Relativierung, die Zeit heilt alle Wunden oder eine neue Liebe…

Yaya: das mit dir und Amin…das ist so richtig ernst, oder?
Ich: ja 🙂
Yaya: ich gratuliere Ninja! Bist du glücklich!
Ich: Sehr! So muss es sein…genau so
Yaya: das ist gut! Du bist toll, dann ist er es auch!
Ich: sie übertreiben mein Freund !

Ich: Yaya?
Yaya: ja?
Ich: und du?
Yaya: irgendwie…ja. Also, du weißt ja, ich will eigentlich nicht…aber es ist passiert und…
Ich: das ist doch schön! Du musst nicht immer allein sein!
(Gott, bitte lass es nicht SIE sein…alle nur nicht SIE!)
Yaya: ja, aber es ist so on/Off und…du weißt ja wie ich bin…
Ich: du bist gut wie du bist, sträub dich nicht so dagegen. Ich bin auch kompliziert und bei mir…
Yaya: bist du nicht. Du bist toll.

Yaya: willst du sie sehen?
Ich: klar!
…“Bilddatei “
Ich: cooles Foto! Und sie sieht auch sehr cool aus! Ihr lacht beide!
Yaya: ja, sie hat Humor…eigentlich passen wir gar nicht so…
Ich: Klappe, genieß das, such nicht!
Yaya: ok…

Vor 2 Jahren habe ich geglaubt eine solche Nachricht würde mich zerreißen, ein Foto mich zerstören. Alles ist gut. Ja, ich wollte nicht das SIE (unter retrospektive findet man heraus wer SIE ist) es ist…einfach …weil es mich immer noch verletzen würde, der Gedanke. Es ist jemand anders und ich freue mich, aufrichtig. Es ist komisch, aber ich stelle mir nicht mehr die Frage warum nicht ich, weil ich es weiß ( we were never meant to be lalalala)

Alles gute Yaya, liebe kommt in allen facetten, du musst es nur zulassen.
Ninja

Gründe

Haben wir ja immer alle, warum wir uns nicht oder nur wenig melden, das Gästezimmer immer noch aussieht wie eine Rumpelkammer, warum unsere Augenbrauen schon wieder Augenbrauen haben …(uh, das klingt etwas fies!) , das übliche halt.
Gründe hatte ich in den letzten drei Wochen tatsächlich so einige, keine die ein 3wöchiges Schweigen erklären, aber Gründe sind Gründe!

Zum Beispiel der Abschied vom alten Job. Der mir mal wieder zeigte, dass man an den unausstehlichsten (subjektiv!) Orten manches Mal die außergewöhnlichsten und wundervollsten Menschen trifft. Der Lieblingskollege bei dessen Abschied ich die halbe Autofahrt weinte, nachdem wir, wie so oft, kilometerlang nebeneinander hergefahren, bei offenem Fenster plaudernd die Straße verstopft hatten. Der mir wundervolle Geschenke überreichte, unter anderem selbstgemachte brownies nach einem Rezept das wir vor vielen Monaten einmal gemeinsam gut fanden, der alle mobilisierte und dessen Mühen und Ideen, so wie sein ganzes Wesen einfach nur herzerwärmend waren. Er fehlt mir nun jeden Morgen. Oder die Lieblingskollegin, die Einzelgängerin mit der ich mich gleich zu Beginn Verbündete, mit der ich allmorgendlich und allnachmittaglich zusammen saß und Leid klagte, Freud teilte und eine Menge Muffins verdrückte. Die, die so weinte an meinem vorletzten Tag, so dass alle, mir eingeschlossen, vor Schreck ob dieser, ihrer Tränen, mit zu weinen begannen.
Oder der Kollege, der neue, der gar nicht mehr neu war und der mit Charme und Witz, aber auch mit Kompetenz und viel Humor mein (Arbeits-) Herz gewann. Der mir den Kaffee morgens bereit stellte und so ziemlich immer ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Er und noch einige mehr, machten mir den Abschied alles andere als leicht. Ich trauere über eine Woche später noch und merke, dass mir noch etwas fehlt um endlich offen für die neue Stelle zu sein.

Der neue Job ist auch ein dieser Gründe, ein guter. Der neue Job ist aufregend mit unglaublich viel Informationen und viel Verantwortung (nach der Einarbeitung), aber er ist nicht nur das. Er ist auch anstrengend, herausfordernd und weckt Erinnerungen. Erinnerungen an Anni, Erinnerungen an mich. Ich bin etwas überrumpelt von all dem, was da noch unverarbeitet ist…

Es gibt noch einen Grund, den letzten der Gründe. Es ist ein schöner Grund, ein teilweise lauter, oft flauschig weicher Grund, ein Grund aus dem Tierheim:

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Das ist Julio, halb Mexikaner, halb irgendwas uns irgendwas, 3 Jahre alt und schon im 3. zuhause, sein letztes. 😁

Majoon – leckerer Energiedrink für den Morgen

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Ich gehöre zu der Sorte “ schwer aus dem Bett-Kommer und bis in den frühen Vormittag hinein Dümpler“ ohne eine morgendliche Kaffeeüberdosis würde ich es gar nicht bis ins Auto schaffen, geschweige denn die 25 km bis zur Arbeit überleben. Aber wirklich munter macht mich das nicht. Frühstücken fällt mir in diesem Bewusstseinsstadium aus wahrscheinlich verständlichen Gründen sehr schwer (janz ungesund, ich weiß!!!). Also muss langsam mal was anderes her. Und so überraschte ich Aminu am Samstag morgen mit obigem Getränk: majoon. Ursprünglich aus der persischen Küche und in obiger Form ( mit bunten Streuseln und, immerhin fettarmer, Sprühsahne) nicht für den alltäglichen Gebrauch gemacht, ist eine verlockend gute Idee.
Abweichend und aufgrund begrenzt zur Verfügung stehender Lebensmittel von vielleicht bekannten Majoon Rezepten besteht meiner oben aus:

8 frischen Datteln (iranische sind die besten!)
Eine großzügige Handvoll Walnüsse
1 Glas Milch
2 Kugeln Vanilleeis (lowfat xD)
1El kokosraspeln
1 El Kakaopulver
1 Prise Kardamom
3/4 Banane

Alles im mixer vermischen.

Topping:
1 El Kokos
1 El Honig
Sprühsahne
Bunte Streusel

Nicht die gesündeste Variante aber seeeehr lecker!!!

Eigentlich gehören noch getrocknete Feigen und Pistazien rein, allgemein kann man hier gut mit Nüssen variieren. Ich habe gehört das Eis lässt sich super durch Joghurt ersetzen usw…. Wer’s ausprobieren mag: gerne hier berichten wie es geschmeckt hat!!!

Ein schöner Tag

Mit dem besten Fund des Jahres:

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Instant Rosenwasser- Limo !!! Nicht so gut wie dieses Caprisonnen – Rosenlimo Getränk aus dem Iran, aber allemal eine Bereicherung und ein Grund zum freuen und genießen:

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Eine schöne Restwoche euch allen!!

Fatshaming vs dumbasshitshamig

imageFatshaming ist inn. Überall – sogar bei den sonst so erfrischend „informiert-aufgeklärten“ Leuten. Eigentlich könnte es mir egal sein, nicht weil ich nicht irgendwie davon betroffen wäre, aber weil ich es einfach sinnlos finde. Andere sehen das aber anders und ohne jetzt Statistiken stumpf zu zitieren, das Ausmaß der Essstörungen spricht für sich. Junge Mädchen, die niemals schlank genug, niemals schön genug sind, sein können . So wie meine Cousine, 23 Jahre, Studentin, 36 kg (nicht kleinwüchsig). Was sie auch tut, die Frau auf dem Plakat, dem FB Bild, Video ist einfach perfekter, schöner.

Ich möchte keine Werbung, die nur noch Dicke zeigt, nicht mal zur Hälfte. Aber wenn ich lese und höre, dass mit dem medialen Bild von Frauen doch alles ok wäre und die Dicken, die schon immer unattraktiv, faul und meckerig waren, hier übertreiben würden, kommt mir die Galle hoch.

Eine solche Ignoranz ist kaum zu fassen.

Persönliche Vorlieben spielen keine rolle, die kann jeder haben wie er oder sie mag. Aber das herausgehen und das marktschreierische Getue des fatshamings und der damit einhergehenden Verharmlosung von weiblicher Obektifizierung und den Folgen von Magersucht und Bulimie sind inakzeptabel.

Das lächerlichste Argument, und damit weniger alarmierend aber deshalb
nicht weniger falsch, ist die Mär von der Sorge um die Gesundheit der Dicken und, weniger nett aber damit verbunden, der Gedanke an die Kosten der gesetzlichen Krankenkassen für all die Dicken, die alle mit 40 schon halbtot sind…(erinnert an die Antiraucher Bewegung, die Alkoholsaufend die Zigarettenraucher an den Pranger stellten). Lächerlich ist es, weil Kosten für die Behandlung von Essstörungen (stationäre Aufenthalte, betreute
Wohnformen, nur als Beispiel) und tiefsitzenden psychischen Beeinträchtigungen für die Fatshamer gar nicht existent sind. Genau so wenig wie die Tatsache, dass auch schlanke, einwandfrei gesunde Menschen nicht immer lange leben…(sorry, for destroying Ur fairytale…)

Aber nun zu mir:

Ich muss mich Outen.
Nein, nicht das ich selbst ne Dickmadam bin, das wisst ihr ja, ich muss mich als „dumbasshitshamer“ outen.

Ich hasse dumme Menschen. Die kosten den Staat (nicht nur die KK!) jährlich Milliarden, weil sie entweder nix können oder nur haten und damit Schaden anrichten. Wenn die einfach 3 Stunden pro Tag damit verbringen würde sich zu bilden, dann könnten sie alle klug sein und mit ihrem Wissen und dem was sie damit erreichen würden , ewig leben. Aber leider sind sie zu faul und glauben, ihre Dummheit wäre total in Ordnung! Wie albern! In Ordnung! Als würden die bestimmen was in Ordnung ist!

Aber ich bin nett, ich lass sie leben, ich weise sie nur hin und wieder daraufhin, dass ein gesunder IQ zwischen 90 und 120 liegt und sie sich doch mal etwas bemühen sollten. Aber ich meine das nur gut, ehrlich!

Fatshaming ist nicht inn. Nicht nett gemeint. Nicht akzeptabel. Nicht volkswirtschaftlich vertretbar. Es ist nicht besser als jedes andere „gruppenbezogene shaming“ auch.

Verstehste nicht?

Macht nix, du hast ja noch den Rest deines Lebens Zeit dazu, wie lange auch immer das sein mag.

MY NEW BOOK!!!

Es lebe die Poesie!

iiThinks

FinallyBackHome-WebAd

Hello my dear friends,

Im happy and grateful to announce the publication of my new book ‚Finally Back Home‘. It is available on Amazon in both paperback and ebook form at the following link:

http://www.amazon.com/s/ref=nb_sb_noss?url=search-alias%3Daps&field-keywords=ihsan%20jaffer&sprefix=ihsan%2Caps&rh=i%3Aaps%2Ck%3Aihsan%20jaffer

A percentage of the proceeds will go to charity so you will be helping a fellow indie writer and the world at the same time 🙂

Also, part of the reason I write is to try and bring comfort to people and inspire them to reach their higher selves. If you feel anyone would benefit from my book I shamelessly ask for a reblog. It would be greatly appreciated!

I would like to thank all of you. It is your constant presence and encouragement here that led to the publication of ‚Finally Back Home.‘ In particular, I would like to thank Laura at http://arkofidentity.wordpress.com/ without whom this book would have never come into fruition

As…

Ursprünglichen Post anzeigen 12 weitere Wörter

Im Juli wird alles anders

Habe ich mir gesagt und auf den Urlaub und etliche Bewerbungen von Amin und mir gesetzt.

Doch der Monat begann nach vor unserem Urlaub mit einem Verlust. Unsere Esmeralda, eine unserer Ziegensittiche, die wir in den letzten Monaten so ins Herz geschlossen hatten, lag tot im Käfig. Wir begruben sie  hinter dem Haus und damit unser verbleibender Liebling Hakim während des Urlaubs nicht allein war, brachte wir ihm noch schnell einen Freund. Diesmal vom Züchter. Den kleinen Nouri. Nouri war von Anfang an anders als Esmi und Hakim es jemals waren. Er sprach viel, war aufgeweckt und begann gleich munter Hakim zu füttern. Ein Happy End für Hakim.

Der Urlaub in der Türkei (Fotos folgen) war zauberhaft, erlebnisreich und leider so kurz. Aber wir wollen definitiv zurück kommen! Side war nett, der Strand und das Meer toll und die Natur bei Manavgat war unglaublich schön!

Zurück aus dem Urlaub waren wir motiviert, schickten fleißig Bewerbungen und genossen die Sonne und den Monat Ramadan.

Dann starb Hakim.

Hakim war unser Liebling, unser liebster. Als er starb weinten wir beide so stark, dass wir, vom Fasten ganz geschwächt, beinahe zusammenbrachen. er war einfach tot und Nouri saß, das erste und einzige mal stumm, neben ihm. Wie man ein Tierchen nach so kurzer Zeit so sehr ins Herz schließen kann… Der Tag war unfassbar und wir schliefen in der Nacht vor Erschöpfung vom Weinen ein.

Nouri ist seitdem allein bei uns, auf Anraten des TA, für ein paar Wochen, bis wir sicher gehen können, dass er keine Krankheit hat. Es sind bald zwei Wochen um…es sieht gut aus. Nouri scheint gesund…

Irgendwie völlig runtergezogen von dem Verlust unseres Lieblings starteten wir in die Mitte des Julis. Ich hatte wieder Urlaub, aber genießen ging nicht wirklich. Der Druck eine Arbeit finden zu müssen lastete auf mir und auf Amin, für den das alles noch schwieriger ist…

Überall bekomme ich Absagen. Überall bekommt er Absagen. Es frustriert und uns fällt nicht mal auf wie aus Sonne wieder Regen und dann wieder Sonne und wieder Regen wird.

Dann sehe ich eine Stellenausschreibung, sie ist nur in TZ, ich suche nicht nach TZ, aber nach einer Arbeit wie dieser. Amin ermutigt mich, eine Freundin eben so. Ich rufe an, schicke eine Bewerbung und gehe am nächsten Tag zum Vorstellungsgespräch. Ich kanns gar nicht glauben, nach einer so langen Pechsträhne und stetigen Absagen scheint es zu klappen, gerade bei diesem Job! 4 Stunden nach dem Gespräch rufen sie mich an, sie wollen mich, nur mich! Heute habe ich den Vertrag unterschrieben!

Ja, es ist weniger Geld, aber Amin kämpft sich durch den Dschungel der Bürokratie und sucht sich nebenbei etwas. Ja, es ist weniger Geld, aber es ist das was ich wollte.

Das Lied verrät euch, was es ist:

http://www.youtube.com/watch?v=1iUoqTaowaI

Für dich Anni.

Sonne, Meer, Ramadan und die Suche nach Stabilität

Es ist Ramadan!

An alle meine muslimischen Leser und Leserinnen:

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Und in diesem Sinne:

Der Liebende findet das Licht nur, wenn er brennend
wie eine Kerze sich selbst verzehrt, 

Fariduddin Attar

Trotz Ramadan und gerade aufgrund unserer immer noch Recht „un-zufriedenstellenden“ Ausgangslage (Probleme -weiterhin- mit der Approbation und der Stellensuche, mein Vertrag ist gekündigt zum September…) haben wir uns entschlossen einen gemeinsamen Kurzurlaub zu unternehmen. Wann immer wir konnten haben wir in den letzten Monaten unser Geld zusammengekratzt, um auch einmal etwas anderes zu sehen. Raus kamen dabei bisher: Brüssel, Hamburg und Berlin. Jedesmal war es schön und doch kurz (3 Tage maximum!). Wir beide gehören zu dem Typ Mensch für den eine Kurzreise eine Entschädigung und eine Erleichterung ist, für all das, was nebenbei so schief läuft.

Nun ist in wenigen Tagen unser erster Hochzeitstag und den wollen wir, so hatten wir es einander versprochen, jedes Jahr, zumindest die Nacht, in einem Hotel verbringen. Gemessen an unserer derzeitigen Stimmung war aber eine Nacht im Hotel nicht genug und so freuten wir uns über den Lohnsteuerjahresausgleich und buchten, was wir uns nie zu träumen gewagt hätten: Einen „all inc. Kurzurlaub“ im Süden der Türkei.

 

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Donnerstag Abend geht es los. Wir sind happy und mit der Aussicht auf ein paar wundervolle Tage, weitab von Deutschland, dass uns in den letzten Monaten soviel Ärger, Kummer und Ungnade hat zuteil werden lassen, fällt das Fasten auch leichter als gedacht.

Auf Reisen darf man fasten, man muss aber nicht und kann die Tage später nachholen (ausser man bleibt länger als eine bestimmte Anzahl von Tagen – meist 10- an einem Ort.) – wir machen wohl von letzterem Gebrauch. Allahu alem!

Wenn wir zurück sind, hoffe ich, dass es bald bergauf geht. Der Druck, dass alles irgendwann doch einmal klappen muss, lastet doch schwer, auf Amin und auf mir.

In wenigen Wochen mehr + Urlaubsfotos! 😉

Wenn ich ein Mann wäre…

Ich sage ihnen ganz ehrlich, weil Ehrlichkeit ist mir wichtig müssen sie wissen, dass ich sie in Anbetracht ihrer Kenntnisse und Kompetenzen gerne einstellen würde. Im Gegensatz zu ihren Mitbewerbern würde ich mir bei ihnen sogar einiges an Zeit einsparen, weil sie entsprechend vorgebildet sind, aber sie sind Anfang 30 und verheiratet – Wann wollen sie Kinder bekommen?

Aha, wissen sie noch nicht. Also ich will jemand für 3 Jahre, minimum. Geht das? Können sie mir das versprechen? Haben sie wenigstens entsprechende Impfungen, so dass sie bis zur Geburt durcharbeiten könnten?

Wollen sie überhaupt Kinder?

Wie viele?

Sie möchten darauf nicht antworten?

Gut, also ich sage ihnen, sie wären meine Traumkandidatin! Nichts spricht gegen sie, nur eben diese Kleinigkeit. Also wenn ein MANN kommt oder eine Frau jenseits der 40, dann werde ich ihnen absagen.

Chefarzt einer Reha Klinik bei einem Vorstellungsgespräch.

Leider fallen einem angemessene Antworten erst später ein…

Nachruf. Für Anni

Anni ist tot.

Ich fand dich doof, total doof. Und aufdringlich. Weisst du noch? Du wolltest meine Freundin sein, unbedingt. Ich weiß bis heute nicht warum. Du hast später gesagt, du wüsstest, dass ich dich verstehen würde. Du hattest Recht. Wir haben uns verstanden.

Es ist 12 Jahre her, dass ich dich doof fand.

Ich war damals eine überzeugte Christin und jeden Sonntag in die Kirche-Geherin. Du warst konvertiert und hast bei der Aussprache von arabischen Worten kaum einen Akzent gehabt. Du warst gerade mal 17 Jahre alt.

Wenn wir zusammen saßen, dann haben wir Musik von ägyptischen Sängern gehört und  kaum was verstanden, dann habe ich eine Zigarette nach der anderen geraucht und du Zitronentee getrunken. Dann haben wir über das gesprochen was uns verbindet.

Uns verband die Liebe zu Fremdsprachen, der Glaube an Gott und Gewalt. Gewalt die wir erlebt haben und erlebten.

Ich hatte es vor kurzem geschafft einer solch gewalttätigen Beziehung zu entfliehen und du stecktest noch mitten drin.

Es hat so lange gedauert, ein ganzes Jahr, ich lebte schon in einer anderen Stadt zum studieren, da riefst du an und batest um Obdach. Wenn man einen Gewalttäter verlässt, muss man einen sicheren Platz haben. Ich war so stolz. Wir haben dich gefeiert!

Wir haben Überlebt, wir sind stärker als die!

Wir haben keine 9 Leben wie eine Katze, das wollte ich dir so oft sagen. Anni, irgendwann geht das schief. Während ich Männer mied, mich auf niemanden wirklich einließ, suchtest du weiter, nach Liebe.

Der nächste Mann trennte dich endgültig von deiner Familie und auch von mir. Du warst weg, so lange hörte ich nichts von dir, so lange nicht. Dann klingelte plötzlich mein Telefon und du warst wieder da, mittlerweile Mutter einer bezaubernden Tochter. Aber außer deiner Tochter war nichts in deinem Leben bezaubernd.

Wir haben keine 9 Leben, Anni! Komm zurück! Gelacht hast du, du kommst schon. Nur ein bisschen noch. Vielleicht klappt es ja noch…

Es klappt niemals so, wollte ich sagen. Als du zurück kamst war ich wieder weg.

Vor genau 6 Monaten dann, da standst du plötzlich vor mir. Anni! Wie immer bist du mir um den Hals gefallen. Als wärst du noch 17 und ich erst 20. Als wäre uns das Leben nicht dazwischen gekommen, immer und immer wieder. Als wären die beiden Kinder an deiner Seite nicht deine eigenen, sondern lediglich deine Geschwister. “ Das Leben!“ sagen wir und lachen. Wer der Mann an meiner Seite sei, dein verschmitztes Grinsen! Das hat dich immer wunderschön gemacht Anni, das habe ich dir nur nie gesagt. Nummern getauscht und uns geschworen uns bald zu sehen!

Ich wünschte, bei Gott, ich könnte noch einmal sagen, dass uns das Leben dazwischen gekommen sei. Nein, ich wünschte wir hätten es niemals zwischen uns stehen lassen.

Anni, wir haben keine 9 Leben.

Anni ist tot.

Anni wurde ermordet, von ihrem gewalttätigen Partner.

Ich habe dir so vieles nicht gesagt.

Ich weiß, dass Allah einen Platz für dich hat, dass es dir jetzt besser geht, weil dieses Leben nie genug Liebe für dich hatte, nie genug Platz. All dein Schmerz wird belohnt werden Anni, dass weiß ich und du hast das immer gewusst, das hat dich weiter machen lassen. Nur das wie, das zerreisst mein Herz. Wir hatten doch überlebt, Anni.

Ich habe überlebt. Anni nicht.

Eine von 4 Frauen erlebt in ihrem Leben mindestens einmal Gewalt von ihrem Partner. Statistiken zufolge sind Hälfte aller weiblichen Mordopfer, Opfer ihrer Partner.

Bitte, schaut niemals weg. Niemals.

 

Vergib mir Anni, das ich nicht da war.