Das Glück

Wir sitzen im Auto und fahren durch das nächtliche Amman. Trotz des teilweise tödlich anmutenden Verkehrs habe ich mich entspannt in meinen Sitz zurückgelehnt . Du bist der einzige Fahrer, ausser mir selbst natürlich, bei dem ich mich absolut sicher fühle, selbst bei diesem Verkehr, vor dem sogar das Auswärtige Amt warnt. An jeder roten Ampel sucht deine Hand, wie selbstverständlich, die meine und hält sie fest, so fest, dass ich manchmal glaube, du hättest Angst ich könnte in der nächsten Sekunde aus dem Auto springen und für immer weg sein. Wenn du fährst sehe ich immer wieder zu dir hinüber, dein Profil bezaubert mich und ich könnte dir bis in alle Unendlichkeit sagen, wie wunderschön du für mich bist.

Immer wieder streiche ich dir sanft über die Wange, du lächelst und ein Grübchen zeichnet sich vorsichtig ab. Vor etwa einem Jahr schrieb ich über meine Angst vor dem „Ankommen“ und nun sitze ich hier neben dir, in einem fremden Land, in einem gemieteten Auto und fühle mich so angekommen, dass ich bereit wäre, für immer mit dir so weiter zu fahren, niemals anzuhalten oder auszusteigen, nur du und ich, hier an diesem Ort oder einem Anderen, es spielt keine Rolle. Plötzlich fühle ich das Zuhause, nach dem ich mich so lange heimlich gesehnt hatte. Es ist hier, an deiner Seite.

Und plötzlich überkommt sie mich, die Angst, die pure Panik. Mein Herz schlägt schneller und mir wird abwechselnd heiß und kalt. Nein, ich habe keine Angst vor uns oder vor dem was ich fühle, ich bin kein runaway mehr. Ich habe plötzlich unsägliche Angst dich zu verlieren, nicht genug Zeit mit dir verbringen zu können, getrennt von dir zu sein. Unzählige Gedanken schieße mir durch den Kopf. Ich beginne zu zittern, du spürst es, fährst rechts ran, nimmst mein Gesicht in deine Hände und küsst mir sanft die Tränen von der Wange, die sich unbemerkt gelöst hatten. Ich schmiege mich hilfesuchend an dich und kann meine Gefühle nicht in Worte fassen. Aber das muss ich auch nicht, du schützt mich und fragst nicht nach. Du bist mein Retter, das warst du vom ersten Moment an. Auch dir laufen die Tränen über die Wange. Wir brauchen eine Weile um uns zu beruhigen. Danach fahren wir wieder in die Nacht, du und ich und es dauert nicht lange bis wir uns wieder anlächeln.

Doch die Angst ist plötzlich da und verschwindet nicht mehr. Wann immer du in ein Auto steigst sorge ich mich um dich und schicke leise Stoßgebete in den Himmel, ER möge dich  mir heile zurückbringen. Als ich selbst Tage später in das Flugzeug steige, beginne ich wieder zu zittern. Ich hatte niemals Flugangst, jetzt habe ich sie. Was wenn mir etwas passiert? Was wenn ich dich nie wieder sehen kann? Habe ich dir alles gesagt? Habe ich dir alles gegeben? Gerade als ich mein Handy für den Abflug ausschalten will, rufst du noch einmal an. Deine Stimme zittert, Als ich dir nach der Ankunft schreibe antwortest du innerhalb einer Millisekunde – wir sind beide erleichtert.

Du bist mein wertvollster Schatz, erst mit deinem Erscheinen konnte ich all meine alten Ängste fortwischen, wie alten Staub, der sich mit den Jahren leise, aber stetig über mich gelegt hatte. Mit dir bin ich so frei, ohne jede Scham, ohne Verheimlichungen. Ich glaubte immer Freiheit würde bedeuten ungebunden zu sein, aber vielleicht bedeutet frei sein auch, sich fallen lassen zu können?

Ich habe geglaubt ein solches Glück, wäre nicht für mich bestimmt. Ich habe nicht einmal mehr darauf gehofft. Und jetzt ist es da, es umhüllt mich, vollendet mich. Immer wieder wenn ich dich ansehe, bin ich so erfüllt davon, dass es mich beinahe erschreckt. Kann soviel Glück sein? Wo ist der Harken? Was wird schief gehen? Kann jemandem wirklich so viel Glück wiederfahren? Jemandem wie mir? Uns?

Noch nie war mir etwa so wertvoll und lieb in meinem Leben, noch niemals hatte ich solche Angst etwas zu verlieren.

Und weil das so ist und weil ich mir niemals so sicher war, habe ich nicht eine Sekunde gezweifelt, dir vor dem Gott unseres Herzens, mein Leben anzuvertrauen. Weil wir daran glauben, dass wir einander ein Geschenk von Ihm sind, fehlte uns nur noch sein Segen. Der Segen der uns schützen soll, vor allem was kommen mag.

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11 Kommentare

  1. amitaf86 · September 15, 2013

    Ich heule …

    • ninjaan · September 15, 2013

      Oh nein liebe Amitaf! Bitte nicht weinen! 🙂

      • amitaf86 · September 15, 2013

        So schön… Ich kann ned anders.

  2. Träumerin · Juli 23, 2013

    Wunderschön…..du erlebst, was viele Menschen ihr ganzes Leben lang nicht erleben. Was wir alle suchen, aber so viele nicht finden. Ich freue mich mit dir ❤

    • ninjaan · Juli 28, 2013

      Ich wünsche es jedem so sehr!

      • salsabilalmaniya · September 15, 2013

        Ich habe Tränen in den Augen – denn du sprichst mir aus der Seele.

      • ninjaan · September 15, 2013

        Aber nur Tränen des Glücks bitte! 🙂

  3. Sherry · Juli 22, 2013

    Ich kann dich so gut fühlen. Du wirst Menschen begegnen, die dir sagen werden, das sei nicht ganz gesund. Ihr würdet aufeinander hocken, das würde doch langweilig werden mit der Zeit. Lass dir nicht einreden. Intensität wird hier verpönt, weil sie Angst macht. Man kann nicht lieben ohne emotionale Abhängigkeit. Der Grund, warum es so oft nicht klappt ist, dass viele dieses Parodoxon versuchen.

    Du schreibst wunderschön. Omidvaram paye ham pir shid … ❤

    • ninjaan · Juli 22, 2013

      Ich denke, genau das war bis jetzt auch mein Fehler – wenn man es denn so nennen kann. Denn eigentlich war einfach nur nicht der richtige Mensch da, mit dem ich es genau so erleben kann, wie ich es jetzt tue. Aber weil ich eben solche Reaktionen erwarte, spreche ich eigentlich nur hier auf meinem Blog so deutlich darüber..
      Kheili mamnun azizam ❤

  4. Summer · Juli 21, 2013

    <3!

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