Gedanken zur Integrität

„Es ist genug“ sagst du und erhebst dich. Aber die Wahrheit ist, dass es dir selbst nur genug ist. Denn eigentlich ist es schon lange genug. Du hast es nur nicht gesehen, es hat dich nicht betroffen.  Jetzt trifft es dich. Du gehst auf die Straße und rufst und lässt deiner Wut freien Lauf. Und du gehst auf die Straße und schweigst und bringst damit deine Verzweiflung zum Ausdruck.

Du wütest und weinst, für die Freiheit, sagst du. Aber die Wahrheit ist, dass es deine Freiheit ist. Denn eigentlich ist die Freiheit seit jeher bedroht. Und du hast es gewusst. Aber du hast nichts dagegen unternommen. Du bist nicht auf die Straße gegangen, hast weder geschrien noch gewütet, du hast geschwiegen, aber nicht um deiner Verzweiflung Ausdruck zu verleihen, sondern weil es dich nicht interessierte.

Wer fort sieht, sagst du, macht sich schuldig. Wie vieler Verbrechen hast du selbst dich schuldig gemacht? Darüber willst du nicht reden. Du bist beschäftigt, im Namen der Freiheit. Du bist auch weiterhin zu beschäftigt, um die Anderen zu sehen. Machst du dich nicht weiter schuldig?

Du sagst, sie sind böse und ich bin gut. Du sagst deine Ziele seien edel und ihre vernichten nur die Freiheit. Doch die Wahrheit ist, dass du nicht gut bist und sie nicht böse und auch du bist nicht böse und ebenso sind sie nicht gut. Hast du das denn immer noch nicht gelernt? Hast du nicht verstanden, dass die Freiheit für alle gelten muss, sie aber jeder anders empfindet?

Du wirfst ihnen Propaganda vor und im selben Atemzug bedienst du dich ihrer, als gäbe es kein Morgen. Wem soll ich glauben? Versteh mich nicht falsch, ich werde auf deiner Seite sein, am Ende des Tages. Aber erlaube mir dennoch, dich zu fragen: Wie integer sind deine Ziele? Wirst du morgen auch an meiner Seite stehen? Und an der Seite all der Anderen?

Wirst du dich für die Freiheit Anderer erheben?

Sie warten:

Bahrain

Irak

Bahaii in Iran

Pakistan

Myanmmar

Brasilien

uvm…

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Die Angemessenheit

Wusstest du? Sie halten mich schon für verrückt. Wegen dir. Man liebt so nicht, das ist außerhalb des „Rahmens“. Wusstest du das? Es gibt einen Rahmen für die Liebe.

Angemessen sollte es sein. Was ES ist? Alles. Alles in unserem Leben, all unsere Emotionen und Handlungen sollten angemessen sein. Gemessen an was? Na, an dem was anscheinend als „angemessen“ gilt.

Es ist angemessen Sex zu haben, etwas weniger angemessen allerdings es nicht innerhalb einer Beziehung zu haben und unangemessen sind stetig wechselnde Sexualpartner – dann ist man nämlich meist, zumindest als Frau, promiskuitiv.

Es ist angemessen eine Beziehung zu führen, keine zu führen ist ebenfalls in Ordnung, wenn es nicht für allzu lange ist, eine lockere Beziehung allerdings, die ist nicht mehr ganz so angemessen, die riecht nach bloßem Sex, Bindungsunfähigkeit, oft auch nach Betrug. Na wer will das schon?

Liebe ist auch angemessen. Richtige Liebe.  Die „In-einer-Beziehung- sein Liebe“. Was bringt Liebe wenn sie unerwidert, nicht ausgelebt wird? Unangemessen ist das, Liebe ohne ein erkennbares Ziel.

Weisst du noch? So ähnlich hast du dich auch einmal ausgedrückt. Komisch, dass ein Freigeist wie du, ebenfalls die Liebe in einen Rahmen pressen will. Glaubst du deshalb nicht an sie?

Doch was kümmert es mich, was kümmert es mein Herz und meine Seele? Ich erinnere mich an ein Bild, mit der Aufschrif:

„Art in a frame is like an eagle in a birdcage“

Was ist Liebe denn auch anderes als eine Kunst?

Genug der Rahmen, die man nicht sprengen darf. Genug der Emotionen, die man nicht äußern darf. Genug der Liebe, die man nicht fühlen darf.

Wir sollten lieber hoch fliegen und desto tiefer fallen wollen, als ewig am Boden nach Schutz zu suchen. Es gibt keine Zeit für Rahmen, jeder Moment, jedes Gefühl ist zu kostbar, unser Leben viel zu kurz.

Pfeiffen wir doch einfach auf die Angemessenheit, tun mehr Unsinniges, weil es sich so gut anfühlt, lieben etwas mehr, egal wie aussichtslos es ist, atmen etwas tiefer den Duft der Freiheit ein, denn nichts ist besser als das.

Wusstest du es? Das du es warst, der meine Gedanken so verändert hat? Ich hoffe du weisst, ich bin dir dankbar dafür, von ganzem Herzen.

Es wird sich alles ändern, fast alles. Wie unvernünftig es auch sein mag, ich werde meinen sicheren Job aufgeben und mir einen Neuen suchen. Ich verlasse, die mir so vertraute, Heimatstadt und tausche sie gegen eine Großstadt, die mich nie sonderlich angezogen hat. Ich will meine Möbel verkaufen, selbst wenn der Erlös nicht ausreichen wird, mir andere zu besorgen.Ich gebe mein, so heißgeliebtes, Auto auf, weil meine Priorität „Neuanfang“ lautet und nicht Festhalten. Was für eine komische Aussage, wenn man bedenkt, dass ich an meiner Liebe noch immer festhalte, so verloren sie auch ist. Aber vielleicht, nur ganz vielleicht, ist es gar nicht komisch, sondern angemessen, weil…

Wusste du, dass es mir egal ist was man darüber sagt, selbst wenn du es sagen würdest? Du solltest wissen, es gibt keine Angemessenheit in der Liebe und keinen Rahmen in die man sie pressen könnte.

 

 

 

Eine Art zu Lieben

Nicht vor und nicht zurück will ich, stehen bleiben, die Zeit anhalten, für einen Moment, einen kleinen Augenblick nur. Und kosten will ich, auskosten, genießen, einatmen, dich,  und die Luft anhalten. Dann will ich dich wieder frei lassen, selbst wieder frei sein, ausatmen, bis zu dem nächsten Moment, dem nächsten Augenblick, der nur für uns geschaffen wäre, für die Liebe die zwischen uns sein könnte.

Nicht ewig still stehen, nicht ewig verweilen will ich, nicht festhalten, sondern loslassen, um zurückkehren zu können, das will ich. Dir mein Alles geben, dazu wäre ich bereit, doch nehmen sollst du mir nichts, so wie auch ich dir nichts nehmen will von deinem Sein. Meine Seele soll dein Innerstes berühren und will berührt werden, aber niemals sollen wir in Besitz nehmen, was nicht mein ist, was nicht dein ist.

Unsere Wege sollen sich kreuzen, sich ineinander winden, sich loslösen ohne sich aus den Augen zu verlieren, du auf deinem und ich auf  meinem Wege. Begleiten, doch weder im Schatten, noch als Schattenspender des Anderen, wie eine frische Brise sollen wir uns streifen, nie ganz dort, niemals ganz fort.

Frei sein, in mir, mit mir, mit dir, das will ich. Die Liebe nicht in einen Käfig sperren, weil ich mich davor fürchte, weil du dich davor fürchtest, weil die Liebe selbst sich davor  fürchtet und die Furcht kein fruchtbarer Boden für die zarten Samen der Liebe ist.

Dich lieben, frei und ungebunden, jede Regel mißachtend, das will ich. Mit dir offen sein, für eine Art der Liebe, wie man sie selten lebt, und unsere Seelen von den Fesseln der Konventionen befreien, das will ich.

Weil ich die Liebe liebe und die Freiheit liebe und weil ich weiss, dass ich dich lieben kann, wie niemanden sonst.

“Let there be spaces in your togetherness, And let the winds of the heavens dance between you. Love one another but make not a bond of love: Let it rather be a moving sea between the shores of your souls. Fill each other’s cup but drink not from one cup. Give one another of your bread but eat not from the same loaf. Sing and dance together and be joyous, but let each one of you be alone, Even as the strings of a lute are alone though they quiver with the same music. Give your hearts, but not into each other’s keeping. For only the hand of Life can contain your hearts. And stand together, yet not too near together: For the pillars of the temple stand apart, And the oak tree and the cypress grow not in each other’s shadow.” (Gibran Khalil Gibran: The Prophet)

Nähe

Stück für Stück, leise, langsam, kommst du mir wieder näher.

Eine Nachricht hier, eine Nachricht da. Aus kurzen Mails werden Gespräche, aus einem Lächeln wird ein Lachen. Aus Unsicherheit und Wut wird Sehnsucht. Du fehlst mir. Mit jedem Lied, jedem Wort ein wenig mehr. Aus zögerlichem Humor, werden wieder Späße die nur du und ich verstehen, entsteht Vertrautheit.

Es ist nicht vorbei, sie sind noch da, die Gefühle für dich. Eine Ewigkeit haben wir uns nicht gesehen, aber noch weiß ich wie deine Haut riecht, wie du lachst, wie du deinen Blick senkst, wie du morgens schaust, wenn ich dir die Bettdecke vom Gesicht ziehe.

Wenn du zurück kommst, weil du glaubst es wäre vorbei, ich wäre geheilt, dann muss ich dir leider sagen, dass die einzige Heilung für mich, ein endgültiger Abschied von dir ist. Aber noch, vielleicht noch für sehr viel länger, bin ich lieber unheilbar erkrankt.

Du musst mir nicht nah sein, wenn du gehst, werde ich dir nicht folgen. Nicht, weil ich mich nicht vor Sehnsucht nach dir verzehren würde, sondern weil das Loslassen meine „Königsdisziplin“ ist.

Doch du gehst nicht, du hast deinen Fuß in die Tür gedrängt und nun beginnst du sie langsam zu öffnen – ist dir wirklich klar, was du da tust?

„We are so different, Yaya!“ – „So? Does this difference bother u? (Gespräch im letzten Herbst)

Es sind nicht unsere Unterschiede – aber die Nähe. Was können Unterschiede bewirken, wie könnten sie belastend sein oder verletzen, wenn man sich nicht zu gleich so nah ist? Wenn man, trotz aller Verletzungen, nicht von einander lassen kann?

Wir sind nicht gleich, aber uns nah. Irgendwann musst du dich entscheiden, weil ich mich schon längst entschieden habe – für dich.