehen. Sorry, aber das ist mir gerade zu viel.“ Und so warte ich, sage nichts dazu, lasse sie. Auch wenn es mich verletzt. Denn nicht ich als Person bin ihr zu viel, sondern mein „glücklich sein“. Dabei, so glaube ich, bin ich doch sehr darum bemüht es nicht ständig raushängen zu lassen, was für ein Glück ich tatsächlich gerade in der Liebe habe.

Nach 2 Wochen sitzt sie endlich vor mir. Sie ist gestresst und müde von der Arbeit. Sie sieht schlecht aus. Und so höre ich zu und frage nach und erzähle nichts. Ich gehe nicht ans Telefon als Amin anruft und schreibe ihm nur kurz, dass ich ihn später zurückrufe. Ich will ja rücksichtsvoll sein. Mit jeder Minute die verstreicht und in der sie mich nicht einmal fragt wie es mir so erging, wie es mir geht und was es Neues gibt, wächst die Enttäuschung. Aber ich schweige.

Nach geschlagenen 2 Stunden fragt sie, nach einer kurzen, wirklich unangenehmen Stille, endlich: “ Und, was ist jetzt bei euch so?“ Ich antworte, kurz und knapp in einem Satz. Sie sieht mich an, Tränen steigen ihr in die Augen. Sie wendet den Blick ab und sagt leise, aber doch in einem verächtlichen Ton: “ Ihr seid doch irre!“

Das war es. Kein Wort mehr. Wenige Minuten später erhebt sie sich und geht. Und ich bleibe zurück. Wütend und enttäuscht. Ich hätte etwas sagen sollen. Aber ich kenne sie, seit 14 Jahren. Ich weiß wie sie tickt und das es jetzt nichts bringt.

Ich erinnere mich an eine Nachricht, die sie mir während meines Urlaubs schickte.

„Tut mir leid. Aber ich will gerade nicht so mit dir reden. Ich habe alles so satt. Wenn ich dich ansehe ist es, als würde mir das Schicksal ins Gesicht spucken. Du wolltest nicht mal eine Beziehung! Und jetzt hast du alles was ich nicht habe! Ich gönns dir ja, so ist es nicht. Aber es macht es mir noch schwerer.“

Das hatte gesessen. Ich antwortete nicht darauf, ignorierte es. So mache ich das eigentlich immer. Wahrscheinlich ein großer Fehler von mir. Ich schweige und ignoriere es, sitze aus. Jedesmal wieder.

3 Tage nach unserem Treffen, ich hatte gerade beschlossen den Kontakt mit ihr auf Eis zu legen und ihr nichts, aber auch gar nichts privates mehr zu erzählen, als sie mich anruft. Ich will nicht rangehen, aber beim 3. Versuch ihrerseits tue ich es doch. Vielleicht ist etwas passiert? Sie schluchzt mir ins Telefon, dass ihr Leben zu Ende sei. Sie nicht zur Abschlußprüfung zugelassen werden würde, so durcheinander ist und nicht weiter weiß. Ich biete ihr meine Hilfe an. Was sollte ich auch sonst tun?

Schneller als sonst ist sie hier. Ich sortiere ihre Unterlagen, helfe ihr beim Ausfüllen, erstelle eine „To do Liste“ und muntere auf. 3 Stunden ist sie bei mir. Als sie geht dreht sie sich um, ich hoffe auf etwas, irgendetwas, am Besten etwas Reue. Aber sie hebt nur die Hand und geht.

Das Thema ist für sie durch. Für mich nicht. Ich kann über eine solche Mißgunst von einer meiner ältesten Freundinnen nicht hinwegsehen. Aber mich damit auseinandersetzen will ich auch nicht. Nicht, solange sie nicht von sich aus das Thema anspricht.

Sie bombardierte mich mit Nachrichten hier und da. Ich antwortete knapp, manchmal gar nicht. Vielleicht falsch von mir, es nicht deutlich genug zu machen. Aber ich will mich jetzt freuen, an dem was ich habe erfreuen. Ich habe lange genug selbst Liebeskummer und unerfüllte Träume gehabt. Ich weiß wie es sich anfühlt, aber ich weiß nicht, wie es sich anfühlt es meinen engsten Freunden nicht zu gönnen.

Sie fährt ins Ausland. Ich vergesse ihren Abflug nicht und wünsche ihr dennoch eine gute Reise, auch wenn sie meine OP , kurz zuvor, vergessen hat. Ich will nicht nach einer so langen Zeit die Freundschaft einfach wortlos abbrechen. Bin bereit ihr eine Tür offen zu halten. Sie müsste einfach nur durchgehen. Aber vielleicht ist das auch mein Fehler, weil sie keinen Grund hat eine offene Tür einzurennen?

Seit einer Woche haben wir keinen Kontakt. Ich schreibe nicht von mir aus. Sie weiß, dass bald ein besonderer Tag für mich ist. Nicht von mir, aber von einem gemeinsamen Freund.

Ich hoffe noch darauf, dass sie etwas sagen wird. Irgendwas, dass meine Enttäuschung mildert und unserer Freundschaft eine Chance gibt. Eine letzte Chance. Denn in all den Jahren, habe ich zu oft geschwiegen, zu oft nur an das Gute gedacht und versucht es mit dem Schlechten aufzuwiegen. Diesmal ist es mir zuviel. Ich bin glücklich, ich muss es nicht ständig erwähnen und in die Welt hinausrufen, aber ich muss mich auch sicher nicht dafür schämen.

Ich habe Fehler gemacht, sicherlich und sie ebenso, vielleicht waren es einfach zu viele? Vielleicht können wir es noch einmal retten. Bald wird es sich zeigen…

oniholihn

(Sommer 2007)

Ich muss an diesen Spruch denken: Lachen kann man mit jedem, weinen nur mit wahren Freunden. Das mag wahr sein, aber was ist ein wahrer Freund wert, der nicht mehr mit dir gemeinsamen Lachen kann?

Advertisements

(Fast) alles wie immer

Es war 2 Tage nach meiner OP. Ich lag im Bett und war benebelt von den Tramal. ( Benebelt ist gut, man könnte auch sagen ich war ziemlich high.) Gelangweilt drehte ich  mich von einer Seite auf die andere, suchte die beste Position für mein Bein, um endlich ein wenig schlafen zu können, als sich plötzlich mein Handy meldete. Eine whatsapp Nachricht. Yaya schickt mir eine Audio Datei. Mein Internet ist relativ langsam, die Übertragung dauert. Ja, Yaya hat seit neustem Whatsapp. Und ihr könnt euch nicht vorstellen WIE dankbar ich bin, dass er es damals nicht hatte! Was für ein Albtraum wäre das gewesen! Ich wäre sicherlich von einer harmlosen „Fb Stalkerin“ zu einer waschechten „ich checke jede Sekunde ob du online bist-Stalkerin“ geworden.

Ich muss lächeln. Es ist so befreiend, dass das alles ein Ende gefunden hat. Immer noch ein so unglaubliches Geschenk, jemanden wie Amin gefunden zu haben, bei dem ich ohne Zweifel und Ängste sein kann.

Die Übertragung ist beendet. Da er mir das Lied bei whatsapp schickt und nicht bei Dropbox (eigentlich ja nun unser Medium, über das wir uns hin und wieder, eher kommentarlos, im stillen Einverständnis, Songs und Filme schicken, die wir besonders mögen), gehe ich davon aus, dass es eines seiner neuen Demos sein muss. Ich starte den Song. Nach wenigen Sekunden beginnt eine Frau zu singen. Haben sie jetzt eine Sängerin? Wow! Die ist aber gut!

Spätestens nach einer Minute ist klar: Das ist kein Demo und sie haben keine so tolle Sängerin, das ist einfach ein Song. Er ist schön, aber auch etwas schwermütig. Oben in der Whatsapp Leiste sehe ich, dass er ununterbrochen online ist. Irgendwie fühle ich mich genötigt zu antworten, das Problem haben wir bei dropbox sonst nicht. Ich bin aber etwas verunsichert. Das Lied ist so…ach was rede ich eigentlich drum herum: Es ist ein Liebeslied.

Vor wenigen Monaten noch hätte mir ein solcher Song ein Bad der Gefühle beschert. Jetzt frage ich mich einfach nur, ob es ihm gut geht. Aber auch das will ich nicht schreiben. Was für eine komische Reaktion wäre das auch, auf einen einfach Song mit der Frage „Gehts dir gut?“ zu antworten. Also schreibe ich, vorsichtig:

Wow, Yaya. Ein sehr schönes Lied.“

„Ja, nicht wahr Ninjaan?“

„Ja, total! Hast du meine Lieder bei Dropbox schon gehört?“ (Ich hatte ihm 2 Wochen zuvor ein Rap Lied geschickt)

Nein! Wann hast du das in den Ordner gemacht?“

“ Vor 2 Wochen oder so?“ 

“ Achsoo! Cool! Danke!“

Dann fällt mir ein, dass vor wenigen Tagen Wahlen im Iran waren und weil wir ewig nicht über Politik geredet haben und ich so „tramalisiert“ im Bett rumliege, frage ich ihn danach.

Hast du gewählt Yaya?“ 

„Nochmal Wart.“

„Warte?“ ( ja, jaa ich bin etwas verpeilt…)

10 Minuten kommt gar nichts. Ich habe das Handy schon zur Seite gelegt und versuche einzuschlafen, als es wieder vibriert.

WTF is going on with u Ninja!!!“ 

Hö? Ich wollte ja eigentlich dito schreiben. Aber plötzlich muss ich lachen. So richtig, dass mir der Bauch weh tut. Da ist er wieder, darf ich vorstellen „grumpy Yaya“ . Mehr oder weniger ohne Zusammenhang taucht er auf, aus dem Nichts und knallt dir irgendwas vor den Latz, weil er gerne etwas streiten möchte. Hätte ich mir eigentlich auch denken können, wenn er mir solche Lieder, was auf eine „komische“ Stimmung hindeuten sollte, schickt. Ich antworte nicht. Wozu auch. Er kommt schon alleine wieder runter. Und wenn wir uns das nächste Mal schreiben oder etwas schicken, hat er es eh wieder vergessen – wie immer.

Ja, vor wenigen Monaten hätte ich geglaubt, dass der Song den er mir schickt eine Bedeutung hat und ich wäre auf sein „WTF“ eingegangen und wir hätten uns wahrscheinlich gehörig angefaucht. Heute berührt es mich nicht. So ist er nun mal. Von mir aus kann er so bleiben, er ist nicht der Mann den ich an meiner Seite haben will und deshalb darf er ruhig auch mal rumzicken, wie so manch eine meiner Freundinnen – aber er kriegt dann auch dieselbe Reaktion: Desinteresse. Ich warte einfach bis der Sturm sich legt.

2 Minuten später bekomme ich eine Nachricht von Amin:

“ Wie geht es dir Ninjaani? Wie sind die Schmerzen? Es tut mir so leid, dass ich nicht bei dir sein kann. Ich rufe dich gleich nach der Arbeit an!“

Ich lächel wieder, diesmal weil mir ganz warm ums Herz wird. Was für ein Glück ich doch habe. Ich hoffe Yaya wird so etwas eines Tages auch mal haben können.

Trotzdem will ich euch den Song nicht vorenthalten, denn eigentlich ist er wirklich schön:

 

Countdown

34 Tage noch, dann ist es endlich soweit: Ninjaan geht wieder arbeiten!!!! YEEAAAHHH!!!

Endlich ist die Zeit der Langeweile, des Betthütens und der schlaflosen Nächte vorbei. Und das Allerbeste daran? Ich muss nicht zurück! Nicht zum alten Job und nicht zum alt-alt Job – ich habe einen ganz neuen, darf neu anfangen, eine neue Herausforderung, die ich nach all den Monaten der „Unterbeschäftigung“ so dringend brauche!

Heute geht´s mir, trotz der Schmerzen und der „miserablen Beugung meines Knies“ (O-Ton Physiotherapeutin), einfach nur gut. Die Existenzängste verziehen sich in die letzte Ecke, wo sie auch hingehören.

Mein neuer Arbeitgeber gehört zu einer der größten sozialen Institutionen hier in DE und das bedeutet für mich, die ich immer nur in kleinen privaten Einrichtungen beschäftigt war: Anständiges Gehalt, vernünftige Arbeitszeiten, Sonderleistungen uvm. Vielleicht meckere ich in wenigen Monaten auch darüber, aber jetzt gerade klingt es für mich unglaublich toll!

Jetzt kann ich die 2 Wochen mit Amin im Juli richtig genießen, Kraft tanken und neu durchstarten! Herrlich!

 

countdown

 

Es könnte doch so einfach sein!

Sie: Duuu! Marlene! Sag mal dem Bernd, dass er sich bei mir entschuldigen soll!

Marlene: Bernd! Entschuldige dich bei IHR!

Bernd: Entschuldigung…

Sie: Nehm ich nicht an!

10 Minuten später im Garten

Sie: Beeeeeeeernd?

Bernd: Ja?

Sie: Findest du mich süß?

Bernd: Ja klar.

Sie: So richtiiiiiiig?

Bernd: Ja klar.

Sie: Gut, dann kannst du auch mein fester Freund sein, oder?

Bernd: Ja klar!

Gehört:  Werkstätte für Menschen mit körperlicher, geistiger oder psychischer Beeinträchtigung (ich glaube auf jedenfall, dass es jetzt so heisst…) 

Warum machen wir es uns eigentlich immer so schwer, wenn´s doch so einfach sein könnte?

willst-du-mit-mir-gehen-2

Mitgefühl wird überbewertet

Nein, nein! Keine Sorge! Das meine ich gar nicht so. Schon gar nicht als Sozialarbeiterin! Wie könnte ich auch? Ich bin das Mitgefühl auf 2 Beinen,  habe es mit allem und jedem und das Beste ist: Ich erwarte NICHTS aber auch rein GAR NICHTS dafür. Toll oder?  Total!

Denken sich anscheinend aber nicht nur „Klienten“ sondern auch Kollegen und bevorzugt Vorgesetzte. Mitgefühl gibt´s nicht für uns, weil wir die geborenen „ich arbeite immer gerne lange und hart und erwarte weder Anerkennung noch ne Gehaltserhöhung“ – Typen sind. Das ist mir nicht neu, sondern altbekannt. Es ist erträglich, man ist quasi darauf geschult sich das nicht zu Herzen zu nehmen.

Ich habe während meiner gesamten Krankheitsphase (immerhin 7 Monate nun) niemals eine Karte oder einen netten Anruf bekommen. Wenn ich angerufen wurde, dann nur weil sie (mittlerweile ja nun schon seit 6 Monaten unentgeltlich!) irgendwas von mir wollten. Brav bin ich immer gesprungen, aber mit der Zeit wurde mir klar „dahin gehe ich definitiv nicht zurück“.  Ich erwarte von denen gar nichts mehr, rufe aber auch nicht mehr wirklich zurück und in wenigen Tagen haben sie dann, unangekündigt (wie rebellisch und böse muaaaaaaaaaaaah), meine Kündigung auf dem Tisch!

SO! Das habt ihr jetzt davon! Nicht mal einen Funken gespieltes Mitgefühl? Das geht selbst mir als „Paradebeispiel“ einer „ich vergesse mich selbst“ Sozialarbeiterin zu weit. Also habe ich mich anderweitig beworben. Und, ohne es je für möglich gehalten zu haben, wurde ich tatsächlich vorletzte Woche zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Für einen Job, der etwas absolut Neues für mich ist, aber gerade deswegen auch unschlagbar interessant.

Ich habe mich gefreut wie Klößchen, bin vor  der OP noch schnell zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden und habe, irre wie ich bin, zugestimmt, dass ich nur 10 Tage nach der OP (nur Teilbelastung des Beins und 30° Beugung) 3 tagelang Probearbeiten werde. Vielleicht war es die Euphorie tatsächlich meinen alten Job loszuwerden oder die Neugierde auf das unbekannte Arbeitsfeld (oder die 200 Euro mehr netto +Zusatzleistungen)? Was es auch war, es ließ mich kurzfristig vergessen, dass NIEMAND es für nötig zu halten scheint, auch mal etwas Mitgefühl mit uns  (also mir) zu haben.

Ich habe mich Montag unter Schmerzen, mit Krücken und Thrombosestrumpf zur Arbeit geschleppt (wenn das die KK wüsste…) und musste gleich 6 Stunden bleiben, von denen ich gefühlte 3 Stunden nur durch die riesige Einrichtung geführt wurde (laufend). Heute blieb ich dann 8 Stunden und als ich für einen Moment bei den Kollegen das Bein auf den Stuhl legte (es war mittlerweile, auch in der Jogginghose unverkennbar, angeschwollen) erntete ich einen vorwurfsvollen Blick von dem“vielleicht bald“ Vorgesetzten.

Is das zu fassen? Ich schleppe mich da hin, um sie von mir zu überzeugen und ernte noch schräge Blicke? Ich habe einfach zurückgeguckt und gesagt: „Mein Bein MUSS hochgelegt werden!“ mehr brachte ich nicht heraus.

Bei solch einem Verhalten gleich zu Anfang frage ich mich natürlich „Wie soll das da weitergehen“, aber andererseits ist es immer noch die beste Alternative die ich habe. Niemand bezahlt so gut, nirgendwo habe ich solche geregelten Arbeitszeiten wie da.

Also schleppe ich mich auch morgen dorthin, beiße die Zähne zusammen, lutsche Schmerztabletten wie Bonbons und hoffe, dass sie meine Hartnäckigkeit in Verbindung mit meiner beruflichen Erfahrung überzeugen wird. Morgen Nachmittag werden sie mir Bescheid geben. Wenn sie mich nicht nehmen, schmeiße ich ihnen glaube ich meine Krücken um die Ohren… Dann habe ich nämlich einfach mal kein Mitgefühl mehr!

 

??????????????????????????????????????????????????????????????????????????????

Eine Legende zum Tod des Narren

Sieben Mal wurde er getroffen, vielleicht mehr vielleicht weniger. Die Menschen wissen es nicht mehr. „Es geschah so schnell!“ sagen sie. Der Narr war unter ihnen, aber nie ein Teil von ihnen und doch gehörte er dazu. Wie er alltäglich seine Papiere wälzend, etwas fern ab der Mauer saß oder anklagend durch ihre Reihen zog. Geflucht habe er, auf die Menschen und die Regierung, auf jeden und alles. Sie verstanden seine Wut nicht immer, teilten sie nicht immer, aber sie liessen ihn. Er ist doch nur ein Narr! Lasst ihn doch hier sein und nach seinem Seelenfrieden suchen, sagten sie, wenn es einmal den Sicherheitsleuten zu viel wurde.

Jetzt war er tot und hatte mit seinem Blut, seinem närrischen, aber doch jüdischen Blut, den Platz vor der Klagemauer verschmiert. Und keiner Verstand, wie es geschehen konnte.

Drei Freunde hatten es an diesem Morgen miterlebt. Wie immer waren sie Freitags vor dem Shabbat zur Klagemauer aufgebrochen, um ihre Gebete zu verrichten. Wie immer, bestätigten sie, hatten sie den Narren mit seinen Papieren fuchtelnd und im Zwiegespräch mit sich in einer Ecke gesehen, bevor er sich erregt erhob und in Richtung der Waschräume aufbrach. Wenige Minuten später war er tot und jeder hörte die Schüsse.

Warum nur haben sie ihn getötet?“ fragte der Erste, der Freunde und an seiner Stimme erkannte man den Schrecken, der ihm tief in die Knochen gefahren war.

Sie sagen, er habe Allahu akbar gerufen! Wie töricht, selbst für einen Narren! antwortete der Zweite.

Ich erinnere mich, sprach der Erste, dass er einmal damit gedroht habe, Muslim werden zu wollen! Man stelle sich das vor! Wie eine Drohung sagte er dies!

Ebenso töricht, erwiderte der Zweite darauf, man kann doch nicht den Menschen drohen und sich später darüber wundern, wenn man so endet!

Töricht, dass seid doch nur ihr! raunte der Dritte ungehalten. Und erntete bös, verwunderte Blicke dafür. Ja! Töricht seid ihr, wenn ihr glaubt, er habe uns gedroht!

Bitte, lieber Freund, wenn du so viel schlauer bist, dann lass uns doch an deinem Wissen teilhaben! frotzelten seine Freunde ihm.

Niemals hat er uns gedroht, der Narr. Er hat doch nie wirklich mit uns gesprochen, war nie wirklich bei uns. Seine Drohung und sein Unmut allein galt G-tt ! Er beschwerte sich stets bei ihm. Und weil seine Bitten nicht erhört wurden, drohte er G-tt damit, Muslim werden zu wollen. Und somit den Bund mit ihm auf ewig zu brechen. Heute hat er es getan, er hat seine Drohung wahr gemacht und G-tt ins Gesicht geschrien, dass Allah größer ist! (Allahu akbar)

Verwundert sahen die beiden Freunde den Redner an. Schwiegen für einen Augenblick und setzten dann zu einer letzten, sie aber doch quälenden Frage an:

Also hat G-tt ihn heute für seine Ketzerei und seinen Unglauben bestraft, indem er ihn ermorden ließ?

Da erhellte sich das Gesicht des Dritten und er konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Aber nein, was glaubt ihr denn? G-tt hat ihn endlich erhört und von seinen Qualen befreit!

Anmerkung: Der Ausruf Allahu akbar gilt nicht als Glaubensbekenntnis und hat somit auch keinen Glaubensübertritt zur Folge, sondern kann in diesem Kontext als Provokation verstanden werden.

1226_0_Chagall_Hiob

Hiob in der Verzweiflung von Marc Chagall.

Tod eines Narren

Heute Morgen erreichte mich die Nachricht einer Freundin, die zurzeit in Jerusalem lebt.

„Schau dir das an!“ schreibt sie mir, mit dem Verweis auf diesen Link.

Die Nachricht:

Schon die Überschrift verwundert “ Security man shoots dead Jewish man in Kotel“, nicht weil Gewalt in Jerusalem etwas aussergewöhnliches ist oder weil die Gewalt der Armee und Polizei niemals Juden trifft, sondern weil es an der „Kotel“, der Klagemauer geschah. Das ist in der Tat etwas ungewöhnliches. Gleich der 2. Absatz lässt mich wieder stutzen: „According to the guard the man shouted „Allahu akbar“ (arab. für: Gott ist der Größte)…“ Wie bitte? Wer macht denn sowas?

Aufmerksam lese ich den Rest des Artikels und noch einige weitere Artikel zu den Geschehnissen. Mittlerweile tauchen auch Kommentare in den sozialen Netzwerken auf. Manche hämisch á la „Was für ein Irrer! Selber Schuld, was schreit der auch sowas!“ andere beschweren sich über die Gewalt des „Guards“ der den Mann (dessen Namen ich übrigens nirgendwo entdecken kann) gleich mit einer Vielzahl von Kugeln durchlöcherte.

Über den Toten

Ein regelmäßiger Besucher der Klagemauer beschreibt den Getöteten im oben genannten Artikel als jemanden der seit Jahren bekannt ist. Bekannt, weil er seit Ewigkeiten auf dem Platz der Klagemauer herumirrt, begleitet von ewigen Klagen über die Regierung.  Bekannt auch, für sein auffälliges, nicht selten merkwürdig, erregtes Verhalten. Um anzudeuten, wie weit seine Verrücktheit ging, erzählt einer der Anwesenden davon, wie ebendieser sogar einmal behauptet hätte, er würde Muslim werden wollen. Was an sich, für einen Mann, der seine Zeit an der Klagemauer verbringt (wahrscheinlich also religiös ist) wirklich an Wahnsinn zu grenzen scheint. Er soll auch obdachlos gewesen sein und hin und wieder in der „Suppenküche“ nahe der Klagemauer ausgeholfen haben.

Narren vs. Verrückte

Immer wieder fällt, jedenfalls bei den Kommentaren die ich lese, das Wort „verrückt“. Verrückt ist abwertend. Ich mag diese Bezeichnung nicht, denn vor meinem inneren Auge zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab. Das Bild eines modernen Narren. Und wenn ich Narr sage, dann meine ich es keinesfalls abwertend! Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich in diesem Jahr zwei Bücher gelesen habe, die sich indirekt mit Narren und dem Narrentum beschäftigten und mein Verständnis von Narren nachhaltig beeinflussten. Zum einen, das Buch von Hazel Rosenstrauch „Juden Narren Deutsche“ und zum anderen, das Meisterwerk „Der Schrecken Gottes: Attar, Hiob und die metaphysische Revolte“ von Navid Kermani. 

Kermani, angelehnt an Fariduddin Attar, sagt, dass die Narren weise sind, „deshalb ihr Schmerz, sie erinnern sich an die Geheimnisse, die die übrigen Menschen vergessen haben“ […]* Er nennt sie frei, da sie „politisch und religiös ausserhalb der Gemeinschaft stehen „[…]** Ähnlich beschreibt Hazel Rosenstrauch, in dem Kapitel Narrologien, die Eigenschaften und den gesellschaftlichen Status der Narren. So zitiert sie den Kommentar eines Holzschnitts aus dem 16 Jhdt.  mit den Worten „Kinder und Narren stehen ausserhalb des Ständegefüges“. Verdeutlichend fügt sie hinzu, dass Narren eben all das dürfen, was andere nicht dürfen. ***

Wirft man nun noch einmal den Blick zurück, auf die, zugegebenermaßen wenigen, Aussagen über den heute Ermordeten, so kann man vielleicht tatsächlich einen Narren erkennen und nicht nur einen, wie wir diese Menschen heute gerne beschreiben, „Verrückten ohne Sinn und Ziel“ . 

Das stimmt traurig, nicht nur weil ein Mensch gestorben ist und ein anderer zum Mörder werden musste, sondern weil  es ein Verlust ist. Der Verlust eines Narren, eine vielleicht so furchtbar seltene Spezies.

 

Der Narr am Galgen

narr-galgen

Quelle. Geistbraus.de

 

*Der Schrecken Gottes: Attar Hiob und die metaphysische Revolte S. 184

** ebd. S. 185

*** Juden Narren Deutsche: S. 40

Gedanken zur Integrität

„Es ist genug“ sagst du und erhebst dich. Aber die Wahrheit ist, dass es dir selbst nur genug ist. Denn eigentlich ist es schon lange genug. Du hast es nur nicht gesehen, es hat dich nicht betroffen.  Jetzt trifft es dich. Du gehst auf die Straße und rufst und lässt deiner Wut freien Lauf. Und du gehst auf die Straße und schweigst und bringst damit deine Verzweiflung zum Ausdruck.

Du wütest und weinst, für die Freiheit, sagst du. Aber die Wahrheit ist, dass es deine Freiheit ist. Denn eigentlich ist die Freiheit seit jeher bedroht. Und du hast es gewusst. Aber du hast nichts dagegen unternommen. Du bist nicht auf die Straße gegangen, hast weder geschrien noch gewütet, du hast geschwiegen, aber nicht um deiner Verzweiflung Ausdruck zu verleihen, sondern weil es dich nicht interessierte.

Wer fort sieht, sagst du, macht sich schuldig. Wie vieler Verbrechen hast du selbst dich schuldig gemacht? Darüber willst du nicht reden. Du bist beschäftigt, im Namen der Freiheit. Du bist auch weiterhin zu beschäftigt, um die Anderen zu sehen. Machst du dich nicht weiter schuldig?

Du sagst, sie sind böse und ich bin gut. Du sagst deine Ziele seien edel und ihre vernichten nur die Freiheit. Doch die Wahrheit ist, dass du nicht gut bist und sie nicht böse und auch du bist nicht böse und ebenso sind sie nicht gut. Hast du das denn immer noch nicht gelernt? Hast du nicht verstanden, dass die Freiheit für alle gelten muss, sie aber jeder anders empfindet?

Du wirfst ihnen Propaganda vor und im selben Atemzug bedienst du dich ihrer, als gäbe es kein Morgen. Wem soll ich glauben? Versteh mich nicht falsch, ich werde auf deiner Seite sein, am Ende des Tages. Aber erlaube mir dennoch, dich zu fragen: Wie integer sind deine Ziele? Wirst du morgen auch an meiner Seite stehen? Und an der Seite all der Anderen?

Wirst du dich für die Freiheit Anderer erheben?

Sie warten:

Bahrain

Irak

Bahaii in Iran

Pakistan

Myanmmar

Brasilien

uvm…

integrity2

Ambulante Operation

Als ich die Augen aufschlage durchfährt ein unbeschreiblicher Schmerz mein gesamtes rechtes Bein. Augenblicklich kralle ich meine Hände fester in die dünne Bettdecke und versuche mich zu orientieren. Ich sehe nur verschwommen und meine Konzentration ist durch den betäubenden Schmerz erheblich eingeschränkt. Ich höre Stimmen um mich herum, die Stimme meiner Mutter. Meine Augen suchen und finden sie, rechts, ganz dicht neben dem Bett. Sie lächelt und redet auf mich ein, ihre Stimme klingt nervös. Ich würde gerne etwas antworten, aber mir fehlt die Kraft. Ich verliere das Bewusstsein.

Eine fremde Stimme weckt mich. An meinem rechten Arm wird herum hantiert und ich höre noch die Worte „Das brennt jetzt gleich, aber es wird den Schmerz lindern!“ bevor besagtes, brennendes Gefühl schon einsetzt. Man spritzt mir etwas durch die Kanüle in meinem Arm. Meine Augen sind noch geschlossen und verzweifelt bete ich darum, dass es ein Wundermittel ist, dass den Schmerz augenblicklich lindern wird. Das ist es aber nicht. Der Schmerz bleibt. Ich will die Augen nicht öffnen. Bloß wieder einschlafen. Einschlafen und nicht mehr aufwachen bis der Schmerz aufhört.

„Sie müssen etwas trinken!“ die fremde Stimme ist wieder da. Ich will nicht trinken. Ich habe seit gestern Abend nicht mehr getrunken und auch jetzt will ich nicht. Dieser Schmerz hört nicht auf. Operieren sie noch? Bin ich während der OP aufgewacht? Warum wirkt dieses Schmerzmittel nicht? Ich öffne vorsichtig die Augen und blicke in das genervte Gesicht einer Krankenschwester Ende 40. Ich mochte sie schon nicht, als ich vor ein paar Stunden hier ankam. Sie ist definitiv die letzte Person, die ich jetzt sehen will. Und so schließe ich einfach wieder die Augen.

Ein Hand streicht mir über das Haar, eine andere hält meine Hand. Meine Eltern stehen beide an meinem Bett. Ich fühle mich wieder wie ein kleines Kind, wie damals, als ich so oft im Krankenhaus sein musste. Ich lausche in meinen Körper, der Schmerz übertönt noch immer alles, aber ich öffne dennoch die Augen. Meine Mutter schaut besorgt, das Lächeln ist wie fortgewischt, mein Vater sieht müde aus. Sieht er immer so müde aus? Meine Mutter hält mir ein Glas Wasser an den Mund. Angewidert nehme ich einen Schluck. Das Schlucken fällt mir schwer. Mein ganzer Körper ist vom Schmerz betäubt. Ich will einfach nur schlafen.

„Sie müssen jetzt bitte einmal aufstehen Frau Ninjaan!“ Die hässliche fremde Stimme spricht wieder zu mir. Ich zwinge mich die Augen zu öffnen. Gegenüber von meinem Bett liegt eine andere Frau, sie schaut ängstlich zu mir herüber. Wird sie auch gleich operiert werden? „Aufstehen!“ befiehlt die Krankenschwester. Ich schaue sie fragend an, allein das Schauen bereitet mir Schmerzen. Warum lässt man mich nicht in Ruhe? Ich würde gerne etwas antworten oder sie wegschicken, ihr sagen, dass sie verschwinden soll. Aber meine Zunge ist so schwer. „Nehmen sie die Flasche neben sich auch  mit! Die muss mit!“ Flasche? Ich weiß überhaupt nicht wovon sie spricht. Vorsichtig bewege ich meine rechte Hand und spüre eine Plastikflasche neben mir. Ich hebe sie zaghaft hoch und erstarre.

„Ja, die müssen sie dann aus der Hose hängen lassen!“ Ich höre gar nicht mehr zu. Woher kommt diese Flasche? Warum ist da Blut drin und wohin führt der Schlauch. Mir wird schlecht. Davon hat mir niemand etwas gesagt! Warum sagt mir keiner, dass ich da einen Schlauch im Knie haben werde? Ich würde gerne weinen, vor Schmerz und weil mein Gehirn so langsam arbeitet und ich nichts wirklich begreife. Aber ich kann nicht, weinen strengt an. Ich habe keine Kraft. Ich will doch nur schlafen und das es aufhört.

Die Krankenschwester gibt keine Ruhe. Irgendwann lasse ich mich von ihr an den Bettrand befördern. Meine Mutter erschrickt, schreit die Krankenschwester an, ich würde doch gleich umfallen, ob sie das nicht sehen würde. Ich lächele in mich hinein. Danke Mama. Aber nein, die Krankenschwester sieht das nicht. Ich soll aufstehen. Sie reicht mir die Krücken. Ich stehe auf einem Bein, verliere fast den Halt. Der Schmerz in meinem Knie ist kein bloßer Schmerz mehr, als würde man mir ein Schwert durch das Bein jagen, so fühlt es sich an. Ich stöhne auf. Mein Vater legt mich zurück aufs Bett. Ich schlafe ein.

Ich wimmere, der Schmerz bringt mich um den Verstand. Alle wollen das ich trinke, aber ich will nicht, ich will nur schlafen. Sie reden wirr durcheinander und ich verstehe sie nicht. Sie streiten und schweigen. Ich weiß nichts, nur das ich den Schmerz nicht mehr ertragen kann. „Schmerzmittel, bitte.“ hauche ich. Meine Bitte wird erhört. Mein Arm brennt wieder. Der Schmerz nimmt nicht ab.

Irgendwann bringen sie mich auf ein Zimmer. Ich verstehe nicht was passiert. Aber ich bin erleichtert, vielleicht lassen sie mich hier auf dem Zimmer in Ruhe? Ich will doch nur Ruhe. Sie diskutieren. Meine Eltern zwingen mich immer wieder zu trinken. Ich will nicht trinken, ich will schlafen. Irgendwann gehen sie. Ich frage nicht wann sie wiederkommen. Alles ist mir egal, ich habe einfach nur Schmerzen.

Der Schmerz bleibt, den gesamten Tag, die gesamte Nacht. Immer wieder wecken mich Pflegerinnen, geben mir Wasser, reden auf mich ein. Ich bin immer noch so benommen. Könnte ich nur einen klaren Gedanken fassen.

Am nächsten Morgen wache ich auf, weil meine Zimmernachbarin die Fenster öffnet und auf mich einredet. Ich bin wieder klar, aber der Schmerz ist nicht fort. Ich klingele, ich brauche Schmerzmittel, schnell, bevor ich wieder den Verstand verliere. Die Pflegerin bringt mir Tabletten und knetet meine Hand. Die ist ganz angeschwollen. Sie sagt etwas von einer Infusion die etwas daneben gegangen ist. Meine Hand ist wie die des Michelin Männchens. Komisch sieht das aus.

Mein Vater kommt irgendwann. Er will mich abholen, ist erleichtert, weil ich wieder klar bin. Wir sollen zum Arzt. Der ist nicht hier im Krankenhaus sagen sie, der ist in der Praxis und weil ich ambulant operiert wurde, kommt er nicht zu mir, sondern ich zu ihm. Ich frage wie meine OP verlaufen ist, mein Vater zuckt mit den Schultern, sie wissen es nicht. Der Arzt kam nicht, als es mir schlecht ging. Ich würde ihn verfluchen, aber ich bin damit beschäftigt mein Knie samt Schmerz zu verfluchen, keine Zeit für ihn.

Eine Stunde später spreche ich in der Praxis mit einem anderen Arzt. Er hat mich nicht operiert, aber es sei wohl alles gut. Ich bin müde. Ich bitte um Schmerzmittel. Er gibt mir Ibuprofen. Ich lache heiser. Ibuprofen gegen meinen Schmerz ist wie David gegen Goliath. Aber ich habe Tramal zuhause. Amin gab sie mir zur Vorsorge. Wäre er nur hier gewesen.

kreuzbandriss

Das erste Mal…

maenner-streit-unrechtJap, ne, nicht das. Schön wär´s und ich habe gehört, dass soll heutzutage sogar schon über´s Internet gehen – aber nein, nicht das erste Mal, sondern das erste Mal: Streiten und es nicht im selben Gespräch noch bereinigen.

Es war kein „Ich hasse dich jetzt und werfe dir alle unmöglichen Dinge an den Kopf“-Streit. Aber wir haben beide unterschiedliche Meinungen, beide sind wahrscheinlich sogar von Aussen verständlich – und gerade das macht es so kompliziert! Wer gibt jetzt nach? Und weil wir das beide nicht konnten und wollten, habe ich das Gespräch beendet, ruhig aber bestimmt und er hat es akzeptiert, was er sonst bei Meinungsverschiedenheiten eigentlich (Gott sei dank) nicht tut.

Eigentlich habe ich festgestellt, dass es wirklich besser ist, immer alles gleich zu bereinigen, alles auszusprechen und eine Lösung zu finden. Es erspart einem die Wut, die sich mit der Zeit aufstaut und man läuft nicht Gefahr irgendwann zu explodieren und „alte Karmellen“ auf den Tisch zu bringen.

Aber diesmal ging es einfach nicht, ich wollte nicht weiter reden, weil ich meine Gedanken sortieren will, ähnlich geht es ihm wohl auch gerade. Wir werden auch dieses Thema nicht auf die lange Bank schieben, können wir gar nicht, weil es mit meinem Besuch im Juli zu tun hat – aber ich habe gerade absolut keine Lösung im Kopf ausser  „Er hat gefälligst nachzugeben!“ – Klingt nicht gerade nach einer guten Lösung, is mir klar.

Und nu? Ich weiß es nicht, wirklich nicht. Das hier gefährdet, denke ich zumindest, nicht unsere Beziehung oder unsere Gefühle, aber es ist vielleicht die erste „Härteprobe“, eine von den vielen die uns noch blühen wird, wenn wir weiterhin vorhaben, unser Leben miteinander zuverbringen. Und das meistern dieser Probe, davon bin ich überzeugt, ist wahrscheinlich entscheidend für unsere Beziehung.

Deshalb sitze ich hier nun und überlege hin und her, ich gehe davon aus, das spätestens in 2 Stunden mein Telefon klingeln wird und wir dann zu einer Einigung kommen müssen, müssen, weil wir so nicht einschlafen wollen, nicht im Streit. Und ganz besonders in solchen Momenten wird mir klar, wie beschxxx eine Fernbeziehung sein kann. Solche Themen könnten bestimmt besser geregelt werden, wenn man sich gegenüber säße und nicht auf die, immer mal wieder schwächelnde Verbindung mit Viber, angewiesen wäre. Aber Jammern bringt nun auch nichts…

Ach und bevor ich es vergesse: Ich finde erste Male irgendwie immer ziemlich… -.-