Gründe

Haben wir ja immer alle, warum wir uns nicht oder nur wenig melden, das Gästezimmer immer noch aussieht wie eine Rumpelkammer, warum unsere Augenbrauen schon wieder Augenbrauen haben …(uh, das klingt etwas fies!) , das übliche halt.
Gründe hatte ich in den letzten drei Wochen tatsächlich so einige, keine die ein 3wöchiges Schweigen erklären, aber Gründe sind Gründe!

Zum Beispiel der Abschied vom alten Job. Der mir mal wieder zeigte, dass man an den unausstehlichsten (subjektiv!) Orten manches Mal die außergewöhnlichsten und wundervollsten Menschen trifft. Der Lieblingskollege bei dessen Abschied ich die halbe Autofahrt weinte, nachdem wir, wie so oft, kilometerlang nebeneinander hergefahren, bei offenem Fenster plaudernd die Straße verstopft hatten. Der mir wundervolle Geschenke überreichte, unter anderem selbstgemachte brownies nach einem Rezept das wir vor vielen Monaten einmal gemeinsam gut fanden, der alle mobilisierte und dessen Mühen und Ideen, so wie sein ganzes Wesen einfach nur herzerwärmend waren. Er fehlt mir nun jeden Morgen. Oder die Lieblingskollegin, die Einzelgängerin mit der ich mich gleich zu Beginn Verbündete, mit der ich allmorgendlich und allnachmittaglich zusammen saß und Leid klagte, Freud teilte und eine Menge Muffins verdrückte. Die, die so weinte an meinem vorletzten Tag, so dass alle, mir eingeschlossen, vor Schreck ob dieser, ihrer Tränen, mit zu weinen begannen.
Oder der Kollege, der neue, der gar nicht mehr neu war und der mit Charme und Witz, aber auch mit Kompetenz und viel Humor mein (Arbeits-) Herz gewann. Der mir den Kaffee morgens bereit stellte und so ziemlich immer ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Er und noch einige mehr, machten mir den Abschied alles andere als leicht. Ich trauere über eine Woche später noch und merke, dass mir noch etwas fehlt um endlich offen für die neue Stelle zu sein.

Der neue Job ist auch ein dieser Gründe, ein guter. Der neue Job ist aufregend mit unglaublich viel Informationen und viel Verantwortung (nach der Einarbeitung), aber er ist nicht nur das. Er ist auch anstrengend, herausfordernd und weckt Erinnerungen. Erinnerungen an Anni, Erinnerungen an mich. Ich bin etwas überrumpelt von all dem, was da noch unverarbeitet ist…

Es gibt noch einen Grund, den letzten der Gründe. Es ist ein schöner Grund, ein teilweise lauter, oft flauschig weicher Grund, ein Grund aus dem Tierheim:

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Das ist Julio, halb Mexikaner, halb irgendwas uns irgendwas, 3 Jahre alt und schon im 3. zuhause, sein letztes. 😁

Dies und das

Ich bin noch da!

Nur gerade eher etwas auf Sparflamme…

Seit Wochen kränkel ich nämlich so vor mich hin und müsste wahrscheinlich einfach mal eine Woche im Bett bleiben, um mich auszukurieren. Aber das geht nicht, ich bin noch in der Probezeit, alle Kollegen haben gerade Urlaub und ich brauche diesen Job einfach (noch) zu sehr. Also heisst es Zähne zusammenbeißen und durchhalten!

Amin ist mir eine große Stütze, sobald ich zuhause bin werde ich verwöhnt. Schön für mich, für ihn eher weniger. Nicht weil er es nicht gerne tut, aber das (nur) „kochen und putzen“ während ich um 18 Uhr müde und erschlagen von der Arbeit zurück komme, füllt ihn nicht gerade aus.

Aber gut, da müssen wir jetzt die ersten Monate einfach durch, im Frühjahr ist, laut unserer Planung, hoffentlich schon einiges anders! Bis dahin schlagen wir uns mit Behördenkram rum, korrespondieren fleißig mit Sprachschulen, ziehen um und genießen die Zweisamkeit (wenn ich mal nicht schon um 20 Uhr in den Tiefschlaf falle…).

Meine Freunde kommen gerade etwas zu kurz…ich hoffe sie verstehen es! Alles ist gerade so neu und nach Jahren des „Alleinlebens“ muss soviel neu ausprobiert und umgestellt werden.

Sobald ich wieder fitter bin, melde ich mich auch hier wieder mehr. Dieser Blog und all die Anderen, die ich sonst fleißig gelesen habe, fehlen mir doch sehr!

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Robin Hood oder so…

Ich stehe vor dem Bereichsleiter. Ich habe seine Frage gehört und auch verstanden, so müde, dass ich mich darauf nicht konzentrieren könnte, bin ich auch nach einer langen, ätzenden Woche nicht. Aber was soll ich auf seine Frage antworten?

„Warum haben sie eigentlich ein so großes Interesse an der interkulturellen Arbeit und wichtiger, warum sind sie dann hier gelandet?“

Erst wenige Stunden zuvor saß ich mit einer türkischen Mutter bei einer ausgelagerten Beratungsstelle, habe ihre Papiere gewälzt, Pläne erstellt und mir die Beschwerden über die Mitarbeiter der zuständigen Ämter angehört. Während der 1 1/2 Stunden in der Beratungsstelle fühle ich mich gut, irgendwie gelassen. Ich kann sicher und kompetent beraten, sitze neben einer Kollegin, die genau wie ich früher, immer wieder mit solchen Fällen zu tun hat. Ich spüre wie die Anspannung der letzten Tage von mir abfällt. Ich hätte nicht da sein dürfen, das fällt nicht in meinen Aufgabenbereich, die Frau fällt nicht in meinen Aufgabenbereich. Hinter dem Rücken der Chefs und mit der Unterstützung der Kollegen habe ich es dennoch durchgezogen.

„Ihre Tochter meint, sie wäre Robin Hood. Ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finde.“ sagte vor über einem Jahrzehnt einmal mein Englisch Lehrer, der mir wohlgesonnen war, zu meiner Mutter.

Robin Hood klingt edel. Edel fühlte es sich heute an, ich glänzte, verspürte das Feuer, dass ich immer hatte, wenn ich genau in diesem Bereich tätig war und das jetzt irgendwie auf der neuen Arbeit nur noch ein Flämmchen ist.

Doch als der Bereichsleiter mir diese Fragen stellt, wird mir klar, dass es nicht edel und selbstlos von mir ist, sondern im Grunde egoistisch. Ich bin gut in diesem Bereich, das Wissen, der Bezug zu den Klienten fällt mir irgendwie in den Schoß, ich muss mich nicht groß anstrengen, oder besser gesagt, es ist keine Anstrengung für mich, sondern eine Leidenschaft. Um diese Leidenschaft zu befriedigen, verstoße ich auch in der Probezeit gegen Anweisungen von oben, nicht weil ich tatsächlich Robin Hood bin.

Ich antworte nicht direkt, drehe mich, während ich einen Erklärungsversuch dahin stammele, sogar mehrfach um, einfach so. Das muss komisch ausgesehen haben. Ich sage etwas über das Interesse an fremden Sprachen, Kulturen, irgendwas sagen, nur den Job nicht gefährden, nur nicht zeigen, dass mir in diesem Moment klar wird, dass ich eigentlich lieber in einem anderen Bereich arbeiten würde. Das ich mich lieber wieder mit Ausländerbehörden und Schulen rumschlagen will. Das ich lieber wieder Chefs hätte die meinen „Aktionismus“ (O-Ton meiner Vorgesetzten) schätzen und nicht ausbremsen. Das ich lieber wieder die Fördernde wäre, als die Fordernde. Das ich lieber Kunst und Kulturprojekte auf die Beine stelle, als Berichte zu korrigieren. Das ich lieber wieder Robin Hood spielen möchte  (auch wenn ich eigentlich eher Schneewittchens Stiefmutter bin, die in den Spiegel sieht, um Anerkennung zu bekommen) als Sir Hiss zu sein.

Ich dramatisiere. Ich mag die Kollegen, ich mag das Klientel, aber mir fehlt das Feuer, die Narrenfreiheit, die Leidenschaft und die Leichtigkeit. Ich lerne etwas Neues, das ist gut. Aber, um ehrlich zu sein, träume ich schon von einem neuen Job, im alten Bereich..

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Praxis Dilemma oder „Es“ ist einfach überall…

Man stellte mich ein, obwohl ich keine besonderen Vorkenntnisse in diesem Bereich habe, das hat mich gewundert und gleichzeitig gefreut. Ich liebe Herausforderungen, lerne gerne etwas Neues, bilde mich weiter. Das hier ist der perfekte Ort dafür. Und nach 6 Wochen muss ich sagen, trotz des Stress und der etwas (typischen) chaotischen Organisation meines Arbeitsbereiches und meiner Aufgaben, fühle ich mich absolut wohl und angekommen. Den Job könnte ich länger machen! Ich stehe mittlerweile gerne morgens auf, habe gute Laune wenn ich bereits um 7:30 Uhr durch die große Glastür husche, noch kurz mit Beschäftigten rede, meinen PC hochfahre und den ersten Kaffee aus dem Bereich stibitze für den ich verantwortlich bin. Ich mag die meisten Kollegen und die meisten Kollegen kommen gut mit mir klar, es ist entspannt.

Es könnte alles so schön sein, so schön…wäre da nicht dieser andere Bereich, den ich noch mit 10 Stunden in der Woche abdecken muss. Ein anderes Gebäude, andere Kollegen, anderes Klientel. Eigentlich, hatte ich mich fast mehr darauf gefreut… zu früh gefreut, wie so oft.

Man hatte mich eingestellt, sagte man, weil ich Wissen aus der Migrationsarbeit mitbringe, weil dieses Wissen heutzutage in jedem Bereich wichtig ist. Das hatte mich gefreut, weil ich derselben Meinung bin. Es ist schön, nach jahrelangem Studium und einigen Jahren Berufserfahrung endlich als Fachkraft ernst genommen zu werden – auch ohne unglaublich viele und teure Fortbildungen.

Während es am Hauptarbeitsplatz, wie beschrieben, keine besonderen Probleme gibt und Kollegen sich darüber freuen, einen Ansprechpartner für Migrationsfragen zu haben, sieht es am Nebenarbeitsplatz ganz anders aus. Von Anfang an schlug mir ein gewisses Mißtrauen und Desinteresse meinem neu eingerichteten Arbeitsplatz gegenüber entgegen. Ich verstand nicht warum, wobei es bei einigen sicher auch Zeitmangel ist, Zeitmangel sich genauer mit mir und meiner Stelle auseinander zusetzen.

Aber langsam begreife ich, dass es da einige gibt, die, zurecht, von Anfang an befürchteten, ich könnte ihnen auf die Finger schauen, Dinge sehen, die von anderen übersehen wurden, und dagegen angehen wollen.

Hier einmal, ohne größeren Zusammenhang (der Anonymität wegen) ein paar Aussagen, damit ihr genauer versteht, wovon ich hier eigentlich rede.

Kollegin: Wie der ist? Der ist halt wie Türken eben so sind! Wie soll der schon sein!

Kollegin: Man weiß ja wie die drauf sind, die Türken! Von Frauen halten die eh nicht, also versuchen sie gar nicht erst mit dem zu sprechen! Werden sie tätig!

Kollege: Was die sich denken! Hier in Deutschland gibts sowas nicht! Soll er zurück gehen, wo er hergekommen ist!

Hier geht es um einen Mann, von dem mir gesagt wurde, er sei unglaublich gefährlich und gerade im Begriff ein Leben zu zerstören. Ich war einerseits alarmiert, andererseits unsicher. Wie viel Wert kann ich auf Aussagen von Menschen legen, die der Meinung sind „alle Türken sind so?“

Um mir ein genaueres Bild von dem Herrn zu machen, wollte ich an einem Zusammentreffen, mit mehreren Leuten, von dem Nebenarbeitsplatz initiiert, teilnehmen. Meine Anwesenheit war nicht erwünscht, das sagt man mir so, von Seiten der Kollegen. Aber ich bestand darauf und es ergab sich folgendes Gespräch:

Kollegin: Sind sie sicher, dass sie kommen wollen? Ich wüsste nicht warum? Der Mann kommt eh nicht, so sind die, die melden sich an und kommen dann nicht!

Ich: Ja, ich bin sicher, dass ich kommen will. Allgemein halte ich es für wichtig, mich noch einmal vorzustellen.

Kollegin: Aber da werden wenige Türken sein!

Ich: … Ich bin ja auch nicht nur für eine bestimmte Gruppe da, sondern für alle?

Kollegin: Ja, wenn sie kommen wollen, obwohl die Türken wohl nicht kommen werden…

Ich: Ja, will ich!

Ich kam an dem Abend, genau so wie „die Türken“. Ich saß neben ihnen, den ganzen Abend, mit dem einen unterhielt ich mich viel, der Andere war eher schweigsam, berichtete mir, dass er höllische Rückenschmerzen habe und deswegen Probleme mit dem langen Sitzen habe. Der Abend verlief ruhig, bis auf einige wenige Seitenhiebe der Kollegin gegen „Die Türken“, die ihrerseits aber nicht darauf eingingen.

Am übernächsten Tag auf dem Nebenarbeitsplatz:

Kollege: Ich habe schon von der Katastrophe am … gehört! Unfassbar sowas!

Ich: Wie bitte?

Kollege: Ja, das der Herr … so aggressiv war!

Ich: Entschuldigung, ich weiß nicht was Sie meinen?

Kollege: Wie? Der soll doch voll auf Krawall gebürstet gewesen sein! Haben Sie da eine andere Wahrnehmung oder wie?

Ich: Sieht ganz so aus.

 

Kollegin: Gut das sie da sind! Ich muss mit ihnen reden!

Ich: Ja, wir sollten den Abend einmal reflektieren.

Kollegin: Ja! Ganz genau! Was für eine Unverschämtheit! Wie aggressiv der war! Und dieses Teil in seiner Hand! Was soll das?

Ich: Ich weiß, um ehrlich zu sein, nicht was Sie meinen. Ich saß doch den ganzen Abend neben ihm, was haben sie denn als aggressiv empfunden?

Kollegin: Seinen Blick! Und dieses Teil in der Hand! Das war doch Provokation!

Ich: Das Teil in seiner Hand, war eine Gebetskette, so wie ein Rosenkranz. Manche Menschen nutzen es, um sich etwas zu beruhigen.

Kollegin: Ha! Sehen sie! Beruhigen! Weil er so aggressiv war!

Ich: Der Mann hat gerade nach 30 Jahren seinen Job verloren und hat über starke Rückenschmerzen geklagt, wahrscheinlich hatte er es deswegen mit.

Kollegin: Wie auch immer! Ich habe gesehen, wie er sie mit seinen Blicken durchbohrt hat! Ja! Immer wenn sie geredet haben! Weil sie eine Frau sind! Die haben ja Probleme mit Frauen! Das hat mir richtig Angst gemacht!

Ich: Ich kann das so nicht bestätigen, er hat auf jede meiner Fragen höflich geantwortet.

Kollegin: Das ist doch Show! Dieses Moslems; Türken, die wollen nicht das wir Frauen reden!

Ich: …

Kollegin: Egal, er hat … ein Gespräch mit dem Leiter.

Ich: Ich würde gerne dabei sein, vielleicht ist eine Mediation nötig, wenn es um das eine Thema geht.

Kollegin: Brauchen sie nicht. Das macht der schon alleine.

Ich: Aber für so etwas bin ich hier.

Kollegin: Er hört ihnen als Frau eh nicht zu!

Konsequenz: Ich darf an dem Gespräch nicht teilnehmen. Und langsam wird mir dabei mulmig. Ich weiß nicht was sich da in den Kopf gesetzt wurde, aber ich kann nicht tatenlos daneben sitzen und zulassen, wenn ein Mann, aufgrund seiner Herkunft, so in die Mangel genommen wird, wenn ihm Dinge unterstellt werden, die nicht wahr sind. Vielleicht ist er kein freundlicher Zeitgenosse, aber das sind viele nicht, solange er sich nicht mit irgendwas strafbar macht, habe ich kein Recht einzugreifen und vor allem keinen Grund. Grummelig sein, ist noch kein Verbrechen!

Ich stecke jetzt in einem Dilemma. Der Leiter ist nicht auf meiner Seite. Mit wem soll ich sprechen? Soll ich einfach wegsehen? Ich kann nicht wegsehen, das gehört nicht zu meinem Job, im Gegenteil, genau Hinsehen ist mein Job, Missstände erkennen und beheben, das ist mein Job. Ich bin in der Probezeit, ich brauche diesen Job, jedenfalls so lange bis Amin einen gefunden hat, da kann ich mir, zur Not, auch getrost einen Neuen suchen. Aber eigentlich mag ich es ja an dem Hauptarbeitsplatz…ich bin hin und hergerissen. Was soll ich tun? Wenn ich Pech habe, dann riskiere ich meinen Job, wenn ich den Mund aufmache. Wenn ich den Mund halte, kann ich nicht mehr lange in den Spiegel schauen…

Warum muss Rassismus nur überall sein – Warum gibt es für den sozialen Bereich nicht einen Gesinnungstest?

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Update

Nicht das hier der Eindruck entsteht, ich wäre die letzte Zeit völlig unproduktiv, da hier auf meinem Blog nicht allzu viel los ist!

Im Gegenteil, es ist so viel los, dass ich einfach nicht die Ruhe finde hier etwas zu schreiben.  Geschichten wären da eigentlich genug…  Der Job spannt mich total ein – und ich liebe es! Endlich fühle ich mich wieder gefordert, tue wieder etwas sinnvolles, habe eine Aufgabe. Meine Kollegen sind in Ordnung (naja, fast alle, aber das ist ja immer so 😉  ), die Arbeit macht mir Spass und sogar die „unmenschliche“ Aufstehzeit ist gar nicht mehr so furchtbar wie am Anfang. Aber es passiert zurzeit einfach so viel, dass es mir schwer fällt meine Gedanken wirklich zu ordnen.

Also nun mal ein kleines Update:

– Im neuen Job ist alles gut, auch wenn meine zuständigen Bereiche sich von 2 plötzlich auf 4 verdoppelt haben und ich in wenigen Wochen den ersten Ausschuss leiten muss (vor Externen!), wurschtel ich mich da irgendwie durch.

– Amin und ich arbeiten gerade angestrengt an seinem Visum. Eigentlich müsste alles ohne Probleme klappen, aber irgendwie sitzt einem die Angst im Nacken – irgendwann geht mal was schief, hier wäre es besonders fatal…

– Ich versuche gerade meine Krankenkasse zu wechseln, gar nicht so einfach, vor allem wenn die neue Krankenkasse einfach mal so die zugesendeten Unterlagen verliert, meine Arbeitszeit mit ihren kollidiert und ich a) keinen Handyempfang auf der Arbeit habe und b) eigentlich nicht vom Diensttelefon privat raustelefonieren darf…

– Meine Physiotherapie 2-3 mal die Woche nach der Arbeit (juhuu…so nach 8 Monaten kaum bewegen ist das natürlich keine leichte Überforderung 😉 ) läuft gut. Ich mache riesen Fortschritte, kann die Treppe mittlerweile normal hochgehen und runter sehe ich nur noch ein ganz kleines bisschen aus wie eine Ente… (NInja-Ente?) In 2 Monaten dürfte ich komplett fit sein.

– In 3 Wochen habe ich meine erste Klausur in Geschichte und ich bin so gut wie gar nicht vorbereitet! Ein Albtraum…ich muss endlich anfangen! Aber so sprunghaft wie ich bin denke ich gerade „Hach, warum nochmal wollteste nicht den M.A. in Politik machen…? -.-

– Ich muss mich noch aufraffen bei meiner alten Arbeit mal nachzufragen, was denn so mit meinem Arbeitszeugnis und der Auszahlung der Urlaubstage ist? Ich befürchte ja, die überraschen mich noch….

Das wars eigentlich auch schon, besonders viel ist es nicht…aber irgendwie doch zeitaufwendig.

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Quelle

Und ein Sozialarbeiter Herz weint leise

Yaya: Wir haben den Song fast fertig. Dein Jugendlicher hat auch schon die Lyrics!

Ninjaan: Ach ehrlich! Schick mir das Demo bitte!

Yaya: Ja, wenn wir seinen Part haben, aber das kann dauern.

Ninjaan: ?

Yaya: Das Studio ist ständig geschlossen, seit du die Jungs verlassen hast läuft da…

Ninjaan: Bitte sag das nicht… Ich hatte gar keine Wahl..

Yaya: Ich weiß, aber…

Das sitzt. Auf so etwas kommt Yaya nicht von alleine, dass muss ihm der entsprechende Jugendliche so gesagt haben, denn persönlich war Yaya seit damals nicht mehr im Studio. Es sitzt, weil ich all mein Herzblut in dieses Studioprojekt gesteckt habe. Ich habe es geplant, Gelder beantragt, Werbung gemacht, die Materialien besorgt und nächtelang mit Yaya versucht alles zum Laufen zu bringen. Seitdem sind was 2 Jahre vergangen. Viele Jugendliche haben riesen Fortschritte gemacht, haben eigene Musikvideos, schreiben ihre Lyrics mittlerweile ohne jede Hilfe.

Ich hatte schon oft die leise Befürchtung, dass es nun, da ich nicht mehr da bin, ständig dafür sorge, dass irgendjemand kommt und das Studio öffnet (also Fachleute/Musiker) oder dies auch mal selbst in die Hand nehme und am WE arbeite, etwas abflaut. Aber das es mittlerweile so schlimm ist, das ein Jugendlicher, wie eben dieser der mit Yaya nun einen Song macht, anmerkt, dass ohne mich nichts läuft, dass hätte ich nicht erwartet.

Das macht mich traurig, es ist ein gutes Projekt, eins in das man eben viel Arbeit stecken muss – aber das war es immer wert.

Vielleicht zeige ich euch irgendwann mal das tolle Lied, dass meine Kids gegen Rassismus aufgenommen haben… ich hoffe es war nicht das Letzte…

Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss ein wenig trauern – am Besten still und leise, ich habe da nämlich eh nichts mehr zu sagen… 😦

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Countdown

34 Tage noch, dann ist es endlich soweit: Ninjaan geht wieder arbeiten!!!! YEEAAAHHH!!!

Endlich ist die Zeit der Langeweile, des Betthütens und der schlaflosen Nächte vorbei. Und das Allerbeste daran? Ich muss nicht zurück! Nicht zum alten Job und nicht zum alt-alt Job – ich habe einen ganz neuen, darf neu anfangen, eine neue Herausforderung, die ich nach all den Monaten der „Unterbeschäftigung“ so dringend brauche!

Heute geht´s mir, trotz der Schmerzen und der „miserablen Beugung meines Knies“ (O-Ton Physiotherapeutin), einfach nur gut. Die Existenzängste verziehen sich in die letzte Ecke, wo sie auch hingehören.

Mein neuer Arbeitgeber gehört zu einer der größten sozialen Institutionen hier in DE und das bedeutet für mich, die ich immer nur in kleinen privaten Einrichtungen beschäftigt war: Anständiges Gehalt, vernünftige Arbeitszeiten, Sonderleistungen uvm. Vielleicht meckere ich in wenigen Monaten auch darüber, aber jetzt gerade klingt es für mich unglaublich toll!

Jetzt kann ich die 2 Wochen mit Amin im Juli richtig genießen, Kraft tanken und neu durchstarten! Herrlich!

 

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Mitgefühl wird überbewertet

Nein, nein! Keine Sorge! Das meine ich gar nicht so. Schon gar nicht als Sozialarbeiterin! Wie könnte ich auch? Ich bin das Mitgefühl auf 2 Beinen,  habe es mit allem und jedem und das Beste ist: Ich erwarte NICHTS aber auch rein GAR NICHTS dafür. Toll oder?  Total!

Denken sich anscheinend aber nicht nur „Klienten“ sondern auch Kollegen und bevorzugt Vorgesetzte. Mitgefühl gibt´s nicht für uns, weil wir die geborenen „ich arbeite immer gerne lange und hart und erwarte weder Anerkennung noch ne Gehaltserhöhung“ – Typen sind. Das ist mir nicht neu, sondern altbekannt. Es ist erträglich, man ist quasi darauf geschult sich das nicht zu Herzen zu nehmen.

Ich habe während meiner gesamten Krankheitsphase (immerhin 7 Monate nun) niemals eine Karte oder einen netten Anruf bekommen. Wenn ich angerufen wurde, dann nur weil sie (mittlerweile ja nun schon seit 6 Monaten unentgeltlich!) irgendwas von mir wollten. Brav bin ich immer gesprungen, aber mit der Zeit wurde mir klar „dahin gehe ich definitiv nicht zurück“.  Ich erwarte von denen gar nichts mehr, rufe aber auch nicht mehr wirklich zurück und in wenigen Tagen haben sie dann, unangekündigt (wie rebellisch und böse muaaaaaaaaaaaah), meine Kündigung auf dem Tisch!

SO! Das habt ihr jetzt davon! Nicht mal einen Funken gespieltes Mitgefühl? Das geht selbst mir als „Paradebeispiel“ einer „ich vergesse mich selbst“ Sozialarbeiterin zu weit. Also habe ich mich anderweitig beworben. Und, ohne es je für möglich gehalten zu haben, wurde ich tatsächlich vorletzte Woche zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Für einen Job, der etwas absolut Neues für mich ist, aber gerade deswegen auch unschlagbar interessant.

Ich habe mich gefreut wie Klößchen, bin vor  der OP noch schnell zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden und habe, irre wie ich bin, zugestimmt, dass ich nur 10 Tage nach der OP (nur Teilbelastung des Beins und 30° Beugung) 3 tagelang Probearbeiten werde. Vielleicht war es die Euphorie tatsächlich meinen alten Job loszuwerden oder die Neugierde auf das unbekannte Arbeitsfeld (oder die 200 Euro mehr netto +Zusatzleistungen)? Was es auch war, es ließ mich kurzfristig vergessen, dass NIEMAND es für nötig zu halten scheint, auch mal etwas Mitgefühl mit uns  (also mir) zu haben.

Ich habe mich Montag unter Schmerzen, mit Krücken und Thrombosestrumpf zur Arbeit geschleppt (wenn das die KK wüsste…) und musste gleich 6 Stunden bleiben, von denen ich gefühlte 3 Stunden nur durch die riesige Einrichtung geführt wurde (laufend). Heute blieb ich dann 8 Stunden und als ich für einen Moment bei den Kollegen das Bein auf den Stuhl legte (es war mittlerweile, auch in der Jogginghose unverkennbar, angeschwollen) erntete ich einen vorwurfsvollen Blick von dem“vielleicht bald“ Vorgesetzten.

Is das zu fassen? Ich schleppe mich da hin, um sie von mir zu überzeugen und ernte noch schräge Blicke? Ich habe einfach zurückgeguckt und gesagt: „Mein Bein MUSS hochgelegt werden!“ mehr brachte ich nicht heraus.

Bei solch einem Verhalten gleich zu Anfang frage ich mich natürlich „Wie soll das da weitergehen“, aber andererseits ist es immer noch die beste Alternative die ich habe. Niemand bezahlt so gut, nirgendwo habe ich solche geregelten Arbeitszeiten wie da.

Also schleppe ich mich auch morgen dorthin, beiße die Zähne zusammen, lutsche Schmerztabletten wie Bonbons und hoffe, dass sie meine Hartnäckigkeit in Verbindung mit meiner beruflichen Erfahrung überzeugen wird. Morgen Nachmittag werden sie mir Bescheid geben. Wenn sie mich nicht nehmen, schmeiße ich ihnen glaube ich meine Krücken um die Ohren… Dann habe ich nämlich einfach mal kein Mitgefühl mehr!

 

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Jugendarbeit

Ich bin seit 2 Monaten nicht mehr auf der Arbeit, ausser der schnöden Verwaltungsarbeit (die immer noch, trotz Krankschreibung gerne auf mich geschoben wird – natürlich ohne zusätzliche Vergütung oder ein Dankeschön) bleibt mir nicht mehr viel. Ohne die direkte Arbeit mit meinen Jungs, geht mir so langsam die letzte Leidenschaft flöten.

Es sei ruhig geworden bei mir auf der Arbeit, wenige Jugendliche seien da. Hin und wiede erreichen mich Nachrichten bei Fb, verzweifelte Anfragen wann ich wieder komme oder einfach ein “ Wie gehts dir“. Eine Nachricht erreichte mich bereits im Dezember. Einer meiner Jungs, mit dem ich gerade vermehrt angefangen hatte für die Schule zu lernen, ist nach eigenen Angaben straffällig geworden. Es dauerte eine Weile bis ich meine Kollegen beruhigt hatte, nicht zuletzt musste ich sie sogar zu Raison rufen. Seine Straftat ist eine von denen, die berührt, die Wut aufkommen lässt. Wenige bleiben da unemotional.

Ich bin nicht unemotional, aber ich habe schon vor langer Zeit gelernt, dass:

Jugendarbeit ist nicht nur Opferarbeit, Jugendarbeit ist auch immer wieder die Arbeit mit Tätern. Wer das nicht kann, ist falsch, in der Jugendarbeit, in der Sozialen Arbeit allgemein.“

Ich bin gerade so sehr mit mir, mit der Verwaltung, meiner Zukunft und meinem kaputten Knie beschäftigt, dass ich es fast ganz zur Seite geschoben habe. Aber heute wurde ich daran erinnert. Und ich würde so gerne meine Kollegen anschnauzen, weil sie nicht handeln, wie ich es tun würde. Vielleicht können sie es nicht? Aber sie sollten, zumindest, so schwer es auch ist, ihm eine Beratung geben. Nimm den Termin bei der Jugendgerichtshilfe wahr, sag die Wahrheit vor Gericht…usw.

Vielleicht sollte ich ihn anschreiben? Vielleicht nicht… Aber glücklich bin ich mit dem wegignorieren der Tat und dem verteufeln seiner Person nicht. Es ist unser Job auch in solchen Situationen professionell zu sein, auch wenn es nicht jedem passt…

Denn wenn nicht wir es sind – wer ist es dann?

Hilfe

Man Ninjaan willst du mich verarschen? was für alte menschen.. du gibst zu leicht auf .. du hast doch zu mir immer gesgat amch schule dies das du schaffst das ;) wieso gibst du auf? ich sag doch lass mich aml versuchen ? ja du denkst ich bin noch ein kleines kind .. ich will dir helfen und ich werde dir helfen auch wnen du nciht willst jz pscht und schick ..Ninjaan vallah dui hast so ein gutes herz.. versuchst jeden zu helfen.

Mein Jugendlicher, dem ich vor Monaten einmal, in einem schwachen Moment, etwas von dem Mann erzählte, den ich liebe, der nun weiss, weil er es sieht, dass ich unglücklich bin, zu seiner Idee, warum nicht er ihm schreiben kann?

Heute kam er extra zur Arbeit, wollte mich überzeugen, dass er mit ihm reden könnte, wie ein ganz Erwachsener natürlich, keinen Kinderkram. Und das „der“ (Yaya), ja nicht so blöd sein könnte, nicht zu sehen wie wundervoll ich bin, weil ich immer für alle da bin und sicher auch für ihn…und das man mich ja lieben müsste.

Auch wenn das niemals etwas helfen würde, alleine die Gedanken meines Jugendlichen lassen mich lächeln… Danke dafür!