Wenn ich ein Mann wäre…

Ich sage ihnen ganz ehrlich, weil Ehrlichkeit ist mir wichtig müssen sie wissen, dass ich sie in Anbetracht ihrer Kenntnisse und Kompetenzen gerne einstellen würde. Im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern würde ich mir bei ihnen sogar einiges an Zeit einsparen, weil sie entsprechend vorgebildet sind, aber sie sind Anfang 30 und verheiratet – Wann wollen sie Kinder bekommen?

Aha, wissen sie noch nicht. Also ich will jemand für 3 Jahre, minimum. Geht das? Können sie mir das versprechen? Haben sie wenigstens entsprechende Impfungen, so dass sie bis zur Geburt durcharbeiten könnten?

Wollen sie überhaupt Kinder?

Wie viele?

Sie möchten darauf nicht antworten?

Gut, also ich sage ihnen, sie wären meine Traumkandidatin! Nichts spricht gegen sie, nur eben diese Kleinigkeit. Also wenn ein MANN kommt oder eine Frau jenseits der 40, dann werde ich ihnen absagen.

Chefarzt einer Reha Klinik bei einem Vorstellungsgespräch.

Leider fallen einem angemessene Antworten erst später ein…

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20 Kommentare

  1. hijack · Juli 26, 2014

    Ach verdammt. Ich hör derlei nicht zum ersten Mal. Gerade kürzlich noch und vor geraumer Zeit wurde auch einer mir bekannten Bloggerin ähnliches von einem Headhunter berichtet, dass sie eben aufgrund der Kombination „30 und noch kinderlos“ viele Stellen nicht erhält. Narf.

    Aber, ohne jetzt in irgendein Wespennest stechen zu wollen, aus Arbeitgebersicht kann ich es (und ja, ich bin selber weiblich und habe selbst schon Absagen erhalten, aus mutmaßlich solchen Gründen) halbwegs nachvollziehen, weil es leider für Arbeitgeber in vieler Hinsicht massive Nachteile mit sich bringt, wenn eine Mitarbeiterin schwanger wird.

    Das ist echt totaler Schiet in diesem Land, wie das läuft. 😦 …und dann wird sich gewundert, wenn immer weniger Menschen sich für Kinder entscheiden…

    • ninjaan · Juli 27, 2014

      Nja ja…ich denke es gibt Bereiche da kann ich das vielleicht nachvollziehen, weil es eben Fachkräftemangel gibt, dass ist aber in meinem Bereich eher nicht der Fall. Sobald eine Stelle frei wird gibt es genug qualifizierte Sozialarbeiter die Nachrücken können, daher denke ich man muss das auch noch Situationabhängig sehen. Im übrigen weiss ich gar nicht, ob ich zuhause bleiben wollen würde…aber danach fragt dann nie einer 😦

      • hijack · Juli 28, 2014

        Tatsächlich wäre ein Fachkräftemangel da wesentlich vorteilhafter. ^^
        Das Problem liegt ja meist eher in den Umständen, den die Schwangerschaft einer Mitarbeiterin dauerhaft verursacht. ^^ Eventuell kurzfristige Ausfälle während der Schwangerschaft, ggf. dürfen bestimmte Arbeiten irgendwann nicht mehr verrichtet werden, dann der Mutterschutz, der mit einer befristeten Kraft überbrückt werden muss, dann muss für eine bestimmte Zeitspanne exakt der Arbeitsplatz freigehalten werden, und dann nochmal für eine bestimmte Zeitspanne ein gleichwertiger Arbeitsplatz. Ggf. möchte die Mitarbeiterin dann auf Teilzeit arbeiten, und zudem fällt sie ggf. öfter mal kurzfristig aus wegen Krankheit des Kindes, etc. pp.

        Wenn kein Fachkräftemangel gegeben ist, fragt sich ein Arbeitgeber eben, warum er sich den ganzen Aufwand antun soll, wenn er ebenso gut einen Mann einstellen kann, bei dem sich all diese Umstände nicht ergeben.

        Und Bäms, da stehen dann wir kinderlosen Frauen und haben die A-Karte… (Und ja, es ärgert mich, tierisch.)
        Ist man hingegen unentbehrlich, wird ein Riesenaufwand betrieben, einem alles so angenehm wie möglich zu machen.

        Mäh.

        Die Arbeitswelt ist einfach irre familienunfreundlich, oftmals selbst in Konzernen, die sich Work-Life-Balance auf die Fahnen schreiben.
        Ich bin inzwischen aus vielen Gründen ein echter Arbeitgeberhasser, aber wenn ich mich in die Situation eines Arbeitgebers versetze und ganz kühl logisch darüber nachdenke, sehe ich es, was diese Sache angeht, leider ebenso und würde mir überlegen, ob ich Frauen einstelle. >_>

  2. A. Liese · Juni 24, 2014

    Hallo,
    ich habe dich für den Liebster Award nominiert! Wäre schön, wenn du die 11 Fragen beantworten könntest, die ich auf meinem Blog gestellt habe. Näheres erfährst du unter: http://anspruch-wirklichkeit.blogspot.de
    LG ALiese

  3. Amorak · Juni 16, 2014

    dazu fällt mir echt nix ein …. :0(

  4. waldstern · Juni 16, 2014

    für solche Fragen hat die Rechtsprechung das Recht auf Lüge entwickelt. Die Frage nach dem Bestehen einer Schwangerschaft ist gegenüber einer Bewerberin, die unbefristet eingestellt werden soll, unzulässig. Dies gilt selbst dann, wenn die vertraglich geschuldete Tätigkeit wegen eines Beschäftigungsverbots zunächst nicht ausgeübt werden kann.

    Siehe ausführlich:
    http://www.aok-business.de/fachthemen/pro-personalrecht-online/datenbank/urteile-ansicht/poc/docid/246258/

    • ninjaan · Juni 16, 2014

      Vielen Dank für die Info Waldstern! Das wusste ich in der Tat auch nicht! Man ist, was das betrifft, ja häufig wirklich unsicher!!

  5. amitaf86 · Juni 15, 2014

    So etwas dürfte heutzutage nicht mehr passieren! Unglaublich.

    • lostsoul · Juni 15, 2014

      ist auch gesetzlich nicht rechtens. doch wenn das VG nur zwischen den beiden statt fand, dann steht die aussage gegen aussage.

      • amitaf86 · Juni 15, 2014

        Schlimm! Und der Staat gauckelt uns was von Emanzipation und Gleichberechtigung vor. Super.

      • ninjaan · Juni 24, 2014

        GAUCKelt ist ja mittlerweile auch ein schönes Wortspiel 😉

      • amitaf86 · Juni 24, 2014

        😀 😀 😀

  6. lostsoul · Juni 15, 2014

    Hat dies auf Gedanken sind frei rebloggt und kommentierte:
    So viel zum Thema “Gleichstellung“

  7. fxhakan · Juni 15, 2014

    das ist ja echt mies auch wenn er sehr ehrlich ist! er bewegt sich rechtlich auf dünnem eis. gibt es dazu nicht das antidiskriminierungsgesetz… ich drücke dir die daumen für eine bessere stelle…

    • ninjaan · Juni 15, 2014

      Danke Hakan!
      Ja, er hat das auch gut verpackt, ich dachte auch erst: Oh ja…sehr ehrlich. Ja, schon nur: Mal im Ernst, wenn der jetzt gesagt hätte:“ Ganz ehrlich, ich mag keine Leute mit ausländischen Namen“ – dann wäre das auch einfach nur rassistisch und der Wert der Ehrlichkeit ist hier doch irgendwie nachrangig, oder?
      Eigentlich sollte sowas nicht mehr passieren -.-

      • sunnyXray · Juni 15, 2014

        Ich glaube laut deutschem Gesetz kann man in dem Fall lügen, dass sich die Balken biegen, zB dass du dich hast sterilisieren lassen. Schon traurig, dass Frau auf solche Tricks zurück greifen muss, alle drüber Bescheid wissen aber sich dennoch nichts ändert.

      • lostsoul · Juni 15, 2014

        wenn die lüge raus kommt, kann es ein Kündigungsgrund sein. hatte auch ähnliches VG. da war der typ nicht so direkt, aber schon deutlich genug. da stans mir die kinnlade auch lange offen… aber da weisst du eben, dass es nicht an deiner Qualifikation liegt. du bist im besten alter 😉 und mein handycap – zwei kleine sonnenscheingleiche krümel. egal was frau macht, keinem kann sie es recht machen.

        mal ne frage, war VG unter 4augen?

      • sunnyXray · Juni 15, 2014

        >KEUCH:(

      • ninjaan · Juni 15, 2014

        Da bin ich mir nicht sicher SunnyXray…aber definitiv: Sollten die mich anrufen und mir doch tatsächlich noch was anbieten, dann werde ich mit Begründung ablehnen.
        Auch wenn ich gefühlt ins Straucheln komme, ich will bei so einem Arbeitgeber nicht sein….

      • ninjaan · Juni 15, 2014

        Das schlimmste ist, dass sie einen irgendwann glauben machen könnten, dass die Tatsache, dass wir Kinder gebären können oder gar welche haben, ein Handicap sei!
        Ne Lostsoul, neben mir saß noch die Chefin der Personalabteilung Anfang 50 die bei den Worten „KInder kriegen“ verächtlich guckte und meinte „das ist gerade so eine Krankheit bei uns, das alle meinen Kinder kriegen zu müssen“ – geht also nicht nur von Männern aus, der Müll…

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