Mitgefühl wird überbewertet

Nein, nein! Keine Sorge! Das meine ich gar nicht so. Schon gar nicht als Sozialarbeiterin! Wie könnte ich auch? Ich bin das Mitgefühl auf 2 Beinen,  habe es mit allem und jedem und das Beste ist: Ich erwarte NICHTS aber auch rein GAR NICHTS dafür. Toll oder?  Total!

Denken sich anscheinend aber nicht nur „Klienten“ sondern auch Kollegen und bevorzugt Vorgesetzte. Mitgefühl gibt´s nicht für uns, weil wir die geborenen „ich arbeite immer gerne lange und hart und erwarte weder Anerkennung noch ne Gehaltserhöhung“ – Typen sind. Das ist mir nicht neu, sondern altbekannt. Es ist erträglich, man ist quasi darauf geschult sich das nicht zu Herzen zu nehmen.

Ich habe während meiner gesamten Krankheitsphase (immerhin 7 Monate nun) niemals eine Karte oder einen netten Anruf bekommen. Wenn ich angerufen wurde, dann nur weil sie (mittlerweile ja nun schon seit 6 Monaten unentgeltlich!) irgendwas von mir wollten. Brav bin ich immer gesprungen, aber mit der Zeit wurde mir klar „dahin gehe ich definitiv nicht zurück“.  Ich erwarte von denen gar nichts mehr, rufe aber auch nicht mehr wirklich zurück und in wenigen Tagen haben sie dann, unangekündigt (wie rebellisch und böse muaaaaaaaaaaaah), meine Kündigung auf dem Tisch!

SO! Das habt ihr jetzt davon! Nicht mal einen Funken gespieltes Mitgefühl? Das geht selbst mir als „Paradebeispiel“ einer „ich vergesse mich selbst“ Sozialarbeiterin zu weit. Also habe ich mich anderweitig beworben. Und, ohne es je für möglich gehalten zu haben, wurde ich tatsächlich vorletzte Woche zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Für einen Job, der etwas absolut Neues für mich ist, aber gerade deswegen auch unschlagbar interessant.

Ich habe mich gefreut wie Klößchen, bin vor  der OP noch schnell zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden und habe, irre wie ich bin, zugestimmt, dass ich nur 10 Tage nach der OP (nur Teilbelastung des Beins und 30° Beugung) 3 tagelang Probearbeiten werde. Vielleicht war es die Euphorie tatsächlich meinen alten Job loszuwerden oder die Neugierde auf das unbekannte Arbeitsfeld (oder die 200 Euro mehr netto +Zusatzleistungen)? Was es auch war, es ließ mich kurzfristig vergessen, dass NIEMAND es für nötig zu halten scheint, auch mal etwas Mitgefühl mit uns  (also mir) zu haben.

Ich habe mich Montag unter Schmerzen, mit Krücken und Thrombosestrumpf zur Arbeit geschleppt (wenn das die KK wüsste…) und musste gleich 6 Stunden bleiben, von denen ich gefühlte 3 Stunden nur durch die riesige Einrichtung geführt wurde (laufend). Heute blieb ich dann 8 Stunden und als ich für einen Moment bei den Kollegen das Bein auf den Stuhl legte (es war mittlerweile, auch in der Jogginghose unverkennbar, angeschwollen) erntete ich einen vorwurfsvollen Blick von dem“vielleicht bald“ Vorgesetzten.

Is das zu fassen? Ich schleppe mich da hin, um sie von mir zu überzeugen und ernte noch schräge Blicke? Ich habe einfach zurückgeguckt und gesagt: „Mein Bein MUSS hochgelegt werden!“ mehr brachte ich nicht heraus.

Bei solch einem Verhalten gleich zu Anfang frage ich mich natürlich „Wie soll das da weitergehen“, aber andererseits ist es immer noch die beste Alternative die ich habe. Niemand bezahlt so gut, nirgendwo habe ich solche geregelten Arbeitszeiten wie da.

Also schleppe ich mich auch morgen dorthin, beiße die Zähne zusammen, lutsche Schmerztabletten wie Bonbons und hoffe, dass sie meine Hartnäckigkeit in Verbindung mit meiner beruflichen Erfahrung überzeugen wird. Morgen Nachmittag werden sie mir Bescheid geben. Wenn sie mich nicht nehmen, schmeiße ich ihnen glaube ich meine Krücken um die Ohren… Dann habe ich nämlich einfach mal kein Mitgefühl mehr!

 

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11 Kommentare

  1. Dagi · Januar 17, 2014

    kenne ich irgendwie aus meiner Branche, und diese Krückengeschichte auch

    • ninjaan · Februar 1, 2014

      Ist irgendwie überall dasselbe, wa?

  2. waldmonster · Juli 17, 2013

    Es ist ja auch schon zuviel verlangt, in der Sozialarbeit sozial aufgenommen zu werden.
    Aber das Phänomen beobachte ich schon länger und überlege, nach dem Studium auf Psychologie umzusatteln. :/

    Dir aber alles Gute! 🙂

  3. Patty · Juni 26, 2013

    Hey du, ich weiß gar nicht genau, was ich sagen soll. Erst mal wünsch ich dir weiterhin gute Besserung. Ich kann nur unterstreichen, was du schreibst. Ich bin inzwischen nicht mehr bereit, unter allen vorstellbaren schlechten Bedingungen zu arbeiten. Und ich habe wirklich an meiner eigenen Haltung gearbeitet, was z. B. das Bewerbungsprocedere betrifft. Weniger „Bitte bitte nehmt mich unbedingt“ und mehr „Es bewerben sich zwei Parteien wechselseitig“. Wobei es natürlich ein Privileg ist, die Wahl zu haben und auch nein sagen zu können.
    Vielleicht täusche ich mich, aber ich hatte beim Lesen den Eindruck, dass du ein eigenartiges Bauchgefühl nach der Hospitation hattest. Ich hoffe, der dritte Tag bringt für dich noch mehr Klarheit.

    So oder so wünsche ich dir gute Entscheidungen und dass es so weiterläuft, wie du es dir wünschst!

    • ninjaan · Juni 26, 2013

      Absolut, es gibt auch Jobs, die ich einfach unter den, meist vorherrschenden Konditionen, so nicht mehr annehmen würde, komme was wolle. Ich gehe eigentlich auch immer ziemlich gelassen in Vorstellungsgespräche und habe selten (ausser einmal, ein Psychologe war anwesend) schlechte Erfahrungen machen müssen.
      Zurzeit bin ich einfach sehr angeschlagen, dieser Job klang toll und alles in allem hatte ich besonders heute ein gutes Gefühl. Nicht unbedingt wegen der Vorgesetzten, sondern wegen der Arbeit an sich. Ich ging ziemlich sicher ins Abschlußgespräch und kam mit nichts als einem „Wir melden uns die Tage“ zurück. Ich hatte es, wie man es an meinem Post lesen kann, vielleicht sogar schon befürchtet, aber so blöde hätte ich es wirklich nicht erwartet…

  4. Ich♥Dich · Juni 26, 2013

    Go go go, mein Lieblings-Ninja! Zeig es allen!!! ❤

    • ninjaan · Juni 26, 2013

      Danke Schatz…aber so gut ist es glaube ich nicht gelaufen 😦

  5. Träumerin · Juni 25, 2013

    Tja….bist du da, hast du gefälligst zu funktionieren. Auch wenn du den Kopf unterm Arm trägst.

  6. silberminze · Juni 25, 2013

    SRY! Aber ich musste lachen.. 🙂 Aber dennoch mein Beileid mit so vielen gefühlslosen Menschen.

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