Zeit zu gehen

Heute ist mein 3. Blog Jahrestag.

Das hier wird mein letzter Blogeintrag als Ninjaan auf whocaresaboutninjas.

Ich habe mich so lange davor gedrückt, es immer wieder vor mir hergeschoben, wer weiß ob irgendjemand von euch noch mit liest?

Ich hoffe doch!

Ich möchte danke sagen, an all die lieben Blogger_innen und Leser_innen die hier in den letzten Jahren leise oder laut, aktiv oder inaktiv dabei waren. Nur wegen euch gab es  „whocaresaboutninjas“ so lange!

Weil seit Monaten hier nichts produktives mehr kommt und weil ich, obwohl ich Lust zum schreiben haben, das Gefühl habe, als Ninjaan gehts hier nicht weiter, wird der 04.04.2015 der letzte Blog(jahres)tag.

Vielen Dank an alle!

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Gründe

Haben wir ja immer alle, warum wir uns nicht oder nur wenig melden, das Gästezimmer immer noch aussieht wie eine Rumpelkammer, warum unsere Augenbrauen schon wieder Augenbrauen haben …(uh, das klingt etwas fies!) , das übliche halt.
Gründe hatte ich in den letzten drei Wochen tatsächlich so einige, keine die ein 3wöchiges Schweigen erklären, aber Gründe sind Gründe!

Zum Beispiel der Abschied vom alten Job. Der mir mal wieder zeigte, dass man an den unausstehlichsten (subjektiv!) Orten manches Mal die außergewöhnlichsten und wundervollsten Menschen trifft. Der Lieblingskollege bei dessen Abschied ich die halbe Autofahrt weinte, nachdem wir, wie so oft, kilometerlang nebeneinander hergefahren, bei offenem Fenster plaudernd die Straße verstopft hatten. Der mir wundervolle Geschenke überreichte, unter anderem selbstgemachte brownies nach einem Rezept das wir vor vielen Monaten einmal gemeinsam gut fanden, der alle mobilisierte und dessen Mühen und Ideen, so wie sein ganzes Wesen einfach nur herzerwärmend waren. Er fehlt mir nun jeden Morgen. Oder die Lieblingskollegin, die Einzelgängerin mit der ich mich gleich zu Beginn Verbündete, mit der ich allmorgendlich und allnachmittaglich zusammen saß und Leid klagte, Freud teilte und eine Menge Muffins verdrückte. Die, die so weinte an meinem vorletzten Tag, so dass alle, mir eingeschlossen, vor Schreck ob dieser, ihrer Tränen, mit zu weinen begannen.
Oder der Kollege, der neue, der gar nicht mehr neu war und der mit Charme und Witz, aber auch mit Kompetenz und viel Humor mein (Arbeits-) Herz gewann. Der mir den Kaffee morgens bereit stellte und so ziemlich immer ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Er und noch einige mehr, machten mir den Abschied alles andere als leicht. Ich trauere über eine Woche später noch und merke, dass mir noch etwas fehlt um endlich offen für die neue Stelle zu sein.

Der neue Job ist auch ein dieser Gründe, ein guter. Der neue Job ist aufregend mit unglaublich viel Informationen und viel Verantwortung (nach der Einarbeitung), aber er ist nicht nur das. Er ist auch anstrengend, herausfordernd und weckt Erinnerungen. Erinnerungen an Anni, Erinnerungen an mich. Ich bin etwas überrumpelt von all dem, was da noch unverarbeitet ist…

Es gibt noch einen Grund, den letzten der Gründe. Es ist ein schöner Grund, ein teilweise lauter, oft flauschig weicher Grund, ein Grund aus dem Tierheim:

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Das ist Julio, halb Mexikaner, halb irgendwas uns irgendwas, 3 Jahre alt und schon im 3. zuhause, sein letztes. 😁

Was es in Jordanien nicht alles gibt…

Da bin ich wieder! Das klingt so fröhlich, nicht wahr? Bin ich eigentlich gar nicht. Wobei, doch, ich bin es! Ich bin glücklich wenn ich mich an die wundervolle Zeit erinnere. 12 Tage in denen wir jede Sekunde ausgekostet haben und manchmal erst dann schliefen, wenn wir uns vor Erschöpfung nicht mehr auf den Beinen halten konnten. Wir sind in den Süden ans Meer gereist, haben einen Ausflug in den Westen gemacht und Amman bei Nacht erkundet. Die Unbeschwertheit konnten wir uns bewahren, bis zur letzten Minute, als ich durch die Passkontrolle musste. Dann war es wieder um uns geschehen, der 3. Abschied – wir hoffen beide, dass es nun der Letzte war.  (Daumen drücken erwünscht! ^^)

Weil ich nicht besonders gut darin bin, ausführliche Reiseberichte zu schreiben, gibt es auch diesmal nur ein paar Bilder. Wer gerne mehr über Jordanien wissen möchte: Einfach fragen 😉

Beginnen wir mit etwas zum Schmunzeln: 

Wenn man nichtsahnend in Amman mal in eine Seitenstraße abbiegt – versperrt schon mal eine Ziegenherde den Weg. 

 

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In Aqaba machen Kamele ihre Mittagspause auf den kleinen Grünstreifen, zwischen den Straßen und Polizisten (hinten links) glauben du wärst ein ausländischer Spion, der sie fotografiert – weil sie das Kamel gaaar nicht gesehen haben vorher….ist ja so gut getarnt da… 😉 

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Amman hält den Weltrekord in „gigantisch große Falafel backen“

 

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Thrombosestrümpfe im roten Meer! 

 

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Ninjaan ist dann mal weg

Sooooo, in etwa 28 Stunden geht mein Flug nach Jordanien! Endlich!

Weil ich aber von Frankfurt aus fliege (der einzig bezahlbare Direktflug) gehts heute schon mit meinem Vater nach Köln. Für die nächsten 2 Wochen sind Amin und ich endlich wieder zusammen! Ich zähle schon die Minuten!

Ich wünsche euch allen einen tollen Juli!

Bis bald! ninja-love-1-jpg

Abschied – Klappe die 2.

„Abschied ist die innigste Form menschlichen Zusammenseins.“

– Hans Kudszus

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Schwerer, viel schwerer als beim ersten Mal war er – und doch hat es etwas bewegt in uns: Den unbedingten Willen einander wiederzusehen – ohne darauf folgenden Abschied.

Ninjaan is back

Genau genommen bin ich das schon seit Dienstag Morgen. Welcher Tag ist heute? Ach ja, Donnerstag…

Ich habe etwas das Gefühl für die Zeit verloren. Ein Monat Jordanien, von Jerash bis Aqaba alles gesehen, ein Kurztrip nach Israel/Palästina. So viele Eindrücke, neue Erkenntnisse, Wiedersehen mit alten Freunden, das Kennenlernen von Amins Familie und natürlich er, Amin, die Zeit mit ihm, jede Sekunde so kostbar bis zu dem Abschied. Dem grauenvollen Abschied, von dem ich nicht weiß, wie wir ihn überhaupt gemeistert haben. Den gesamten Dienstag wie in Trance, ohne das Bedürfnis mit jemandem zu sprechen, nur ganz viel Traurigkeit und vermissen.

Aber jetzt geht es langsam, ganz langsam, etwas besser. Muss besser sein, weil ich soviel zu tun habe und Montag schon meine OP ansteht.

Die nächsten Tage gibt es dann mal ein paar Berichte aus Jordanien – nur heute, da muss ich noch etwas für die Arbeit machen (die ich hoffentlich bald los bin 😦 ), weils natürlich wieder niemand anders hinkriegt…

Petra

Petra – Jordanien

Am Bahnhof

1249808265Für einen Moment wende ich den Blick von ihm ab. Neben mir steht ein älterer Herr, er zückt ein weißes Stofftuch aus seiner Jackentasche, wischt sich eine aufkommende Träne aus den Augen und richtet seinen Blick dann wieder, mühselig lächelnd, auf seine Frau, die direkt neben Amin im Zug steht. Sie. die Abreisenden, sehen auf uns, die Zurückbleibenden, hinunter, wehmütig. In dem Gesicht der Frau zeichnet sich ein Lächeln ab, als ihr Mann das weiße Tüchlein zart in der Luft schwenkt.

Die Türen schließen sich. Eine Druckwelle durchfährt meinen Körper, ich kann mich kaum auf den Beinen halten. Zum Glück habe ich Krücken. Die Tränen strömen mir über das Gesicht. Auch Amin zuckt zusammen, als der Zug sich in Bewegung setzt streicht er sich, ebenso verstohlen wie der alte Mann wenige Sekunden zuvor, Tränen aus den Augen.

Der Zug entfernt sich aus unserem Blickfeld. Ich weine, ungehemmt. Der alte Mann ist einige Meter, winkend, neben dem Zug hinter hergelaufen.

 

Nun dreht er sich zu mir um, sieht meine Tränen und kommt auf mich zu.

„Nicht weinen junge Frau, ihr Liebster kommt doch zu ihnen zurück!“

 

Darf das so?

Darf das so sein?

Angesichts unserer begrenzten Zeit, leben und lieben wir, intensiv, mit Hingabe, weil wir wissen, dass unser Abschied in wenigen Tagen eine harte Probe sein wird. Für ihn, für mich, für unsere gerade so frisch erwachten Gefühle. Wir sprechen, viel und lang, über alles das uns bewegt. Über unsere Träume, unsere Ängste, unsere Gefühle. Berührungen werden in Worte gefasst, greifbare Worte. Besonders für uns ist, dass wir keine Mauer zwischen uns errichtet haben, es gibt keine Grenze, die wir scheuen zu überschreiten, nicht aus Furcht. Wir sprechen auch über unsere Vergangenheit, über unsere gescheiterten Lieben, warum sie scheiterten, wir reflektieren und am Ende liegen wir uns in den Armen, das sichere Gefühl, diesmal könnte es anders sein, umhüllt uns wie ein warmer Mantel.

Doch manchmal überkommt uns die Angst, wir könnten zuviel sprechen, zuviel offenbaren und alte Geister könnten geweckt werden, manchmal.

Und dann geschieht es mir. Der Geist kommt zurück, im Traum. Wann habe ich angefangen so zu träumen?

Und dann wache ich auf, schrecke hoch, Amin ist nicht neben mir, er ist schon morgens um 6 mit dem Zug zur Arbeit gefahren, ich wünschte er wäre hier, damit ich ihn umarmen kann, ihm und mir leise beteuern kann, dass es nur ein dummer Traum war.

Wie ein Schatten hängt es den ganzen Tag über mir. Ich bin mir meiner Gefühle für Amin sicher, selten war ich so sicher, mir, meinen Gefühlen, jemand anderem. Und doch, doch bleibt da dieser letzte Gedanke an dich. Weil unser Abschluß so gar keiner war? Weil alles mit Amin so schnell ging? Darf das so sein?

Ich denke etwas an dich, horche in mich hinein. Wenn ich an Amin denke, lächel ich, wenn ich an dich denke verspüre ich Wehmut. Wie von fremder Hand geführt, besuche ich dein FB Profil, und spüre nicht viel als ich dein Foto ansehe. Du hast dein „Coverbild“ geändert. Streetart. Ich liebe Streetart, Banksy, Goin, ich verbeuge mich vor ihnen. Wir haben nie darüber gesprochen, über Streetart, wie über soviel anderes auch nicht. Aber ich hätte gewettet, dass du es genau so magst wie ich. Unter dem Bild, ein Kommentar von ihr, sie mag das Bild nicht. Sie mag streetart nicht.

Und während ich so auf das Bild schaue und dann auf deines und an streetart denke und an uns, dann wird mir klar, dass es die verpasste Chance ist, die noch von meinem Inneren betrauert wird. Die Chance, wirklich Freunde zu sein. Ich bin jetzt glücklich, so glücklich wie selten in meinem Leben. Ich fühle mich stark, stärker als sonst, weil da jemand ist, der mich bestärkt. Und irgendwie, irgendetwas in mir, würde dich gerne daran teilhaben lassen, würde gerne die unbeschwerte Freundin sein, die ich dir immer so gerne sein wollte.

Und so sicher ich mir bin, über meine Gefühle zu Amin, so unsicher bin ich mir darüber, ob das wirklich so sein darf? Darf ich noch an dich denken? Manchmal, wehmütig, nicht weil ich lieber mit dir wäre, sondern weil ich gerne noch etwas mit dir teilen würde.

Im Traum

Ich träume nicht. Jedenfalls keine guten Träume. Ich habe grundsätzlich Albträume oder sagen wir, ich kann mich immer nur an die Albträume erinnern, ich bin noch nie aufgewacht und dachte „Oh, was für ein schöner Traum! Ich will am liebsten weiterschlafen!“, ich kenne nur „Puh…ich bin wach! Das war alles nur ein Traum.“ Wenn ich morgens auchwache und keine Erinnerung an einen Albtraum habe, bin ich wesentlich ausgeschlafener, ich nenne das meinen „traumlosen“ Schlaf, den liebe ich und habe ihn doch viel zu selten.

Als Amin die Nacht neben mir schlief, hatte ich keinen Albtraum, jedenfalls kann ich mich nicht erinnern. Ich habe ruhig und fest geschlafen, das war eine Wohltat! Sieben Stunden am Stück, ich kann mich nicht daran erinnern, dass einmal die letzten Wochen/Monate getan zu haben.

Letzte Nacht habe ich geträumt, aber es war kein Albtraum und ich erinnere mich, obwohl ich mich nach dem Aufwachen aus diesem Traum noch einmal umgedreht habe, um noch etwas zu schlummern.

Ich war in einer Stadt, irgendwo, aber ich schien mich auszukennen, ich fühlte mich nicht verloren, dort wo ich war. Und dann sah ich ihn, Yaya. Er war nicht allein sondern in Begleitung einer jungen Frau. Ich erinnere mich in meinem Traum kurz innegehalten zu haben:“Empfinde ich einen Stich in meinem Herzen? Macht mich der Anblick traurig?“ Ich glaube ich fühlte ein wenig Traurigkeit, aber keine die mich lähmte. Ich rief seinen Namen. Er drehte sich zu  mir um, schüttelte mit dem Kopf und ging einfach weiter. Weil es ein Traum war und nicht die Realität, hielt mich seine Reaktion nicht davon ab, hinter ihm her zugehen, ihn an der Schulter zu fassen und ihm so etwas ähnliches wie „Sei nicht albern jetzt, bitte, nur einen Moment.“ zu sagen.

In meinem Traum senkte er den Blick, wie er es immer tat, wenn er einer Situation lieber entkommen wollte, als sich ihr zu stellen. Er schwieg und so begann ich zu sprechen. Ich sagte ihm, dass es mir leid täte, dass ich ihn nie angreifen wollte. Als er auch darauf nicht wirklich reagierte, holte ich tief Luft und sagte:“ I met someone, Yaya…“ Dann endlich sah er mich an, lächelte und fragte mich, ob ich glücklich wäre. Ich nickte nur. Er umarmte mich und sagte so etwas wie: „I always wanted u to be happy, Ninjaan.“ Ich erwiederte seine Umarmung, sagte ihm, dass er immer jemand besonderes sein würde – dann drehte ich mich um und ging.

Ich drehte mich noch einmal um und sah ihn, so wie ich ihn immer am Bahnhof gesehen hatte, Mütze tief ins Gesicht gezogen, Kopfhörer um den Hals, Rucksack auf dem Rücken.

Dann wachte ich auf, mit einem Lächeln.

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Ein Abschiedsbrief (ohne Empfänger)

Vorab möchte ich dir sagen, dass ich gerne eine passende Anrede gefunden hätte, eine Perfekte, nicht schnulzig, aber eine die meinen Gefühlen dir gegenüber gerecht wäre. Doch ich finde sie nicht. Dir auf Deutsch zu schreiben, allein das ist ungewöhnlich. Nie habe ich dir Wichtiges auf Deutsch gesagt, nur in Wut, aus Verletzung und der Hilflosigkeit heraus habe ich zu dir in meiner Muttersprache gesprochen. Doch alles ändert sich und heute schreibe ich dir weder aus Wut, noch aus Verletzung oder Hilflosigkeit. Ich schreibe dir auf Deutsch, weil es die Sprache ist in der ich mich am Besten ausdrücken kann – weil es meine Sprache ist und die Zeiten, in denen es ein kleines „wir“ gab, vorbei sind – es gibt nur noch dich und mich …

Dies hier soll keine Anklage sein, sondern eine Feststellung, etwas, dass ich akzeptieren muss, weil ich nicht das Recht habe auf etwas anderes zu beharren. Ich schreibe dir heute, weil ich dir, mir selbst und der ganzen Welt sagen möchte, dass ich nicht im Zorn gegangen bin, nicht in Wut, dass ich dich nicht hasse und dich nicht für einen schlechten Menschen halte.

Ja, es wäre soviel leichter, würde ich mir das einreden. Dich hassen, dir die Schuld an allem geben. Doch ginge es hier um Schuld, wer trüge sie dann? Du, weil du dich nicht verliebt hast? Ich weil ich mich verliebt habe, obwohl du mir niemals etwas vorgemacht hast? Nein, das führt zu nichts und so betrachtet, muss ich mir eingestehen, trage ich selbst die Schuld. Ich wusste wer du bist, wie du bist, was du denkst, was du dir erträumst und ich habe es kommen sehen, meine Gefühle, doch ich habe sie unterschätzt, mich überschätzt. Und nun stehe ich hier, nach 1 1/2 Jahren und schreibe dir einen Brief, den ich niemals abschicken werde.

Warum ich ihn dir nicht schicke? Weil ich nicht will, dass du antwortest. Du würdest antworten, du würdest es niemals so stehen lassen, das ist nicht deine Art, wider deiner Natur. Dennoch, muss ich dir noch so viel sagen. Du warst immer eine Inspiration für mich. Niemals war ich so fasziniert, niemand hat mich so an meine Grenzen und darüber hinaus gebracht wie du. Ich liebe Herausforderungen, liebte sie immer, du bist die Krone der Herausforderungen.

Ich liebe deine diplomatische Art, wenn du über Politik gesprochen hast, die, dir vielleicht unbemerkte, Weisheit deiner Einschätzungen fand stets meine höchste Anerkennung, selbst wenn ich nicht deiner Meinung war. Deine Texte, deine Stimme, deine Art Musikinstrumente vorsichtig in die Hand zu nehmen, sie zu begutachten und sie nach kürzester Zeit zu beherrschen, als hättest du niemals etwas anderes gespielt – meine Bewunderung dafür kann ich nicht in Worte fassen.

Ich finde dich nicht nur faszinierend, sondern auch schön. Nicht attraktiv, oder anziehend, sondern schön, wie ein Kunstwerk. Schön ist sie, die Sehnsucht in deinen Augen, dein Lachen, dass du so spärlich sääst, als könntest du es abnutzen. Schön ist alles an dir, auch deine grauen Haare auf der Brust, die du so schockiert im letzten Winter entdecktest.

Doch ich würde dich nicht lieben, hätte nicht so klammheimlich aus deinem Leben, deiner Reichweite verschwinden müssen, liebte ich nicht auch deine andere Seite, die, für andere oft schier Unerträgliche. Ich liebte dich auch, wenn du launisch warst und wie ein getretener Hund um dich gebissen hast. Ich liebte dich, wenn du vor Narzismus triefend, nicht gesehen hast, was um dich herum geschieht. Deine Diskussionswut, die mich manchmal an den Rand der Verzweiflung gebracht hat und mir so manch „Pseudo Migräne Attacke“ bescherte. Ich habe dich nie weniger geliebt, wenn du, stur wie ein kleines Kind, in der Ecke gesessen hast um zu schmollen oder mir das Leid, dein Leid dieser Welt, in die Schuhe schieben wolltest.

Nicht weil ich blind bin vor Liebe, aber weil du auch mich akzeptiert hast wie ich bin. Meine Macken, meine Launen hast du ertragen, besser als jeder andere zuvor – manch eine habe ich durch dich überwunden. Deine Geduld, warst du auch selbst ungeduldig, mit mir war grenzenlos.

Darum und weil ich dich liebe, wollte ich deine Freundin sein, deine Vertraute, von mir aus deine Schwester – was auch immer, ich glaubte ich sei  bereit dazu. Und solange du mir das Gefühl gabst, mich zu wollen, mich in deinem Leben zu wollen -bin ich geblieben. Aber wir beide wissen, du sicher schon länger als ich, dass es auch dafür nicht mehr reicht. Neun Monate, 100te von km später, sind wir nicht nur keine „Liebhaber“ mehr, wir sind uns so fern wie  zwei flüchtige Bekannte. Pflichtbewusst antwortet man auf die Fragen und bitten des Anderen – ja wir Fragten und Baten noch, aber warum? Weil wir es 1 1/2 Jahre so getan haben, auch das kann zur Gewohnheit werden.

Gewohnheit verbindet uns, nein, Gewohnheit bindet dich irgendwie noch immer an mich, aber ich wollte so viel mehr, will es doch immer noch.

Und darum bin ich nun gegangen, ohne Abschied, ohne Drama, ohne Diskussion, ohne Vorwürfe. Ich will dir lieber eine schöne Erinnerung sein, als eine lästige Bekannte. Ich hoffe du wirst das verstehen, ohne das ich es dir sage, ohne, dass du jemals diesen Brief hier lesen wirst. Bitte versteh es.

Soviel ich dir auch noch sagen will, so ungelesen diese Worte auch bleiben mögen, ich möchte dir noch danken. Für jeden Moment, den du lebenswerter für mich gemacht hast, jeden Augenblick den ich durch dich intensiver erleben konnte, jedes Lied, jeden Film, jedes Gemälde, alles was ich nicht kannte und durch dich erfahren habe. Und ich wünsche dir, mehr als  für mich selbst, die Erfüllung deiner Träume, die Großen und die Kleinen. Ich wünsche dir Kraft und Mut und Leidenschaft und vorallem Liebe – ich wünsche dir, dass du liebst und ebenfalls geliebt wirst.

Und ich verspreche dir, dass ich von heute an ein bisschen weniger „runaway“ bin und  offener zu meinen Gefühlen stehen werde und das ich mir vom heutigen Tage an, auch ohne deine Hilfe, die Mühe geben werde mehr gute als schlechte Musik zu hören und vor allem die eine von der anderen unterscheiden lerne.

Lebwohl.