Zeit zu gehen

Heute ist mein 3. Blog Jahrestag.

Das hier wird mein letzter Blogeintrag als Ninjaan auf whocaresaboutninjas.

Ich habe mich so lange davor gedrückt, es immer wieder vor mir hergeschoben, wer weiß ob irgendjemand von euch noch mit liest?

Ich hoffe doch!

Ich möchte danke sagen, an all die lieben Blogger_innen und Leser_innen die hier in den letzten Jahren leise oder laut, aktiv oder inaktiv dabei waren. Nur wegen euch gab es  „whocaresaboutninjas“ so lange!

Weil seit Monaten hier nichts produktives mehr kommt und weil ich, obwohl ich Lust zum schreiben haben, das Gefühl habe, als Ninjaan gehts hier nicht weiter, wird der 04.04.2015 der letzte Blog(jahres)tag.

Vielen Dank an alle!

goodbye-djing

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Random thoughts #2

Die ganze Welt spricht über Kobane, als wäre es die einzige Stadt Syriens, als wäre der Krieg nur dort, als würden nur Yeziden sterben.

Diesen Sommer war das fasten im Ramadan besonders schwer, es war nicht nur recht einsam für uns und heiß und lang, es war auch überschattet von den immer grausameren Geschehnissen aus Gaza und Syrien/Irak. Ein Iftar (Mahlzeit des fastenbrechens nach Sonnenuntergang) aber war anders, wundervoll und gab uns viel Kraft.
Soha lud ein. Spontan und herzlich. Sie hätten extra halal Fleisch gekauft und würden nun bis Sonnenuntergang warten, um mit uns das vorbereitete Festmahl zu genießen. Wir wurden wie König und Königin empfangen, zum Sonnenuntergang gab es große Wassergläser und frische Datteln, von der Herrlichkeit der anderen Gerichte ganz zu schweigen! Bis tief in die Nacht blieben wir, gemeinsam mit Soha’s Brüdern, der Mutter, Schwägerin und den Kindern, rauchten Wasserpfeife, tranken duftenden schwarzen Tee aus goldumrandeten Gläschen und knabberten selbstgemachte Kekse. Amin blühte auf als alle mit ihm arabisch sprachen und genoss das Essen, die Gemeinsamkeit und all das Vertraute ganz besonders.
Irgendwann sah Soha zu Amin und sagte mit fester Stimme an mich gerichtet : „ich dachte für einen Moment, dass ihr vielleicht nicht kommt, unser Essen nicht wollt. Das war in Syrien oft so, auch wenn man befreundet war.“ Ich schluckte kurz und umarmte sie dann. „Niemals!

Monate später erreicht mich wieder eine Einladung von Soha. “ ich bin die Schlagzeilen so leid, das Leid so leid, bitte komm Ninjaan und lass uns das einen Tag vergessen.“ Das Leid vergessen, widerlegen das wir Feinde sind, die Zuneigung gegen alle Vorurteile spüren – das ist so wichtig!

Was wäre ich ohne das? Was wäre ich ohne meine Freunde und Bekannte die Juden, Christen, Yeziden, Atheisten, Agnostiker, Freikirchler usw sind, die mich immer wieder erinnern.

Erinnern daran, dass mein eingangssatz verbittert klingt und unfair ist. Unfair, weil es nicht Yeziden sind, die den Rest des Unrechts an die Seite schieben, nur weil sie auf ihres zurecht aufmerksam machen – sondern Medien.
Um nicht zu vergessen, müssen wir in Kontakt bleiben, miteinander reden. Immer!

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Ohne Titel

3/4 der Zeitungsseite.

Sein Gesicht hinter einer Akte versteckt, der Anwalt schützend neben ihm.

3/4 der Zeitungsseite Raum. Raum für seine Worte. Seine Erkärung.

Ich verfluche jede Silbe, jeden mm den sie ihm geben.

Dennoch höre ich nicht auf zu lesen, auch nicht als der Autor des Artikels von den Erzählungen zur Tat kommt. Im Detail, ohne Vorwarnung steht es dort.

Schwarz auf Weiß.

Gleich nach all den Behauptungen gegen und über dich Anni, beschreiben sie den Tathergang bis ins kleinste Detail.

Und während ich lese sehe ich uns, im Sommer 2004 in meiner lichtdurchfluteten 1Zimmer Wochnung. 18 und 21. Und ich höre deine leicht nasale Stimme, die mir vom Islam erzählt und von der Liebe und vom Leid mit dem Mann an deiner Seite.

Doch dann, dann drängen sich die Bilder aus dem Zeitungsartikel in meinen Kopf.  Die Bilder wie er dich hingerichtet hat, überrascht hat, im Bad. Ich würge. Ich sehe dich auf kalten Fliesen liegen. Ich übergebe mich und der Tränenfluß ist endlos. Stundenlang versuche ich die Bilder zu verdrängen.

Aber sie sind zu laut. Der ganze Artikel ist laut und kalt, es ist sein Artikel und nicht deiner.

Du bist tot. Er lebt und redet, über dich und sich und alles was  ER will. Und die Zeitung druckt was SIE will. Und nicht nur nahm er dir dein Leben und das Leben deines ungeborenen Kindes, sie versuchen auch dir die Würde zu nehmen und alles wofür du eingestanden hast, dein viel zu kurzes Leben lang.

Der Artikel ist laut. Es ist seiner, nicht deiner. Und sie reden über den bösen Islam, aber nicht über dich als Muslimin, sondern über ihn, als Opfer seiner Familie und einer radikalen Religion.

Alles ist so laut Anni und du bist still. Und ich schaffe es nicht meine Stimme zu erheben, ich bin wie gelähmt und verschließe meine Ohren, vor diesem Lärm.

Ich war immer feige Anni, so feige.

Vergib mir. Oh Gott, bitte vergib mir Anni….

Random thoughts #1

Ich wünsche mir eine Welt in der Journalisten und Medien nur noch Fakten zeigen, aus jeder erdenklichen Perspektive kommentarlos. Nein, ein einziger Kommentar sollte sein “ und nun denken Sie selbst!“
Dann kann es noch Theoretiker geben, die als Theoretiker erkenntlich sind und ihre Theorien der Fakten als Theorien vorstellen. Zum Gedanken-anregen.
Statistiken sollten hauptsächlich wirklich messbares (BiP etc) wiedergeben und vielleicht manchmal Meinungs- Trends. Wichtig dabei ist das Wort Trend, damit niemand auf die irrwitzige Idee käme, Statistiken könnten gesicherte Aussagen über Meinungen und Gedanken ganzer Gruppen oder gar Völker machen.

So eine Welt wünsche ich mir heute.

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Interkulturelle Kompetenz der Zeugen

Heute Mittag, kurz vor 12, schon viel zu spät dran haste ich die Stufen runter und reisse die Eingangstür mit einem Schwung auf.

>>OH GOTT/YA Allah! Zwei alte Damen vor meiner Tür mit dicken Taschen beladen…das kann nur eines bedeuten….<<

„Guten Tag!“

„Hallo“ >>Welchen meiner über Jahre perfektionierten Sprüche werfe ich diesen beiden entzückenden Damen diesmal entgegen?<<

Und während ich in Lichtgeschwindigkeit nach einem passenden Spruch auf die kommende Frage (Kennen Sie schon den Wachturm, Wollen sie erlöst werden blablabla) suche, schaut die Ältere von beiden mich an und sagt mit fester Stimme:

„Ich wollte zu Frau oder Herrn >arabischer Name perfekt und fehlerfrei ausgesprochen(!)< , sind die wohl da?“

BÄÄÄM.

Da hat die doch gerade unseren Namen perfekt gesagt! Das ist noch NIE (!) passiert! Ich bin sprachlos, nicke und stammele:

„Das…das bin ich.“

Die Ältere nickt der Anderen zu.

„Gut, arabisch sprechen sie dann wohl auch, nicht wahr?“

„Ehm, ja…?“

„Sehr gut, möchten sie eine Broschüre?!“, sagt sie, zippelt der Anderen eine arabische Broschüre aus der Hand und hält mir diese wedelnd entgegen.

Entgegen aller meiner (guten) Vorsätze nehme ich die Broschüre entgegen, lächele freundlich, bedanke mich, wünsche einen guten Tag und gehe.

BÄM!

Das nenne ich mal interkulturelle Kompetenz! Die beiden älteren Damen hatten es absolut drauf, perfekte Aussprache ( was bei Allah swt nicht schwer ist! Wenn die Leute nur mal ihre Denkblockade „Huch, ausländischer Name…kann ich nicht!“ wegkriegen würden), perfekte Betonung, zielsicher die Region eingeschätzt und passende Broschüre parat.

Können sich die meisten Organisationen mal ne Scheibe von abschneiden!

Chapeau Jehovas Zeugen, das macht euch kaum einer nach.

(Ansonsten find ich euch eher nicht so klasse…aber whocares-aboutninjas?)

JW

Freude teilen!

Heute ist endlich mein Glücksfund von eBay eingetroffen! Die „boots essentials curl Creme“ kommt aus UK und ich konnte sie für 1 Euro ergattern! Riecht toll, Klasse Bewertungen im Netz und der erste Eindruck auf trockenem Haar ist viel versprechend!!

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Das einfachste Börek der Welt:

Heute mal wieder ein kurzes Rezept, von dem ich so begeistert bin, dass ich es unbedingt mit euch teilen muss(!):

Yalanci su böregli oder auch Wasserbörek (wie man mir sagte. Janavar?)

Zutaten:

– Mindestens eine Packung Yufka Teig (der unten ist billig, bei Yufka lohnt es sich ruhig mal zum etwas teureren zu greifen!)
– 3 – 4 Eier (ich kenne da leider keine vegane Alternative, falls jemand Ideen hat?)
– 1 Bund frische Petersilie

– Schafs-oder Ziegenkäse (ich nehm gern den Börekkäse, is preislich auch besser!)

– 1 Glas Wasser und ein Glas Pflanzenöl

Und das wars schon!

Wir nehmen dann eine beliebige Form, pinseln die mit Butter ein (oder Backpapier) und legen dann das erste große yufka Blatt hinein. Das kann, nein sollte ruhig überstehen und sollte so heile wie möglich sein.

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Dann nehmen wir eine Schüssel, verrühren darin die Eier mit dem Wasser und dem Öl.
Dann hacken wir Käse und Petersilie klein und geben Sie in eine gesonderte Schüssel.

Nun geht’s richtig los: wir nehmen uns die restlichen Yufkablätter und tunken nach und nach die ersten 2/3 in das Wasser/Ölgemisch und verteilen es dann so in der Form. Die Blätter dürfen ruhig tropfend nass sein!
Nachdem wir 2/3 verarbeitet haben, kommt die Käse/Petersilie Mischung zum Einsatz, sie wird gleichmäßig verteilt.
Anschließend verarbeiten wir das letzte Drittel wie zuvor. Bitte drauf achten, dass die Schicht mit der Füllung gut bedeckt ist!

Zum Schluss klappen wir den überstehenden Teig um, bestreichen ihn mit der restlichen Soße und geben, nach Geschmack, noch ein paar Kreuzkümmel Körner oben drauf.

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Dan stellen wir den Börek für bis zu 20 Minuten (lieber immer mal wieder nachsehen!) in den vorgeheizten Backofen!

Tadaaa:

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(Hier noch mit im Bild, Rosenwasser und Hummus bi-lahm :).

Endlich!

Endlich ist die Einarbeitungszeit um!
Endlich ist Herbst!
Endlich wieder Kürbisse!
Endlich schläft der Mexikaner ohne zu meckern in seiner Höhle vor (!) unserem Schlafzimmer!
Endlich hat Amin Montag die letzte Prüfung hinter sich!
Endlich ist Wochenende !!!!

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Endlich schreibe ich wieder mehr!

Danke, dass ihr alle da seid! Endlich sage ich es mal 💐