Der totale Absturz

Uhrzeit: Irgendwann nach Mitternacht

Ort: Kat´s Küche, Hamburg, später Reeperbahn

Beteiligte Personen: Kat, Plitschi, Ninjaan

Umstände die zur Tat führten: Eine Flasche Ouzo, eine halbe Flasche Vodka und ein Handy

Wir saßen schon eine Weile zusammen in der Küche, die Gläser waren im Minuten Takt leer, glücklich sind wir gerade alle nicht wirklich, da geht das noch schneller. Um halb 1 beginnt die Diskussionsrunde „Darf Ninjaan Yaya in diesem Zustand anrufen?“ Es gibt Pro und Kontra. Der Haupt „Pro-Punkt“: Es gibt eh nichts mehr zu verlieren und wenn Ninjaan es sich so wünscht, warum nicht? Der stärkste „Kontra-Punkt“: Er könnte nicht rangehen, aus welchem Grund auch immer, und dann bist du noch trauriger.

In meinem Kopf dreht sich alles, ein klarer Gedanke war schwer zu fassen, der Ouzo knallt mehr als erwartet. Mit jedem Schluck steigt die Gleichgültigkeit und die Hemmschwelle sinkt. Was soll schon passieren? Ich rufe nur kurz an, nur ein kurzes Gespräch – warum sagt er nichts, via Email zum Beispiel – bin ich so schnell vergessen? Ich muss es hören, will es hören und irgendwo tief in mir spricht die dumpfe Stimme der Hoffnung zu mir…

Kat und Plitschi geben grünes Licht, sie sind selbst betrunken, traurig, Ninjaan soll nicht so traurig sein, was soll schon passieren?

Der letzte Anflug von Verstand lässt mich noch schnell meine Nummer unterdrücken – es hat mich immerhin 15 Euro gekostet!

Es klingelt, er ist in der selben Stadt wie ich, mein Herz rast, Kat und Plitschi starren gebannt auf das Handy in meiner Hand. – Niemand nimmt ab. So spät ist es nicht, ich schüttel die Zweifel ab und wähle noch einmal die Nummer. Es klingelt 3mal, dann hört das Klingeln auf. Stille. Kein Wort. Ich halte die Luft an und setze schließlich an, versuche nicht zu lallen: „Hey Yaya….hi!“

Stille. Dann ein Besetztzeichen. Er hat aufgelegt. das Dröhnen in meinem Kopf wird unerträglich laut. Kat und Plitschi sind geschockt, sagen nichts. Ich wähle erneut die Nummer, das muss ein Versehen gewesen sein, er legt doch nicht auf, wenn er meine Stimme hört. Es klingelt genau 3mal, dann ertönt das Besetztzeichen abermals.

Mit glasigen Augen sehe ich zu Plitschi, sie sitzt mir direkt gegenüber. Sie stammelt etwas, ich verstehe sie nicht, ich höre nur das Dröhnen in meinem Kopf und den Besetztton, als hätte ich noch nicht aufgelegt. Noch einmal nehme ich das Handy in die Hand. „Tu es nicht Ninjaan…bitte…“ Plitschi´s Stimme zittert. Ich schüttele nur den Kopf, mir ist schwindelig, das kann nicht sein. Ich wähle erneut. Nach 2 Mal klingeln der Besetztton.

Yaya hat aufgelegt, als er mich gehört hat und mich danach weggedrückt. Er hat nicht das Klingeln ignoriert, den Ton auf lautlos gestellt, sondern mich weggedrückt.

Ich stehe auf, mir ist so schwindelig, ich sehe schlecht, vielleicht liegt es am Alkohol, vielleicht an den Tränen in meinen Augen, aber ich kann nicht weinen. Ich will raus, raus und vergessen und mehr trinken, bis ich vergesse, was man nicht vergessen kann.

Ich schreibe noch eine Nachricht bei Skype, etwas über Respektlosigkeit, böse Worte, davon, dass ich eine Freundin war und ich verfluche ihn auf persisch.

Wir gehen aus, erst zu dritt, später nur Kat und ich. Ich trinke weiter. Wir sind auf der Reeperbahn in einem Club, Kat will mich vom Trinken abhalten, aber ich will nicht. Ich fühle mich betäubt, es gibt kein besseres Gefühl als das, nicht in diesem Moment. Ich streite mit ihr, tanze, rede, flirte, wirke wie leichte Beute für Männer. Mir ist alles egal, mein Kopf dröhnt noch immer, ich muss vergessen.

Ich tanze mit einem Typ, von dem ich nicht sagen kann, ob ich ihn attraktiv finde, weil es egal ist. Er kann tanzen, er lenkt mich ab. Irgendwann küssen wir uns, ich fühle sowieso nichts. Kat will mich nach Hause bringen, ich lehne ab…ich will nicht ins Bett, nicht nachdenken, ich will bleiben und feiern bis ich einfach umfalle. Irgendwann gibt sie auf, Ninjaan ist alt genug und bleibt bei dem Typ im Club.

Als er mich nach meinem Namen fragt sage ich ihm, dass es keine Rolle spielt, weil wir uns nicht wiedersehen werden und ich ihn morgen vergessen habe. Komischerweise ist dieser Aufreisser tatsächlich für einen Moment geschockt, er nennt mich abgebrüht. Nein, nicht abgebrüht, denke ich, nur tot, Gefühlstot.

Ich komme morgens um 10 Uhr in Kat´s Wohnung an. Ich rieche genauso wie die Küche, nach Alkohol und Zigaretten. Ich warte bis sie aufwachen, in meinem Kopf ist Leere.

Ich schlafe nicht, bis Sonntag Nacht bin ich auf den Beinen. Danach falle ich in einen komatösen Schlaf, auf der Couch meiner Mutter, da fühle ich mich nicht so allein. Nicht allein sein, nicht zuviel denken…das tut weh, im Kopf, im gesamten Körper.

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Ablenkung? Sorry, this content is not available in ur current situation!

Seit gestern Morgen bin ich aus Hamburg zurück, es waren erlebnisreiche, lustige, frustrierende Tage, alles zugleich. Wir waren von morgens bis abends auf Achse. Wie immer habe ich nur die eher „unschönen“ Gegenden von Hamburg zu sehen bekommen, wie immer habe ich festgestellt, dass ich einfach keine „Partygängerin“ mehr bin und wie immer wurde mir bewusst, dass  diese „Prollmänner“ (die mir dort immer unweigerlich über den Weg laufen???)  mir nicht nur zuwider sind, sondern mich noch viel mehr langweilen. Alles was Kat gefällt, ist für mich der reinste Spießroutenlauf, mein Lächeln ist meist so unecht, dass man es auf 200 m Entfernung eigentlich erkennen müsste.

Auf der Zugfahrt hatte ich das erleichternde Gefühl, alles was mich beschäftigt für diese wenigen Tage einfach zurück lassen zu können, abschalten, Spass haben (so gut ich es halt kann in Hamburg…), lachen, feiern, shoppen, nicht an Yaya denken, nicht an die Arbeit, nicht an all die anderen Sachen die mir sonst noch so durch den Kopf schwirren. Spass habe ich eigentlich immer mit Kat, alle anderen guten Vorsätze lösten sich leider relativ schnell in Luft auf. Ich könnte jetzt ins Detail gehen und wirklich (tragisch-)komische Geschichten von Zuhältern, wahnwitzigen Verkäuferinnen oder einem Club auf der Reeperbahn erzählen – aber es ist zuviel, mein Kopf zu voll und das was mich am Meisten beschäftigt ist natürlich: Er!

Er, weil er wusste das ich nach Hamburg fahren werde und ich nicht einmal 24 Std. später eine Sms von ihm bekam, mitten in Hamburg, als ich Kat gerade darüber hinweg tröstete, dass wir ihren Exlover mit seiner neuen Flamme gesehen hatten und wir uns mental auf eine Partynacht vorbereiteten, unpassender hätte es kaum sein können. Er habe eine Bitte an mich und eine Überraschung! (Überraschung, gut das man damit nicht die Neugier weckt…) Seit etwa drei Wochen habe ich keine Sms mehr von ihm bekommen, ich hasse Sms schreiben, er weiss das und da unser Kontakt über Skype abgesichert ist (zur Not auch mal FB), benötigen wir diese „mobile“ Kommunikation eher weniger. Aber da ich ja in Hamburg war, ohne Laptop natürlich, musst es eine Sms sein, unvermittelt, unerwartet.

Vor meiner Abreise hatten wir über meine Bewerbungen gesprochen, darüber warum ich gehen wolle, wohin und wann. Er merkte an, dass mein Zeitrahmen ziemlich eng sei, wenn ich den halben August in Israel/Palästina bin und schon im September eine neue Stelle im Ausland antreten wolle – dass ich bereits ab August eigentlich „weg sei“. Was er genau mit „weg sein“ meinte, ob er überhaupt was meinte – ich weiss es nicht, ich fragte auch nicht nach. Wir schwiegen einen Moment (besser gesagt schrieben nichts), er hat die Stille durchbrochen und soetwas gesagt wie: „No it´s a perfect chance, go and send more applications! Really u should!“  Das war natürlich, egal wie schön ich es mir rede, das Letzte was ich hören wollte. Ich verabschiedete mich, mit dem Hinweis, dass mein Zug bald fahren würde. Er sagte “ Apply, I´ll come and see u there“ . 

Nun stand ich also, nicht einmal 24 Stunden später vor einem großen Einkaufszentrum mitten in Hamburg und las seine Sms, die aufgelöste Kat neben mir. Anstatt ihm zu sagen, dass ich keine Zeit habe und auch kein Internet, antwortete ich ihm, ich sei in 2 Stunden kurz in der Nähe eines PC´s und würde mich melden… ich dummes, dummes Häschen, allzeit bereit, wenn Yaya sich meldet…

Es war nichts aussergewöhnliches, keine große oder dringende Sache  um die er mich bat, seine Überraschung war das Jobangebot der Firma, in der er zur Zeit sein letztes Praktikum ableistet, die Firma, die ich insgeheim hasse, weil (Verstand aus) „sie ihn mir weggenommen hat“ (Verstand wieder ein) und die er hasst, weil er alles dort langweilig findet und sein Chef ihn wie einen Fußabtreter behandelt. Das Gespräch war kurz und ich frage mich, warum es überhaupt geführt werden musste…warum es nicht warten konnte? Er war müde, hatte lange gearbeitet und ich hätte mich eigentlich für den „Tanz in den Mai“ auf der Reeperbahn fertig machen müssen – aber ich war da und hörte zu, antwortete war erreichbar, für ihn, weil ich gar nicht anders kann, weil er es, wenn ich ihn brauche, auch ist.

Diesmal bedankt er sich jedoch nicht nur ganz förmlich, wie sonst auch (er bedankt sich gerne und viel, auch wenn es wirklich nicht notwendig ist), er legt noch einen drauf: “ …ich meine danke, dass du immer für mich da bist ninjaan…“ Pause „…du weisst was ich meine, oder?“ – Ich habe diese beiden Sätze sicher schon an die 100mal gelesen, mir stiegen die Tränen in die Augen, wie furchtbar sentimental und weich ich doch bei ihm bin… Ich denke es ist unnötig zu sagen, dass ich an diesem Abend sowohl für „Prollmänner“ (siehe oben) als auch alle anderen Vertreter des anderen Geschlechts, keine Augen mehr hatte. Das er es auf Deutsch schrieb, weil die Muttersprache einen immer mehr berührt (meiner Erfahrung nach), erweckte ungeahnte Gefühlswallungen in mir.

Ich brauche erst einmal wieder etwas Abstand, die letzten, etwas mehr als 24 Std, war ich weder für Flirts noch für Kat wirklich zu gebrauchen, die unbedingt flirten wollte, und der  die „dahin schmelzende“ Freundin, sicher nicht die beste Begleitung dafür war. Abstand von ihm, weil mich so etwas so sehr berührt, weil ich versuche nicht nachzudenken, nicht zu analysieren, aber scheitere. Weil mich die Frage „Warum Yaya???“ in den Wahnsinn treibt, obwohl ich die Antwort kenne, sie aber nicht verinnerlichen kann, jedenfalls jetzt noch nicht. Ich bin offline, fast die ganze Zeit, ich mag nicht reden, nicht jetzt, es macht alles so schwer. Aber weil ich inkonsequent bin, schaue ich nach, ob er mir bei skype eine Nachricht hinterlassen hat. Ja, hat er – ein Lied. Es ist schön, ruhig, es berührt. Der Text lässt mich grübeln, manchmal, so glaube ich es jedenfalls, reden wir durch  Songs, Videos oder Bilder.

Ich höre den Song immer und immer wieder, ich stelle ihn mir dabei vor, wie und wo er es hört und woran er denkt und ich frage mich, ob er dabei genauso so sehnsüchtig schaut, wie damals, Kazoo spielend, auf dem Fensterbrett sitzend  – Bist du traurig Yaya joonam? Denn wenn du es bist, bin ich es auch…

Übersetzung:

Who are you? 
Trying to mould me into something you want, something to your expectations yet I am content with myself. So let me be, odd and free.

Tell me where I can find somebody who is flawless, unblemished? Nowhere, for we all are stuck in our past, holding in our trembling inner child.

Why and tell me how we can be so obsessed with picking out others mistakes and flaws. We are all not so different, connecting to each other, holding hands of mental doubts. 

I wish, oh how I wish, we can live like children again. Full of innocence and nothing to weigh us down. The chance to have a new beginning, without threat nor fear.

Translation by Sarah Salah

Ninjaan ist zu teuer – Gedanken auf dem Weg nach Hamburg

Ich sitze gerade im Zug auf dem Weg nach HH. Eigentlich verabscheue ich Zugfahrten im Allgemeinen und im RE insbesondere, aber heute tut es gut. Einfach aus dem Fenster schauen, die vorbeiziehende Landschaft bestaunen und zwischenzeitlich vor mich hindoesen. (Umlaute kennt mein SMARTphone (!!!) leider nicht) Ich habe eine ebenso anstrengende wie auch lange (sowohl woertlich, als auch gefuehlte) 24 Std Schicht hinter mir. Wenig Schlaf, viel Trubel und ausreichend Geld – die Doppelbelastung lohnt sich allemal, fuer mich jedenfalls, meine ehemalige Arbeitgeberin und jetzt Chefin meines Nebenjobs sieht das nicht so.

“Du bist uns eigentlich zu teuer, ninjaan!“ Eigentlich, weil sie mich gerne hat, eigentlich, weil sie hofft mich so wieder in die Vollbeschaeftigung zu

bekommen? Keine Ahnung, aber ich brauche diesen Nebenjob dringend, und hoffe darauf, dass ihr “eigentlich“ fuer“ unnoetig, aber weil du es bist machen wir es trotzdem“ steht und nicht nur eine nette Umschreibung fuer “du bist raus“ ist.

Egal, der Monat Mai ist gerettet, jetzt gehts nach HH, eine Freundin besuchen, entspannen, weder an Geld noch an Yaya denken – das ist das Ziel.