Eine Aussöhnung?

„Wie geht es dir Ninja, alles gut?“

Ich verlasse gerade die Arztpraxis, ich bin völlig übermüdet. Seit Amin fort ist schlafe ich schlecht. Dann vibriert mein Handy, ich hoffe auf eine Nachricht von Amin, wir schreiben uns immer  zwischendurch bei whatsapp. Aber es ist nicht Amin, es ist Yaya. Verdutzt starre ich auf mein Handy und werde erst von meinem Vater hochgeschreckt, der ungeduldig nach mir ruft.

Zuhause angekommen antworte ich ihm. Ich kann das, soweit ohne schlechtes Gewissen tun. Schon als Amin noch hier war, habe ich ihm von der Geschichte erzählt, auch davon, dass mich das „blöde“ Ende so sehr belastet, immer noch, irgendwie. Amin´s Reaktion war toll, weil er toll  ist. Er sagte mir, ich solle ihm doch noch mal schreiben, das klären. Das habe ich nicht getan, nun tut Yaya es selbst.

Ein beruhigendes Gefühl, etwas aufwühlend.

Wir schreiben ein wenig bei Fb. Zwischendurch bin ich unsicher, ob er nicht vielleicht high ist. Aber er fängt sich wieder, wir sprechen, ganz normal. Es tut gut und es tut noch mehr mit mir, als mir Erleichterung zu verschaffen – es bestätigt meine Gefühle zu Amin. Denn so sehr ich mich freue, dass Yaya und ich nach allem noch so schreiben können, scherzen können sogar, so sehr wird mir klar, dass es wirklich nur diese verpasste Chance war und keine unterdrückten Gefühle. Denn ich freue mich nur auf einen, auf Amin. Der Mann, der es geschafft hat, mich träumen zu lassen, von Dingen, von denen ich nicht mal wusste zu träumen.

Eine Aussöhnung ist also möglich, ob es eine Freundschaft auch ist, wird sich noch zeigen…

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Flirten 2.0 ? (Ob das gut gehen kann?)

Mein Blog mag irgendwie (abgesehen von der Begegnung mit dem Ex) suggerieren, es gäbe ausser Yaya weit und breit keinen Mann in meinem Leben und das in immerhin beinahe zwei Jahren (Kennenlernphase ohne Körperkontakt jetzt mal mit eingerechnet) und das entscheidende daran: ohne überhaupt in einer Beziehung mit ihm zu sein! Ich glaube damit hätte ich mir den „Monogamie Preis“ in der Kategorie „Freundschaft Plus/Affaire/Unerwiderte Liebe verdient, alternativ könnte man mir auch einfach eine Narrenkappe aufsetzen.

(„And the gilded duncecape goes to…)

Aber wie schon der meine Geschichte mit B zeigte, bin ich gerade so noch mit einer Nominierung davon gekommen. Und auch derer bin ich nur würdig, weil mein Blog (Ja, er hat ein Eigenleben auf das ich keinen Einfluß habe!) mich in dieses Licht gerückt hat! In Wirklichkeit ist alles viel spannender und ich habe UNzählige Verabredungen – gut, das ist auch gelogen. Ich hatte in diesem Jahr vielleicht zwei oder drei? Aus keinem ist etwas geworden, bei keinem hat sich irgendetwas wie ein Gefühl entwickelt und im Grunde war jedes dieser Dates nur ein verzweifelter Versuch Yaya zu vergessen und über ihn hinwegzukommen. (Womit natürlich jede Möglichkeit auf mehr von Vorneherein im Keim erstickt ist)

Womit wir beim eigentlichen Problem wären – keiner interessierte mich genug, niemand berührte mich genug, als das ich das Bedürfnis verspürt hätte darüber zu schreiben – mich überhaupt daran zu erinnern. Keines der Dates war irgendwie spektakulär oder aussergewöhnlich weder im guten noch im schlechten Sinne – vereinfacht gesagt: Sie waren schlicht und ergreifend unbedeutend.

Aber nun, und ich habe fast Angst darüber zu schreiben, ist da jemand, der mich interessiert. Nein, es gab noch kein Date, also eigentlich viiiiel zu früh um überhaupt darüber zu schreiben, es „öffentlich“ zu machen – aber ich bin jetzt einfach mal mutig. Es ist nicht so, dass ich jetzt schon total euphorisch über eine mögliche Beziehung  phantasiere (ok habe ich doch, aber hey, mal ehrlich, wer macht das nicht heimlich?) oder schon auf Wolke 7 schwebe, nein das nun wirklich nicht, aber ich bin – interessiert.

So, kommen wir nun mal zu ihm, darum schreibe ich das hier ja schließlich alles!

FB machts möglich, Flirten 2.0 so zusagen – seit Yaya habe ich darin zwar einige Erfahrungen gesammelt, aber ein wirklicher Fan bin ich davon immer noch nicht und so habe ich mir auch nicht wirklich was dabei gedacht, als ich plötzlich eine Nachricht von, nennen wir ihn: Roro erhielt. Aus einer Nachricht wurde schnell ein langes Gespräch/Chat. Freundschaftsanfrage wurde verschickt – Fb/Stalker Check durchgeführt (ja, auf seinen etwa 500 Fotos sieht er durchgehend ziemlich ansprechend aus und seine Musikvideos und Statements sind allesamt interessant/gut), beide Seiten schienen zu demselben Ergebnis gekommen zu sein und so schrieben wir uns auch am darauf folgenden Tag, mittlerweile bei Skype.

Nach 2 Tagen intensivem Geschreibe wurden Nummern ausgetauscht – wenn schon dieser 2.0 Mist, dann aber bitte mit Stimme! Auch das Telefonat verlief gut, es macht Spass sich mit ihm zu unterhalten, er ist lustig, vielseitig interessiert, seine Stimme hat einen schönen Klang und es gibt nicht diese „Was soll ich jetzt sagen?“ Momente.

Die gesamte letzte Woche schreiben wir, telefonieren hin und wieder – ich freue mich über Nachrichten von ihm, werfe manchmal schon fast einen sehnsüchtigen Blick auf mein Handy. Es gefällt mir, er gefällt mir. Leider, leider wohnt er 200km entfernt – das ist kein Ausschlußkriterium für mich, im Gegenteil, ich halte die FernBeziehung für die, für mich einzig funktionierende Beziehungsart (Freiheitsdrang etc.), allerdings bin ich mir nicht sicher wie er das sieht. Wir flirten miteinander, das ist offensichtlich, doch wohin das führen soll (Verabredung ja oder nein?) ist mir nicht ganz klar, da er, ebenso wie, ich dazu neigt sich in Wortspielen und Wortwitz zu verlieren – ohne klare Aussagen zu treffen.

Für mich wäre es definitiv an der Zeit ihn zu treffen, auf einen Kaffee – weg von 2.0 -> back to the roots, dafür fahre ich auch mal 200km (da ich Freunde in seiner Stadt habe, würde sich das gut kombinieren lassen). Um mehr Interesse zu entwickeln, muss ich jetzt den gesamten Menschen sehen, seine Mimik und Gestik während er spricht, sehen ob wir uns „riechen“ können, das ist mir wichtig. Aber noch macht er keine Anstalten es auszusprechen. (?)

Wie bereits erwähnt, es ist eigentlich noch viel zu früh darüber zu schreiben und doch habe ich den Drang danach verspürt es niederzuschreiben. Ich war wirklich lange nicht so beeindruckt von jemandem. Sein bewegtes Leben (Leben auf mehreren Kontinenten in mehreren Ländern), sein Interesse an Literatur und Musik – das alles hat mich sehr neugierig gemacht – neugierig auf mehr. Dieses „mehr“ müsste dann allerdings fernab der „neuen Kommunikationsmedien“ ablaufen.

Gespannt warte ich also nun, auf das was kommen mag (oder auch nicht?) – das Interesse ist da, seit langem das erste Mal, vielleicht beruht es ja wirklich auf Gegenseitigkeit?

 

Hilfe

Man Ninjaan willst du mich verarschen? was für alte menschen.. du gibst zu leicht auf .. du hast doch zu mir immer gesgat amch schule dies das du schaffst das ;) wieso gibst du auf? ich sag doch lass mich aml versuchen ? ja du denkst ich bin noch ein kleines kind .. ich will dir helfen und ich werde dir helfen auch wnen du nciht willst jz pscht und schick ..Ninjaan vallah dui hast so ein gutes herz.. versuchst jeden zu helfen.

Mein Jugendlicher, dem ich vor Monaten einmal, in einem schwachen Moment, etwas von dem Mann erzählte, den ich liebe, der nun weiss, weil er es sieht, dass ich unglücklich bin, zu seiner Idee, warum nicht er ihm schreiben kann?

Heute kam er extra zur Arbeit, wollte mich überzeugen, dass er mit ihm reden könnte, wie ein ganz Erwachsener natürlich, keinen Kinderkram. Und das „der“ (Yaya), ja nicht so blöd sein könnte, nicht zu sehen wie wundervoll ich bin, weil ich immer für alle da bin und sicher auch für ihn…und das man mich ja lieben müsste.

Auch wenn das niemals etwas helfen würde, alleine die Gedanken meines Jugendlichen lassen mich lächeln… Danke dafür!

Was wirklich noch geschah / VI

„Die Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ (Viktor Hugo)

Es ist ein neues Lied, FB zeigt es auf der Startseite an. Es ist nicht das erste Lied heute, nicht das Letzte. Kein Freund teilt es, sondern ein Internetradiosender.

Und doch, ist das Lied besonders für sie. Weil dieser Interpret besonders ist, weil der Song genau ihr Geschmack ist, ihr Geschmack und auch seiner, das hört sie schon nach den ersten Sekunden. Selten postet sie solche Songs, ihre Freunde kennen diese Musik nicht, hören sie nicht, verstehen sie nicht und vorallem, fühlen sie nicht. Ninjaan fühlt sie, Yaya hat ihr gezeigt wie man sie fühlt, Musik allgemein fühlt. Und sie liebt es Musik fühlen zu können.

Kurzerhand postet sie den Song auf ihrere Fb Seite, für Freunde natürlich nur. Niemand wird „gefällt mir“ drücken, weil niemand diese Musik hört und erst recht nicht fühlt und weil der Einzige der sie fühlt nicht sehen kann, dass Ninjaan es teilt – wobei, ja, wobei sie es doch so gerne mit ihm teilen würde.

 

Was wirklich noch geschah / V

Im freien Fall, wann kommt der Aufprall? Fallen ist angenehmer als Aufprallen, jedenfalls fühlt es sich besser an. Im Fall ist man auch leicht, jedenfalls wenn man lange fällt.

Fünf Tage nach “ the invention of lying“ zeigt das Nachrichtenfenster ein „gelesen“ an. Der freie Fall neigt sich dem Ende zu. Ninjaan tut, was sie tunlichst vermieden hatte, seit die „Entblockung“ vollzogen wurde, sie schaut auf Yaya´s Profil. Da kann sie ausser einiger „App Aktivitäten“ eigentlich nichts sehen, Yaya postet nicht öffentlich, selten jedenfalls, so gut wie nie. Doch da! Ein Post. „Danke für die vielen lieben Glückwünsche zu MEINEM Geburtstag!“

Ups. Geburtstag? Welcher Tag war noch gleich? Ninjaan schickte den Film einen Tag nach seinem Geburtstag. Nein, halt! Das ist nicht wirklich Yaya´s Geburtstag, der war nämlich schon letzten Monat! Das ist nur sein „Fake Geburtstag“ (ersetze k durch c und füge ein Buch hinzu) – nicht echt. Wer ihn kennt, der weiss das. Wer ihn kennt weiß noch mehr! Zum Beispiel, dass Yaya Geburtstage für unnötig hält, wozu feiern? Wer Ninjaan kennt, weiss, dass Yaya ihren Geburtstag damals vergaß, absichtlich.

Das war keine Absicht – ein Film ist schöner als jedes „happy birthday“ am falschen Tag.

Trotzdem:

Der lange Abschied Teil 1

Es gab eine Abmachung zwischen Yaya und mir, eher gesagt ein Versprechen. Er würde sich um meine Fotos aus der Westbank kümmern, noch während ich in Jerusalem bin, damit ich diese nicht mit zur Flughafenkontrolle nehmen muss. Das hatten wir schon Wochen vorher ausgemacht und Yaya hält seine Versprechen immer…

Als er jedoch etwas mehr als eine Woche vor meiner Abreise wieder von der Bildfläche verschwand, auf meine Nachrichten bei Skype nicht reagierte, kam ich ins Grübeln. Ich sicherte mich ab, bat eine Freundin sich ebenfalls ein Dropbox Konto einzurichten….nur für den Notfall. Ich schickte ihm vom Flughafen in Köln aus ein Foto – meine Abreise schien ihn nicht sonderlich zu interessieren und ich erinnerte mich wehmütig daran, dass er mir vor meinem Kurztrip nach Schottland im März in der Nacht vorher schrieb und ich, kaum war ich zuhause schon Nachrichten bei Skype erhalten hatte, ob ich gut angekommen sei – aber das war vor einem halben Jahr. Jetzt ist alles anders.

In Haifa hatte ich endlich einen Internetzugang, ich checkte FB und Skype – keine Nachricht. Ich wechselte sogar meine Simkarte, um zu sehen, ob er mir dort geschrieben hat. Hatte er nicht. Noch einmal kontaktierte ich ihn, ich sorgte mich langsam ernsthaft. Keine Reaktion. Zwei Tage lang checkte ich in regelmäßigen Abständen Skype und FB – aber es kam nichts. Am 3. Tag war ich nur noch wütend und fasste den wilden Entschluß ihn zu blockieren, überall! Dieses ewige Warten macht mich k rank – worauf warte ich eigentlich? Ich habe auch noch andere Freunde!  – Doch als ich mich bei Skype anmeldete erhielt ich augenblicklich eine Nachricht:

Israeli Ninjaan, how are u?

10 Tage nach meiner ersten Nachricht erhielt ich nun das. Ich war wütend, mein Kopf von der Hitze benebelt und mein Gesicht von der Sonne verbrannt. Ich bemühte mich gelassen zu sein, konnte mir aber eine bissige Bemerkung nicht verkneifen und nach wenigen Sekunden befanden wir uns in einem unserer altbekannten Streitgespräche. Er erklärte sich, ich wank ab, verspürte nicht den Drang nach einer Diskussion – er anscheinend schon. So bat ich ihn genervt, doch die Sache nun zu vergessen, da ich im Urlaub sei und keine Lust auf so etwas hätte. Durch diese Worte angestachelt war er gerade dabei richtig loszulegen, als ich ihn einfach anrief, einfach den Knopf „Videoanruf“ drückte und abwartete. Was mir in diesem Moment durch den Kopf ging, ich kann es nicht erklären, ich hoffte einfach auf ein schnelleres Ende, würden wir sprechen statt schreiben.

Ich sah wie er sein geschriebenes wieder löschte und dann erneut ansetzte:

What are u doing? I dont want to talk!

– If u dont pick up the phone, I will never talk to u again!!

Prompt nahm er ab.

Es dauerte ewig bis die Kamera die Videoübertragung startete. Ich starrte mit rotem Gesicht auf den Bildschirm. Da saß er, in einem gelben Tshirt, Teetasse in der einen Hand während er sich mit der anderen nervös durchs Haar fuhr. Er stand noch einmal auf, holte irgendetwas und setzte sich wieder, mit gesenktem Blick.

Ninjaan: Come on Yaya, say it again and look at me!

Yaya: No…I dont want to.

Ninjaan: I am sick of fighting, and we always fight.

Yaya: I dont want to fight.

Ninjaan: Sooo? (lächelnd)

Yaya: Soo…lets stop fighting. (lächelt ebenfalls und sieht endlich in die Kamera)

Wir sehen uns einen Moment schweigend an und müssen beide grinsen. Aber weil ich spürte wie sehr es mir gefällt ihn anzusehen, weil dieses warme Gefühl wieder in mir aufkommt, halte ich das Gespräch kurz und verabschiede mich zum Essen. Sein Versprechen gelte, versicherte er mir. Er solle keine Zicke mehr sein, darum bat ich ihn. Er schüttelte den Kopf: Dito!

Erst als ich in Jerusalem ankomme, schreibt er mir wieder, nur einen Moment, aber ich bin beruhigt, so wie ich es immer war, wenn er wieder nur ein Fünkchen Interesse an mir zeigte. Vergessen war, dass er mich 10 Tage hatte hängen gelassen, dass er meinen Termin in Düsseldorf, wegen meines Doktors, vergessen hatte…und noch so viele andere Dinge, die eben Freunde nicht einfach vergessen sollten.