Ein schöner Tag

Mit dem besten Fund des Jahres:

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Instant Rosenwasser- Limo !!! Nicht so gut wie dieses Caprisonnen – Rosenlimo Getränk aus dem Iran, aber allemal eine Bereicherung und ein Grund zum freuen und genießen:

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Eine schöne Restwoche euch allen!!

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Das Glück

Wir sitzen im Auto und fahren durch das nächtliche Amman. Trotz des teilweise tödlich anmutenden Verkehrs habe ich mich entspannt in meinen Sitz zurückgelehnt . Du bist der einzige Fahrer, ausser mir selbst natürlich, bei dem ich mich absolut sicher fühle, selbst bei diesem Verkehr, vor dem sogar das Auswärtige Amt warnt. An jeder roten Ampel sucht deine Hand, wie selbstverständlich, die meine und hält sie fest, so fest, dass ich manchmal glaube, du hättest Angst ich könnte in der nächsten Sekunde aus dem Auto springen und für immer weg sein. Wenn du fährst sehe ich immer wieder zu dir hinüber, dein Profil bezaubert mich und ich könnte dir bis in alle Unendlichkeit sagen, wie wunderschön du für mich bist.

Immer wieder streiche ich dir sanft über die Wange, du lächelst und ein Grübchen zeichnet sich vorsichtig ab. Vor etwa einem Jahr schrieb ich über meine Angst vor dem „Ankommen“ und nun sitze ich hier neben dir, in einem fremden Land, in einem gemieteten Auto und fühle mich so angekommen, dass ich bereit wäre, für immer mit dir so weiter zu fahren, niemals anzuhalten oder auszusteigen, nur du und ich, hier an diesem Ort oder einem Anderen, es spielt keine Rolle. Plötzlich fühle ich das Zuhause, nach dem ich mich so lange heimlich gesehnt hatte. Es ist hier, an deiner Seite.

Und plötzlich überkommt sie mich, die Angst, die pure Panik. Mein Herz schlägt schneller und mir wird abwechselnd heiß und kalt. Nein, ich habe keine Angst vor uns oder vor dem was ich fühle, ich bin kein runaway mehr. Ich habe plötzlich unsägliche Angst dich zu verlieren, nicht genug Zeit mit dir verbringen zu können, getrennt von dir zu sein. Unzählige Gedanken schieße mir durch den Kopf. Ich beginne zu zittern, du spürst es, fährst rechts ran, nimmst mein Gesicht in deine Hände und küsst mir sanft die Tränen von der Wange, die sich unbemerkt gelöst hatten. Ich schmiege mich hilfesuchend an dich und kann meine Gefühle nicht in Worte fassen. Aber das muss ich auch nicht, du schützt mich und fragst nicht nach. Du bist mein Retter, das warst du vom ersten Moment an. Auch dir laufen die Tränen über die Wange. Wir brauchen eine Weile um uns zu beruhigen. Danach fahren wir wieder in die Nacht, du und ich und es dauert nicht lange bis wir uns wieder anlächeln.

Doch die Angst ist plötzlich da und verschwindet nicht mehr. Wann immer du in ein Auto steigst sorge ich mich um dich und schicke leise Stoßgebete in den Himmel, ER möge dich  mir heile zurückbringen. Als ich selbst Tage später in das Flugzeug steige, beginne ich wieder zu zittern. Ich hatte niemals Flugangst, jetzt habe ich sie. Was wenn mir etwas passiert? Was wenn ich dich nie wieder sehen kann? Habe ich dir alles gesagt? Habe ich dir alles gegeben? Gerade als ich mein Handy für den Abflug ausschalten will, rufst du noch einmal an. Deine Stimme zittert, Als ich dir nach der Ankunft schreibe antwortest du innerhalb einer Millisekunde – wir sind beide erleichtert.

Du bist mein wertvollster Schatz, erst mit deinem Erscheinen konnte ich all meine alten Ängste fortwischen, wie alten Staub, der sich mit den Jahren leise, aber stetig über mich gelegt hatte. Mit dir bin ich so frei, ohne jede Scham, ohne Verheimlichungen. Ich glaubte immer Freiheit würde bedeuten ungebunden zu sein, aber vielleicht bedeutet frei sein auch, sich fallen lassen zu können?

Ich habe geglaubt ein solches Glück, wäre nicht für mich bestimmt. Ich habe nicht einmal mehr darauf gehofft. Und jetzt ist es da, es umhüllt mich, vollendet mich. Immer wieder wenn ich dich ansehe, bin ich so erfüllt davon, dass es mich beinahe erschreckt. Kann soviel Glück sein? Wo ist der Harken? Was wird schief gehen? Kann jemandem wirklich so viel Glück wiederfahren? Jemandem wie mir? Uns?

Noch nie war mir etwa so wertvoll und lieb in meinem Leben, noch niemals hatte ich solche Angst etwas zu verlieren.

Und weil das so ist und weil ich mir niemals so sicher war, habe ich nicht eine Sekunde gezweifelt, dir vor dem Gott unseres Herzens, mein Leben anzuvertrauen. Weil wir daran glauben, dass wir einander ein Geschenk von Ihm sind, fehlte uns nur noch sein Segen. Der Segen der uns schützen soll, vor allem was kommen mag.

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Was es in Jordanien nicht alles gibt…

Da bin ich wieder! Das klingt so fröhlich, nicht wahr? Bin ich eigentlich gar nicht. Wobei, doch, ich bin es! Ich bin glücklich wenn ich mich an die wundervolle Zeit erinnere. 12 Tage in denen wir jede Sekunde ausgekostet haben und manchmal erst dann schliefen, wenn wir uns vor Erschöpfung nicht mehr auf den Beinen halten konnten. Wir sind in den Süden ans Meer gereist, haben einen Ausflug in den Westen gemacht und Amman bei Nacht erkundet. Die Unbeschwertheit konnten wir uns bewahren, bis zur letzten Minute, als ich durch die Passkontrolle musste. Dann war es wieder um uns geschehen, der 3. Abschied – wir hoffen beide, dass es nun der Letzte war.  (Daumen drücken erwünscht! ^^)

Weil ich nicht besonders gut darin bin, ausführliche Reiseberichte zu schreiben, gibt es auch diesmal nur ein paar Bilder. Wer gerne mehr über Jordanien wissen möchte: Einfach fragen 😉

Beginnen wir mit etwas zum Schmunzeln: 

Wenn man nichtsahnend in Amman mal in eine Seitenstraße abbiegt – versperrt schon mal eine Ziegenherde den Weg. 

 

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In Aqaba machen Kamele ihre Mittagspause auf den kleinen Grünstreifen, zwischen den Straßen und Polizisten (hinten links) glauben du wärst ein ausländischer Spion, der sie fotografiert – weil sie das Kamel gaaar nicht gesehen haben vorher….ist ja so gut getarnt da… 😉 

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Amman hält den Weltrekord in „gigantisch große Falafel backen“

 

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Thrombosestrümpfe im roten Meer! 

 

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Nichts bleibt wie es war

B.

Als ich ihn vor Jahren auf der Arbeit kennenlernte, verliebte ich mich in ihn. Nicht weil er schön war, nicht weil er außerordentlich gebildet oder selbstbewusst war. Ich verliebte mich in ihn, weil er er war. Weil er besonders war. Er war der mit Abstand liebevollste, freundlichste und zärtlichste Mensch den ich jemals kennengelernt hatte. Nur deswegen ließ ich mich überhaupt so schnell auf eine Beziehung mit ihm ein. Ich war überwältigt von seiner Art. Von Anfang an herrschte zwischen uns ein tiefes Vertrauen, ein Band der Freundschaft gepaart mit inniger Zuneigung. Wir stritten niemals wirklich, konnten uns aufeinander verlassen. Jeder Tag mit ihm war schön, neu, aufregend und zugleich sicher. Ja, Sicherheit, ich vertraute ihm. Das erste Mal in meinem Leben war ich nicht mißtrauisch, habe nicht gezweifelt. Meine Freunde liebten ihn, er liebte sie. Innerhalb kürzester Zeit war er ein fester Bestandteil meines Lebens. Niemals war ich mir sicherer den Richtigen gefunden zu haben.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich auch nach all den Jahren, nachdem wir auseinander gerissen wurden, noch an ihn gedacht habe, er mir gefehlt hat und ich Angst hatte, Angst vor dem Moment, an dem wir uns wieder begegnen würden.

Als wir uns nun vor knapp einem Monat wiedersahen, waren all diese Gefühle wieder da, die Trauer, die Zuneigung, das Vertrauen, der Wunsch, dass es niemals geendet hätte, jedenfalls nicht so. All das hat mich schwach werden lassen. Eigentlich, nein nicht eigentlich, sondern tatsächlich habe ich starke Gefühle für jemand anderes. Jemanden der völlig anders ist als B.. Yaya ist selbstbewusst, gebildet, sanft und hart zur gleichen Zeit. Er ist verschlossen, B. dagegen ein offenes Buch.

Und trotz meiner Gefühle für Yaya, konnte B. mich so sehr berühren, mich schwach werden und gegen meine Prinzipien verstossen lassen.

Yaya ist der geheimnisvolle, jeder Moment mit ihm war berauschend, extrem, auf die eine oder andere Art.

B. ist der ruhige, sichere, mit ihm ist es wie das Ankommen, ruhig, bedacht, ohne Extreme.

Dieser Unterschied, die Erinnerungen, die auf Eis gelegten Gefühle, alles auf einmal brachte mich dazu, ihn wieder zu treffen. Noch einmal dieses Sicherheit fühlen… nur noch einmal. Den Moment genießen, sich erinnern, fallen lassen und aufgefangen werden.

Aber ich habe nicht bedacht, nicht in Erwägung gezogen, dass die Zeit uns verändert. 4,5 Jahre sind eine ganze Zeit. Auch ich habe mich verändert, ich kann schwer sagen in welchem Maße, aber jetzt, nach einem Monat sehe ich B.´s Veränderung.

Selbstlos war er einmal, immer bedacht auf das Glück der Anderen, niemals sagte er verletzende Worte – ich habe immer bezweifelt, dass er das überhaupt könne, verletzend sein. Nun ist er anders, kühler, nicht unbedingt mir gegenüber, aber ich sehe seine Einstellung und höre seine Erkärungen “ Das Leben hat mich so gemacht Ninjaan! Willst du mir das vorwerfen? Ich war immer lieb und nett, was habe ich bekommen?“

Du bist noch so jung B., jünger als ich. Du bist verbittert, hart in deinen Urteilen, selbstsüchtig in deinen Taten. Du willst nicht verletzen, aber du tust es, gut, du bist selbst verletzt, aber das ist eine schwache Ausrede. Denn am Ende des Tages, am Ende unseres Lebens, sind nur wir selbst verantwortlich, für das was wir tun. das Schicksal drängt uns in die eine oder andere Richtung, aber noch, noch können wir uns auflehnen, uns dagegen stemmen, nur der Tod ist für die Ewigkeit. Wenn wir uns treiben lassen, niemals kämpfen, dann können wir das nicht den Menschen um uns herum vorwerfen.

Ich bin schockiert, von vielen deiner Worte, deiner Taten. Ich kann es nicht fassen. Bist du das? Warum hast du nur zugelassen, dass das Leben so etwas aus dir macht? Ich will meine Augen davor verschließen, ich will dich so nicht sehen, ich will nicht sehen, dass du dich so verändert hast. Aber du drängst mir dein neues Ich geradezu auf, zeigst es mir in allen Facetten und nur manchmal, ganz manchmal bist du der, den ich vor all den Jahren kennengelernt habe.

Ich sollte ihn gar nicht treffen, ich tue damit unrecht, jemanden, einer Frau, die mir nichts getan hat. Aber auch ich bin selbstsüchtiger geworden, ein kleines bisschen Glück hatte ich mir gewünscht, ein kleines bisschen Freude in dieser, meiner, unbeständigen Zeit. „Es ist so schön dich mal wieder wirklich Lachen zu sehen!“ hatte mein Kollege vor kurzer Zeit zu mir gesagt, nachdem B. sich von uns verabschiedet hatte. Der Kollege weiss, dass wir einmal zusammen waren, er schweigt zu all dem, obwohl er sicher mehr weiss, als mir lieb ist.

Ich wollte nur einen Moment des Glücks genießen, mit jemandem der mich einst so glücklich gemacht hat. Aber wieder einmal muss ich schmerzlich erkennen, dass man die Zeit nicht zurückdrehen kann. Nichts bleibt wie es war, niemand bleibt wie er war. Und etwas unrechtes, kann sowieso niemals glücklich machen.

Letzte Nacht rief B. mich an, ich hatte wenige Stunden vorher gesagt, dass ich so nicht weitermachen könne, wegen mir nicht, wegen dem Unrecht, dass wir damit tun nicht. Er rief mich an und war seltsam. Nach wenigen Minuten gestand er mir, dass er getrunken habe. In seinem ganzen Leben hatte er noch niemals Alkohol angerührt, nun war er betrunken und rief mich an. Ich hasse Alkohol, rühre ihn nie an, ich bin da familiär vorbelastet. Ich ertrage es selten, einige Menschen sind erträglich wenn sie getrunken haben, aber nur sehr wenige.

Yaya, er ist erträglich, er ist dann wie ein kleiner Junge, lieb, verletzlich. Ausgerechnet B. ist es nicht, er ist selbstgefällig und hart. Ich ertrage kaum  mit ihm zu sprechen. Aber irgendwie fühle ich mich verpflichtet, warum hat er denn gerade an diesem Tag getrunken? Ich quäle mich durch das Gespräch und spüre wie meine Erinnerungen, diese wundervollen Erinnerungen an unsere gemeinsame Zeit, zu verschwimmen drohen. Wo bist du B.? Wo hast du dich verloren?

Ich muss  mir eingestehen, wir haben uns schon lange verloren. Dieser klägliche Versuch von uns, wiederzubeleben, was lange schon nicht mehr ist, weil wir beide verletzt und einsam sind, ist gescheitert. Führen wir es nun weiter, verlieren wir unsere Erinnerung. Ich will sie nicht verlieren.  Vielleicht wäre es heldenhafter, tugendhafter von mir gewesen, es niemals einzugehen, weil ich das Moralische hochhalte, aber es wäre gelogen. Ich beende es, weil es nicht ist, wie es war, weil es zerstört was war. Und sehe ein, dass etwas Verwerfliches, niemals rein sein kann.

Lebwohl B.