Random thoughts #2

Die ganze Welt spricht über Kobane, als wäre es die einzige Stadt Syriens, als wäre der Krieg nur dort, als würden nur Yeziden sterben.

Diesen Sommer war das fasten im Ramadan besonders schwer, es war nicht nur recht einsam für uns und heiß und lang, es war auch überschattet von den immer grausameren Geschehnissen aus Gaza und Syrien/Irak. Ein Iftar (Mahlzeit des fastenbrechens nach Sonnenuntergang) aber war anders, wundervoll und gab uns viel Kraft.
Soha lud ein. Spontan und herzlich. Sie hätten extra halal Fleisch gekauft und würden nun bis Sonnenuntergang warten, um mit uns das vorbereitete Festmahl zu genießen. Wir wurden wie König und Königin empfangen, zum Sonnenuntergang gab es große Wassergläser und frische Datteln, von der Herrlichkeit der anderen Gerichte ganz zu schweigen! Bis tief in die Nacht blieben wir, gemeinsam mit Soha’s Brüdern, der Mutter, Schwägerin und den Kindern, rauchten Wasserpfeife, tranken duftenden schwarzen Tee aus goldumrandeten Gläschen und knabberten selbstgemachte Kekse. Amin blühte auf als alle mit ihm arabisch sprachen und genoss das Essen, die Gemeinsamkeit und all das Vertraute ganz besonders.
Irgendwann sah Soha zu Amin und sagte mit fester Stimme an mich gerichtet : „ich dachte für einen Moment, dass ihr vielleicht nicht kommt, unser Essen nicht wollt. Das war in Syrien oft so, auch wenn man befreundet war.“ Ich schluckte kurz und umarmte sie dann. „Niemals!

Monate später erreicht mich wieder eine Einladung von Soha. “ ich bin die Schlagzeilen so leid, das Leid so leid, bitte komm Ninjaan und lass uns das einen Tag vergessen.“ Das Leid vergessen, widerlegen das wir Feinde sind, die Zuneigung gegen alle Vorurteile spüren – das ist so wichtig!

Was wäre ich ohne das? Was wäre ich ohne meine Freunde und Bekannte die Juden, Christen, Yeziden, Atheisten, Agnostiker, Freikirchler usw sind, die mich immer wieder erinnern.

Erinnern daran, dass mein eingangssatz verbittert klingt und unfair ist. Unfair, weil es nicht Yeziden sind, die den Rest des Unrechts an die Seite schieben, nur weil sie auf ihres zurecht aufmerksam machen – sondern Medien.
Um nicht zu vergessen, müssen wir in Kontakt bleiben, miteinander reden. Immer!

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Sonne, Meer, Ramadan und die Suche nach Stabilität

Es ist Ramadan!

An alle meine muslimischen Leser und Leserinnen:

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Und in diesem Sinne:

Der Liebende findet das Licht nur, wenn er brennend
wie eine Kerze sich selbst verzehrt, 

Fariduddin Attar

Trotz Ramadan und gerade aufgrund unserer immer noch Recht „un-zufriedenstellenden“ Ausgangslage (Probleme -weiterhin- mit der Approbation und der Stellensuche, mein Vertrag ist gekündigt zum September…) haben wir uns entschlossen einen gemeinsamen Kurzurlaub zu unternehmen. Wann immer wir konnten haben wir in den letzten Monaten unser Geld zusammengekratzt, um auch einmal etwas anderes zu sehen. Raus kamen dabei bisher: Brüssel, Hamburg und Berlin. Jedesmal war es schön und doch kurz (3 Tage maximum!). Wir beide gehören zu dem Typ Mensch für den eine Kurzreise eine Entschädigung und eine Erleichterung ist, für all das, was nebenbei so schief läuft.

Nun ist in wenigen Tagen unser erster Hochzeitstag und den wollen wir, so hatten wir es einander versprochen, jedes Jahr, zumindest die Nacht, in einem Hotel verbringen. Gemessen an unserer derzeitigen Stimmung war aber eine Nacht im Hotel nicht genug und so freuten wir uns über den Lohnsteuerjahresausgleich und buchten, was wir uns nie zu träumen gewagt hätten: Einen „all inc. Kurzurlaub“ im Süden der Türkei.

 

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Donnerstag Abend geht es los. Wir sind happy und mit der Aussicht auf ein paar wundervolle Tage, weitab von Deutschland, dass uns in den letzten Monaten soviel Ärger, Kummer und Ungnade hat zuteil werden lassen, fällt das Fasten auch leichter als gedacht.

Auf Reisen darf man fasten, man muss aber nicht und kann die Tage später nachholen (ausser man bleibt länger als eine bestimmte Anzahl von Tagen – meist 10- an einem Ort.) – wir machen wohl von letzterem Gebrauch. Allahu alem!

Wenn wir zurück sind, hoffe ich, dass es bald bergauf geht. Der Druck, dass alles irgendwann doch einmal klappen muss, lastet doch schwer, auf Amin und auf mir.

In wenigen Wochen mehr + Urlaubsfotos! 😉