Was ich erwarte

Nach einem langen Gespräch mit meiner besten Freundin gestern Abend, dem üblichen „Was wollen Männer eigentlich“ Palaver kamen wir zu dem Punkt an dem wir feststellten, dass es viel mehr darum gehen sollte was WIR eigentlich wollen. Was erwarten wir von einem Mann, mit dem WIR bereit sind unser Leben zu teilen?

Während ich gestern Abend vergeblich auf ein Lebenszeichen von Mr. Roro gewartet habe (das kam dann nachts um 2 Uhr – sorry, da schlafe ich!) hatte ich genügend Zeit mir darüber Gedanken zu machen, was ich eigentlich will und was genau ich von einem Mann erwarte.

1.) Ein gesundes Maß

Ein gesundes Maß ist für mich in allen Lebensbereichen wichtig, ich mag keine Extreme, in keiner Hinsicht. Das beginnt schon mit dem Kennenlernen. Ich erwarte weder den ganzen Tag mit Nachrichten und Telefonaten bombadiert zu werden, noch warte ich gerne 12 Stunden auf irgendeine Reaktion/Antwort. Das Eine erdrückt mich, das Andere vermittelt mir, ob nun gewollt oder nicht gewollt, Desinteresse und vorallem verhindert es, m.E. den Kontakt auf Augenhöhe. Ich antworte sobald ich kann, ich glaube ich habe noch niemals 12 Stunden gebraucht um zu antworten (12 Stunden sind hier nur ein Beispiel). Das gesunde Maß ist auch in einer Beziehung wichtig, ich möchte keinen Mann der sich für mich aufgibt, nur noch für diese Beziehung lebt, aber auch keinen Mann, für den die Beziehung zu mir eine Nebensächlichkeit darstellt. Ein gesundes Maß an Aufmerksamkeit und Interesse ist für mich unverzichtbar. (Im Übrigen halte ich mich natürlich selbst an diese Regeln, ich bombadiere niemanden mit Nachrichten, überschütte niemanden mit meinen Gedanken, zeige aber Interesse oder vermittele eben Desinteresse in einer angemessenen Form. Ebenso ist ein Partner für weder der einzige Lebensinhalt oder nur eine Randerscheinung, was ich mir wünsche bin ich auch bereit zu geben!)

2.) Lebenserfahrung

Dieser Punkt ist keinesfalls am Alter zu messen, sondern wirklich auf die Erfahrungen bezogen die ein Mensch im Laufe seines Lebens gemacht hat. Ich brauche einen Mann der mir durch seine Erfahrungen Neues vermitteln kann, weil ich Herausforderungen brauche, neugierig bin und man meine Bewunderung nicht durch materielles oder einen Status erweckt, sondern nur durch eine Persönlichkeit die an ihren Erfahrungen bereits gereift ist. (Ganz oberflächlich bevorzuge ich aber auch (vielleicht auch aufgrund eigener Erfahrungen?) Männer ab 30 aufwärts)

3.) Kreativität

Kreativität muss nicht allein auf den künstlerischen Bereich bezogen sein, wobei ich doch gestehen muss ein gewisses Faible dafür entwickelt zu haben. Kreativität bedeutet für mich auch einen wachen Geist zu haben, der in der Lage ist mit verschiedenen Situationen relativ schnell umgehen zu können. Kreativität weckt mein Interesse.

4.) Augenhöhe

Wie schon unter Punkt zwei angedeutet ist Augenhöhe etwas sehr wichtiges für mich. Ich will einen Mann auf Augenhöhe, einen Mann zu dem ich nicht wie ein Schäfchen aufblicken muss und keinen der mir , meinen Gedanken, Interessen und Lebensgewohnheiten nicht gewachsen ist. Ich möchte sehen, dass ein Mann von sich überzeugt ist von dem was er kann und weiß, ohne dabei in Arroganz zu versinken (<- gesundes Maß)

5.) Und zu guter letzt noch etwas Romantik

Ich erwarte Aufrichtigkeit. Ich bin nicht anfällig für vorschnelle Liebesschwüre, weil ich selbst nicht von dieser Sorte bin. Je aufrichtiger jemand ist, desto leichter fällt es auch mir, aufrichtig und offen über meine Gefühle zu sprechen, egal in welchem „Stadium“ einer Beziehung man sich gerade befindet.

Mal davon abgesehen, dass es ziemlich rational und unromantisch klingt, halte ich meine Erwartungen für „normal“ und durchaus „erwartbar“ – komischerweise sehe ich nur immer und immer wieder in meinem näheren Umfeld, dass es so nicht wirklich funktioniert – Ansprüche runtergerschraubt werden, Erwartungen aufgegeben werden zu Gunsten – zu Gunsten von? Ich weiß es nicht, einer Beziehung vielleicht?

Gerade die unter dem ersten Punkt angesprochene Kennenlernphase artet immer wieder in ein „Spiel“ aus, wer meldet sich zuerst, wer öfter, wer antwortet wann – ich muss gestehen, dieses Spiel bin ich leid, so leid. Ich bin da mit der Zeit ziemlich kompromisslos geworden – ich kämpfe nicht um etwas von dessen Wertigkeit man mich noch nicht überzeugt hat – vielleicht werde ich deswegen noch eine ganze Weile länger Single bleiben…?

Flirten 2.0 ? (Ob das gut gehen kann?)

Mein Blog mag irgendwie (abgesehen von der Begegnung mit dem Ex) suggerieren, es gäbe ausser Yaya weit und breit keinen Mann in meinem Leben und das in immerhin beinahe zwei Jahren (Kennenlernphase ohne Körperkontakt jetzt mal mit eingerechnet) und das entscheidende daran: ohne überhaupt in einer Beziehung mit ihm zu sein! Ich glaube damit hätte ich mir den „Monogamie Preis“ in der Kategorie „Freundschaft Plus/Affaire/Unerwiderte Liebe verdient, alternativ könnte man mir auch einfach eine Narrenkappe aufsetzen.

(„And the gilded duncecape goes to…)

Aber wie schon der meine Geschichte mit B zeigte, bin ich gerade so noch mit einer Nominierung davon gekommen. Und auch derer bin ich nur würdig, weil mein Blog (Ja, er hat ein Eigenleben auf das ich keinen Einfluß habe!) mich in dieses Licht gerückt hat! In Wirklichkeit ist alles viel spannender und ich habe UNzählige Verabredungen – gut, das ist auch gelogen. Ich hatte in diesem Jahr vielleicht zwei oder drei? Aus keinem ist etwas geworden, bei keinem hat sich irgendetwas wie ein Gefühl entwickelt und im Grunde war jedes dieser Dates nur ein verzweifelter Versuch Yaya zu vergessen und über ihn hinwegzukommen. (Womit natürlich jede Möglichkeit auf mehr von Vorneherein im Keim erstickt ist)

Womit wir beim eigentlichen Problem wären – keiner interessierte mich genug, niemand berührte mich genug, als das ich das Bedürfnis verspürt hätte darüber zu schreiben – mich überhaupt daran zu erinnern. Keines der Dates war irgendwie spektakulär oder aussergewöhnlich weder im guten noch im schlechten Sinne – vereinfacht gesagt: Sie waren schlicht und ergreifend unbedeutend.

Aber nun, und ich habe fast Angst darüber zu schreiben, ist da jemand, der mich interessiert. Nein, es gab noch kein Date, also eigentlich viiiiel zu früh um überhaupt darüber zu schreiben, es „öffentlich“ zu machen – aber ich bin jetzt einfach mal mutig. Es ist nicht so, dass ich jetzt schon total euphorisch über eine mögliche Beziehung  phantasiere (ok habe ich doch, aber hey, mal ehrlich, wer macht das nicht heimlich?) oder schon auf Wolke 7 schwebe, nein das nun wirklich nicht, aber ich bin – interessiert.

So, kommen wir nun mal zu ihm, darum schreibe ich das hier ja schließlich alles!

FB machts möglich, Flirten 2.0 so zusagen – seit Yaya habe ich darin zwar einige Erfahrungen gesammelt, aber ein wirklicher Fan bin ich davon immer noch nicht und so habe ich mir auch nicht wirklich was dabei gedacht, als ich plötzlich eine Nachricht von, nennen wir ihn: Roro erhielt. Aus einer Nachricht wurde schnell ein langes Gespräch/Chat. Freundschaftsanfrage wurde verschickt – Fb/Stalker Check durchgeführt (ja, auf seinen etwa 500 Fotos sieht er durchgehend ziemlich ansprechend aus und seine Musikvideos und Statements sind allesamt interessant/gut), beide Seiten schienen zu demselben Ergebnis gekommen zu sein und so schrieben wir uns auch am darauf folgenden Tag, mittlerweile bei Skype.

Nach 2 Tagen intensivem Geschreibe wurden Nummern ausgetauscht – wenn schon dieser 2.0 Mist, dann aber bitte mit Stimme! Auch das Telefonat verlief gut, es macht Spass sich mit ihm zu unterhalten, er ist lustig, vielseitig interessiert, seine Stimme hat einen schönen Klang und es gibt nicht diese „Was soll ich jetzt sagen?“ Momente.

Die gesamte letzte Woche schreiben wir, telefonieren hin und wieder – ich freue mich über Nachrichten von ihm, werfe manchmal schon fast einen sehnsüchtigen Blick auf mein Handy. Es gefällt mir, er gefällt mir. Leider, leider wohnt er 200km entfernt – das ist kein Ausschlußkriterium für mich, im Gegenteil, ich halte die FernBeziehung für die, für mich einzig funktionierende Beziehungsart (Freiheitsdrang etc.), allerdings bin ich mir nicht sicher wie er das sieht. Wir flirten miteinander, das ist offensichtlich, doch wohin das führen soll (Verabredung ja oder nein?) ist mir nicht ganz klar, da er, ebenso wie, ich dazu neigt sich in Wortspielen und Wortwitz zu verlieren – ohne klare Aussagen zu treffen.

Für mich wäre es definitiv an der Zeit ihn zu treffen, auf einen Kaffee – weg von 2.0 -> back to the roots, dafür fahre ich auch mal 200km (da ich Freunde in seiner Stadt habe, würde sich das gut kombinieren lassen). Um mehr Interesse zu entwickeln, muss ich jetzt den gesamten Menschen sehen, seine Mimik und Gestik während er spricht, sehen ob wir uns „riechen“ können, das ist mir wichtig. Aber noch macht er keine Anstalten es auszusprechen. (?)

Wie bereits erwähnt, es ist eigentlich noch viel zu früh darüber zu schreiben und doch habe ich den Drang danach verspürt es niederzuschreiben. Ich war wirklich lange nicht so beeindruckt von jemandem. Sein bewegtes Leben (Leben auf mehreren Kontinenten in mehreren Ländern), sein Interesse an Literatur und Musik – das alles hat mich sehr neugierig gemacht – neugierig auf mehr. Dieses „mehr“ müsste dann allerdings fernab der „neuen Kommunikationsmedien“ ablaufen.

Gespannt warte ich also nun, auf das was kommen mag (oder auch nicht?) – das Interesse ist da, seit langem das erste Mal, vielleicht beruht es ja wirklich auf Gegenseitigkeit?

 

Reflektion ist alles!

Alles steht und fällt mit der Reflektion. 

Das zumindest trichtert man Pädagogen jeder Couleur ein. Egal was du machst, wie du es machst, wenn du es ordentlich reflektieren kannst, ist alles gut. Vielleicht ist das nicht nur in der pädagogischen Arbeit so? Vielleicht könnte man diesen Satz, den ich zugegebenermaßen für leicht überzogen halte, auch auf andere Bereiche des Lebens anwenden? Warum auch nicht?

Gut, in weiten Teilen wird es eine reine Selbstreflektion sein, die sonst keiner, ausser vielleicht der engsten Freunde und Familie, beurteilen könnte. Aber auch Selbstreflektionen, ganz allein mit sich selbst, können hilfreich sein, dass kann ich aus der Praxis tatsächlich bestätigen. Und hilfreich ist doch immerhin schon mal ein Anfang. Hilfe klingt immer gut, brauchen wir alle mal – ich auch, gerade besonders. Und was könnte mir besser helfen, als eine Reflektion?

Und da ich mich seit Wochen, nein Monaten, vielleicht sogar schon bald 1 1/2 Jahren (!) in einer Art „Pattsituation“ befinde, wäre es vielleicht tatsächlich mal angemessen mich selbst zu reflektieren. Genauer gesagt, meine Art zu lieben.  Wie genau ich darauf komme? Nun, den Denkanstoß gaben mir zwei, eher so beiläufig im Gespräch gefallene Sätze, von zwei Freundinnen.

So sagte mir die Eine vor wenigen Tagen, dass meine Gefühle gegenüber Yaya schon an „Besessenheit“ grenzen würden. Ich sehe das zwar nicht so, aber vielleicht nur, weil ich mich nicht genug reflektiere? Vielleicht, weil es mir selbst nicht auffällt, vielleicht weil einem selbst, Besessenheit äußerst selten bewusst ist?

Eine Andere erzählte mir heute von einer gemeinsamen Freundin die, zumindest gefühlt, zum 100mal in diesem Jahr verliebt ist, natürlich so richtig, richtig echt. Ich seufzte nur und gestand, dass ich unsere Freundin beneiden würde, weil sie sich immer auf´s Neue so verlieben kann…eben solange, bis mal der Richtige kommt und vor allem auch bleibt (!). Sie ist dann mit Haut und Haaren dabei, wenn der Typ dann weg ist, leidet sie auf höchstem Niveau, bis der nächste kommt – es erscheint wie eine endlos Schleife – aber warum nicht? Besser als Ewigkeiten an etwas zu hängen und vor allem Ewigkeiten zu brauchen, bis man einmal wieder das Gefühl der „Verliebtheit“ empfinden kann, welches, seien wir mal ehrlich, doch wirklich toll ist, egal für wie lange es anhalten mag. Meine Freundin stimmte mir zu, auch sie würde die Andere heimlich beneiden, aber sie wäre da ja auch nicht „soo extrem“ wie ich, die sich nur alle Jubeljahre mal verliebt, von lieben gar nicht zu sprechen.

So, da sagen mir also zwei meiner besten und ältesten Freundinnen, dass ich irgendwie eine „extreme“ Art an mir habe, wenn es um die Liebe geht. Das sollte tatsächlich zum Nachdenken anregen. Was ist denn bei mir so „extrem“ und warum fällt es mir selbst überhaupt nicht so auf? Haben meine Erfahrungen mit Männern mich so gemacht oder habe ich einfach einen Hang dazu?

Bin ich extrem? Bin ich eine extreme „Liebhaberin“ und eine extreme „Nicht Liebhaberin“ ?

Dazu sollte ich vielleicht einfach mal einen Blick auf „meine Männer“ werfen, einen etwas intensiveren, vom Ersten bis zum Letzten. Vielleicht wird es bei genauerer Betrachtung, bei einer Reflektion, plötzlich „Klick“ machen?

Ein Versuch ist es wert.

Also erzähle ich morgen mal von dem Ersten, Viko, dem Jungen (er war noch kein Mann) mit dem, für damalige Verhältnisse, schönstem blonden Pottschnitt und der coolsten Lederjacke überhaupt.

Reflektion ist alles! Und Sokrates sagte schon:

Du bist wunderschön, aber…

Heute mal was ganz anderes.

Kennt ihr das, wenn urplötzlich ein bestimmtes Thema, mit dem ihr euch nicht absichtlich/willentlich auseinandersetzt,  überpräsent wird? Ihr sucht nicht danach, lest nicht absichtlich auf Seiten, in Zeitungen darüber und beginnt auch kein Gespräch mit Freunden über dieses Thema und dennoch ist es da?

Ein Thema, mit dem ich mich freiwillig überhaupt nicht beschäftigen würde, durch Zufälle und Freunde (oder nicht Freunde?) ist das „Schönheitsideal“.

Grund 1: Zwei meiner besten Freundinnen haben in den letzten Monaten strikte Diäten durchgeführt und einiges abgenommen. Mindestens eine von ihnen war immer schon schlank – jetzt eben noch mehr. Das hat eine regelrechte „Abnehmwelle“ in meinem gesamten Freundeskreis ausgelöst – ständig wird über die neusten Diäten gesprochen, Eine radikaler als die Andere. Es freute mich natürlich für meine Freundinnen, nicht weil ich finde, dass sie nun viel schöner sind oder weil sie vorher gesundheitliche Probleme hatten, sondern weil ich sah, dass ihr Selbstbewusstsein dadurch größer wurde.

Grund 2:  Immer wieder stoße ich neuerdings auf Artikel, die sich mal kritischer, mal weniger kritisch mit dem Thema auseinandersetzen. Vielleicht gibt es diese Artikel immer in dieser Häufigkeit und es fällt mir nur verstärkt auf, weil gerade diese Welle durch mein Umfeld weht, vielleicht aber auch nicht.

Meine beiden Freundinnen hatten nun also an Gewicht verloren, dafür aber an Selbstbewusstsein zugelegt. Alles könnte gut sein. Wenn wir ausgehen tanzen sie mehr, brauchen weniger Alkohol, um locker zu sein, die Reaktion der Männer lässt sie aufblühen. Doch nicht alles was glänzt ist auch Gold. Beide verliebten sich etwa zur gleichen Zeit in zwei Männer. Beide signalisierten Interesse, ließen sie im Nachhinein aber doch fallen und entschieden sich für eine jeweils Andere.

Liebeskummer, Ablehnung, beides ist immer scheisse. Ich stellte aber mit Erschrecken fest, dass meine Freundinnen nun begonnen es auf ihre „noch nicht perfekte Figur“ ihr nicht „schön genug sein“ schoben. „Ich bin nicht schön genug für ihn,“ weinte die Eine. „Ich hab doch alles gemacht, damit er mich schön findet! Wie kann er jetzt eine Andere nehmen?“ schluchzte die Andere. Und ich? Ich stehe daneben, trockne Tränen und versichere meinen Freundinnen, dass sie doch schön genug sind – würde ihnen aber eigentlich lieber sagen, dass sie wundervoll sind, klug, witzig, charmant und einfach jemand Anderen verdient haben, der genau das in ihnen erkennt.

Zu dieser Zeit entdeckte ich dann einen Artikel im Internet, darüber, wie Frauen oftmals schon von klein auf zu hören bekommen was für sie, als Frauen, das Wichtigste im Leben ist: Schön sein.

Sei schön, sei schlank, nimm ab – sonst heiratet dich doch niemals einer! – ungefähr so war der O-Ton der unzähligen Aussagen, die Frauen über ihre frühe Kindheit bis hin zum Erwachsenenalter von ihren Eltern oder Verwandten zu hören bekamen.

Ich musste mich unwillkürlich schütteln und erinnerte mich an meine Kindheit. Daran, dass meine Eltern, weder Vater noch Mutter, mich jemals in ein Kleidchen gesteckt haben und mir gesagt habe, ich sähe ja nun so wunderschön aus. Wunderschön sein, hübsch sein, süß sein – ich glaube diese Begriffe fielen so gut wie nie bei uns. Meine Eltern, vor allem mein Vater, lehrte (n) mich ganz universelle Dinge. Und mit einem Lächeln stellte ich fest, dass mein Vater, der immerhin noch während des 2. Weltkriegs geboren wurde, mich wohl so „feministisch“ und „gendergerecht“  wie nur irgendwie erzogen hatte , obwohl er heute über diese Worte meist nur Schmunzeln kann.

Über diese Tatsache erfreut, schrieb ich ihm prompt eine Email, bedankte mich bei ihm, denn wie ich heute bin, wie ich heute denke, das hat sicher auch viel damit zu tun, was er (und meine Mutter) mich damals als Kind lehrten. Mein Selbstbewusstsein speist sich aus der Überzeugung, dass Schönheit eine Kombination von Innerem und Äußerem ist, wobei das Innere schwerer wiegt.

Seine Antwort folgte prompt. Zusammenfassung:

„Alles was ich für dich wollte ist, dass du Ideale hast und nach ihnen strebst, dass du gesund und glücklich bist und auch in schwierigen Momenten Charakterstärke beweisen kannst – ich glaube, das ist mir gelungen. Ich liebe dich – dein Papa.

Das ist es, was ich mir von meinem Vater wünsche – nicht das er mir sagt, ich wäre schön – schön muss ich mich selbst fühlen – das kann mir keiner abnehmen.

Keineswegs jedoch, war ich immer so. Wenn ich heute sage, dass ich mich von diesem Schönheitswahn abwende, ihn ignoriere und nicht mal eine Waage zuhause habe, dann hat das einen bestimmten Grund. Kurz vor meiner Pubertät war ich relativ pummelig und obwohl meine Eltern (weil es eben noch nicht gesundheitsschädlich war) mich nie drängten oder darauf ansprachen, begann ich mit 13 (!) meine erste Diät. Aber was weiß man mit 13 schon über gesunde Ernährung? So ein Schulfach hatten wir noch nicht und Internet hatte ich auch nicht. Also hungerte ich. Das ging eine Zeitlang gut. Ich verlor ziemlich schnell etliches an Gewicht – doch dann kam die berühmte Stagnation. Ich nahm nicht mehr ab.

Aus Frust begann ich zu essen, aber weil ich vorher so gehungert hatte, vertrug mein Körper die Mengen (die nicht sonderlich groß waren) kaum noch – und so erbrach ich mich mit 14 Jahren das erste Mal. Seit ich 16 Jahre alt war, war ich wirklich schlank (Hosengröße 36). Ich bin aber eher sehr „kurvig“ gebaut  und so, und weil ich längst ein verzerrtes Selbstbild hatte, machte ich weiter: hungern, essen, brechen.

Mit 21 bekam ich Sodbrennen und trotz Kleidergröße 36/38 riet mir mein Hausarzt dazu doch etwas abzunehmen – sei gesünder! Ich machte weiter und meine Eltern standen hilflos daneben – unsicher und immer mit Selbstvorwürfen, was sie falsch gemacht hätten. (Nichts…ihr habt nichts falsch gemacht!)

Mit 22 Jahren wurde ich für 4 Wochen in die Kur gebracht, nicht wegen Sodbrennen oder meiner Bulimie, sondern wegen meines Asthmas. Dort im Speisesaal beobachtete mich eine aufmerksame Servicekraft, folgte mir einmal nach dem Essen auf die Toilette und alarmierte die Ärzte. 3 Tage später kam ein Psychologe zu mir, 2 Tage später wurde eine Magenspiegelung durchgeführt. Befund: Meine Speiseröhre war mit 22 Jahren beinahe zerstört, die Schließmuskel funktionieren nicht mehr, daher das extreme Sodbrennen (für das ich bis heute Medikamente nehmen muss).

Ich brauchte noch 2 Jahre, um die Bulimie gänzlich zu überwinden, aber ich schaffte es. Durch starke Kortison Therapien (Asthma) wurde ich zusätzlich auf die Probe gestellt – ich nahm nämlich unverhältnismäßig viel dadurch zu.

Seit etwa 3 Jahren halte ich mein Gewicht, mal 2 kg mehr, mal 2 weniger. Ich bin alles andere als schlank, aber zum ersten Mal seit langer Zeit, liebe ich mich selbst. Ich finde mich schön. Und darum, weil ich mir dies bewahren will – mache ich einen Bogen um Diäten, Schönheitsideale und Läden die extra kleine Kleidungsgrößen haben. Als ehemalige Bulimikerin ist man nämlich wie eine trockene Alkoholikerin.

Heute bin ich immun gegen das vorherrschende Schönheitsbild – jedenfalls zu 95%. Ich mag mich und strahle das wohl auch aus. Wenn mich jemand nicht will, dann denke ich nie darüber nach, er könnte mich nicht wollen, weil ich nicht schlank genug, nicht hübsch genug bin. Und im Grunde werde ich auch nie darauf angesprochen. Ich schaue traurig auf meine Freundinnen und wünsche mir so sehr für sie, dass sie ihr Selbstbewusstsein nicht ausschließlich aus den „Komplimenten“ von Männern und Frauen ziehen würden, die nur auf ihr Äußeres achten.

Immun…ja zu 95%, aber eben nicht zu 100%. Denn seit mich dieses Thema verfolgt, denke auch ich, mehr oder weniger unfreiwillig darüber nach und prompt geschieht etwas, dass eben diese 5% ausmacht. Gestern Abend schrieb ich bei FB mit einem Mann, denn ich in Jerusalem kennengelernt hatte. Es ist nichts besonderes, wir hatten uns nur ein paar Mal gesehen, etwas geflirtet und schrieben uns nun hin und wieder – er ist ganz nett, aber mehr Interesse habe ich nicht. Gestern Abend, aber fiel dann dieser Satz „ Du bist wunderschön, aber…, wenn du etwas abnehmen würdest, wärst du noch schöner!“

Aha…

Ich reagierte ziemlich abgeklärt, dankte für die Info, aber sagte ihm, dass ich nicht vor hätte etwas an mir zu ändern. Es folgten Entschuldigungen und Beteuerungen wie schön ich doch sei. – Danke, ich finde mich auch schön, aber du mich anscheinend nicht genug.

Ich frage mich manchmal, wie es ankommen würde, wenn ich einem Mann sage, dass er eigentlich ganz gut aussieht, aber besser aussehen würde, wenn er seine Nase operieren, Ohren anlegen, Lippen aufspritzen oder sonst was in der Art, tun würde?

Wie auch immer, das erste Mal seit langem begann ich im Internet nach Diäten zu suchen und erwischte mich prompt dabei, wie ich eine „Radikal Diät“ bevorzugte.

Als ich heute Morgen aufwachte und in den Spiegel sah, dachte ich nur „Wtf? Was habe ich da gestern Abend gemacht? Bist du bescheuert ninjaan? Du bist gut, so wie du bist! Nein, nicht nur gut, sondern toll!“  Nur weil ein Mann von 100 zu mir sagt, ich könne etwas abnehmen, gebe ich doch jetzt nicht ein Stück meiner Lebensqualität auf (und dazu gehört für mich gutes Essen, wenn ich Hunger darauf habe, soviel wie ich will und vor allem ohne schlechtes Gewissen!)

Was ich hier eigentlich mit diesem langen Post sagen will? Frauen (auch Männer): Findet euch selbst schön – liebt euch selbst. Und wenn ihr etwas an euch ändern wollt, dann macht es auf eine gesunde Art und auch nur dann, wenn ihr es wirklich für euch selbst tut!

Und ich trinke jetzt meinen 3. Milchkaffee, was mir die „radikal Diät“ von letzter Nacht nämlich verbieten wollte und genieße es!