Random thoughts #2

Die ganze Welt spricht über Kobane, als wäre es die einzige Stadt Syriens, als wäre der Krieg nur dort, als würden nur Yeziden sterben.

Diesen Sommer war das fasten im Ramadan besonders schwer, es war nicht nur recht einsam für uns und heiß und lang, es war auch überschattet von den immer grausameren Geschehnissen aus Gaza und Syrien/Irak. Ein Iftar (Mahlzeit des fastenbrechens nach Sonnenuntergang) aber war anders, wundervoll und gab uns viel Kraft.
Soha lud ein. Spontan und herzlich. Sie hätten extra halal Fleisch gekauft und würden nun bis Sonnenuntergang warten, um mit uns das vorbereitete Festmahl zu genießen. Wir wurden wie König und Königin empfangen, zum Sonnenuntergang gab es große Wassergläser und frische Datteln, von der Herrlichkeit der anderen Gerichte ganz zu schweigen! Bis tief in die Nacht blieben wir, gemeinsam mit Soha’s Brüdern, der Mutter, Schwägerin und den Kindern, rauchten Wasserpfeife, tranken duftenden schwarzen Tee aus goldumrandeten Gläschen und knabberten selbstgemachte Kekse. Amin blühte auf als alle mit ihm arabisch sprachen und genoss das Essen, die Gemeinsamkeit und all das Vertraute ganz besonders.
Irgendwann sah Soha zu Amin und sagte mit fester Stimme an mich gerichtet : „ich dachte für einen Moment, dass ihr vielleicht nicht kommt, unser Essen nicht wollt. Das war in Syrien oft so, auch wenn man befreundet war.“ Ich schluckte kurz und umarmte sie dann. „Niemals!

Monate später erreicht mich wieder eine Einladung von Soha. “ ich bin die Schlagzeilen so leid, das Leid so leid, bitte komm Ninjaan und lass uns das einen Tag vergessen.“ Das Leid vergessen, widerlegen das wir Feinde sind, die Zuneigung gegen alle Vorurteile spüren – das ist so wichtig!

Was wäre ich ohne das? Was wäre ich ohne meine Freunde und Bekannte die Juden, Christen, Yeziden, Atheisten, Agnostiker, Freikirchler usw sind, die mich immer wieder erinnern.

Erinnern daran, dass mein eingangssatz verbittert klingt und unfair ist. Unfair, weil es nicht Yeziden sind, die den Rest des Unrechts an die Seite schieben, nur weil sie auf ihres zurecht aufmerksam machen – sondern Medien.
Um nicht zu vergessen, müssen wir in Kontakt bleiben, miteinander reden. Immer!

IMG_0263.JPG

Advertisements

Nachruf. Für Anni

Anni ist tot.

Ich fand dich doof, total doof. Und aufdringlich. Weisst du noch? Du wolltest meine Freundin sein, unbedingt. Ich weiß bis heute nicht warum. Du hast später gesagt, du wüsstest, dass ich dich verstehen würde. Du hattest Recht. Wir haben uns verstanden.

Es ist 12 Jahre her, dass ich dich doof fand.

Ich war damals eine überzeugte Christin und jeden Sonntag in die Kirche-Geherin. Du warst konvertiert und hast bei der Aussprache von arabischen Worten kaum einen Akzent gehabt. Du warst gerade mal 17 Jahre alt.

Wenn wir zusammen saßen, dann haben wir Musik von ägyptischen Sängern gehört und  kaum was verstanden, dann habe ich eine Zigarette nach der anderen geraucht und du Zitronentee getrunken. Dann haben wir über das gesprochen was uns verbindet.

Uns verband die Liebe zu Fremdsprachen, der Glaube an Gott und Gewalt. Gewalt die wir erlebt haben und erlebten.

Ich hatte es vor kurzem geschafft einer solch gewalttätigen Beziehung zu entfliehen und du stecktest noch mitten drin.

Es hat so lange gedauert, ein ganzes Jahr, ich lebte schon in einer anderen Stadt zum studieren, da riefst du an und batest um Obdach. Wenn man einen Gewalttäter verlässt, muss man einen sicheren Platz haben. Ich war so stolz. Wir haben dich gefeiert!

Wir haben Überlebt, wir sind stärker als die!

Wir haben keine 9 Leben wie eine Katze, das wollte ich dir so oft sagen. Anni, irgendwann geht das schief. Während ich Männer mied, mich auf niemanden wirklich einließ, suchtest du weiter, nach Liebe.

Der nächste Mann trennte dich endgültig von deiner Familie und auch von mir. Du warst weg, so lange hörte ich nichts von dir, so lange nicht. Dann klingelte plötzlich mein Telefon und du warst wieder da, mittlerweile Mutter einer bezaubernden Tochter. Aber außer deiner Tochter war nichts in deinem Leben bezaubernd.

Wir haben keine 9 Leben, Anni! Komm zurück! Gelacht hast du, du kommst schon. Nur ein bisschen noch. Vielleicht klappt es ja noch…

Es klappt niemals so, wollte ich sagen. Als du zurück kamst war ich wieder weg.

Vor genau 6 Monaten dann, da standst du plötzlich vor mir. Anni! Wie immer bist du mir um den Hals gefallen. Als wärst du noch 17 und ich erst 20. Als wäre uns das Leben nicht dazwischen gekommen, immer und immer wieder. Als wären die beiden Kinder an deiner Seite nicht deine eigenen, sondern lediglich deine Geschwister. “ Das Leben!“ sagen wir und lachen. Wer der Mann an meiner Seite sei, dein verschmitztes Grinsen! Das hat dich immer wunderschön gemacht Anni, das habe ich dir nur nie gesagt. Nummern getauscht und uns geschworen uns bald zu sehen!

Ich wünschte, bei Gott, ich könnte noch einmal sagen, dass uns das Leben dazwischen gekommen sei. Nein, ich wünschte wir hätten es niemals zwischen uns stehen lassen.

Anni, wir haben keine 9 Leben.

Anni ist tot.

Anni wurde ermordet, von ihrem gewalttätigen Partner.

Ich habe dir so vieles nicht gesagt.

Ich weiß, dass Allah einen Platz für dich hat, dass es dir jetzt besser geht, weil dieses Leben nie genug Liebe für dich hatte, nie genug Platz. All dein Schmerz wird belohnt werden Anni, dass weiß ich und du hast das immer gewusst, das hat dich weiter machen lassen. Nur das wie, das zerreisst mein Herz. Wir hatten doch überlebt, Anni.

Ich habe überlebt. Anni nicht.

Eine von 4 Frauen erlebt in ihrem Leben mindestens einmal Gewalt von ihrem Partner. Statistiken zufolge sind Hälfte aller weiblichen Mordopfer, Opfer ihrer Partner.

Bitte, schaut niemals weg. Niemals.

 

Vergib mir Anni, das ich nicht da war.

 

Das Ende und der Anfang

Es ist schon 2014! Wie die Zeit vergeht! Mein Blog ist ja schon beinahe 2 Jahre alt….und ich vernachlässige ihn gerade mehr als schändlich! Ich bitte um Vergebung, es wird sich bald ändern….sobald das Leben zu zweit alltäglicher geworden ist und ich vielleicht nicht mehr 40+ Std. die Woche arbeite (a dream might come true in 2014!)

Aber werfen wir erst einmal einen Blick zurück auf 2013 – das völlig kontroverse 2013!

2013 war das Jahr meines kaputten Knies, des geheilten Herzens, der gefundenen Liebe und verlorenen Freunde. Es war das Jahr der Reisen (Jordanien, Israel, Palästina, Belgien) und das Jahr des Betthütens, des halb-erzwungenen Abschieds von der alten, nicht mehr geliebten Arbeit und der direkte Wechsel in die neue, niemals geliebte Arbeit.

Ja, 2013 war viel, aufregend, langweilig, herzerwärmend und wutschnaubend. Ich habe selten ein solches Jahr gehabt. Das wundervolle ist die Liebe die ich in diesem Jahr finden durfte und die ich festhalten möchte und die mich umhüllt und mir Kraft gibt. Das traurige? Das Zerbrechen und Auflösen von Freundschaften.

Vielleicht sind große Einschnitte im Leben der richtige Moment, um sich zu verabschieden und zu beenden, was vielleicht schon länger zu Ende war?

Das würde passen, passen zu der Tatsache, das passend zum Jahresabschluß Freundin Nr. 3 mit androht die Freundschaft zu beenden. (Freundin Nr. 3 ist hier im Blog schon öfter aufgetaucht, z.B. hier und hier ). Es müsste mich traurig machen, nein falsch, es macht mich traurig, aber eigentlich müsste es mich mehr traurig machen. Sie war mir immer der vertrauteste Mensch auf der Welt. Und nun? Nun ist sie wütend auf mich. Ich habe meine Freundschaftspflicht vernachlässigt, hatte seit 3 Monaten (seit Amin da ist) keine Zeit für sie (keine physische zumindest, per whatsapp und Telefon mindestens alle 2 Tage Mehrstündig) und alle anderen sind bessere Freunde als ich.

Zwischen dem Bombardement ihrer Nachrichten versuchte ich sie mehrfach anzurufen, ich empfand Schreiben als zu unpersönlich – sie drückte mich weg. Das ist mir zu blöd.

Wenige Tage später frage ich sie, ob wir uns sehen können, reden können unsere Freundschaft kitten können. Sie wiegelt ab, keine Zeit, viel zu tun. Fast Schmunzle ich, war sie doch sooo verletzt und traurig, weil sie ja sooo an unserer Freundschaft hängt im Gegensatz zu mir und nun…. Nein, ich schmunzle nicht, ich sagte ja, fast. Denn ich bin ja tatsächlich weniger da, habe sie eher ausgeschlossen als mit einbezogen. Falsch war das allemal. Nur eine Rechtfertigung ist es nicht….vielleicht eher ein Zeichen?

Jetzt ist 2014, ich habe das Rauchen aufgegeben (ja immer noch!) und vielleicht muss ich auch noch ein paar mehr Dinge aufgeben, nicht weil ich bescheidener, gesünder oder vorbildhafter sein will, sondern einfach um das Leben mehr genießen zu können. Das wollen wir doch alle – das Leben genießen können – dafür ist es da oder nicht?

2014….ich bin gespannt!

Happy-New-Year-2014-Fireworks-1

Nähe Teil II – 1 Jahr später

Stück für Stück, leise, langsam, kommst du mir wieder näher.

Mit diesen Sätzen begann ich vor über einem Jahr einen Artikel, den ich für dich schrieb Yaya. Wir hatten einen riesen Streit hinter uns, erinnerst du dich noch? Wir waren so böse zueinander und keiner, nicht mal ich selbst hatte geglaubt, wir könnten das noch einmal hinbekommen. Aber irgendwie haben wir das, zumindest kurzfristig.

Ich schrieb:

Eine Nachricht hier, eine Nachricht da. Aus kurzen Mails werden Gespräche, aus einem Lächeln wird ein Lachen. Aus Unsicherheit …“

Weiter kann ich hier nicht zitieren (Original Text)  , weil es nicht wahr wäre. Richtig müsste es jetzt heissen: “ wird eine noch viel größere Unsicherheit.“. 

Schon im Frühjahr  hast du unser monatelanges Schweigen gebrochen, hast um eine Aussprache gebeten. In diesen Monaten hat sich mein gesamtes Leben verändert, du warst nicht dabei. Ich hatte einen Unfall, viel Zeit zum Nachdenken und, das Wichtigste von allem: Ich bin über dich hinweg und habe, Gott sei es gedankt, einen Menschen getroffen, der mein Herz komplett ausfüllt. Meine Obsession für dich, hat nach 2 langen Jahren endlich ein Ende gefunden. Und ich war erleichtert als du mir schriebst, ich wollte nicht, dass du wütend auf mich bist, wollte nie, dass die Sache zwischen dir und mir so böse endet.

Es war doch alles gut jetzt. Hin und wieder haben wir uns geschrieben, einen Song für den Anderen hinterlassen. Alles ist wieder gut zwischen uns – wir können eine lose Freundschaft haben – so wie es eigentlich immer hätte sein sollen.

Amin habe ich schon früh von dir erzählt, von dir und meinen Fehlern, deinen auch. Er hatte immer Verständnis, hat sich mit mir gefreut, als du die Aussprache mit mir gesucht hast, weil er wusste, wie schwer dies, trotz allem auf meinen Schultern lastete. Ist er nicht wundervoll?

Ach, was frage ich dich das. Du weisst es nicht. Du weisst, dass er existiert, siehst unsere Bilder bei Whatsapp und als du letztens (wie mir beschrieben) auf meiner FB Seite warst, hast du sicher noch viel mehr gesehen. Aber du schweigst dazu und ich? Ich schweige auch.

Aber ich bitte dich, eigentlich war das doch auch kein Thema, weil wir gar nicht so eng waren. Weil wir höchstens alle paar Wochen mal von dem anderen etwas hörten. Und wenn wir ehrlich sind, hast du mir geschrieben und nicht ich dir. Ich schreibe dir nicht, weil da jemand anderes in meinem Kopf und meinem Herzen ist und ich es manchmal schlicht vergesse. Es ist doch alles gut, warum sollte ich mir einen Kopf darum machen?

Doch jetzt, jetzt fühlt es sich langsam kritisch an. Denn plötzlich geschieht genau das, was ich schon vor einem Jahr schrieb „Stück für Stück…“. Seit Tagen schreibst du mir täglich, manchmal auch mehrmals. Und ich? Ich gehe darauf ein, rede mit dir, lache mit dir. Und erst ist es schön, so vertraut und ich denke mir nichts dabei. Wir sprechen noch einmal über die Katastrophe und als du mir sagst, dass es so schön ist, dass wir uns kennen, streichelt das meine Seele. Ich habe zwar meine Liebe gefunden, aber in den letzten Wochen genau deshalb zwei Freunde verloren – diese Worte jetzt von dir zu hören, ausgerechnet von dir, tut unendlich gut.

Aber ist das jetzt gut so? Irgendwann telefoniere ich gerade mit Amin und du bombadierst mich  mit Nachrichten bei whatsapp. Auf seine Frage, wer mir da die ganze Zeit schreibt, antworte ich mit einem “ Schulterzucken über´s Telefon“. Da wird es mir klar. Ich glaube Yaya, das ist nicht so gut. Nicht so nah. Ich habe mich für jemanden entschieden, wie würde ich reagieren, wenn er den halben Tag damit beschäftigt wäre, mit einer seiner „Ex-Lieben“ zu sprechen?

Ich habs ihm gesagt, also nicht alles. Aber das wir ein längeres Gespräch hatten. Er hat betont cool reagiert. Ich kaufe ihm das nicht so ganz ab, ich kenne ihn, er hat immer Angst mich einzuengen, weil ich doch mal so ein runaway war. Du erinnerst dich, Mr. super-duper runaway, so hast du mich immer genannt?!

Einen ganzen Tag kommt nichts von dir, ich spüre wie sich die Erleichterung breit macht, so nah bist du doch gar nicht, sage ich mir. Falsch, mitten in der Nacht schickst du mir Bilder von Künstlern. Man Yaya, ich weiß, es ist meine Aufgabe dir das zu sagen, aber kannst du es nicht von selbst erahnen? Mitten in der Nacht… Du weisst doch, ich kann das nicht, über sowas reden – jedenfalls nicht mit dir. Zwischen uns ist immer noch diese Glaswand, wir erahnen, aber sprechen es nicht aus.

Kat, Rommel und Jackson sind sich einig, ich muss direkter werden, ich soll es dir sagen. Das du nicht so nah sein sollst. Wie soll ich dir DAS sagen? Bei unseren Aussprachen ist mir klar geworden, dass du viel länger, viel intensiver an Dingen zu knabbern hast, als ich es je für möglich gehalten habe. Wie sage ich es dir also, ohne dir auf die Füße zu treten, ohne zu streiten, ohne zu verletzen? Ich will niemanden verletzen, allen voran Amin nicht und deshalb muss ich irgendwas sagen.

Tu mir einen Gefallen, Yaya, diese eine Mal, versteh mich bitte richtig, lass mich bitte ausreden. Lass mich dir sagen, dass du bitte einen Schritt zurückgehen musst…

Jackson: Ich sage dir mal was Ninjaan! Du spielst mit dem Feuer, lass das! Amin sagt nur nichts, weil er dich liebt und dich nicht einengen will. Wenn Yaya dich so gern hat, dann soll er doch bitte darauf auch Rücksicht nehmen, findest du nicht?

Ninjaan: …

 

 

jaja-the-huggable-ninja-doll1-400x400

Bewährungszeit

Es war 2 Wochen nach meiner Rückkehr aus Jordanien. 2 Wochen war sie nicht zu mir gekommen. Schwindeln ist nicht ihre Art, selbst dann nicht, wenn es angebracht wäre. Darum sagt sie frei heraus: “ Ich mag jetzt nicht kommen und dich sehen. Sorry, aber das ist mir gerade zu viel.“ Und so warte ich, sage nichts dazu, lasse sie. Auch wenn es mich verletzt. Denn nicht ich als Person bin ihr zu viel, sondern mein „glücklich sein“. Dabei, so glaube ich, bin ich doch sehr darum bemüht es nicht ständig raushängen zu lassen, was für ein Glück ich tatsächlich gerade in der Liebe habe.

Nach 2 Wochen sitzt sie endlich vor mir. Sie ist gestresst und müde von der Arbeit. Sie sieht schlecht aus. Und so höre ich zu und frage nach und erzähle nichts. Ich gehe nicht ans Telefon als Amin anruft und schreibe ihm nur kurz, dass ich ihn später zurückrufe. Ich will ja rücksichtsvoll sein. Mit jeder Minute die verstreicht und in der sie mich nicht einmal fragt wie es mir so erging, wie es mir geht und was es Neues gibt, wächst die Enttäuschung. Aber ich schweige.

Nach geschlagenen 2 Stunden fragt sie, nach einer kurzen, wirklich unangenehmen Stille, endlich: “ Und, was ist jetzt bei euch so?“ Ich antworte, kurz und knapp in einem Satz. Sie sieht mich an, Tränen steigen ihr in die Augen. Sie wendet den Blick ab und sagt leise, aber doch in einem verächtlichen Ton: “ Ihr seid doch irre!“

Das war es. Kein Wort mehr. Wenige Minuten später erhebt sie sich und geht. Und ich bleibe zurück. Wütend und enttäuscht. Ich hätte etwas sagen sollen. Aber ich kenne sie, seit 14 Jahren. Ich weiß wie sie tickt und das es jetzt nichts bringt.

Ich erinnere mich an eine Nachricht, die sie mir während meines Urlaubs schickte.

„Tut mir leid. Aber ich will gerade nicht so mit dir reden. Ich habe alles so satt. Wenn ich dich ansehe ist es, als würde mir das Schicksal ins Gesicht spucken. Du wolltest nicht mal eine Beziehung! Und jetzt hast du alles was ich nicht habe! Ich gönns dir ja, so ist es nicht. Aber es macht es mir noch schwerer.“

Das hatte gesessen. Ich antwortete nicht darauf, ignorierte es. So mache ich das eigentlich immer. Wahrscheinlich ein großer Fehler von mir. Ich schweige und ignoriere es, sitze aus. Jedesmal wieder.

3 Tage nach unserem Treffen, ich hatte gerade beschlossen den Kontakt mit ihr auf Eis zu legen und ihr nichts, aber auch gar nichts privates mehr zu erzählen, als sie mich anruft. Ich will nicht rangehen, aber beim 3. Versuch ihrerseits tue ich es doch. Vielleicht ist etwas passiert? Sie schluchzt mir ins Telefon, dass ihr Leben zu Ende sei. Sie nicht zur Abschlußprüfung zugelassen werden würde, so durcheinander ist und nicht weiter weiß. Ich biete ihr meine Hilfe an. Was sollte ich auch sonst tun?

Schneller als sonst ist sie hier. Ich sortiere ihre Unterlagen, helfe ihr beim Ausfüllen, erstelle eine „To do Liste“ und muntere auf. 3 Stunden ist sie bei mir. Als sie geht dreht sie sich um, ich hoffe auf etwas, irgendetwas, am Besten etwas Reue. Aber sie hebt nur die Hand und geht.

Das Thema ist für sie durch. Für mich nicht. Ich kann über eine solche Mißgunst von einer meiner ältesten Freundinnen nicht hinwegsehen. Aber mich damit auseinandersetzen will ich auch nicht. Nicht, solange sie nicht von sich aus das Thema anspricht.

Sie bombardierte mich mit Nachrichten hier und da. Ich antwortete knapp, manchmal gar nicht. Vielleicht falsch von mir, es nicht deutlich genug zu machen. Aber ich will mich jetzt freuen, an dem was ich habe erfreuen. Ich habe lange genug selbst Liebeskummer und unerfüllte Träume gehabt. Ich weiß wie es sich anfühlt, aber ich weiß nicht, wie es sich anfühlt es meinen engsten Freunden nicht zu gönnen.

Sie fährt ins Ausland. Ich vergesse ihren Abflug nicht und wünsche ihr dennoch eine gute Reise, auch wenn sie meine OP , kurz zuvor, vergessen hat. Ich will nicht nach einer so langen Zeit die Freundschaft einfach wortlos abbrechen. Bin bereit ihr eine Tür offen zu halten. Sie müsste einfach nur durchgehen. Aber vielleicht ist das auch mein Fehler, weil sie keinen Grund hat eine offene Tür einzurennen?

Seit einer Woche haben wir keinen Kontakt. Ich schreibe nicht von mir aus. Sie weiß, dass bald ein besonderer Tag für mich ist. Nicht von mir, aber von einem gemeinsamen Freund.

Ich hoffe noch darauf, dass sie etwas sagen wird. Irgendwas, dass meine Enttäuschung mildert und unserer Freundschaft eine Chance gibt. Eine letzte Chance. Denn in all den Jahren, habe ich zu oft geschwiegen, zu oft nur an das Gute gedacht und versucht es mit dem Schlechten aufzuwiegen. Diesmal ist es mir zuviel. Ich bin glücklich, ich muss es nicht ständig erwähnen und in die Welt hinausrufen, aber ich muss mich auch sicher nicht dafür schämen.

Ich habe Fehler gemacht, sicherlich und sie ebenso, vielleicht waren es einfach zu viele? Vielleicht können wir es noch einmal retten. Bald wird es sich zeigen…

oniholihn

(Sommer 2007)

Ich muss an diesen Spruch denken: Lachen kann man mit jedem, weinen nur mit wahren Freunden. Das mag wahr sein, aber was ist ein wahrer Freund wert, der nicht mehr mit dir gemeinsamen Lachen kann?

(Fast) alles wie immer

Es war 2 Tage nach meiner OP. Ich lag im Bett und war benebelt von den Tramal. ( Benebelt ist gut, man könnte auch sagen ich war ziemlich high.) Gelangweilt drehte ich  mich von einer Seite auf die andere, suchte die beste Position für mein Bein, um endlich ein wenig schlafen zu können, als sich plötzlich mein Handy meldete. Eine whatsapp Nachricht. Yaya schickt mir eine Audio Datei. Mein Internet ist relativ langsam, die Übertragung dauert. Ja, Yaya hat seit neustem Whatsapp. Und ihr könnt euch nicht vorstellen WIE dankbar ich bin, dass er es damals nicht hatte! Was für ein Albtraum wäre das gewesen! Ich wäre sicherlich von einer harmlosen „Fb Stalkerin“ zu einer waschechten „ich checke jede Sekunde ob du online bist-Stalkerin“ geworden.

Ich muss lächeln. Es ist so befreiend, dass das alles ein Ende gefunden hat. Immer noch ein so unglaubliches Geschenk, jemanden wie Amin gefunden zu haben, bei dem ich ohne Zweifel und Ängste sein kann.

Die Übertragung ist beendet. Da er mir das Lied bei whatsapp schickt und nicht bei Dropbox (eigentlich ja nun unser Medium, über das wir uns hin und wieder, eher kommentarlos, im stillen Einverständnis, Songs und Filme schicken, die wir besonders mögen), gehe ich davon aus, dass es eines seiner neuen Demos sein muss. Ich starte den Song. Nach wenigen Sekunden beginnt eine Frau zu singen. Haben sie jetzt eine Sängerin? Wow! Die ist aber gut!

Spätestens nach einer Minute ist klar: Das ist kein Demo und sie haben keine so tolle Sängerin, das ist einfach ein Song. Er ist schön, aber auch etwas schwermütig. Oben in der Whatsapp Leiste sehe ich, dass er ununterbrochen online ist. Irgendwie fühle ich mich genötigt zu antworten, das Problem haben wir bei dropbox sonst nicht. Ich bin aber etwas verunsichert. Das Lied ist so…ach was rede ich eigentlich drum herum: Es ist ein Liebeslied.

Vor wenigen Monaten noch hätte mir ein solcher Song ein Bad der Gefühle beschert. Jetzt frage ich mich einfach nur, ob es ihm gut geht. Aber auch das will ich nicht schreiben. Was für eine komische Reaktion wäre das auch, auf einen einfach Song mit der Frage „Gehts dir gut?“ zu antworten. Also schreibe ich, vorsichtig:

Wow, Yaya. Ein sehr schönes Lied.“

„Ja, nicht wahr Ninjaan?“

„Ja, total! Hast du meine Lieder bei Dropbox schon gehört?“ (Ich hatte ihm 2 Wochen zuvor ein Rap Lied geschickt)

Nein! Wann hast du das in den Ordner gemacht?“

“ Vor 2 Wochen oder so?“ 

“ Achsoo! Cool! Danke!“

Dann fällt mir ein, dass vor wenigen Tagen Wahlen im Iran waren und weil wir ewig nicht über Politik geredet haben und ich so „tramalisiert“ im Bett rumliege, frage ich ihn danach.

Hast du gewählt Yaya?“ 

„Nochmal Wart.“

„Warte?“ ( ja, jaa ich bin etwas verpeilt…)

10 Minuten kommt gar nichts. Ich habe das Handy schon zur Seite gelegt und versuche einzuschlafen, als es wieder vibriert.

WTF is going on with u Ninja!!!“ 

Hö? Ich wollte ja eigentlich dito schreiben. Aber plötzlich muss ich lachen. So richtig, dass mir der Bauch weh tut. Da ist er wieder, darf ich vorstellen „grumpy Yaya“ . Mehr oder weniger ohne Zusammenhang taucht er auf, aus dem Nichts und knallt dir irgendwas vor den Latz, weil er gerne etwas streiten möchte. Hätte ich mir eigentlich auch denken können, wenn er mir solche Lieder, was auf eine „komische“ Stimmung hindeuten sollte, schickt. Ich antworte nicht. Wozu auch. Er kommt schon alleine wieder runter. Und wenn wir uns das nächste Mal schreiben oder etwas schicken, hat er es eh wieder vergessen – wie immer.

Ja, vor wenigen Monaten hätte ich geglaubt, dass der Song den er mir schickt eine Bedeutung hat und ich wäre auf sein „WTF“ eingegangen und wir hätten uns wahrscheinlich gehörig angefaucht. Heute berührt es mich nicht. So ist er nun mal. Von mir aus kann er so bleiben, er ist nicht der Mann den ich an meiner Seite haben will und deshalb darf er ruhig auch mal rumzicken, wie so manch eine meiner Freundinnen – aber er kriegt dann auch dieselbe Reaktion: Desinteresse. Ich warte einfach bis der Sturm sich legt.

2 Minuten später bekomme ich eine Nachricht von Amin:

“ Wie geht es dir Ninjaani? Wie sind die Schmerzen? Es tut mir so leid, dass ich nicht bei dir sein kann. Ich rufe dich gleich nach der Arbeit an!“

Ich lächel wieder, diesmal weil mir ganz warm ums Herz wird. Was für ein Glück ich doch habe. Ich hoffe Yaya wird so etwas eines Tages auch mal haben können.

Trotzdem will ich euch den Song nicht vorenthalten, denn eigentlich ist er wirklich schön:

 

Die Zeit für Freundschaft

Es gibt Menschen, deren einmalige Berührung mit uns für immer den Stachel in uns zurücklässt, ihrer Achtung und Freundschaft wert zu bleiben.
Christian Morgenstern

Sie scheint angebrochen zu sein, nach 2 Jahren Gefühlschaos, intensiver Nähe und, scheinbar, unüberbrückbarer Distanz, nach gemeinsamen Leidenschaften und gegenseitig zugefügtem Leid, nach Hoffnung und Enttäuschung, ist sie da, die Zeit für Freundschaft. Rational, von Aussen betrachtet, mag es unverständlich sein, nicht nachvollziehbar. Wie sollte es auch, wo es doch keine rationale Erklärung dafür geben kann. Ebenso, wie in dem Zitat von Christian Morgenstern ganz treffend beschrieben, ist es kein rationaler Grund ( wie: Treue, unerschütterliche Loyalität etc.), sondern einzig und allein der Moment, der Augenblick einer „einmaligen Berührung“, der dieses Verlangen nach Kontakt, Freundschaft, einer Verbindung, nährt und am Leben erhält.

Vielleicht ist Verbindung auch ein wesentlich besseres Wort in diesem Zusammenhang?

Das Verlangen eine Verbindung, trotz aller Umstände, Geschehnisse aufrecht zu erhalten. Nicht aus einer ungestillten Hoffnung heraus oder gar Liebe. Sondern einzig von dem Gefühle geleitet, dass diese Verbindung bestehen MUSS, es sollte, weil alles andere falsch wäre, sich falsch anfühlen würde.

Und ja, das tat es, es fühlte sich falsch an. Nicht nur, weil ich die ersten Wochen noch „gefühlt unsäglichen“ Liebeskummer hatte, sondern weil etwas fehlte. Nichts elementares, aber doch etwas, das in den letzten Monaten, Jahren, zu einem Bestandteil meines Lebens gehörte. Das mich extremen Empfindungen aussetzte, mich bereicherte und inspirierte und nicht selten an  meine Grenzen  brachte.

Als ich mich Anfang des Jahres neu verliebte, so schnell, so heftig, so intensiv, da verschwand der Liebeskummer, weil jemand mein Herz im Sturm erobert hatte. Aber, dennoch blieb da dieses Gefühl, wie Morgenstern es so schön beschreibt, dieser Stachel, der mich drückte, mich immer wieder daran erinnerte, dass etwas nicht stimmt.

Es fehlte die Achtung, die „Freundschaft“ von Yaya.

Nun kommt sie zurück, leise, langsam und war  ich nach dem ersten Gespräch, in dem wir beide unser Bedauern über unser Verhalten, unser „Ende“ ausdrückten, noch sehr skeptisch, empfand ich Erleichterung und Hoffnung. Hoffnung auf jene Verbindung, deren Nicht-Existenz mich bis zuletzt geplagt hatte.

Gestern dann hatten wir unser erstes, intensives Gespräch (Chat). Und da war es, das was gefehlt hatte. Vertrautheit, Gedankenaustausch, der Austausch von Musik, Filmen, Kunst – das Interesse an der anderen Person, der Kontakt. Über Stunden erzählten wir, lachten, meckerten, bombadierten uns regelrecht mit „Fundstücken“. Es hatte mir gefehlt, es hatte ihm gefehlt.

Es scheint gegenseitiger Natur zu sein, das Verlangen eine Verbindung aufrecht zu erhalten, trotz allem was geschehen ist, vielleicht auch gerade deswegen? Aus unerklärbaren Gründen bedürfen wir beide der Achtung und Freundschaft des Anderen. Und weil es gegenseitig ist, ist es gut so. Wir ziehen uns den Stachel, der drückte und manchmal sogar schmerzte und leben unser Leben, jeder das seine, mit dem erleichterndem Gefühl , das es gut ist, genau so wie es jetzt ist.

Manchmal kehrt, im Verhältnis von uns zu einem anderen Menschen, das rechte Gleichgewicht der Freundschaft zurück, wenn wir in unsere eigne Waagschale einige Gran Unrecht legen.
Friedrich Nietzsche, Werke I – Menschliches, Allzumenschliches

 

 

Eine Aussöhnung?

„Wie geht es dir Ninja, alles gut?“

Ich verlasse gerade die Arztpraxis, ich bin völlig übermüdet. Seit Amin fort ist schlafe ich schlecht. Dann vibriert mein Handy, ich hoffe auf eine Nachricht von Amin, wir schreiben uns immer  zwischendurch bei whatsapp. Aber es ist nicht Amin, es ist Yaya. Verdutzt starre ich auf mein Handy und werde erst von meinem Vater hochgeschreckt, der ungeduldig nach mir ruft.

Zuhause angekommen antworte ich ihm. Ich kann das, soweit ohne schlechtes Gewissen tun. Schon als Amin noch hier war, habe ich ihm von der Geschichte erzählt, auch davon, dass mich das „blöde“ Ende so sehr belastet, immer noch, irgendwie. Amin´s Reaktion war toll, weil er toll  ist. Er sagte mir, ich solle ihm doch noch mal schreiben, das klären. Das habe ich nicht getan, nun tut Yaya es selbst.

Ein beruhigendes Gefühl, etwas aufwühlend.

Wir schreiben ein wenig bei Fb. Zwischendurch bin ich unsicher, ob er nicht vielleicht high ist. Aber er fängt sich wieder, wir sprechen, ganz normal. Es tut gut und es tut noch mehr mit mir, als mir Erleichterung zu verschaffen – es bestätigt meine Gefühle zu Amin. Denn so sehr ich mich freue, dass Yaya und ich nach allem noch so schreiben können, scherzen können sogar, so sehr wird mir klar, dass es wirklich nur diese verpasste Chance war und keine unterdrückten Gefühle. Denn ich freue mich nur auf einen, auf Amin. Der Mann, der es geschafft hat, mich träumen zu lassen, von Dingen, von denen ich nicht mal wusste zu träumen.

Eine Aussöhnung ist also möglich, ob es eine Freundschaft auch ist, wird sich noch zeigen…

13_Michaelangelo_Buonarroti_Creazione_di_Adamo_D

Darf das so?

Darf das so sein?

Angesichts unserer begrenzten Zeit, leben und lieben wir, intensiv, mit Hingabe, weil wir wissen, dass unser Abschied in wenigen Tagen eine harte Probe sein wird. Für ihn, für mich, für unsere gerade so frisch erwachten Gefühle. Wir sprechen, viel und lang, über alles das uns bewegt. Über unsere Träume, unsere Ängste, unsere Gefühle. Berührungen werden in Worte gefasst, greifbare Worte. Besonders für uns ist, dass wir keine Mauer zwischen uns errichtet haben, es gibt keine Grenze, die wir scheuen zu überschreiten, nicht aus Furcht. Wir sprechen auch über unsere Vergangenheit, über unsere gescheiterten Lieben, warum sie scheiterten, wir reflektieren und am Ende liegen wir uns in den Armen, das sichere Gefühl, diesmal könnte es anders sein, umhüllt uns wie ein warmer Mantel.

Doch manchmal überkommt uns die Angst, wir könnten zuviel sprechen, zuviel offenbaren und alte Geister könnten geweckt werden, manchmal.

Und dann geschieht es mir. Der Geist kommt zurück, im Traum. Wann habe ich angefangen so zu träumen?

Und dann wache ich auf, schrecke hoch, Amin ist nicht neben mir, er ist schon morgens um 6 mit dem Zug zur Arbeit gefahren, ich wünschte er wäre hier, damit ich ihn umarmen kann, ihm und mir leise beteuern kann, dass es nur ein dummer Traum war.

Wie ein Schatten hängt es den ganzen Tag über mir. Ich bin mir meiner Gefühle für Amin sicher, selten war ich so sicher, mir, meinen Gefühlen, jemand anderem. Und doch, doch bleibt da dieser letzte Gedanke an dich. Weil unser Abschluß so gar keiner war? Weil alles mit Amin so schnell ging? Darf das so sein?

Ich denke etwas an dich, horche in mich hinein. Wenn ich an Amin denke, lächel ich, wenn ich an dich denke verspüre ich Wehmut. Wie von fremder Hand geführt, besuche ich dein FB Profil, und spüre nicht viel als ich dein Foto ansehe. Du hast dein „Coverbild“ geändert. Streetart. Ich liebe Streetart, Banksy, Goin, ich verbeuge mich vor ihnen. Wir haben nie darüber gesprochen, über Streetart, wie über soviel anderes auch nicht. Aber ich hätte gewettet, dass du es genau so magst wie ich. Unter dem Bild, ein Kommentar von ihr, sie mag das Bild nicht. Sie mag streetart nicht.

Und während ich so auf das Bild schaue und dann auf deines und an streetart denke und an uns, dann wird mir klar, dass es die verpasste Chance ist, die noch von meinem Inneren betrauert wird. Die Chance, wirklich Freunde zu sein. Ich bin jetzt glücklich, so glücklich wie selten in meinem Leben. Ich fühle mich stark, stärker als sonst, weil da jemand ist, der mich bestärkt. Und irgendwie, irgendetwas in mir, würde dich gerne daran teilhaben lassen, würde gerne die unbeschwerte Freundin sein, die ich dir immer so gerne sein wollte.

Und so sicher ich mir bin, über meine Gefühle zu Amin, so unsicher bin ich mir darüber, ob das wirklich so sein darf? Darf ich noch an dich denken? Manchmal, wehmütig, nicht weil ich lieber mit dir wäre, sondern weil ich gerne noch etwas mit dir teilen würde.

Tiefpunkt der Freundschaft

Du änderst deinen Kleidungsstil und deine Ausdrucksweise und manchmal sehe ich dich an und du bist mir plötzlich so fremd und ich höre dir zu und verstehe nicht mehr was du sagst. Und ich will dich schütteln und dich anschreien, und betteln, dass du bitte wieder du sein sollst, aber ich schweige. Weil du sagst, dass du so glücklich bist  und das brauchst. Wer bin ich, dir das nehmen zu wollen? Nur, warum weinst du dann so viel mehr als früher?

Du hast deine Gedankenwelt auf den Kopf gestellt und deine Ansichten und Prinzipien über Bord geworfen und manchmal kann ich dir nicht mehr folgen, wenn du erzählst und ich kann dir nicht mehr zustimmen. Und dann will ich dich schütteln und dich anschreien und betteln, das du bitte wieder du sein sollst, aber ich schweige. Weil du sagst, das sei immer so gewesen, das seist du, wie du immer sein wolltest. Wer bin ich also, dir das nehmen zu wollen? Nur, warum hast du dann aufgehört zu lächeln?

Du hast deine innere Balance gegen Unausgeglichenheit eingetauscht und deine Vertrauenswürdigkeit gegen Undurchsichtigkeit und manchmal bin ich damit überfordert und weiss nicht mehr, was ich dir überhaupt noch glauben kann. Und dann will ich dich schütteln und dich anschreien und betteln, dass du bitte wieder du sein sollst, aber ich schweige. Weil du sagst es wäre alles gut, so wie es gerade ist. Wer bin ich dir das nehmen zu wollen? Nur, warum ist dann das Vertrauen zwischen uns so erschüttert?

Du bist mir gegenüber manchmal so feindlich und setzt unsere Freundschaft offenkundig aufs Spiel und manchmal spüre auch ich diese Feindschaft und will unsere Freundschaft einfach hinschmeissen. Und dann will ich dich schütteln und anschreien und betteln, dass du bitte wieder du sein sollst, aber ich schweige. Weil du sagst, zwischen uns kommt nichts und ich bin alles was du hast. Wer bin ich also, dir das nehmen zu wollen? Nur, warum bist du auf einmal nicht mehr alles was ich habe?