Robin Hood oder so…

Ich stehe vor dem Bereichsleiter. Ich habe seine Frage gehört und auch verstanden, so müde, dass ich mich darauf nicht konzentrieren könnte, bin ich auch nach einer langen, ätzenden Woche nicht. Aber was soll ich auf seine Frage antworten?

„Warum haben sie eigentlich ein so großes Interesse an der interkulturellen Arbeit und wichtiger, warum sind sie dann hier gelandet?“

Erst wenige Stunden zuvor saß ich mit einer türkischen Mutter bei einer ausgelagerten Beratungsstelle, habe ihre Papiere gewälzt, Pläne erstellt und mir die Beschwerden über die Mitarbeiter der zuständigen Ämter angehört. Während der 1 1/2 Stunden in der Beratungsstelle fühle ich mich gut, irgendwie gelassen. Ich kann sicher und kompetent beraten, sitze neben einer Kollegin, die genau wie ich früher, immer wieder mit solchen Fällen zu tun hat. Ich spüre wie die Anspannung der letzten Tage von mir abfällt. Ich hätte nicht da sein dürfen, das fällt nicht in meinen Aufgabenbereich, die Frau fällt nicht in meinen Aufgabenbereich. Hinter dem Rücken der Chefs und mit der Unterstützung der Kollegen habe ich es dennoch durchgezogen.

„Ihre Tochter meint, sie wäre Robin Hood. Ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finde.“ sagte vor über einem Jahrzehnt einmal mein Englisch Lehrer, der mir wohlgesonnen war, zu meiner Mutter.

Robin Hood klingt edel. Edel fühlte es sich heute an, ich glänzte, verspürte das Feuer, dass ich immer hatte, wenn ich genau in diesem Bereich tätig war und das jetzt irgendwie auf der neuen Arbeit nur noch ein Flämmchen ist.

Doch als der Bereichsleiter mir diese Fragen stellt, wird mir klar, dass es nicht edel und selbstlos von mir ist, sondern im Grunde egoistisch. Ich bin gut in diesem Bereich, das Wissen, der Bezug zu den Klienten fällt mir irgendwie in den Schoß, ich muss mich nicht groß anstrengen, oder besser gesagt, es ist keine Anstrengung für mich, sondern eine Leidenschaft. Um diese Leidenschaft zu befriedigen, verstoße ich auch in der Probezeit gegen Anweisungen von oben, nicht weil ich tatsächlich Robin Hood bin.

Ich antworte nicht direkt, drehe mich, während ich einen Erklärungsversuch dahin stammele, sogar mehrfach um, einfach so. Das muss komisch ausgesehen haben. Ich sage etwas über das Interesse an fremden Sprachen, Kulturen, irgendwas sagen, nur den Job nicht gefährden, nur nicht zeigen, dass mir in diesem Moment klar wird, dass ich eigentlich lieber in einem anderen Bereich arbeiten würde. Das ich mich lieber wieder mit Ausländerbehörden und Schulen rumschlagen will. Das ich lieber wieder Chefs hätte die meinen „Aktionismus“ (O-Ton meiner Vorgesetzten) schätzen und nicht ausbremsen. Das ich lieber wieder die Fördernde wäre, als die Fordernde. Das ich lieber Kunst und Kulturprojekte auf die Beine stelle, als Berichte zu korrigieren. Das ich lieber wieder Robin Hood spielen möchte  (auch wenn ich eigentlich eher Schneewittchens Stiefmutter bin, die in den Spiegel sieht, um Anerkennung zu bekommen) als Sir Hiss zu sein.

Ich dramatisiere. Ich mag die Kollegen, ich mag das Klientel, aber mir fehlt das Feuer, die Narrenfreiheit, die Leidenschaft und die Leichtigkeit. Ich lerne etwas Neues, das ist gut. Aber, um ehrlich zu sein, träume ich schon von einem neuen Job, im alten Bereich..

rh-tile-copy

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Ein Bisschen von dir

Januar 2013

Amin: Where do u get all these songs from Ninjaan? I really cant believe it!! Awesome!

Ninjaan: Ha! I´m a music bomb! Whatever u like, any style, any language, doesnt matter!

Amin:  Haha music bomb! So show me please!

Ninjaan: I will! Promised!

März 2011

Yaya: What music do u prefer?

Ninjaan: Rap….classic.., good music?

Yaya: Aha! Good! Because, u should know that I am the music bomb! Whatever u like – I have it!

Ninjaan: Haha, music bomb!

Erst als Amin den Ausdruck „music bomb“ wiederholt und sich darüber amüsiert, erinnere ich mich. Ich habe den Ausdruck von dir, viel mehr aber noch die Tatsache, jetzt selbst eine „music bomb“ zu sein. Und wenn jemand da ist, so wie Amin, der genauso wie ich offen für alles ist (was Musik anbelangt), dann macht es Freude zu teilen. Dir konnte ich selten etwas Neues zeigen, du kanntest es doch eh schon, alles, jeden Film, jedes Lied – bei Amin kann ich mich austoben, kann auch ihn zu einer music bomb machen, wenn er denn möchte. Wenn er lange genug bleibt.

Ein bisschen, habe ich von dir mitgenommen. Es stürzt mich nicht in tiefe Trauer, sondern lässt mich lächeln,tumblr_m7yhj4dw7f1rri77io1_500 natürlich,  und etwas wehmütig, denke ich daran wie schön es wäre, dir davon erzählen zu können. Aber es geht auch so, muss so gehen.

Für den Fall, dass du jemals diesen Blog hier entdecken solltest möchte ich dir dennoch sagen: Danke Yaya, für all die Anregungen, das Schärfen meiner Sinne und das Erwecken verborgener Leidenschaften. Denn ein bisschen, habe ich das doch alles von dir.

 

Erklärungsversuch

„Mit diesem Blog habe ich aus einer Euphorie heraus begonnen und finden nun immer mehr Gefallen daran…

Ein weiterer Grund ist, dass Ninjaan verliebt ist. Wow, ich habe es gesagt und es klingt furchtbar und kitschig, aber das ist nun mal die Realität, jedenfalls jetzt zur Zeit. Ich möchte diese Geschichte festhalten, ich will mich erinnern, weil sie viel für mich bedeutet. Nicht weil ich das erste Mal verliebt bin oder weil ich glaube es wäre das letzte Mal, sondern weil es mir, unabhängig von ihrem Ausgang, viel gegeben hat und das in jeder Hinsicht.“

 

Ich hatte so einiges vor, wollte wieder mehr schreiben, hatte ein Thema angekündigt und was ist gekommen? Nichts. Nicht weil ich keine Zeit dafür hätte, nicht, dass ich es nicht versucht hätte, begonnen hätte zu schreiben, mich zu erinnern, nur – es wurde nie fertig und fühlte sich nicht richtig, nie gut an. Das Zitat stammt aus meinem Text „About“ und beschreibt treffend warum ich begonnen habe zu schreiben.

Ja, unabhängig von diesem, doch unerwarteten, Ausgang hat es, nein er, mir viel gegeben, unter anderem die Leidenschaft darüber zu schreiben, über mein Leben zu schreiben. Nun, da er fort ist, bleiben zwar die Erinnerungen und das Gute, was ich erfahren und erleben durfte, nur leider, leider nimmt er eben so viel von mir mit sich.

Er ist fort und mit ihm all die Faszination, all die Geheimnisse, die Leidenschaft und die Inspiration, die ich so sehr gebraucht habe und immer noch brauche.

Nein, ich lebe nicht in einem Jammertal aus Tränen und Antriebslosigkeit. Nicht jede Stunde des Tages ist grau und leer. Nur Schreiben, ohne ihn, das fällt mir schwer, zu schwer.

Retrospektive Juli 2011

Trotz der aktuellen „Albtraumsituation“ schreibe ich an der Retrospektive weiter…

„And it’s breaking my heart, I know what I must do,
I hear my country call me, but I want to be with you,
I’m taking my side, one of us will lose,
Don’t let go, I want to know,
That you will wait for me until the day,
There’s no borderline, no borderline; Walking past the border guards…” (Chris de Burgh: Borderline)

Es ist so lange her, dass wir uns gesehen haben oder kommt es nur mir so vor? Die letzten Wochen hatte ich fast komplett durchgearbeitet, 2 Wochen lang Ferienfreizeit auf Rügen, danach Einspringen für „kranke“ Kollegen. Du fehlst mir, ich fehle dir. Es kommt immer etwas dazwischen, ich werde ungeduldig, warum macht es mir so viel aus, dass wir uns nicht sehen? 8o km erscheinen wie eine unüberbrückbare Distanz. Endlich schaffen wir es doch ein Treffen zu vereinbaren, du kommst direkt nach der Arbeit. Ich bin schon einige Zeit vorher am Bahnhof, ich bin aufgeregt – warum? Ich sehe dich auf mein Auto zukommen, du wirkst müde, die Mütze tief ins Gesicht gezogen, den Rucksack auf den Schultern und Kopfhörer auf den Ohren, ich musste lächeln. In diesem Moment hobst du den Kopf, hast mein Auto erblickt und ebenfalls gelächelt. Dein Lächeln ist so entwaffnend, vielleicht weil du es immer noch so selten tust? Du steigst ein, umarmst mich, ich rieche an dir und lächel. „I am so hungry topoljaan…“ Keine Sorge, ich habe an alles gedacht Yaya, es ist kaum was im Haus, ich bin pleite, aber für dich habe ich immer noch was übrig und natürlich Cola – wie könnte ich Cola vergessen? Ich ziehe sie vom Rücksitz hervor, du strahlst ein wenig mehr und nimmst einen Schluck. Dann stimmst du plötzlich das oben genannte Lied an. Deine Stimme verursacht Gänsehaut, ich bin davon überzeugt, dass das nicht nur bei mir so ist. „U know the song?“ Ich nicke und denke: „Hör jetzt nicht auf zu singen…“.

Es ist so unfassbar heiss, es ist Sommer, meine Wohnung gleicht einer Sauna, oben im Dachgeschoß angekommen, sind wir beide ganz schön ausser Atem, ich verkneife mir einen Spruch über dein Alter, an deinem skeptischen Blick erkenne ich, dass du genau das gerade erwartet hast. Ich setze Wasser auf, Tee, wie kannst du jetzt nur Tee trinken wollen? Mir läuft schon allein bei dem Gedanken an Tee der Schweiß herunter, es ist so unfassbar heiss…

Plötzlich stehst du hinter mir, ich rieche dich, ich spüre deine Nähe. Ich kann nicht an mich halten, ich habe dich zu sehr vermisst. Ich spüre wie ich weiche Knie bekomme, ich drehe mich zu dir um und sehe dir direkt in die Augen. Dein Blick ist ebenso magisch wie deine Stimme, dieser sehnsüchtige Ausdruck in deinen Augen, als würdest du stetig nach etwas suchen – Such nach mir, würde ich gerne sagen, stattdessen berühre ich deine Wange und küsse dich, erst vorsichtig, dann leidenschaftlich. „I want u so badly“ – bei diesen Worten verwandelt sich die Sehnsucht in deinen Augen in ein Feuer. Vergessen ist der Tee, die Hitze –  nur du und ich. Wir stehen mitten in der Küche und können nicht voneinander lassen. Ich will alles von dir, du willst alles von mir. Ich lege jede Scham ab, es gibt keine Scham zwischen dir und mir, keine Grenze, es gibt nur dich und mich.

Vielleicht ist es die Hitze? Vielleicht aber auch nicht, als wir Ewigkeiten später auf meinem Bett landen, du über mir und ich dieses Gefühl kaum noch aushalte, dieses Gefühl, dass du in mir hervor rufst. „Are u afraid?“ flüsterst du mir leise ins Ohr „ Yes I am…“ – „Don´t be, I won´t hurt u. I will never hurt u.“ Dann lasse ich alles zu, alles von dem ich immer dachte, ich würde es niemals wollen. Mit dir will ich es, mit dir will ich es so sehr! Alles mit dir ist so perfekt, Leidenschaft? Ich wusste nicht was dieses Wort bedeutet bis ich dich traf. Mit dir ist alles neu, alles aufregend, ich lasse mich fallen. Irgendwann liegen wir erschöpft, halb auf- halb nebeneinander auf dem Bett, ich zittere, ich bin so überwältigt. Du streichelst sanft mein Haar, küsst meine Schulter. „I never…I mean I never..“ Du siehst mich an und lächelst: „ Me neither…“

Ich werfe dir einen mißtrauischen Blick zu, du bemerkst ihn und schüttelst den Kopf “No need for me to tell u a lie ninjaan!” Als ich versuche aufzustehen und ins Bad zu gehen, hälst du mich zurück, du willst nicht, dass ich aufstehe „I want u the way u are now!“ – ich lasse mich zurück in deinen Arm fallen. Das Zittern will nicht aufhören, du küsst mich und beginnst zu erzählen, irgendwas, ich höre nicht wirklich zu, ich sehe dich nur an. Was ist das? Was ist das für ein Gefühl? Es hört nicht mehr auf! Der Überwältigung folgt nun die Erkenntnis: Das ist keine Gefühlslosigkeit mehr! Du bist nicht irgendwer für mich, du bist viel mehr. Der Sex ist nicht so perfekt, weil er ohne Verpflichtung ist, er ist perfekt, weil er mit dir ist!

Ich spüre Angst in mir aufkommen, das soll nicht sein! Das darf gar nicht sein! So war das nicht geplant! Du bemerkst meine Blicke „ Are u okay? Are u listening to me?” Nichts ist ok möchte ich sagen, gar nichts ist ok Yaya, ich glaube ich verliebe mich gerade in dich! Stattdessen schüttele ich den Kopf, Wut kommt in mir auf, auf mich selbst, auf dich, auf alles. „Sorry, I am tired, what did u say?“  frage ich betont gelangweilt. Ich sehe dir die Verletzung an, du hast irgendwas Ernsthaftes erzählt, etwas wichtiges, etwas aus deiner Vergangenheit und ich habe nicht zugehört. Ich versuche das zu überspielen und beuge mich zu dir hinüber um dich zu küssen. „I am talking to u! U are not listening and now u want to kiss me?” Du wehrst meinen Versuch ab, meine Wut steigert sich, was soll das alles? Wir haben nur Spass zusammen! Ich sollte nichts fühlen und du? Du solltest dich nicht so anstellen!

Ich drehe mich weg, du schaltest das Licht aus. Es ist so heiss, wir können nicht schlafen, irgendwann spüre ich, wie du dein Bein zwischen meine schiebst, das machst du immer, zum Einschlafen sagst du.

Sei nicht so nah, du darfst nicht so nah sein Yaya. Das ist nicht gut, ich kann damit nicht umgehen. Ich bin am nächsten Morgen ganz kühl zu dir, du erträgst es schweigend. Am Bahnhof reiche ich dir die Hand, drehe mich weg, als du mich auf die Wange küssen willst. Wir lächeln gequält. Das wird zur Qual denke ich mir, keine Treffen, bis ich mich eingekriegt habe – ich kriege mich schon wieder ein.

Zwei Tage später bitte ich dich um Entschuldigung, du sagst, es gäbe keinen Grund sich zu entschuldigen, alles wäre gut – leider war von da an nichts mehr gut, nicht für mich, weil ich nicht lieben will…