Gründe

Haben wir ja immer alle, warum wir uns nicht oder nur wenig melden, das Gästezimmer immer noch aussieht wie eine Rumpelkammer, warum unsere Augenbrauen schon wieder Augenbrauen haben …(uh, das klingt etwas fies!) , das übliche halt.
Gründe hatte ich in den letzten drei Wochen tatsächlich so einige, keine die ein 3wöchiges Schweigen erklären, aber Gründe sind Gründe!

Zum Beispiel der Abschied vom alten Job. Der mir mal wieder zeigte, dass man an den unausstehlichsten (subjektiv!) Orten manches Mal die außergewöhnlichsten und wundervollsten Menschen trifft. Der Lieblingskollege bei dessen Abschied ich die halbe Autofahrt weinte, nachdem wir, wie so oft, kilometerlang nebeneinander hergefahren, bei offenem Fenster plaudernd die Straße verstopft hatten. Der mir wundervolle Geschenke überreichte, unter anderem selbstgemachte brownies nach einem Rezept das wir vor vielen Monaten einmal gemeinsam gut fanden, der alle mobilisierte und dessen Mühen und Ideen, so wie sein ganzes Wesen einfach nur herzerwärmend waren. Er fehlt mir nun jeden Morgen. Oder die Lieblingskollegin, die Einzelgängerin mit der ich mich gleich zu Beginn Verbündete, mit der ich allmorgendlich und allnachmittaglich zusammen saß und Leid klagte, Freud teilte und eine Menge Muffins verdrückte. Die, die so weinte an meinem vorletzten Tag, so dass alle, mir eingeschlossen, vor Schreck ob dieser, ihrer Tränen, mit zu weinen begannen.
Oder der Kollege, der neue, der gar nicht mehr neu war und der mit Charme und Witz, aber auch mit Kompetenz und viel Humor mein (Arbeits-) Herz gewann. Der mir den Kaffee morgens bereit stellte und so ziemlich immer ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Er und noch einige mehr, machten mir den Abschied alles andere als leicht. Ich trauere über eine Woche später noch und merke, dass mir noch etwas fehlt um endlich offen für die neue Stelle zu sein.

Der neue Job ist auch ein dieser Gründe, ein guter. Der neue Job ist aufregend mit unglaublich viel Informationen und viel Verantwortung (nach der Einarbeitung), aber er ist nicht nur das. Er ist auch anstrengend, herausfordernd und weckt Erinnerungen. Erinnerungen an Anni, Erinnerungen an mich. Ich bin etwas überrumpelt von all dem, was da noch unverarbeitet ist…

Es gibt noch einen Grund, den letzten der Gründe. Es ist ein schöner Grund, ein teilweise lauter, oft flauschig weicher Grund, ein Grund aus dem Tierheim:

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Das ist Julio, halb Mexikaner, halb irgendwas uns irgendwas, 3 Jahre alt und schon im 3. zuhause, sein letztes. 😁

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Fernweh und Herzweh

Immer öfter sitzen wir abends bei einander, nebeneinander und googlen heimlich nach günstigen Flügen nach Jordanien. Wir ertappen uns dabei, schmunzeln und verwerfen die Idee dann schnell wieder.

Kein Geld, kein Erfolg, so können wir nicht zurück.

Der Winter ist nicht der Längste oder der Kälteste und eigentlich geht es uns gut. Aber wir befinden uns irgendwie im Stillstand. Noch hast du keine Berufserlaubnis, noch gehe nur ich arbeiten. Das nimmt dich mit, zusehends. Du kompensierst das, in dem du immer alles in Ordnung hälst, unter der Woche kochst und backst. Aber ich sehe dir an, wie  unglücklich du mit all dem bist. Du lernst und lernst und wenn du mit mir sprichst, und mit einem fast französisch klingendem Akzent, Deutsch sprichst, dann tust du das laut und selbstbewusst. Sobald fremde dabei sind, wirst du ruhig, schüchtern, deine Stimme zittert.

Du hast Angst vor der großen Prüfung, ohne die du aber nicht arbeiten darfst. Ich versuche dir die Angst zu nehmen, dich aufzubauen. Aber ich weiß, dass du ein Erfolgserlebnis brauchst, eines das nicht nur von mir geschaffen und gewürdigt wird, sondern eines in Form eines Zertifikates und am besten inkl. Arbeitsvertrag.

Du warst so motiviert am Anfang. Jetzt legt sich beim Lernen manchmal ein Schleier von Traurigkeit über deine Augen. Du willst alles perfekt können und stehst dir dabei selbst im Wege.

Das Herz tut mir weh dich so zu sehen. Ich weiß, es ist alles eine Frage der Zeit und bald haben wir es geschafft. Aber das nimmt dir deine Angst nicht, jetzt nicht. Und es lässt dich des Nachts auch nicht besser schlafen. Im Gegenteil, du tigerst rastlos durch die Wohnung und findest deinen Schlaf erst völlig erschöpft in den frühen Morgenstunden. Auswanderer, so wie du einer bist, sind häufig anfällig für eine Depression. Vor allem wenn alles nur langsam vorangeht und selbstgesteckte Ziele nicht im geplanten Zeitrahmen erreicht werden.

Ich würde dir gerne alles leichter machen. Ich denke an unsere unbeschwerte Zeit in Amman im letzten Sommer und schwelge im Fernweh – so wie du. Weil du dort stark sein konntest und dich hier viel zu oft schwach und klein fühlst, egal wie oft ich dir sage, dass du es nicht bist.

In wenigen Monaten haben wir das alles überwunden, dann wirst du für deine Geduld und deine harte Arbeit belohnt werden , hab nur etwas Geduld…nur ein bisschen noch حياتي ! Bis dahin träumen wir einfach weiter von günstigen Flügen und einem baldigen Wiedersehen mit der Familie in Amman…

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Vorstellungsgespräch Nr. 1

Heute, 15 Uhr!

Aufgeregt bin ich nicht, unbedingt haben muss ich den Job auch nicht. Immerhin läuft mein Arbeitsvertrag trotz monatelanger Krankschreibung immer noch (zurück will ich dahin aber, dank Vorstand, nicht mehr!) und ein Jobangebot von meinen alten Arbeitgebern habe ich auch noch. Aber gut wär´s schon – wenn das Gehalt nicht zu wenig ist,  die Stellenbeschreibung gefällt mir doch sehr!

Schaun wir mal!

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Es geht voran

Na bitte! Immerhin etwas! 🙂

Nachdem mein Versuch auszuwandern daran gescheitert ist, dass ich einfach keine Zusage bekommen habe (die sind alle blöd 😦 ) Versuche ich mein Glück nun hier. Neben zahlreicher (Job-) Bewerbungen bundesweit, versuche ich eine Zulassung zur Promotion zu bekommen, der Termin für das Vorgespräch ist am 01.08. (bitte alle Daumen drücken!). Zur Sicherheit habe ich mich allerdings noch um einen Masterstudienplatz beworben (mit FH Diplom ist es nicht so leicht zu promovieren, egal wie gut der Abschluß ist…) und tadaaa, ich habe ihn bekommen! Sollte mein Vorgespräch also schief laufen, die Professorin mich doof finden und mein Thema ebenfalls, habe ich noch die Hoffnung durch einen Master irgendwann mal zu einer Promotion zugelassen zu werden – ich gebe die Hoffnung nicht auf. Wenn ich jetzt noch einen guten Job finde (meine Vorgängerin wird tatsächlich zu 90% im Oktober zurückkommen wollen…) ist die Zukunft erstmal in trockenen Tüchern!

Schule in Istanbul an Ninjaan

Sehr geehrte Frau XXX,

vielen Dank für Ihre Bewerbung. Wir haben zum nächsten Schuljahr keinen Bedarf mehr an DeutschlehrerInnen.

Mit freundlichen Grüssen

XXX

Abteilungsleitung 

Jo, ich danke auch, vor allem, weil ich mich gar nicht als Deutschlehrerin beworben hatte, sondern auf die ausgeschriebene Stelle als Erzieherin!

Hätte ich mal was „Anständiges“ studiert…

Die letzten Tage sind scheisse – einfach nur scheisse! Ich ersticke in Arbeit, wie immer will jeder irgendwas von mir. Der Bürgermeister, der seine unfreundliche Sekretärin bei mir anrufen lässt weil IHR Email Postfach spinnt und IHRE Praktikantin meine Email gelöscht hat. Die Projektkoordinatoren, die anstatt mit meiner Vorsitzenden vor 1 Woche alles zu besprechen, nun unbedingt einen Termin  mit MIR wollen und behaupten schon „zigmal“ angerufen zu haben. Und wer ist an allem Schuld? Die blöde Sozialarbeiterin natürlich – wir sind ja bekannt dafür nix auf die Reihe zu kriegen und für´“Tischtennis spielen“ bezahlt zu werden!

Ich könnte kotzen und ein anständiges WE werde ich auch nicht haben, da ich morgen nochmal arbeiten muss, unbezahlt natürlich, damit die Einrichtung nicht vor die Hunde geht – kein Problem, wir Sozialarbeiter haben kein Leben, uns gehts eh viel zu gut – wir wissen gar nicht was Arbeit eigentlich bedeutet, da können wir am Wochenende ruhig mal arbeiten! Über Yaya will ich gar nicht reden –  vor 21:30 werde ich nicht von der Arbeit zurück sein und einen Kopf für das aktuelle Drama mit ihm habe ich jetzt sowieso nicht – vielleicht ist das gut so? Nein, ist es eigentlich nicht, weil es meine eh schon schlechte Laune noch mehr runterzieht.

Was für eine herrliche Woche – hätte ich mal was anständiges studiert…

Tag X Teil 1

176 Themes und keines gefällt mir und ich habe auch absolut keine Ahnung wie ich mir ein eigenes erstellen kann. Mein Mobile Stick pfeift schon aus dem letzten Loch und es ist mittlerweile gleich 2 Uhr MORGENS. 

Also habe ich mich jetzt einfach für irgendeins entschieden, wahrscheinlich liest das hier sowieso noch niemand und keinem wird auffallen, dass dieses Theme absolut nicht zu mir oder diesem, meinem Blog passt. Aber hey, warum sollten Ninjas nicht auch weiss und grün mögen? 

Ich lasse die Suche nach dem perfekten Design also erstmal und konzentriere mich darauf etwas zu schreiben, bevor es zu spät ist. Das klingt theatralisch, so als wenn ich das nicht auch morgen oder an einem anderen Tag beginnen könnte, aber angesichts meiner Neigung dazu schnell an etwas das Interesse zu verlieren, was ich nicht wirklich begonnen habe, ist es vielleicht verständlich. 

Heute ist nicht nur der Tag X weil ich damit beginne diesen Blog zu schreiben, sondern auch zwei anderen spektakulären Gründen! Spektakulär für mich jedenfalls. Und darum gehts ja hier: um mich. 

Die letzte Nacht habe ich damit zugebracht einen wundervollen Blog zu lesen, das hat mich so beflügelt und inspiriert, dass ich, fast vor Kreativität platzend, schon vor etwa 24 Std. damit hätte beginnen können zu Schreiben. Aber ich konnte mich 1. nicht losreißen und 2. hätte ich eigentlich bald ins Bett gehen müssen um gewappnet und ausgeschlafen auf der Arbeit zu sein. Beides ist mir nicht gelungen! Warum das spektakulär ist? Nun ja, das Erstere ist es eher nicht, aber Letzteres, Ms. “ Workaholic“, Ms „ich gehe auch noch mit 39°C Fieber zur Arbeit“ Ms. „Arbeit tut mir gut“ ist am letzten morgen aufgestanden, hat sich geduscht, Kaffee getrunken und während der Morgentoilette den spontanen Entschluss gefasst: Heute gehe ich mal nicht arbeiten! Heute bleibe ich zuhause! Den Gedanken zwar schon 100mal gefasst, aber eigentlich nie in die Tat umgesetzt, war es diesmal anders! Es lebe die Chefposition! (Dachte ich zumindest noch während ich die Emails an meine Kollegen schrieb…) Ich bleibe also zuhause und tue heute, na was wohl – einfach mal nichts! Ich trinke nur Kaffee, lese den Blog und …ja und, bereitete mich seelisch auf die 2. große spektakuläre Tat des Tages vor (welche ich allerdings schon seit Tagen oder Wochen plane!) aber heute (also gestern) ist (war) eben ein besonderer Tag, das muss man ausnutzen!

Bis nachmittags tat ich tatsächlich nichts anderes als lesen, Kaffee trinken (himmlisch!) und mich bei meiner liebsten Freundin Plitschi (ich änder deinen Kosenamen hier mal leicht um, falls du es eines Tages lesen solltest!) rückzuversichern, dass meine geplante, 2. spektakuläre, Tat heute wirklich umgesetzt werden musste…sollte!

Alles gut, alles toll. Ein schiefer Blick meiner Familie, als ich mich aus meiner Höhle (Wohnung) quäle, um kurz zu sagen, dass mein Auto nur deshalb noch an der Straße steht, weil ich mir überraschend vorgenommen habe heute mal nicht zu arbeiten und nicht, wie sie vielleicht befürchtet hätten, ich schwer krank oder halbtot in meinem Bett liege. (Was sie natürlich nicht gedacht haben, sonst hätten sie ja nach mir geschaut!) Aber ich bin zu gut gelaunt, um ihnen das vorzuhalten, ich werte es einfach mal als Einsicht, dass ich mit 25+ tun und lassen kann was ich will. (Was sie als Eltern natürlich nicht so sehen, jedenfalls nicht immer)

Bevor ich aber nun zu der eigentlichen, noch viiiiel spektakulären Tat komme, muss ich meinem Ärger vom Nachmittag noch Luft machen. Wie schön alles war habe ich ja bereits erwähnt, wie ruhig und wie herrlich es war nicht ständig an die Arbeit zu denken, an das mehr als knappe Etat (wenn man das überhaupt noch Etat nennen kann), die ganzen un-angefertigten Quittungen, die Monatsabrechnung, das riesen GIGA Projekt für das Oberhaupt meiner kleinen beschaulichen Stadt (dessen Antrag immer noch zur Hälfte, unbearbeitet bei mir im Auto liegt) und und und…Bis das alles ein jähes Ende fand mit der ersten, verzweifelten Nachricht meines Kollegen, hier mal ein Auszug unserer SMS Konversation:

D.: Moin. (Als wäre das unser erster Kontakt heute!) O. fragt nach seinem Geld. 24 Std.

Ich: (schon genervt!) Was heißt 24 Std? (Soll das ne Frist sein? Ich glaub ich muss mal wieder die Hierarchie etwas abklären!)

D.: 24. Std gearbeitet. Soll ich ihm was geben? Hätte die Kohle vom Bday  und in der Kasse is auch noch was. (Klar, weil außer mir hier ja niemand mal auf die Idee kommt die Abrechnung zumachen…)

Ich: Ja, nimm den Rest sonst aus der anderen Kasse. 

Hiermit war das Gespräch für mich eigentlich beendet. Aber anscheinend nur für mich…

D.: Wieviel kriegen die denn die Stunde? 5€?

(WTF? Hört mir hier eigentlich niemand zu und warum fragst du das mich, die sich frei genommen hat – ich habe übrigens keine Krankheit vorgeschwindelt – und nicht O. der ja schließlich weiß, was er die Stunde bekommt und sicherlich  gerade neben dir steht!?) 

Ich: Er kriegt diesen Monat nur 4,50, weil er Freitag nicht, wie abgesprochen, vorbei gekommen ist, um sich auszahlen zu lassen! (Ich glaube deutlicher geht es nicht, dass ich genervt bin, oder?)

D.: Kann per SMS Ironie nicht identifizieren. Jetzt im Ernst? Wieviel insgesamt? 

WIEVIEL INSGESAMT??? HABT IHR KEINEN TASCHENRECHNER???

Ich: O. hat das doch wohl ausgerechnet vorher oder etwa nicht? 8;50!

(Man beachte das Semikolon, genau so habe ich es geschrieben. Was dazu führte das ich angerufen wurde und gefragt wurde, was das SEMIKOLON zu bedeuten hätte! Sichtlich gereizt wiederholte ich es: 8 EURO und 50 CENT die Stunde! Als ich wieder gefragt wurde, ob ich das ausrechnen könnte verabschiede ich mich energisch und lege auf!)

Als wenn das nicht genug wäre, eine Stunde später:

D.: So alles ausgezahlt. (Fein gemacht…) XXX Euro. Quittung musste noch fertig machen (Ja, war mir schon klar…) Kannste mal die Nr. von S. schicken, die is immer noch  nicht hier aufgetaucht? (Nö, kann ich nicht. Müsst ihr selber regeln)

20 Minuten später:

D.: Sag mal, was soll W. noch mal für wichtige Sachen unterschreiben und wo liegen die? 

Während ich noch wütend die SMS lese, weil ich nämlich W. schon am Vormittag darüber informiert habe, er solle bitte erst am Mittwoch für die Unterschriften kommen, da ich Montag nicht da bin, klingelt auch schon mein Handy. Na? Wer ist es wohl? D!

Ich musste mich am Telefon wirklich zusammenreißen nicht völlig auszurasten. Habe ich aber dennoch gut hinbekommen, ich war nur etwas patzig und kurz angebunden. Guter Ninja!