Wenn Wünsche in Erfüllung gehen

„In der Tiefe eurer Hoffnungen und Wünsche liegt euer stilles Wissen um das Jenseits;
Und wie Samen, der unter dem Schnee träumt, träumt euer Herz vom Frühling.
Traut den Träumen, denn in ihnen ist das Tor zur Ewigkeit verborgen. “

Khalil Gibran

„Sie haben mich angerufen.“ sagt er. Mir stockte der Atem, für eine Sekunde versucht mein Gehirn noch das heutige Datum abzurufen, dann ist es um mich geschehen, die Tränen schießen mir in die Auge, vor Freude. So fühlt sich Erlösung an.

Neben mir die Wiese, die Sonne scheint, beinahe hätte ich mich auf die Knie fallen lassen, mein Körper schreit nach einer Ausdrucksmöglichkeit. Aber ich verkneife es mir, muss es mir verkneifen, weil mein Knie das nicht mitmachen würde. Ich laufe also, eher unbeholfen, auf und ab, vergesse das ich auf der Arbeit bin.

Wir sprechen gleichzeitig, sind aufgeregt, zweifeln für eine Sekunde, wischen die Zweifel wieder fort. Es ist soweit. Es ist unglaublich! Nur 4 Wochen nachdem er das Visum beantragt hatte, wurde es ihm bewilligt! Wir lachen und weinen gleichzeitig. Vor Erleichterung. Wir haben uns fast 2 Monate nicht gesehen, mit jedem Tag, wurde es schwerer. Und die Unsicherheit, die Angst, dass alles schief laufen würde, die nagte an uns – wir trauten uns kaum zu planen, auch nur zu träumen, aus Angst, es würde mit einem Anruf zerschlagen werden.

Erleichterung, Liebesbekundungen, Ideen und Pläne sprudeln nur so aus uns heraus.

Abends, telefonieren wir wieder, planen, lachen und dann sind wir plötzlich ruhig.

„Mein Kollege hat auch ein Visum beantragt….es wurde abgelehnt.“ sagt er leise. Ich schweige. „Wir haben so ein Glück…wir haben ein solch unendliches Glück…“ – Schweigen.

Da ist sie wieder, die Angst.

Wieviel Glück können Menschen haben? Keiner von uns beiden ist jemals sonderlich vom Glück verwöhnt worden, auch nicht vernachlässigt, aber leicht, das war es nie. Plötzlich ist es leicht, ist die Liebe leicht, das Leben leicht.

Wie leicht kann das Leben sein? Einmal im Leben denke ich mir… Einmal im Leben, sagt er. Da darf es doch so sein, darf es so sein, ohne dass wir dafür bezahlen müssen.

Warum diese Angst?

Vielleicht haben wir verlernt uns aus tiefstem Herzen zu freuen und zu vertrauen, darauf das es einmal auch leicht sein wird?

Wenn wir nur dankbar sind…. Wir sind dankbar, unendlich dankbar.

Bitte nimm uns das nicht, denke ich mir, bitte schütze uns. Dieses eine Mal soll es leicht sein!

sgdg

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Was wirklich noch geschah / I

Seit Ende September/Anfang Oktober, seit der „Katastrophe“, dem totalen Absturz, habe ich nicht geschrieben, nur wenig, nur zögerlich. Ich habe versucht meinen Gefühlen irgendwie Ausdruck zu verleihen, die Situation zu beschreiben, Gedankengänge festzuhalten. Meist bin ich gescheitert, nur hin und wieder gelang mir mal ein Post. Nicht nichtssagend, nicht unwichtig waren sie, nicht für mich jedenfalls, aber eben auch nicht befreiend und vor allem seit 3 Wochen auch nicht ganz ehrlich. Natürlich nicht gelogen, natürlich ist alles was ich sage/schreibe entweder so geschehen oder aber fühlt sich genauso an und doch habe ich etwas ausgelassen. Weil ich nicht darüber schreiben konnte, weil ich so unsicher war, es immer noch bin, vielleicht auch, weil ich keine Meinung hören wollte.

An einem Samstag Ende Oktober, mitten in der Nacht (nein, kein Telefonanruf!), schrieb Ninjaan eine Nachricht. Und sagte, was ihr auf der Seele lag. Ohne große Umschweife, ohne Frage, ohne Anklage, wenige Sätze, klar und deutlich.

Ninjaan ist ratlos, sie weiß nicht wie das alles geschehen konnte, sie mag die Situation nicht. Sie war betrunken, wie die meiste Zeit in den letzten Wochen und tat, was sie eben tat. Und alles was bleibt ist der fade Nachgeschmack der bleibt, die Situation die jetzt ist wie sie ist. Das sie nichts sagen kann, nichts teilen kann, nichts empfangen kann, von ihm, Yaya. Das wollte sie nicht. Ninjaan is missing a friend. *END*

Das ist die Wahrheit, das Loch ist so groß, kein Loch war jemals so groß. Mehr als das gebrochene Herz schmerzt der Verlust und der Gedanke, eben alles zu sein, nur keine schöne Erinnerung, ja der Schatten, der das alles überzog ist so groß so dunkel, dass ihre eigenen Erinnerungen dunkel wurden…ganz dunkel und schmerzhaft.

Nach der Nachricht klappte sie den Deckel des Laptops herunter – kein Öffnen, nicht vor dem Ablauf von 24 Stunden…

Die Gewissheit kommt zum Schluß

Ninjaan ist müde, ganz müde. Allein zuhaus, das Telefon ist stumm. B. meldet sich seit gestern nicht, nachdem er Selbstvorwürfe hatte, dass er nicht „gut genug“ für mich sei, mich nie wieder enttäuschen wolle. Enttäuschend ist das jetzt gerade, aber was will ich eigentlich?

Ich sitze vor dem Pc, lese etwas und höre Musik. Yaya schreibt mich an, wir sprechen etwas, irgendwann frage ich ihn nach der Moral, das Thema, das mich zur Zeit am Meisten beschäftigt. Als Beispiel ziehen wir einen seinen Lieblingsfilme heran „Die Brücken am Fluß“ (wie passend..). Wir philosphieren, über gut und böse, richtig und falsch.  Er sagt, er würde so etwas niemals tun (Stichwort Film) und dann… Dann sagt er etwas, dass ich niemals wissen wollte, nachdem ich niemals direkt gefragt habe. Vielleicht, weil ich ahnte es würde weh tun.

„i didnt acepted a long distance relationship becasue of that otherwise i trusted the other person more than my eyes..
i may hurted her but i didnt wanna do sth that i may do sth wrong“

Die „Fernbeziehung“ die er nicht einging, die Person, der er mehr vertraute als seinen eigenen Augen…das ist nicht Ninjaan…das ist SIE.

Ich breche in Tränen aus, ich weine um mich selbst. Die ewig Nr. 2 …ich wollte diese Gewissheit niemals haben, jetzt habe ich sie. Wozu noch? Es ist fast vorbei, nein, eigentlich ist es vorbei. Schluß.

Yaya und Ninjaan…gibt es nicht. Hat es niemals gegeben. Mehr als Warten und die Hoffnung, verabscheue ich nun die Gewissheit.

Hoffnung – GEH WEG!

7:49 Uhr, ich bin von alleine aufgewacht. Viel länger hätte ich sowieso nicht schlafen können, da ich heute einen Termin bei der Stadt habe (wahrscheinlich kriege ich, stellvertretend für meinen Vorstand, der mal wieder im Urlaub ist, eine Abreibung…). Ich werfe einen Blick auf mein Handy, das mir auch als Wecker brave Dienste leistet (nein, eigentlich nur noch als Wecker, ansonsten stürzt es ständig ab und ist kaum noch zum Telefonieren zu gebrauchen!), eine Sms! Ich reibe mir die Augen und starre auf das kleine gelbe Zeichen, wirklich eine Sms!

Mein Handy ist unendlich langsam, es lädt ewig, bis es mal eine Nachricht anzeigt, ich sehe nicht von wem sie ist und was passiert? Genau, ich beginne zu hoffen! Yaya? Er schreibt mir, nach Streitereien, Kontaktpausen usw. häufig zu den unmöglichsten Zeiten eine Sms. Gebannt starre ich auf das Display “ Yaya, bitte lass sie von dir sein! Sag irgendwas, egal was, nur IRGENDWAS“.

Das Nachrichtenfenster öffnet sich, die Sms ist von Plitschi, sie entschuldigt sich, weil sie mich nicht angerufen hatte, sie sei eine blöde Freundin, ob ich ihr verzeihe? “ Ach, Plitschi, du doofe Kuh! Natürlich und ich war auch nicht wirklich böse!“ 

Hoffnung geplatzt – wie angenehm wäre der beschissene Tage heute geworden, hätte er nur ein simples „How are u ninji“ geschrieben…

Hoffnung: GEH WEG! DU NERVST!

 

 

Wenn das Warten ein Ende hat

Es gibt etwas, das ich mehr fürchte als das Warten. Nur leider fällt mir kein geeigneter Begriff, weder ein vorhandener noch ein neu erfundener, ein, der diesen Zustand, der eigentlich kein Zustand ist, sondern das Ende eines Zustands, treffend beschreiben könnte.

Ich versuche es mal so:

Mit dem Warten verbrüdert sich immer die Hoffnung, ob man nun will oder nicht, ob man es sich eingesteht oder nicht, spielt keine Rolle. Man hofft, auf irgendwas, sei es Erlösung, ein Wunder, eine Lüge, man wartet und hofft. Die Hoffnung ist der leise Begleiter des Wartens, der wie ein Schatten folgend, mal größer mal kleiner, immer mit läuft. Da ich das Warten aus tiefstem Herzen verachte, übersehe ich die Hoffnung meist, ich beachte sie schlichtweg nicht, obwohl sie da ist. Wenn das Warten ein Ende hat und sich eigentlich ein leichtes Gefühl der Erlösung breit machen sollte, bemerke ich sie plötzlich, die Hoffnung. Ich bemerke sie, weil das Gefühl der Erlösung überschattet wird, von einer viel gewichtigeren Empfindung, der geplatzten Hoffnung.

Und mir wird bewusst, dass es sich mit dem Hoffen genauso verhält wie mit dem Warten, man will es nicht, man versucht es zu vermeiden, man redet sich ein das man es nicht tut, aber am Ende hat man es doch getan: ich habe gewartet und ich habe gehofft.

Ich habe gehofft, das, sollte ich es schaffen über meinen Schatten zu springen, er es vielleicht auch schafft, dass er etwas sagt, dass mein Warten beendet aber nicht meine Hoffnung.

Manchmal wird dieses, mir wie ein Naturgesetz erscheinendes, Phänomen von „Warten und Hoffen“ sicherlich durchbrochen. Dann hat das Warten ein Ende, einen Sinn und die Hoffnung wird zur Realität. Aber anscheinend gehöre ich (noch?) nicht zu den Glücklichen in deren Leben so etwas geschieht.

Als er mich vor wenigen Tagen endlich anschrieb und mich etwa 3mal fragte, ob es mir gut gehe, habe ich es schon geahnt, als er schließlich an Stelle von „ninjaan“ meinen richtigen Namen, als „Einleitung“ schreibt, breche ich schon in Tränen aus. (Das muss ein ziemlich erbärmliches Bild gewesen sein, junge 25+ Frau weint vor dem Bildschirm ihres Laptops, weil jemand ihren Namen schreibt)

Ich habe versucht ihn aufzuhalten, schrieb, dass er nichts sagen müsse, das alles ok sei! Er sagte, dass er das nicht ignorieren könne und ich nicht von ihm erwarten könnte zu schweigen. (Ich wünschte ich hätte ihn aufhalten können, in diesem Moment wollte ich nichts mehr als ihn aufzuhalten, so zu tun, als hätte ich nie etwas gesagt, als wäre alles gut, cool, wie immer…)

Aber Yaya ist ein Sturkopf, so wie ich und er hat Recht, er sollte etwas sagen. Und das tut er dann auch. Vieles von dem was er sagt, klingt fast einstudiert, als hätte er sich genau überlegt, was er wie sagen soll, als würde er auf Eierschalen laufen.(Und ich hasse das meine Email ihn dazu gebracht hat. ) Er fragt zuerst genau nach, warum ich gesagt habe, dass ich keine Reaktion erwarte, warum ich keine will. Meine Erklärungen sind notdürftig, ich sehe die Tastatur kaum und verschreibe mich öfter als sonst und das dann alles noch auf Englisch – wie schwer ist es Empfindungen in einer anderen Sprache zu beschreiben, egal wie gut man sie beherrscht!

Er sagt mit das er, ebenso wie ich, vieles von dem zurückhält, was gesagt werden sollte/könnte, das er nicht gut darin ist, aber das er angesichts meiner Email, ebenfalls nichts zurückhalten will (und ich merke, dass es auch ihm schwer fällt etwas auf einer Sprache auszudrücken, die nicht seine Muttersprache ist, er verschreibt sich mindestens genauso oft wie ich). Er sagt, dass ich weiss, wie glücklich er ist, mich in seinem Leben zu haben, wie sehr er mich schätzt (ich schluchze so laut, dass ich befürchte meine Nachbarn könnten es hören).

Er fragt mich, ob ich das, was wir haben, aufrecht erhalten kann. Er nennt es Freundschaft, dann „die Bindung“ zwischen uns, dann korrigiert er sich und sagt: „ofcourse i dont wanna say  we were and are normal friends“  Ob ich weiss, was er meint. Ja, ich weiss es und ja, ich sage ihm ich kann und ich möchte das. Nicht weil ich masochistisch veranlagt bin, sondern weil Yaya mehr ist als jemand für den ich Gefühle entwickelt habe. Er ist ein Freund, er ist mir nah, er war es bevor ich Gefühle für ihn hatte und ich will das er es auch in dieser Zeit ist und auch dann noch, wenn ich irgendwann keine Gefühle mehr für ihn haben sollte.

Ich sage ihm, dass er mich kennt, dass ich nicht weiss wohin ich im Leben will, dass ich nicht weiss, was ich mir für die Zukunft wünsche und das ich deswegen nichts erwarte (was eine halbe Lüge ist). „I am like u, u know how I am“ , antwortet er. Ich weiss, deswegen bist du mir so nah Yaya und vielleicht genau deswegen haben wir niemals eine Chance, mehr zu sein, als das was wir jetzt sind.

Alles was er sagt, ist so krampfhaft durchdacht, dass ich bei manchen seiner Formulierungen lächeln muss, als würde er es abschreiben. So durchdacht wie meine Email an ihn. Keine spontane Liebesbekundung, sondern ein durchdachter Text, der alles offen lässt, ausser der Tatsache, dass „u are one of the persons in my life, I really feel for“. Keine Wünsche, keine Bitte, keine Hoffnung. Auch seine Worte sind keine Antworten, eher Fragen, ein leises Nachhorchen ob wir, wir bleiben können, auch wenn er mir nicht geben kann, was eigentlich der Wunsch meiner Email hätte sein müssen. Eine gewisse Erleichterung als ich ihm sage, dass ich nichts weiss, nichts will, nur aussprechen was ich denke/fühle.

Irgendwann dann muss ich das Gespräch beenden, ich muss raus, ich muss jetzt meine Wunden lecken und das geht schlecht, solange ich noch mit ihm rede. Ich bin verabredet ist meine Entschuldigung, und sie ist wahr. „Ninjaan, I hope u never go into a relationship with someone who doesnt deserve u, just because u are afraid of being alone (not normal) it´s a good thing to build a family one day, but not for each price! “ Das lässt meine Gedanken für einen Moment zum Warter schweifen, der sich Gott sei Dank nicht mehr meldet – „No Yaya, I will never do that!“ 

Ich würde nun gerne der geplatzten Hoffnung den Mittelfinger zeigen und sagen, dass sie mich mal gern haben kann. Das ich es wusste, dass ich gut damit leben kann, dass sie sich einfach angeschlichen hat und sowieso nicht erwünscht war. Aber vielleicht sollte ich langsam damit anfangen die Wahrheit zu akzeptieren, aufhören mir selbst etwas vorzumachen, weil es am Ende sowieso nichts bringt, weil es die Hoffnung nicht interessiert, ob ich sie wollte oder nicht. Und weil dieses „Vormachen“ den Schmerz nicht lindert. Also entscheide ich mich dazu, die Zeit zu meiner neuen Königin zu küren, die mir die Enttäuschung, den Schmerz nehmen und die Hoffnung in ihre Schranken weisen wird. Weil sie alle Wunden heilt, auch wenn man jedesmal glaubt, dies mal würde sie es nicht schaffen.