Der totale Absturz

Uhrzeit: Irgendwann nach Mitternacht

Ort: Kat´s Küche, Hamburg, später Reeperbahn

Beteiligte Personen: Kat, Plitschi, Ninjaan

Umstände die zur Tat führten: Eine Flasche Ouzo, eine halbe Flasche Vodka und ein Handy

Wir saßen schon eine Weile zusammen in der Küche, die Gläser waren im Minuten Takt leer, glücklich sind wir gerade alle nicht wirklich, da geht das noch schneller. Um halb 1 beginnt die Diskussionsrunde „Darf Ninjaan Yaya in diesem Zustand anrufen?“ Es gibt Pro und Kontra. Der Haupt „Pro-Punkt“: Es gibt eh nichts mehr zu verlieren und wenn Ninjaan es sich so wünscht, warum nicht? Der stärkste „Kontra-Punkt“: Er könnte nicht rangehen, aus welchem Grund auch immer, und dann bist du noch trauriger.

In meinem Kopf dreht sich alles, ein klarer Gedanke war schwer zu fassen, der Ouzo knallt mehr als erwartet. Mit jedem Schluck steigt die Gleichgültigkeit und die Hemmschwelle sinkt. Was soll schon passieren? Ich rufe nur kurz an, nur ein kurzes Gespräch – warum sagt er nichts, via Email zum Beispiel – bin ich so schnell vergessen? Ich muss es hören, will es hören und irgendwo tief in mir spricht die dumpfe Stimme der Hoffnung zu mir…

Kat und Plitschi geben grünes Licht, sie sind selbst betrunken, traurig, Ninjaan soll nicht so traurig sein, was soll schon passieren?

Der letzte Anflug von Verstand lässt mich noch schnell meine Nummer unterdrücken – es hat mich immerhin 15 Euro gekostet!

Es klingelt, er ist in der selben Stadt wie ich, mein Herz rast, Kat und Plitschi starren gebannt auf das Handy in meiner Hand. – Niemand nimmt ab. So spät ist es nicht, ich schüttel die Zweifel ab und wähle noch einmal die Nummer. Es klingelt 3mal, dann hört das Klingeln auf. Stille. Kein Wort. Ich halte die Luft an und setze schließlich an, versuche nicht zu lallen: „Hey Yaya….hi!“

Stille. Dann ein Besetztzeichen. Er hat aufgelegt. das Dröhnen in meinem Kopf wird unerträglich laut. Kat und Plitschi sind geschockt, sagen nichts. Ich wähle erneut die Nummer, das muss ein Versehen gewesen sein, er legt doch nicht auf, wenn er meine Stimme hört. Es klingelt genau 3mal, dann ertönt das Besetztzeichen abermals.

Mit glasigen Augen sehe ich zu Plitschi, sie sitzt mir direkt gegenüber. Sie stammelt etwas, ich verstehe sie nicht, ich höre nur das Dröhnen in meinem Kopf und den Besetztton, als hätte ich noch nicht aufgelegt. Noch einmal nehme ich das Handy in die Hand. „Tu es nicht Ninjaan…bitte…“ Plitschi´s Stimme zittert. Ich schüttele nur den Kopf, mir ist schwindelig, das kann nicht sein. Ich wähle erneut. Nach 2 Mal klingeln der Besetztton.

Yaya hat aufgelegt, als er mich gehört hat und mich danach weggedrückt. Er hat nicht das Klingeln ignoriert, den Ton auf lautlos gestellt, sondern mich weggedrückt.

Ich stehe auf, mir ist so schwindelig, ich sehe schlecht, vielleicht liegt es am Alkohol, vielleicht an den Tränen in meinen Augen, aber ich kann nicht weinen. Ich will raus, raus und vergessen und mehr trinken, bis ich vergesse, was man nicht vergessen kann.

Ich schreibe noch eine Nachricht bei Skype, etwas über Respektlosigkeit, böse Worte, davon, dass ich eine Freundin war und ich verfluche ihn auf persisch.

Wir gehen aus, erst zu dritt, später nur Kat und ich. Ich trinke weiter. Wir sind auf der Reeperbahn in einem Club, Kat will mich vom Trinken abhalten, aber ich will nicht. Ich fühle mich betäubt, es gibt kein besseres Gefühl als das, nicht in diesem Moment. Ich streite mit ihr, tanze, rede, flirte, wirke wie leichte Beute für Männer. Mir ist alles egal, mein Kopf dröhnt noch immer, ich muss vergessen.

Ich tanze mit einem Typ, von dem ich nicht sagen kann, ob ich ihn attraktiv finde, weil es egal ist. Er kann tanzen, er lenkt mich ab. Irgendwann küssen wir uns, ich fühle sowieso nichts. Kat will mich nach Hause bringen, ich lehne ab…ich will nicht ins Bett, nicht nachdenken, ich will bleiben und feiern bis ich einfach umfalle. Irgendwann gibt sie auf, Ninjaan ist alt genug und bleibt bei dem Typ im Club.

Als er mich nach meinem Namen fragt sage ich ihm, dass es keine Rolle spielt, weil wir uns nicht wiedersehen werden und ich ihn morgen vergessen habe. Komischerweise ist dieser Aufreisser tatsächlich für einen Moment geschockt, er nennt mich abgebrüht. Nein, nicht abgebrüht, denke ich, nur tot, Gefühlstot.

Ich komme morgens um 10 Uhr in Kat´s Wohnung an. Ich rieche genauso wie die Küche, nach Alkohol und Zigaretten. Ich warte bis sie aufwachen, in meinem Kopf ist Leere.

Ich schlafe nicht, bis Sonntag Nacht bin ich auf den Beinen. Danach falle ich in einen komatösen Schlaf, auf der Couch meiner Mutter, da fühle ich mich nicht so allein. Nicht allein sein, nicht zuviel denken…das tut weh, im Kopf, im gesamten Körper.

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Du bist wunderschön, aber…

Heute mal was ganz anderes.

Kennt ihr das, wenn urplötzlich ein bestimmtes Thema, mit dem ihr euch nicht absichtlich/willentlich auseinandersetzt,  überpräsent wird? Ihr sucht nicht danach, lest nicht absichtlich auf Seiten, in Zeitungen darüber und beginnt auch kein Gespräch mit Freunden über dieses Thema und dennoch ist es da?

Ein Thema, mit dem ich mich freiwillig überhaupt nicht beschäftigen würde, durch Zufälle und Freunde (oder nicht Freunde?) ist das „Schönheitsideal“.

Grund 1: Zwei meiner besten Freundinnen haben in den letzten Monaten strikte Diäten durchgeführt und einiges abgenommen. Mindestens eine von ihnen war immer schon schlank – jetzt eben noch mehr. Das hat eine regelrechte „Abnehmwelle“ in meinem gesamten Freundeskreis ausgelöst – ständig wird über die neusten Diäten gesprochen, Eine radikaler als die Andere. Es freute mich natürlich für meine Freundinnen, nicht weil ich finde, dass sie nun viel schöner sind oder weil sie vorher gesundheitliche Probleme hatten, sondern weil ich sah, dass ihr Selbstbewusstsein dadurch größer wurde.

Grund 2:  Immer wieder stoße ich neuerdings auf Artikel, die sich mal kritischer, mal weniger kritisch mit dem Thema auseinandersetzen. Vielleicht gibt es diese Artikel immer in dieser Häufigkeit und es fällt mir nur verstärkt auf, weil gerade diese Welle durch mein Umfeld weht, vielleicht aber auch nicht.

Meine beiden Freundinnen hatten nun also an Gewicht verloren, dafür aber an Selbstbewusstsein zugelegt. Alles könnte gut sein. Wenn wir ausgehen tanzen sie mehr, brauchen weniger Alkohol, um locker zu sein, die Reaktion der Männer lässt sie aufblühen. Doch nicht alles was glänzt ist auch Gold. Beide verliebten sich etwa zur gleichen Zeit in zwei Männer. Beide signalisierten Interesse, ließen sie im Nachhinein aber doch fallen und entschieden sich für eine jeweils Andere.

Liebeskummer, Ablehnung, beides ist immer scheisse. Ich stellte aber mit Erschrecken fest, dass meine Freundinnen nun begonnen es auf ihre „noch nicht perfekte Figur“ ihr nicht „schön genug sein“ schoben. „Ich bin nicht schön genug für ihn,“ weinte die Eine. „Ich hab doch alles gemacht, damit er mich schön findet! Wie kann er jetzt eine Andere nehmen?“ schluchzte die Andere. Und ich? Ich stehe daneben, trockne Tränen und versichere meinen Freundinnen, dass sie doch schön genug sind – würde ihnen aber eigentlich lieber sagen, dass sie wundervoll sind, klug, witzig, charmant und einfach jemand Anderen verdient haben, der genau das in ihnen erkennt.

Zu dieser Zeit entdeckte ich dann einen Artikel im Internet, darüber, wie Frauen oftmals schon von klein auf zu hören bekommen was für sie, als Frauen, das Wichtigste im Leben ist: Schön sein.

Sei schön, sei schlank, nimm ab – sonst heiratet dich doch niemals einer! – ungefähr so war der O-Ton der unzähligen Aussagen, die Frauen über ihre frühe Kindheit bis hin zum Erwachsenenalter von ihren Eltern oder Verwandten zu hören bekamen.

Ich musste mich unwillkürlich schütteln und erinnerte mich an meine Kindheit. Daran, dass meine Eltern, weder Vater noch Mutter, mich jemals in ein Kleidchen gesteckt haben und mir gesagt habe, ich sähe ja nun so wunderschön aus. Wunderschön sein, hübsch sein, süß sein – ich glaube diese Begriffe fielen so gut wie nie bei uns. Meine Eltern, vor allem mein Vater, lehrte (n) mich ganz universelle Dinge. Und mit einem Lächeln stellte ich fest, dass mein Vater, der immerhin noch während des 2. Weltkriegs geboren wurde, mich wohl so „feministisch“ und „gendergerecht“  wie nur irgendwie erzogen hatte , obwohl er heute über diese Worte meist nur Schmunzeln kann.

Über diese Tatsache erfreut, schrieb ich ihm prompt eine Email, bedankte mich bei ihm, denn wie ich heute bin, wie ich heute denke, das hat sicher auch viel damit zu tun, was er (und meine Mutter) mich damals als Kind lehrten. Mein Selbstbewusstsein speist sich aus der Überzeugung, dass Schönheit eine Kombination von Innerem und Äußerem ist, wobei das Innere schwerer wiegt.

Seine Antwort folgte prompt. Zusammenfassung:

„Alles was ich für dich wollte ist, dass du Ideale hast und nach ihnen strebst, dass du gesund und glücklich bist und auch in schwierigen Momenten Charakterstärke beweisen kannst – ich glaube, das ist mir gelungen. Ich liebe dich – dein Papa.

Das ist es, was ich mir von meinem Vater wünsche – nicht das er mir sagt, ich wäre schön – schön muss ich mich selbst fühlen – das kann mir keiner abnehmen.

Keineswegs jedoch, war ich immer so. Wenn ich heute sage, dass ich mich von diesem Schönheitswahn abwende, ihn ignoriere und nicht mal eine Waage zuhause habe, dann hat das einen bestimmten Grund. Kurz vor meiner Pubertät war ich relativ pummelig und obwohl meine Eltern (weil es eben noch nicht gesundheitsschädlich war) mich nie drängten oder darauf ansprachen, begann ich mit 13 (!) meine erste Diät. Aber was weiß man mit 13 schon über gesunde Ernährung? So ein Schulfach hatten wir noch nicht und Internet hatte ich auch nicht. Also hungerte ich. Das ging eine Zeitlang gut. Ich verlor ziemlich schnell etliches an Gewicht – doch dann kam die berühmte Stagnation. Ich nahm nicht mehr ab.

Aus Frust begann ich zu essen, aber weil ich vorher so gehungert hatte, vertrug mein Körper die Mengen (die nicht sonderlich groß waren) kaum noch – und so erbrach ich mich mit 14 Jahren das erste Mal. Seit ich 16 Jahre alt war, war ich wirklich schlank (Hosengröße 36). Ich bin aber eher sehr „kurvig“ gebaut  und so, und weil ich längst ein verzerrtes Selbstbild hatte, machte ich weiter: hungern, essen, brechen.

Mit 21 bekam ich Sodbrennen und trotz Kleidergröße 36/38 riet mir mein Hausarzt dazu doch etwas abzunehmen – sei gesünder! Ich machte weiter und meine Eltern standen hilflos daneben – unsicher und immer mit Selbstvorwürfen, was sie falsch gemacht hätten. (Nichts…ihr habt nichts falsch gemacht!)

Mit 22 Jahren wurde ich für 4 Wochen in die Kur gebracht, nicht wegen Sodbrennen oder meiner Bulimie, sondern wegen meines Asthmas. Dort im Speisesaal beobachtete mich eine aufmerksame Servicekraft, folgte mir einmal nach dem Essen auf die Toilette und alarmierte die Ärzte. 3 Tage später kam ein Psychologe zu mir, 2 Tage später wurde eine Magenspiegelung durchgeführt. Befund: Meine Speiseröhre war mit 22 Jahren beinahe zerstört, die Schließmuskel funktionieren nicht mehr, daher das extreme Sodbrennen (für das ich bis heute Medikamente nehmen muss).

Ich brauchte noch 2 Jahre, um die Bulimie gänzlich zu überwinden, aber ich schaffte es. Durch starke Kortison Therapien (Asthma) wurde ich zusätzlich auf die Probe gestellt – ich nahm nämlich unverhältnismäßig viel dadurch zu.

Seit etwa 3 Jahren halte ich mein Gewicht, mal 2 kg mehr, mal 2 weniger. Ich bin alles andere als schlank, aber zum ersten Mal seit langer Zeit, liebe ich mich selbst. Ich finde mich schön. Und darum, weil ich mir dies bewahren will – mache ich einen Bogen um Diäten, Schönheitsideale und Läden die extra kleine Kleidungsgrößen haben. Als ehemalige Bulimikerin ist man nämlich wie eine trockene Alkoholikerin.

Heute bin ich immun gegen das vorherrschende Schönheitsbild – jedenfalls zu 95%. Ich mag mich und strahle das wohl auch aus. Wenn mich jemand nicht will, dann denke ich nie darüber nach, er könnte mich nicht wollen, weil ich nicht schlank genug, nicht hübsch genug bin. Und im Grunde werde ich auch nie darauf angesprochen. Ich schaue traurig auf meine Freundinnen und wünsche mir so sehr für sie, dass sie ihr Selbstbewusstsein nicht ausschließlich aus den „Komplimenten“ von Männern und Frauen ziehen würden, die nur auf ihr Äußeres achten.

Immun…ja zu 95%, aber eben nicht zu 100%. Denn seit mich dieses Thema verfolgt, denke auch ich, mehr oder weniger unfreiwillig darüber nach und prompt geschieht etwas, dass eben diese 5% ausmacht. Gestern Abend schrieb ich bei FB mit einem Mann, denn ich in Jerusalem kennengelernt hatte. Es ist nichts besonderes, wir hatten uns nur ein paar Mal gesehen, etwas geflirtet und schrieben uns nun hin und wieder – er ist ganz nett, aber mehr Interesse habe ich nicht. Gestern Abend, aber fiel dann dieser Satz „ Du bist wunderschön, aber…, wenn du etwas abnehmen würdest, wärst du noch schöner!“

Aha…

Ich reagierte ziemlich abgeklärt, dankte für die Info, aber sagte ihm, dass ich nicht vor hätte etwas an mir zu ändern. Es folgten Entschuldigungen und Beteuerungen wie schön ich doch sei. – Danke, ich finde mich auch schön, aber du mich anscheinend nicht genug.

Ich frage mich manchmal, wie es ankommen würde, wenn ich einem Mann sage, dass er eigentlich ganz gut aussieht, aber besser aussehen würde, wenn er seine Nase operieren, Ohren anlegen, Lippen aufspritzen oder sonst was in der Art, tun würde?

Wie auch immer, das erste Mal seit langem begann ich im Internet nach Diäten zu suchen und erwischte mich prompt dabei, wie ich eine „Radikal Diät“ bevorzugte.

Als ich heute Morgen aufwachte und in den Spiegel sah, dachte ich nur „Wtf? Was habe ich da gestern Abend gemacht? Bist du bescheuert ninjaan? Du bist gut, so wie du bist! Nein, nicht nur gut, sondern toll!“  Nur weil ein Mann von 100 zu mir sagt, ich könne etwas abnehmen, gebe ich doch jetzt nicht ein Stück meiner Lebensqualität auf (und dazu gehört für mich gutes Essen, wenn ich Hunger darauf habe, soviel wie ich will und vor allem ohne schlechtes Gewissen!)

Was ich hier eigentlich mit diesem langen Post sagen will? Frauen (auch Männer): Findet euch selbst schön – liebt euch selbst. Und wenn ihr etwas an euch ändern wollt, dann macht es auf eine gesunde Art und auch nur dann, wenn ihr es wirklich für euch selbst tut!

Und ich trinke jetzt meinen 3. Milchkaffee, was mir die „radikal Diät“ von letzter Nacht nämlich verbieten wollte und genieße es!

Retrospektive Dezember 2011: Das letzte Treffen Teil I

Der Tag beginnt um 00:01 Uhr, dieser eine Tag, mein Tag, der Tag meiner Geburt. Einige Stunden vor dem Beginn dieses Tages haben wir uns bei Skype geschrieben, unser Treffen für den Tag, nach meinem Tag geplant. Der Song ist fast fertig, ich liebe ihn, diesen Song. Deine Stimme ist so weich, so sanft, ich liebe deine Stimme und auch wenn ich nur die Hälfte von dem verstehe was du sagst, ist mir klar, dass du viel mehr in diesen Song gelegt hast, als in den Vorherigen.

An diesem Tag, wenige Stunden vor meinem Tag, sprechen wir über vieles, wir lachen, tauschen uns uns, planen, erinnern uns kurz an unser letztes Treffen zurück – alles ist gut, wir sind gut – zusammen sind wir besser als wir es uns je gedacht haben.

Ich feier nicht rein in meinen Tag, ich halte nicht viel davon, warum sollte ich feiern, dass ich älter werde? Wir alle werden das, es ist keine große Leistung alt zu werden.

Doch wie jedes Jahr gibt es an diesem Tag eine Familienfeier, Plitschi und Jackson sind auch gekommen, sie gehören irgendwie mit zur Familie, mit zu diesem Tag, den ich eigentlich nicht feiern will, der aber irgendwie doch mein Tag ist. Und eben weil es irgendwie doch mein Tag ist, sehe ich von Stunde zu Stunde ungeduldiger auf mein Handy, ich erhalte viele Sms, Anrufe, Glückwünsche, zu etwas für das ich nichts geleistet habe, nette Gesten, die mir eigentlich nichts bedeuten. Nur du, du bleibst stumm.

Um 23:59 Uhr meines Tages sitze ich mit Plitschi, Jackson und meiner Mutter am Küchentisch, die Gäste sind alle gefahren, mein Tag ist ja auch immerhin fast vorbei und der neue Tag rückt unaufhaltsam näher – ein Tag ohne besondere Bedeutung, der aber doch einer unserer Tage werden sollte – und noch immer hast du dich nicht gemeldet. Ein letztes Mal stehe ich auf und öffne Skype – wenn keine Sms und kein Anruf, dann aber doch vielleicht dort eine Nachricht?

Um 00:01 Uhr ist mein Tag vorüber, ein Kloß hat sich in meinem Hals festgesetzt, weil du nichts gesagt hast, nichts zu meinem Tag, der mir eigentlich egal ist, aber eben nur eigentlich. Am Tisch warten sie auf mich, Plitschi, Jackson und Mama, sie sehen mich an, teils mitleidig, teils zornig. Ich solle dir absagen für diesen neuen Tag, der eigentlich unser Tag werden sollte, weil du meinen Tag vergessen hast. Trotzig, wie ein kleines Kind, dass statt eines Fahrrades nur ein Puzzle bekommen hat, nehme ich mein Handy in die Hand und schicke dir eine Nachricht:

„Happy Birthday!“

Da war es 00:10 Uhr, nicht einmal 5 Minuten später bekomme ich eine Antwort, und ich weiss nicht ob ich lachen oder weinen soll oder einfach mein Handy aus dem Fenster werfen soll, weil du doch so schnell antworten kannst:

„Yes I know I am sorry I worked last night and had a bad day today. Im at work again. I guess u forgive me do u want ur gift today?”

Deine Worte bringen mich fast zum überkochen, ja, ich sollte dir absagen, weil ich wütend und verletzt bin, weil du meinen Tag vergessen und weil du so selbstverständlich und arrogant davon ausgehst, dass ich dir dies verzeihe. Aber ich bringe es nicht über´s Herz, weil ich weiss, dass du den gesamten Januar arbeiten wirst und Ende Januar, da wirst du gehen, weit weg, weg von mir. Und ich kann dich nicht aufhalten, dir nicht mal sagen, dass ich wünschte du würdest nicht gehen. Und darum frage ich nur, ob unsere Verabredung noch steht. Deine Antwort lässt keine Reue erkennen, aber die hätte es in diesem Moment sowieso nicht besser gemacht. Du schickst mir noch ein lahmes „Boos“ (Küsschen), dann gehe ich schlafen und schalte mein Handy aus.

Den gesamten nächsten Tag habe ich damit verbracht meine Wut und meine Verletzung zu verarbeiten, aus Selbstschutz entscheide ich mich dafür, dich nicht damit zu konfrontieren. Ich bin schon verletzlich genug, ich werde es dir nicht auch noch auf einem Tablett servieren, wie sehr du mich damit getroffen hast. Und noch klingen mir deine Worte des letzten Treffens im Ohr „ U are such a runaway Ninjaan! Why do u always hide ur feelings?“

Am Abend bin ich gewappnet, ich habe eine hohe Mauer um mich gezogen, darin habe ich meine Wut, meine Verletzlichkeit und meine Enttäuschung versteckt, du wirst keine Chance haben sie einzureissen, da bin ich mir sicher!

Um Punkt 20:53 Uhr am Tag, nach meinem Tag, dem Tag der unserer sein sollte, unser Letzter, stehe ich am Bahnhof und warte auf dich…wie schon so oft zuvor….

„Weil wir Freunde sind!“

Gestern war ein guter Tag, nicht weil irgendetwas großartiges, spektakuläres passiert wäre, er war einfach so gut. Ich hatte zwar wenig geschlafen, aber dennoch hatte ich gute Laune. Während alle um mich herum über Kopfweh oder sonstige Zipperlein aufgrund des Wetters klagten, hüpfte ich auf der Arbeit förmlich umher und alberte mit Kollegen und Jugendlichen herum.

Naja, eine Kleinigkeit freute mich schon oder besser, hatte ich mir schon so einen kleinen Schub gegeben, den Tag besonders zu genießen: Ich hatte das neue, neuste, aller, allerneuste Album meines Lieblingsrappers in den Händen! Seit Wochen warte ich schon darauf und eigentlich hätte ich auch noch ein wenig länger warten müssen, da ich diesen Monat leicht ausgebrannt bin (so kurz vor dem Urlaub…). Das offizielle Veröffentlichungsdatum ist heute, 17.07.2012 und meine ganze Hoffnung lag nun bei Youtube….wenigstens mal in  die Lieder reinhören können, bevor ich dann nächsten Monat zuschlagen werde…

Aber so lange musste ich gar nicht warten! Sonntag Abend, als ich gerade mit meinem Vater über der Abrechnung hockte hörte ich mehrfach den Nachrichtenton von Skype, ich wäre gerne aufgesprungen und hätte nachgesehen, aber da mein Vater mir dann wahrscheinlich den Hals umgedreht hätte (;)), wartete ich lieber, bis wir mit der Abrechnung fertig waren. Als ich mich dann endlich an den Rechner setzen konnte las ich folgende Nachrichten:

Yaya: ninja? i have a surprise for u! u are not there!?  u can guess what ur surprise is i guess 😉

Verwundert starrte ich das kleine Skypefenster an…weiter stand da nichts. Was meinte er? Bevor ich ihm ein Fragezeichen schickte, kam ich auf die Idee noch einmal meine Dropbox zuchecken – und? Da war es! Das komplette Album!!!! (Ich weiss…das macht man nicht, schon gar nicht bei Lieblingskünstlern, aber ich werde mir das Album noch kaufen, vorallem, weil ich die Special Edition unbedingt haben will!) 

Ninjaan: XY? aaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhh!!!!!!! I love u Yayaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!!!! u make me sooo happyyyyyyyyyyy

Ich war völlig aufgedreht, das Album ist der Wahnsinn! Glücklich und zufrieden fuhr ich am nächsten Tag, das Album in der Handtasche, zur Arbeit. Der Einzige, der außer mir, solche Musik wirklich hört, ist der Kazoospieler, und weil wir uns halbwegs wieder eingekriegt haben, stürmte ich zu ihm ins Studio und bat ihn, die Cd einzulegen (ohne ihm vorher zu sagen, welches Album es ist). Etwas irritiert sah er mich an und stellte dann die Boxen auf laut. Nach wenigen Sekunden blickte er ungläubig zu mir: „XY? Du hast das neue Album von ihm??? Das kommt doch morgen erst raus! Wo um alles in der Welt hast du das her???“

Daraufhin entstand folgendes Gespräch:

Ich grinste breit:“ Haaaa, super oder? Das Album ist der absolute Wahnsinn! Hör es dir an!“ – „Mache ich, aber von wem hast du das?“ – „Von Yaya.“ – „Aha…wo um alles in der Welt hat er das her?“ – „Keine Ahnung…?“ – „Und wie kommt er darauf?“ – „Worauf? Na, er wusste, dass ich es mir wünsche, weil ich seit Wochen davon spreche und ich ihm immer gesagt habe, seine Lieblingsrapper können einpacken, wenn XY ´s neues Album erscheint!“ – „Er schickt es dir, weil du es dir gewünscht hast?“ – „Ehm…ja? Als Überraschung?“ – „Aha, und was ist mit ihm?“ – „Wie was ist mit ihm? Was soll mit ihm sein?“ – „Er wäre doch was! Immerhin schickt er dir sowas als Überraschung!“ – „Er wäre doch was? Was…? Er schickt mir das, weil wir Freunde sind! Das ist doch normal!“ – „Ich mache sowas nicht!“ – „Tzzz, glaube ich dir…“ 

Das Besondere an dieser Unterhaltung? Ich habe es wirklich so gemeint! Vor wenigen Wochen, hätte meine Phantasie nach solchen Anspielungen noch Purzelbäume geschlagen, ich hätte mich gefragt, ob der Kazoospieler Recht hat und mehr dahinter steckt. Meine Antwort wäre auch wahrscheinlich eher ein Gestammel gewesen, als so eine klare Aussage „…weil wir Freunde sind!“

Ich bin auf einem guten Weg, dahin zu kommen, wo ich gerne hin möchte, an den Punkt, an dem ich eine Freundschaft akzeptieren kann, wirklich voll und ganz, ohne hinter allem und jedem mehr zu sehen. Wenn Yaya es dann auch noch schafft, sich immer wie ein Freund zu benehmen, könnte es eine gute Freundschaft sein, eine gute Verbindung. – Das war ein guter Tag.

 

Eine Aussprache

Nein, (leider?) keine Aussprache mit Yaya, dafür aber mit meinem Kazoospielendem Kollegen.

Ich hatte gehofft die komische Situation wäre über das Wochenende in Vergessenheit geraten, dem war aber leider nicht so. Am Dienstag schneite mein ehemaliger Praktikant rein, der ebenfalls am Freitag auf dem Konzert war, und das erste was er schrie (in Gegenwart von 3 Jugendlichen!) war: “ O…. hat für Ninjaan gerappt! Er hat für SIE gerappt!“  Vor Schreck fiel mir fast die Kaffeetasse aus der Hand, wie taktlos kann man eigentlich sein? 2 Jungs grölten und ihre Augen leuchteten (kein Mensch weiss warum sie sich das so sehr wünschen!?) ein Mädchen sah mich erschrocken an, wahrscheinlich verstand sie als Einzige, was gerade in mir vorging!?

Ich bat den Ex-Praktikanten einfach leise zu sein, aber der plapperte munter weiter: “ Hast du das nicht gesehen? Ich habe das gesehen und du auch! Wie ihr euch angesehen habt! Hast du nicht gehört worüber er gerappt hat? Das war die Stelle, als es um die Frau fürs Leben ging! Ihr beide seid nur zu schüchtern und…“  – „STOP!!“  Die Wut stieg in mir hoch, nur leider, seit der Sache mit Yaya, in Form von verzweifelter Wut. Ich maulte rum, aber ich war zu schwach mich wirklich durch zusetzen, ich schlafe zu wenig, arbeite zuviel und mein Herz trage ich in Scherben mit mir herum….ich habe keine Kraft für so einen Mist!

Es ging noch eine ganze Weile so hin und her, ich musste mich irgendwie zusammenreißen, wir waren umgeben von Jugendlichen, also versuchte ich das ganze ins Lächerliche zu ziehen. Der Praktikant allerdings, anscheinend in der Grundschule hängen geblieben, wollte nicht aufhören und besser noch: er zeichnete mit seinem Handy auf was ich sagte!!  – Wo bin ich da eigentlich gelandet? Alle feuern am Besten!

Kurze Zeit später kam auch mein Kazoo Rapper zur Arbeit, der Praktikant rief ihn schon zu sich, als ich ihm (meine Wut richtete sich jetzt auch gegen ihn, warum musste er Freitag so eine Show abziehen??) noch ein „Danke, das ist deine Schuld! Nur weil du das Freitag machen musstest!“ ins Ohr zischte. Er war verdutzt, hörte sich das Gerede des Praktikanten an, der ihm alles, mit dem Kommentar „So zeigt Ninjaan ihre Gefühle zu dir, sie ist halt nicht so romantisch wie du!“ vorspielte und ging dann, wütend, ins Studio.

Toll, da waren dann alle wütend!

Am nächsten Tag, fasste ich mir ein Herz, es fiel mir tatsächlich schwer, gerade in meiner derzeitigen Verfassung, so ein Gespräch zuführen, aber ich tat es. Nahm den Kazoo Kollegen mit ins Büro und sagte: “ Wir müssen reden, das geht so nicht weiter!“  Er stimmte mir zu und bat mich erst einmal zu erklären was gestern überhaupt los gewesen sei und warum er immer der Böse ist. Ich erzählte ihm von den Sprüchen, denen, die ich mir nun schon seit Monaten anhören muss. Ich berichtete ihm von den Reaktionen die ich am Freitag Abend schon von Kollegen und Jugendlichen bekam. Davon, dass er das nicht machen könne, weil jeder es falsch versteht und es mich wahnsinnig macht, weil ich kaputt bin, überarbeitet und mein Privatleben gerade im Arsch ist und und und. Ich merkte wie mir während des Gesprächs die Tränen in die Augen schossen…sehr autoritär ich weiss…

Aber eigentlich verstehen wir uns gut, das war immer so, wenn nicht diese komische Situation zwischen uns wäre, dieses ganze Gerede, wir könnten ziemlich gute Freunde sein, also schämte ich mich ausnahmsweise mal nicht dafür Schwäche zu zeigen.

Er nickte erst stumm, sagte mir dann, dass dieser ganze Mist unser Verhältnis so beeinflussen würde, dass wir uns kaum noch verstehen könnten und ihn das ebenso nervt, dass er aber nicht wusste, wie sehr ich damit genervt werde. Er sagte, dass er mir Freitag doch nur zeigen wollte, wie sehr er hinter mir steht (?) und das er nicht wollte, dass sich wieder alle das Maul zerreissen. Er entschuldigte sich und versprach mir, mit den Anderen zu reden, von jetzt an, gemeinsam mit mir dieses Gerede zu unterbinden.

Ich nickte dankbar, erklärte mich dann noch einmal, einfach weil ich mir tatsächlich wie „nonor“ vorkam und sagte ihm, dass es Freitag einfach scheisse war, für mich scheisse, erst wäre er gekommen und dann noch dieser andere Typ, der vor den Jugendlichen irgendwas von einer Affaire mit mir erzählt hat – wie würde ich denn nun da stehen? Er nickte verständnisvoll, dann aber fragte er mich tatsächlich: “ Ist das denn wahr? Ich meine, das mit ihm und dir?“ Damit hatte ich nicht gerechnet!  „Nein! Natürlich nicht, man!“  Verlegen sah er weg: „Tschuldige, das geht mich auch gar nichts an…“ – Ne, eigentlich nicht, aber es ist schon blöde so etwas überhaupt zu denken!

Wir standen einen Moment ziemlich ratlos vor einander, dann streckte er den Arm nach mir aus:“ Eigentlich, naja eigentlich würde ich dich jetzt umarmen, aber das ist wohl keine so gute Idee mehr. Die Kids wollen uns einfach zu gerne zusammen sehen, wir sollten denen vielleicht auch nicht ständig so gegenüber treten… Dann nimm wenigstens meine Hand!“ Ich nahm sie und ging dann wieder an die Arbeit.

Nicht mal eine Stunde später hatte er mit dem Praktikanten gesprochen und dieser sich bei mir entschuldigt. Keine Ahnung was er ihm gesagt hat, aber ich war etwas erleichtert. Klar, das ist keine Meisterleistung von mir, ich als Chefin sollte das mehr drauf haben…zur Zeit habe ich es aber einfach nicht und es bringt mich auch nicht weiter, mir stetig darüber Gedanken zu machen, also bin ich einfach erleichtert, dass es nun zwischen uns geklärt ist…irgendwie jedenfalls.

Der frühe Vogel…

10:17 Uhr, pardon 18. So müde, so unendlich müde… ich glaube im Vergleich hierzu war ich gestern Morgen total fit. Das könnte daran liegen, dass ich nicht nur viel zu spät ins Bett gegangen bin, sondern auch noch morgens um 7 Uhr von meiner Freundin Plitschi aus dem Schlaf gerissen wurde.

„Kannst du mir die Tür aufmachen Ninjaan? Ich dachte ich müsste eher arbeiten, aber jetzt muss ich doch erst um 11 Uhr hin und ich bin noch so müde.“

Kein Problem, aus dem Bett gewälzt, einen Blick auf das Chaos in meiner winzigen Wohnung geworfen, es sofort ignoriert, den Summer meiner Tür betätigt, zweite Bettdecke zurechtgefummelt und gemurmelt: „Komm leg dich schlafen.“ 

Ich habe gut geschlafen, ich glaube sie weniger. Als mein Wecker 3 Stunden später klingelt (Ja hier beschwert sich jemand übers „nicht aus dem Bett kommen können“ der erst morgens um 10 Uhr aufstehen muss – dafür arbeite ich auch länger!) liegt sie im winzigen Nebenraum auf dem Boden, mit Decke.

„Hab ich geschnarcht?“ – „Jaha, aber schon ok ich konnte hier noch bisschen schlafen.“ Plitschi ist heute nicht im „ninjamood“ und ich auch nicht, denn eigentlich finde ich nicht, dass ich Schnarche! Es ist eher ein leises Schnorcheln, ausserdem sagt der Zahnarzt ich knirsche mit den Zähnen, stressbedingt. Stress hatte ich gestern nicht, also kanns das Knirschen nicht gewesen sein! Aber bei beiden ist der „ninjamood off“.

Und jetzt 20 minuten später sitze ich hier bei nem Kaffee und schreibe, eigentlich weil ich immer noch keine große Lust verspüre zu arbeiten und weil es himmlisch wäre, wenn heute noch einmal Montag sein könnte. Also Montag der 02.04.2012, nicht irgendein Montag. Ich würde den Tag optimieren, unter anderem dadurch, mein Handy einfach auszuschalten!

Ich habe übrigens eben allen Mut zusammengefasst und schnell nachgesehen, ob die Nachricht bei Skype gesendet wurde. Ja, wurde sie. Heute morgen hat meine nächtliche Euphorie leicht nachgelassen und so bin ich schnell wieder offline. Was albern ist, weil er sowieso arbeiten ist und bis morgen, nach eigenen Angaben, irgendwo in Österreich. Keine Gefahr also, auch keine Gefahr für ihn, weil er mir gestern Abend, wie durch eine Eingebung, seine Abwesenheit und die Möglichkeit ohne Internet zu sein, schon angekündigt hatte.

Und nur noch mal, um meine Worte von gestern Abend zu bekräftigen: Ich erwarte gar nichts! Also ich warte jetzt auch auf nichts, aber das erste Gespräch, sollte es denn stattfinden, nach dieser Offenbarung könnte leicht angespannt sein. Das will ich natürlich so schnell wie möglich hinter mir haben.

Hey, ich bin kein runaway, nur realistisch! Ich will keine Konsequenzen, keine Diskussion, keine Antwort (weil ich keine Frage gestellt habe), ich wollte es nur mal erwähnen PUNKT

Also abwarten, hoffen das es keine Schockreaktion gab und irgendwie die Tage bis Karfreitag überstehen – mit arbeiten, meiner Lieblingsbeschäftigung, außer es handelt sich um Hausarbeit…

Ninjaan