Tod eines Narren

Heute Morgen erreichte mich die Nachricht einer Freundin, die zurzeit in Jerusalem lebt.

„Schau dir das an!“ schreibt sie mir, mit dem Verweis auf diesen Link.

Die Nachricht:

Schon die Überschrift verwundert “ Security man shoots dead Jewish man in Kotel“, nicht weil Gewalt in Jerusalem etwas aussergewöhnliches ist oder weil die Gewalt der Armee und Polizei niemals Juden trifft, sondern weil es an der „Kotel“, der Klagemauer geschah. Das ist in der Tat etwas ungewöhnliches. Gleich der 2. Absatz lässt mich wieder stutzen: „According to the guard the man shouted „Allahu akbar“ (arab. für: Gott ist der Größte)…“ Wie bitte? Wer macht denn sowas?

Aufmerksam lese ich den Rest des Artikels und noch einige weitere Artikel zu den Geschehnissen. Mittlerweile tauchen auch Kommentare in den sozialen Netzwerken auf. Manche hämisch á la „Was für ein Irrer! Selber Schuld, was schreit der auch sowas!“ andere beschweren sich über die Gewalt des „Guards“ der den Mann (dessen Namen ich übrigens nirgendwo entdecken kann) gleich mit einer Vielzahl von Kugeln durchlöcherte.

Über den Toten

Ein regelmäßiger Besucher der Klagemauer beschreibt den Getöteten im oben genannten Artikel als jemanden der seit Jahren bekannt ist. Bekannt, weil er seit Ewigkeiten auf dem Platz der Klagemauer herumirrt, begleitet von ewigen Klagen über die Regierung.  Bekannt auch, für sein auffälliges, nicht selten merkwürdig, erregtes Verhalten. Um anzudeuten, wie weit seine Verrücktheit ging, erzählt einer der Anwesenden davon, wie ebendieser sogar einmal behauptet hätte, er würde Muslim werden wollen. Was an sich, für einen Mann, der seine Zeit an der Klagemauer verbringt (wahrscheinlich also religiös ist) wirklich an Wahnsinn zu grenzen scheint. Er soll auch obdachlos gewesen sein und hin und wieder in der „Suppenküche“ nahe der Klagemauer ausgeholfen haben.

Narren vs. Verrückte

Immer wieder fällt, jedenfalls bei den Kommentaren die ich lese, das Wort „verrückt“. Verrückt ist abwertend. Ich mag diese Bezeichnung nicht, denn vor meinem inneren Auge zeichnet sich ein ganz anderes Bild ab. Das Bild eines modernen Narren. Und wenn ich Narr sage, dann meine ich es keinesfalls abwertend! Es liegt wahrscheinlich daran, dass ich in diesem Jahr zwei Bücher gelesen habe, die sich indirekt mit Narren und dem Narrentum beschäftigten und mein Verständnis von Narren nachhaltig beeinflussten. Zum einen, das Buch von Hazel Rosenstrauch „Juden Narren Deutsche“ und zum anderen, das Meisterwerk „Der Schrecken Gottes: Attar, Hiob und die metaphysische Revolte“ von Navid Kermani. 

Kermani, angelehnt an Fariduddin Attar, sagt, dass die Narren weise sind, „deshalb ihr Schmerz, sie erinnern sich an die Geheimnisse, die die übrigen Menschen vergessen haben“ […]* Er nennt sie frei, da sie „politisch und religiös ausserhalb der Gemeinschaft stehen „[…]** Ähnlich beschreibt Hazel Rosenstrauch, in dem Kapitel Narrologien, die Eigenschaften und den gesellschaftlichen Status der Narren. So zitiert sie den Kommentar eines Holzschnitts aus dem 16 Jhdt.  mit den Worten „Kinder und Narren stehen ausserhalb des Ständegefüges“. Verdeutlichend fügt sie hinzu, dass Narren eben all das dürfen, was andere nicht dürfen. ***

Wirft man nun noch einmal den Blick zurück, auf die, zugegebenermaßen wenigen, Aussagen über den heute Ermordeten, so kann man vielleicht tatsächlich einen Narren erkennen und nicht nur einen, wie wir diese Menschen heute gerne beschreiben, „Verrückten ohne Sinn und Ziel“ . 

Das stimmt traurig, nicht nur weil ein Mensch gestorben ist und ein anderer zum Mörder werden musste, sondern weil  es ein Verlust ist. Der Verlust eines Narren, eine vielleicht so furchtbar seltene Spezies.

 

Der Narr am Galgen

narr-galgen

Quelle. Geistbraus.de

 

*Der Schrecken Gottes: Attar Hiob und die metaphysische Revolte S. 184

** ebd. S. 185

*** Juden Narren Deutsche: S. 40

Prisoners day oder „Wer zuletzt lacht, lacht am Besten!“

Nach den Strapazen an der israelischen Grenze (Ja, das sind Strapazen, so mit kaputtem Knie ne Jeggins im Stehen auszuziehen…ich sag´s euch!), fuhr ich direkt nach Jerusalem in die Altstadt, um dort, wie immer, in meinem Lieblingscafe einen Eiskaffee zu schlürfen! Ich hatte noch etwa 2 Stunden Zeit bis ich mich mit meinem Freund ChuChu am Damaskustor treffen wollte. Auch wenn es nicht sonderlich warm war, besser als in Amman war das Wetter hier alle mal (noch!). Ich wechselte meine jordanische Simkarte gegen die israelische aus und schrieb schnell ein paar Freunden, die ich in dieser Zeit noch treffen wollte und auch eine SMS an Amin, die aber leider niemals ankam (Dubai und Israel…was is da los?). Nachdem ich Bekanntschaft mit einer rotgetigerten Katze gemacht hatte, die mir die gesamte Stunde nicht mehr von der Seite wich und die Leute mich schon fragten, ob sie denn meine wäre, machte ich mich auf zum Damaskustor.

Ich wählte den Weg durch die Altstadt. Blöde Idee, ganz, ganz blöde Idee! Zwar boten mir einige (bekannte) Shopbesitzer einen Stuhl und Wasser an (Jap, ich sah leicht erbärmlich aus so humpelnd mit Krücke) und fragten mich besorgt, was denn mit mir passiert wäre, aber der Weg? Die Weg war nass und glitschig und wäre es nicht so überlaufen gewesen, so wäre ich sicher das ein oder andere Mal hingefallen.

Völlig erschöpft erreichte ich dann irgendwie die Poststation, die etwas entfernt vom Damaskusgate liegt und entdeckte ChuChu in einem schicken Leihwagen. Ein Auto! Sitzen! Ich war so unendlich glücklich! Er sprang mir entgegen und nahm mir den Rucksack ab, drückte mich fest und entschuldigte sich, dass er mich nicht hatte von der Grenze abholen können. „Ach“, wank ich ab, „war gar nicht so dramatisch. Du weißt ja, ich mag´s aufregend!“ Wir fuhren in ein kleines Cafe etwas abseits der Altstadt, bestellten Limettensaft mit Minze, knabberten Nüsse und erzählten die Wichtigsten Dinge der letzten Monate im schnell Durchlauf.

Ich kenne ChuChu zwar nicht lange, aber er ist einer der wundervollsten Menschen, die mir je begegnet sind. Man kann ihn einfach nur lieben und ihnen einen Freund nennen zu dürfen, ist wirklich ein Geschenk!

Leider hatten wir nicht allzu viel Zeit. ChuChu arbeitete gerade mit einem jungen dt. Filmteam zusammen, die Interviews mit ISraelis und Palästinensern führen wollten (Thema: Situation in Jerusalem – Projekt ist leider geplatzt) und die warteten schon ungeduldig auf ihren „Führer“. Und so machten wir uns eine Stunde später auf den Weg die drei abzuholen. Nach einer kurzen Vorstellrunde begannen sie aufgeregt danach zu fragen, ob und wann und wo denn heute was passieren würde.

Passieren? Ich sah ChuChu fragend und irritiert an. Sind sie so neu hier, dass sie glauben jeden Tag würde hier etwas „super mega spannendes“ passieren? „Heute ist Prisonders day.“ flüsterte er leise. „Achwas! Oh Gott und ich weiß das nicht?“ Da unterstellte ich dem Team sie hätten keine Ahnung und ich weiß nicht mal das heute der Prisonders day ist! „Ich wusste es auch nicht – aber pssstt!“ zwinkerte ChuChu mir zu.

Sie wollten zum Damaskustor, dort einen israelischen Journalisten treffen, der ihnen gesteckt hatte, es würde heute etwas passieren. ChuChu und ich waren nicht gerade überzeugt, wir kamen gerade von da und nichts deutete darauf hin. Aber natürlich wollten wir ihre Euphorie nicht zerstören und so lächelten wir nur etwas gequält und stellten uns auf 2 Stunden unnütz am Damaskustor sitzen ein.

Und die erste Stunde war es auch so. Alles war ruhig, es waren mehr Touristen als Palästinenser auf dem kleinen Platz vor dem Damaskustor zu sehen und ChuChu und ich langweilten uns tierisch. Wir beobachteten das dt. Team, dass ein INterview mit dem Journalisten führte. „Er hat nicht wirklich eine Gasmaske mit, oder?“ fragte ich spöttisch. „Der hat sicher auch ne Karte gezeichnet, wie er am Besten flüchten kann, wenn´s „los geht“ !“ frotzelte ChuChu.

Irgendwann jedoch, fast unbemerkt verschwanden die Touristen (woher wussten die das eigentlich???) und es kamen immer mehr Palästinenser. Ein älterer Herr kam direkt auf mich zu und ich bemerkte noch, wie die Jungs neben uns auf der Bank vor Ehrfurcht aufsprangen. Mit Aufpsringen is bei mir nix, also blieb ich sitzen. „Salamu aleikum!“ begrüßte der Mann mich und reichte mir seine Hand. Verdutzt erwiderte ich seine Begrüßung und wechselte ein paar Sätze auf arabisch mit ihm. Wie es mir geht und ob das mit meinem Knie hier passiert ist etc. Zwischendurch sah ich zu ChuChu rüber, der den Mann ungläubig ansah, ebenfalls begrüßte sich wieder setzte. Die Jungs neben uns stellten sich in Reih und Glied um dem Mann die Hand zu schütteln, als er sich ihnen zuwand.

„Weisst du wer das ist?“ – „Nö, du ChuChu?“ – „Ja klar“ Das ist XY! Einer der reichsten Männer der Westbank. Wenn er hier ist, dann gibt es tatsächlich eine illegale Demonstration!“ – „Na, dann freut sich unser dt. Team sicher!“ – „Sicher! Wären sie mal hier bei uns, hätte er vielleicht auch mit ihnen geredet… Wobei, mit dir sprach er auch nur, weil er dachte du wärst eine von uns. Netten Akzent hast du übrigens!“ lachte ChuChu. Ich boxte ihn grinsend in den Oberarm.

Das dt. Team war weniger an XY interessiert als wir dachten, waren aber froh, dass seine Anwesenheit „action“ bedeutete.

Etwa 10 Minuten später versammelten sich etwa 20 Palästinenser auf den Stufen direkt gegenüber des Tores. Sie hielten Plakate hoch und begannen Parolen zu rufen. ChuChu und ich hockten weiterhin auf unserer Bank etwas abseits und beobachteten die Szene.

Er jedoch wurde zusehends unruhiger, stand auf und sah sich immer wieder um. „Was ist los?“ – „Ich weiß nicht, was wenn der Journalist Recht hat?“ – „Recht hat mit was?“ – „Mit seiner Gasmaske!“ – „Sollen wir noch schnell welche besorgen?“ – „Ninjaan! Ich meins Ernst! Du kannst nicht schnell laufen!“ – „Es ist doch alles ruhig. Da vorne sind 7 Soldaten, da 3 und hier 2 Polizisten! Die hätten das doch schon beendet!“ – „Ja…vielleicht…“

Es passierte tatsächlich erstmal nichts. Alles war ruhig, auch wenn die Zahl der Demonstranten jetzt vielleicht auf 35 angestiegen war. Es gab kaum Jugendliche und Fernsehteams waren anwesend. Die Soldaten sprachen nicht aufgeregt in ihre Telefone – alles gut.

Dachten wir zumindest.

Denn als die Demonstranten kurz vor dem Ende ihrer Kundgebung waren, geschah es doch.

„Tränengas!!! FUCK NINJAAN! LAUF!“ Geschockt sprang ich von der Bank auf und spürte sofort einen stechenden Schmerz in meinem Knie. Da war Rauch, Gas was auch immer. Alle liefen unkontrolliert durcheinander, manche schrien. An unserer Seite war nur noch eine Treppe mit überdimensionalen Stufen, die weit genug vom Rauch entfernt war. ChuChu packte mich am Arm, nahm meinen Rucksack und lief los und ich lief mit, weil noch mehr Rauch kam.

Wo zur Hölle kam das Tränengas her? Keiner der anwesenden Soldaten oder Polizisten hatte sich gerührt! Was Panik nicht alles mit einem macht?! Ich schaffte die Stufen, der Schmerz kam erst, als wir uns in ein Restaurant gerettet hatten. Die Soldaten kamen auf Pferden und verfolgten die fliehenden Demonstranten.

ChuChu versuchte die Leute vom dt. Team anzurufen, keiner nahm ab. Leichte Panik breitete sich aus…waren sie ok?

„Shit! Ich hätte das wissen müssen!“ – „Hat keiner gewusst ChuChu, beruhig dich, ist alles gut gegangen!“ – „Wie gehts deinem Knie?“ – „Geht, ich bin nicht gefallen, du hast mich ja schließlich gehalten!“ – „Hätte ich das nicht, hätte Amin uns beiden den Kopf abgerissen!“ – „Achwas!“  Plötzlich begann ChuChu zu lachen: “ Weisste was? Das geschieht uns ganz recht! Weil wir nämlich so blöde über den Journalisten gelacht haben!“ Ich grinste ebenfalls:“ Stimmt, unsere Strafe! Ob er die wohl benutzt hat?“ – „Also ich hätte es!“ – „Tja, wer zuletzt lacht, wa?“

ChuChu´s Handy klingelt, dem Team gehts gut, sie sind mit dem Journalisten unterwegs. Bei dem hätten wir vielleicht auch mal bleiben sollen…

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Jordanien: Reiseroute

So, wie versprochen werde ich nun etwas von meiner Reise berichten. Da alles auf einmal den Rahmen eines Artikels absolut sprengen würde, beginne ich einfach mal mit einer kurzen Zusammenfassung.

Hier erstmal eine Karte von Jordanien (und Israel/Palästina) damit ihr euch ungefähr vorstellen könnt, wie die Route aussah:

detailed_administrative_and_political_map_of_jordanEntschuldigt bitte die eher „stümpherhafte“ Einzeichnung meiner Reiseroute, aber ich bin einfach nicht so gut mit diesen Programmen (und mir fehlt auch irgendwie die Geduld dazu) – aber ich hoffe man kann es dennoch ganz gut erkennen.

Gelandet bin ich Montag Nacht in Amman auf dem gerade neu eröffneten Queen Aliyah Flughafen. Auf dem ich geschockt feststellen musste, dass er zwar schön ist, aber man wohl das Einbauen von Laufbändern (wie in allen größeren Flughäfen vorhanden) für überflüssig hielt. Was für viele vielleicht nicht so das Problem ist, war für mich nach einer 12 stündigen Reise mit meinem Kreuzbandriss doch ziemlich…“bescheiden“. Es waren auch weit und breit kein Flughafenpersonal zu finden und so humpelte ich (wobei humpeln eigentlich noch zu gut klingt) die langen Wege durch den Flughafen bis hin zum Ausgang. Wenigstens wurde ich hier nicht, wie sonst am Ben Gurion Flughafen, auch noch stundenlang aufgehalten!

Die ersten 3 Tage verbrachte ich dann mit Amin und seiner Familie in Amman. Wirklich viel sah ich nicht, da der Arme gleich an meinem 2. Tag eine 24 Stunden Schicht im Krankenhaus hatte und ich so (nicht ganz unglücklich darüber!), meinen 2. Tag im Hause seiner Großmutter, im schönen Stadtteil Shmeisani, auf dem Balkon verbrachte. (Ausruhen war angesagt!)

Dann machten wir uns, gemeinsam mit seiner Tante Hana (die ich in diesem Monat unglauchlich ins Herz schließen sollte – wie und warum werde ich später einmal berichten) auf den Süden des Landes zu erkunden. Sie war einmal Reiseführerin gewesen und war eigentlich die perfekte Begleitung. Eigentlich – weil wir ja nun lieber allein gewesen wären. Aber es war klar, dass daraus nicht viel werden würde…

Mit dem Mietwagen ging es auf nach Ash-Shawbak. Ein relativ kleiner Ort, nicht wirklich viel Tourismus, aber mit einem alten Schloß auf einem der schönen Hügel und einem Hotel, das „Höhlenzimmer“ verspricht! (Fotos gibts später gesondert!)

Nach einer Nacht mit Tante Hana im Höhlenzimmer und Amin nur 10 Meter von mir entfernt, aber in einem anderen Raum, machten wir uns am nächsten Tag nach Petra auf. Für Nicht Jordanier kostet der Eintritt 50 Dinar (1 Dinar = ca. 1,10) – ich war empört und wollte handeln – keine Chance… Trotz allem ist Petra eine der beeindruckendsten Plätze die ich jemals gesehen habe (nur Persepolis in Iran kann das noch toppen!) (Fotos…später 😉 )

Wir verbrachten den ganzen Tag in Petra, für die Übernachtung wollten wir allerdings nach Wadi Rum.

Dort gab es eine nette Feier, mitten im Wüstencamp, tolles Buffet und doch ziemlich komfortable Zelte mit Betten drin. Am nächsten Morgen um 8 Uhr machten Amin und ich uns allein auf, eine Jeeptour durch das Wadi zu machen – ATEMBERAUBEND!

Mittags machten wir uns erschöpft und hungrig auf nach Aqaba – nach der Wüste kommt das Meer! Und ich bin verliebt in Aqaba! Während die meisten Jordanier die ich traf, nicht so viel von der Stadt hielten, fand ich es toll! Bunt, grün nicht zu groß und wesentlich bessere Luft als in Amman! Einfach herrlich!

Am frühen Abend machten wir uns dann auf, zurück nach Amman – ich habe selten so viele schwere Unfälle gesehen wie auf diesem Weg…doch recht beängstigend. Aber Amin ist ein guter und vor allem besonnener Autofahrer. Uns ist nichts passiert!

Die nächste Woche verbrachte ich mit Amin in Amman und wir taten Dinge, die Paare halt so tun. Ins Cafe gehen, Fußball spiele zusammen sehen oder einfach gemütlich gemeinsam auf dem Balkon sitzen und einfach nur genießen.

Dann machte ich mich auf für meinen Kurztrip nach Israel Palästina (Amin flog in der Zwischenzeit mit seinen Cousins nach Dubai um einmal in seinem Leben seine Lieblingsband (Metallica) live sehen zu können).

Ich nahm ein Taxi zur Allenby Bridge und wurde auf der jordanischen Seite wie eine Prinzessin behandelt und mit Kaffee, Gebäck und Zigaretten versorgt, bis es endlich rüber zu israelischen Seite ging. Dort war´s dann vorbei mit dem Prinzessinen Leben. Ich durfte mich, als einzige aus unseren „Schwung“ mit den Sicherheitskräften in die Kabine begeben und ausziehen. Was wäre auch eine Reise dorthin ohne mindestens einmal die Hüllen fallen zu lassen? Ich frage mich schon gar nicht mehr, warum gerade ich…so mit Krücke und lahmen Gang…und nicht einer der jungen Männer mit Kufiya (auch bekannt als Palästinenserschal)…

Ich verbrachte einen tollen Tag mit einem Freund in Jerusalem (sogar etwas action war dabei…dazu aber später mehr!) und fuhr anschließend mit dem Bus nach Haifa zu meiner Freundin. Dort verbachte ich 2 tolle Tage und traf viele ihrer Freunde. Haifa ist meine Lieblingsstadt in Israel – nirgendwo ist es so schön wie dort! Gemeinsam fuhren wir anschließend zurück nach Jerusalem, um weitere Freunde zu besuchen und von dort aus ging es für mich zurück zur Grenze.

Die Geschichte mit dem Grenzübergang:

Ich hatte ja nun ein Double entry Visa, von dem man aber nicht sicher sagen konnte, ob es überhaupt eins war (konnte keiner entziffern) und auch das Gültigkeitsdatum war äußerst fraglich. Ich blieb aber zuversichtlich und fuhr zurück zur Allenby/King Hussein Bridge und: hatte dort keine Probleme! Es wurde auch nichts gestempelt. Klartext: Es wird kein double entry Visa für diesen Grenzübergang benötigt! Wer einmal das Land hierüber verlässt kann, solange das Visa gültig ist, wieder darüber einreisen! Bedeutet: Die Jordanische Botschaft hat mir einach mal 20 Euro zuviel abgeluxt!!!

Bis zu meinem letzten Tag genossen wir die Zeit in Amman, ich wollte schließlich nicht nur reisen, sondern auch die Zeit mit Amin in Ruhe auskosten – einfach ein Paar sein können, was bei einer Entfernung von über 3124km nicht immer gerade einfach ist. Wir gingen gemeinsam ins Kino (Oblivion, würde ich jetzt nicht unbedingt weiterempfehlen…), gingen Essen, trafen Freunde usw.

An meinem letzten Tag dann, fuhren wir noch in die antike Stadt Jerash, nördlich von Amman. Sehr sehenswert!!!

So, das war nun eine kurze Zusammenfassung. Fotos und detaillierte Berichte gibts die nächsten Tage. Ach und als kurze Info: Meine OP wurde verschoben, weil mir DE eine kleine Bronchitis verpasst hat -DANKE! o.O

 

 

Die arabische Leichtigkeit oder Abzocke leicht gemacht

Ich glaube selten war die Planung einer Reise so stressig für mich wie diese hier. Das mag zum Teil an meiner jetzigen, etwas unausgeglichenen, etwas eingeschränkten Situation liegen, aber ich könnte schwören, diesmal ist es auch einfach wie verhext! Und ich habe Jordanien innerlich schon gefühlte 100000mal mehr verflucht als alle anderen Länder in die ich bis jetzt gereist bin.

Ja, die Einreise nach Israel ist für mich immer eine Tortur, aber die Planung der Reise an sich ist kein Problem. Flug buchen, einen gültigen Pass besitzen (am Besten ohne irgendwelche Stempel arabischer Länder und auf gar keinen Fall einen aus dem Iran) und ab gehts. Visum gibts am Flughafen, für 0 Euro (solange man nicht die Stunden der Befragung und das langsame Abdriften in den Wahnsinn in Geld aufwiegt) – that´s it.

Iran war ähnlich unkompliziert für mich. Flug gebucht, 2. Pass beantragt, weil in meinem ersten schon ein Stempel aus Israel zu finden war, Termin mit der Botschaft gemacht und Visum erhalten, für den genauen Zeitraum meiner Reise (3.5 Wochen). Das Visum kostete mich etwa 26 Euro (soweit ich mich erinnern kann).

Jordanien sieht das alles etwas anders. Da kostet das Visum am Flughafen Geld. Und mein Plan nach Tel Aviv zu fliegen und dann über die Allenby bridge/King Hussein Bridge nach Jordanien einzureisen ist unmöglich, weil Jordanien an dieser Grenze keine Visa ausstellt! Die beiden anderen Grenzübergänge liegen ganz im Süden oder ganz im Norden, für mich (temporär mobil eingeschränkte) ist das nur schwer zu bewerkstelligen. Also muss der Flug nach Amman gehen.

Okay, der Flug kostet fast 200 Euro mehr und statt 4.5 Stunden werde ich, mit Zwischenhalt in Istanbul, 12 Stunden unterwegs sein (sag mal Janavar,  wenn du das hier liest: „Wie ist der Flughafen denn so?“ ). Okay, das werde ich überleben. Aber nun das eigentliche Problem. Ich muss das Visum hier beantragen, da ich ein sogenanntes „double entry visa“ brauche. Brauchen, weil ich für einige Tage nach Jerusalem rüberhuschen will, Freunde besuchen, die seit Monaten auf mich warten. Okay denke ich mir, kann ja nicht so schlimm sein.

Naja, schlimm nicht, aber gleich mal 20 Euro teurer. Auch das ist zu verschmerzen, nun soll ich aber meinen Pass zur Botschaft schicken (!) per Einschreiben und einem Umschlag (Einschreiben), damit sie es mir zurückschicken. Okay….mache ich. Ich bin schon etwas genervt, weil ich nicht verstehe, warum ich nicht zum nächstgelegenen Konsulat kann und warum das Schicken nicht wenigstens schon im Preis inbegriffen ist. Aber gut… man meckert ja nicht allzu sehr.

Ich tue also alles was man von mir verlangt und lege noch eine Zettel mit meinen Flugdaten bei, damit sie wissen für welchen Zeitraum ich das Visum brauche (genau 28 Tage, das ist die normale Dauer, sonst muss man es verlängern lassen und sich am Besten bei der Polizei melden und nen HIV Test machen lassen !!!!). Und dann bange und hoffe ich, dass sie es schnell bearbeiten, ich meinen Pass noch rechtzeitig zurück bekomme, und nicht am Ende mit meinem 2. Pass einreisen  muss, was bedeutet hätte, dass ich mir den Kurztrip nach Jerusalem von der Backe putzen könnte (iranischer Stempel und so…).

Und wow! Sie brauchen nicht mal 2 Wochen! Ich bin begeistert. Der Pass ist da, Visum drin, alles gut!

Dachte ich jedenfalls. Bis ich das „expire date“ meines Visums sehe: 01.05.2013. WTF? Mein Rückflug ist in der Nacht vom 6. auf den 7. !!! Das steht auch so in meinem Anschreiben, das steht auch bei meinen Flugdaten! Ich habe ein Visum für genau diesen Zeitraum beantragt! Verwirrt sehe ich, dass mein Visum schon seit dem 01.04. gilt. Wieso bitte?

Amin ist nicht zu erreichen, er hatte eine 24 Std. Schicht im Krankenhaus und schläft. Also rufe ich die jordanische Botschaft direkt an.

Ninjaan: Vielen Dank für die schnelle Beartbeitung, aber ich glaube ich habe da ein kleines Problem!

Fr. von der Botschaft: Gern geschehen! Was für ein Problem?

Ninjaan: Mein Visum gilt nur bis zum 01.05., mein Rückflug ist aber fast eine Woche später!

Fr. von der Botschaft: Aha…achso?

Ninjaan: Achso? Bin ich dann illegal im Land oder wie?

Fr. von der Botschaft: Ach neee, nein quatsch. Das macht nichts!

Ninjaan: Wie das macht nichts? Und warum haben sie mir das Visum schon zum 01.04 eingetragen, wenn ich erst 8 Tage später da bin?

Fr. von der Botschaft: Ja, weil wir es da ausgestellt haben.

Ninjaan: Aha, und wenn ich das Visum vor nem Monat für den selben Zeitraum beantragt hätte, wäre das jetzt vor meiner Reise abgelaufen oder wie?

Fr. von der Botschaft: Hm…also machen sie sich keine Sorgen. Das is egal, wirklich.

Ninjaan: Egal…okay, ich sage denen dann, die sollen sie anrufen, sie hätten gesagt es ist egal. Ich bezahle nicht für noch ein Visum!

Fr. von der Botschaft: Ne, ne müssen sie nicht. Alles gut.

Ist egal? WTF? Das is doch nicht egal? Was ist das für eine Logik bitte? Ab Ausstellungsdatum? Das ergibt keinen Sinn! Was, wenn ich nun mein „double entry visa“ beantrag hätte, weil ich genau am 01.05. nach Jerusalem wollte? Ich wäre also am 4.05. nicht mehr reingekommen, weil mein Visum abgelaufen ist? Wofür habe ich es dann bezahlt?

Amin, den ich inzwischen mit whatsapp Nachrichten bombadiert hatte, ruft mich endlich an. Er winkt ab, sagt mir auch das es nicht so schlimm ist. Aber er fügt hinzu „Naja, dann muss man die halt etwas….“schmieren“. SCHMIEREN? Ich schmiere höchstens der Frau von der Botschaft eine! Die kriegen keinen Cent mehr von mir! Ich glaube es hackt!

Hach, so könnte ich mich den ganzen Tag aufregen und am Meisten hat wohl Amin drunter gelitten. Aber geduldig wie er ist, versichert er mir nur immer und immer wieder „Okay Ninjaani, du bezahlst gar nix mehr. Du beschwerst dich! Ja, genau! Alle böse! Wir geben denen keinen Cent.“ – Ich weiss, er sagt das nur um mich zu beruhigen und weil er meine Aussetzer noch immer für niedlich hält…aber ich sehe es jetzt schon kommen:

Ninja mood in Amman

Ich hoffe, dass ist nur die „arabische Leichtigkeit“ und keine Abzocke, denn wenn, dann sehe ich schwarz – FÜR DIE ANDEREN!

 

 

 

TO DO Liste – Reisecheck

In weniger als zwei Wochen geht es endlich los, meine Reise zu Amin! Wir können es beide kaum abwarten und obwohl es erst einen Monat her ist, dass er zurück gegangen ist, sind wir uns einig, dass diese 4 Wochen schon viiiiiel zu lang waren. Einen Monat werde ich dort verbringen und nur für wenige Tage kurz „rüber“ nach Jerusalem huschen, um Freunde zu besuchen. Ich stecke im Grunde mitten in den Vorbereitungen und habe noch so einiges zu erledigen, bevor es dann am 8. endlich von Hannover aus Richtung Amman geht.

Was ich schon erledigt habe:

neuen Pass bestellt und erhalten (91 Euro Express Pass!!!! )

Pass + geforderte Unterlagen an die jordanische Botschaft geschickt.  (Double entry visa und so….)

Kopfhörer für die Reise bestellt. (Ohne Musik halte ich die 5 1/2 Std. Aufenthalt Istanbul airport nicht aus…)

Tablet PC bestellt. (Ich muss lesen, zwar erlaubt meine gewählte Airline mehr Gepäck als üblich…aber so spare ich einfach Platz)

Sommerkleider zum Schneider gebracht. (Jahaaaaaaa: SOMMER!)

Das Okay von der Physiotherapeutin und dem Arzt eingeholt.

Grenzübergänge Jordanien/Israel ausgiebig studiert (Bin noch nicht so ganz schlau draus geworden, steht dennoch schon auf dieser Liste)

Reisepläne und Unternehmungen gemeinsam mit Amin geplant (u.a. eine Kunstausstellung in Amman Thema: Die Werke von Mahmoud Darwish – YEAAAH!!!)

Was ich noch erledigen muss:

– Die ältere Dame anrufen, bei der ich zuletzt in Jerusalem gewohnt habe und meinen  Besuch ankündigen. (In der Hoffnung, dass sie mir Unterschlupf gewähren wird.

– Ein Geschenk für diese Dame besorgen. (Ein Foto von ihr, Plitschi und mir schick eingerahmt und nen Schnaps wäre wohl das Beste)

– Geschenkte für Amins Familie/Eltern (Am Besten wohl Schokolade und irgend eine nette Deko…? Für Ideen bin ich sehr dankbar!)

– Einen anderen Gang als den von Quasimodo erlernen, bitte bis zum 08.04…

– Adressen von Freunden aufschreiben, um Karten zu verschicken.

– Versuchen meine neuen Haarpflegeprodukte in kleinere Behälter umzufüllen – zu groooß!

– Mit einer Freundin aus Haifa absprechen, wann genau ich sie besuchen kann.

– Einen Freund aus Ramallah bitten, mich an der Grenze im Norden abzuholen, falls ich nicht über den Grenzübergang Allenbybridge kann.

– Süßigkeiten für Freunde aus Jerusalem mitbringen – sie sind verrückt nach dt. Schokolade

– Zum Frisör gehen und ins geliebte „Waxxhouse“ 😉

Und das Wichtigste:

Rausfinden, ob ich die mir überhaupt Urlaub geben, für diesen Zeitraum! – Ich hatte soviel Stress mit meinen jetzigen Arbeitgebern, dass es mir eigentlich auch egal ist, wenn sie sich quer stellen, fahre ich dennoch…

Ich glaube, dass wäre erstmal so das Wichtigste…wahrscheinlich fallen mir in der letzten Nacht aber noch 1000 andere Dinge ein, die ich hätte machen müssen o.O

In absolut beschissenen Zeiten…

 

muss man manchmal Dinge tun die völlig unvernünftig sind, damit es einem besser geht.

Und wo geht es ninjaan besser, immer besser als hier? Richtig, in Jerusalem!

Und weil ich im Dezember Geburtstag habe und meine Mutter meinen „jämmerlichen“ Anblick kaum noch ertragen kann, hat sie meinen Vater und andere dazu überredet, mir einen Flug nach Jerusalem zu schenken – damit ich spätestens dann wieder mal richtig Freude haben kann.

Unvernünftig ist es allemal, da ich, wir, uns das gar nicht leisten können und ich glaube ich, nicht mal wirklich so viel Urlaub habe? Aber egal…lässt sich alles regeln. Und bei diesem Anblick empfinde ich tatsächlich schon so etwas wie Vorfreude.

Ich danke euch Mama und Papa! Ihr seid die Besten!!!

 

Wieder zurück

Eigentlich bin ich das bereits seit einer Woche, aber ich konnte mich nicht aufraffen hier etwas zu schreiben, obwohl ich schon eine Menge Ideen hatte, wie ich was beschreiben möchte.

Sonntag Morgen um 5 Uhr bin ich in Köln gelandet, mein Vater wartete schon auf mich, erschöpft lief ich in seine Arme und begann laut zu schluchzen. Er drückte mich fester und erkundigte sich, ob es denn am Flughafen in Tel Aviv wieder so schlimm war (Ich werde noch darüber berichten) – Nein war es nicht. Ich war nur unendlich traurig, schon den ganzen Flug über. Jeder kennt das, nach dem Urlaub verfällt man oft in ein kleines Loch, man will zurück, nicht wieder in den drögen Alltag zurück. Bei mir ist das noch ausgeprägter, jedenfalls wenn ich aus Jerusalem zurück komme – alle Länder die ich bereist habe sind schön, interessant, atemberaubend, aber Jerusalem liebe ich, liebe ich wie verrückt, wie einen Geliebten.

Jetzt bin ich zurück, habe sofort begonnen zu arbeiten, obwohl mein Körper gestreikt hat, während ich dort nichts hatte, bekam ich hier alles, sogar eine Magenverstimmung (so schlecht kann das Leitungswasser dort dann nicht sein 😉 ) Und noch immer habe ich mich nicht wieder an den Trott gewöhnt. Erschreckend stelle ich fest das, während ich in 3 Wochen so unfassbar viel erlebt habe, hier die Zeit beinahe stehengeblieben ist, sogar die Nachrichtensprecher leiern die selben Nachrichten wie vor meiner Abreise herunter – ich fühle mich ein wenig wie in dem Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Leider habe ich keine Zeit mich in meiner Sehnsucht und meinem „Jerusalem-Weh“ zu suhlen, da in 5 Wochen mein Arbeitsvertrag endet und ich noch keinen neuen Job gefunden habe. Dafür habe ich, wenn ich hier bleiben sollte, ein wunderbares Forschungsthema für meine kommende Masterarbeit – natürlich geht es um Israel 🙂

Ich werde nun anfangen meine Erfahrungen, Begegnungen und Erlebnisse aufzuschreiben. Mal werde ich einfach die Geschichte einer Frau oder eines Mannes erzählen, mal bestimmte Ereignisse, manchmal vielleicht auch einfach eine Beschreibung – immer wieder gespickt mit Fotos – ich hoffe es wird euch gefallen!

Jerusalem, oh Jerusalem

Seit Sonntag Morgen bin ich nun in Jerusalem. Haifa ist/war eine unglaubliche Stadt, aber nichts geht über Jerusalem. Ich bin zum dritten mal hier, alles ist mir vertraut, die kleinen Gassen der Altstadt, die Läden, sogar manch Baum scheint mir vertraut. Nirgendwo anders riecht die Luft so schön so klar, wie hier. Meine Freundin plitschi und ich leben bei ihrer Bekannten, eine ältere Dame, die viel zu erzählen hat. Ihre Wohnung liegt im „jewish quarter“ der Altstadt. Vom Bad und ihren Balkon aus hat man einen phänomenalen Blick auf die klagemauer und die Kuppel der al aqsa Moschee. Fast erscheint es unwirklich was ich gerade erlebe, auch wenn es noch so vertraut ist.
Letzte Nacht sassen wir alle gemeinsam auf dem Dach des Hauses, der Ausblick hier ist unbeschreiblich – in diesen Moment waren plitschi und ich uns einig: es kann keinen schöneren Platz als diesen geben!

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Blick vom Balkon auf die klagemauer.