Bewährungszeit

Es war 2 Wochen nach meiner Rückkehr aus Jordanien. 2 Wochen war sie nicht zu mir gekommen. Schwindeln ist nicht ihre Art, selbst dann nicht, wenn es angebracht wäre. Darum sagt sie frei heraus: “ Ich mag jetzt nicht kommen und dich sehen. Sorry, aber das ist mir gerade zu viel.“ Und so warte ich, sage nichts dazu, lasse sie. Auch wenn es mich verletzt. Denn nicht ich als Person bin ihr zu viel, sondern mein „glücklich sein“. Dabei, so glaube ich, bin ich doch sehr darum bemüht es nicht ständig raushängen zu lassen, was für ein Glück ich tatsächlich gerade in der Liebe habe.

Nach 2 Wochen sitzt sie endlich vor mir. Sie ist gestresst und müde von der Arbeit. Sie sieht schlecht aus. Und so höre ich zu und frage nach und erzähle nichts. Ich gehe nicht ans Telefon als Amin anruft und schreibe ihm nur kurz, dass ich ihn später zurückrufe. Ich will ja rücksichtsvoll sein. Mit jeder Minute die verstreicht und in der sie mich nicht einmal fragt wie es mir so erging, wie es mir geht und was es Neues gibt, wächst die Enttäuschung. Aber ich schweige.

Nach geschlagenen 2 Stunden fragt sie, nach einer kurzen, wirklich unangenehmen Stille, endlich: “ Und, was ist jetzt bei euch so?“ Ich antworte, kurz und knapp in einem Satz. Sie sieht mich an, Tränen steigen ihr in die Augen. Sie wendet den Blick ab und sagt leise, aber doch in einem verächtlichen Ton: “ Ihr seid doch irre!“

Das war es. Kein Wort mehr. Wenige Minuten später erhebt sie sich und geht. Und ich bleibe zurück. Wütend und enttäuscht. Ich hätte etwas sagen sollen. Aber ich kenne sie, seit 14 Jahren. Ich weiß wie sie tickt und das es jetzt nichts bringt.

Ich erinnere mich an eine Nachricht, die sie mir während meines Urlaubs schickte.

„Tut mir leid. Aber ich will gerade nicht so mit dir reden. Ich habe alles so satt. Wenn ich dich ansehe ist es, als würde mir das Schicksal ins Gesicht spucken. Du wolltest nicht mal eine Beziehung! Und jetzt hast du alles was ich nicht habe! Ich gönns dir ja, so ist es nicht. Aber es macht es mir noch schwerer.“

Das hatte gesessen. Ich antwortete nicht darauf, ignorierte es. So mache ich das eigentlich immer. Wahrscheinlich ein großer Fehler von mir. Ich schweige und ignoriere es, sitze aus. Jedesmal wieder.

3 Tage nach unserem Treffen, ich hatte gerade beschlossen den Kontakt mit ihr auf Eis zu legen und ihr nichts, aber auch gar nichts privates mehr zu erzählen, als sie mich anruft. Ich will nicht rangehen, aber beim 3. Versuch ihrerseits tue ich es doch. Vielleicht ist etwas passiert? Sie schluchzt mir ins Telefon, dass ihr Leben zu Ende sei. Sie nicht zur Abschlußprüfung zugelassen werden würde, so durcheinander ist und nicht weiter weiß. Ich biete ihr meine Hilfe an. Was sollte ich auch sonst tun?

Schneller als sonst ist sie hier. Ich sortiere ihre Unterlagen, helfe ihr beim Ausfüllen, erstelle eine „To do Liste“ und muntere auf. 3 Stunden ist sie bei mir. Als sie geht dreht sie sich um, ich hoffe auf etwas, irgendetwas, am Besten etwas Reue. Aber sie hebt nur die Hand und geht.

Das Thema ist für sie durch. Für mich nicht. Ich kann über eine solche Mißgunst von einer meiner ältesten Freundinnen nicht hinwegsehen. Aber mich damit auseinandersetzen will ich auch nicht. Nicht, solange sie nicht von sich aus das Thema anspricht.

Sie bombardierte mich mit Nachrichten hier und da. Ich antwortete knapp, manchmal gar nicht. Vielleicht falsch von mir, es nicht deutlich genug zu machen. Aber ich will mich jetzt freuen, an dem was ich habe erfreuen. Ich habe lange genug selbst Liebeskummer und unerfüllte Träume gehabt. Ich weiß wie es sich anfühlt, aber ich weiß nicht, wie es sich anfühlt es meinen engsten Freunden nicht zu gönnen.

Sie fährt ins Ausland. Ich vergesse ihren Abflug nicht und wünsche ihr dennoch eine gute Reise, auch wenn sie meine OP , kurz zuvor, vergessen hat. Ich will nicht nach einer so langen Zeit die Freundschaft einfach wortlos abbrechen. Bin bereit ihr eine Tür offen zu halten. Sie müsste einfach nur durchgehen. Aber vielleicht ist das auch mein Fehler, weil sie keinen Grund hat eine offene Tür einzurennen?

Seit einer Woche haben wir keinen Kontakt. Ich schreibe nicht von mir aus. Sie weiß, dass bald ein besonderer Tag für mich ist. Nicht von mir, aber von einem gemeinsamen Freund.

Ich hoffe noch darauf, dass sie etwas sagen wird. Irgendwas, dass meine Enttäuschung mildert und unserer Freundschaft eine Chance gibt. Eine letzte Chance. Denn in all den Jahren, habe ich zu oft geschwiegen, zu oft nur an das Gute gedacht und versucht es mit dem Schlechten aufzuwiegen. Diesmal ist es mir zuviel. Ich bin glücklich, ich muss es nicht ständig erwähnen und in die Welt hinausrufen, aber ich muss mich auch sicher nicht dafür schämen.

Ich habe Fehler gemacht, sicherlich und sie ebenso, vielleicht waren es einfach zu viele? Vielleicht können wir es noch einmal retten. Bald wird es sich zeigen…

oniholihn

(Sommer 2007)

Ich muss an diesen Spruch denken: Lachen kann man mit jedem, weinen nur mit wahren Freunden. Das mag wahr sein, aber was ist ein wahrer Freund wert, der nicht mehr mit dir gemeinsamen Lachen kann?

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Der lange Abschied Teil II

Vor zwei Wochen bin ich an einem Sonntag Morgen wieder in Köln gelandet.

Ich hatte vor noch einige Tage in der Nähe von Köln bei meinem Vater zu bleiben, ich war viel zu selten dort und ich spürte wie er sich freute. Schon am selben Nachmittag zeigte ich ihm alle meine Fotos (immerhin weit über 500 Stück), naja, fast alle. Die Fotos aus der Westbank befanden sich bei Yaya. Und weil ich eigentlich, abgesehen von meiner Sehnsucht nach Jerusalem, guter Dinge war, schrieb ich Yaya eine Sms. Wie es ihm gehe, ob er schon aus dem Süden zurück sei und das ich wieder im kalten Deutschland bin und mich freuen würde, wenn er die Fotos wieder in unseren Dropbox Ordner laden könne, sobald er Zeit dazu habe. Im Haus meines Vater habe ich kaum Empfang und so verschwand ich ständig auf die Terasse, um zu schauen, ob ich schon eine Antwort bekommen habe.

Nun ja, was soll ich sagen? Ich bekam keine. Obwohl Yaya einen Vertrag hat. Am späten Abend zeigte mir mein Dropbox Ordner an, dass Yaya alle Dateien hochgeladen hatte – ohne ein Wort. Zwei Tage später fuhr ich nach Hause zurück und entdeckte Abends, dass Yaya mir am Sonntag Abend bei Skype geschrieben hatte „Welcome to Iceland!“ – Keine Antwort auf meine Fragen, kein Erkundigen nach meinem Wohlbefinden. Das saß. Ich schwieg weiterhin, auch als er mir noch am selben Abend zwei Filme über Dropbox schickte – ich bin nicht wild darauf irgendwas zu bekommen, alles was ich will ist ein Gespräch, aber genau das bekomme ich nicht. Was für Freunde sind wir eigentlich?

Am nächsten Tag hat er mir immer noch nichts geschrieben und ich tue wieder das, was man in solchen Fällen nicht tun sollte, ich suche seine Seite bei Fb auf. Wir sind zwar keine Freunde mehr, aber einiges ist für mich dennoch sichtbar. Ich sehe, dass er den Song meiner Jugendlichen geteilt hat und freue mich. Hätte ich es nur dabei belassen! Ich jedoch scrolle etwas weiter hinunter und sehe, dass er 2 Tage zuvor, einen Song von Fettes Brot gepostet hat „Ich lass dich nicht los“, mit einem kurzen Kommentar, der zwar niemanden direkt anspricht, aber erkennen lässt, dass er diesen Song jemandem widmet. Der Song hat ein“ Gefällt mir“ und einen Kommentar – von IHR!

Ich würde gerne weinen, schreien, irgendwo gegen schlagen – aber nichts davon geht mehr. Es ist einfach zu viel. Wenn sie so wichtig ist, warum hast du mich dann in deinem Leben gehalten? Bin ich nichts anderes als dein blödes „rebound girl“?

Als Kurzschlußreaktion blocke ich ihn, bei FB und bei Skype. Ich will nichts mehr sehen und nichts mehr von ihm hören. Ein paar Tage scheint das zu reichen, ich fühle mich nicht wirklich besser, aber etwas stärker, nicht mehr ganz so hilflos.

Nach wenigen Tagen erhalte ich plötzlich eine Sms (!):

I am in Hamburg ninja, I stay here with my cousin. I dont have internet. Don´t get angry if I dont write! The video of ur kids is awesome! U did a great job!

Er hat also kein Internet, dabei könnte ich schwören sein „Dont get angry with me if I dont write“ ist das Resultat davon, dass er bemerkt hat, dass ich ihn geblockt habe. Das Video hat er vor Tagen gesehen, er hätte mir schon vorher etwas dazu schreiben können – als er noch Internet hatte! Warum also jetzt? Ich grübel lange nach und entschließe mich dann ihm zu antworten. Nicht weil ich mein Vorhaben, keinen Kontakt mehr mit ihm zu haben, brechen will, sondern weil ich der Meinung war, er würde mir wieder schreiben, sollte ich nicht antworten.

Everything is fine Yaya (Ich habe seinen richtigen Namen geschrieben, keinen Kosenamen, womit ich Distanz zeigen wollte…). I am glad to hear u liked the video. Enjoy Hamburg.

Kurz und höflich ohne eine Antwort zu erwarten. Ich hoffte das würde erst einmal reichen. Es reichte aber nicht, denn am nächsten Tag erhielt ich erneut eine Sms von ihm. Deren Inhalt  so bescheuert war, dass ich bis heute nicht weiß, was er sich dabei gedacht hat, aber seht selbst:

Yes it is a master piece! Ninjaan, I want to write a note to our neighbour, I want to use his internet for some time, can u write it for me pls?

Ich erhalte diese Sms 2 Stunden später, da mein Handy während eines Treffens mit der Volksbank ausgegangen war und starrte nun ungläubig auf seine Worte. Ich soll ihm einen Satz schreiben? Der Mann hat seine Masterarbeit auf Deutsch geschrieben und jetzt kann er nicht mehr so einen Satz schreiben? Ich hatte ihm schon einmal bei formellen Schreiben geholfen oder seine Bewerbung überarbeitet – aber so einen Satz? Für eine Sekunde bin ich versucht ihn anzurufen, um ihn zu fragen, ob das ein Witz sein soll. Ich tue es aber nicht und schreibe ihm irritiert einen Satz mit der Frage, ob er so etwas meinen würde?

Und dann? Dann bekomme ich keine Antwort mehr. Kein Danke, keine Erkärung, nichts. Nichts an diesem Tag und nichts am nächsten Tag. Und wieder sitze ich, immer ein Auge auf dem Handy da und warte und warte. Und ich hasse warten und mit jeder Stunde die ich auf eine Antwort warte, geht es mir mieser.

Letzten Donnerstag morgen fasse ich dann den etnscheidenden Entschluß, wenn ich ihn schon überall geblockt habe, dann sollte ich auch konsequent sein. Ich kann ihm schlecht verbieten mir Sms zu schreiben – aber ich kann es unmöglich machen. Ich rufe bei der O2 Servicehotline an und bitte um eine neue Nummer. Die Frau am anderen Ende ist nett und weil ich wahrscheinlich ziemlich erbärmlich klinge, fragt sie mich dreimal ob ich sicher bin, dass ich das tun möchte. Ich bejahe es jedesmal. Ja, ich möchte meine Nummer wechseln und ich weiss, dass das endgültig ist und das es schon innerhalb der nächsten 20 Minuten umgestellt wird.

20 Minuten später habe ich eine neue Nummer. Meine alte ist nicht mehr erreichbar. Ich bin nicht mehr erreichbar für Yaya.

Es geht mir nicht besser damit und ich fühle mich auch nicht stärker dadurch. Aber ich warte nicht mehr. Ich weiss, dass er mich nicht erreichen kann, egal wie. Manchmal frage ich mich, ob ich das überhaupt aushalte. Ob es ihm gut geht? Ob er vielleicht dringend etwas braucht und ich plötzlich nicht mehr antworte…aber dann denke ich an die 100mal in denen er einfach nicht geantwortet hat, obwohl ich die richtige Nummer habe, obwohl meine Nachrichten bei Fb gelesen und bei Skype übertragen wurden.

Ich wollte ihn in meinem Leben halten, als Freund, wenn schon nicht als Liebhaber. Aber es ist mir unmöglich, weil meine Gefühle zu stark sind und seine zu schwach – so kann man nicht befreundet sein, jedenfalls ich nicht…

Und jeden Tag hoffe ich doch insgeheim, dass er irgendetwas tut, irgendeinen Weg findet mich zu kontaktieren und das dann alles gut wird, wie im Märchen… Aber mir ist klar, dass das nicht passieren wird…

Retrospektive Dezember 2011: Das letzte Treffen Teil I

Der Tag beginnt um 00:01 Uhr, dieser eine Tag, mein Tag, der Tag meiner Geburt. Einige Stunden vor dem Beginn dieses Tages haben wir uns bei Skype geschrieben, unser Treffen für den Tag, nach meinem Tag geplant. Der Song ist fast fertig, ich liebe ihn, diesen Song. Deine Stimme ist so weich, so sanft, ich liebe deine Stimme und auch wenn ich nur die Hälfte von dem verstehe was du sagst, ist mir klar, dass du viel mehr in diesen Song gelegt hast, als in den Vorherigen.

An diesem Tag, wenige Stunden vor meinem Tag, sprechen wir über vieles, wir lachen, tauschen uns uns, planen, erinnern uns kurz an unser letztes Treffen zurück – alles ist gut, wir sind gut – zusammen sind wir besser als wir es uns je gedacht haben.

Ich feier nicht rein in meinen Tag, ich halte nicht viel davon, warum sollte ich feiern, dass ich älter werde? Wir alle werden das, es ist keine große Leistung alt zu werden.

Doch wie jedes Jahr gibt es an diesem Tag eine Familienfeier, Plitschi und Jackson sind auch gekommen, sie gehören irgendwie mit zur Familie, mit zu diesem Tag, den ich eigentlich nicht feiern will, der aber irgendwie doch mein Tag ist. Und eben weil es irgendwie doch mein Tag ist, sehe ich von Stunde zu Stunde ungeduldiger auf mein Handy, ich erhalte viele Sms, Anrufe, Glückwünsche, zu etwas für das ich nichts geleistet habe, nette Gesten, die mir eigentlich nichts bedeuten. Nur du, du bleibst stumm.

Um 23:59 Uhr meines Tages sitze ich mit Plitschi, Jackson und meiner Mutter am Küchentisch, die Gäste sind alle gefahren, mein Tag ist ja auch immerhin fast vorbei und der neue Tag rückt unaufhaltsam näher – ein Tag ohne besondere Bedeutung, der aber doch einer unserer Tage werden sollte – und noch immer hast du dich nicht gemeldet. Ein letztes Mal stehe ich auf und öffne Skype – wenn keine Sms und kein Anruf, dann aber doch vielleicht dort eine Nachricht?

Um 00:01 Uhr ist mein Tag vorüber, ein Kloß hat sich in meinem Hals festgesetzt, weil du nichts gesagt hast, nichts zu meinem Tag, der mir eigentlich egal ist, aber eben nur eigentlich. Am Tisch warten sie auf mich, Plitschi, Jackson und Mama, sie sehen mich an, teils mitleidig, teils zornig. Ich solle dir absagen für diesen neuen Tag, der eigentlich unser Tag werden sollte, weil du meinen Tag vergessen hast. Trotzig, wie ein kleines Kind, dass statt eines Fahrrades nur ein Puzzle bekommen hat, nehme ich mein Handy in die Hand und schicke dir eine Nachricht:

„Happy Birthday!“

Da war es 00:10 Uhr, nicht einmal 5 Minuten später bekomme ich eine Antwort, und ich weiss nicht ob ich lachen oder weinen soll oder einfach mein Handy aus dem Fenster werfen soll, weil du doch so schnell antworten kannst:

„Yes I know I am sorry I worked last night and had a bad day today. Im at work again. I guess u forgive me do u want ur gift today?”

Deine Worte bringen mich fast zum überkochen, ja, ich sollte dir absagen, weil ich wütend und verletzt bin, weil du meinen Tag vergessen und weil du so selbstverständlich und arrogant davon ausgehst, dass ich dir dies verzeihe. Aber ich bringe es nicht über´s Herz, weil ich weiss, dass du den gesamten Januar arbeiten wirst und Ende Januar, da wirst du gehen, weit weg, weg von mir. Und ich kann dich nicht aufhalten, dir nicht mal sagen, dass ich wünschte du würdest nicht gehen. Und darum frage ich nur, ob unsere Verabredung noch steht. Deine Antwort lässt keine Reue erkennen, aber die hätte es in diesem Moment sowieso nicht besser gemacht. Du schickst mir noch ein lahmes „Boos“ (Küsschen), dann gehe ich schlafen und schalte mein Handy aus.

Den gesamten nächsten Tag habe ich damit verbracht meine Wut und meine Verletzung zu verarbeiten, aus Selbstschutz entscheide ich mich dafür, dich nicht damit zu konfrontieren. Ich bin schon verletzlich genug, ich werde es dir nicht auch noch auf einem Tablett servieren, wie sehr du mich damit getroffen hast. Und noch klingen mir deine Worte des letzten Treffens im Ohr „ U are such a runaway Ninjaan! Why do u always hide ur feelings?“

Am Abend bin ich gewappnet, ich habe eine hohe Mauer um mich gezogen, darin habe ich meine Wut, meine Verletzlichkeit und meine Enttäuschung versteckt, du wirst keine Chance haben sie einzureissen, da bin ich mir sicher!

Um Punkt 20:53 Uhr am Tag, nach meinem Tag, dem Tag der unserer sein sollte, unser Letzter, stehe ich am Bahnhof und warte auf dich…wie schon so oft zuvor….

(Vorgezogene) Retrospektive September 2011

Ich überspringe in meiner Erzählung  nun einen Teil, den vielleicht wichtigsten Teil. Die Beschreibung des Moments, als sich meine Kälte in etwas verwandelte, das Andere vielleicht leichthin „Liebe“ nennen würden, ich aber lieber nur „das Gefühl“. Ich bin nicht in der Lage darüber zu schreiben, nicht jetzt, nicht heute und nicht morgen, aber irgendwann. Weil ich den „Tag des Vergessens“ eingeläutet habe. Weil ich beginnen will, dieses „Gefühl“ los zu werden – das geht nur, wenn ich mich nicht an den Anfang erinnere, sondern nur, wenn ich mich an all das erinnere, was uns dorthin geführt hat, wo wir jetzt stehen – am Ende des Weges, unseres Weges.

Erinnerst du dich, Yaya? Als ich Abstand wollte? Als ich mich von dir zurückzog? Als ich dir sagte, wir könnten uns die nächsten Wochen nicht sehen? Du warst verwundert, dachtest ich könnte denken, du hättest ein rein „körperliches“ Interesse an mir. Wie sehr schienst du darum bemüht mir das Gegenteil zu beweisen! Du hast es mir damit so unendlich schwer gemacht, so unendlich schwer mir selbst zu glauben. Ich habe gekämpft, mit aller Kraft, gegen dieses Gefühl, gegen die Erinnerung an deinen Duft, ich war bereit alles zu tun, nur damit es nicht überhand nimmt, um nicht zu zerstören was wir hatten – weil doch alles gut war, zu gut vielleicht?

Deine Worte waren sanft, deine Bemühungen zaghaft, ich stemmte mich dagegen, als würde meine letzte Bastion zu fallen drohen. ich war verletzend, abweisend und konnte doch nicht von dir lassen, wie verwirrend war mein Verhalten für dich? Hast du es geahnt? Hättest du getan, was du getan hast, wenn du es geahnt hättest – oder hast du es gerade deswegen getan?

Ich wollte dich von mir stoßen, mal vorsichtig, mal mit aller Gewalt, ich wollte Distanz. Ich glaubte, es wäre so leichter für mich, ich rechnete mit vielem, mit fast allem, mit deiner Wut, deiner Ignoranz, deiner Abweisung, nichts geschah. Ich war kurz davor aufzugeben, einzusehen, dass ich nicht aufhalten kann, was unlängst begonnen hatte. Du warst im Ausland, ein Kurzurlaub, 10 Tage sagtest du. 10 Tage für dich, eine Ewigkeit für mich. Du meldest dich nur kurz nach der Ankunft, ein einziges Mal zwischendurch, weil du glaubst ich hätte jemand Anderen kennengelernt, ein Missverständnis, ich sehe in deiner Reaktion so etwas wie Eifersucht und beginne zu hoffen – auf mehr, auf alles was gar nicht sein sollte.

Das Mißverständniss belastet auch nach deiner Rückkehr unseren Kontakt, ich bin blind, immer noch hänge ich dem Glauben an, es wäre Eifersucht, du hast es nie dementiert. Dann jedoch, geschieht etwas mit dem ich nicht gerechnet habe, ich werde einer Sache gewahr, die ich niemals vorher beachtet habe. Unser Kontakt war so eng, so intensiv, warum hätte ich jemals auf etwas anderes achten sollen, als auf das, was du mir sagst, mir erzählst? Ich hatte nie einen Grund! Wie so oft im Leben, wird auch mir die hässliche Wahrheit auf einem Silbertablett serviert. Das Silbertablett ist ein „social network“ und die hässliche Wahrheit? Das ist SIE . 

Sie, die gar nicht hässlich ist, die mir nie vorher aufgefallen ist, weil ich dir einfach nicht „nachspioniert“ habe. Sie ist plötzlich da, kommentiert ein Foto von dir von deiner Reise, stolz, sie hat es geschossen. Ich kann es nicht fassen, bin wie gelähmt und reagiere nicht auf deine Nachrichten, drei Tage lang. Ich muss nachdenken, meine Gefühle sortieren, den Schmerz loswerden, irgendwie! Dann der nächste Schock, sie teilt ein Video auf deiner Seite, ein altes, glückliches Ehepaar, mit dem Kommentar dazu, dass sie hoffe, ihr könntet auch einmal so sein, er würde morgens genauso „gähnen“ wie du und sie wisse, dass sie ihr Temperament zügeln müsse.

Immer und immer wieder lese ich ihre Worte, dann packt mich der Wahn, der „Stalkerwahn“, ich durchforste deine Bilder, deine Pinnwand, überall ist SIE! Warum ist sie mir nie aufgefallen? Wie konnte ich das übersehen? Sie schreibt dir Liebesschwüre, Komplimente wo man nur hinsieht – du lässt sie immer unkommentiert.

Daraufhin reden wir viel, das haben wir immer getan, wir diskutieren, werfen mit Worten und Moral um uns, als gäbe es sie im Duzend billiger – aber wir klären niemals wirklich, was geklärt werden muss. Unsere Sprache ist blumig, wir umschreiben, beschreiben, verurteilen, verletzen und vergeben, aber niemals sprechen wir etwas direkt an. Das war schon immer unser Fehler. Diesmal kämpfst du, darum dass es nicht endet, dass unser Kontakt nicht abbricht, obwohl wir keine weiteren Treffen planen – ging es dir wirklich um Freundschaft, um mich? Ich werde es nie erfahren.

Sie war lange vor mir da, sie ist irgendwann gegangen und doch bleibt sie präsent und wahrscheinlich wird sie das noch lange sein – sie ist eine Kämpferin – ich bin es nicht. Ich kündige unsere Verbindung im „Social Network“ auf – weil ich nichts mehr sehen will, nicht stalken will, nicht leiden will. Wenn ich ehrlich bin, weil ich vergessen will, weil ich an dir hänge, weil ich dich brauchte, Yaya. Ich verdränge, ignoriere und am Schlimmsten, ich weigere mich zusehen, dass dieser Bruch, den Anfang vom Ende bedeutete, alles was danach geschah, war niemals so frei und unbeschwert.

Ich erinnere mich an deine Worte, nach meinem dramatischen Vorwurf “ the only bound between u and me is sex – after that, nothing will remain!“ , du sagtest: “ That´s not true! Ninjaan, if u think if we have no sex nothign remains, ok we wont have anymore  and u see that if i accept someone as a friend i can behave like that…i like you! you are a very kind girl , really different from others, honestly! i respect u and u shouldnt see my behaviour as a bad thing! if u know how i am normally, u will know!  but i have contact with u more than my own friends some times! i dont write with any body else, is that hard for me t write? its not a good discussion really, i never like to be in this situation…“

Was ist uns nun geblieben, Yaya? Nach 4 Monaten ohne Treffen, nach nahezu 5 Monaten ohne Sex, weil die letzten Treffen so schwermütig, so traurig waren? Was uns bleibt, ist immer weniger – ich bin nicht sie, ich bin keine Kämpferin. Wenn ich gehe, schaue ich nie zurück – ich bin kurz davor zu gehen.

„Wer scharf schießt…

muss damit rechnen, dass scharf zurück geschossen wird.“

Gibt es so ein Zitat überhaupt? Ich bin mir nicht sicher zu müde um es jetzt zu googlen und zu erschöpft, um mir ein passenderes, vielleicht vorhandenes Zitat zu überlegen.

Freitag Nacht habe ich geschossen, nicht halb so scharf wie ich es sonst tue, ich glaube ich bin sonst eher der „Handgranaten“ Typ (oder schlimmeres), auf Yaya, auf sein Verhalten. Ich bin explodiert. Meine große Schwäche, ich erreiche, man behauptet schneller als andere Leute, den Punkt an dem nichts mehr geht. An dem sich mein Verstand ausschaltet und ich nicht 2mal über das nachdenke was ich sage oder schreibe. Jähzornig war ich früher, unberechenbar, wenn einmal der Schalter umgelegt war, konnte mich niemand mehr zurückhalten. Ein schlechter Charakterzug, ein ganz schlechter, ungerecht, verletzend, eigentlich nicht zu tolerieren. Ich habe daran gearbeitet, sehr hart. Und ich bin heute zwar immer noch sehr „temperamentvoll“, aber wesentlich ruhiger, manchmal so ruhig, dass manch einer mich „kalt“ nennen könnte. Kälte ist nicht schön, aber besser als mein Jähzorn.

Ich war nicht jähzornig, aber wütend, ich habe nicht nachgedacht sondern einfach geschrieben. In der Zeit von 1:36 bis 2:18 habe ich Yaya alles an den Kopf geworfen, was seit Wochen in mir brodelt. Ich habe ihm meine Verletzung und meine Enttäuschung vor die Füsse gespuckt. Ich kenne ihn, besser als er manchmal glaubt. Ich weiss was ihn wütend macht, was ich sagen/schreiben muss, damit es ihn berührt. Normalerweise nehme ich Rücksicht, gerade auf ihn. Er hat das vielleicht manchmal anders gesehen, aber bei ihm war ich, für meine Verhältnisse sehr, sehr ruhig, zurückhaltend.

Das war/bin ich nicht ohne Grund. Yaya ist der erste Mann dem ich begegnet bin, der tatsächlich meinen vollsten Respekt hat. Ich schätze ihn, ich halte ihn für faszinierend. So sehr, dass diese Faszination mich immer daran gehindert hat „auszurasten“ – das hatte mich vielleicht noch mehr an ihn gebunden. Nicht, dass ich ihm nicht meine Meinung sagte, aber ich überschritt keine Grenzen, wie ich es vorher so oft getan hatte. Ich bin eine ewige Grenzgängerin, in allem, deshalb ist dies eine große Leistung für mich.

Freitag Abend, besser gesagt Nacht, war es wieder um mich geschehen. Ich schrieb und schrieb und las nicht einen Satz ein zweites Mal, nicht einen Einzigen! Ich hielt mich, für meine Verhältnisse, immer noch in einem bestimmten Rahmen.

„… because u dont talk to me anymore. I dont know why but u are too busy, too busy for me since when? I am replaced now or what? u think I am mad? right now, I am,totally mad!  thats fucked up  u see/hear ? FUCKED UP!! Oh! my last messages arent send?  u are offline now or what? yeaaa keep it going yaya!  great – proof me how wrong I was!  Shame on u , really shame on u!  I would have deserved more!  1 fucking month!!  U can call me, write me whenever u wanted before, but now, u cannot! now u are bothered by me –  really nice! sorry I am not an asslicker like ur other fans!“

„…U treat me like I am a random bitch, not worthy to answer, not worthy to have time for! …Do I need reasons to talk to u? I dont need u to talk to me for ur conscience – u should talk to me, because u know I am worth it! But u dont. U see just urself – who is selfish now? I may have talked selfish sometimes, but u are the one acting selfish. I dont deserve it, after all what happened! … Who kept the contact? It was U! U made me believe it is more than just sex, u remember? Ur fucking words – there will be left a lot! ….I am sick of feeling like this! I am not a burden Yaya, I am a prize! U dont see? U dont appreciate? Fine, honestly its ur loss! And thanks for teaching me this lesson. Goodbye!“

Das ist nur ein Auszug der Worte die ich sagte, aber besonders hierauf bezieht er sich in seiner Antwort, die mich am nächsten Morgen erreichte. Jetzt kommt er, er schießt nicht nur zurück, jetzt hat er die Handgranate. Niemals habe ich so verletzende Worte von ihm gehört. Niemals habe ich geglaubt er könnte so reagieren, so wütend sein. Eigentlich ist er ruhig, er provoziert gerne mal, zickt rum, er ist, abgesehen von mir, die Dramaqueen No. 1, aber niemals ist er ausser Kontrolle. Wenn ich mal etwas laut wurde, wurde er leise. Er konnte ausgleichen, was bisher keiner geschafft hatte. Aber diesmal nicht.

“ i read all ur messsage right now.i am really sorry for u and ur sick mind .. im so sorry that i talk like this but..if u write all this things for me just becasue of this mounth!“

„… i would say that im really shocked from what u wrote me and how u wrote! my fucking words??? i am busy little girl  i didnt have time even for myself u nerving nonor girl! (Nonor: sagt man zu kleinen Kindern, sowas wie Heulsuse)… “

„…some private problems that i see no reason to tell u!  o my god what a fucking illusional mind!  random bitch? did i promise that i chat with u every night 2 hours??? i didnt have time for myself this mounth also! u dont understand anything!“

„...u just can write letter!  my fucking words???  i made u believce that its not just sex!!!?? and now that i didnt write anything for 3 weeks now it was just sexx???  hey i dont let u talk like this i dont owe u any fuicking fucking fucking fucking thing for sex!!!! „ *

…o god how angry i am   if u believe in god  u should explain all what uwrote mne  u can hear my ( EXPLAINATION!!!) !  if u dont ninjaan let me tell u,  if u dont do it  u shoud know that all what u wrote was an insult  and i wont forgivbe u  – never !

…mrs letter!  u know , u can never talk   u can never share anything  u just keep ur illusions inside and explode its sick ninjaan im sorry but dont expect to talk in another way now i didnt write? ok i told u im busy  do i deserve alllllll what u wrote because of a few week absence??? really?  no i cant believe  u should be on a drug!  who are u?

„…im angry now i prefer not to talk but hey  u wont gain anything till u change urself ! me too!“

„…if it was serious all what u wrote tonight!! random bitch ha? u still dont know what bitch means and how i treat bitches! ok staying herte and thinking about what u said and how u think makes me worse! i leave here!“

* Kleine Anmerkung hierzu: Er hat sich dieses Thema gegriffen, weil er, ich weiss bis heute nicht warum, immer ein Problem hatte. Er wollte nie fragen, ob wir uns sehen, damit ich bloß nicht denke, er könnte Sex von mir wollen. Das wir Sex hatten ist sein wunder Punkt. Ständig erklärt er sich, sagt, dass er das sonst nicht so tut, dass es niemals darum ging. Ich bin nie dahinter gestiegen, was genau ihm da so zusetzt?

Auch dies hier ist nur ein Auszug. Ich habe bis jetzt nicht geantwortet. Ich war den ganzen Samstag arbeiten und danach mit Freundinnen aus. Eben gerade habe ich noch eine Nachricht bei skype erhalten “ and one more time shame on u for all what u wrote for me!“  

Nie habe ich erlebt, dass er so wütend ist, sich so vergisst, so verletzend ist.

Ich hatte nicht vor ihn so in Rage zu bringen, ich wollte ihn weder beleidigen, noch wütend machen. Ich habe gesagt was ich sagen musste, weil ich es nicht mehr aushalten konnte. Ich habe es nicht auf die feine Art gesagt und wahrscheinlich könnte jeder Mensch auf dieser Welt es besser beschreiben, sich verständigen, als ich es gekonnt habe. Aber so bin ich, er kennt mich. Er weiss, dass ich schnell aufdrehe und dann aber auch recht schnell runterfahre, besonders bei ihm. Aber noch nie hat er so darauf reagiert. Nun sitze ich hier, ratlos und stumm.

Wir sind nicht gut füreinander. Ich tue ihm nicht gut und er mir nicht. Warum ist das so? Warum ist der Mensch, von dem ich mich so angezogen fühle, der mich so berührt hat, der mir die Augen für so viel neues geöffnet hat, im gleichen Moment so schlecht für mich? Ich kann mit Verletzlichkeit nicht umgehen, das konnte ich nie. Er machte mich verletzlich und schiesst nun so hart zurück – das trifft mich vielleicht mehr als Andere.

Im gleichen Moment machen mir seine Worte, er könne mir nicht verzeihen Sorgen. Ich will das nicht, die Frage ist nur, ob ich ihm das verzeihen kann?