Gestern Abend

War das ein Abend! Gestern hatte eine Gruppe meiner Kids ihren Auftritt in einem lokalen „Club“ (Kulturzentrum, wie man´s nennen will). Bis 1 Uhr war ich unterwegs. Ich muss dann doch erst heute morgen zur anderen Arbeit.

Ein verrückter Abend. Meine Kids waren super! Alle waren einfach hin und weg von ihnen und ich mal wieder unendlich stolz, wie ne Mama 🙂 Mein Kazzospielender Kollege ist an diesem Abend auch aufgetreten (ja, auch mit Kazoo – vielleicht war ich später deshalb so empfindlich?) und er hat unseren Kollegen und Bekannten mal wieder ordentlich „Futter“ für ihre Gerüchteküche gegeben!

Mitten während eines seiner Lieder, ich schaute gerade auf´s Handy, schliesslich musste ich noch alle kids irgendwie Heim kutschieren, merkte ich plötzlich, wie sich alle Blicke auf mich richteten, irritiert schaute ich nach oben. Da stand er, sah zu mir runter, zeigte auf mich, rappte irgendwas (keine Ahnung was, ich habe nicht wirklich zugehört…), grinste und zwinkerte mir zu. Alle um mich rum grölten und zeigten auf mich – DANKE! Zum Glück liegt das WE jetzt dazwischen und vielleicht haben unsere Kollegen es bis Montag vergessen!? Ein Jugendlicher sprach mich allerdings darauf an und meinte: „Da ist doch was bei euch! Ihr wärt toll zusammen!“ – Nö, da is nix zwischen uns. War nie und wird nie sein. Ja, wir sind ziemlich lustig zusammen, für Aussenstehende, für ihn und mich ist es manchmal eher weniger lustig. Die Situation ist oft angespannt zwischen uns, warum auch immer!

Ich mag ihn, ich hätte ihn gerne als Kumpel, die Idee fand er damals nicht so toll – na denn nicht!

Da ist nichts, aber trotzdem ereignete sich noch, kurz bevor ich ging, eine ziemlich blöde Situation, die auch ich, obwohl mich sonst dieses Getue nervt, als wirklich blöde empfand. Ich hatte ihm gerade zum Auftritt gratuliert und mich zum Ausgang bewegt, als mich ein alter Bekannter, ehemaliger Arbeitskollege, völlig betrunken aufhielt. Er wollte nen Job – super Idee mich das besoffen zu fragen! Und während er so auf mich einredete, sah ich wie mein anderer Kollege auf mich zu kam. In dem Moment als er dann neben uns stand, sagte Mr „Besoffen“ plötzlich:“ Klar, gibt ninjaan mir den Job! Wir hatten schliesslich mal ne Affaire!“ – Waaaaaaaaas? Aus irgend einem Grund sah ich zuerst zu meinem anderen Kollegen rüber, ob er diesen Blödsinn gehört hat. Jap, hatte er. Er sah mich kurz an, drehte sich dann von mir weg und verschwand! Na toll! Wie bescheuert ist das denn? Er glaubt doch nicht tatsächlich diesen Blödsinn?! Es ist nämlich Blödsinn, Mr „Besoffen“ hatte damals eine Affaire mit meiner Kollegin, nicht mit mir! Bescheuerte Reaktion! Bescheuert von mir, dass ich überhaupt darüber nachdenke!

Aber irgendwie hat mich das alles aufgewühlt. Als ich nachts zuhause ankam, schreib ich Yaya. Erst nichts besonderes, nur das wir einen Auftritt hatten und jemand Kazoo gespielt hat. Die Nachrichten wurden übertragen – keine Antwort. Das brachte mich in Rage! Ich bins leid! Also schrieb ich ihm alles, alles was ich seit Wochen zurückhalte, meinen ganzen Frust schrieb ich mir von der Seele – er reagierte nicht! Gut, dachte ich mir, dann war´s das jetzt, schrieb ihm das und löschte ihn endgültig bei FB.

Jetzt in diesem Moment fühlt es sich gut, richtig an. Irgendwie befreiend. Wahrscheinlich werde ich noch eine Weile daran zu Nagen haben, aber das ist egal. Es zieht sich schon viel zu lange und ich hätte schon längst etwas sagen sollen.

Bye, bye Yaya!

So, und nun schnell zur Arbeit!

 

Kazoo

Ich bin auf der Arbeit, stehe vor der Studiotür, eigentlich wollte ich nur ins Büro, da höre ich es. Jemand spielt kazoo. Kazoo, nichts lässt die Erinnerungen so hoch kommen wie das, oder sagen wir besser fast nichts. Ich öffne mit einem ruck die tür, mein Kollege steht vor mir, etwas erschrocken schaut er drein, sicher aber nur halb soviel wie ich. „Sorry! Bin ich zu laut?“ Ich schüttle den Kopf. „Kennst du das? Is ne kazoo! Ich nicke:“ ja, kenn ich.“ Ich schätze ich schaue ihn an wie ein wundes Reh, er plappert irgendwas, die situation wird leicht unangenehm. Ich glaube er denkt schon lange das ich heimlich auf ihn stehe – tu ich nicht, aber ständig sagt und tut er Dinge die mich so an yaya erinnern… Ich sollte das mal klären…bald. hoffentlich spielt er nicht noch mehr kazoo heute!

Retrospektive Mai 2011

„Put us togetha, how they gon‘ stop both us?
Whateva she lacks, I’m right over her shoulder
When I’m off track mami is keepin‘ me focused
So let’s lock this down like it’s supposed to be
The ’03 Bonnie and Clyde, Hov‘ and B, holla
All I need in this life of sin is me and my girlfriend (me and my
Girlfriend)“  (´03 Bonnie & Clyde)

Deine Stimme ist sanft, ich spüre deinen Atem auf meinem Nacken. Ich koche gerade das Wasser für unseren Kaffee auf, als du plötzlich hinter mir stehst und dieses Lied anstimmst. Ich bekomme eine Gänsehaut, nicht nur weil du so dicht hinter mir stehst und dein unverwechselbarer Duft  dich und mich zu umhüllen scheint, sondern auch weil deine Stimme nicht nur nett ist, nicht nur schön, sie ist atemberaubend und du talentiert. Ich wende mich dir zu, du bist nur wenige cm von mir entfernt und strahlst mich mit einem selbstsicheren Lächeln an, ich lächele zurück, streiche dir über die Wange. „Du solltest singen, nicht nur rappen. Deine Stimme ist zu schön dafür.“ Unvermittelt drehst du dich um, gehst an den Kühlschrank und beginnst den Tisch für das Frühstück zu decken. Ich sehe dich an, alles ist so natürlich mit dir, in diesem Moment, nach der letzten Nacht. Keine heimliche Scham, kein Bereuen.

“ It´s easier to express myself when I rap.“ Ich nicke, als würde ich verstehen, obwohl du das nicht von mir erwartest. Du bist dieses Mal viel entspannter, lockerer, selbstsicherer. Der letzte Abend war schön, würde mir ein besseres Adjektiv einfallen, um zu beschreiben wie es war, würde ich es an dieser Stelle tun. Aber mir fehlen die Worte. Ich setze mich zu dir an den Tisch, der Kaffee ist noch heiss, zu heiss, um ihn schon zu trinken. Ich frühstücke mit dir, obwohl ich das eigentlich nie tue, doch ich weiss, du würdest es ansonsten ablehnen etwas zu essen.

Wir hatten eigentlich einen Film ansehen wollen, so wie beim ersten Mal, aber wir kamen nicht dazu. Es war drückend heiss in meiner Dachgeschosswohnung, du hast das große Fenster geöffnet und begonnen Kazoo zu spielen. Ich habe mich neben dich gestellt, und in den Nachthimmel hinein unternahm ich meine ersten Versuche diesem winzigen „Teilchen“ eben solche Klänge zu entlocken. „It´s ur voice that affects the sound.“ – Darum klingt es bei mir auch eher kläglich und ich überlasse es wieder dir.

Der Himmel ist klar und voller Sterne, wären wir verliebt, wäre es wohl einer dieser magischen Momente gewesen an die man sich bis ins hohe Alter zurück erinnert. Aber weil wir es nicht sind, lausche ich nur gebannt deinem Kazoo Spiel und betrachte den Nachthimmel. Nur manchmal habe ich zu dir herüber gesehen, das Bild von dir, am großen Dachfenster sitzend und Kazoo spielend, hat sich in meinem Kopf festgesetzt. Hätte ich künstlerisches Talent und man würde mich bitten dich zu malen, nicht nur dein Äusseres, sondern auch dein Innerstes, so wäre es dieses Bild. Wie sehr wünschte ich mir ein solches Talent zu haben.

Dieser Moment verging, wie alle Momente irgendwann einmal vergehen. Mir war nicht danach einen Film zu sehen, dennoch setzte ich mich vor den neuen Fernseher und suchte nach der Einstellung für den USB Anschluß. Aber auch dir war nicht mehr danach einen Film zu sehen. Du hast dich hinter mich gehockt, die Arme um mich geschlungen und mich auf die Wange geküsst. “ We don´t need to watch a movie now…“ Ich lächelte dich an, weil du dachtest was ich dachte, weil dieser Moment  vielleicht doch ein kleines bisschen magisch war und zu schön, um ihn nun mit einem B-Movie ausklingen zulassen. Diesmal küsstest du mich.

Ich bin nicht verliebt und du bist es nicht, deswegen ist es so schön, so ungezwungen und ich konnte mich dir hingeben, weil ich mich nicht fürchte, nicht vor dir.

Nach dem Frühstück gehst du, ich fahre dich nicht, ich werde das im nachhinein bereuen, weil ich hätte wissen müssen, dass es deine reine Höflichkeit war, die dich mehrfach sagen liess “  U don´t need to drive topol, it´s ok, really! The weather is perfect, I´d like to walk!“  Nachdem du fort bist stehe ich noch ein wenig am Fenster, ich nehme deinen Duft noch wahr, als wärst du nicht gegangen. Als ich mich umdrehe bemerke ich deine Jacke, sie ist es die deinen Duft weiterhin verströmt. Es ist warm, zu warm, darum hast du sie vergessen. Dein Duft ist so betörend, ich muss sie in den Flur hängen. Ich bin nicht verliebt in dich, was soll ich also deine Jacke länger in meiner Nähe haben?