Darf das so?

Darf das so sein?

Angesichts unserer begrenzten Zeit, leben und lieben wir, intensiv, mit Hingabe, weil wir wissen, dass unser Abschied in wenigen Tagen eine harte Probe sein wird. Für ihn, für mich, für unsere gerade so frisch erwachten Gefühle. Wir sprechen, viel und lang, über alles das uns bewegt. Über unsere Träume, unsere Ängste, unsere Gefühle. Berührungen werden in Worte gefasst, greifbare Worte. Besonders für uns ist, dass wir keine Mauer zwischen uns errichtet haben, es gibt keine Grenze, die wir scheuen zu überschreiten, nicht aus Furcht. Wir sprechen auch über unsere Vergangenheit, über unsere gescheiterten Lieben, warum sie scheiterten, wir reflektieren und am Ende liegen wir uns in den Armen, das sichere Gefühl, diesmal könnte es anders sein, umhüllt uns wie ein warmer Mantel.

Doch manchmal überkommt uns die Angst, wir könnten zuviel sprechen, zuviel offenbaren und alte Geister könnten geweckt werden, manchmal.

Und dann geschieht es mir. Der Geist kommt zurück, im Traum. Wann habe ich angefangen so zu träumen?

Und dann wache ich auf, schrecke hoch, Amin ist nicht neben mir, er ist schon morgens um 6 mit dem Zug zur Arbeit gefahren, ich wünschte er wäre hier, damit ich ihn umarmen kann, ihm und mir leise beteuern kann, dass es nur ein dummer Traum war.

Wie ein Schatten hängt es den ganzen Tag über mir. Ich bin mir meiner Gefühle für Amin sicher, selten war ich so sicher, mir, meinen Gefühlen, jemand anderem. Und doch, doch bleibt da dieser letzte Gedanke an dich. Weil unser Abschluß so gar keiner war? Weil alles mit Amin so schnell ging? Darf das so sein?

Ich denke etwas an dich, horche in mich hinein. Wenn ich an Amin denke, lächel ich, wenn ich an dich denke verspüre ich Wehmut. Wie von fremder Hand geführt, besuche ich dein FB Profil, und spüre nicht viel als ich dein Foto ansehe. Du hast dein „Coverbild“ geändert. Streetart. Ich liebe Streetart, Banksy, Goin, ich verbeuge mich vor ihnen. Wir haben nie darüber gesprochen, über Streetart, wie über soviel anderes auch nicht. Aber ich hätte gewettet, dass du es genau so magst wie ich. Unter dem Bild, ein Kommentar von ihr, sie mag das Bild nicht. Sie mag streetart nicht.

Und während ich so auf das Bild schaue und dann auf deines und an streetart denke und an uns, dann wird mir klar, dass es die verpasste Chance ist, die noch von meinem Inneren betrauert wird. Die Chance, wirklich Freunde zu sein. Ich bin jetzt glücklich, so glücklich wie selten in meinem Leben. Ich fühle mich stark, stärker als sonst, weil da jemand ist, der mich bestärkt. Und irgendwie, irgendetwas in mir, würde dich gerne daran teilhaben lassen, würde gerne die unbeschwerte Freundin sein, die ich dir immer so gerne sein wollte.

Und so sicher ich mir bin, über meine Gefühle zu Amin, so unsicher bin ich mir darüber, ob das wirklich so sein darf? Darf ich noch an dich denken? Manchmal, wehmütig, nicht weil ich lieber mit dir wäre, sondern weil ich gerne noch etwas mit dir teilen würde.

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Zu gut um wahr zu sein? – Wie könnte es auch anders sein!

Freitag, ich habe kaum geschlafen und ich spüre die Nervosität mit jeder Faser meines Körpers. Abends um halb acht wird er da sein, wie verabredet. Zwischendurch telefonieren wir, es ist als würde er meine Angst und Unsicherheit spüren, die Angst, er könnte einfach absagen. Ich quäle mich den halben Tag – „fertig machen“ auf einem Bein? Das sollte eine olympische Disziplin werden! Immer wieder muss ich Pausen einlegen, bin zu erschöpft.

Kurz bevor sein Zug eintrifft ergreift mich noch einmal die Panik, sehe ich zu „overdressed“ für einen gemeinsamen Kochabend? Sehen meine türkisen Krücken nicht etwas lächerlich mit meinem schwarzen Kleid und dem Spitzen Bolero aus? Aber dann ist es schon zu spät, es klingelt an der Tür.

Bevor er selbst durch die Tür kommt streckt er mir einen Strauß Blumen entgegen. Einen Kopf größer als ich ist erIMAG0556 und, nach meinem Geschmack, wesentlich attraktiver als erwartet. Für den ersten Moment schüchtert mich das ein. Das einzig Gute daran, er ist ebenfalls verunsichert.

Als wir beginnen zu kochen entspannen wir uns, beginnen rumzualbern, lachen gemeinsam und schnipseln fleißig Gemüse. Ich beobachte ihn heimlich, wie er da am Herd steht und redlich darum bemüht ist ein „besonders gutes“ Essen für uns beide zu zaubern, wenn ich über dem Salat gebeugt am Tisch sitze, spüre ich seinen Blick, den er selbst dann nicht abwendet, wenn ich ihn ansehe. Ich fühle mich so gut wie lange schon nicht mehr, ich sagte einmal, dass ich erste Dates hasse – dieses hier, so bin ich mir sicher, wird keines dieser verhassten ersten Dates sein.

Kurz bevor das Essen fertig ist, frage ich ihn noch einmal nach seinem Alter, irgendwie sieht er jünger aus, denke ich. Er holt seinen Reisepass hervor, hält kurz inne, und gibt ihn mir dann. Er ist älter als ich. Ob ich mir all seine Reisestempel ansehen könne, frage ich ihn und lese in seinem Blick eine gewisse Verunsicherung. Er willigt dennoch ein. Ich blättere umher in seinem Pass, versuche die einzelnen Stempel zu entziffern und lande plötzlich bei seinem deutschen Visum. Und mein Kartenhaus bricht in sich zusammen.

Gültig bis 01.03.2013.

Ich schlucke, sehe zu ihm herüber, auch er sieht mich an. Ich muss erstmal meine Gedanken sortieren und so lege ich den Pass mit einem gequälten Lächeln beiseite und erkundige mich nach dem Essen.

Wir haben den Reis etwas „verkocht“, aber das ist okay, es schmeckt toll und es ist alles so schön – zu schön.

Ein Blick auf die Uhr verrät, dass sein letzter Zug schon innerhalb der nächsten Stunde fahren wird. Ich will ihn nicht gehen lassen, ohne es anzusprechen, also nehme ich den Pass erneut in die Hand. Bevor ich etwas sagen kann, setzt er an. Das er nicht wusste wie er es mir sagen sollte und es auch nicht am Telefon tun wollte. Das sein Praktikum hier am 1.März enden wird, er aber hier in DE seinen Assistenzarzt machen will, hier und nirgendwo anders. Und das er es nicht geplant hat, nicht geplant hat jemanden zu treffen, jemanden zu mögen. Und das er glaubt, dass es eine Möglichkeit geben kann, wenn wir beide es wollen.

Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll, aber ich weiß, dass ich nicht möchte, dass er geht. Also bitte ich ihn zu bleiben, einen Zug früh morgens zu nehmen, weil er noch eine Konferenz um 9 Uhr hat. Wir sitzen einfach so da, halten uns im Arm und reden. Ich bin überwältigt von meinen Gefühlen, ich kenne mich so nicht. Aber die Zweifel nagen an mir. Will er nur Spass jetzt? Wird es mir das Herz brechen? Werde ich mich überhaupt weiter emotional darauf einlassen können, wenn so unsicher ist, was du Zukunft bringen kann?

Er wischt immer wieder meine Zweifel weg, hält mich nur im Arm, sein Kopf an meinen gelehnt. Es fühlt sich so gut an, zu gut.

Irgendwann legen wir uns aufs Bett, halten uns im Arm und küssen uns das erste Mal. Ich zittere und er drückt mich fester an sich. Ich fühle mich wie in einem Bollywood Film – aber das Leben hat selten ein Happy End. In voller Montur schlafen wir irgendwann ein und werden erst von meiner Mutter geweckt (per Telefon natürlich), die uns daran erinnert, dass wir ein Taxi vorbestellt haben. Er geht und ich liege mit meinen Zweifeln allein im Bett – hellwach.

Noch während er im Zug ist ruft er mich an, wir reden und unser Gespräch dreht sich zum größten Teil um meine Zweifel – wir drehen uns im Kreis. Wenn wir etwas versuchen wollen, dann wird das so nicht gehen. Aber kann ich überhaupt soviel vertrauen? Kann ich mich so einlassen? Ist es das Risiko wert? Ich weiss es nicht…ich weiss es wirklich nicht. Aber es ist typisch für mein Leben – es war so offensichtlich „zu gut um wahr zu sein“!

 

Mittagspausen Sms

Ready for vacation bangal ninja?

Ganz so ready bin ich nicht, es sind ja immerhin noch 27 Tage, aber dennoch: schön, dass du an mich denkst yaya, wenn auch nur manchmal, dann aber doch in deiner Mittagspause. Und das sollte doch was heissen oder? Nichts großes natürlich, dass ist keine Liebeserklärung. Nein, dass sicher nicht! Doch ich wage zu hoffen, anzunehmen, dass ich doch nicht niemand für dich bin, dass du mich auch ohne körperlichen Kontakt in deinem Leben willst, nicht aufgrund romantischer Gefühle, sondern weil du mich doch zu schätzen weisst. Weil deine bösen Nachrichten tatsächlich nur kamen, weil du „on fire“ warst und nicht, weil du es wirklich so meinst. Das macht sie nicht besser, deine Worte nicht weniger schlimm, aber es zerstört uns auch nicht.
Dich in meinem Leben, als Freund, Vertrauten, das erscheint mir viel und zugleich so wenig, gemessen an meinen Gefühlen. Aber es gibt noch so viele Gedanken, so viele Themen, so viel, dass ich von dir lernen möchte – ich lasse mich gerne darauf ein – und irgendwann, bald vielleicht, sehe ich auch nicht mehr, mehr in dir, als du zu geben bereit bist.

Nähe

Stück für Stück, leise, langsam, kommst du mir wieder näher.

Eine Nachricht hier, eine Nachricht da. Aus kurzen Mails werden Gespräche, aus einem Lächeln wird ein Lachen. Aus Unsicherheit und Wut wird Sehnsucht. Du fehlst mir. Mit jedem Lied, jedem Wort ein wenig mehr. Aus zögerlichem Humor, werden wieder Späße die nur du und ich verstehen, entsteht Vertrautheit.

Es ist nicht vorbei, sie sind noch da, die Gefühle für dich. Eine Ewigkeit haben wir uns nicht gesehen, aber noch weiß ich wie deine Haut riecht, wie du lachst, wie du deinen Blick senkst, wie du morgens schaust, wenn ich dir die Bettdecke vom Gesicht ziehe.

Wenn du zurück kommst, weil du glaubst es wäre vorbei, ich wäre geheilt, dann muss ich dir leider sagen, dass die einzige Heilung für mich, ein endgültiger Abschied von dir ist. Aber noch, vielleicht noch für sehr viel länger, bin ich lieber unheilbar erkrankt.

Du musst mir nicht nah sein, wenn du gehst, werde ich dir nicht folgen. Nicht, weil ich mich nicht vor Sehnsucht nach dir verzehren würde, sondern weil das Loslassen meine „Königsdisziplin“ ist.

Doch du gehst nicht, du hast deinen Fuß in die Tür gedrängt und nun beginnst du sie langsam zu öffnen – ist dir wirklich klar, was du da tust?

„We are so different, Yaya!“ – „So? Does this difference bother u? (Gespräch im letzten Herbst)

Es sind nicht unsere Unterschiede – aber die Nähe. Was können Unterschiede bewirken, wie könnten sie belastend sein oder verletzen, wenn man sich nicht zu gleich so nah ist? Wenn man, trotz aller Verletzungen, nicht von einander lassen kann?

Wir sind nicht gleich, aber uns nah. Irgendwann musst du dich entscheiden, weil ich mich schon längst entschieden habe – für dich.

Nichts bleibt wie es war

B.

Als ich ihn vor Jahren auf der Arbeit kennenlernte, verliebte ich mich in ihn. Nicht weil er schön war, nicht weil er außerordentlich gebildet oder selbstbewusst war. Ich verliebte mich in ihn, weil er er war. Weil er besonders war. Er war der mit Abstand liebevollste, freundlichste und zärtlichste Mensch den ich jemals kennengelernt hatte. Nur deswegen ließ ich mich überhaupt so schnell auf eine Beziehung mit ihm ein. Ich war überwältigt von seiner Art. Von Anfang an herrschte zwischen uns ein tiefes Vertrauen, ein Band der Freundschaft gepaart mit inniger Zuneigung. Wir stritten niemals wirklich, konnten uns aufeinander verlassen. Jeder Tag mit ihm war schön, neu, aufregend und zugleich sicher. Ja, Sicherheit, ich vertraute ihm. Das erste Mal in meinem Leben war ich nicht mißtrauisch, habe nicht gezweifelt. Meine Freunde liebten ihn, er liebte sie. Innerhalb kürzester Zeit war er ein fester Bestandteil meines Lebens. Niemals war ich mir sicherer den Richtigen gefunden zu haben.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich auch nach all den Jahren, nachdem wir auseinander gerissen wurden, noch an ihn gedacht habe, er mir gefehlt hat und ich Angst hatte, Angst vor dem Moment, an dem wir uns wieder begegnen würden.

Als wir uns nun vor knapp einem Monat wiedersahen, waren all diese Gefühle wieder da, die Trauer, die Zuneigung, das Vertrauen, der Wunsch, dass es niemals geendet hätte, jedenfalls nicht so. All das hat mich schwach werden lassen. Eigentlich, nein nicht eigentlich, sondern tatsächlich habe ich starke Gefühle für jemand anderes. Jemanden der völlig anders ist als B.. Yaya ist selbstbewusst, gebildet, sanft und hart zur gleichen Zeit. Er ist verschlossen, B. dagegen ein offenes Buch.

Und trotz meiner Gefühle für Yaya, konnte B. mich so sehr berühren, mich schwach werden und gegen meine Prinzipien verstossen lassen.

Yaya ist der geheimnisvolle, jeder Moment mit ihm war berauschend, extrem, auf die eine oder andere Art.

B. ist der ruhige, sichere, mit ihm ist es wie das Ankommen, ruhig, bedacht, ohne Extreme.

Dieser Unterschied, die Erinnerungen, die auf Eis gelegten Gefühle, alles auf einmal brachte mich dazu, ihn wieder zu treffen. Noch einmal dieses Sicherheit fühlen… nur noch einmal. Den Moment genießen, sich erinnern, fallen lassen und aufgefangen werden.

Aber ich habe nicht bedacht, nicht in Erwägung gezogen, dass die Zeit uns verändert. 4,5 Jahre sind eine ganze Zeit. Auch ich habe mich verändert, ich kann schwer sagen in welchem Maße, aber jetzt, nach einem Monat sehe ich B.´s Veränderung.

Selbstlos war er einmal, immer bedacht auf das Glück der Anderen, niemals sagte er verletzende Worte – ich habe immer bezweifelt, dass er das überhaupt könne, verletzend sein. Nun ist er anders, kühler, nicht unbedingt mir gegenüber, aber ich sehe seine Einstellung und höre seine Erkärungen “ Das Leben hat mich so gemacht Ninjaan! Willst du mir das vorwerfen? Ich war immer lieb und nett, was habe ich bekommen?“

Du bist noch so jung B., jünger als ich. Du bist verbittert, hart in deinen Urteilen, selbstsüchtig in deinen Taten. Du willst nicht verletzen, aber du tust es, gut, du bist selbst verletzt, aber das ist eine schwache Ausrede. Denn am Ende des Tages, am Ende unseres Lebens, sind nur wir selbst verantwortlich, für das was wir tun. das Schicksal drängt uns in die eine oder andere Richtung, aber noch, noch können wir uns auflehnen, uns dagegen stemmen, nur der Tod ist für die Ewigkeit. Wenn wir uns treiben lassen, niemals kämpfen, dann können wir das nicht den Menschen um uns herum vorwerfen.

Ich bin schockiert, von vielen deiner Worte, deiner Taten. Ich kann es nicht fassen. Bist du das? Warum hast du nur zugelassen, dass das Leben so etwas aus dir macht? Ich will meine Augen davor verschließen, ich will dich so nicht sehen, ich will nicht sehen, dass du dich so verändert hast. Aber du drängst mir dein neues Ich geradezu auf, zeigst es mir in allen Facetten und nur manchmal, ganz manchmal bist du der, den ich vor all den Jahren kennengelernt habe.

Ich sollte ihn gar nicht treffen, ich tue damit unrecht, jemanden, einer Frau, die mir nichts getan hat. Aber auch ich bin selbstsüchtiger geworden, ein kleines bisschen Glück hatte ich mir gewünscht, ein kleines bisschen Freude in dieser, meiner, unbeständigen Zeit. „Es ist so schön dich mal wieder wirklich Lachen zu sehen!“ hatte mein Kollege vor kurzer Zeit zu mir gesagt, nachdem B. sich von uns verabschiedet hatte. Der Kollege weiss, dass wir einmal zusammen waren, er schweigt zu all dem, obwohl er sicher mehr weiss, als mir lieb ist.

Ich wollte nur einen Moment des Glücks genießen, mit jemandem der mich einst so glücklich gemacht hat. Aber wieder einmal muss ich schmerzlich erkennen, dass man die Zeit nicht zurückdrehen kann. Nichts bleibt wie es war, niemand bleibt wie er war. Und etwas unrechtes, kann sowieso niemals glücklich machen.

Letzte Nacht rief B. mich an, ich hatte wenige Stunden vorher gesagt, dass ich so nicht weitermachen könne, wegen mir nicht, wegen dem Unrecht, dass wir damit tun nicht. Er rief mich an und war seltsam. Nach wenigen Minuten gestand er mir, dass er getrunken habe. In seinem ganzen Leben hatte er noch niemals Alkohol angerührt, nun war er betrunken und rief mich an. Ich hasse Alkohol, rühre ihn nie an, ich bin da familiär vorbelastet. Ich ertrage es selten, einige Menschen sind erträglich wenn sie getrunken haben, aber nur sehr wenige.

Yaya, er ist erträglich, er ist dann wie ein kleiner Junge, lieb, verletzlich. Ausgerechnet B. ist es nicht, er ist selbstgefällig und hart. Ich ertrage kaum  mit ihm zu sprechen. Aber irgendwie fühle ich mich verpflichtet, warum hat er denn gerade an diesem Tag getrunken? Ich quäle mich durch das Gespräch und spüre wie meine Erinnerungen, diese wundervollen Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit, zu verschwimmen drohen. Wo bist du B.? Wo hast du dich verloren?

Ich muss  mir eingestehen, wir haben uns schon lange verloren. Dieser klägliche Versuch von uns, wiederzubeleben, was lange schon nicht mehr ist, weil wir beide verletzt und einsam sind, ist gescheitert. Führen wir es nun weiter, verlieren wir unsere Erinnerung. Ich will sie nicht verlieren.  Vielleicht wäre es heldenhafter, tugendhafter von mir gewesen, es niemals einzugehen, weil ich das Moralische hochhalte, aber es wäre gelogen. Ich beende es, weil es nicht ist, wie es war, weil es zerstört was war. Und sehe ein, dass etwas Verwerfliches, niemals rein sein kann.

Lebwohl B.

 

(Vorgezogene) Retrospektive September 2011

Ich überspringe in meiner Erzählung  nun einen Teil, den vielleicht wichtigsten Teil. Die Beschreibung des Moments, als sich meine Kälte in etwas verwandelte, das Andere vielleicht leichthin „Liebe“ nennen würden, ich aber lieber nur „das Gefühl“. Ich bin nicht in der Lage darüber zu schreiben, nicht jetzt, nicht heute und nicht morgen, aber irgendwann. Weil ich den „Tag des Vergessens“ eingeläutet habe. Weil ich beginnen will, dieses „Gefühl“ los zu werden – das geht nur, wenn ich mich nicht an den Anfang erinnere, sondern nur, wenn ich mich an all das erinnere, was uns dorthin geführt hat, wo wir jetzt stehen – am Ende des Weges, unseres Weges.

Erinnerst du dich, Yaya? Als ich Abstand wollte? Als ich mich von dir zurückzog? Als ich dir sagte, wir könnten uns die nächsten Wochen nicht sehen? Du warst verwundert, dachtest ich könnte denken, du hättest ein rein „körperliches“ Interesse an mir. Wie sehr schienst du darum bemüht mir das Gegenteil zu beweisen! Du hast es mir damit so unendlich schwer gemacht, so unendlich schwer mir selbst zu glauben. Ich habe gekämpft, mit aller Kraft, gegen dieses Gefühl, gegen die Erinnerung an deinen Duft, ich war bereit alles zu tun, nur damit es nicht überhand nimmt, um nicht zu zerstören was wir hatten – weil doch alles gut war, zu gut vielleicht?

Deine Worte waren sanft, deine Bemühungen zaghaft, ich stemmte mich dagegen, als würde meine letzte Bastion zu fallen drohen. ich war verletzend, abweisend und konnte doch nicht von dir lassen, wie verwirrend war mein Verhalten für dich? Hast du es geahnt? Hättest du getan, was du getan hast, wenn du es geahnt hättest – oder hast du es gerade deswegen getan?

Ich wollte dich von mir stoßen, mal vorsichtig, mal mit aller Gewalt, ich wollte Distanz. Ich glaubte, es wäre so leichter für mich, ich rechnete mit vielem, mit fast allem, mit deiner Wut, deiner Ignoranz, deiner Abweisung, nichts geschah. Ich war kurz davor aufzugeben, einzusehen, dass ich nicht aufhalten kann, was unlängst begonnen hatte. Du warst im Ausland, ein Kurzurlaub, 10 Tage sagtest du. 10 Tage für dich, eine Ewigkeit für mich. Du meldest dich nur kurz nach der Ankunft, ein einziges Mal zwischendurch, weil du glaubst ich hätte jemand Anderen kennengelernt, ein Missverständnis, ich sehe in deiner Reaktion so etwas wie Eifersucht und beginne zu hoffen – auf mehr, auf alles was gar nicht sein sollte.

Das Mißverständniss belastet auch nach deiner Rückkehr unseren Kontakt, ich bin blind, immer noch hänge ich dem Glauben an, es wäre Eifersucht, du hast es nie dementiert. Dann jedoch, geschieht etwas mit dem ich nicht gerechnet habe, ich werde einer Sache gewahr, die ich niemals vorher beachtet habe. Unser Kontakt war so eng, so intensiv, warum hätte ich jemals auf etwas anderes achten sollen, als auf das, was du mir sagst, mir erzählst? Ich hatte nie einen Grund! Wie so oft im Leben, wird auch mir die hässliche Wahrheit auf einem Silbertablett serviert. Das Silbertablett ist ein „social network“ und die hässliche Wahrheit? Das ist SIE . 

Sie, die gar nicht hässlich ist, die mir nie vorher aufgefallen ist, weil ich dir einfach nicht „nachspioniert“ habe. Sie ist plötzlich da, kommentiert ein Foto von dir von deiner Reise, stolz, sie hat es geschossen. Ich kann es nicht fassen, bin wie gelähmt und reagiere nicht auf deine Nachrichten, drei Tage lang. Ich muss nachdenken, meine Gefühle sortieren, den Schmerz loswerden, irgendwie! Dann der nächste Schock, sie teilt ein Video auf deiner Seite, ein altes, glückliches Ehepaar, mit dem Kommentar dazu, dass sie hoffe, ihr könntet auch einmal so sein, er würde morgens genauso „gähnen“ wie du und sie wisse, dass sie ihr Temperament zügeln müsse.

Immer und immer wieder lese ich ihre Worte, dann packt mich der Wahn, der „Stalkerwahn“, ich durchforste deine Bilder, deine Pinnwand, überall ist SIE! Warum ist sie mir nie aufgefallen? Wie konnte ich das übersehen? Sie schreibt dir Liebesschwüre, Komplimente wo man nur hinsieht – du lässt sie immer unkommentiert.

Daraufhin reden wir viel, das haben wir immer getan, wir diskutieren, werfen mit Worten und Moral um uns, als gäbe es sie im Duzend billiger – aber wir klären niemals wirklich, was geklärt werden muss. Unsere Sprache ist blumig, wir umschreiben, beschreiben, verurteilen, verletzen und vergeben, aber niemals sprechen wir etwas direkt an. Das war schon immer unser Fehler. Diesmal kämpfst du, darum dass es nicht endet, dass unser Kontakt nicht abbricht, obwohl wir keine weiteren Treffen planen – ging es dir wirklich um Freundschaft, um mich? Ich werde es nie erfahren.

Sie war lange vor mir da, sie ist irgendwann gegangen und doch bleibt sie präsent und wahrscheinlich wird sie das noch lange sein – sie ist eine Kämpferin – ich bin es nicht. Ich kündige unsere Verbindung im „Social Network“ auf – weil ich nichts mehr sehen will, nicht stalken will, nicht leiden will. Wenn ich ehrlich bin, weil ich vergessen will, weil ich an dir hänge, weil ich dich brauchte, Yaya. Ich verdränge, ignoriere und am Schlimmsten, ich weigere mich zusehen, dass dieser Bruch, den Anfang vom Ende bedeutete, alles was danach geschah, war niemals so frei und unbeschwert.

Ich erinnere mich an deine Worte, nach meinem dramatischen Vorwurf “ the only bound between u and me is sex – after that, nothing will remain!“ , du sagtest: “ That´s not true! Ninjaan, if u think if we have no sex nothign remains, ok we wont have anymore  and u see that if i accept someone as a friend i can behave like that…i like you! you are a very kind girl , really different from others, honestly! i respect u and u shouldnt see my behaviour as a bad thing! if u know how i am normally, u will know!  but i have contact with u more than my own friends some times! i dont write with any body else, is that hard for me t write? its not a good discussion really, i never like to be in this situation…“

Was ist uns nun geblieben, Yaya? Nach 4 Monaten ohne Treffen, nach nahezu 5 Monaten ohne Sex, weil die letzten Treffen so schwermütig, so traurig waren? Was uns bleibt, ist immer weniger – ich bin nicht sie, ich bin keine Kämpferin. Wenn ich gehe, schaue ich nie zurück – ich bin kurz davor zu gehen.

Retrospektive August 2011

Ich sagte dir, dass wir uns nicht sehen können, den ganzen Monat nicht. Als Vorwand benenne ich das Fasten im August – ich brauche Zeit, Zeit um dieses Gefühl abzustellen. Du warst verwirrt, deine Reaktion darauf war fast schon süß:

„Dear , is it forbidden to meet in ramazan even if we promise to avoid SIN?”

Ich gehe nicht darauf ein, bei deinen Worten hat sich das komische Gefühl bemerkbar gemacht, ein Ziehen in meinem Brustkorb. Du wolltest mich sehen – so ganz ohne alles? Du hast Respekt davor das ich faste, du hättest nichts versucht, da bin ich sicher. Aber es geht gar nicht darum, wir sind ja im Grunde „abgesichert“ – ich will dich einfach nicht sehen, nein das ist gelogen, ich will, aber ich darf nicht.

Da ich nicht regiert habe, bleibst auch du still, du fragst nicht mehr nach einem Treffen, aber du bist präsenter als jemals zuvor. Jeden Tag schreiben wir Sms oder skypen. Du hast immer etwas zu erzählen, als würdest du meinen Distanzierungsversuch doch wahrnehmen, als würdest du ahnen, dass dieser Monat nur eine Ausrede ist, kommst du mir immer näher und näher, auch ohne in meiner Nähe zu sein.

Du hängst dich rein, bist bemüht, aufmerksam und manchmal sogar ein kleiner Schmeichler. In dieser Zeit entstand auch mein Name „Ninjaan“ , nur einer von vielen Kosenamen, die du mir in dieser Zeit gabst. Ich bin beeindruckt, will mich zurückziehen, aber das Gefühl lässt mich nicht, es lässt mich kaum atmen, die Sehnsucht nach dir ist so groß, aber ich frage dich nicht, ich bleibe stur.

Manchmal ist mir deine liebevolle Art, deine Aufmerksamkeit fast zu viel, dann werde ich launisch und abweisend, aber du lässt dich nicht aus der Ruhe bringen. Bei einer kleinen Auseinandersetzung in Skype gehe ich unvermittelt offline, ich bin so emotional bei dir, im positiven ebenso wie im negativen Sinne. Deine Antwort darauf:

„Did u sleep? I was kissing u…“

Mein Herz zieht sich zusammen, ich musste lächeln und  bin mit dem Handy in der Hand eingeschlafen, weil ich nicht aufhören konnte deine Worte zu lesen.

Wenige Tage später sitze ich mit SK nachts bei Burger King, das erste Mal erzähle ich ihm von dir, von uns, von dem was wir haben. Ich bemühte mich betont cool zu wirken „nur Spass“ ist es und dann noch besonders „perfekter Spass“ und wir mögen uns – Ende der Geschichte. Schon damals hat SK mich müde belächelt – perfekt ist es nur, wenn da mehr ist, lautet seine These. Während ich mich dagegen wehre, ihm erzähle, dass weder ich noch du eine Beziehung wollen, bekomme ich plötzlich eine Sms von dir.

„Arent u there? U slept? I have just arrived from work…”

SK riss mir das Handy aus der Hand, grinste breit und sagte nur:” Ja KLAR! Ihr habt nur Spass – warum schreibt er dir dann mitten in der Nacht wo du bist? Will er sich treffen? Wenn nicht, dann ist das hier nicht nur „Spass“! “ Ich nahm ihm das Handy weg und schüttelte beleidigt den Kopf, der hat doch keine Ahnung!

Einen Tag später schreibst du mir bei Skype, ob du mir etwas sagen dürftest, auch wenn es jetzt, in diesem Monat etwas unangebracht wäre.

Ninjaan: hö? About what did you think?

Yaya:  haha

Ninjaan:  yalla tell me

Yaya:  i dont know if talking about sex is also haram in ramazan 😀

Ninjaan: I will survive. You  thought about sex? And what exactly?

Yaya:  that u are too good…

Ninjaan:  thanks… I dont know if thats what should be said…but sounds like a compliment somehow..

Yaya: of course it is

SK´s Worte kommen zurück in meinen Kopf „etwas Perfektes ist niemals nur Spass“….VERDAMMT! Das muss aufhören – warum hörte es denn nicht einfach auf, Yaya?

Daily Soap Alarm?

Was ist hier los? Mein Leben verkommt zu einer Daily Soap! Alles ist ein Drama, diese Dramen ziehen sich wie Kaugummi in die Länge  UND es tauchen plötzlich „totgeglaubte“ wieder auf! Das geht hier doch nicht mehr mit rechten Dingen zu!

Wir haben gegrillt, auf der Arbeit, es gab Bratwürstchen, Djujeh Kabab (Hähnchenspieße mit Safran), Kabab Spieße mit Hack, selbstgemachten Bulgursalat und eine riesige Schüssel selbstgemachtes Zaziki. Alles lief wie geplant, einer der Jungs stand ewig mit mir in der Küche um die Spieße vorzubereiten, es war voll draussen, obwohl die EM schon angefangen hat – ein kleiner Erfolg, wobei: Essen ist immer ein Magnet 😉

Irgendwann hörte ich einen meiner Kollegen laut mit jemandem lachen und scherzen, die andere Stimme kam mir ebenfalls bekannt vor, es war eindeutig keiner unserer Jungs. Ich ging hinaus, um nachzusehen und wäre am liebsten wieder rückwärts zurück ins Gebäude gestürmt. Da stand niemand anderes als mein Exfreund (eigentlich mein Ex, Exfreund). Klingt erst mal nicht wie eine große Sache oder? Andere laufen ihren „Exen“ ständig über den Weg. Stimmt, ich verfalle auch nicht in Panik, wenn ich meinem letzten Freund begegne, oder meinem ersten Freund, bei diesem hier ist das alles aber etwas anders!

Wir waren nur ein halbes Jahr zusammen, hatten uns vor 5 Jahren auf der Arbeit (eben dieser wo ich heutzutage Chefin bin) kennengelernt, und im Gegensatz zu meinen anderen Beziehungen endete diese katastrophal. Katastrophal, weil sie eigentlich wundervoll war, 6 Monate perfektes Glück, das erste Mal glaubte ich, wirklich einen Partner gefunden zu haben, alles lief toll, sogar ich war gar nicht so „verrückt“ wie sonst.

Dann, eines Tages kam das Unfassbare, er stand vor mir und sagte mir, dass seine Familie unsere Beziehung nicht länger dulden würde, sie ein Mädchen gefunden hätten und wenn er diese nicht heiraten würde, müsste er gehen, dann wäre er raus, für immer. Ich dachte immer so etwas würde nur in Filmen geschehen, so etwas passiert nicht wirklich, jedenfalls nicht mir! Aber es passierte mir, 2 Wochen verabschiedeten wir uns, es war ein Albtraum. Ich bat ihn nicht einmal zu bleiben, wir waren erst 6 Monate zusammen! Wie kann ich da  jemanden bitten seiner Familie den Rücken zu zukehren und bei mir zu bleiben – und war ich überhaupt soweit?

2 Wochen saßen wir weinend in meiner Wohnung, die er vorher liebevoll renoviert und eingerichtet hatte, 2 Wochen lang, dann war es vorbei. Ich wollte den Kontakt abbrechen, ich konnte nicht warten bis er mit ihr verheiratet war, schon gar nicht weiter mit ihm Kontakt haben, wenn er es erst einmal war. Es fiel mir schwer, ihm noch schwerer. Ich ging irgendwann nicht mehr ans Telefon, es war alles zuviel für mich. Als ich einige Wochen nichts von ihm hörte, wurde ich unruhig, ich rief ihn an – sein Handy war aus! Erst Tage später rief er mich zurück, seine Stimme klang matt. Er sagte nur, dass er jetzt verheiratet sei, ob es mir gut gehe und ob er etwas für mich tun könne. Ich war sprachlos, geschockt, so schnell hatte ich nicht damit gerechnet, ich legte einfach auf.

Danach haben wir uns 1 1/2 Jahre nicht gesehen, ich habe es vermieden irgendwo hinzugehen wo er sein könnte, ich hörte nur hin und wieder, dass er sich nach mir erkundigte. Irgendwann lernte ich meinen letzten Freund kennen und plante mit ihm nach Berlin zu ziehen, weil ich dort einen Job bekommen hatte. Alles war wieder gut, ich dachte kaum noch an den Anderen, als er plötzlich, an meinem letzten Arbeitstag, im Jugendzentrum auftauchte, irgendwer hatte ihm gesagt, dass ich gehe. Dieses Treffen war so verstörend wie zu erwarten. Wir standen uns lange schweigend gegenüber, dann weinten wir, beide. Wir redeten uns Mut zu, dass alles gut werden würde, dass wir glücklich waren und es sein würden, dass es eben so sein sollte und nicht anders. „Du bist die Eine und ich war ein feiger Idiot. Bitte vergib mir….vergib mir irgendwann!“ Wir umarmten uns, ich hatte ihm längst vergeben, alles hatte so sein sollen, was wäre aus uns geworden, wenn wir gezwungenermaßen, mit so einer Last auf den Schultern, zusammen geblieben wären?

Ich zog nach Berlin, hatte eine Beziehung, war sogar verlobt, hin und wieder hörte ich von Freunden, dass er sich nach mir erkundigt hatte, dass er immer wieder und wieder sagte, dass er es so sehr bereue.

Ich trennte mich nach fast zwei Jahren Beziehung, zog aus Berlin zurück und sah ihn nicht wieder, aber weiterhin wurde mir von Freunden etwas übermittelt, kleine Nachrichten. Ich hatte mich daran gewöhnt. Seit ich in dem Jugendzentrum arbeite, habe ich eigentlich darauf gewartet, dass er kommt. Hier haben wir uns kennengelernt, ich wollte ihm zeigen, was ich alles daraus gemacht habe – aber er kam nicht, bis gestern nicht. Und ich, die sich gewünscht hatte, er würde kommen, wünschte nun er hätte es nicht getan.

Noch immer ist da etwas zwischen uns, noch immer ist es sehr emotional. Wir sehen uns an, mit Tränen in den Augen, er ist verheiratet, hat mittlerweile einen Sohn. Wie eine Wand steht das zwischen uns. Er blieb den ganzen Abend, wir saßen oft zusammen, die Melancholie zwischen uns war auch für meine Kollegen spürbar und man ließ uns alleine, nur manchmal kamen Jugendliche rein, die uns mißtrauisch beäugten – aber nicht wussten was los war.

„Können wir später reden?“ vor dieser Frage hatte ich Angst gehabt, aber ich habe geahnt, dass sie kommt. Ich wollte nein sagen, weil er verheiratet ist, weil es irgendwie verstörend ist ihn zu sehen. Vielleicht, weil wir uns damals auf so eine Weise getrennt haben? Vielleicht weil wir gar keine Chance bekommen haben, uns „normal“ zu trennen weil es nicht passt, sondern weil wir auseinander gerissen wurden? Ich schaffte es nicht nein zu sagen. Wir saßen stundenlang im Auto, versteckt, keiner sollte es sehen (sein Neffe ist auch noch einer meiner Jungs!) und haben geredet. Manchmal hätte ich fast geweint, manchmal war ich wütend. Wir sagten alles, was man sagen kann. Und er sagte noch alles, was ein Mann, der seine Frau nicht liebt, sie aber nicht verlassen will, sagt.

„Du bist die Eine…das warst du immer…du weisst das.“ Nein, ich weiss gar nichts! Ich habe ihm gesagt, dass ich verliebt bin, in jemanden, der mich nicht liebt, dass ich das alles nicht kann, weil er verheiratet ist, dass ich Moralvorstellungen habe, die ich nicht aufgeben will. Er hörte zu, nickte, strich mir übers Haar und hielt meine Hand. “ Verschwende deine Liebe nicht an jemanden, der dich  nicht auch liebt!“ – “ Darum werde ich sie auch nicht an dich verschwenden!“ Er lächelte gekränkt.

5 Stunden saßen wir da, redeten über alles, über früher, über heute. Darüber, was hätte sein können, wenn wir uns anders entschieden hätten. Die ganze Zeit hielt er meine Hand, es war so fremd und doch so vertraut. Irgendwann umarmte er mich, küsste mich, ich wand mich ab. „Ich will das nicht! Das geht nicht! Du hast mich verlassen für sie! Du kannst nicht so tun als wäre nichts gewesen die letzten  5 Jahre! “ Er entschuldigte sich leise, rückte ein Stück weg von mir: “ Ich…ich kann nicht anders wenn ich bei dir bin. Entschuldige, ich weiss du willst das nicht – aber es ist immer noch da! Fühlst du es nicht auch?“ 

„Du klingst wie ein verheirateter Mann aus so einem Kitschroman, der seine Geliebte beruhigen will!“  Er sah aus dem Fenster, ob meine Worte ihn getroffen haben oder ob sie tatsächlich den Nagel auf den Kopf getroffen haben, vermag ich nicht zu sagen. Nur, dass ich kurze Zeit später nach hause fuhr, völlig verwirrt. Beim Abschied sagte er nur, dass er mich anrufen würde, dass er nicht aufhören könnte jetzt, solange, bis ich ihm eindeutig sage, dass ich keinen Kontakt will. Ich habe nichts dazu gesagt, aber ich weiss, dass ich das noch muss.

Als ich zuhause ankomme, den Laptop hochfahre, um zusehen, ob Kat noch wach und online ist, bekomme ich eine Nachricht bei Skype. Einen Smiley und die Frage wie es mir geht, von YAYA! Mir ist danach zu weinen, aber es geht nicht, ich würde sowieso aus reinem Selbstmitleid weinen. Warum läuft bei mir immer alles so chaotisch? Warum immer alles auf einmal?

Ich habe Yaya nicht geantwortet, ich weiss nicht mal warum er das gerade macht? Ich glaube eher es ist der lustige Drehbuchautor, der meine Soap etwas kitschiger, etwas unfassbarer gestalten will und alle anderen handeln nur wie Marionetten.

Ich hoffe ich muss heute Arbeiten, in wenigen Stunden wollten sie mich anrufen, um mir Bescheid zu geben ob ich noch eine 24 Std. Schicht am WE machen soll – das wäre wundervoll…ganz weit weg, ohne Skype und ohne die Chance, dass Er (nennen wir ihn mal B.) vor meiner Türe steht.

Kann ich aus dieser bescheuerten Daily Soap aussteigen? Möchte jemand meine Rolle übernehmen? Bewerbungen bitte an:

http://www.whocaresaboutninjas.com

Einen Moment noch…

Gelähmt – dieses Wort beschreibt meinen derzeitigen Zustand wohl am ehesten. Ich fühle mich wie gelähmt oder vielleicht doch eher wie in Trance? Irgendwie habe ich diesen Arbeitstag überstanden, einen gebuchten Kindergeburtstag organisiert, von Anfang bis Ende, ich habe gelächelt, Witze gemacht, Kinder zum Lachen gebracht und Müttern ein zustimmendes Lächeln geschenkt, wenn sie mir von ihren Sorgen erzählten. Ich habe mit einem Kollegen gescherzt, Tränen getrocknet, einen Muffin hinunter gewürgt, der mir als kleines Dankeschön gereicht wurde. Ich habe mit der Wochenabrechnung begonnen, eine Projektbeschreibung vervollständigt, Emails verschickt und unsere FB Seite überarbeitet.

In diesen Stunden habe ich so einiges getan, aber nichts davon bewusst. Ich habe gelächelt, geschwiegen, gesprochen, getröstet, gerechnet und geschrieben und nichts von dem was ich tat hat mich in irgendeiner Weise berührt, alles lief automatisch. Ich funktioniere noch.Eigentlich ist das gut, schlimm wird es erst, wenn auch das nicht mehr geht – wobei ich wenige Augenblicke in meinem Leben hatte, in denen wirklich nichts mehr ging. Alles geht noch – nur fühlt es sich nicht danach an. Dabei muss ich an den Titel des Songs denken, der gerade im Hintergrund läuft “ A river flows in you“  (Yiruma),  in mir ist es eher ein Rinnsal, aber auch der bewegt sich irgendwie.

Es geht immer weiter, irgendwie, alles endet mal, irgendwann. Das alles tröstet mich jetzt nicht, weil ich mich leer fühle, ausgelaugt. Alles ist nicht so, wie ich es mir gewünscht, erhofft hatte, nichts von dem, für das ich mir überhaupt etwas erhofft hatte. Ich fühle mich wie in einer Sackgasse, ich will raus, aber ich weiss nicht wie. Fortgehen, würde helfen, wenn ich nur endlich einmal eine Nachricht, eine Antwort bekommen würde, ob oder ob nicht?! Ich muss raus, um zu ändern, was sich hier nicht ändern lässt. Neu anfangen, weil das Weiterführen von dem was ist, mir so sinnfrei erscheint.

Und ich muss weg von ihm, schnell, bald, wenn dieses Gefühl mir nichts als Lähmung bringt, nichts als Trauer, die so tief sitzt, dass sie nicht heraus kommen mag, was würde es mir noch bringen?

„Why do you love, if you get nowhere by doing so?“ – Vor etwas einem Jahr hatte er mich das gefragt. Ich sagte damals, das man um der Liebe willen liebt, nicht weil man etwas erwartet. Ist das wahr? Vielleicht nicht, vielleicht hatte er recht, Liebe ohne Ziel, ohne Zukunft, ohne Versprechen, die nicht gebrochen werden wollen, – wozu sollte sie gut sein?

Ich will so viel mehr, für mich, mein Leben, von ihm. Ich will gehen, um meiner selbst willen, neue Wege beschreiten, um mein Leben zu bereichern und ihn loslassen, weil er mir nicht geben kann, was ich so sehr zu brauchen glaube.

Ich schaue schon seit Minuten auf ein Bild, dass er mir vor langer Zeit geschickt hast:

 

So fühle ich mich gerade, ich würde mich am liebsten verstecken, den Kopf einziehen, aber alle erwarten von mir etwas. Stärke, Mut, einen guten Job, die richtige Entscheidung – was auch immer es ist, es fällt mir schwer. Aber ich werde es anpacken, morgen oder übermorgen, vielleicht brauche ich noch eine Woche, aber dann! Dann ziehe ich mich wie immer an den eigenen Haaren aus meinem selbst angelegtem Sumpf und mache weiter, starte neu – einen Moment noch, einen kleinen Augenblick brauche ich noch – vielleicht möchte ich jetzt auch gerne noch etwas leiden – warum auch nicht?

Ablenkung? Sorry, this content is not available in ur current situation!

Seit gestern Morgen bin ich aus Hamburg zurück, es waren erlebnisreiche, lustige, frustrierende Tage, alles zugleich. Wir waren von morgens bis abends auf Achse. Wie immer habe ich nur die eher „unschönen“ Gegenden von Hamburg zu sehen bekommen, wie immer habe ich festgestellt, dass ich einfach keine „Partygängerin“ mehr bin und wie immer wurde mir bewusst, dass  diese „Prollmänner“ (die mir dort immer unweigerlich über den Weg laufen???)  mir nicht nur zuwider sind, sondern mich noch viel mehr langweilen. Alles was Kat gefällt, ist für mich der reinste Spießroutenlauf, mein Lächeln ist meist so unecht, dass man es auf 200 m Entfernung eigentlich erkennen müsste.

Auf der Zugfahrt hatte ich das erleichternde Gefühl, alles was mich beschäftigt für diese wenigen Tage einfach zurück lassen zu können, abschalten, Spass haben (so gut ich es halt kann in Hamburg…), lachen, feiern, shoppen, nicht an Yaya denken, nicht an die Arbeit, nicht an all die anderen Sachen die mir sonst noch so durch den Kopf schwirren. Spass habe ich eigentlich immer mit Kat, alle anderen guten Vorsätze lösten sich leider relativ schnell in Luft auf. Ich könnte jetzt ins Detail gehen und wirklich (tragisch-)komische Geschichten von Zuhältern, wahnwitzigen Verkäuferinnen oder einem Club auf der Reeperbahn erzählen – aber es ist zuviel, mein Kopf zu voll und das was mich am Meisten beschäftigt ist natürlich: Er!

Er, weil er wusste das ich nach Hamburg fahren werde und ich nicht einmal 24 Std. später eine Sms von ihm bekam, mitten in Hamburg, als ich Kat gerade darüber hinweg tröstete, dass wir ihren Exlover mit seiner neuen Flamme gesehen hatten und wir uns mental auf eine Partynacht vorbereiteten, unpassender hätte es kaum sein können. Er habe eine Bitte an mich und eine Überraschung! (Überraschung, gut das man damit nicht die Neugier weckt…) Seit etwa drei Wochen habe ich keine Sms mehr von ihm bekommen, ich hasse Sms schreiben, er weiss das und da unser Kontakt über Skype abgesichert ist (zur Not auch mal FB), benötigen wir diese „mobile“ Kommunikation eher weniger. Aber da ich ja in Hamburg war, ohne Laptop natürlich, musst es eine Sms sein, unvermittelt, unerwartet.

Vor meiner Abreise hatten wir über meine Bewerbungen gesprochen, darüber warum ich gehen wolle, wohin und wann. Er merkte an, dass mein Zeitrahmen ziemlich eng sei, wenn ich den halben August in Israel/Palästina bin und schon im September eine neue Stelle im Ausland antreten wolle – dass ich bereits ab August eigentlich „weg sei“. Was er genau mit „weg sein“ meinte, ob er überhaupt was meinte – ich weiss es nicht, ich fragte auch nicht nach. Wir schwiegen einen Moment (besser gesagt schrieben nichts), er hat die Stille durchbrochen und soetwas gesagt wie: „No it´s a perfect chance, go and send more applications! Really u should!“  Das war natürlich, egal wie schön ich es mir rede, das Letzte was ich hören wollte. Ich verabschiedete mich, mit dem Hinweis, dass mein Zug bald fahren würde. Er sagte “ Apply, I´ll come and see u there“ . 

Nun stand ich also, nicht einmal 24 Stunden später vor einem großen Einkaufszentrum mitten in Hamburg und las seine Sms, die aufgelöste Kat neben mir. Anstatt ihm zu sagen, dass ich keine Zeit habe und auch kein Internet, antwortete ich ihm, ich sei in 2 Stunden kurz in der Nähe eines PC´s und würde mich melden… ich dummes, dummes Häschen, allzeit bereit, wenn Yaya sich meldet…

Es war nichts aussergewöhnliches, keine große oder dringende Sache  um die er mich bat, seine Überraschung war das Jobangebot der Firma, in der er zur Zeit sein letztes Praktikum ableistet, die Firma, die ich insgeheim hasse, weil (Verstand aus) „sie ihn mir weggenommen hat“ (Verstand wieder ein) und die er hasst, weil er alles dort langweilig findet und sein Chef ihn wie einen Fußabtreter behandelt. Das Gespräch war kurz und ich frage mich, warum es überhaupt geführt werden musste…warum es nicht warten konnte? Er war müde, hatte lange gearbeitet und ich hätte mich eigentlich für den „Tanz in den Mai“ auf der Reeperbahn fertig machen müssen – aber ich war da und hörte zu, antwortete war erreichbar, für ihn, weil ich gar nicht anders kann, weil er es, wenn ich ihn brauche, auch ist.

Diesmal bedankt er sich jedoch nicht nur ganz förmlich, wie sonst auch (er bedankt sich gerne und viel, auch wenn es wirklich nicht notwendig ist), er legt noch einen drauf: “ …ich meine danke, dass du immer für mich da bist ninjaan…“ Pause „…du weisst was ich meine, oder?“ – Ich habe diese beiden Sätze sicher schon an die 100mal gelesen, mir stiegen die Tränen in die Augen, wie furchtbar sentimental und weich ich doch bei ihm bin… Ich denke es ist unnötig zu sagen, dass ich an diesem Abend sowohl für „Prollmänner“ (siehe oben) als auch alle anderen Vertreter des anderen Geschlechts, keine Augen mehr hatte. Das er es auf Deutsch schrieb, weil die Muttersprache einen immer mehr berührt (meiner Erfahrung nach), erweckte ungeahnte Gefühlswallungen in mir.

Ich brauche erst einmal wieder etwas Abstand, die letzten, etwas mehr als 24 Std, war ich weder für Flirts noch für Kat wirklich zu gebrauchen, die unbedingt flirten wollte, und der  die „dahin schmelzende“ Freundin, sicher nicht die beste Begleitung dafür war. Abstand von ihm, weil mich so etwas so sehr berührt, weil ich versuche nicht nachzudenken, nicht zu analysieren, aber scheitere. Weil mich die Frage „Warum Yaya???“ in den Wahnsinn treibt, obwohl ich die Antwort kenne, sie aber nicht verinnerlichen kann, jedenfalls jetzt noch nicht. Ich bin offline, fast die ganze Zeit, ich mag nicht reden, nicht jetzt, es macht alles so schwer. Aber weil ich inkonsequent bin, schaue ich nach, ob er mir bei skype eine Nachricht hinterlassen hat. Ja, hat er – ein Lied. Es ist schön, ruhig, es berührt. Der Text lässt mich grübeln, manchmal, so glaube ich es jedenfalls, reden wir durch  Songs, Videos oder Bilder.

Ich höre den Song immer und immer wieder, ich stelle ihn mir dabei vor, wie und wo er es hört und woran er denkt und ich frage mich, ob er dabei genauso so sehnsüchtig schaut, wie damals, Kazoo spielend, auf dem Fensterbrett sitzend  – Bist du traurig Yaya joonam? Denn wenn du es bist, bin ich es auch…

Übersetzung:

Who are you? 
Trying to mould me into something you want, something to your expectations yet I am content with myself. So let me be, odd and free.

Tell me where I can find somebody who is flawless, unblemished? Nowhere, for we all are stuck in our past, holding in our trembling inner child.

Why and tell me how we can be so obsessed with picking out others mistakes and flaws. We are all not so different, connecting to each other, holding hands of mental doubts. 

I wish, oh how I wish, we can live like children again. Full of innocence and nothing to weigh us down. The chance to have a new beginning, without threat nor fear.

Translation by Sarah Salah