Random thoughts #2

Die ganze Welt spricht über Kobane, als wäre es die einzige Stadt Syriens, als wäre der Krieg nur dort, als würden nur Yeziden sterben.

Diesen Sommer war das fasten im Ramadan besonders schwer, es war nicht nur recht einsam für uns und heiß und lang, es war auch überschattet von den immer grausameren Geschehnissen aus Gaza und Syrien/Irak. Ein Iftar (Mahlzeit des fastenbrechens nach Sonnenuntergang) aber war anders, wundervoll und gab uns viel Kraft.
Soha lud ein. Spontan und herzlich. Sie hätten extra halal Fleisch gekauft und würden nun bis Sonnenuntergang warten, um mit uns das vorbereitete Festmahl zu genießen. Wir wurden wie König und Königin empfangen, zum Sonnenuntergang gab es große Wassergläser und frische Datteln, von der Herrlichkeit der anderen Gerichte ganz zu schweigen! Bis tief in die Nacht blieben wir, gemeinsam mit Soha’s Brüdern, der Mutter, Schwägerin und den Kindern, rauchten Wasserpfeife, tranken duftenden schwarzen Tee aus goldumrandeten Gläschen und knabberten selbstgemachte Kekse. Amin blühte auf als alle mit ihm arabisch sprachen und genoss das Essen, die Gemeinsamkeit und all das Vertraute ganz besonders.
Irgendwann sah Soha zu Amin und sagte mit fester Stimme an mich gerichtet : „ich dachte für einen Moment, dass ihr vielleicht nicht kommt, unser Essen nicht wollt. Das war in Syrien oft so, auch wenn man befreundet war.“ Ich schluckte kurz und umarmte sie dann. „Niemals!

Monate später erreicht mich wieder eine Einladung von Soha. “ ich bin die Schlagzeilen so leid, das Leid so leid, bitte komm Ninjaan und lass uns das einen Tag vergessen.“ Das Leid vergessen, widerlegen das wir Feinde sind, die Zuneigung gegen alle Vorurteile spüren – das ist so wichtig!

Was wäre ich ohne das? Was wäre ich ohne meine Freunde und Bekannte die Juden, Christen, Yeziden, Atheisten, Agnostiker, Freikirchler usw sind, die mich immer wieder erinnern.

Erinnern daran, dass mein eingangssatz verbittert klingt und unfair ist. Unfair, weil es nicht Yeziden sind, die den Rest des Unrechts an die Seite schieben, nur weil sie auf ihres zurecht aufmerksam machen – sondern Medien.
Um nicht zu vergessen, müssen wir in Kontakt bleiben, miteinander reden. Immer!

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Ohne Titel

3/4 der Zeitungsseite.

Sein Gesicht hinter einer Akte versteckt, der Anwalt schützend neben ihm.

3/4 der Zeitungsseite Raum. Raum für seine Worte. Seine Erkärung.

Ich verfluche jede Silbe, jeden mm den sie ihm geben.

Dennoch höre ich nicht auf zu lesen, auch nicht als der Autor des Artikels von den Erzählungen zur Tat kommt. Im Detail, ohne Vorwarnung steht es dort.

Schwarz auf Weiß.

Gleich nach all den Behauptungen gegen und über dich Anni, beschreiben sie den Tathergang bis ins kleinste Detail.

Und während ich lese sehe ich uns, im Sommer 2004 in meiner lichtdurchfluteten 1Zimmer Wochnung. 18 und 21. Und ich höre deine leicht nasale Stimme, die mir vom Islam erzählt und von der Liebe und vom Leid mit dem Mann an deiner Seite.

Doch dann, dann drängen sich die Bilder aus dem Zeitungsartikel in meinen Kopf.  Die Bilder wie er dich hingerichtet hat, überrascht hat, im Bad. Ich würge. Ich sehe dich auf kalten Fliesen liegen. Ich übergebe mich und der Tränenfluß ist endlos. Stundenlang versuche ich die Bilder zu verdrängen.

Aber sie sind zu laut. Der ganze Artikel ist laut und kalt, es ist sein Artikel und nicht deiner.

Du bist tot. Er lebt und redet, über dich und sich und alles was  ER will. Und die Zeitung druckt was SIE will. Und nicht nur nahm er dir dein Leben und das Leben deines ungeborenen Kindes, sie versuchen auch dir die Würde zu nehmen und alles wofür du eingestanden hast, dein viel zu kurzes Leben lang.

Der Artikel ist laut. Es ist seiner, nicht deiner. Und sie reden über den bösen Islam, aber nicht über dich als Muslimin, sondern über ihn, als Opfer seiner Familie und einer radikalen Religion.

Alles ist so laut Anni und du bist still. Und ich schaffe es nicht meine Stimme zu erheben, ich bin wie gelähmt und verschließe meine Ohren, vor diesem Lärm.

Ich war immer feige Anni, so feige.

Vergib mir. Oh Gott, bitte vergib mir Anni….

Relativierung, die Zeit heilt alle Wunden oder eine neue Liebe…

Yaya: das mit dir und Amin…das ist so richtig ernst, oder?
Ich: ja 🙂
Yaya: ich gratuliere Ninja! Bist du glücklich!
Ich: Sehr! So muss es sein…genau so
Yaya: das ist gut! Du bist toll, dann ist er es auch!
Ich: sie übertreiben mein Freund !

Ich: Yaya?
Yaya: ja?
Ich: und du?
Yaya: irgendwie…ja. Also, du weißt ja, ich will eigentlich nicht…aber es ist passiert und…
Ich: das ist doch schön! Du musst nicht immer allein sein!
(Gott, bitte lass es nicht SIE sein…alle nur nicht SIE!)
Yaya: ja, aber es ist so on/Off und…du weißt ja wie ich bin…
Ich: du bist gut wie du bist, sträub dich nicht so dagegen. Ich bin auch kompliziert und bei mir…
Yaya: bist du nicht. Du bist toll.

Yaya: willst du sie sehen?
Ich: klar!
…“Bilddatei “
Ich: cooles Foto! Und sie sieht auch sehr cool aus! Ihr lacht beide!
Yaya: ja, sie hat Humor…eigentlich passen wir gar nicht so…
Ich: Klappe, genieß das, such nicht!
Yaya: ok…

Vor 2 Jahren habe ich geglaubt eine solche Nachricht würde mich zerreißen, ein Foto mich zerstören. Alles ist gut. Ja, ich wollte nicht das SIE (unter retrospektive findet man heraus wer SIE ist) es ist…einfach …weil es mich immer noch verletzen würde, der Gedanke. Es ist jemand anders und ich freue mich, aufrichtig. Es ist komisch, aber ich stelle mir nicht mehr die Frage warum nicht ich, weil ich es weiß ( we were never meant to be lalalala)

Alles gute Yaya, liebe kommt in allen facetten, du musst es nur zulassen.
Ninja

Im Juli wird alles anders

Habe ich mir gesagt und auf den Urlaub und etliche Bewerbungen von Amin und mir gesetzt.

Doch der Monat begann nach vor unserem Urlaub mit einem Verlust. Unsere Esmeralda, eine unserer Ziegensittiche, die wir in den letzten Monaten so ins Herz geschlossen hatten, lag tot im Käfig. Wir begruben sie  hinter dem Haus und damit unser verbleibender Liebling Hakim während des Urlaubs nicht allein war, brachte wir ihm noch schnell einen Freund. Diesmal vom Züchter. Den kleinen Nouri. Nouri war von Anfang an anders als Esmi und Hakim es jemals waren. Er sprach viel, war aufgeweckt und begann gleich munter Hakim zu füttern. Ein Happy End für Hakim.

Der Urlaub in der Türkei (Fotos folgen) war zauberhaft, erlebnisreich und leider so kurz. Aber wir wollen definitiv zurück kommen! Side war nett, der Strand und das Meer toll und die Natur bei Manavgat war unglaublich schön!

Zurück aus dem Urlaub waren wir motiviert, schickten fleißig Bewerbungen und genossen die Sonne und den Monat Ramadan.

Dann starb Hakim.

Hakim war unser Liebling, unser liebster. Als er starb weinten wir beide so stark, dass wir, vom Fasten ganz geschwächt, beinahe zusammenbrachen. er war einfach tot und Nouri saß, das erste und einzige mal stumm, neben ihm. Wie man ein Tierchen nach so kurzer Zeit so sehr ins Herz schließen kann… Der Tag war unfassbar und wir schliefen in der Nacht vor Erschöpfung vom Weinen ein.

Nouri ist seitdem allein bei uns, auf Anraten des TA, für ein paar Wochen, bis wir sicher gehen können, dass er keine Krankheit hat. Es sind bald zwei Wochen um…es sieht gut aus. Nouri scheint gesund…

Irgendwie völlig runtergezogen von dem Verlust unseres Lieblings starteten wir in die Mitte des Julis. Ich hatte wieder Urlaub, aber genießen ging nicht wirklich. Der Druck eine Arbeit finden zu müssen lastete auf mir und auf Amin, für den das alles noch schwieriger ist…

Überall bekomme ich Absagen. Überall bekommt er Absagen. Es frustriert und uns fällt nicht mal auf wie aus Sonne wieder Regen und dann wieder Sonne und wieder Regen wird.

Dann sehe ich eine Stellenausschreibung, sie ist nur in TZ, ich suche nicht nach TZ, aber nach einer Arbeit wie dieser. Amin ermutigt mich, eine Freundin eben so. Ich rufe an, schicke eine Bewerbung und gehe am nächsten Tag zum Vorstellungsgespräch. Ich kanns gar nicht glauben, nach einer so langen Pechsträhne und stetigen Absagen scheint es zu klappen, gerade bei diesem Job! 4 Stunden nach dem Gespräch rufen sie mich an, sie wollen mich, nur mich! Heute habe ich den Vertrag unterschrieben!

Ja, es ist weniger Geld, aber Amin kämpft sich durch den Dschungel der Bürokratie und sucht sich nebenbei etwas. Ja, es ist weniger Geld, aber es ist das was ich wollte.

Das Lied verrät euch, was es ist:

http://www.youtube.com/watch?v=1iUoqTaowaI

Für dich Anni.

Sonne, Meer, Ramadan und die Suche nach Stabilität

Es ist Ramadan!

An alle meine muslimischen Leser und Leserinnen:

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Und in diesem Sinne:

Der Liebende findet das Licht nur, wenn er brennend
wie eine Kerze sich selbst verzehrt, 

Fariduddin Attar

Trotz Ramadan und gerade aufgrund unserer immer noch Recht „un-zufriedenstellenden“ Ausgangslage (Probleme -weiterhin- mit der Approbation und der Stellensuche, mein Vertrag ist gekündigt zum September…) haben wir uns entschlossen einen gemeinsamen Kurzurlaub zu unternehmen. Wann immer wir konnten haben wir in den letzten Monaten unser Geld zusammengekratzt, um auch einmal etwas anderes zu sehen. Raus kamen dabei bisher: Brüssel, Hamburg und Berlin. Jedesmal war es schön und doch kurz (3 Tage maximum!). Wir beide gehören zu dem Typ Mensch für den eine Kurzreise eine Entschädigung und eine Erleichterung ist, für all das, was nebenbei so schief läuft.

Nun ist in wenigen Tagen unser erster Hochzeitstag und den wollen wir, so hatten wir es einander versprochen, jedes Jahr, zumindest die Nacht, in einem Hotel verbringen. Gemessen an unserer derzeitigen Stimmung war aber eine Nacht im Hotel nicht genug und so freuten wir uns über den Lohnsteuerjahresausgleich und buchten, was wir uns nie zu träumen gewagt hätten: Einen „all inc. Kurzurlaub“ im Süden der Türkei.

 

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Donnerstag Abend geht es los. Wir sind happy und mit der Aussicht auf ein paar wundervolle Tage, weitab von Deutschland, dass uns in den letzten Monaten soviel Ärger, Kummer und Ungnade hat zuteil werden lassen, fällt das Fasten auch leichter als gedacht.

Auf Reisen darf man fasten, man muss aber nicht und kann die Tage später nachholen (ausser man bleibt länger als eine bestimmte Anzahl von Tagen – meist 10- an einem Ort.) – wir machen wohl von letzterem Gebrauch. Allahu alem!

Wenn wir zurück sind, hoffe ich, dass es bald bergauf geht. Der Druck, dass alles irgendwann doch einmal klappen muss, lastet doch schwer, auf Amin und auf mir.

In wenigen Wochen mehr + Urlaubsfotos! 😉

Fernweh und Herzweh

Immer öfter sitzen wir abends bei einander, nebeneinander und googlen heimlich nach günstigen Flügen nach Jordanien. Wir ertappen uns dabei, schmunzeln und verwerfen die Idee dann schnell wieder.

Kein Geld, kein Erfolg, so können wir nicht zurück.

Der Winter ist nicht der Längste oder der Kälteste und eigentlich geht es uns gut. Aber wir befinden uns irgendwie im Stillstand. Noch hast du keine Berufserlaubnis, noch gehe nur ich arbeiten. Das nimmt dich mit, zusehends. Du kompensierst das, in dem du immer alles in Ordnung hälst, unter der Woche kochst und backst. Aber ich sehe dir an, wie  unglücklich du mit all dem bist. Du lernst und lernst und wenn du mit mir sprichst, und mit einem fast französisch klingendem Akzent, Deutsch sprichst, dann tust du das laut und selbstbewusst. Sobald fremde dabei sind, wirst du ruhig, schüchtern, deine Stimme zittert.

Du hast Angst vor der großen Prüfung, ohne die du aber nicht arbeiten darfst. Ich versuche dir die Angst zu nehmen, dich aufzubauen. Aber ich weiß, dass du ein Erfolgserlebnis brauchst, eines das nicht nur von mir geschaffen und gewürdigt wird, sondern eines in Form eines Zertifikates und am besten inkl. Arbeitsvertrag.

Du warst so motiviert am Anfang. Jetzt legt sich beim Lernen manchmal ein Schleier von Traurigkeit über deine Augen. Du willst alles perfekt können und stehst dir dabei selbst im Wege.

Das Herz tut mir weh dich so zu sehen. Ich weiß, es ist alles eine Frage der Zeit und bald haben wir es geschafft. Aber das nimmt dir deine Angst nicht, jetzt nicht. Und es lässt dich des Nachts auch nicht besser schlafen. Im Gegenteil, du tigerst rastlos durch die Wohnung und findest deinen Schlaf erst völlig erschöpft in den frühen Morgenstunden. Auswanderer, so wie du einer bist, sind häufig anfällig für eine Depression. Vor allem wenn alles nur langsam vorangeht und selbstgesteckte Ziele nicht im geplanten Zeitrahmen erreicht werden.

Ich würde dir gerne alles leichter machen. Ich denke an unsere unbeschwerte Zeit in Amman im letzten Sommer und schwelge im Fernweh – so wie du. Weil du dort stark sein konntest und dich hier viel zu oft schwach und klein fühlst, egal wie oft ich dir sage, dass du es nicht bist.

In wenigen Monaten haben wir das alles überwunden, dann wirst du für deine Geduld und deine harte Arbeit belohnt werden , hab nur etwas Geduld…nur ein bisschen noch حياتي ! Bis dahin träumen wir einfach weiter von günstigen Flügen und einem baldigen Wiedersehen mit der Familie in Amman…

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Das Ende und der Anfang

Es ist schon 2014! Wie die Zeit vergeht! Mein Blog ist ja schon beinahe 2 Jahre alt….und ich vernachlässige ihn gerade mehr als schändlich! Ich bitte um Vergebung, es wird sich bald ändern….sobald das Leben zu zweit alltäglicher geworden ist und ich vielleicht nicht mehr 40+ Std. die Woche arbeite (a dream might come true in 2014!)

Aber werfen wir erst einmal einen Blick zurück auf 2013 – das völlig kontroverse 2013!

2013 war das Jahr meines kaputten Knies, des geheilten Herzens, der gefundenen Liebe und verlorenen Freunde. Es war das Jahr der Reisen (Jordanien, Israel, Palästina, Belgien) und das Jahr des Betthütens, des halb-erzwungenen Abschieds von der alten, nicht mehr geliebten Arbeit und der direkte Wechsel in die neue, niemals geliebte Arbeit.

Ja, 2013 war viel, aufregend, langweilig, herzerwärmend und wutschnaubend. Ich habe selten ein solches Jahr gehabt. Das wundervolle ist die Liebe die ich in diesem Jahr finden durfte und die ich festhalten möchte und die mich umhüllt und mir Kraft gibt. Das traurige? Das Zerbrechen und Auflösen von Freundschaften.

Vielleicht sind große Einschnitte im Leben der richtige Moment, um sich zu verabschieden und zu beenden, was vielleicht schon länger zu Ende war?

Das würde passen, passen zu der Tatsache, das passend zum Jahresabschluß Freundin Nr. 3 mit androht die Freundschaft zu beenden. (Freundin Nr. 3 ist hier im Blog schon öfter aufgetaucht, z.B. hier und hier ). Es müsste mich traurig machen, nein falsch, es macht mich traurig, aber eigentlich müsste es mich mehr traurig machen. Sie war mir immer der vertrauteste Mensch auf der Welt. Und nun? Nun ist sie wütend auf mich. Ich habe meine Freundschaftspflicht vernachlässigt, hatte seit 3 Monaten (seit Amin da ist) keine Zeit für sie (keine physische zumindest, per whatsapp und Telefon mindestens alle 2 Tage Mehrstündig) und alle anderen sind bessere Freunde als ich.

Zwischen dem Bombardement ihrer Nachrichten versuchte ich sie mehrfach anzurufen, ich empfand Schreiben als zu unpersönlich – sie drückte mich weg. Das ist mir zu blöd.

Wenige Tage später frage ich sie, ob wir uns sehen können, reden können unsere Freundschaft kitten können. Sie wiegelt ab, keine Zeit, viel zu tun. Fast Schmunzle ich, war sie doch sooo verletzt und traurig, weil sie ja sooo an unserer Freundschaft hängt im Gegensatz zu mir und nun…. Nein, ich schmunzle nicht, ich sagte ja, fast. Denn ich bin ja tatsächlich weniger da, habe sie eher ausgeschlossen als mit einbezogen. Falsch war das allemal. Nur eine Rechtfertigung ist es nicht….vielleicht eher ein Zeichen?

Jetzt ist 2014, ich habe das Rauchen aufgegeben (ja immer noch!) und vielleicht muss ich auch noch ein paar mehr Dinge aufgeben, nicht weil ich bescheidener, gesünder oder vorbildhafter sein will, sondern einfach um das Leben mehr genießen zu können. Das wollen wir doch alle – das Leben genießen können – dafür ist es da oder nicht?

2014….ich bin gespannt!

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Vom Einfluss des Krieges

Nicht, das dies falsch verstanden wird. Ich schreibe hier keinen politisch oder religiös motivierten Blog. Also hat alles was ich schreibe auch nicht den Anspruch, in irgendeiner Weise wahr oder valide zu sein. Es sind lediglich meine Gedanken, meine Empfindungen. Und ich schreibe das hier nur zu Beginn, um klar zu machen, dass ich keine politisch/religiöse Grundsatzdebatte führen möchte.

Zwei Tage ist es her.

Wir sitzen gemeinsam auf dem Sofa, du lernst und ich lese ein Buch. Der Fernseher läuft, Al Jazeera und Euronews im Wechsel. Du brauchst irgendwelche Hintergrundgeräusche beim Lernen. Ich bin da anders, mich lenkt es immer zu sehr ab. Ich kann die Worte nicht so ausblenden wie du und darum höre ich auch als Erste die Wortfetzen

Suicide bombing – Iranian embassy – Beirut

Das Buch rutscht mir aus der Hand. Ich berühre wortlos deine Schulter und dein Blick wandert erst zu mir und dann zum Bildschirm, wo die Bilder aus Beirut gezeigt werden. Du legst dein Buch zur Seite, nimmst meine Hand und verfolgst, ebenfalls wortlos, die Meldung.

Wer so oft Nachrichten sieht wie wir (eigentlich ist nur dafür der Fernseher an), der wird im Grunde den gesamten Tag mit Nachrichten über Krieg, Attentate und unzählige Tote, überall auf der Welt, konfrontiert. Wäre man jedesmal geschockt, würde man aus der Schockstarre kaum noch hinaus finden. Man ist abgehärtet.

Es geht nicht um die Anzahl der Toten bei dieser Meldung (23) und auch nicht darum, dass ich oder gar du ,uns der iranischen Regierung so verbunden fühlten (eher im Gegenteil). Es geht, und da sind wir uns schweigend einig, um das was ein solcher Anschlag aussagt.

Schon vor Monaten, damals saßen wir in einem Café in Amman, hatten wir eine Nachricht ähnlich schweigend, schockiert und ängstlich verfolgt. Damals ging es um die Auswirkung des Syrienkrieges auf den benachbarten Irak, die steigende Gewalt zwischen den beiden großen muslimischen Gruppen. Sunniten und Shiiten.

Immer deutlicher wird, für uns, was in einer Revolution gegen Diktatoren beginnen mag, scheint zwangsläufig int in einem Krieg um die islamische Deutungshoheit zu münden (jedenfalls in den Ländern, in denen die Religionszugehörigkeit so gemischt ist wie in Syrien, Irak, Afghanistan, Pakistan, Libanon…).

Wenn ein Anschlag auf die iranische Botschaft verübt wird, dann ist es in diesem Zusammenhang, eher weniger ein Anschlag auf ein Unrechts-Regime, sondern ein Anschlag auf das Land mit einer shiitischen Mehrheit – die an der „Macht“ ist und den Diktatoren Assad aus Syrien unterstützt.

Russland unterstützt Syriens Regime viel offensiver – niemand hat die russische Botschaft angegriffen.

Ich schnappe mir die Decke und gehe in die Küche. Du folgst mir und wir sitzen uns schweigend gegenüber.

Ich weine. Ich weine nicht um die Opfer des Anschlags, nicht weil sie es nicht verdient hätten, das man um sie weint, aber weil ich dann jeden Tag um all die Opfer von Krieg und Hass weinen müsste. Ich weine, weil es mir Angst macht.

Weil mir der Hass Angst macht.

Ich habe mich nicht vor vielen Jahren für eine andere Religion als das Christentum entschieden, weil ich eine Gemeinschaft suchte oder Zugehörigkeit brauchte. Ich habe mich dafür entschieden, weil die Lehre dieser Religion meine Seele berührte. Um die Menschen und ihre Taten habe ich mich anfangs wenig geschert.

Aber irgendwann, selbst wenn du immer noch nicht das große Bedürfnis nach einer Gemeinschaft suchst, selbst wenn du entgegen vieler Meinungen, einen Mann geheiratet hast, der nicht deiner Gruppe angehört (und für dich ist es nicht anders, das weiß ich!) – weil dir die Gruppenzugehörigkeit nicht wichtig ist, selbst dann bist du nicht frei, von dem „Wir“ und „Ihr“ Denken. Es kommt manchmal einfach über dich.

Sie zerstören alles. Das wird alles zerstören!

Ich weiß…

Warum hören sie nicht auf? Wo sind all die Gelehrten, die angeblich den Glauben studiert haben?

Ich weiß es nicht, Ninjaan albi…

Ihr werdet gewinnen, diesen Krieg gewinnt ihr…

Und was wird dann? Dann gibt es keinen sicheren Ort mehr, dann ist alles verboten!

Das stimmt nicht! Sag das nicht! Es sind doch nicht alle so!

Wer garantiert, dass die die nicht so sind, entscheiden werden? Wer garantiert das? Die arabische Liga? Saudi Arabien? 

Ich dachte du meinst mit „sie zerstören alles“ alles. Aber du meinst alles was euch gehört.

Ich meine auch alles, alles und das. Und was uns gehört, gehört uns allen. Aber sie zerstören es doch, wann immer sie können!

Niemand wird davon etwas zerstören!

Nein? Sie haben auch die Gräber in Saudi Arabien zerstört. Einfach dem Erdboden gleich gemacht. Weil sie sagen es ist verboten! Alles ist immer verboten! Wir sind verboten! 

Sie haben…das wird nicht wieder passieren!

Nein? 

Nein!  Iran muss nur aufhören. 

Iran muss mit vielem aufhören, vieleeeeeem. Aber damit? 

Ja, damit auch.

Und dann? Dann ist Frieden? 

Ich glaube nicht…

Ich glaube auch nicht

Ich will nicht das es so ist, ich will nicht das es so weit kommt und ich habe Angst, dass es uns auch beeinflusst..

Das wird es nicht, niemals! 

Du hast recht…entschuldige

Du hast auch recht…es gibt kein unseres und euers und…

Für die vielleicht…aber für uns nicht!

Genau! 

Wir sitzen noch eine Weile schweigend da. Es tut mir leid, sagst du noch. Und ich bin nicht sicher was du meinst, aber ich wiederhole deine Worte, als Zustimmung.

Wir glauben das dieser gesamte Konflikt noch viel größere Kreise ziehen wird, wir befürchten es zumindest. Es erschreckt uns, bringt uns dazu wirre Gedanken zu haben und schnürt uns dann die Kehlen zu. Später liegen wir nebeneinander im Bett und halten unsere Hände.

Und unsere Kinder?

Die werden niemals, NIEMALS so sein!

Und was werden sie dann sein? 

Ich hoffe, klüger als wir alle…

 

75

FÜNF – UND – SIEBZIG lange Tage und Nächte war ich ohne dich. Gut, dass ich die Tage am Anfang nicht gezählt habe, wie sehr hätte mir diese, für ein sehnsüchtiges Herz, erschreckend hohe Zahl den Boden unter den Füßen hinweg gefegt. Ich habe sie nicht gezählt, die Tage nicht und die Stunden nicht, nur die Monate. Ich glaubte es würde würde eine Ewigkeit dauern, weil jeder Tag ohne dich schon der Ewigkeit gleich kommt. Es war eine Ewigkeit, eine, die nun ihr Ende findet. All die Dinge die ich ohne dich sah, fühlte, roch und erlebte, ich sah, fühlte, roch und erlebte sie nur halb. Weil du meine Hälfte bist.

Wenn ich mit dir bin, dann sehe ich die Welt wieder mit den Augen eines Kindes, ich bin fasziniert von allem, ich fühle mich so leicht und unbeschwert. Die Welt, sei es Wüste oder betonierte Großstadt, wird in deiner Gegenwart zu einem Kunstwerk, einer Wunder-Welt.

Mit dir wachsen mir Flügel, große, starke, solche die die Angst vor dem Sturm nicht kennen, weil ein unsichtbarer Schutz sie umhüllt.

75 Tage.

Ich will, für den Rest meines Lebens, nie wieder 75 Tage von dir getrennt sein, weil die Welt dann keine Wunderwelt mehr ist und mir die Flügel kläglich zusammen schrumpfen würden.

opjpoj

Wenn Wünsche in Erfüllung gehen

„In der Tiefe eurer Hoffnungen und Wünsche liegt euer stilles Wissen um das Jenseits;
Und wie Samen, der unter dem Schnee träumt, träumt euer Herz vom Frühling.
Traut den Träumen, denn in ihnen ist das Tor zur Ewigkeit verborgen. “

Khalil Gibran

„Sie haben mich angerufen.“ sagt er. Mir stockte der Atem, für eine Sekunde versucht mein Gehirn noch das heutige Datum abzurufen, dann ist es um mich geschehen, die Tränen schießen mir in die Auge, vor Freude. So fühlt sich Erlösung an.

Neben mir die Wiese, die Sonne scheint, beinahe hätte ich mich auf die Knie fallen lassen, mein Körper schreit nach einer Ausdrucksmöglichkeit. Aber ich verkneife es mir, muss es mir verkneifen, weil mein Knie das nicht mitmachen würde. Ich laufe also, eher unbeholfen, auf und ab, vergesse das ich auf der Arbeit bin.

Wir sprechen gleichzeitig, sind aufgeregt, zweifeln für eine Sekunde, wischen die Zweifel wieder fort. Es ist soweit. Es ist unglaublich! Nur 4 Wochen nachdem er das Visum beantragt hatte, wurde es ihm bewilligt! Wir lachen und weinen gleichzeitig. Vor Erleichterung. Wir haben uns fast 2 Monate nicht gesehen, mit jedem Tag, wurde es schwerer. Und die Unsicherheit, die Angst, dass alles schief laufen würde, die nagte an uns – wir trauten uns kaum zu planen, auch nur zu träumen, aus Angst, es würde mit einem Anruf zerschlagen werden.

Erleichterung, Liebesbekundungen, Ideen und Pläne sprudeln nur so aus uns heraus.

Abends, telefonieren wir wieder, planen, lachen und dann sind wir plötzlich ruhig.

„Mein Kollege hat auch ein Visum beantragt….es wurde abgelehnt.“ sagt er leise. Ich schweige. „Wir haben so ein Glück…wir haben ein solch unendliches Glück…“ – Schweigen.

Da ist sie wieder, die Angst.

Wieviel Glück können Menschen haben? Keiner von uns beiden ist jemals sonderlich vom Glück verwöhnt worden, auch nicht vernachlässigt, aber leicht, das war es nie. Plötzlich ist es leicht, ist die Liebe leicht, das Leben leicht.

Wie leicht kann das Leben sein? Einmal im Leben denke ich mir… Einmal im Leben, sagt er. Da darf es doch so sein, darf es so sein, ohne dass wir dafür bezahlen müssen.

Warum diese Angst?

Vielleicht haben wir verlernt uns aus tiefstem Herzen zu freuen und zu vertrauen, darauf das es einmal auch leicht sein wird?

Wenn wir nur dankbar sind…. Wir sind dankbar, unendlich dankbar.

Bitte nimm uns das nicht, denke ich mir, bitte schütze uns. Dieses eine Mal soll es leicht sein!

sgdg